Ostküste USA 2014
Am 10. Juni beginnen wir unsere Reise wieder dort, wo wir im Februar 2014 aufgehört haben – Miami/Florida. Der MAN befindet sich in einem guten Zustand und so schnell waren wir noch nie wieder auf Achse. Begrüsst werden wir von tausenden, kleinen Mücken und Kaspar juckt und beisst es überall. Nun geht die Reise entlang der Ostküste (Atlantik) nach Norden. Übernachten des Öfteren am Strand. In Amerika herrscht striktes Alkoholverbot am Strand. Ein amerikanisches Pärchen hat zu tief ins Glas geschaut. Sie kann nicht mehr laufen. Die Polizei wird geholt. Ambulanz, Feuerwehr und Sheriff kommen mit Sirenengeheul und Blaulicht angefahren. Da sie zugegeben haben, etwas weniges Alkohol konsumiert zu haben, hat der Sheriff ein Einsehen und nimmt von der Busse von 150 $ Abstand. Der Sheriff riecht an den Flaschen. Sie müssen alle Getränke ausleeren und werden vom Strand verwiesen. Zähneknirschend räumen sie Zelt und ihre gesamt Habe zusammen und fahren ab. Der Sheriff entschuldigt sich bei uns, da unsere Sonntagsruhe gestört wurde. Es ist eine Affenhitze bis 100 Fahrenheit (39 Grad Celsius). Zum Glück stehen in den State Parks hohe schattenspendende Bäume. Abends ziehen oft Gewitter vom Inland heran und bringen etwas Abkühlung. Wir schlafen ohne Decke auf unseren Strandtüchern, um den Schweiss zu absorbieren.
Daytona
In ‚Daytona‘ gibt es zwei Sehenswürdigkeiten. Der Beach, auf dem man 5 Meilen im Einbahnverkehr fahren darf – dies für 5 Dollar – und den international bekannten ‚Speedway‘. Auf dem Beach ist unser MAN eine kleine Sensation. Das Motto heisst ‚sehen und gesehen werden.‘ Viele braungebrannte Schönheiten räkeln sich im Sand. Von Zeit zu Zeit kommt bimmelnd ein Glacé-Auto angefahren. Am Himmel drehen kleine Flugzeuge mit Werbebannern ihre Runden.
Der ‚Daytona Speedway‘ und sein 500 Meilen Rennen sind international bekannt. Zu Rennwagen umgebaute Autos drehen hier lärmend ihre 2 Meilen Runden. Ein riesen Spektakel, das zweimal im Jahr hunderttausend Zuschauer anzieht. Wir können aus einer klimatisierten Lounge im sechsten Stock einen Blick auf die Rennbahn und Fan-Meile werfen.
St. Augustine
St. Augustine ist die älteste und nördlichste Kolonialstadt der Spanier. Eine von Löwen bewachte Zugbrücke führt in die kleine Stadt. Das alte. Spanische Fort steht etwas abseits des heutigen Zentrums. Die alten Strassen und Häuser sind durch Souvenirläden und Restaurants beschlagnahmt. Der reiche Eisenbahnpionier Henry Flagler baute im 19. Jh. ein Hotel und die Universität. Machen eine Tour durch einen Weinkeller. Da von Gesetzes wegen erst ab 18 Jahren Alkohol getrunken werden darf, müssen alle ihren Ausweis zeigen – sogar wir Zwei!
Bei ‚Cape Canaveral‘ ist der Heimathafen der amerikanischen Atom-Unterseeflotte. In vielen Städten der Ostküste liegen alte Kriegsschiffe vor Anker. In ‚Charleston‘ kann man das weltweit erste, handbetriebene Unterseeboot ‚Hunley‘ besichtigen. Es wird in einem Wasserbecken vor der weiteren Erosion geschützt. Sieben Mann Besatzung und der Kapitän attackierten im Bürgerkrieg ein Blockade-Kriegsschiff der Unionstruppen und versenkten dieses. Sie kehrten jedoch von ihrer erfolgreichen Mission nie zurück. Es gibt viele Spekulationen, was der Grund ist - vermutlich wurde das gesendete, blaue Signal für den erfolgreichen Einsatz von den Unionstruppen gesehen. Gewehrschüsse folgten und versenkten die ‚Hunley‘. 1995 wurde das U-Boot mit der Besatzung gefunden und im Jahre 2000 mit Spezialmitteln gehoben.
Savannah
‚Savannah‘ ist eine sehr grüne Stadt mit alten Häusern und Kopfsteinplaster. 24 ‚Squares‘ – quadratische Plätze mit hohen, schattenspenden Eichen, Parkbänken und schönen Brunnen An den Bäumen hängt viel Irish Moos. Überall stehen die uralten, einzelnen Parkuhren, die mit Quarters gefüttert werden müssen. ‚Savannah‘ ist noch einigermassen intakt, da nach dem Bürgerkrieg kein Geld für Renovation oder Abbruch vorhanden war. Unser MAN steht für drei Nächte auf dem grossen Parkplatz beim Visitorszentrum. Der Gratis-Bus bringt uns zur ‚Riverfront‘. Es ist wieder einmal sehr heiss, zu heiss für Stadtbesichtigung. Bummeln entlang der ‚Riverfront‘ und fahren mit dem kleinen Schiff über den Meeresarm. Ein riesiger, chinesischer Frachter bringt vermutlich viel Billigware. Überall kann degustiert werden. Viel Caramel mit Pecannuss, Fudge (eine Art Schokolade) und hausgemachte, weiche Frucht- Bonbons. Ein heftiges Gewitter überrascht uns. Aus den Abflussrohren spritzt viel Wasser übers Trottoir. Schauen uns drei alte Häuser an. In einem wurde Julietta Gordon Low (Übername Daisy) geboren. Sie ist die Gründerin der amerikanischen Pfadfinderinnen. Bei ihrem Tod im Jahre 1927 waren bereits 3,3 Millionen Pfadfinderinnen eingeschrieben. Besichtigen noch die ‚St. John the Baptist‘ Kathedrale. Ganz schön und eindrücklich. Nicht so dunkel wie sonst. Statt der üblichen, dicken Säulen alles nur dünne Stahlsäulen, welche ein Stahlhändler der Kirche gespendet hat. Hier wurde der Oscar gekrönte Film ‚Forest Gump‘ gedreht. Er sitzt auf einer Parkbank und erzählt seine Geschichte. Dabei vergisst er, dass ihn seine Freundin gerufen hat. Sie wollte ihm sagen, dass er einen Sohn hat.
Selbstverständlich besichtigen wir das Dampf-/Diesel-Eisenbahn Museum. Eine Dampflock ist in Betrieb. Sie schmaucht und faucht, stinkt und dampft. Hier ist eine richtig schöne Remise (z.B. wie in Delemont/CH). Es ist noch viel zu tun mit dem Restaurieren der Locks, Güter und Personenwagons.
'Charleston'
In der Innenstadt gibt es viele, Parkplätze, aber leider nicht für unseren MAN. Fahren Richtung Aquarium und Cruise Terminal. Warum nicht den Polizisten um Rat fragen? Gleich einen Block weiter hinter dem Parkhaus für’s Aquarium gibt es Bus Parkplätze, das ist die einzige Möglichkeit für unser hohes Vehikel und erst noch gratis. Er schreibt uns Namen und Telefonnummer auf einen kleinen Zettel, falls wir Probleme bekommen. Das Schild ‚School Bus only‘ gilt für uns nicht. Bummeln die ‚Fashion Street‘ entlang. Viele Boutiquen bis zu den Hochpreismarken ‚Louis Vutton‘ und ähnlich. Gediegene Restaurants, wir begnügen uns mit einem belgischen Glacé. Auf dem City Market werden wunderschöne Bastkörbe, nicht ganz billig, verkauft. Sie werden von Schwarzen geflochten (ein Überbleibsel aus der Sklavenzeit). In vielen Läden degustieren wir kreuz und quer. Kaspar meint: ‚hier würd ich bestimmt nöd verhungere. Eifach gueti Kleider azieh und dur d’Läde streune und de Mage fülle‘.Fahren über die längste, 2005 eingeweihte, imposante Seilbrücke ‚Ravel Bridge‘ zum ‚Patriots Point‘.
Wieder einmal Glück gehabt! Es ist die Ankunft des Rallys ‚Great Race 2014‘ von Maine nach Florida angesagt. Wir verfolgen die Ankunft der Oldtimer. Der älteste Sportwagen ist aus dem Jahre 1919! Die Fahrzeuge sind wunderschön restauriert, das Interieur und auch die Aussenfarbe sind meist nicht originalgetreu - an Fotosujets fehlt es nicht! Dort wo unser MAN steht gehen wir ins Restaurant ein Cola trinken und kühlen uns dank Klimaanlage ab. Hier werden etwas später die Rally-Teilnehmer zum Umtrunk erwartet. Mal schauen, wie laut es wird. Auf jeden Fall zieht der Wind wunderschön durch unseren Wohnraum. Schwarze Wolken ziehen heran und schon bald beginnt es zu regnen, regnen und regnen. Wir sehen noch ein paar Rally-Fahrer in ihren alten, offenen Autos vorbeifahren. Mit dem Umtrunk wird nichts mehr, denn man schickt keinen Hund nach draussen.
