April 2013

1.April - 320 km auf der Strasse

Sind um 8 Uhr schon auf der Strasse. Der ‚Popo‘ ist weit hinunter mit Neuschnee bedeckt, aber fotografieren lässt er sich nicht. Vorbei am grossen VW-Werk Richtung Süd-Osten. An den Autobahnzahlstellen wird vielerorts fürs Rote Kreuz gesammelt. Auch Kaspar wirft eine Münze in die hingehaltene Sammelbüchse und erhält dafür einen Sticker, welche viele Leute am Revers tragen. Unterwegs tanken wir, aber die Visakarte geht wieder einmal nicht! Kaspar ist stink sauer, haben wir doch extra gefragt und sowieso steht es gross angeschrieben! Plötzlich kommt der Tankwart auf die Idee, die Zahlung in zwei Beträgen vorzunehmen - und siehe da, es funktioniert! Nach zwei Stunden kommen wir nach ‚Tehuacan‘. Hier soll es das beste Trinkwasser von Mexiko geben. Sehr teuer: 6 Pesos pro Liter - normal kosten 10 Liter 19 Pesos. Gemäss unserem Buch ‚Traumstrassen der Welt‘ gibt es hier ein Balneario mit Naturpools. Parkieren vor dem Bad und zahlen den Eintritt. Das Bad ist etwas verlottert. Es sind Ferien in Mexiko und so sind viele Familien hier. Sind etwas enttäuscht, hat sich Bigi doch ein Thermalbad mit warmem Wasser vorgestellt. Wir genehmigen uns einen kleinen Imbiss. Schutzlig, wie Bigi manchmal ist, fällt ihr ein Geldstück aus der Hand, direkt in den grossen Saucenkübel. Nach dieser erfrischenden Pause weiter über die Berge nach ‚Oaxaca‘. Wir durchfahren eine fruchtbare Ebene. Hier wird noch traditionelle Landwirtschaft, mit Pferd und Handpflug, ohne mechanische Hilfe betrieben. Viele Bauern mit Strohhut auf ihren Pferden treiben Viehherden. Die Natur wechselt sich ab. Wir sehen blühende Kaktuswälder und später wächst nur noch braunes Steppengras. Die Temperatur steigt bis auf 37 C ! Die Strasse ist gut, kurvig und geht mal auf 1100 m hinunter und schon wieder hinauf auf 2200 m. Es regnet und ‚es schmöckt richtig nach Räge!‘ In ‚Oaxaca‘ finden wir den RV-Park auf Anhieb, und dies heisst etwas! Wie fast immer sind wir die einzigen Gäste.

2.April - ein gemütlicher Tag

Kaspar ärgert sich wieder einmal über die Elektrik, funktioniert nicht. Tauen den Kühlschrank ab. Wiederum funktioniert die Elektronik plötzlich wieder, einfach ein Rätsel! Unsere Vorräte gehen zur Neige, also um die nächste Ecke zum ‚Chedraui‘. Schleppen viel zum MAN. Auf der Parallelstrasse ist ein Wochenmarkt im Gange. Schlendern durch den Markt und kaufen Früchte ein. Kleiner, günstiger Imbiss und anschliessend nebenan im Kaffee teurer Espresso mit Tiramisu. Fragen den Kellner, ob es hier in der Nähe eine Wäscherei gibt. Ja, genau gegenüber von ‚Chedraui‘. Wenn man dies nicht weiss, findet man die Wäscherei, welche vergittert ist, nie! Die Wäsche ist morgen früh schon wieder abholbereit. Bei einem kleinen Geschäft, wo Mützen und T-Shirt mit Logos bestickt werden, bestellen wir zwei schwarze T-Shirts mit unserem orangen Logo. Schlafen, lesen und am späteren Nachmittag zum ‚Zocalo‘ in der Innenstadt. Die beiden Plätze sind wie immer belebt. Viele Ballon-Verkäufer mit ihren bunten Luftballons sind da. Bigi kauft drei Stangen-Ballons von 2-3 m Länge. Ohne Luft für den Export. Man gibt den Luftschlangen von hinten einen starken Schlag und so fliegen sie sehr hoch. Geniessen den Abend unter den Arkaden. Im Hotel Alban erwartet uns eine Folklore Show mit Nachtessen. Oaxaca ist bekannt für die verschiedenen Volkstänze. Die Tänzer, meistens in Weiss und die Frauen in bunten, weiten Röcken wirbeln im Kreis herum. Es sind fröhliche Tänze aus dem Leben der Indigenen. Wie immer handelt es um Liebe und wie man Männer einfängt, z.B. mit Alkohol. Es wird viel und heftig geklatscht.

3.April - T-Shirts 'gloorontour'

Der ‚Chedraui‘ Supermarkt ist aus unerfindlichen Gründen geschlossen und die Leute warten auf dem Trottoir. Holen die Wäsche und gehen zurück. Am Nachmittag nehmen wir unsere eigenen T-Shirts ‚www.gloorontour.ch‘ in Empfang. Um 16 Uhr nochmals zum Supermarkt. Es wird gerade neu geöffnet. Kaspars kurze Hosen haben von der Wäscherei lange Risse und so muss er neue kaufen. Nicht nur eine, sondern gleich zwei. Die Qualität scheint dem Preis entsprechend, also nicht sehr gut. Kaspar muss eine Stunde lang Fäden abschneiden und Knopflöcher vergrössern! Kaspar hat auch zwei neue Scheibenwischblätter gekauft. Die alten quietschen nur noch und wischen nicht mehr gut. Das Filet im Restaurant ‚El Asador Vasco‘ wartet. Kommen an einer Bäckerei vorbei und Bigi kann nicht widerstehen: ein Baguette und ein kleiner Keks.

