Nov./Dez. 12

26.Nov.2012 - pünktlich geht's los!

Wie eine Schweizer Uhr steht Peter punkt 06.00 Uhr vor unserer Haustür. Wir sind auch bereit. Der letzte Handgriff: Kaspar entfernt die Sicherungen aus dem Sicherungskasten. Nun kann das neue Abenteuer beginnen. Am Flughafen Kloten heisst es das Gepäck einchecken. Zuerst werden wir durch eine älter Dame interviewt, ob wir unser Gepäck seit dem packen immer beaufsichtigt gehabt hätten und nichts von fremden Leuten mitführen. Am Schalter bei der Gepäckaufgabe dann die Überraschung. Schon die erste Tasche hat 4 Kilo Übergepäck und würde 86 Franken kosten. Kaspar will gleiche bezahlen, Bigi stoppt ihn und nimmt 4 Päckli Espresso und zwei Bücher aus der Tasche. Was die Dame am Schalter nicht sieht: Kaspar wirft danach einiges wieder zurück in die Tasche. Alles okay, eingecheckt bis Mexiko und somit kein schleppen und keine Befragung durch die amerikanische Zollbehörde. Zusammen mit Peter Kaffee und Gipfeli geniessen. Abschiedsfoto und ab durch die Passkontrolle. Noch Sicherheitskontrolle und mit dem Bähnli zum Terminal ‚E‘. Kaspar wird vom Computer ausgelost und am Gate samt Handgepäck nochmals durchgecheckt: Drogenkontrolle. Pro Flug dürfen die Amerikaner sechs Personen nochmals überprüfen. Wir haben Glück: der ‚Delta‘-Flug nach Atlanta ist nicht ausgebucht und wir haben zu unserem Zweiersitz am Fenster noch die Dreierreihe in der Mitte. So ist das abwechslungsweise schlafen in Embryostellung möglich. In ‚Atlanta‘ müssen wir wieder durch die Passkontrolle. Trotz 10-Jahres USA-Visum hätten wir eine Esta-Applikation 72 Stunden im Voraus per Internet einreichen müssen. Der Zollbeamte will ganz genau wissen, was wir hier in USA machen – obwohl wir nur zwei Stunden im Transit verbringen wollen. Unserer Erachtens fast eine Schikane. Aber was soll’s. Endlich können wir in der Vorhalle auf den Abflug warten.

In ‚Cancun‘ sind wir um 19.30 Uhr Lokalzeit – in der Schweiz ist inzwischen schon morgens 02.30 Uhr. Die Überraschung am Gepäckband: unsere orange, riesige Tasche sieht Bigi durch die Öffnung, aber sie kommt nicht raus. Nach einer langen Minute kommt sie dann doch noch auf dem Förderband. Oh Schreck, was lesen wir da auf grossem Klebeband: ‚damaged, return to Zürich‘. Das wäre ja der Hammer gewesen, wenn sie unsere Tasche mit den Ersatzteilen für den MAN nach Zürich retourniert hätten! Uns fällt ein Stein vom Herzen und wir nehmen mit grosser Freude unsere beschädigte Tasche in Empfang. Der Henkel ist gerissen, was uns nicht erstaunt – die Tasche war zu Hause schon für ‚den letzten Flug‘ bestimmt worden. Wir verlassen das Flughafengebäude und warten in der schwül heissen Luft auf den Shuttle-Bus zum Hotel. Um 21 Uhr sinken wir todmüde ins harte Bett des Hotel ‚Comfort Inn‘ in Cancun.