'South Carolina Gold'
Besuchen die ‚Hampton Plantage‘. Ein Herrenhaus aus dem Jahre 1740. Hier wurde auf riesigen Flächen Reis angebaut. Natürlich basierte der Reichtum wiederum auf Sklavenarbeit. Der Reis wird ‚South Carolina Gold‘ genannt. Heute sieht man von den riesigen Reisfeldern nichts mehr. Das Land wurde wieder aufgeforstet. Heutzutage ist das Land viel zu sumpfig, um maschinell bearbeitet zu werden. Die billigen Arbeitskräfte, Sklaven, fehlen heute!
MAN reparieren
Von Zeit zu Zeit gibt es Überraschungen mit unserem MAN. Kaspar ist mit Rasierschaum eingeschmiert und bemerkt, dass kein Wasser aus dem Hahn kommt. Wasserpumpe defekt, also Ersatzpumpe in den Ersatzteilkisten suchen und ersetzen. Es muss wieder einmal etwas denken, denn sonst ist alles unter Wasser. Beim Fahren haben wir ein Vibrieren. Nach einiger Zeit findet Kaspar heraus, dass der Auspuff scheppert. Auspuffbride anziehen und mit Gegenmutter sichern.
Wir wissen seit längerer Zeit, dass unsere Starterbatterien nicht mehr die Besten sind. Der Motor springt nur noch mit ‚Ach und Krach‘ an. Fahren zu ‚Napa‘-Autoersatzteile. Dort lassen wir den Motor vorsichtshalber laufen. Der Ersatzteilverkäufer sagt uns, dass er ähnliche Batterien hat. Also MAN quer zum Geschäft nahe ans Vordach parkieren, damit wir nicht all zu nass werden. Bigi deckt mit dem grossen Schirm ab. Inzwischen hat es richtig zu stürmen und schütten angefangen – Ankunft von ‚Arthur‘! Aber doch noch Glück gehabt, denn morgen ist Nationalfeiertag und das Geschäft bleibt geschlossen!
‚Arthur, der erste Hurrikan der Saison 2014 trifft genau dort wo wir sind, in North Caolina, auf Land. Viel Regen und Windgeschwindigkeit bis 150 km/h. Auf grossen Leuchttafeln wird am Highway gewarnt: Storm and heavy rain! Am Strassenrand haben wir schon viele blaue Schilder ‚Hurrican Evacuation Route‘ gesehen. Auf den Landkarten sin ddie jeweiligen Routen notiert. Wir sitzen den Hurrikan in ‚Wilmington‘ auf dem Parkplatz von ‚Walmart‘ aus. Später sehen wir dann die Schäden: geknickte Maisfelder, umgefallene Bäume, Leute in Gummistiefeln und Kehricht, der sich am Strassenrand türmt.
4.Juli - Amerikanischer Nationalfeiertag
Der 4. Juli ist amerikanischer Nationalfeiertag! Er geht zurück auf das Jahr 1776, als sie nach dem Befreiungskrieg die Unabhängigkeit von England erlangten. Überall gibt’s Feuerwerk, alles ist beflaggt und auch wir kaufen eine kleine USA-Flagge. Selbst die Amerikaner sehen aus wie USA-Flaggen. An teils Orten musste das Feuerwerk und Feierlichkeiten infolge ‚Arthur‘ um zwei Tage verschoben werden.
'New Bern'
Die Stadt 'New Bern' wurde von Schweizern und Deutschen gegründet und war der Gouverneurs Sitz der Engländer bis zur Unabhängigkeit. Hier wurde im Jahre 1893 ‚Pepsi-Cola‘ erfunden. Ein Apotheker mixte aus Kolanuss, Vanille und verschiedenen Ölen ein neues Heil- und Erfrischungsgetränk. Koffein wurde erst später zugefügt. Beim Gouverneurs Palast ‚Tryon Palace‘ ist zur Feier des Nationaltages freier Eintritt in den grossen Garten. Eine schwarze Grossfamilie – die Frau hat 31 Cousins – gibt Kaspar zwei Eintrittsmarken und wir können uns ihrer Führung anschliessen. Sie tratschen die ganze Zeit und haben es lustig. Die Führerin erklärt, dass es damals üblich war, im Esszimmer viele Speisen in mehreren Gängen zu Mittag zu essen. Nun fragt eine Schwarze: Und wer hat das Geschirr abgewaschen? Ihre schwarze Cousine sagt keck: Du! Und alle lachen. Ja klar, damals waren die Schwarzen die Bediensteten.
'Outer Banks'
Die vorgelagerten Inseln ‚Outer Banks‘ sind bekannt für stürmisches Meer und überall schwarz/weisse Leuchttürme.
Flugpioniere Gebrüder Wright
Besuchen das Flugfeld, wo die Gebrüder Wright ihren ersten Gleit- und Motorflug unternahmen. Die zwei Brüder wollten es wissen und schafften es am 17.Dezember 1903 zu fliegen. Der vierte Flug dauerte 59 Sekunden, sie flogen 852 feet (ca. 83 m) weit. Von Beruf waren sie Velomechaniker. Nun startete ein Unternehmen, das nur 66 Jahre später eine Landung auf dem Mond möglich machte. Die Beiden haben die Welt und die Kriege sowie den Tourismus wie keine anderen geprägt. Man bedenke, dass dies vor nur etwas mehr als 100 Jahren war!
'Wiliamsburg'
‚Wiliamsburg‘ – Ballenberg von Amerika. Die ganze historische Stadt wurde renoviert, moderne Häuser abgebrochen und durch alte ersetzt. Vor den Häusern und Läden wehen englische Fahnen, denn die Stadt war Gouverneursitz der Engländer. Viele Amerikaner in alten Kleidern der damaligen Zeit zeigen das Handwerk: Schuhmacher, Bäcker, Schmied, Soldat und Gouverneur. Wir bummeln durch die breiten, für den Verkehr gesperrten Strassen, besuchen den Markt und diverse Läden. Sogar Bigi kann nicht viel mit der zum Verkauf angebotenen Ware anfangen. In einer Bäckerei erblicken wir Prussiens und kaufen zwei Stück. Schmecken sehr gut und gehen gleich nochmals zurück. Nun kaufen wir zum Schnäppchenpreis einen ganzen Sack voll Prussiens von gestern.
Prosit!
Nun fahren wir in den 'Shenandoah' National Park. Dieser liegt auf ca. 1000 m.ü.M. und wir hoffen, dass es dort ein wenig kühler ist. Wandern ist angesagt. Hoffentlich sehen wir Schwarzbären!
'Shenandoah National Park'
Fahren den ‚Skyline Drive‘, die kurvige Panoramastrasse auf 800 m.ü.M. mit Geschwindigkeitsbegrenzung von 35 Meilen/Stunde (57 km/h). In einer Kurve sieht Kaspar plötzlich ein schwarzes Bein. Er fragt: ‚git’s da Bäre?‘ Ja, im Park gibt’s 300 – 600 Bären. Wir müssen uns jedoch gedulden, sehen wir doch erst nach 6 Tagen einen über den Camping spazieren. Bären sind im Allgemeinen ungefährlich. Verhaltensregel: still stehen und Hände hoch. Somit hat er ein grosses Gegenüber. Versuchen mit ihm zu schwatzen: ‚hello, how are you my friend‘. Ob er antwortet? Meist trottet der Bär dann ruhig davon.
Machen zwei- bis dreistündige Wanderungen von den schönen Campingplätzen aus, , davon einige Kilometer auf dem ‚Appalachen Trail‘. Dieser führt von Maine bis nach Georgia über die Appalachen Mountains. Die Appalachen (Gebirgsformation) verlaufen parallel zur Atlantikküste. Der berühmte Trail ist ca. 2000 Meilen lang. Auf einer Wanderung springt Bigi wie ein Gitzi und ruft: ‚das isch e Schlange gsi, det im Gras!‘ Kaspar schaut schnell hin und kurvt schnellen Schrittes an ihr vorbei. Nun müssen wir doch noch mal genauer hinschauen. Tatsächlich sonnt sich eine grosse, schwarz/gelbe Schlange in der Sonne direkt neben dem schmalen Weg. Bigi steht fast das Herz still!