4.April - unser Kühlschrank

Können nicht mehr schlafen, also alles für die Weiterfahrt präparieren. Noch schnell im ‚Chedraui‘ das schwere Wasser einkaufen. Um 9 Uhr durchqueren wir ‚Oaxaca‘. Es hat erstaunlich wenig Verkehr. Kaspar hat in den ersten 5 Minuten bereits eine ‚Wengihus‘ Pizza beim wetten verloren. Er ist links gefahren, obwohl Bigi nach rechts wollte. Später keine Möglichkeit mehr zum verfahren: es gibt bis zum Pazifik – 235 km – nur eine Strasse. Über hohe Pässe, 2800 m, und dann auf Null Meter hinunter. Was für eine Kurverei! Irgendwann öffnet sich bei einer Bodenwelle die Kühlschranktüre und alles fällt heraus! Ein Kilo Erdbeerjoghurt ergibt eine riesige Sauerei. Alles putzen und wieder in den Kühlschrank. Nach kurzer Zeit hören wir ein komisches Geräusch von hinten. Halten bei der nächst besten Gelegenheit an. Oh je, die ganze Kühlschranktüre ist ausgehängt und liegt am Boden. Ein Scharnier ist nicht mehr so wie es sein sollte. Behelfsmässig repariert Kaspar den Kühlschrank. Schauen nun alle 10 km nach, ob noch alles in Ordnung ist. Die Strasse ist sehr schmal und in keinem guten Zustand. Löcher fast so gross wie unser MAN. Kaspar fährt konzentriert, aber trotzdem erwischt er mit dem rechten Hinterrad abgebrochene Steine der kleinen Seitenmauer, nahe am Abgrund. Wieder halten und nachschauen. Kaspar sieht nichts verdächtiges, fährt aber jetzt mehr am Mittelstreifen entlang.

In ‚Puerto Angel‘ angekommen suchen wir den RV Park am ‚Zipolite Beach‘. Der Camping ist schön gelegen unter Mangobäumen. Die Früchte sind reif und wachsen uns fast in den Mund. Bigi freut sich über den schönen, grossen und warmen Pool. Nur wenige Camper und Hotelgäste sind noch hier. Mexiko ist ausgestorben. Nun sind wir also wieder am Pazifik. Es hat seit langem wieder einmal Mücken. Kaspar ist ein beliebtes Opfer.

5.April - 'Zipoilite Beach'

s war heiss diese Nacht. Heute und in den folgenden Tagen wollen wir relaxen. Beobachten die schwarzen und gelb-schwarzen Vögel. Graue Eichhörnchen mit braunem Bauch rennen auf die Bäume. Essen kleine, gelbe Mangos wie Äpfel. Gleich neben dem Camping ist das kleine Dorf. Männer mit Rastanfrisuren und strubligen Bärten, aber hübsche Frauen bevölkern den Strand. Yoga wird unterrichtet und die Gurus haben ihre verlauste Anhängerschaft um sich versammelt. Baden, lesen und den Schatten suchen.

Am Abend zur ‚happy hour‘ an den Strand. Beim Italiener gibt es für Kaspar Pizza und Bigi isst Fisch. Hohe Wellen kommen herein. Einige Surfer versuchen ihr Glück in der Brandung. Die ‚Hauptstrasse‘ des kleinen Dorfes ist gesperrt. Viele kleine Händler verkaufen für wenig Geld auf einer Strecke von 300 m Hippie-Schmuck. Sind am Abend richtig müde, obwohl wir nichts Anstrengendes gemacht haben. Man glaubt es nicht, obwohl wir den ganzen Tag im Schatten sassen, hat sich Kaspar verbrannt. Morgen will er sich nun aber sicher mit Sonnencreme einreiben!

6.April - unter Mangobäumen

Zuerst in den Pool und dann Haar waschen. Kaspar schmiert sich dick mit Sonnencreme ein. Dem Strand entlang bis zum Ende der Bucht. Es gibt ein paar schöne Hotels und Restaurants, aber auch viele verlotterte Bretterbuden. Die Hippies übernachten für 20 Pesos (2 US$) in einer Hängematte.

Lesen, schwitzen, baden, lesen, schwitzen…….. Im Pool sind ein paar Leute, die anscheinend Wasser-Massage üben. Sie drehen einander ganz langsam im Wasser herum. Wie immer am Wochenende hat es viele mexikanische Familien.

7.April - Mangoernte

Ein Angestellter pflückt mit einer langen Stange, an der ein kleiner Korb mit Krallen hängt, die reifen Mangos von den Bäumen. Mit den Krallen löst er die Früchte und sie fallen in den kleinen Korb. Wir bekommen einige schöne, reife Mangos. In der etwas kühleren Abendluft schwatzen wir lange mit Richard und Mona aus Quebec bei einem Glas Tequila. Erfahren viel Neues über Kanada. Die Kanadier dürfen nur ein halbes Jahr ins Ausland, sonst verfallen Versicherung, Pension und auch der Pass - alle 7 Jahre wir eine Ausnahme gemacht. Kaspar hat eine gute Phase: er schlägt sich immer und überall die Zehen wund und hat bereits einen Blauen Zehennagel - dies kommt vom Schlurfen. Am Arm hat er zudem eine grössere Brandwunde vom Eierkocher.

8.-10.April - relaxen und schwitzen

Der Wind hat gedreht. Daher ist es nicht ganz so heiss, nur 33 Grad. Eine neue Yogagruppe ist am Pool. Schöne Hühner und ein Güggel machen vor unsrem MAN die Runden und suchen Futter. Wir warten vergeblich auf ein frisches Frühstücksei. Die Mangos lesen wir vom Boden auf. Schwitzen, lesen, baden, Mango essen, schwitzen ………… Am Abend einen Drink am Strand, ein feines Essen in einem schönen Restaurant und aufs Meer hinaus schauen.

11.April - 'Bahia de Huatulco'

Es braucht einen Schups, um wieder auf Achse zu gehen. Man könnte sich daran gewöhnen, gemütlich auf diesem Camping zu bleiben. Aber wir kennen uns. Nach zwei Wochen hätten wir genug und es wäre uns langweilig. Bis zum mondänen Badeort ‚Bahia de Huatulco‘ ist es nur gerade 60 Kilometer. Diese Strecke ist kurvig und mit vielen Topes gespickt. In diesem Ort pumpt die mexikanische Regierung viel Geld in die Infrastruktur, um einen wirklich anziehenden Badeort zu kreieren. Finden einen guten RV Parkplatz unter Palmen, wo wir unseren MAN für 100 Pesos über Nacht parkieren dürfen. Durch einen kleinen Mangrovenwald gelangen wir zum Strand. Hier sieht man die schönen Villen und Hotels. Am Strand entlang bis zum Hotel ‚Dreams‘. Wir schmuggeln uns in den Pool, schnappen ein grosses, braunes Badetuch und Liegestuhl. Geniessen das warme Wasser und den schönen Blick auf das Meer. Nach dem ausgiebigen Bad zurück zum MAN. Es ist noch früh am Abend und so spazieren wir der Hauptstrasse entlang ins kleine Dorf. Trinken Kaffee und besichtigen dieses Mal vom Haupteingang das Hotel ‚Dreams‘. Kaspar sagt: ‚so gefällt mir das Hotel, wenn es nichts kostet.‘ Am Golfplatz vorbei zurück zum Camper. Bis uns die Mücken auffressen sitzen wir draussen.

