Jan. 2013
1.Jan. 2013 - Hayppy New Year!
Wir starten frierend ins neue Jahr! Es ist bedeckt und regnerisch und so bleiben wir im Camper. Es gibt aber einige Aufregung. Die Batterie für den Wohnraum lässt sich weder mit 110 V noch mit dem Generator aufladen. Kaspar befürchtet einen Defekt im Stromumwandler. Er wälzt die Betriebsanleitungen von vorne bis hinten. Alles nützt nichts. Der Honda-Generator läuft und plötzlich funktioniert die Aufladung wieder. Komisch! Wir sind sehr erleichtert! Der Besitzer des Trailer Parks kommt zu einem Schwatz. Normalerweise wären hier einige Amerikaner und Kanadier. Aber seit diese Länder eine Warnung für Mexiko ausgesprochen haben, ist hier ‚tote Hose‘. Gestern haben wir abgemacht, dass wir heute unser Silvester-Menu nachholen wollen. Am Nachmittag verlassen wir den Trailer Park, kommen aber nur bis zur Rezeption. Hier sitzt die grosse Familie des Platzwartes sowie des Besitzers zum Essen zusammen. Es wird uns Tequilla in grossen Gläsern angeboten. Wir können nicht ablehnen. Und so kommt es, dass wir einige Zeit später schwankend ins Colectivo einsteigen.
In der Stadt schauen wir uns verschiedene schöne Restaurant sowie die Menukarten an. Bigi findet eines, in welchem ein Gitarrist spielt. Aber zuerst noch ein wenig Kultur. In der Basilica schauen wir uns die ‚Virgin de la salud‘ an. Sie ist aus Zuckerrohrpaste und Orchideenhonig gefertigt. Es ist ein Pilgerort für die umliegende Bevölkerung. Einige Einheimische rutschen vom Eingang bis zum Altar auf den Knien.
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Jetzt ins Restaurant ‚Lupita‘. Es nieselt leicht und ist kalt. Der Kellner weisst uns einen schönen Tisch im offenen Innenhof zu und bringt uns einen Heizstrahler.
Zum Tagesabschluss über den belebten Hauptplatz. Wir schauen uns nochmals die Auslagen der Souvenirgeschäfte an. Mit dem Taxi zurück in die warme MAN-Stube.
2.Jan. - 'Santa Clara del Cobre'
Bezahlen den Platz und wünschen dem Besitzer, dass die Amerikaner und Kanadier wieder kommen. Die Umfahrungsstrasse Richtung ‚Uruapan‘. Nach 15 km Abzweigung nach ‚Santa Clara del Cobre‘, der Kupferstadt. Parkieren in der schmalen Hauptstrasse. Die Stadt lebt ausschliesslich vom Kupferhandwerk.
Es werden kleine und riesige Kessel, Teller, Schalen, Vasen, Armreife, Ohrringe und vieles mehr aus Kupfer hergestellt.
Kupferbadewannen für zweitausend Dollar sind zu haben. Leider haben wir keinen Platz im MAN! Wie immer kauft Bigi ein. Sie hat immer eine Ausrede, wer von den Freunden daran Freude haben könnte. Nun weiter nach ‚Uruapan‘. Wir kommen an grossen Avocado-Plantagen vorbei. Übernachten auf dem Hotelparkplatz des schönen Hotels ‚Pie de la Serra‘. Bigi hat gelesen, dass die hiesige Spezialität ‚Avocado-Suppe‘ sein soll. Sie versucht dies ohne Rezept zu kochen.
3. Jan. - ‚Angahuan‘ hoch zu Ross
Endlich scheint die Sonne wieder ein wenig! Nur 60 km bis zum Nationalpark. Hier brach am 23.Februar 1943 der Vulkan ‚Paricutin‘ aus. 4000 Einheimische wurden evakuiert und mussten umgesiedelt werden. Es gab keine Toten, nur viel Kulturland wurde zerstört. Die Lava verschüttete ein ganzes Dorf, nur die Front sowie der Altar der Kirche blieben von der heissen Lava verschont. Nun ragt der Kirchturm aus den Lavamassen und zieht Massen von Touristen an. Gestaunt hat ganz Mexiko, weil sich im Nachhinein innert 8 Jahren ein Lavakegel von 400 m Höhe aufgebaut hat. Am Dorfeingang von ‚Angahuan‘ werden wir von der Touristenführern mit Pferden angesprochen. Wir wollen jedoch noch keinen Führer und Pferde schon gar nicht. Bigi fürchtet sich vor ihnen und ist auch noch nie geritten.
Im Campingführer steht, dass das Dorf sehr schmale Strassen hat und die Campingeinfahrt sehr eng sein soll. Also parkieren wir bei einem Haus, welches mit Information angeschrieben ist. Mehr als einen lausigen Plan hat die alte Frau nicht, doch sie deutet uns, dass wir vor ihrem Haus parkieren dürfen – ein kleines Trinkgeld ist jedoch erwünscht. Marschieren mit guten Schuhen, Rucksack mit Zwischenverpflegung, Wasser und Windjacken über die Poltersteinstrasse. Pferdeführer überreden uns zu reiten anstatt zu wandern. Bigi willigt ein, obwohl sie fürchterlich Angst hat. Der Führer ‚Jesus‘ versichert ihr, dass es sein Job ist das Pferd zu führen. Nach 100 m braucht sie unbedingt einen Sombrero um sich abzulenken.
Es ist nur ein 45-minütiger Ritt bis zur Lava-Kirche, aber Bigis Knie tut ihr dort bereits fürchterlich weh. Steigen zusammen mit vielen Mexikanern über das scharfkantige Lavagestein zur Kirche empor. Es ist wirklich ein kleines Wunder, dass die Frontseite und der Altar stehen geblieben sind.
Kaspar passt sehr auf, dass er nicht ausrutscht. In einem kleinen improvisierten Restaurant essen wir die Dorf-Spezialität: grüne, überbackene Peperoni gefüllt mit Käse, dazu Böhnli, Gemüse und dunkle Tortillas aus schwarzem Mais. Schmeckt okay, die Tortillas sehen jedoch aus wie Lehm. Für Nicht-Vegetarier trocknet das Fleisch auf den Schnüren über der Kochstelle. Den gleichen Weg mit dem Pferd zurück. Die zwei lahmen Gauls müssen den Hügel hinauf etwas angetrieben werden – Kaspar hofft eigentlich insgeheim, dass Bigis Gaul endlich einmal davon trabt! Bigi kann am Ende fast nicht absteigen – ja, das Alter und das Knie.
Das Wetter ist schlecht geworden und so sitzen wir im MAN in der ‚Hauptstrasse‘. Nun ist das Camper-Hobby ‚Fenstergucken‘ ist angesagt. Es kommen interessante Leute und Fahrzeuge vorbei.
4.Jan. - interessante Zwischenstopps
Was machen die Mexikaner am Morgen bei 9 C? Sicher nicht wie wir warm duschen! Von Zeit zu Zeit riecht man die Leute, obwohl sie äusserlich immer sauber daher kommen. Fahren durch eine Vulkan-Gegend. Die kleinen und mittleren, erloschenen Vulkane sehen aus wie gestürzte Backformen. Unterwegs sehen wir einen richtig schönen mexikanischen Markt, kaufen Früchte. Die Frauen tragen in dieser Region glänzende Plissé-Jupes, Blusen und Schürzen mit Pailletten und Bordüren.
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Bei der Weiterfahrt finden wir eine Molkerei mit ausgezeichneten Joghurts. Den drei netten Verkäuferinnen schenken wir je ein Schoggistängeli. Die Freude ist gross. Als Gegenleistung erhalten wir viele Miniatur-Joghurtbecher mit diversen Aromen. Fahren auf eine fruchtbare Hochebene auf ca. 1600 m. Hier sieht man das erste Mal grosse Maisfelder. Sogar Reis wird angepflanzt. Über ‚La Piedad de Cabadas‘ nach ‚Iraputo‘.
Kurz vorher steht an der Strasse ein schönes, schlossartiges Gebäude, welches sich als Tequilleria herausstellt. Natürlich wird gestoppt und die Bodega besucht. Die Führerin zeigt uns die grosse Lagerhalle mit den vielen Holzfässern. Die Spezialität des Hauses: Tequilla 99‘000 Horas, welcher 11 Jahre und 4 Monate lagert. Klar muss alles probiert werden. Zwei kleine Flaschen und ein guter Käse, ähnlich einem Parmesan, wandern in den Einkaufskorb. Finden auch die Ausfahrt ‚Guanajuato‘. Unser MAN ist für diese Stadt viel zu gross. Der Camping liegt 7 km ausserhalb der Stadt. An der Kreuzung steht ein Typ, welcher uns für 20 Pesos dorthin bringen will. Beim Camping will er dann plötzlich 20 US-Dollar, da es weit war! Geben ihm 60 Pesos, was viel zu viel ist. Es ist nicht zufrieden, aber der Camping-Manager meint dies sei so oder so schon zu viel! Nun stehen wir alleine auf dem grossen Areal. Am Montag sollen drei Gruppen hier ankommen. Gestern ging uns das Propangas aus. Immer ausserhalb von grösseren Städten sind die Gasstationen zu finden. Haben in der Schweiz einen Fülladapter gekauft, der sich nun bewährt. Die leer Gasflasche ist im Nu mit 10,5 kg Propangas gefüllt (ca. CHF 10, in der Schweiz das Fünffache). Die spezielle, halb durchsichtige Gasflasche macht den Mexikanern Eindruck und wird fotografiert. Sie sind auch sehr überrascht vom leichten Gewicht.