Später fragen wir einen Ranger und zeigen ihm das Foto. Er erschrickt und fragt fünfmal: ‚hat sie euch gebissen?‘ Es ist eine äusserst giftige ‚Timber Rattler‘. Bei einem Biss müsste man sofort per Helikopter ins nächste Spital – dies innert einer Stunde! Auf dem Camping amüsieren wir uns, wie der Nachbar Feuer macht. Zuerst grosse Holzscheite (ein Bündel kostet 6 $; man darf im Wald nicht selber zusammen tragen), dann obendrauf Zeitungen und anzünden. Es dauert! Als wir an ihnen vorbei zur Lodge wollen, ködern sie uns mit einem kleinen Steak vom Grill – schmeckt wie Räucherfleisch! Kaspar hat mit seiner Theorie ‚us de Bratpfanne isch Steak besser‘ wieder einmal recht. Freunden uns mit Carole und Charly aus Minnesota an und laden sie zu uns in den Camper zu Kaffee und Whisky ein. Er liebt Whisky und es bleibt nicht bei einem Glas. Dazu servieren wir schwarze Schweizer Schokolade. Heute haben wir wieder einmal gewaschen.
Sind Punkt zehn Uhr am Anfang eines Wanderweges. Der Zufall will es, dass wir uns einer Rangerin anschliessen können. Sie führt uns auf den höchsten Berg ‚Stony Man Submit‘ auf 1200 m.ü.M. – herrliche Rundsicht.
Auf dem Weg erklärt sie uns die Natur. Bis im 19.Jh. standen hier überall Kastanienbäume, dann wurde ein chinesischer Käfer eingeschleppt und sämtliche Kastanien verdorrten. Nun sind sie daran, einen ähnlichen genmanipulierten Kastanienbaum zu züchten, mit dem Ziel, später diesen hier heimisch zu machen. Die Rangerin freut sich über ein Schweizer Sackmesser. Bigi sucht immer wieder einmal Handyempfang, um mit Dorli zu telefonieren.
Ausflug ins Tal zu den ‚Luray Caverns‘. Riesiges Höhlensystem. Beim ‚Wunsch-Brunnen‘ (wie beim ‚Fontana di Trevi in Rom‘) werfen die Besucher Münzen ins Wasser. Keine schlechte Idee! Es wurden von 1991 – 2014 fast eine Million Dollar gesammelt und für gemeinnützige Zwecke verwendet.
Washington
Ein Ranger gibt uns den Tipp, dass wir vom Vorort ‚Manassas‘ gut mit dem Vorortszug nach ‚Washington D.C.‘ hineinfahren können. Holen in der ‚City Hall‘ eine Berechtigung, damit wir drei Tage auf einem Parkplatz stehen dürfen - ist angeknüpft an das Bahnbillet. Der ‚Virginia Express‘ fährt wochentags morgens von 6 – 9 Uhr und abends 16 – 19 Uhr die Pendler hin und her. Die langsame Fahrt mit dem doppelstöckigen und dieselgetriebenen Zug dauert eine Stunde.
Der Obelisk ‚Washington Monument‘ kann besucht werden. Früh morgens steht man für ein Gratis-Ticket an und erhält ein Zeitfenster für später am Tag. Von oben guter Überblick über die ganze Stadt ‚Washington D.C.‘: weisses Haus, Capitol, Lincoln und Jefferson Memorial..
Das ‚Capitol‘ kann nur unter strengsten Sicherheitsbestimmungen besucht werden, nicht einmal eine Flasche Wasser ist erlaubt! Ein Schwarzer führt uns durch die Gänge. Überall stehen grosse Statuen bekannter Amerikaner. Im alten Repräsentantensaal demonstriert uns der Guide die gute Akustik. Sogar Flüsterparolen der Gegenpartei konnten gehört werden! Mit einem Spezialeintritt können wir nach nochmaligen diversen Sicherheitskontrollen auf die Zuschauertribüne des Senats und Repräsentantenhaus. Im riesigen Saal ist ein Politiker am Rednerpult und schwatzt vor leeren Rängen. Gerade mal Präsident, Sekretär und Protokollführer – mit umhängendem Bauchschreibcomputer im Turnus von 15 Minuten - sind anwesend. Später wissen wir ‚warum‘. Die nichtanwesenden Politiker können alles in ihrem eigenen Büro auf dem Bildschirm mit verfolgen. Sie kommen nur für Abstimmungen hierhin. Nebenan ist die riesige Jefferson Bibliothek mit dem imposanten, runden Lesesaal.
Wollen einen Besuch im ‚White House‘ bei Präsident Obama machen. Er ist nicht zu Hause. Müssen uns mit Aussenansicht und Film im Visitor Zentrum begnügen. Dort hat er persönlich zu uns gesprochen.
Im ‚Lincoln Memorial‘ sitzt der ermordete Bürgerkriegs-Präsident verewigt. Er war massgeblich für die Befreiung der Sklaven verantwortlich. Das Memorial ist auf dem kupfernen 1-Penny eingeprägt. Lincoln war für folgende Grundsätze: Equality, Freedom, Emancipation, Union (Gleichheit, Freiheit, Emanzipation, Gemeinschaft).
Auch ‚Jefferson‘ hat sein Denkmal. Er war für die Ausarbeitung der zum heutigen Zeitpunkt noch gültigen amerikanischen Verfassung.
Der schwarze Prediger Martin King junior bewegte die amerikanische Nation im Jahre 1994 mit seinem Ausspruch: ‚I have a dream ……!‘ Später wurde er ermordet.
In den grossen Parkanlagen gibt’s überall grosse Kriegsdenkmäler, u.a. Vietnam, Korea und zweiter Weltkrieg.
An einer grossen Wand sind 4058 Goldsterne angebracht – jeder Stern für 100 gefallene Soldaten im zweiten Weltkrieg. Nur der Bürgerkrieg hatte noch mehr noch mehr Tote gefordert.
Die amerikanische Flagge ist omnipräsent.
‚Washington D.C.‘ ist ein eigener Distrikt und speziell. Alle Museum sind gratis. Im Flieger Museum sind wir erstaunt: hier steht der Heissluftballon ‚Orbiter 3‘ von Breitling und Piccard. Vermutlich haben die Amerikaner mehr geboten als die Schweiz. Auch die ‚Spirit of St. Louis‘ von der ersten Atlantiküberquerung (Lindberg) hängt an der Decke.
‚Arlington Cemetery‘, wo alle amerikanischen Militär-Helden begraben liegen ist ein ‚Muss‘. Die meisten Grabsteine gleich, alle in Reih und Glied. Das Familien Grab von J.F. Kennedy ist am meisten besucht. Am Grab des ‚unbekannten Soldaten‘ die steife und zackige Wachtablösung. Der im Koreakrieg gefallene und hier begrabene ‚unbekannte Soldat‘ konnte später mittels DNA ermittelt werden, wurde ausgegraben und in seiner Heimat begraben. Nun sind nur noch der Unbekannte vom Vietnamkrieg und zweiten Weltkrieg im Grab, der dritte Platz ist leer.
Entscheidungsschlacht 'Gettysburg' 1863
In ‚Gettisburg‘ fand am 1.-3.Juli 1863 die Entscheidungsschlacht zwischen den ‚Conföderierten‘ (Südstaaten) und Unions-Truppen statt. Die ‚Conföderierten‘ attackierten hier über offenes Feld und verloren. Am Schluss lagen 6‘200 Tote auf dem Feld und 40‘000 waren verwundet. Im Bürgerkrieg 620‘000 Gefallene und im Süden alles zerstört. Der Bürgerkrieg dauerte noch 2 Jahre. Nach der Schlacht bei ‚Gettysburg‘ konnten sich die ‚Conföderierten‘ nur noch verteidigen. Besuchen das Museum sowie das grosse 360°-Panoramabild der Schlacht (wie in Luzern das Panorama der Burbakiarmee).
Zwei Meilen hinter der Front war das Spital auf einer privaten Farm untergebracht. Für 2‘000 Verwundete gab‘s zwei Ärzte. Diese hatten keine Idee vom Innenleben eines Menschen. Aus diesem Grund starben 94 % der Verwundeten an Seuchen, Infektionen, Wundbrand etc. Gegen Ende des Bürgerkrieges waren dann 30‘000 Ärzte in Chirurgie ausgebildet. Es herrschten schreckliche Zustände. Der Krieg bringt am meisten medizinische Fortschritte.
Hershey Schokolade
Nun was ganz anderes. Fahren nach ‚Hershey‘. Hier ist die gleichnamige Schokoladenfabrik beheimatet. Im Jahre 1963 war Kaspar hier mit seiner Schwester Nelly. Er erinnert sich noch. Damals gab es Schokoladetafeln mit grüner Schlörzi (Müsli-Füllung). Am Schluss der Tour wurde gezeigt, wie die Schokolade gemischt wird und er sagte zu ihr: ‚ich speuz jetzt id Schoggimasse. Nachher chasch dänn die Schoggi kaufe.‘ Die Zwei haben gekauft, gegessen hat aber nur Kaspar.