12.April - Reparatur Wäscheständer

Kaspar überschwatzt Big noch einmal zu einem kühlen Bad im Hotelpool. Diesmal im Hotel nebenan. Wir sind fast die einzigen Badenden. Die zahlenden Gäste sitzen beim Frühstück. Nachher fahren wir 4 km zurück in den Ort. Hier im Hafen legen Kreuzfahrtschiffe an. Bigi ersteht sich im Markt ein neues Bikini. Kaspar weiss nicht mehr, das wievielte es ist. Sollten für die kommende Reisezeit noch etwas Cash haben und suchen daher die HSBC Bank. Diese Bank hat die günstigsten Spesen und wir hatten bisher nie Schwierigkeiten, Geld zu bekommen. Bigi mit den Sperberaugen findet diese. Später etwas ausserhalb bei einer grossen Gasfirma lassen wir unsere Gasflasche füllen. Kurz vor Mittag starten wir dann endlich Richtung ‚Salina Cruz‘ und ‚La Ventosa‘. Bigi erwischt die kurvige Strecke, Kaspar zählt: 10 Kurven auf einen Kilometer. Auf dem Weg sieht Kaspar in einem Ort einen Mann, der etwas schweisst. Stopp! Wir lassen bei ihm unseren gebrochenen Wäscheständer schweissen. Dieser wird nie mehr in Brüche gehen! Bei der ‚Pemex‘ (Tankstelle) in ‚La Ventosa‘ übernachten wir. Haben hier am 12. Dezember schon mal übernachtet. Dieses Mal ist viel wärmer und der Wind bläst heute ausnahmsweise mal fast gar nicht.

13.April - 'Punta Arista'

Es war eine laute und unruhige Nacht bei geöffnetem Fenster. Leider hat der Wind in der Nacht ganz aufgehört zu blasen und so wurde es stickig im Camper. Als wir am Nachmittag hier ankamen, war nur ein LKW auf dem Platz. In der Nacht sind aber viele gekommen. Bei den 24-Stunden Tankstellen hat es auch immer eine Dusche. Weiter über eine eintönige Ebene bis ‚Arriaga‘. Ein Sattelschlepper steht quer über die Fahrbahn. Er wollte auf der Strasse wenden. Nun steht das eine Paar der Antriebsräder in der Luft und ohne Differenzialsperre geht rein gar nichts mehr. Wir und die PWs kommen seitlich vorbei, aber die grossen LKWs müssen warten. Fahren noch 40 km weiter nach ‚Punta Arista‘ am Pazifikstrand: ein schöner Camping unter Kokospalmen mit kleinem, sauberen und kühlen Pool. Uns freut es, ist es doch sehr heiss. Gegen Abend kommt noch ein deutsches Ehepaar mit spanischem Kennzeichen am Camper. Plaudern. Die Beiden kommen uns bekannt vor. Nach langem Hin und Her finden wir heraus, dass wir sie vor 18 Monaten in Uruguay bei einem Thermalbad getroffen und kurz gesprochen haben. Geniessen den Rest des Tages mit lesen, baden und Apéro. Spielen wieder einmal Triomino und wie fast immer verliert Kaspar. Es ist so heiss und wir benutzen den ‚Jafra‘ Hitzespray, den wir von Regula bekommen haben – herrliche Abkühlung.

14.April - Sonntag am Pazifik

2 Blocks zum Meer. Der Strand ist ellenlang und ziemlich breit. Bereits am Morgen tummeln sich viele Mexikaner am Strand (Sonntag). Badehose und Bikini sind für die Mexikaner tabu, sie gehen mit den Kleidern ins Wasser. Viele Quat-Taxis fahren dem Strand entlang und suchen Mitfahrer. In einem Restaurant unter dem Palmendach geniessen wir ein Frühstück mit Eiern, Schinken, Reis, der obligaten Bohnensauce und dazu Tortillas. Einer Strandverkäuferin kaufen wir Käse-, Bananen- und Ananasempanadas ab. Wieder zurück zum Camping. Dort lesen wir im Schatten und baden im 70 cm tiefen Pool. Geben den Deutschen einige Tipps wegen der ANA Haftpflichtversicherung.

15.April - schwitzen, schwitzen

Verabschieden uns von Barbara und Ulli: ‚wenn wir uns wieder einmal treffen, trinken wir ein Bier zusammen.‘ Bei einem Strassenstand halten wir noch kurz und kaufen drei verschiedene Sorten Mangos. Erntezeit soll von jetzt bis im September sein. Die grossen Früchte werden nach USA exportiert. Fahren zurück auf die MEX 200, 25 km nördlich und dann Richtung ‚Tuxtla Gutierrez‘. Die Militärkontrolle bei ‚Ariaga‘ ist schnell, vermutlich weil sie um die Wette schwitzen. Sie tragen Tarnklamotten, schusssichere Westen und ein umgehängtes Gewehr. Die Fahrt geht nun über die ‚Cuota‘ - 30 km kürzer als die ‚Libre‘ (ohne Strassengebühr) - hinauf in die Berge auf eine Hochebene von 500 m. ‚Tuxtla‘ ist eine moderne Stadt und sie scheint wohlhabend zu sein. Echt eine Überraschung für uns, sind wir doch in ‚Chiapas‘, der ärmsten Region von Mexiko. In der Shoppingmall wird eingekauft. Kaspar findet einen ‚Härlidieb‘ und lässt sich die Haare schneiden. Wir sind über die Hitze in dieser Höhe erstaunt. Das Thermometer am Armaturenbrett zeigt mal 47 C - ob dies wohl stimmt?! Quer durch die Stadt nach ‚Chiapa de Corzo‘. Bei einem Touristenbüro bekommen wir die wohl schönsten Prospekte Mexikos. Können bei der Schiffsanlegestelle im umzäunten Parkplatz unter dem Schatten der Mangobäume übernachten. Klar gibt’s ein paar Pesos für die zwei Nachtwächter. Um 16 Uhr ist im Wohnraum 42 Grad und abends um 8 Uhr immer noch 32 Grad. Wir legen das Duvet weit weg.