Am Strassenrand hierher wurden überall Erdbeeren verkauft. Wir kaufen die kleinste Portion, 2 kg gleich im Pflückstrohkorb verpackt.
5.Jan. - 'Guanajuato'
Die Busstation ist 100 m entfernt. Warten eine Viertelstunde und der Bus kommt rassig angefahren. Der Bus ist voll, die lange Fahrt sehr billig, gerade mal 35 Rappen pro Person. Viele junge Frauen haben ihr Baby auf dem Arm und Kleinkinder dabei. Uns dünkt, dass es hier mehr Mädchen als Jungen gibt. Im Zentrum angekommen buchen wir gleich eine City-Tour, die in 5 Minuten beginnt. Es wird per Telefon ein Kleinbus beordert, in dem schon 5 Leute sitzen. Die Tour soll etwa 3 Stunden dauern.
Zuerst den Berg steil hinauf zum ‚Templo Valenciana‘. Eine schöne Barockkirche welche vom wohl reichsten Mann, dem Silber-/Gold-Minenbesitzer im Jahre 1720 der Stadt ‚Guanajato‘ geschenkt wurde. Der Führer erklärt uns, welcher Typ Kirche wie heisst und wann man eine ‚Virgine‘ (Jungfrau) hinter dem Altar vorfindet. Natürlich werden wir in zwei Souvenirläden geschleppt. Im Steinladen können wir uns beherrschen, aber im Süsswarengeschäft nicht mehr. Nun geht’s in ‚Museum de Inquisation‘. Eigentlich haben wir keinen Bock auf die Folterinstrumente, gehen aber doch mit. Am Schluss sind wir etwas schneller draussen an der Sonne. Die Mexikaner haben ein spezielles Verhältnis zum Tod. Überall kann man Skelette kaufen. Auch die Souvenirgeschäfte sind voll von farbigen Skeletten, aus Zuckermelasse und mit Zigarette. Dann zu einer der zwölf stillgelegten Silber-/Goldminen. Hier wird Kaspar zum x-gten Mal Zeuge, wie die Angestellten das Museum, für das sie arbeiten, bescheissen. Also: an der Kasse Ticket bezahlen, am Eingang nimmt einem der Guide das Ticket ab ohne zu lochen oder zerreissen. Dieses wird dann später an die Kasse zurückgebracht und wieder verkauft. Erst als Kaspar sagt, er möchte das Ticket für das Tagebuch behalten, erhält er diese zurück. Aufgrund der nicht nacheinander liegenden Nummern der Tickets ist der Trick bestätigt! Na ja, so spektakulär war der 300 m lange Bergwerkstollen auch nicht – oder wir haben halt einfach schon zu viel gesehen! Zurück ins Zentrum. Hier erwarten uns die unterirdischen Strassen. Die alten Bergwerkstollen sind zu einem Strassennetz ohne Ampeln zusammengeschlossen.
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Der Fluss, welcher immer schlimme Hochwasser führte, wurde umgeleitet und auf dem ausgetrockneten Flussbett eine Strasse asphaltiert. Super Lösung für ‚Guanajuato‘ am steilen Berghang mit zum Teil sehr schmalen Gassen. Eine Gasse ist gerade mal 1 m breit und Liebende können sich hier treffen und von Balkon zu Balkon küssen.
Fahren über die Panoramastrasse zum ‚Monumento Pipila‘. Von hier oben hat man einen schönen Bilck über die bunte Stadt mit den vielen Gassen, Kirchen und der Universität. Die Citytour endet mit einer sehr, sehr steilen Schussfahrt durch die engen Gässchen mit scharfen Kurven in die Stadt hinunter. Es ist soooo steil, dass man sich in einer Achterbahn fühlt. Auf jeden Fall kreischen die einen. Verabschieden uns von den anderen Fahrgästen mit denen wir uns angefreundet haben. Als Schweizer resp. Europäer sind wir schon Exoten.
Bummeln zur ‚Basilica de Nuestra Seniora de Guanajuato‘. Hier im Zentrum ist viel los. Am ‚Jardin de la Union‘ sind viele Musikanten, die darauf warten, von den im Restaurant sitzenden Leuten zum Kauf von Musikstücken aufgefordert zu werden. Mit viel Inbrunst wird Trompete, Handorgel, Geige und natürlich alle Grössen Gitarre gespielt. Jede Gruppe hat ihre eigene Uniform. Die Hosennähte werden durch Silber/Goldschmuck zusammen gehalten.
Zwei Musikanten helfen einem 10-jährigen die Gitarre zu stimmen und geben ihm Ratschläge, die er dankend annimmt und gleich übt. Über den ‚Mercado Hidalgo‘ zurück zur Busstation. Haben gerade Glück und können in den ersten Bus einsteigen, welcher uns bei Sonnenuntergang beim Camping aussteigen lässt.
6.Jan. - Sonntagsbummel mit Gourmet Menu
Auf dem Markt haben wir einen kleinen ‚Drei Königskuchen‘ gekauft‘. Die Grossen haben einen Durchmesser von 50 cm und 4 Könige. Sehr praktisch für eine Familie! Beim Auspacken des trockenen Gebäcks sieht Bigi den König bereits. Sie nimmt ihn heraus und steckt ihn mit geschlossenen Augen in den Boden des Kuchens - Kaspar wird König! Sein Reich ist jedoch sehr klein, da die Königin ihm nicht besser als an den anderen Tagen im Jahr gehorcht. Der König ist ein kleines Kind aus Plastik. Mit dem öffentlichen Bus, der heute rappel voll ist in die Stadt. Die Kinder schleppen alle ihre neue Puppe, Auto und dergleichen mit. Im Park wird altes Spielzeug gesammelt, das vermutlich später am Tag von den Königen an ärmere Kinder verteilt wird. Einige Kinder trennen sich nur unter Tränen von ihren alten Spielzeugen.
Schlendern am ‚Hidalgo Museum‘ vorbei zur imposanten Universität. Es ist eine spezielle Architektur mit vielen Zinnen und einer 80 Stufen Treppe.
Möchten das wunderschöne im 1903 gebaute ‚Teatro Juárez‘ mit 1200 Sitzplätzen besichtigen. Hier muss man wieder einmal für’s Fotografieren bezahlen, jedoch ausdrücklich ohne Blitz. Der Saal ist ein wunderschöner Bau mit Historismus- und Art Deco Elementen. Die Tapeten in Rot/Gold und die Geländer aus Schmiedeisen. Hier findet im Oktober jeweils das internationale ‚Cervantes e Don Quijote-Festival‘ statt, das 40‘000 Besucher aus ganz Mexiko anzieht.
Auf den Treppen vor dem Teatro bringt ein Strassen-Clown viele Leute zum Lachen. Dann viele Stufen nochmals hinauf zum ‚Monumento Pipila‘. Kaspar stöhnt: ‚das du de Weg au immer findsch!‘ Geniessen nochmals die Aussicht über die wunderschöne, im Sonnenlicht strahlende farbige im Talkessel gelegene Stadt. Jugendliche mit gefederten Fahrrädern, Helm, Handschuhen und Knieschonern fahren die steilen Treppen hinab - was für ein Kick! Zurück zum lebhaften Platz ‚Jardin de Union‘. Hier hat Bigi gestern herausgefunden, dass im Restaurant ‚Casa Valdez‘ ab 14 Uhr ein spezielles Gourmet Menu mit 4 Gängen serviert wird. Dies wollen wir ausprobieren – Bigi hat sich hierfür heute extra schön angezogen. Das Menu kostet 119 Pesos, aber ein Glas ‚vino tinto‘ (Spanischer Tempranillo) für Kaspar 150! Ist ein gutes Essen und dank der gut gefüllten Brotschale mit ausgezeichneten Brötchen wird Kaspar auch satt. Langsam trudeln die Musikanten ein. Irgendwie spielen sie eine Katzenmusik. Vor allem die Trompete spielt für unsere Ohren falsch!
Streifen durch die schönen Gassen und finden einige lauschige Plätzchen zum verweilen. Trinken Margherita und Kaspar Margherita Fresas (Erdbeeren). War ihm etwas zu viel für den Magen, aber wir wollten noch nicht nach Haus in den Camper. Die dunklen Abende - ab 19 Uhr und man stelle sich vor: ohne TV - sind sehr lang! An der Bushaltestelle müssen wir lange warten und kommen mit dem gleichen Strassenhändler wie gestern ins Gespräch. Er spricht Englisch. War 12 Jahre in USA und hat Klimaanlagen und Heizungen installiert. Aber hier in diesem milden Klima gibt es absolut keinen Job in seiner Branche und so hat er umgesattelt. Er scheint in seinem neuen Beruf, Pommes Chips Verkäufer, ganz happy zu sein. Hautsache er verdient Geld. Wir vermuten, er kauft grosse Säcke Pommes Chips, füllt diese in kleine Plastiksäcke und bietet dazu scharfe Sauce und Limone an. So wandert er mit seinem Karton und Gestell durch die Strassen. Gute Geschäftsidee, würde vermutlich auch am HB Zürich funktionieren, jedoch dort nur mit Gewerbepolizeilicher Bewilligung! Gut können wir dem Busfahrer die Visitenkarte vom Campingplatz zeigen, sonst würden wir den richtigen Bus nie finden! Die Leute kennen diesen Ort fast nicht. Endlich beim MAN angekommen sind wir vollkommen geschafft und legen uns zuerst mal eine Runde ins Bett.