Die Werbung verspricht: The sweetest place on earth!
Amish People
Deutsche Auswanderer und etwas weniges Schweizer siedelten östlich von ‚Lancaster‘. Sie wurden im 18. Jh. zu Hause verfolgt und gezwungen, auszuwandern. Wunderschön gepflegte Bauernhäuser. Im Ort ‚Birds in Hand‘ steuern wir ‚Amish Experience‘ an. Bei der Besichtigung des Schulhauses und auch im Film-Theater erfahren wir viele Einzelheiten über die Amischen. Die Kinder gehen 8 Jahre in eine kleine Gesamtschule und lernen Deutsch. Die Lehrerin hat auch nicht mehr als die üblichen 8 Jahre Schulbildung. Sie ist alleinstehend und muss ihren Job spätestens bei der Heirat verlassen – dann hat sie ja genug zu tun zu Hause. In der Kirche wird noch Deutsch gesprochen. Bibel und Gesangsbuch (47. Auflage aus dem Jahre 2005!) sind ebenfalls in Deutsch. Der Sonntagsgottesdienst wird jedes Mal auf einer anderen Farm gehalten, Kirchen gibt es nicht. Ein Zügelwagen bringt jeweils Stühle, Tische und Geschirr.
Nach dem 3-stündigen Gottesdienst wird gemeinsam ein einfaches Mittagessen genossen.
Beleuchtung, Kühlschrank und Heizung funktioniert mit Propan. Elektrisch von Zuleitungen gibt es nicht – warum? Somit hätten sie im Haus ein Radio, TV, Computer und vieles mehr. Sie legen jedoch sehr grossen Wert auf Familie und Gemeinschaft. All diese Dinge würde die Menschen ablenken und auseinander bringen. Das Telefon ist ausserhalb des Hauses. Wer kennt nicht: alle sitzen am Tisch, das Essen steht bereit und das Telefon klingelt?! Die liberalen Amischen fahren auch Auto. 47 % arbeiten als Farmer, der Rest als Geschäftsmänner – was dies auch immer heissen soll. Ärzte und Juristen gibt es nicht. Sie lassen sich jedoch medizinisch in offiziellen Spitälern behandeln. Sie zahlen wie jeder Amerikaner Steuern. Von der ‚Social Care‘-Steuer sind sie befreit, da sie sich selber in der Gemeinschaft helfen. Man stelle sich vor: ein grosses Haus brennt nieder und innert 5 Tagen ist das neue Haus aufgebaut. Alle helfen mit – am Sonntag arbeitet jedoch niemand! An Kleidern findet man keine Knöpfe oder Reisverschlüsse, nur Druckknöpfe. Alles soll möglichst schlicht wirken. Die Frauenkleider werden mit Stecknadeln zusammengehalten. Die Frauen tragen weisse Häubchen. Auf dem Feld ein Kopftuch – immer eine Kopfbedeckung nach dem biblischen Grundsatz: ‚die Frau bedecke ihr Haupt, wenn sie betet‘ – und sie weiss ja nie, wann und wo sie betet. Die Männer tragen im Winter schwarze Hüte, im Sommer Geflochtene. Hat er einen Bart, so ist er verheiratet. Die Amischen leisten keinen Militärdienst. Zwischen 17 und 22 Jahren können die jungen Erwachsenen ausprobieren, wie es in der anderen (englischen) Welt aussieht. Erst dann entscheiden sie sich für oder gegen das Amisch Leben. Mehr als 90 % bleiben Amish.
Sehen die typisch, riesengrossen Häuser – kommt eine neue Generation dazu, wird ein Hausteil angebaut - Ställe (meistens 40 Kühe) mit den hohen Silos. Überall riesige Maisfelder für Futtermais. Jede Amisch Farm produziert so viel Essen, wie 144 Leute in einem Jahr essen! An den langen, über den ganzen Hof gespannten Wäscheleinen hängen hoch in der Luft unzählige Wäschestücke – NIE an einem Sonntag! Schwarze Hosen, viele Hemden in matten Farben, Kleider, Blusen, weisse und schwarze Schürzen. Bei den Schuhen gilt freie Wahl. Haben jedoch keine Frau in Schuhen mit Absatz gesehen. Fahrräder sind verpönt, denn somit bekämen die Leute einen zu grossen Bewegungs-Radius. Also wird Trottinet mit grossen Rädern gefahren. ‚Buggys‘ und Transport-Buggys überall. Der typische, geschlossene Buggy (wie eine Holzschachtel auf Rädern), von einem Pferd gezogen, kann bis zu zehntausend Franken kosten. Die vorgespannten Rennpferde können nochmals so viel kosten. Also eine nicht ganz billige Familien-Karosse! Was uns auffällt: fast niemand trägt eine Brille und die Leute sind schlank. Traktoren nur mit Stahlrädern.
Fast vergessen: Hochzeits-Saison ist Ende Oktober bis anfangs Dezember – warum? Weil die Ernte dann eingebracht ist. Kaspar hat ausgerechnet, dass sie es mit dem ersten Kind grad mal noch termingerecht bis zur nächsten Ernte schaffen. Die Hochzeit wird im Haus der Braut veranstaltet, denn sie haben ja keine Kirchen. ‚Honeymoon‘ ist eine Besuchsreise, um bei den Freunden die Hochzeitsgeschenke in Empfang zu nehmen. Bis zur Rückkehr ist dann auch der Anbau beim Elternhaus fertig. Ein Sprichwort der Amischen lautet: Keine Frau kann glücklich sein, wenn sie nicht für mindestens sieben Leute kocht!
Philadelphia
Fahren hinein nach ‚Philadelphia‘ bis zum AMTRAK-Bahnhof, 30.Strasse, also gerade noch ausserhalb der Innenstadt. Wie vermutet gibt es hier einen 24-Stunden Parkplatz. U-Bahn und Bus ins Zentrum kosten gleich viel, jede Strecke 2.25 $. Kauft man 10 ‚Token‘ (Fahrmünzen), sind zwei Fahrten gratis.
‚Reading Terminal Market‘ - eine wunderschöne Markthalle, mit allem was das Herz begehrt. Das Motto ‚fresh and local every day!‘ Die hiesige Spezialität: ‚Philly Cheese Steak‘ - ein Sandwich gefüllt mit kleingeschnittenem Steak, Zwiebeln und Käse ‚Philadelphia‘ (cremiger Streichkäse).
In der ‚Independence Hall‘ versammelten sich die Abgesandten der 13 Bundesstaaten. Sie debattierten über die Unabhängigkeit von England. Am 4. Juli 1764 war es soweit. Auf diesen Schritt folgte der siebenjährige Unabhängigkeitskrieg mit den Engländern. In ‚Yorktown‘ kapitulierten dann 1781 die Engländer. Wir schauen uns die Originalräume an. Die ersten Jahre war ‚Pennsylvenien‘ (Philadelphia) die Hauptstadt der USA, Washington D.C. erst später. Die ‚National Park Ranger‘ erzählen mit viel Enthusiasmus die Geschichte.
Wir müssen eine halbe Stunde an der prallen Sonne anstehen, um die ‚Liberty Bell‘ (Freiheitsglocke), das meist gesehene Relikt der USA, zu bestaunen. Wie immer kommen wir mit den Leuten ins Gespräch und so ist die Wartezeit erträglich. Zur Zeit der Revolution wurde die Glocke bei den geheimen Zusammenkünften geläutet. Sie ist mehrmals vom Turm heruntergefallen und hat daher einen langen Riss.
Betsy Ross schneiderte die erste amerikanische Flagge. Georg Washington kam zu ihr und hat ihr Anweisungen gegeben. Man sagt, dass sie eine kleine Änderung durchbrachte: statt 6-zackige Sterne 5-zackige, da diese einfacher zum Zuschneidern sind. Später war sie lange Zeit die ‚Union Jack Flaggen Herstellerin‘. Schlendern durch die ebenfalls in der ‚old City‘ gelegene, schmale, alte Gasse ‚Elfreth’s Alley‘.
Denkmal für die irischen Einwanderer. Das waren noch schreckliche Zeiten. Wie sagt Kaspar immer: ‚guet bin ich im 20. Jahrhundert gebore!‘ Die Stadt ‚Philadelphia‘ will sich verschönern. Es hat riesengrosse Wandbilder.
Langsam aber sicher sind wir müde und auch verschwitzt. An der ‚Waterfront‘ liegen wir in der Hängematte über dem Wasser. Lange Heimfahrt mit dem Bus durch verstopfte Strassen - 75 statt 15 Minuten. Was soll‘s, der Bus ist angenehm gekühlt und draussen auf der Strasse gibt es viel zu sehen. An einem Platz ist gerade eine Demonstration. Israel-Fahnen werden geschwenkt, auf der andern Seite die Palästinenserflagge.