16.April - 'Canyon del Sumidero'

Nach dem Frühstück fährt ein deutsches Pärchen mit Camper und uraltem Hund auf den Platz. Uns hat man gestern gesagt, dass die Touristen zwischen 9 – 10 Uhr eintreffen. Wollen ein Ticket für die Tour kaufen, müssen jedoch warten, bis genug Leute für ein Boot da sind. Mit einer Holländergruppe besteigen wir das Schnellboot (13 Personen) und mit Vollpower geht’s in den Canyon. Derselbe wird immer schmaler und die Seitenwände steigen bis auf 1000 m hoch an. Auf der Krete oben sieht man eine Aussichtsplattform. In einer Höhle steht die Schutzheilige ‚Virgine de Guadelupe‘. Sehen Brüllaffen, welche sich von Baum zu Baum hangeln.

Ein grosses, fettes Süsswasserkrokodil wartet auf den ersten Touristen, der ins Wasser fällt. Überall schwimmt viel Müll resp. Petflaschen - einfach unglaublich! Wir haben uns die Schlucht spektakulärer vorgestellt. Schlecken ein Glacé, machen Verschnaufpause im Liegestuhl und einen Schwatz mit den Deutschen. Sie sind gestresst und fahren bereits wieder weiter.

Wir wollen in die Stadt. Gemäss Stadtplan ist es gerade oberhalb des Parkplatzes. Weit gefehlt! Nehmen ein Taxi zum Hauptplatz und dies dauert 10 Minuten. Oh, das wär ja ein Marsch in der Mittagshitze gewesen! Auf dem Platz steht der spezielle Brunnen ‚La Pila‘, gebaut im einheimischen Mudejar-Stil. Im Mercado essen wir ein paar ‚kleine Kartonfladen‘. Wir haben es von den Mexikaner gelernt: auf’s Hackfleisch kommt Limone und Picante. Besteigen den Kirchturm aus dem 16. Jh. mit Blick auf den Fluss. Suchen wieder einmal den ‚Correo de Mexiko‘. Natürlich werden wir in die falsche Richtung geschickt, aber nach einigem Suchen finden wir das kleine, versteckte Postbüro. Heute ist ‚kalte Küche‘ angesagt. Trinken Wasser bis uns schlecht wird. Neuerdings machen wir zwischendurch selber Eistee. Der Schweiss tropft, der Bauch schmilzt. Bigi zieht einen ‚Schwitzlätsch‘.

17.April - 'Zinagatan' und die indigenen Frauen

Sind früh auf. Fahren auf der ‚Libre‘, welche etwas kurviger, länger, jedoch schöner ist, nach ‚San Cristobal de las Casa‘. Nach 20 km stoppen wir beim ‚Cascade de Chorreadero‘. Hier kommt ein unterirdischer Fluss aus einem grossen Höhlensystem ans Tageslicht und fällt in Kaskaden 60 m in die Tiefe.

Wir sind die einzigen Gäste. Können in den kalten Wasserbecken ausgiebig baden. Kaspar holt zwei Kafi und Gipfeli und wir verweilen. Bigi meint, das Wasser ist so kalt wie die Aare im Sommer. Kaspar findet es wärmer. Egal, einfach herrlich!

Bigi fährt nun die kurvige Strasse und auf 2000 m sehen wir grosse Plantagen. Welche Frucht? Die Pflanzen hängen an Schnüren in 1,5 m Höhe. Kaspar sagt: ‚sehen aus wie Pflaumen.‘ Wir halten und wollen es wissen: Passionsfrüchte - Bigi hat schon wieder eine Wette gewonnen! Kaufen bei den indigenen Frauen am Strassenrand ein Kilo und verzerren einige. Schmecken sehr, sehr gut und süss.

Sehen die Abzweigung zu dem indigenen Dorf ‚Zinacatan‘. Die Kirche stammt aus dem 16. Jh. Im Reiseführer steht, dass man hier nicht fotografieren darf. Alles Quatsch! Für ein paar Pesos darf man alles.

Von einem Mädchen werden wir angesprochen: ‚habla espangnol?‘ Claro! Sie führt uns zu einem etwas abgelegenen Handwerksladen, einer Hütte. Hier verkaufen sie die wunderschönen, handgestickten, lilafarbenen Blusen und Umhänge.

Wir können nicht wiederstehen und kaufen uns so ein Umhangtuch, das wir zu Hause vermutlich als Tischläufer benutzen werden. Zuerst verhandeln die drei Frauen unter sich, wie viel sie dafür verlangen wollen: 400 Pesos (30 Franken). An so einem Tuch arbeitet eine Frau zwei Monate! Alle Frauen sowie auch die kleinsten Mädchen tragen lange, dunkle Jupes und die lilafarbenen Blusen und Umhänge - andere Farben sind tabu!