7.Jan. - alles braucht seine Zeit
Kaspar bereitet den MAN für die Weiterreise vor. Bigi sitzt an der Sonne, aber nicht lange, da wird sie schon wieder aktiv. Sie backt Brownies. Dies daher, weil der Camping-Manager nicht kommt und wir auf unsere frisch gewaschene Wäsche warten. Vermutlich werden wir zu einer weiteren Nacht genötigt. Dafür wird die Homepage wieder aktuell. Am Nachmittag erscheint ein hier lebender Amerikaner, welcher mit dem Camping-Manager einen Termin hat. Dieser kommt jedoch nicht. Der Amerikaner bezeichnet heute Montag als ‚Sun-Lunes‘ (Sonntag-Montag) und erklärt uns, dass dies so viel heisst wie ‚blauer Montag‘ (die Mexikaner erscheinen montags oft nicht zur Arbeit).
Kurz darauf kommt ein älteres, amerikanisches Ehepaar mit drei Hunden und einem riesigen amerikanischen Trailer daher. Carole verwickelt Bigi sogleich in ein missionarisches Gespräch. Sie haben 500 Paar gebrauchte Schuhe sowie viele Bibeln dabei, um diese an arme Mexikaner zu verteilen. Und nun erscheint doch noch der Camping-Manager und behauptet, er wäre am Morgen zwei Stunden hier gewesen; hätte gesehen, dass unsere Türe offen stand?! Kaspar glaubt ihm nicht, denn wir waren wirklich keine einzige Minute weg! Sie holen noch unsere Wäsche in der Wäscherei und so können wir wenigstens morgen wegfahren. Die Brownies waren übrigens noch nie so gut wie heute. Bigi hat den Gasbackofen langsam im Griff. Es braucht einfach Zeit, Zeit, Zeit!
8.Jan. - Topografische Mitte Mexikos
Huch, es ist bewölkt und die Hügel sind unter tief hängenden Wolken verborgen. Unser Tagesziel, der auf Sichtweite stehende ‚Christo Rey‘ sieht man nicht! Dies ist die zweitgrösste Christusstatue (nach Rio de Janeiro). Nehmen die zu bezahlende Strasse nach ‚Silao‘. Hätten dies besser lassen sollen. Finden uns plötzlich in Silao und fragen nach der Christus Statue. Fast die ganze Strecke auf der nicht zu bezahlenden Strasse retour. Hier sehen wir auch die blauen Signale und Richtungspfeile. Folgen diesen und plötzlich gibt es keine Signalisation mehr und wir sind schon wieder falsch und müssen nochmals wenden. Schlussendlich finden wir die äusserst schlechte und kurvige Auffahrt auf den Berg. ‚Christo Rey‘ - der topografische Mittelpunkt von Mexiko auf 2500 m.ü.M. Oben angekommen sehen wir nicht einmal die Christus-Figur hoch über uns. Sitzen im MAN und wissen nicht, ob wir weiterfahren sollen. Aus dem Lautsprecher ertönt ein stündiger Gottesdienst mit Gesang und Predigt. Doch nun hellt sich das Wetter ein wenig auf und wir können das Monument sehen. Es ist schon die 5. Statue seit dem Jahre 1920. Fahren weiter weil es erst 14 Uhr, kalt und windig ist. Quer durch die Stadt ‚Léon‘, eine moderne Industriestadt für Schuhe und Lederwaren. Besuchen einen riesigen Outlet mit vielen Geschäften und schauen uns die schönen, günstigen Schuhe an. Bigi aber kauft sich keine Schuhe oder Tasche, dafür ‚Nike‘ Fitness-Bekleidung für zu Hause. Auf dem Weg nach ‚Aguascalientes‘ fahren wir an grossen Autowerken Chevrolet und Nissan vorbei. Ein Sturm fegt Kaspar fast von der Strasse. Wir überlegen, ob wir nicht besser irgendwo parkieren sollten. Doch wir kommen gut in ‚Aguascalientes‘ an. Ein Gruss an den Zistig-Club: wir waren beim Italiener über die Strasse!
9. Jan. - 'Aguascalientes'
Marschieren ins Stadtzentrum zum ‚Plaza Patria‘.
In Mexiko sind immer riesige mexikanische Flaggen aufgezogen, schätzungsweise ca. 20 x 8 m! Abziehbildchen für unsere Wand haben wir bisher jedoch in ganz Mexiko noch nicht gefunden! Flanieren in der autofreien Strasse und suchen für Kaspar einen Coiffeur.
Am Strassenrand steht ein Zirkusauto mit Käfig hinten drauf. In diesem liegt ein lebendiger Tiger! Der Tiger scheint das herum chauffiert werden jedoch zu geniessen. Wie lange würde es wohl in der Schweiz dauern bis Polizei und Tierschutz eingreifen würde?! Finden einen Coiffeur. Nach einer kurzen Wartezeit ist Kaspar an der Reihe. Wir versuchen zu erklären, wie der Haarschnitt sein soll. Am Schluss kann Kaspar wieder unter die Leute. Kostet 35 Pesos plus Trinkgeld (CHF 3.50). Bigi frägt sich zum ‚Correo‘ (Post) durch. Briefkästen gibt es praktisch keine. Auf dem Rückweg tätigen wir noch einige Einkäufe, z. B. ein Kilo Eier (16 Stück). Weiter Richtung ‚Zacatecas‘. Über eine braungelbe Hochebene. Hier wird Land- und Viehwirtschaft betrieben. Auf grösseren Flächen werden Reben angepflanzt. Haben erst einmal den mexikanischen Wein getrunken – so solala. Grosse Kaktusplantagen säumen die Strasse – ob diese Kaktus wegen den Früchten oder den roten Flöhen für die äusserst teure rote Naturfarbe gepflanzt werden, wissen wir nicht. Im Supermarkt haben wir schon Kaktusblätter beim Gemüse gesehen, aber noch nie probiert zu kochen.
An allen Staatsgrenzen werden wir durch das Militär aufgehalten. Auch die Polizei kontrolliert scharf. Es wird stichprobenweise nach Waffen und Drogen gesucht. Wir sind natürlich die Exoten und werden meistens angehalten. Ein wenig unheimlich ist es schon, wenn das Militär mit geladenen Maschinengewehren auf Pick-ups am Strassenrand steht. Man kann sich aber auch an das gewöhnen. Umfahren auf der Stadtautobahn ‚Zacatecas‘ und finden den Trailer-Park beim ‚Hotel Baruk‘. Grosszügige Anlage aber kein Camper. Die Hacienda liegt an einer stark befahrenen Strasse. Sind gespannt auf die Nachtruhe. Besichtigen das 5-Stern Hotel. Der schöne Indoor Pool kann nicht benutzt werden – Wasser ist sowieso sehr kalt.
10.Jan. - 'Zacatecas'
Es war eine lange, laute Nacht. Nicht nur die Autobahn vor der Hacienda ist lärmig, sondern hinter dem Hotel fahren auch noch die langen, schweren Güterzüge. Mit dem Taxi ins Zentrum. Hier wird gerade eine Stadtrundfahrt angeboten. Nehmen die 3-stündige Tour. Wir sind alleine mit dem Guide. Verständigen uns in Englisch und Spanisch. Früher gab es hier 12 Silber-/Goldminen, wovon heute noch in fünf gearbeitet wird. Die Kanadier managen alles und haben die Abbau-Konzession von der Regierung gekauft. Auf dem Weg zum ‚Cerro de la Buffa‘ erklärt der Guide viel über die Geschichte der Stadt. Er zeigt uns auch noch ein spezielles Gras, welches ‚Zacateca‘ heisst. Auf dem Berg ist eine Kapelle mit einem schönen Innenhof. Werden durch laute Musik, das ‚Ave Maria‘ stielvoll empfangen. Schöne Aussicht über die farbige Stadt. Mit dem ‚Teleférico‘, einer 30 Jahre alten kleinen Kabinenbahn aus der Schweiz, zum gegenüberliegenden Hügel ‚Cerro del Grillo‘. Kurze Fahrt zur 1960 stillgelegten ‚Mina el Edén‘.
Diese kann man besichtigen. Zuerst mit einem Bähnchen 350 m in den Fels hinein, dann zu Fuss durch die schön beleuchteten Minenschächte. Man kann das Silber, Gold, Kupfer, Amatiste, Zitrin etc. deutlich sehen. Der Guide kratzt für unser Tagebuch noch einen wenig Gold und Silber ab, so ca. 0,00001 g! Die Mine hatte 5 Schächte, wovon nur noch der Dritte begehbar ist. Die Andern sind entweder verschüttet oder unter Wasser. Silber und Gold wurde seit 1548 gefördert. Unter welchen Bedingungen, das fragt man lieber nicht! Hier drinnen gibt es weltweit die einzige Discothek – geöffnet Freitag bis Sonntag, jedoch nur Bum-Bum-Musik für Junge. Sind mit unserem Führer sehr zufrieden und überlassen ihm ein gutes Trinkgeld. Die Kathedrale ist geschlossen, so sehen wir uns auf dem Hauptplatz die Schlittschuhläufer an.