New York ist immer eine Reise wert!
Das neue ‚World Trade Center‘ ist nur noch ein Wolkenkratzer (der Höchste von New York). Hier standen die Zwillingstürme, welche am 11.9.2001 durch Terroristen attackiert wurden und kurz darauf eingestürzt sind. Heute sind auf den Fundamenten der zwei Türme grosse Bassins, in welchen Wasser unendlich in die Tiefe stürzt. Rundherum sind in Messingtafeln alle Namen der 3200 Getöteten eingraviert. Bei den Aufräumarbeiten wurde ein zerschundener Baumstumpf gefunden, welcher in einer Baumschule gesund gepflegt wurde. Heute ist der Baum wieder 9 m hoch und hat zum ersten Mal geblüht - ein Zeichen der Hoffnung! Das im 2014 eingeweihte 9/11-Museum ist unterhalb der Bassins. Eindrücklich wird die Geschichte der vier Terroristen-Flugzeuge nachvollzogen. Viele Gegenstände der Feuerwehrmänner werden ausgestellt.
Der Central Park ist wirklich riesig mit Seen, Sportplätzen, Picknickwiesen, Velowegen, an einer Seite die Museummeile (u.a. ‚Guggenheim‘) und rundherum die exklusiven, extrem teuren Appartement-Häuser. Haben uns fast verlaufen und waren am Abend richtig k.o.
‚Time Square‘ mit den vielen visuellen Eindrücken, Mamut-Leuchtreklamen, tausenden von Leuten und Verkehr haben uns fast verrückt gemacht. Ein grosser Teil des ‚Broadway‘ ist bereits gesperrt, eine Baustelle und wird zur Fussgängerzone umfunktioniert. Am Rockefeller-Zentrum fehlt im Moment der Christmas-Tree und die Eisbahn. Haben gleich nebenan Confiseur ‚Teuscher‘ (Champagner-Truffes aus Zürich) entdeckt. Relativ sehr teuer, dafür wöchentlich frisch aus Zürich eingeflogen. ‚Swatch‘ kauft man hier in NY zum gleichen Preis wie in der Schweiz. Kaspar lässt seine Uhr wieder einmal polieren. Schauen uns zwei Musicals an: ‚Les Miserables‘ (von den Einwanderern, eher traurig) und ‚Chicago‘ mit guten Tänzern und fröhlicher Musik (Geld, Korruption, Sex, Liebe und Lüge).
Auf der ‚Sightseeing Tour‘ im offenen Doppeldecker kommen wir nach Bronx. Hier steht das ‚Yankee Stadion‘ (Baseballmannschaft von NY), welches 50‘000 Zuschauer fasst. Baseball ist der Nationalsport der Amerikaner. In Harlem stehen auf den Dächern hölzerne Wassertanks. Die einzige Möglichkeit, dass das Wasser nicht gefriert. An den älteren Gebäuden findet man immer noch die schwindelerregenden Feuerleitern.
Auf der Brooklyn-Brücke
‚Brookyln-Bridge‘ ist die älteste Brücke New Yorks und führt neben der ‚Manhattan-Bridge‘ über den East River. Gute, dauerhafte Stahlkonstruktion mit zentimeterdickem Farbanstrich gegen den Rost.
‚Wallstreet‘ und die Bankers. Die Weltprobleme beginnen hier?! Woher der Name kommt, wissen vermutlich nicht viele. Es war früher ein Verteidigungswall.
Die ‚Liberty‘ (Freiheitsstatue) gehört zu New York wie der Eifelturm zu Paris, das Grossmünster zu Zürich und die St. Ursen Kathedrale zu Solothurn.
New York good-bye!
'Catskill' - Naherholungsgebiet der New Yorker
Wir haben genug von Grossstadt! Raus in die Natur nach Catskill im Hudson Valley. Hier erholen sich viele New Yorker am Wochenende vom Stress des Alltags. Auch wir wandern und fahren Pedalo auf dem See. Will uns doch tatsächlich der Badmeister am schwimmen hindern – da er in die Lunchpause geht dürfen wir nur im hüfthohen Wasser hinter der Abschrankung schwimmen.
Den 1. August feiern wir mit gebratenen Polanski Würsten (schmeckt fast wie Cervelat). Gehen ins Theater ‚Catskill Mountain Foundation‘. Es gibt ein Konzert ‚From Classics to Jazz‘, furios auf Klavier, Geige und Cello gespielt. Gute Musiker von downtown New York. Im Konzert fängt es an, Kaspar wie verrückt am ganzen Körper zu beissen. Er kratzt sich stillschweigend und schämt sich, da er nicht mehr ruhig sitzen kann. Im MAN zurück wird das Beissen immer schlimmer. Wir denken an Flöhe und Kaspar sprayt die Jeans mit Insektenmittel aus. Er salbt, aber alles hilft nichts. Die Nacht ist unruhig. Er fängt an zu studieren, warum es ihn beisst: er hat am Abend die zweite amerikanische Schmerztablette ‚Ibuprofen‘ eingenommen. Also sofort Medikament absetzen. Diesen 1.August wird Kaspar nicht so schnell vergessen.
Mystic Seaport
‚Mystic Seaport‘ – Freilichtmuseum. Ein Dorf mit Hafen, Schiffe, Handwerkern (Segelmacher, Schiffbauer, Schmied, Schiffsinstrumente), Kapelle u. Taverne. Wir tauchen richtig ins 19.Jh. ein.
Am nächsten Abend auf dem Casino Parkplatz ‚Foxwood‘ wird nebenan Schweizerdeutsch gesprochen. Der Knabe ruft: ‚lueg da en Schwiezer us Solothurn!‘ Eine Familie mit drei Kindern aus ‚Arth/Sz‘. Gehen ins Casino und schlendern durch die vielen (2000) Slotmaschinen. Schauen den Chinesen bei den uns unverständlichen Glücksspielen zu. Kaspar kratzt sich wieder überall. Es haben sich rote Blasen gebildet. Er liest den Beipackzettel des Schmerzmittels: alles, was Kaspar hat, wunderschön beschrieben - er kriegt Vögel! Das Beissen wird immer schlimmer. Fragen im Casino nach einer Apotheke oder Arzt. Der Security Man telefoniert und fragt, ob er uns helfen kann. Innert zwei Minuten kommen drei weitere mit Rollstuhl und erste Hilfe Koffer. Keine fünf Minuten später fährt die Ambulanz mit Blaulicht vor. Erklären unser Problem und die zwei Sanitäter wissen, was zu tun ist. Kaspar wird auf die Liege in der Ambulanz verpflanzt. Türe wird geschlossen und Bigi muss draussen warten. Kaspar bekommt eine Spritze ‚Diphenhydramine‘ in die linke Hand gespritzt. Der Pfleger sagt, dass das Gegenmittel innert Minuten wirken sollte. Bigi erfährt draussen, je nachdem wie Kaspar auf das Mittel reagiert, dass eventuell Überwachung im Spital notwendig ist. Das Mittel wirkt innert Minuten und das Beissen hört fast schlagartig auf. Die Ambulanz fährt uns das kurze Stück zum MAN zurück – wir verschenken Sackmesser und Schoggistängeli. Die ganze Behandlung kostet rein gar nichts – alles vom Casino bezahlt. Die Sanitäter sagen uns, dass sie in 90% der Fälle nur gestolperte Amis betreuen und Pflaster verteilen. Kaspar fühlt sich wie besoffen. Bigi trinkt später noch die versprochene Flasche Wein mit den Schweizern. Sind froh, dass alles so gut ablief!
Am folgenden Tag wird es abends wieder schlimm und wir fahren zur 24-Stunden Apotheke. Kaspar hat vom Sanitäter einen Zettel erhalten, was er gespritzt hat: Benadyl. Im Falle eines Falles soll er dies in der Apotheke kaufen. Es geht Kaspar nicht sehr gut. Er nimmt die 50 mg – also gleich zwei Tabletten aufs Mal. In der Nacht büsst dies Kaspar und ihm ist sterbenselend. Er sitzt am Boden und sagt: ‚wänd die mich eigentlich kille?!‘ Bigi ist sehr besorgt, denn es ist alles andere als lustig. Haben die Nacht doch noch einigermassen zu Ende gebracht. Nach einer gewissen Zeit hat sich Kaspar beruhigt und ist eingeschlafen – ist ein Antiallergikum und Beruhigungsmittel. Die nächsten Tage nimmt er nur noch ¼-Tabletten und innert gut einer Woche ist die Allergie ausgestanden.
Im Hafen liegt das erste atomgetriebene U-Boot ‚Natuilus‘. Dieses U-Boot stellte mehrere Rekorde auf, u.a. war es das Erste, das unter dem Nordpol durch tauchte.