Weiter zu unserem Zielort ‚San Cristobal de las Casas‘ auf 2137 m Höhe. Wollen auf den Camping. Der direkte Weg führt durch das Zentrum. Für uns doch kein Problem, fahren wir doch direkt hinter einem grossen Touristenbus. Was der kann, können wir schon lange! Aber hoppla, der Bus hält vor der Altstadt. Wir fahren natürlich trotz Busfahrverbot weiter. Es wird wieder einmal schmal, schmäler, am schmälsten. Die Verkehrshelfer winken uns immer geradeaus. Leute fotografieren uns mit dem Handy. Kaspar fährt Zentimeter um Zentimeter an den parkierten Autos entlang. Bigi stöhnt: wenn das mal gut geht! Hupkonzert begleitet uns. Bigi hat genug und befiehlt: die nächste Möglichkeit nach rechts, raus aus dem Zentrum. Kommen glücklich aus dem Strassenlabyrinth heraus. Zum Camping kommen wir so nicht, also zum Tipp ‚Pemex Tankstelle‘. Trotz fragen dürfen wir hier vor dem Hotel nicht parkieren. Fahren um den Markt herum und finden einen ruhigen, bewachten Hotelparkplatz. Die Temperatur ist auf angenehme 29 C gesunken. Bringen unsere verschwitzten Lumpen in die nahegelegene Lavanderia. Werfen noch einen Blick in die Metzgerei. Kaspar meint nur: ‚glaub nöd euses Fleisch!‘ Heute gibt’s seit langem wieder einmal einen Apéro: Käse, Feigenpaste, Oliven und Rotwein. Wir mögen wieder essen! Man glaubt es nicht. Ein Gewitter zieht direkt über uns hinweg. Es regnet stark und hagelt kurz. Die Abkühlung tut gut! Bigi liegt bereits wieder unter der Decke.

18.April - 'San Cristobal de las Casas'

Heute Morgen ist es sehr angenehm und wir geniessen die Morgenfrische. Direkt neben unserem Fenster hält ein Pickup mit einem Kühlschrank auf der Ladefläche. Es geht geschlagene eineinhalb Stunden bis der Kühlschrank mit zwei weiteren Mann endlich abgeladen ist! Vom gestrigen Gewitter ist noch alles dunstig, ändert aber schnell. Haben die langen Hosen an, wechseln aber schon nach fünf Minuten wieder zu den Kurzen. Sparen uns das Taxi und gehen zu Fuss die 14 Blocks in die Altstadt. Es ist interessant, was hier alles verkauft wird: viele Handwerkerläden und Imbissbuden. Zuerst einen starken Kaffee für Kaspar, damit er endlich aufwacht.

Dann besteigen wir den Touristen-Trolley für eine Stadtrundfahrt. Eigentlich haben wir gestern bei der Horrordurchfahrt schon vieles gesehen, jetzt jedoch aus einer etwas ruhigeren Perspektive. ‚San Cristobal de las Casas‘ ist wirklich sehenswert: viele, viele Kirchen, schöne Plätze, verkehrsfreie Einkaufsstrassen und grosse Artesanial Märkte. Wir kaufen uns eine knallig bunte Tischdecke für den Wintergarten. Es ist auch die ‚Ambre‘ Stadt (Bernstein). Nur die indigene Bevölkerung darf Bernstein in kleinen Höhlen abbauen und verkaufen. Die Farben sind hellgelb bis rubinrot. Rubinrot ist der Teuerste. Grosse Stücke, welche schön geschnitzt sind, kosten aber schnell mal über 500 Dollar. Bigi kauft sich einen silbernen Armreif mit einer Blume aus kleinen Stücken.

Auf dem Hauptplatz vor der Kathedrale werden Kinder und Erwachsene von Animatoren zu Sport angefeuert. Es ist eine Aktion von Mexiko, um die Bevölkerung zu mehr Sport und Bewegung zu trimmen. Heute ist weltweit ‚Tag der Bewegung und des Sport‘. Bigi hoppst mit, hat aber in der Hitze schnell genug. Nun zurück mit dem Taxi direkt zur Wäscherei.

19.April - 'San Juan de Chamula'

Mit dem Taxi zum indigenen Dorf ‚San Juan Chamula‘. Wir kommen mit dem Taxifahrer in ein Gespräch. Chiapas wäre eigentlich ein reicher Staat, hat er doch alles: Öl, fruchtbares Land, Kaffee, Wasser, Uran und sonstige Metalle. Der Tourismus ist auf öko getrimmt. Trotzdem ist Chiapas eine der ärmsten Regionen. 1994 hat es fast einen kleinen Bürgerkrieg gegeben. Die Zapatistische Befreiungsarmee - ohne Waffen - hatte bereits einen Marsch auf Mexiko City geplant. Dies konnte jedoch durch Zugeständnisse der Regierung verhindert werden. Wie immer wurden nicht alle Versprechungen eingehalten. Uns gefällt diese Region. Schade, auf dem grossen Platz vor der Kirche ist heute kein Markt. Gegen Mittag belebt sich das Dorf mit Indigenen und Touristen aus aller Welt.

Für den Besuch der speziellen Kirche müssen wir 40 Pesos bezahlen. Im Innern herrscht ein absolutes Fotografierverbot mit Androhung von Strafe. Dieses Mal hält sich auch Kaspar daran und kauft eine Postkarte. Das Innere der Kirche ist wirklich speziell. An den Seitenwänden aufgereiht stehen viele Heilige. Auf dem Boden liegen trockene Fichtennadeln. Tausende Kerzen brennen. Ein Mann geht herum, sammelt ausgebrannte Kerzengläser ein und kratzt Wachs zusammen. Es gibt keine Sitzbänke, die Leute sitzen und knien auf dem Boden. Ganze Familien sind hier und zünden ihre Kerzen an. Sie beten in brünstig, trinken dazu Coca Cola und auch Schnaps. Einige Gläubige sind mit einem Huhn gekommen. Der Mann hält das Huhn über die Kerzen (somit hat das Huhn eine Vorahnung, was ihm später blüht). Danach schwenkt er das Huhn über der Frau. Mit einem Grasbündel wedelt er über Kopf, Rücken und Arme. Es sind uralte Ritten, die in die katholische Religion mit eingeflossen sind. Es ist für Mexiko erstaunlich still in der Kirche und die Indigenen sind voll bei der Sache. Eine mystische Atmosphäre. Bei einem Kaffee sitzen wir auf dem Platz. Ein fliegender Händler macht heute sein Geschäft: wir kaufen drei Bernsteine. Kaspar macht sich einen Spass daraus zu handeln; mit geringem Erfolg. Bigi bekommt ein kleines Armband geschenkt. Bummeln durch den Früchte-, Gemüse- und Souvenirmarkt. Zurück geht’s mit dem ‚Colectivo‘ zum grossen Markt in der Stadt. Kaspar reizt das ‚Museum del Ambar‘. Dort angelangt ist gerade Siesta. Also gibt’s auch für uns eine Siesta und wir fahren zum MAN. Später ziehen wir nochmals los. Die Ausstellung im Museum ist schön und gut. Bummeln, Pizza essen und zwölf Schlüsselanhänger aus kleinen Glasperlen kaufen.