Spazieren noch zum 800 m langen ‚Acuaducto del Cube‘ aus dem 18. Jh. Gleich daneben steht das Hotel ‚Quinta Real‘. Das 5-Stern Hotel ist um eine alte Stierkampfarena herum gebaut. Ein Zimmer gibt’s für ca. CHF 350. Das Taxi bringt uns zurück. Werden am Abend im schönen Restaurant speisen. Bigi wirft sich in Schale - Kaspar ist sowieso schön!
11.Jan. - über grosse Hochebenen
Wir waren gestern die einzigen Gäste im Restaurant und es war sehr kalt, da das Gas für die Heizung ausgegangen war. Das Essen war nichts Besonderes und hat uns die ganze Nacht geplagt. Nun haben wir genug von den Kolonialstädten im kühlen Hochland und wollen nur noch runter an den Pazifik an die Wärme! Via ‚Fresnillo‘ nach ‚Durango‘.
Es geht über mehrere Hochebenen so auf ca. 2000 m. Riesige landwirtschaftliche Flächen werden mit Traktoren bearbeitet. Die überwiegenden Farben sind braun/gelb und die gepflügten Flächen braun/rot. Kleine buschartige Bäume bis ca. 3 m hoch sieht man überall. In ‚Durango‘ angekommen ist es noch etwas früh, um auf dem Parkplatz des Supermarktes zu übernachten. Weil hier nicht viel zu sehen ist fahren wir weiter Richtung Pazifik. Wegen einer Brückensanierung geraten wir in eine ‚Umleitung‘. Wie könnte es anders sein, wir verfransen uns. Erst nach zweimaligem Fragen finden wir die Strassenschilder ‚Mazatlan‘ wieder. Hier nehmen wir die ‚Quota‘, die einspurige Autobahn gegen Gebühr. Die Strasse führt durch tiefe Bergeinschnitte und über spektakuläre Brücken, welche Canyons überspannen. Lerchenwälder weit und breit. Erst jetzt bemerken wir, dass wir uns wieder auf 2400 m befinden. Jetzt sind wir aber zu lange unterwegs und es nachtet ein. Parkieren daher bei einem Strassenzoll. Bigi scheint es hier sicher zu sein.
12.Jan. - spektakuläre Fahrt runter an den Pazifik
Die Nacht war erstaunlicherweise einigermassen ruhig. Verlassen früh den Übernachtungsplatz. Bis ‚El Salto‘ auf der neuen Strasse und dann die ‚Libre‘ Richtung Pazifik. Die Kilometerangabe können wir nicht richtig deuten: 220 km und ein Kilometer später 142 km. Was soll das? Dichter Nebel kommt auf und die kurvige Fahrerei wird echt anstrengend, ganz sturm im Kopf. Endlich kommen wir unter die Wolken/Nebeldecke. Die Aussicht über die Berge und äusserst tiefen Schluchten ist überwältigend.
Die Strasse schlängelt sich der Bergflanke entlang. Wir passieren nur wenige Dörfer. Auch muss man sehr aufpassen, wenn uns ein langer Sattelschlepper begegnet. Vor allem die Rechtskurven sind äusserst gefährlich, da die hinteren Räder des Sattelzuges immer auf unserer Strassenseite sind. Wir dürfen dann nicht kreuzen und halten vor der Kurve an. Dies gelingt uns nicht immer und so wird es manchmal eng.
Die Mexikaner bauen eine neue Strasse quer durch diese Berge mit vielen Tunnels und riesen langen, hohen Brücken. Der Rätsels Lösung: die neue Strasse wird dann 70 km kürzer sein. Kaspar sagt: ‚auf einen Kilometer fällt die Strasse 260 m.‘ Bigi stutzt ein wenig. Kann dies sein?! Es wird langsam wärmer in der Fahrerkabine und nach sieben Stunden sind wir endlich unten am Pazifik. Hier fahren wir zum ‚Trailer Park Mar Rosa‘. Wer steht da? Natürlich zwei Camper aus der Schweiz. Richten uns ein. Unsere elektrische Anlage 110 V-220 V funktioniert einwandfrei. Bei einem Glas Weisswein, Käse und Avocados tauschen wir Neuigkeiten aus mit Tony, Nelly, Peter und Katharina.
13. Jan. - Mozarts Requiem
Seit heute haben wir 8 Stunden Zeitdifferenz gegenüber der Schweiz. Mit dem öffentlichen Bus ins Stadtzentrum. Wollen das Theater anschauen. Es ist 11.45 Uhr und wir finden in der Nähe des Theaters ein Plakat, auf welchem steht, dass das in der Zeitung angekündigte Konzert um 12 Uhr gespielt wird. Also schnell zum Theater, wo wir uns in die Menschenschlange vor dem Ticketschalter stellen. Hier wird vorwiegend Englisch gesprochen. Alles Kanadier und Amerikaner, die hier überwintern. Heute wird Mozarts unvollendetes letztes Requiem gespielt. Haben Glück und ergattern zwei Tickets. Sitzen hinten auf dem 1. Balkon im kleinen, aber schön restaurierten Theater. Der Dirigent erscheint, begrüsst uns zum kältesten Tag des Jahres und erklärt die ersten zwei Stücke. Das Orchester spielt gut, aber bereits nach 20 Minuten ist Pause. Nach der Pause die Überraschung: Das Orchester hat sich mit den Bläsern, Klavier und Pauke massiv vergrössert. Ein Chor mit 50 Sänger/innen stellt sich auf. Zusammen mit dem Dirigent kommen noch 4 Solosänger/innen auf die Bühne. Was nun geboten wird, ist erste Klasse! Am Ende des Konzertes ‚Standing Ovation‘! Nachher sitzen wir draussen auf dem Platz in einem kleinen Restaurant für einen kleinen Imbiss. Gutes Essen, aber lausiger Service, na ja! Wollen auf dem Markt noch Brot kaufen, aber alles ist geschlossen. Den Bus für die Rückfahrt finden wir auch nicht. Hier gibt es offene VW-Taxis, die wie Buggys aussehen. Einer hat Schwierigkeiten mit dem Anlasser und muss angestossen werden. Wir helfen und nehmen das Taxi gleich bis zum Trailer Park. Haben es lustig mit dem Fahrer, aber es ist kalt. Brauchen zuerst einen wärmenden Tee.
Heute Morgen hat Bigi direkt ab Verkäufer hier auf dem Platz 500 g Königs Crevetten gesäubert gekauft. Nun müssen wir nur noch Knoblauch, Brot und Weisswein holen. Kaspar ist gespannt, was Bigi da zusammen braut. Die Schrimps schmecken dank Butter-Küche gut!
14.Jan. - 'Mazatlan'
Kaspar hatte wieder einmal eine schlechte Nacht. Nun weiss er definitiv, dass er allergisch auf Seafood ist! Nochmals in die Stadt, aber nur bis zum Fischer Denkmal. Schauen den vielen Pelikanen zu, die auf Fischabfälle warten. Ein Fischer schneidet den Fischen den Kopf ab, spiesst ihn aufs Messer und hält das Ganze nach oben. Die Vögel stibitzen im Flug.
Nun wandern wir durch die Stadt, von der Kathedrale zum Theater, Fährhafen und den steilen Berg hinauf zum 1828 gebauten Leuchtturm.
Wieder unten mit dem Bus zum alten Markt. Es ist immer faszinierend, durch die Markthallen zu bummeln. Hier wird alles Mögliche und Unmögliche verkauft. Dieses Mal finden wir den Bus für die Rückfahrt. Er nimmt einen komplett anderen Weg zum Trailer Park. Ein 45-minütiges ständiges Stopp und Go! Kaspars Rücken schmerzt. Kleiner Strandbummel im zügigen Wind.
Im Camping will Kaspar einen riesigen Campingbus näher anschauen. Der US-Besitzer kommt mit Frau und drei Freunden dazu. Wir werden zum Apéro eingeladen. Diese Leute kommen alle Jahre für 4-5 Monate in die warme, billige Gegend. Kaum zu glauben, was da alles an Mobiliar angeschleppt wird: grosses Zelt, Gartenpolstergruppe, Esstisch, Kühlschrank, Grill, Lampen, Ventilator etc.
15.Jan. - Touristenabzockerei
Checken, ob die Fähre TMC heute fährt. Ja es ist so, müssen aber sofort aufbrechen. Wir sind schon ein wenig Mexikaner und nehmen uns die Zeit zum Tanken und Einkaufen. Dann zum Fährhafen. Die Fähre ist bereits in Warteposition. Zuerst wird der MAN gewogen: 10‘700 kg inklusive Driver. Im TMC-Büro rechnen sie für uns den Preis für die Überfahrt nach ‚La Paz‘ aus. Sogar der Chef kommt nach vorne und es wird hin und her diskutiert. Nun sollen wir inklusive einem Passagier sage und schreibe 15‘300 Pesos bezahlen - CHF 1‘070! Dies ist uns eindeutig zu viel. Fürs Wohnmobil soll man doppelt so viel bezahlen wie für einen LKW gleicher Grösse/Gewicht. Es ist überhaupt die höchste Klasse – dies empfinden wir als ‚Touristenabzocker‘! Wir sagen ‚NO‘ und laufen davon. Wir haben beschlossen, die 400 km bis zum Hafen ‚Topolobampo‘ die Küstenstrasse hoch zu fahren. Von dort kostet die Überfahrt rund die Hälfte und dauert auch nur 8 Stunden.