Im Aquarium schwimmt ein Beluga-Hai (der weisse Hai).
Cape Cod
‚Cape Cod‘ bekannt für die schönen Strände - Kaspar hat keine Lust auf sandige Füsse! Schauen uns ganz am Ende das touristische Dörfchen ‚Princetown‘ an. Fischerei, Souvenir, teure Galerien, Touristen so weit das Auge reicht und Lobster! Wir begnügen uns mit ‚Lobster Roll‘.
Boston
Der ‚Freedom Trail‘ führt 4,8 Meilen quer durch die Stadt. Er ist sehr gut am Boden mit rotem Strich, roten Steinen oder ähnlich markiert – dies wäre nachahmenswert! Zur Geschichte der Stadt: um 1700 veranstalteten die Briten ein Massaker mit 5 Toten und 90 Verletzten. Dann machten sie den Fehler und erhöhten die Steuer auf Tee – dies liessen die Einheimischen jedoch nicht zu. Nach langen Verhandlungen, die nichts fruchteten, entschlossen sich die Bürger zu handeln. Als Indianer verkleidet enterten sie ein mit Tee beladenes Segelschiff und warfen die Teeladung kurzerhand über Bord. Weil die Bürger einen Angriff der Briten befürchteten, brachten sie alle vorhandenen Waffen ausserhalb von Boston nach ‚Bunker Hill‘. Diese Waffen wollten die Briten zurück und starteten einen ‚Geheimangriff‘. Paul Reverse kam das Geheimnis zu Ohren. Er überquerte den Charles River mit einem Ruderboot und ritt auf einem Pferd weiter zu den Waffenbrüdern. Darauf wurde die erste Schlacht am Bunker Hill im Befreiungskrieg geschlagen. Der Befreiungskrieg wurde mit der Kapitulation der Britischen Armee in Yorktown beendet. Im Hafen liegt das alte Segelschiff ‚USS Constitution‘ mit den 60 Kanonen an Bord. Nebenan steht ein Hafenkran – etwa so wie neuerdings in Zürich!
Die Demokratische Partei wurde in Boston gegründet. Ihr Maskottchen ist ein Esel. (das der Republikaner ein Elefant).
Auf vielen Postkarten ist eine Gruppe Bronze-Enten abgebildet. Wir haben lange gesucht, bis wir im Park fündig wurden.
Mount Washington
Fahren zum Mount Washington. Es regnet in Strömen. Die steile Zahnradbahn aus dem Jahre 1869 fährt heute nur bis zur Hälfte hinauf wegen starkem Wind. Auf dem Gipfel (2100 m) können extreme Wetterverhältnisse auftreten. So wurde 1934 auf dem Berg eine Windgeschwindigkeit von 327 km/Stunde gemessen! Zurück nach ‚Bretton Woods‘ zum riesigen, alten, luxuriösen Hotelkomplex. Im ‚Mount Washington Hotel‘ wurde Weltgeschichte geschrieben. Im Juli 1944 wurde die Weltwährungsordnung für die Nachkriegszeit neu geregelt.
Geniessen einen Apéro in der Lobby am Kaminfeuer. Wir werden von einem Amerikaner angesprochen. Er zeigt uns auf seinem I-Phone ein Foto von uns auf der Überfahrt Hamburg-Buenos Aires. Er fragt: It’s you?‘ Wir bejahen. Es entsteht ein längeres, gutes Gespräch über unsere Reise. Er war auf dem Parkplatz, hat unseren MAN fotografiert, die Internetseite gesucht und dann an der Rezeption gefragt, wem der Camper gehört. Die hatten keine Ahnung und so ist der durch die Räume spaziert und hat Ausschau nach uns gehalten.
Am folgenden Tag wollen wir bei relativ gutem Wetter mit dem MAN von der anderen Seite auf den Berg fahren. Bei der Zahlstelle lassen sie uns nicht durch: too big! Sind etwas frustriert, denn die Strasse soll gut sein und wir haben genug Übung im Pass fahren – aber vermutlich die Amis nicht.
Lobster - Hauptgericht in 'Maine'
In ‚Maine‘ und an der Ostküste Canadas gibt es vor allem Lobster! Auch wir wollen einmal einen ganzen Lobster essen. Bestellen einen grossen Lobster. Diesen müssen wir selber aussuchen: 2,2 Pound für 34 $. Der arme Lobster wird lebend ins kochende Wasser (in einem Netz) gelegt und wir müssen warten. Nach 21 Minuten wird er nun in schönem Rot – beim Kochen hat er die Farbe geändert - auf ein Tablett gelegt. Zum Glück gibt es eine Gebrauchsanweisung und gegen ein Depot die nötigen Werkzeuge: Lobster-Zange, Häkchen, Hammer sowie Latz und Handwaschtüchlein. Gut ausgerüstet machen wir uns an die Arbeit resp. ans Essen. Schmeckt gut, ist aber eine Fresserei. In Zukunft werden wir uns wieder mit Lobster-Roll begnügen: ein getoastetes Brötchen gefüllt mit Lobsterfleisch, einem Salatblatt und manchmal Mayonnaise.
Ligthouses
Die Ostküste im Norden ist extrem zerklüftet und hat enorm viele Buchten und Inseln. Um den Seefahrern den Weg zu weisen, stehen überall Leuchttürme. In früheren Zeiten lebte der Wächter mit seiner Familie im Leuchtturm. Es war ein äusserst hartes Leben. Auf dem Leuchtturm gibt es noch eine Glocke und ein Nebelhorn. Allein in ‚Maine‘ stehen 68 Leuchttürme. Heutzutage wird alles elektronisch gesteuert – die heutige Schifffahrt benutzt das GPS zum navigieren. Das ‚West Quoddy Lighthouse‘ ist der nördlichste Leuchtturm der USA und erst noch in den Solothurner Farben rot/weiss gestrichen.
Acadia National Park
Zuerst fahren wir auf den ‚Mount Cadillac‘, 4267 feet hoch (430 m.ü.M.). Der Himmel ist verhangen und Nebelschwaden ziehen über die Inseln. Am zweiten Tag ist die Sicht klar.
Wandern auf den ‚Mount Dorr‘ (387 m.ü.M.). Das spektakuläre an diesem Weg sind die Steintreppen. Schön angelegt, aber am Ende recht anstrengend. Uns fehlt das Trainig! Das ‚Thunder Hole‘ (Donnerloch) ist bei den Touristen beliebt. Es ist eine kleine, unterirdische Höhle. Kommt die Flutwelle, wird die Höhle verschlossen und die Luft darin komprimiert. Geht die Welle zurück, so explodiert das Ganze, es gibt ein Donnergrollen und die Gischt spritzt aus dem Loch. Sitzen an der Sonne und warten zwei Stunden auf die Flut, die zu wünschen übrig lässt. Dafür beginnt es stark zu regnen und wir werden bis auf die Haut nass.
Canada
Bei ‚Calais‘ über die kanadische Grenze. Der Zollbeamte ist äusserst freundlich. Alkohol interessiert ihn sehr. Haben vorher noch einen Teil versteckt und geben 5 Flaschen Wein sowie Schnaps an. Er drückt ein Auge zu – 4 Flaschen wären erlaubt. Haben uns vorher sowieso erkundigt. Fragt nach Pfefferspray, welchen wir gegen Quittung abgeben müssen. In Canada ist nur Bärenspray erlaubt. Er sagt auch, dass die Beamten letzthin einen Bären beschlagnahmt haben. Er sei nun in der Garage. Da er merkt, dass wir etwas zweifeln, öffnet er die Garage, wo er sich befindet. Ein ausgestopfter Bär blickt uns entgegen, worauf wir alle lachen. Die Uhr müssen wir eine Stunde zurück stellen – Differenz zur Schweiz nur noch 5 Stunden.
Fundy Bay
In ‚New Brunswik‘ führt die Küstenstrasse entlang der ‚Fundy Bay‘. Diese ist bekannt für die extrem hohen Gezeitenunterschiede - zwischen Ebbe und Flut kann es bis 12 m sein! Auch die Strasse ist eine reinste Berg- und Talfahrt (16 % - dies ist für uns eine anstrengendes Schalten und betätigen der Motorbremse. Die ‚Hopewell Rocks‘ – auch Blumentöpfe genannt – ragen bei Flut aus dem Wasser. Bei Ebbe kann man sie von unten, vom Meeresboden aus bestaunen oder mit dem Kanu umrunden. Damit die Touristen nicht vom der Flut überrascht werden, sind überall gross die Gezeitentabellen notiert.
Shediac - Hauptstadt des Lobster
‚Shediac‘ hat sich selbst zur Hauptstadt des Lobster ernannt. Hier steht das Denkmal: ein überdimensionierter Lobster mit kleinem Fischermann. Es ziert die Frontseite unseres Reiseführers ‚Reise Know-how‘ und wir haben es schon lange gesucht.