20.April - 'Lagunas de Montebello'

Gleich ausserhalb der Stadt sind die ‚Grutas de Rancho nuevo‘ ausgeschildert. Sie liegen in einem Ecopark mit Imbissbuden, Grillstellen, Souvenirgeschäften, Reitpferden und einem kleinen Adventure Park. Wir besuchen die Grotte. 750 m sind begehbar, aber nicht besonders spektakulär. Nach frittierten Bananen mit Rahm und Käse fährt Bigi weiter. Die hüglige Landschaft ist braun und hat viel Baumbestand. Wir kommen an schönen Dörfern vorbei. Auf einem Strassenabschnitt von etwa einem Kilometer verkaufen die Leute lustige Figurenwindräder. Bigi will umsverrecken ein sperriges Huhn kaufen. Im zweiten Anlauf willigt Kaspar zähneknirschend ein. Sie kauft ein schwarz gepünkteltes Huhn für Dorli’s Balkon – wie wir dies wohl im Fluggepäck verstauen werden?!

Weiter durch die langgezogene Stadt ‚Comitan‘ zum Nationalpark ‚Lagunas de Montebello‘. In den Hügeln gibt es 59 kleine Seen, welche alle eine andere Wasserfarbe aufweisen. Am Tor zahlen wir die Gebühr, erhalten die obligaten orangenen Armbändeli und einen kleinen Plan. Kaspar will an einem See übernachten, wo anscheinend in der Nacht keine Leute sind. Bigi weigert sich hier zu campen. Also weiter bis zum grössten ‚Lago Tziscao‘. Im Ort gibt’s ein Ecohotel, wo wir direkt am See stehen können. Ein Fest mit lauter Musik ist im Gange: Trommel, zwei grosse Holz-Xylophon, Gitarre und Handorgel. Es wird viel Bier getrunken. Es windet und beginnt schubweise in Kübel zu regnen. Die Stimmung der Gäste ist somit nicht allzu gut. Wir flüchten in den MAN und geniessen eine Dose Gulaschsuppe angereichert mit Zwiebeln und Peperoni.

21. April - ‚Lago Tziscao‘

Starren in den dicken Nebel hinaus. Laut meteorologischer Vorhersage von Kaspar scheint die Sonne um 11 Uhr! Die Leute vom gestrigen Fest kommen und sammeln den vielen Müll zusammen – wir sind positiv überrascht! Sitzen in unserer ‚Berghütte‘ und schreiben Homepage. Langsam aber sicher kommt die Sonne durch die Nebelschwaden.

Wandern dem See entlang bis zur ‚Laguna International‘. Hier ist die Grenze zwischen Mexiko und Guatemala. Die ersten mexikanischen Sonntagsgäste baden und bereiten das Mittagessen auf dem Feuer zu. Es wimmelt wieder einmal von Kleinkindern. Kaspar fotografiert die vielen, schönen Blumen. Bigi nimmt ein Bad auf mexikanische Art – in Unterhose und Shirt. Dann zum kleinen Ort. Im Dorfladen kaufen wir Orangen und kleine Tomaten. Zu Hause merken wir, dass die Tomaten nicht gerade schön sind. Also werden sie gleich zu Tomatensauce verarbeitet.

Wie immer überschwatzt Bigi Kaspar zu einem Bad im See. Beim saubersten, etwas felsigen Einstieg ins Wasser sind einige Frauen am Wäsche waschen. Das Wasser ist erstaunlich warm und Kaspar will gar nicht mehr hinaus. Kaspar, der Löll braucht wieder Après Soleil - ob er es wohl noch lernt?

22April - Flosstour

Haben eine teure, private Tour zu den verschiedenen Seen gebucht. Zuerst zum ‚Lago Montebello‘. Hier waren wir aber schon und daher gleich weiter zu den ‚Cinco Lagos‘. Diese fünf Seen sind sehr schön in den Hügeln eingebettet und haben alle eine andere Farbe. Die Indigenen wollen uns eine Flosstour für 300 Pesos andrehen. Wir winken ab. Dies scheint uns für hiesige Begriffe etwas zu teuer. Treffen nochmals die Italiener aus Varese. Sie sind zusammen mit mexikanischen Freunden aus ‚Oaxaca‘ unterwegs. Dann zur ‚Laguna Pojoj‘.

Handeln eine halbstündige Flosstour für 200 Pesos aus. Besteigen das wacklige Floss und werden zu einer kleinen Insel mit Orchideen gepaddelt. Schade, sie blühen nicht. Die Lagunen sind wirklich schön und sehenswert. Sie werden auch mit den Seen von Kanada verglichen. Bei Kaspars Campingstuhl gehen die Nähte auf. Haben einen Kunststofffaden und mit vereinten Kräften reparieren wir eine Stunde! Mal sehen, wie lange dies hält?!

23.April - 'Las Nubes'

Verlassen diesen schönen Ort. Bei der Sekundarschule steht ein Lehrer vor dem Eisenzaun und schwatzt. Fahren vorbei, doch dann den Retourgang hinein. Haben noch 22 Kugelschreiber zum verschenken. Da es 27 Schüler sind suchen wir noch ein paar Kugelschreiber in Camper zusammen. Der Lehrer bedankt sich herzlich und ein langes Palaver beginnt. Woher, wohin, gefällt euch Mexiko, welche Sprache spricht ihr? Bigi hat den Schnurrepfluderi. Sie erklärt dem Lehrer welche Sprachen in der Schweiz gesprochen werden. U.a. Rätoromanisch: dies wird nur noch von ca. 30‘000 Indigenen in der Schweiz gesprochen. Kaspar schmunzelt, stellt er sich doch vor, was die Rätoromanen über diese Aussage denken. Weiter über bergige Strecke von 1500 m auf 500 m hinunter. Es wird merklich wärmer und vor allem feucht. Nach 60 km führt die Strasse links weg zur 16 km entfernten Eco-Lodge ‚Las Nubes – Causas Verde‘. Hier steht direkt am Fluss ein schönes Bungalowhotel. Können hier im Regenwald mit Sicht auf nicht blühende Orchideen campieren. Aber zuerst zum abkühlen in den Naturswimmingpool im Fluss. Eine wunderschöne Flusslandschaft breitet sich vor unseren Augen aus.