Nehmen die ‚Quota‘ und ab geht es über eine riesige Ebene. In der Ferne sehen wir Hügel und kleine Berge. Hier wird Mais, Mais und nochmals Mais angepflanzt. Tomaten- und Peperonifelder liegen ebenfalls neben der Strasse. Weitere Felder können wir nicht einordnen. Im Reiseführer haben wir gelesen, dass hier viel Silofutter für die USA angepflanzt wird. Die riesigen Silos sieht man überall. Viele Erntearbeiter ernten in den Feldern grüne Peperoni. Die Plastikgitter werden mit grossen LKWs in die nächste Stadt gefahren. Die Autobahn für 400 km kostet uns fast 500 Pesos. Da soll ein Schweizer mal noch jammern wegen unserer Autobahnvignette! Stehen nun bei einer ‚Pemex‘-Tankstelle an der Seite und hoffen auf eine gute Nacht. Zwei Männer sind gerade daran, ein riesiges Baugerüst zum hohen Reklameschild ‚Pemex‘ zu schieben. Dort stürzt das zweistöckige, labile Gebilde um. Ein Arbeiter hinkt danach. Bis zum Eindunkeln schaffen sie es nicht mehr, das Gerüst aufzubauen, geschweige denn die defekten Birnen zu wechseln.
16.Jan. - warten auf die Fähre
Ab nach ‚Los Mochis‘. Riesige Gewächshäuser, die von weitem wie Seen aussehen, säumen die Autobahn. In der Ferne sind Doppeldecker-Sprühflugzeuge im Einsatz. Sie stechen auf die Felder nieder und sprühen Insektizid über den Mais. Wenig später können wir diese Flugzeuge im Hangar einer kleinen Flugzeugbasis besichtigen. Diese Flieger sind Tiefdecker mit 9-Zylinder Sternmotoren und zwei- resp. dreiblättrigen Propellern. Wir fotografieren. Natürlich kommen die Leute und schauen uns fragend an: Werksspionage? Wir erfahren, dass diese Flieger 1200 Liter Insektizid mitführen können. In Spanien werden solche Flugzeuge als Löschflugzeuge bei Waldbränden eingesetzt. Die Start- und Landebahn ist 600 m lang.
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In ‚Los Mochis‘ suchen wir den Camping. Hier steht kein Camper auf einem der hundert Plätze. Alles tote Hose. Wir wollen hier auch nicht übernachten, aber Auskunft über eine Tour nach ‚Barranca del Cobre‘ haben. Auch nach eineinhalb Stunden ist der Reisebüromensch noch nicht da und so fahren wir runter zum Hafen. Hier wird der MAN ausgemessen: 8,8 m. Ticket kaufen, welches nun nur noch 7‘696 Pesos kostet. Sitzen wieder einmal an der Sonne und warten auf das Verladen (ca. 22.30 Uhr). Das alte, trockene Brot verfüttert Kaspar an Hunde und Vögel. Warme Kleider, Lesestoff, Windjacke, zwei warme Decken, Snacks und eine Thermosflasche heissen Tee werden für die Überfahrt eingepackt. Endlich geht es los.
Wir sind fast die ersten, welche an Bord im ersten Stock einfahren können. Die steile Rampe hinauf, aber es geht fast nicht. Die Reifen schleifen, Wieso? Die Rampe ist voller Öl. Suchen unsere Sitze im fünften Stock im Salon. Diese passen uns jedoch nicht. In der Bar sind der ganzen Wand entlang grosse Sofas. Hier lassen wir uns in einer Ecke nieder und richten uns für die Nacht ein. Es ist hell und ein paar Fernseher laufen. Eine Stunde nach Abfahrt fängt eine Mexikanerin an laut, noch lauter zu singen. Das kann ja heiter werden. Doch nach einer Stunde ist zum Glück Schluss und wir versuchen zu schlafen.
'Baja Caliofornia'
Die ‚Baja California‘ gehört zu Mexiko und nicht zu USA! Es heisst lediglich ‚das tiefe Kalifornien‘ und ist die Halbinsel, die von ‚San Diego‘ resp. ‚Tijuana‘ nach Süden führt.
17.Jan. - Fähre auf die 'Baja California'
Für ‚Holz-Klasse‘ gut geschlafen! Trinken einen Kaffee Americano = Kaffeebrühe und essen dazu eine furztrockene Schnecke. Bigi ist halb tiefgefroren! Um 9 Uhr ist die Fähre im Hafen. Der ‚Driver‘, also Kaspar, darf zum Fahrzeug. Der Passagier Bigi muss in der Reihe mit allen Passagieren zum Aussteigen anstehen – ohne einen Peso oder Ausweis im Hosensack! Das Ausladen geht ruck zuck. Wegen des Öls kommt der MAN die steile Rampe hinunter etwas ins Rutschen. Aber alles geht gut. Ab auf die Waage und die Hafentaxe von 220 Pesos bezahlen. Kaspar sucht Bigi auf dem weitläufigen Hafengelände. Zum Glück ist Bigi gross und Kaspar macht mit einem scharfen Pfiff auf sich aufmerksam. Durch die Hafenausfahrt, doch oh Schreck, es gibt eine 400 m lange, zweispurige LKW/Autoschlange. Das Militär kontrolliert sehr, sehr scharf. Für uns unverständlich, dass alle drei Fähren zur gleichen Zeit im Hafen ankommen! Alles wird kontrolliert. Dieseltank öffnen und Stab hinein, um festzustellen, dass keine Drogen darin versteckt sind. Die Soldaten klettern wie Affen bei Camions über Kisten und Koffer. Auch bei uns wollen sie einiges sehen. Der Wassertank unter dem Sitz interessiert sie. Einer der Soldaten leuchtet diesen mit Taschenlampe aus. Ein Soldat kommt aus Chiapas. Er hat schon vorher gefragt, ob wir dort waren. Im MAN sieht er dann das kleine Täschchen mit der Aufschrift ‚Chiapas‘. So kommen wir bei der Kontrolle vermutlich etwas besser davon. Drogenhunde werden auf die PKWs gehetzt. Bei einem PKW wird ganz genau hingeschaut. Motorhaube, Kofferraum, Türe, alles offen und sechs Militärs um und unter dem Auto. Jetzt nur noch die Desinfektion und endlich, endlich nach 4 Stunden das Hafengelände verlassen. Wir atmen auf. In der Wartezeit haben wir geduscht, Kaspar sich rasiert und die Haar gewaschen – obwohl auf einmal Bigi ihn gedrängt hat – wäre ja was, wenn er bei der X-Ray-Kontrolle nackt in der Dusche steht!
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Jetzt stehen wir am Strand in ‚Tepolote‘. Leider windet es sehr stark und gerade warm ist es auch nicht. Einige Amerikanische und Kanadische Camper stehen hier. Seit einer Woche sei das Wetter so schlecht. Alle wollen den MAN besichtigen. Bigi schläft und trinkt heissen Tee. Kaspar macht einen Spaziergang dem Strand entlang zu den geschlossenen Kneipen.
Hier filmt eine Crew ein allradtaugliches Auto mit Rennfahrer. Der Rennwagen ähnelt den Fahrzeugen des Dakar Rally. Der Reporter steigt durch die Fensteröffnung des Beifahrersitzes, wird angeschnallt, bekommt einen Helm aufgesetzt und die Post geht ab. Sie fahren total verrückt. Das Auto fliegt buchstäblich durch die Luft. Die Menschheit spinnt!
18.Jan. - echte talienische Pizza
Der Wind blies uns heute Nacht um die Ohren. Eine Stunde Strandspaziergang. Weiter geht es durch grosse Kakteengebiet bis nach ‚La Paz‘. Hier Einkäufe tätigen und noch Internet aufladen bei Burger King - Kaspar kommt dadurch in den Genuss eines Hamburgers.
Weiter durch hügliges Buschland nach ‚Los Barriles‘. Hier suchen wir einen Campingplatz. Einer ist schön, aber für nur zwei Nächte und mexikanische Verhältnisse zu teuer. 50 m weiter finden wir einen günstigeren Platz direkt am Meer. Kurz den Strand inspizieren: grobkörnig, windig und viele Surfer auf dem Meer. Bigi nimmt sich an der Beach Bar einen Margherita und Kaspar einen Gin mit Lemon. Der Hauptstrasse entlang bis zur Pizzeria ‚Otra Vez‘. Die Chefin ist eine deutschsprechende Tessinerin aus Locarno. Sie ist seit 1994 mit ihrem italienischen Mann hier. Auch der Pizzaiola ist aus Italien. Trinken zur Pizza eine Flasche Rotwein. Auf dem Nachhauseweg ist Bigi etwas wacklig auf den Füssen. Die vier Stufen ins Wohnmobil nehmen wir auf ‚allen vieren‘.