Über dieses Wochenende findet ein Motorradrally statt. Etwa 200 Motorräder (Harley, BWM, Honda, Victoria etc.) stehen aufgestellt am Strassenrand der abgesperrten Hauptstrasse. Die Fahrer mit den entsprechenden Outfits schwatzen herum. Die heranfahrenden Motorräder veranstalten einen höllen Lärm.
Zum Nachtessen gehen wir ins ‚Gabriele Inn‘, einem Restaurant mit französischem Flair. Bigi isst Seafood Casserolle und Kaspar das übliche Lobster Sandwich mit Frites. Auf einem kleinen Strassenmarkt kaufen wir ein kleines Bild von Georgeline LeBlanc für 50 Can$. Endlich wieder einmal ein Bild für unser Wohnzimmer, wo wir die Künstlerin kennen.
Wir bestaunen in den Häfen die vielen, schönen, alten und sehr gut gepflegten Windjammer. Man könnte zu jeder Tageszeit und jedem Anlass eine Tour buchen. Ob die Segel gesetzt werden, ist dann zweitrangig.
Nova Scotia und Cape Breton
In ‚Baddeck‘ steht das ‚Bell-Museum‘. Mr. Bell ist der Erfinder des Telefons 1878! 1909 baute er hier den ersten Flieger, erfand das Tragflügelboot und erreichte als Rekord 112 km/h auf dem Wasser. Schlicht und einfach ein Genie!
Fahren im Uhrzeigersinn um das ‚Cape Breton‘ in den Nationalpark. Wir folgen der gut ausgebauten Panoramastrasse ‚Cabot Trail‘. Wandern zwei Stunden den ‚Skyline Trail‘. Hier soll es Bären und Moose (Elche) geben. Ein grosses Tier hat am Wegrand sein Geschäft verrichtet, ansonsten halten sie sich bedeckt. Am Schluss führt der Trail über einen breiten Bretterpfad mit 284 Stufen. Belohnt werden wir mit einer schönen Aussicht auf den ‚Gulf St. Lawrence‘.
In ‚Sydney‘ steht am Kreuzfahrthafen eine überdimensionale Geige: 17 m hoch und 8 t schwer. Symbol für die Gälische Musik in Nova Scotia.
In ‚Louisbourg‘ bleiben wir wieder einmal zwei Nächte auf dem schönen Camping an der Waterfront. Nebenan ist eine Fischfabrik und so weht immer ein Duft von Fisch. Heute Abend im kleinen Theater ‚getting dark again‘ lassen wir uns nicht entgehen. Das Quartett spielt, geigt, steppt und singt bretonische Musik. Alles dreht sich um Camping-Leben. In der Pause gibt’s Schwarztee und trockene Biskuits. Ein gelungener Abend!
Fortresse of Louisbourg
Die Franzosen unter König Louis XIV bauten ein grosses Fort um in der neuen Welt Flagge zu zeigen. Engländer und Franzosen lebten in dieser Region friedlich zusammen bis es in Europa zwischen Frankreich und England zum Krieg kam. Die Engländer konnten die Festung 1745 und 1759 relativ leicht erobern. Für die Zerstörung der Festung brauchten sie 1768 jedoch über fünf Monate. Nachher stand nichts mehr. Stein um Stein wurde in den 1970er Jahren das Fort wieder aufgebaut. Damals ging die Stahlindustrie in der Region zu Grunde und die Arbeiter bekamen eine neue Beschäftigung. Heute ist es ein lebendiges Museum.
Auf dem Hauptplatz wird das Urteil über einen Dieb gefällt. Die Besucher können das Urteil mitbestimmen. Es wird herzlich gelacht und der Deliquent macht lustige Sprüche und Faxen. Überall in den Häusern sitzen Darsteller und erklären uns die damalige Zeit. Kaufen in der Militärbäckerei ein grosse Soldaten-Brot.
Im Hafen von ‚Pictou‘ liegt die Nachbildung der ‚Hector‘ vor Anker, einem schottischer Segler. Mit diesem Schiff kamen 1734 zweihundert Schotten - viele Familien und 25 ledige Männer -als erste Einwanderer nach ‚Nova Scotia‘. Schauen uns auf dem kleinen Schiff die fürchterlich engen Platzverhältnisse an. Es wird einem schon schlecht nur beim Gedanken, auf diesem Schiff längere Zeit zu leben. Für die Schotten ist dieser Segler geschichtsträchtig.
Übrigens ist ‚Nova Scotia‘ der Hauptlieferant für Blueberries. Diese werden in 30 Länder exportiert – jetzt ist gerade Erntezeit! Gepflückt wird mit einem grossen Kamm.
In ‚Hartland‘ steht die längste, überdachte Holzbrücke der Welt – ca. 500 m! Sie ist einspurig zu befahren. Der Schnellere ist der Geschwindere. Es gibt kein Lichtsignal. Es kann schon mal vorkommen, dass ein Fahrer in der Mitte der Brücke den Rückwärtsgang einlegen muss.
Département Québec
On parle francais! Dieser Teil von Canada ist mehr französisch als Frankreich – der gute, französische Weichkäse (sehr teuer) ist nicht zu verachten!
Die Bay ‚Saint Laurent‘ überqueren wir mit einer Fähre. Bigi sieht von blossem Auge Beluga Wale (weisser Wal). Diese kennen wir nur vom Aquarium. Fahren der Bay entlang durch kleine, französisch geprägte Dörfer - eine Berg- und Talfahrt mit bis 16 % Gefälle - weiter nach Québec. Hier sieht man viele grosse, Steinkirchen mit Kirchturm (katholisch).
In ‚Sainte Anne-de-Beaupré‘ steht eine Basilika aus dem Jahre 1922. Ein Walfahrtsort der katholischen Kirche von Canada und die älteste Pilgerstätten Nordamerikas.
Québec
Québec ist eine Stadt zum verweilen. Sie ist in eine Unter- und Oberstadt unterteilt, die mit einem Funicolaire verbunden ist – oder auch mit vielen Treppenstufen. Die Oberstadt ist komplett mit einer Stadtmauer umgeben. Ein Teil ist davon ist zur Promenade ausgebaut. Oberhalb thront das ‚Château Frontenac‘ (heute Luxushotel) mit Blick auf den Fleuve Saint-Laurent. Schlendern durch das Hotel, wie wenn wir hier wohnen würden. 1943 wurde Geschichte geschrieben. Roosevelt und Churchill haben im Hotel die Landung in der Normandie diskutiert und in die Wege geleitet. Die 800 Hotelgäste mussten dafür kurzerhand ausquartiert werden. Die Strassenkünstler haben Tradition und begeistern die Leute.
Montréal
Montréal besichtigen wir nur auf der Durchfahrt. Am Sonntag ist ja sowieso vieles geschlossen. ‚Hôtel de ville‘ und ‚Notre Dame‘ liegen in der Altstadt. In der Neustadt gibt es 33 km unterirdische Ladenstrassen mit Restaurant, Museums und vielem mehr. Touristen finden sich unter dem Boden nur mit dem Stadtplan zurecht. Das Gute: auch im Winter (- 35 C) kann man hemdsärmelig herumlaufen. Wir besuchen diese Glitzerwelt, aber heute ist Sonntag und es herrscht kein Betrieb. Täglich pendeln hier 75‘000 Leute, die in den Hochhäusern arbeiten.
Lake Ontario
Der ‚Lake Ontario‘ ist wie ein Meer. Man sieht das gegenüberliegende Ufer nicht. Wir geniessen einen Tag im Camping ‚Sandbanks‘ mit langem Sandstrand. Heute ist 'Tag der Arbeit' und die Canadier wollen nochmals Sonne tanken, bevor der strenge Winter kommt.
Toronto
Toronto sehen wir aus dem Fenster. Kaspar meint: ‚ so e Blechlawine han ich i mim Läbe no nie gseh!‘ Bis zu 12 Fahrspuren nebeneinander in einer Fahrtrichtung. Zum Glück haben wir die richtige Ost-West-Achse erwischt. Nach 90 Minuten finden wir auf der anderen Seite der Stadt ‚ausgeworfen‘. Nur noch 30 km bis zu den Niagarafällen.
Niagarafälle
Die Horseshoe Fälle auf der kanadischen Seite sind 54 m hoch, die auf der amerikanischen Seite nur 34 m. 156 Mio. Liter Wasser stürzen pro Sekunde über die Kante. Zuerst mit dem Schiff ganz nah an beide Fälle. Jeder bekommt eine rote Pelerine. Eine nasse Angelegenheit, aber imposant.