Wandern eine Stunde schwitzend durch den tropischen Regenwald bis zu einem Flusstunnel. Später besteigen wir noch den Mirador. Die Wasserfälle sammeln sich hier in grünen Becken. Wunderschöne Rundsicht, wenn nur nicht die Mücken wären. Der Schweiss tropft! Daher brauchen wir schon wieder ein kühles Bad. Der Vollmond geht auf.

24.April - 'Las Guacamayas'

Die Fahrt der Grenze zu Guatemala entlang ist immer noch gebirgig. Erst bei der Abzweigung zu unserem Ziel ‚Gucamayas‘ wird es langsam flach. Jetzt sind wir auf 210 m Höhe. Die Hitze hat noch einen Zacken zugelegt. Im Eco-Hotel ‚Guacamayas‘ dürfen wir gratis auf dem grossen Busparkplatz übernachten - es kommen ja keine Busse. Wir können die Infrastruktur benützen, dafür werden wir später im schönen Restaurant am Fluss essen. Kaspar schleppt die Campingstühle hinunter an den grünen Fluss. Baden und lesen.

Eine Familie Brüllaffen kommt uns besuchen. Loros-Pärchen und zwei bunte Papageis fliegen vorbei. Ein grosser Leguan krabbelt hoch im Baum und angelt nach frischen Blättern. Dass Leguane so gute Kletterer sind, haben wir nicht gewusst. In der Zwischenzeit sind noch einige Gäste eingetroffen. Wir lauschen den Geräuschen des Urwaldes. In Chiapas findet man auf der Speisekarte ‚Agua de frutas‘. Wir bestellen eine Zweiliter Karaffe ‚Agua de sandinas‘ (Wassermelone). Schmeckt gut und löscht den Durst!

25.April - Bootsfahrt

Am Morgen sagt Bigi, es habe in der Nacht geregnet. Kaspar kann dies fast nicht nachvollziehen. Auf jeden Fall ist der Himmel bedeckt. Die Bootstour in den Urwald mit vier Mexikanern beginnt um 8 Uhr. Zuerst ein Stück den breiten Fluss hinunter und dann den kleinen Nebenfluss hinauf. Der Urwald wird immer dichter. Der kleine Fluss ist mancherorts nicht sehr tief und der Bootsführer muss aufpassen, dass die Schraube des Aussenborders nicht beschädigt wird.

Es gibt kleinere, ca. 70 - 80 cm hohe Stromschnellen. Der Guide findet immer einen Weg, um über diese Schnellen zu rasen. Es macht allen Spass und spritz herrlich. Ein Mexikaner ruft: noch ein Mal, noch ein Mal! Sehen Brüllaffen, kleinere Affen, natürlich viele, viele verschiedene Vögel von ganz klein bis Fasan und Süsswasserkrokodile.

Wir fahren mit dem Boot ganz nah heran und beratschlagen, ob das Krokodil wohl Karies hat und ob es überhaupt noch lebt – schwupps, das Krokodil macht sich im letzten Moment aus dem Staub und gleitet ins Wasser. War eine wunderschöne Fahrt!

Nun aber weiter. Das Ziel ist ‚Bonampak‘. Die ersten 40 km ist die Strasse voller Löcher. Kaspar meint: ‚haben die Andern spezielle Stossdämpfer?‘ Zuerst auf den Camping, wo wir auf dem Parkplatz in der brütenden Sonne übernachten können. Das Schöne an diesem Ort ist der Jungle River, wo wir schwimmen können! Die Campingstühle stellen wir auf den Hochsitz über dem Fluss. Werden von Steckmücken jeder Grösse gestochen und flüchten auf den heissen Kiesplatz. Hier hat’s keine solchen Viecher. Heute bei 34 C gibt es ein ganz spezielles Menu: das geschenkte bayrische Champagner-Sauerkraut aus der Dose, steinalte Kartoffeln - welche bereits Triebe haben - 8 rosarote Wienerli mit undefinierbarem Geschmack oder besser gesagt geschmackloses Sägemehl. Dazu trinken wir viel Wasser. Das Tüpfchen auf dem ‚i‘: Thomy-Senf! Wir sind Beide nicht begeistert vom heutigen Nachtessen. Bigi liegt leicht bekleidet und schwitzende auf dem Bett und sagt: ‚ich glaub ich frür de ganz Summer i de Schwiez!‘

26.April - Mayaruinen 'Bonampak'

Die Mayaruinen von ‚Bonampak‘ stehen auf unserem Programm. Die 8 km fahren wir mit einem kleinen Bus bis zum Haupteingang. Durch die obligaten Souvenirstände zu den Ruinen. Diese wurden erst 1946 wieder entdeckt.

Es ist noch nicht viel freigelegt, obwohl die Stätte grösser als ‚Palenque‘ sein soll: ein paar ‚Stellen‘ (stehende, flache Steine mit Reliefs) und ein grösserer Steinbau mit sehr gut erhaltenen, farbigen Malereien aus dem 4.Jh. Für diese Bilder ist ‚Bonampak‘ bekannt. Auf der Weiterfahrt zu den ‚Cascadas Agua Azul‘ werden wir drei Mal vom Militär kontrolliert. Einmal sind die Soldaten etwas gar neugierig und knien mit den Schäften der staubigen Stiefel auf die Polster. Kaspar bedeutet ihnen ziemlich barsch, dass wir hier schlafen und sie doch ihre Schuhe am Boden lassen sollen. Sie wollen auch Radio hören.