19.Jan. - Campingleben
Ein Tourleiter von ‚Seabridge‘ ist hier. Unterhalten uns gut mit ihm. Durch dieses Palaver bringen wir die Wäsche etwas spät zum Waschsalon. Es ist wieder einmal Wochenende und so reicht es erst bis Montag 11.30 Uhr. Dadurch sitzen wir zwangsläufig einen Tag länger im Camping. Wir stürzen uns ins Bikini und Badehose. Bigi will an den Pool am Strand, aber für Kaspar ist Arbeit am MAN angesagt. Zuerst kriecht er unter den MAN. Er wirkt schon etwas gstabig. Es sieht zum Glück sofort den Fehler am Verteilgetriebe. Den Schalter haben wir schon einmal in Chile repariert. Da nicht das exakt richtige Ersatzteil montiert wurde, ist die Schaltelektronik nun wieder ausgefallen. Er überlegt wie, aber am Schluss ist alles wieder fest angebunden. Nur ob die anderen Schalter für die Differenzialsperre funktionieren, konnte er nicht testen. Noch mit der Leiter die Birne vom hinteren, oberen Standlicht auswechseln. Nun scheint wieder alles zu funktionieren. Am Strand ist es sehr windig und daher recht kalt. Die Surfer mit und ohne Schirm sind unterwegs. Sie springen über die Wellen.
Haben für heute einen Tisch in der Pizzeria bestellt. Live Musik ‚Fun Dog‘, eine Art Jazz mit Country-Elementen. Die fünf Musiker geben alles und es wird getanzt. Die Tessinerin freut sich mega über das Schoggistängeli.
20.Jan. - Sonntag
Arbeiten erledigen, was halt so anfällt. Kaufen Eier und Früchte ein und spazieren am Strand zurück zum Camping. Alle Surfer sitzen in Startposition und warten auf den aufkommenden Wind. Kaspar will heute nun endlich mal versuchen, ob er die Eberspächer Standheizung in Ordnung bringen kann. Auf Meereshöhe heizt sie einwandfrei, aber über 2000 m.ü.M. lediglich 10 Minuten, dann ist Schluss. Er setzt sich hinter die Betriebsleitungen. Leider steht nichts Schlaues drin. Kaffemaschine demontieren, damit er zur Elektronik kommt. Er demontiert denn nachträglich eingebauten Höhendruckmesser. Vorsichtshalber heizt er nachher zwei Stunden. Sind gespannt, wenn wir dann in der Höhe wieder einmal heizen wollen.
Dann faulenzen, lesen, essen, Margherita trinken, den Surfern zuschauen und versuchen, die Pelikane im Sturzflug zu fotografieren.
21.Jan. - Zahnarzttermin
Bigi skypt mit Familie und Freunden. Wollen heute weiter, d.h. elektrisches Kabel einrollen und Wasser einfüllen. Weil das Wasseranschlussgewinde nicht gut ist, duscht Kaspar unfreiwiliig. Aber nicht so schlimm, es ist warm. Um 10 Uhr ist die Wäsche noch nicht fertig und so fahren wir zum ‚Health Center East Cape‘. Fixieren einen Zahnarzttermin um 14 Uhr für Kaspar. Wieder zurück zum Strand. Kurzer Spaziergang, Lunch und lesen. Die Wäsche holen wir auf dem Rückweg frisch gewaschen und schön zusammengelegt. Nun aber zum Zahnarzt. Der Parkplatz ist besetzt und Kaspar parkiert kurzentschlossen auf dem Trottoir resp. Rasenstreifen neben dem Fussweg. Der Zahnarzt entpuppt sich als Doktoressa Dentista Veronica. Sie schaut sich Kaspars Bescherung im Mund an. Sie meint, dass er die Plombe vermutlich immer wieder herausbeissen wird und sie keine Garantie übernehmen kann. Kaspar lacht und beschwichtigt sie – kommen von der Schweiz aus vermutlich nicht nochmals hier vorbei. Sie hat verstanden und wir lachen zusammen. Die zwei Zähne werden nun geflickt. Sie macht alles alleine. Nach einer halben Stunde ist alles vorbei und Kaspar fühlt sich wieder wohler. Zurück beim MAN warten schon zwei Polizisten mit einem Strafzettel. Wir kommen dazu. Plaudern mit Ihnen und zeigen den Fahrzeugausweis. Der Polizist sagt die Busse sei ca. 30 – 40 US$. Bigi will verhandeln, aber Kaspar zuckt nur mit den Schultern – wäre ja allzu schön, endlich einen Bussenzettel im Tagebuch einzukleben. Die Polizisten wollen Cash. Wir müssen hinter ihnen zum Polizeiposten fahren. Dies machen wir brav. Auf dem Posten angekommen teilen sie uns mit, dass der Computer heute nicht funktioniert. Somit hat sich die Busse erledigt! Wir schenken ihnen zum Dank eine alte Schachtel Villiger Stümpli und die letzten drei Schoggistängeli. Sie freuen sich riesig und alle sind zufrieden.
Nach 30 km verlassen wir die Hauptstrasse und fahren nach ‚Aguas Calientes‘ - warme Thermalquellen. Ob es hier in der Trockenheit wirklich Wasser hat? Die Farmer speichern das wenige Wasser in einem Staubecken für die Felder. Hier kann man also baden. Wir treffen eine Kanadische Familie mit 7 Kindern, welche auch hier campt. Sie reisen in einem kleinen Bus mit zwei Dachzelten. Plaudern mit den Eltern und schenken eine Tafel Schokolade. Die ganze Familie freut sich sehr - man sieht es an den Kinderaugen! Man rechne: eine 100 g Schokolade hat 24 Täfeli - also 2,67 Täfeli pro Person! Noch ein Bad im gestauten Fluss und dann rasch in den Camper, da Kaspar von den Mücken gefressen wird. Beim Essen, man glaubt es kaum: Kaspar beisst sich seine neu geflickten Zähne wieder aus! Ganze 7 Stunden hat die Reparatur gehalten - dies für 125 US$.
22.Jan. - 'Aguas Caliente'
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Wir haben die Thermalbäder gefunden! Zwei Wasserlöcher und ein gemauertes Becken von 1x1,5 m, Wassertemperatur ca. 37 Grad. Genau Platz für zwei Personen. Nach dem Frühstück brechen wir zu einer Wanderung auf. Wir möchten zum kleinen Wasserfall aufsteigen. Der Weg geht über Stock und Stein – mehr über Stein als Stock! Nach einer halben Stunde haben wir genug und kehren um.
Der Nachbar kommt mit drei seiner Kinder entgegen. Er würde uns gerne den Weg zeigen, aber wir befürchten einen Fuss zu verknacksen. Beim MAN sitzen wir im Schatten neben riesigen Kakteen und lesen. Die Kanadierin liest ihren Kindern aus einem Reisebuch vor.
Wir sitzen gute 30 m davon entfernt. Kaspar furzt ungeniert in grosser Lautstärke. Alle Kinder und die Mutter brechen in lautes Lachen aus. Kaspar hat natürlich nicht gedacht, dass sie seine Töne hören und er die Leserunde unterbricht. Spielen mit den Kindern Boccia. Der kleine Lars wirft seine blauen Kugeln wild umher. Im Dunkeln sitzen wir noch mit dem Nachbar und drei Kindern am Feuer und unterhalten uns gut. Wegen ihrer vielen Kinder interessiert uns ihr Schulsystem. In Kanada kann man wählen, ob die Kinder zur Schule gehen oder mit Fernunterricht die Schule absolvieren wollen. Bis und mit Highschool ist dies möglich. Die Kinder müssen von Zeit zu Zeit Prüfungen einsenden. Aus der Ferne werden sie von einem Lehrer betreut, was heute mit Email und Skype einfach ist. Sie haben sich auch in Kanada für dieses System entschieden und machen dies schon seit jeher so. Der Halbmond und die Sterne leisten uns Gesellschaft.