Mit dem Bus fahren wir zum ‚White Water‘. Hier ist der Fluss sehr gefährlich und wir gehen auf einem Steg. Im Museum werden Bilder von einigen Abenteurern/innen an den Niagarafällen gezeigt. Seiltänzer hoch über den Fällen oder Ruderboote und Menschen in Holzfässern stürzten sich mutig in die Tiefe. Auf einmal wurde es eine Attraktion. Heute ist es verboten und es droht eine hohe Geldstrafe. Da der Bootsmotor aussetzte, stürzte ein siebenjähriger Knabe 1960 über die Fälle, überlebte und konnte gerettet werden.
Um 17 Uhr haben wir im Skyline-Drehrestaurant ‚Early Bird‘ Dinner reserviert - Spezial-Menu mit Gratis Liftfahrt. Gutes Essen und grandiose Sicht über die Fälle.
Haben heute sicher 200 Fotos geschossen. Abends gehen wir nochmals zu Fuss um uns die Lichtshow anzuschauen (nicht besonders speziell).
Blick von der amerikanischen Seite
The Natural Bridge (Virginia)
‚The natural bridge‘ – Es heisst, diese Naturbrücke sei eines der sieben ‚alten‘ Weltwunder! 65 m hoch, 40 m dick und 100 m breit. Der spätere Präsident Jefferson kaufte 1717 den Engländern dieses Naturwunder für ein paar Münzen ab. Uns haut es nicht aus den Socken.
Der Herbst kündigt sich an! Überall werden grosse Kürbisse ausgestellt und verkauft. Die Amerikaner lieben die Kürbisse und schnitzen Fratzen zur Dekoration von Halloween.
'Pigeon Forge'
‚Pigeon Forge‘ ist eine verrückte Stadt. Viele Vergnügungsparks säumen die Strasse. Nichts für uns! Diese Woche finden diverse Veranstaltungen mit Oldtimern statt. Am Strassenrand können die Fahrzeuge besichtigt und auch gekauft werden. Es gäbe Schnäppchenpreise, wäre nicht der Transport in die Schweiz.
Great Smoky Mountain National Park (Tenesse)
Great Smoky Mountain, wie es das Wort sagt: rauchende, blaue Berge. Das Wetter spielt nicht mit. Überall hängen tiefe Wolken und es regnet teilweise stark. Auf der Aussichtsplattform lauern wir auf freie Sicht.
Besichtigen die alte Mühle 'Mingus Mills' aus dem Jahre 1886 mit einer der ersten Stahlturbinen. Ein einsamer Müller verkauft Maismehl.
'Cherokee' Indianer
Das touristische Städtchen ‚Cherokee‘ - Indianer-Reservat der Cherokees. Im Jahre 1838 wurde den Cherokees von der US-Regierung schlecht mitgespielt. Sie mussten 2‘200 Meilen nach ‚Oklahoma‘ umsiedeln. Dieser Gewaltmarsch heisst ‚Trail of Tears‘ – es sind gewiss viele Tränen geflossen! Einige tausend Indianer (Alte, Kinder und Frauen) starben dabei.
Im ‚Oconaluftee Indian Village‘ werden die Häuser und das Handwerk gezeigt. Wir schauen uns auch die Indianer-Tanzshow an.
Chimney Rock (North Carolina)
‚Chimney Rock‘ - Ein alleinstehender, grosser Felsen als Aussichtspunkt mit der obligaten USA-Flagge. Um auf den Felsen zu gelangen gibt es einen Lift, welcher uns 26 Stockwerke in 30 Sekunden hinauf bringt. Natürlich gibt es auch einen Treppenweg.
Da die Liftfahrt im Ticket für den Park inbegriffen ist, will Kaspar mit dem Lift hoch fahren. Hinunter steigen wir die vielen Stufen der Felswand entlang. Die Aussicht über das Tal ist fantastisch.
9/11 Ceremony in Greenville
Wir besuchen Liz und Cliatt, die Eltern von Marianne in ‚Greer‘ Sie nehmen uns mit zur 9/11 ‘ Gedenkfeier‘ für den Terroranschlag im 2001. Es hat eine kleine Gedenkstädte vor dem Feuerwehrdepot von ‚Greenville‘. Ein Stahlträger der eingestürzten Zwillingstürme wird heute eingeweiht. Daneben steht eine Glasskulptur für den neuen Freedomtower in New York. Alles was Rang und Namen hat – auch wir zählen dazu – ist heute hier versammelt. Pensionierte und aktive Feuerwehrmänner sowie Polizeioffiziere aus New York.
Die ganze Feuerwehrbrigade steht stramm als die amerikanische Fahne aufgezogen und gleich wieder auf halbmast hinuntergelassen wird. Weisse Tauben werden in die Freiheit entlassen. Radio, diverse Fernsehsender, Journalisten und Fotografen sind hier. Der Feuerwehrpastor spricht inmitten des Strassenlärms ein Gebet. Der Dudelsackpfeifer dudelt und ein junger Feuerwehrmann spricht die Gedenkrede. Sehr eindrücklich und emotional. Kaspar erbettelt sich ein Feuerwehrabzeichen und bekommt zusätzlich eine Gedenkmünze.
UNIVERSAL Studios in Orlando
Kaufen ein Ticket für die Studios: 102 $ pro Person. Der Verkäufer will uns ein teureres Ticket inklusive Adventure Park aufschwatzen. Er sagt: ‚you will miss something‘. Lassen uns nicht überreden.
Zuerst besuchen wir die Show ‚Transformer‘. Dazu werden wir in eine indoor Achterbahn verfrachtet. Mit lautem Getöse und harten Bewegungen, rauf, runter, links und rechts werden wir stark herumgeworfen. Halten die Augen 70 % geschlossen: Horrorfilm, alles fliegt und explodiert!
Draussen werden wir von ‚Marline Monroe‘ umarmt! Dann zu ‚E.T.‘ von Steven Spielberg. Ist nicht ganz so schlimm. Ein kurzer Ritt auf der Kinder-Achterbahn. Nun ist uns bereits hundeelend. Natürlich noch zu ‚Simpsons Ride‘ – haben keine Ahnung, was uns blüht! Hier wird es uns richtig schlecht, seekrank, Schweissausbrüche, obwohl wir die Augen 90 % geschlossen halten – nur noch ab nach draussen und hinsetzen!
Von jetzt an sitzen wir mehr auf den Parkbänklis, keine Show mehr! In der ‚Harry Potter Dragon Allee’ mit den schiefen Häusern. Brauchen unbedingt etwas zu futtern und ein Cola, um den Magen umzukehren.
In der riesigen Cola-Flasche werden wir mit kaltem Wasser besprüht. Tut das gut! Schlendern durch die verschiedenen Filmstrassen der ‚alten Filme‘ und schauen der verrückten ‚Rockit Achterbahn‘ zu.
Bigi teste den Sitz für die Achterbahn. Eigentlich würde sie hineinpassen - viele Amerikaner jedoch nicht! Sie hat aber trotzdem KEINE Lust!
In den diversen Souvenirläden überall das Gleiche: Tassen, T-Shirt, Schlüsselanhänger, Plüschtierfiguren und Krimskram mit den jeweiligen Filmfiguren. Als Schlusspunkt noch die kurze Strassenparade.
Es war ein anstrengender Tag!
'Jetty Park' in Port Canaveral / Florida
Einer unserer liebsten Campingplätze in Florida! Hier ist immer etwas los. Kreuzfahrtschiffe fahren den Kanal hinaus und Raketen starten. Man sieht Delphine und Manatees. Es sind drei Manatees gestrandet. Wir tätscheln und reden ihnen gut zu. Mit Hilfe von uns und ein paar Amerikanern schaffen sie es zurück ins Meer. Die gerufene Polizei war schon im Anmarsch. Ein Besuch im Restaurant ‚Fischlips‘ gehört dazu und wir geniessen einen lauen Sommerabend auf der Dachterrasse am Wasser während im Hintergrund ein Gewitter vorüber zieht.
Upper Keys
Die letzten Tage verbringen wir auf Long Key Island und Marathon Island. Diese zwei Inseln gehören zu den Upper Keys und sind auf halbem Weg nach ‚Key West‘. Die Seele baumeln lassen, schwitzen und warte, bis uns die Putzwut packt. Kaspar sortiert seine Socken: 14 Paar! Die schlechtere Hälfte wndert in die Kleidersammlung. Schuhe putzen für den Heimflug während Madame im Pool liegt.
Wir sind ca. 15‘000 Kilometer gefahren – von Miami bis Nähe Halifax (Canada) der Ostküste entlang und via Niagarafälle zurück nach Miami. Es war eine anstrengende und wohl die heisseste Reise, die wir bisher gemacht haben. Wir waren immer froh, wenn das Thermometer in der Nacht unter 30 °C sank. Nun freuen wir uns auf den Herbst/Winter in der Schweiz.
Unterwegs an der Ostküste der USA 2014