Kaspar schaltet das Radio ein und es ertönt gerade gute mexikanische Musik. Dies entspannt die Situation und wir dürfen passieren. Wir überlegen, ob die Militärs überhaupt wissen, wo ‚Suiza‘ ist? Die Strassenarbeiter hacken mit ihren Macheten die Sträucher und das Gras am Strassenrand ab. Ob die keinen Tennisarm von der harten Arbeit bekommen? Kurz vor ‚Palenque‘ geht es wieder hinauf in die Berge. Bei den ‚Topes‘ kaufen wir den Kindern frittierte Bananen und Kokosnussschnitze ab. Des Öfteren werden die Strassen mit Schnüren gesperrt. Wenn man nicht hält, lassen sie die Schnüre auf die Strasse fallen und rufen den Autos etwas hintennach – hört sich nicht gerade freundlich an. Wir aber halten und kaufen kleine, frische ‚braune‘ Bananen. Heute hat schon einmal ein kleiner Junge Kaspar ‚Gringo‘ nachgerufen. ‚Gringo‘ ist ein nicht gerade netter Ausdruck für die Amerikaner. In ‚Agua Azul‘ parkieren wir wieder am gleichen Ort wie im Dezember 2012. Sofort ist ein Bad in den schönen Naturbecken angesagt. Einem älteren Ehepaar aus Kanada geben wir ein paar Tipps. Nachher gehen wir essen. Kaspar hat seine schwachen fünf Minuten. Bigi leidet wie immer darunter. Er kann sich wieder einmal nicht entscheiden, wie er sein Pollo wünscht.

27.April - 'Agua Azul'

Es hat schön abgekühlt, nur das Geräusch des Wasserfalls stört ein wenig. Bigi wird sehr aktiv. Holt das Koch- und Backbuch aus der Rüebli-RS hervor und studiert Rezepte. Bananen-Muffins kriegen wir bestimmt mit kleinen Änderungen hin. Butter, Eier, Zucker, Mehl, Backpuler und Bananen werden vorbereitet. Kaspar schlägt Eischnee von Hand. Alles wird in Förmchen gegossen und rein in den Backofen. Jetzt warten wir auf die Znünipause!

Die Muffins mit einem kalten Kaffee schmecken hervorragend! Nun ist die Reparatur des Mückennetzes im Schlafraum angesagt. Bigi hat die grosse Arbeit und muss das Netz nähen. Kaspar muss montieren. Werden ständig von Frauen und Kindern belagert, welche uns Bananen verkaufen wollen. Am Abend sind die Bananen aber billiger, dann ist ‚Ausverkauf‘ und sowieso haben wir noch. Von Bigi wollen sie Nadeln, Faden oder ihre bunten Haarspängeli als Geschenk. Eine Gruppe aus Basel kommt bei uns vorbei und interessiert sich für unsere Reise. Vor dem EIndunkeln gehen wir wieder ins Restaurant. Für Kaspar steht ‚Pollo‘ auf dem Speiseplan - er kennt inzwischen alle Varianten.

28.April - am 7.Tage sollst du ruhen!

Wandern vor dem ‚Spiessrutenlaufen‘ die Wasserfälle hoch. Die Händler und Touristen sind noch nicht da. Packen den Fotoapparat in ein wasserdichtes Tupperware. Gehen baden und fotografieren. Später streifen wir noch einmal durch die vielen Souvenirstände.

Ein christliches Plakat auf dem Auto erregt unsere Aufmerksamkeit. Wir kommen ins Gespräch mit Clara und Martin aus Cancun. Die Zwei arbeiten freiwillig für ein Kirchenprojekt, welches den ganz armen Leuten hier in der Gegend alte Kleider und Süssigkeiten bringt. Auch wir haben einen Sack voll gebrauchte, gewaschene Kleider zum verschenken.

Sie freuen sich riesig und laden uns zu Nescafé und Kuchen ein. So gut es mit dem Spanisch von Bigi geht, unterhalten wir uns. Das sprechen geht relativ gut, aber der Wortschatz! In ein paar Tagen werden sie in der Nähe von Mexiko Stadt auf eine Gruppe von Leuten treffen, mit denen sie eine Pilgerreise zu einer Heiligen machen. Ihm schenken wir ein kleines Werbesackmesser und ihr eine Schachtel Streichhölzer mit dreidimensionalem Schweizerbild. Über dieses Zusammentreffen sind wir alle erfreut!

29.April - wieder in die Zivilisation

Zuerst noch ein Bad im sprudelnden Naturpool im Fluss und dann ab in die Zivilisation nach ‚Palenque‘. Dort gibt’s wieder Handyempfang, Internet, Supermarkt und Tankstellen. Richten uns auf dem Camping ‚Mayabell‘ ein. Strom funktioniert nicht, da 130 V. Baden in einem etwas dreckigen, heissen und schlammigen Pool. Dafür ist die Dusche kalt und erfrischend! Zum Nachtessen – wir spinnen ein wenig - machen wir Lasagne. Für dieses zugegebene, gute Nachtessen müssen wir den Backofen einheizen. Dinnieren bei Kerzenlicht - damit keine Mücken den Weg in den Camper finden sollen - und dies alles bei 42 C! Natürlich gehört dazu ein Glas gekühlter Rotwein. Die angebrochene Flasche steht schon seit einer Woche im Kühlschrank, aber bei diesen Temperaturen?! Die Brüllaffen hören wir nur aus der Ferne. In der Zwischenzeit wissen wir, warum sie so brüllen: für sie ist es Wärmeaustausch.

30.April - Homepage aufladen

Schwitzen und baden im eigenen Saft. Schneiden die kurzen Ärmel von Kaspars Pyjama ab. Waschen alle Schweisslumpen und hängen sie an die lange Wäscheleine. Die Homepage können wir hier nicht aufladen. Also müssen wir die 10 km mit dem Colectivo nach ‚Palenque‘ rein. Unterwegs nehmen wir noch sieben Franzosen auf und fahren zurück zum Haupteingang und erst dann geht die Fahrt in die Stadt. Geschäft ist und bleibt Geschäft! Der Fahrer sagt zu uns nur wir seien wie ‚richtige Mexikaner‘. Haben alles einfach hingenommen und nicht reklamiert! In einem Restaurant essen wir eine Kleinigkeit und laden dabei die Homepage ins Netz. Die Übertragungszeit ist 72 Minuten! Was soll’s, der grosse Ventilator bläst angenehm kühl. Nach dem Kauf von vier schönen, schwarzen Ledergürteln für unsere Freunde fahren wir zurück zum Camping. Am Abend kommt plötzlich stürmischer Wind auf, so dass wir in den Camper flüchten. Zelte und Sonnenschirme fliegen durch die Gegend.