23.Jan. - baden im Hotel Hilton
Abwaschen ist Ehrensache, auch nach dem Frühstück! Kaspar will keine Hilfe, denn er fürchtet, dass es sonst Rollenwechsel gibt und er kochen muss. Er selber hält nicht gerade viel von seinen Kochkünsten. Geschweige denn er müsste das Zeug noch essen. Verabschieden uns von der netten Grossfamilie und verlassen ‚Aguas Calientes‘. Kurz nach ‚Santiago‘ fahren wir über den nördlichen Wendekreis des ‚Tropical Cancer‘; 23°27,5min. Nun befinden wir uns also wieder in den Tropen. Den gleichen Breitengrad, aber südlich, haben wir im Norden von Chile überfahren. Hier wird gerade ein kleines Denkmal mit Souvenirläden gebaut. Natürlich steigen wir aus um zu fotografieren. Beim Aussteigen sieht Bigi, dass auf ihrer Seite Wasser aus dem Aufbau fliesst. Kaspar eilt sofort um den MAN und öffnet die Aussenklappe der Toilette. Und siehe da, er hat beim vorigen Entleeren versehentlich die Aussendusche angestellt. Dadurch ist der Innenraum mit Wasser geflutet. Was ist Kaspar doch für ein Held?! Zum Glück ist unsere Küche nicht gross, das Auftrocknen dauert nicht allzu lange und es ist schönes, heisses Wetter. In ‚San José del Cabo‘ kurz einkaufen. Dem schön braun gebratenen Pollo können wir kurzerhand nicht wiederstehen. Suchen zwischen Nobel-Hotels einen schönen Platz um Kaffee zu trinken. Eigentlich stellt sich Bigi ein schönes Kaffee am Boulevard vor. Finden aber nichts. Erst einige Kilometer ausserhalb, direkt neben dem schicken Hotel Hilton gibt’s einen relativ schönen Platz. Stehen etwas vom Meer zurück versetzt. Bigi möchte baden, aber das Meer ist ziemlich rau. Sie ist schon etwas enttäuscht. Kaspar überredet sie, den Hotel Pool aufzusuchen. Bigi zögert, aber Kaspar setzt sich für einmal durch! Wer kann bei diesen vielen Leuten feststellen, ob wir Gäste sind oder nicht. Geniessen das Bad im riesigen Pool ausgiebig. Alle Leute im Pool schwenken ihren Drink in der Hand. Leider wissen wir nicht, ob das Hotel ‚all inklusive ist‘, sonst ………! Zurück im MAN studieren wir Reise- und Campingführer. Ein uralter Amischlitten fährt vorbei. Kaspar winkt zum Gruss, der erwidert wird. Nach zwei Minuten steht das Auto neben uns. Wieder einmal tauschen wir uns mit Leuten aus. Er ist pensionierter Weinbauer in Kanada. Wir können dies fast nicht glauben, denn Kanadischen Wein haben wir noch nie getrunken. Er gibt uns einige Tipps von Alaska und zeigt uns, wo er einen ‚Claim‘ zum Golf schürfen abgesteckt hat. Nun haben wir die Adresse und werden ihn in etwa 3 Jahren dort aufsuchen. War wieder einmal eine nette Begegnung und ein Besuch könnte interessant werden. Sitzen im Pyjama beim Znacht. Kaspar sagt: ‚sölled mir eus i Schale stürze und is Hotel as Buffet gah?‘ PS für Baja Fahrer: es sit das Hotel 'Dreams', aber füs uns bleibt es eben Hilton!
24.Jan. - 'Cabo San Lucas'
Es war laut von der Strasse her – immer diese lauten Amerikanischen LKWs. Spaziergang am Strand und weiter zum ‚Cabo San Lucas‘. Hier sind die Amerikaner und Kanadier zu Hause. 3500 Liegeplätze für ihre Yachten gibt es im Hafen. Eine Yacht ist speziell gross und im Heck steht ein moderner Helikopter. Alles ist in US-Dollar angeschrieben, Pesos ist Zweitwährung. Fahren durch die Stadt bis zum Ende. Hier suchen wir einen Parkplatz. Ein Touristen-Schlepper zeigt uns, wo wir gratis parkieren können. Natürlich fällt Bigi auf diesen Trick hinein und wir machen mit einem kleinen Boot eine Tour zum Felsenloch, dem Wahrzeichen. Einige stinkende Lobos (Roben) und Pelikane sind zu bewundern. Hier soll ein Taucherparadies sein. Dies ist der letzte Felsen, also das Finistere der ‚Baha California‘. Viele Touristenboote kurven um diese Felsen, denn im Hafen liegt ein grosses Kreuzfahrtschiff. Man sagt, dass hier in einer Höhle die Piraten ihre Vorräte und Gold versteckt hatten. Der letzte mexikanische Präsident habe jedoch alles ‚beschlagnahmt‘. Diese Höhle und der Strand wird auch ‚Playa del Amor‘ genannt – zu erkennen, wenn neun Monate später das Baby zur Welt kommt. Der Strand auf der anderen Seite ist für die Geschiedenen. Bigi nimmt ein erfrischendes Bad und dann zurück zur Hafenmole.
Schlendern die Hafenpromenade entlang, schauen uns die verschiedenen Läden und Yachten an und geniessen an einer Bar einen kleinen Imbiss. Uns ist es ein bisschen zu touristisch hier - sind uns dies nicht mehr gewohnt! Über die Autobahn weiter Richtung ‚Todos Santos‘. In ‚Los Cerritos Beach‘ fahren wir zum empfohlenen Strand. Hier aber gefällt es Kaspar gar nicht. Viele Surfer, aber alles sieht eher aus wie ein Autofriedhof und der Parkplatz wird um 20 Uhr geschlossen.
500 m daneben ist ein neues Ressort ‚Surf Colony‘ mit schönem Pool direkt am Strand. Fragen, ob wir hier gegen Bezahlung auf dem Parkplatz übernachten dürfen. Für 20 US$ pro Person dürfen wir hier bleiben und die Infrastruktur, sprich den wunderschönen, grossen Pool benutzen. Wir sind uns einig, sind gestern auf den Geschmack gekommen und leisten uns diesen Luxus! Liegen lange im warmen Jacuzzi und räkeln uns auf den grossen weichen Liegen.
25.Jan. - Adoption von zwei Schildkröten
Zum Hotel gehört auch ein 5-Stern Boutique Hotel mit 10 Zimmern auf einem Felsen. Ein Zimmer kostet lediglich 600 US$ pro Nacht. Dies sehen wir uns von Nahem an. Dort oben soll man Wale beobachten können. Ausser Wellen und einer gut genährten Katze sehen wir jedoch nichts. Dem Beach entlang zurück und dann ein kühles Bad. Der Hotspot ist leider noch nicht warm um diese Tageszeit. Frühstück, baden, lesen und aufs Meer hinaus schauen. Um 14 Uhr packen wir zusammen und verabschieden uns vom Manager. Kurze 30 km bis ‚Todos Santos‘. Bei der Kirche parkieren wir. Schauen uns die kleine Stadt etwas an, holen uns Infos beim Touristenbüro. Fahren zur Schildkröten-Brutstation. Gleich daneben ist ein grosser, ebener Platz hinter der Beach. Schleppen die Stühle an den Strand.
Sehen in weiter Ferne Fontänen von Walen. Um 17 Uhr kommt der Leiter der Schildkrötenstation (www.todostortugueros.org). Zwei kleine Schildkröten, eine Stunde alt, hat er in einem mit Sand gefüllten, blauen Plastikbecken. Die frisch geschlüpften Schildkröten sind etwa 7 cm gross, schwarz und wenig gestreift. Sie werden bei Sonnenuntergang am Strand ausgesetzt, denn dann sind sie nicht mehr so leichte Beute für die Vögel. Sie sollen ca. 3 m gross und bis zu 250 Kilos werden. Kaum zu glauben. Den Weg ins Meer müssen die kleinen Tierchen selber suchen. Eine anstrengende Wanderung, werden sie von den Wellen doch immer wieder zurück an Land gespült. Doch endlich haben sie es geschafft. Die zwanzig anwesenden Besucher applaudieren. Wir spenden der Schildkrötenstation 500 Pesos und sind somit Adoptiveltern der zwei Schildkröten. Hierfür dürfen wir eine Kartonschildkröte mit Namen beschriften, die dann am Zelt angebracht wird. Schweizer waren sicher noch nicht viele hier!
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Bigi hat keinen Hunger und so kocht heute der Chef: Salami, importierter Schweizer Emmentaler und Salat. Irgendwann hat Kaspar diese Delikatessen in den Einkaufswagen geschmuggelt. Hat sich gelohnt, war ausgezeichnet und auch Bigi greift gut zu!
26.Jan. - 'La Paz'
Über äusserst gute Strasse nach ‚La Paz‘. Hier suchen wir verzweifelt den Camingplatz. Nach mehrmaligem Fragen haben wir herausgefunden, dass dieser seit zwei Jahren nicht mehr existiert. Bevor wir zum 11 km ausserhalb der Stadt gelegenen Camping ‚Maranatha‘ fahren tauen wir noch den Kühlschrank ab – nachher im Supermarkt wieder auffüllen. Für heute Abend haben wir ein amerikanisches Steak gekauft. Der Camping ist recht gross, gut gelegen und gepflegt. Werden hier zwei Nächte bleiben. Kaspar hat an der Strasse ein Schild ‚Autowäsche‘ gesehen und will unbedingt heute noch dort hin. Er jammert: ‚Alle haben so saubere Autos, nur unser MAN ist so salzig und schmutzig.‘ Finden nach Herumfragen tatsächlich noch einen Autowäscher und lesen geduldig im Schatten während geschrubbt wird. Der MAN ist sauber, der Tag gerettet und Kaspar überglücklich. Jetzt endlich ein Bad im Pool.
27.Jan. - Sightseeing
Zuerst in den Pool, brrrr! Beim Frühstück friert Kaspar an die Füsse. Nach einiger Zeit merkt er, dass er nur eine Socke angezogen hat. Mit dem öffentlichen Bus in die Stadt. Heute Sonntag fährt anscheinend nur alle Stunde ein Bus. So warten wir knappe 50 Minuten an der Strasse! Im Zentrum spazieren wir zum Meer hinunter. ‚La Paz‘ ist bekannt für seine lange, schöne Promenade. Sonntagmittag hat Kaspar immer so komische Hungergefühle! Suchen uns ein schönes Beizli. Auf der Werbetafel steht ‚3 Margaritas für 100 Pesos‘. Der Kellner bringt uns die Speisekarte. Er empfiehlt uns ein spezielles, mexikanisches Gericht: ‚Molajete‘, serviert in einem heissen Mörser aus Lavastein. Im Eintopf hat es Rindfleischstreifen, Schrimps, Käse, Peperoni, Chorizo, Zwiebeln, ein Kaktusblatt und Sauce. Dazu werden Tortillas serviert. Nichts liebt Kaspar mehr als ein gemütliches Sonntag-Mittagessen! Weiter die Promenade am Meer entlang. Später verschlingen wir noch ein Glacé. Über den ‚Zocola‘ mit einer nicht sehenswerten Kathedrale zurück zur Busstation. 40 Minuten Fahrt nach Hause. Wir sind Beide müde. Die Margaritas lassen grüssen.
Was wir heute in den Losungen gelesen haben, hat uns beeindruckt und wollen wir weiter sagen:
‚Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter. Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.‘ (aus dem Talmud)
28.Jan. - Whale Watching ist angesagt
Kurz einkaufen. Zuerst müssen wir jedoch entscheiden, welchem Supermarkt-Wegweiser wir an der Hauptstrasse folgen wollen. Man stelle sich dies in Bülach oder Solothurn vor! Beim Tanken kommt Polizei mit Blaulicht und Sirene angebraust. Sie springen aus dem Auto und filzen einen Tankwart sowie den Motorradfahrer. Dieser wird später in Handschellen abgeführt. Über langweilige, gewellte, flache Strasse nach ‚Ciudad Constitucion‘, einer Industrie- und Agrarstadt. Auf dem Weg hierher gibt es bis kurz vor dem Ort nur Kakteen und Busch, dann plötzlich Landwirtschaft und grosse Orangenhaine. Mittags haben wir kurz angehalten. Da fährt doch ein Mercedes mit gefälschten Schweizer Nummernschildern neben uns. Der Fahrer stellt sich als Linus mit Jagdhund vom Muotathal vor. Geniesst unseren Schweizer Kaffee. Er ist mit Frau und Tochter vor ein paar Monaten in ‚Querétaro‘ gestrandet (Nähe Mexiko Stadt). Seine Frau arbeitet zur Zeit als Kindergärtnerin an der Schweizer Schule. Wir müssen mit dem MAN sowieso dorthin zur Garage und werden sie dann auf dem Camping besuchen. Er gibt uns Tipps, wo wir guten Käse kaufen können. In ‚Ciudad Constitucion‘ zweigt die Strasse ab und führt 65 km nach ‚Puerto Carlos‘, einer Whale Watching Destination. Der Schiffseigner will mehr als 200 US$ für eine Tour. Dies ist uns eindeutig zu viel. Hier ist eine Insel-Landschaft mit vielen, grossen Mangroven. Es ist Ebbe und somit sieht alles ein wenig trostlos aus. Weit und breit kein anderer Tourist. Parkieren und übernachten beim Touristen-Quai. Um 22 Uhr kommen die Teenager aus dem Dorf, schwatzen, lachen neben dem Camper. Punkt 23 Uhr ist zum Glück Ruhe!
29.Jan. - quer über die 'Baja'
Es ist sehr windig, daher auch recht kalt, aber die Sonne scheint. Bigi hat eine Kopfweh-Attacke und es ist ihr schlecht. Kaspar kennt dieses Problem und ist geduldig, bis sie dann von sich aus sagt: ‚ich will ein wenig spazieren gehen‘. Nachher geht’s wieder aufwärts.
Fahren zurück nach ‚Ciudad Constitucion‘ und suchen ein Kaffee mit Wi-Fi. Skypen mit Regula und gratulieren ihr zum Geburtstag. Über eine Ebene und einen kleine Pass quer über die ‚Baja‘ auf die andere Seite.
In ‚Puerto Escondido‘ übernachten wir am Hafenquai. Hier wollte die mexikanische Regierung ein riesiges, mondänes Ressort bauen. Der Hafen und die Quais sind fertig. Ausser Strassen ist nichts gebaut, nur eine Hotelruine. Da sie für einen Schiffsliegeplatz immer mehr Geld verlangen, bleiben die Yachten und Segelschiffe ausserhalb und somit gratis. Die Sonne ist wegen der hohen Berge im Westen rasch weg. Wir zügeln von aussen nach innen, an die Wärme. Ein Amerikaner kommt zum schwatzen und sagt, dass die Schweiz keine Kultur hat. Wir wundern uns ein wenig und fragen nach, wie er dies meint?! Die Schweiz hat doch keinen Krieg gehabt, also keine Kultur!
30.Jan. - Missionskirche 'San Javier'
In der Nacht hat der Wind stark geblasen. Fahren ein paar Kilometer zur ehemaligen Hauptstadt ‚Loreto‘ der ‚Baja California‘. Ist ein hübsches, altes, ruhiges Städtchen. Von hier begannen im Jahre 1688 die Jesuiten und später die Franziskaner die Insel zu missionieren. Da viele Krankheiten von den Missionaren und Eroberern ins Land gebracht wurden, sind die Ureinwohnern von ca. 40‘000 auf 3‘000 zusammengeschrumpft. Heute soll es noch ein paar Hundert von ihnen geben. Bigi checkt die SMS und möchte am liebsten schon jetzt wieder Kaffee trinken. Kaspar aber streikt, wollen wir doch zur Missionsstation ‚San Javier‘, 35 km in die Berge.
Überall lesen wir, dass 4x4 Geländewagen notwendig seien. Kaspar stellt sich eine richtige Rüttelpiste vor, also mehrere Stunden Fahrt. Je länger wir ins Tal und die Berge hinauf fahren, je überraschter sind wir. Alles schön asphaltierte Strasse. Nur einige sehr kurze Strecken sind beim letzten Hurrikan im Oktober 2012 abgerutscht.
Die Strasse ist bis vor die Kirche geteert. Die Missionskirche aus dem Jahre 1744 ist ein schlichter Bau, der wegen dem Baumaterial aus Stein fast mit dem Hintergrund eins wird.
Machen Sightseeingtour durch das Dorf mit 150 Einwohnern. Auf einer Sandstrasse wischt ein Mann Steine zusammen - Kaspar verkneift sich ein Lachen! Uns folgt ein herziger ‚Chichiwauwau‘ (Hund). Er hat uns in sein Herz geschlossen. Uns dünkt, dass sich hier alle Hunde ähneln – wohl alle vom gleichen Vater? Fragen den Dorfpolizisten, ob wir hier übernachten dürfen – wir dürfen.
Ein Kinderfest wird vorbereitet. Stühle, Tische und drei grosse Torten werden herangeschleppt. Die Lautsprecher geben laute mexikanische Töne von sich. Die Kinder sehen sich den Gabentisch an. Ein Luft-Gumpi-Schloss ist aufgebaut. Die Kinder toben sich darin aus. Ein fahrender Händler versucht hier seine Ware (Mist) zu verkaufen, jedoch ohne grossen Erfolg – Kaspar hat echt Mitleid mit ihm, einfach unfassbar! Wir schleichen uns ans Kinderfest. Von der Hauptstadt ‚La Paz/Baja California Sud‘ wird jedem Mann des Ortes ein Sack mit Esswaren und einer Wolldecke ausgehändigt. Der Präsident des Distriktes ‚Loreto‘ mit seiner Frau und 10 Helfer sind hier. Er ist der Veranstalter der Party. Nachdem Kinder und Frauen einige Gesellschaftspiele gemacht haben wird ausgelost, wer das Kinder-Mountainbike gewinnt. Es ist zufällig der Sohn des Dorfpolizisten. Am Schluss dürfen sich alle Kinder in Zweierreihe vor den Präsidenten stellen. Jedes erhält ein Geschenk (Auto, Puppe oder Tier). Dass nicht gemogelt wird gibt’s nach Erhalt des Geschenkes einen Strich auf den Finger. Zudem gibt’s Tüten mit Süssigkeiten. Nach drei Stunden ist der Spuck vorbei und alles inklusive Müllsäcke wird wieder auf den Pick-up verladen. Selbstverständlich erhalten auch wir ein Getränk und ein Stück Torte.
31.Jan. - 'Loreto'
Der kleine Hund wartet bereit sehnsüchtig bis wir die Türe öffnen. Heute haben wir Erbarmen für seinen Bettelblick. Er erhält zwei Scheiben fettigen Speck.
Bigi fährt zurück nach ‚Loreto‘. Zum Teil ist die Strasse abgerutscht und nur noch eine Fahrbahn frei. In ‚Loreto‘ begeben wir uns direkt zum RV Park Rivera del Mar. Stellen den MAN windgeschützt ab.
Marschieren zum Meer und dem Quai entlang. Suchen ein Restaurant für heute Abend. Dann die schöne Fussgängerzone hinauf bis zum Hauptplatz mit der Missionskirche und dem Kloster. Bigi kauft für unsere Zistig-Club-Freunde Tecilagläser mit eingegossenen Kakteen. Kurz zum Supermarkt und zurück zum MAN. Lesen, Homepage, Apéro und bereits um 16.30 Uhr sind wir drinnen. Der Wind lässt grüssen! Der Januar hier in Mexiko war kühl und öfters bläst ein starker Wind. Aber anscheinend soll morgen das Wetter besser werden. Wer‘s glaubt?!
















































































