27.Nov. - Taxi nach 'Izamal'/Ankunft beim MAN

Einigermassen gut geschlafen. Von Muhmi erhalten wir ein SMS, dass Peter F. auf der Heimfahrt ‚Glück im Unglück‘ hatte. Machen uns ein Gewissen, da wir ja gerne seine Dienste in Anspruch genommen haben. Erkundigen uns per SMS, was denn passiert sei. Suchen den Bankomaten an der nahen Tankstelle. Beim ersten Trottoir haut es Kaspar so richtig auf die Schnauze. Die Randsteine sind halt wesentlich höher als bei uns. Bei jeder Reise stürzt er so einmal richtig. Somit sollte jetzt Schluss sein! Geld herauslassen und zum Frühstück ins Hotel. Um 11 Uhr werden wir durch das Taxi aus ‚Izamal‘ abgeholt. Der gleiche Fahrer wie im Mai. Die Fahrt geht über die Autobahn, rechts und links nur Busch, alles flach. Beim MAN angekommen beginnen wir gleich mit der Kontrolle desselben und räumen unsere mitgebrachten Esswaren (Schoggi, viel Kaffee, Caramalköpfli und Thomy-Senf) ein. Der MAN ist trotz starker Feuchtigkeit in einem einigermassen guten Zustand. Dachluken und Türen sind festgeklebt. Das nächste Mal werden wir die Dichtungsgummi ein sprayen. Im Innenraum ist rasch klar, dass alles funktioniert. Dann will Kaspar den MAN starten. Nichts tut sich. Beide Batterien sind entladen. Also ausbauen und aufladen. Auf der Beifahrerseite aussen nisten Bienen. Sie sind nicht sehr nett, als Kaspar das Nest entfernt. Kurzes Bad im eher kühlen Pool, gutes Nachtessen im offenen Restaurant und Schwatz mit Harald. Wir haben für Ihn verschiedene Käse aus der Schweiz mitgebracht. Er freut sich sehr darüber. Dann ins Bett. Die ganze Nacht hören wir Discomusik. Erst um 4 Uhr ist Schluss!

28.Nov. - langsam in Schwung kommen!

Ein grosses Frühstück gibt es heute nicht. Der Einkauf steht uns noch bevor. Die Batterien wollen und wollen nicht regenerieren. Nach dem Bad im Pool machen wir uns zu Fuss auf den Weg in die Innenstadt, ca. 1 km. Auf dem Markt überkommt uns der Hunger und so verdrücken wir zwei Brötchen mit Poulet und einer Cola. Kaufen Tomaten, Papaya und Eier ein.

Dann zum Uhrmacher um eine neue Batterie in Kaspars billige Plastikuhr einzusetzen. Dies kostet gut zwei Franken. Dann noch zum ‚Walmart‘. Hier wird Brot, Wasser, Ananas, Muffins, Philadelphia und Klopapier eingekauft. Zurück mit dem Taxi ins ‚Romantic Hotel Santo Domingo‘. Der Rest des Tages geht mit aufräumen und reinigen dahin.

29.Nov. - Motor springt an!

Die Batterien scheinen geladen zu sein. Mit dem Sackrolli die schweren Batterien zum MAN transportieren. Die Pole reinigen und die Kabel anschliessen. Kaspar sitzt in der Fahrerkabine und der MAN startet beim ersten Drehen des Zündungsschlüssels. Alle roten Lampen erlöschen. Auch die Handbremse lässt sich auch lösen. Somit ist alles bestens und wir wären startbereit. Lassen den Motor 15 Minuten im Leerlauf warm laufen. Kaspar ist mehr als froh.

Marschieren wieder in die Kleinstadt ‚Izamal‘, die gelbe Stadt. So genannt, da die meisten Häuser gelb angestrichen sind. An der ersten Kreuzung erstehen wir uns beim Strassenhändler zwei Tortillas. Dieses Wochenende wird grosses Fest in der Innenstadt sein. Kleine Buden und eine Chilbi wird aufgebaut. Wir entschliessen uns noch bis Sonntag hierzubleiben und das Fest zu besuchen. Mexikanische Feste sind laut. Schon jetzt aus Vorfreude werden immer Knall-Schwärmer gezündet. Päng, Päng!

Wir besuchen das Kloster ‚Santuario de Nuestra Senora de Izamal‘.

Selbst Papst Paul II. war am 11. August 1993 hier! Im Museum bestaunen wir die verschiedenen Festtags-Roben der Heiligen.

Zurück beim MAN reparieren wir das Mückennetz beim Küchenfenster. Bocklet sagte uns, dies sei nicht schwierig. Ist es auch nicht, wenn man die richtigen ‚Torx-Werkzeuge‘ hat. Bigi näht mit Hinterstich, zusätzlich noch Klebband und nach zwei Stunden ist auch diese Übung fertig. Heut kocht Harald echte Wiener Schnitzel. Plaudern gemütlich mit den anderen inzwischen angekommenen deutschen und österreichischen Campern. Wir sind 8 Leute. In der Zwischenzeit haben wir auch erfahren, dass Peter F. bei der Autobahnausfahrt Solothurn von einem LKW gerammt wurde. BMW Totalschaden, Peter zum Glück nicht verletzt. Der LKW-Fahrer war Hundertprozent schuldig. Uns fällt ein Stein vom Herzen!

30.Nov. - wir sind noch nicht angekommen

Heute faulenzen wir ein wenig! Bei den gestern reparierten Mückennetzen müssen wir nacharbeiten. Die Klebebänder kleben wegen der Hitze nicht mehr gut. Honda-Roller herunternehmen und Batterie aufladen. Lassen den Roller hier in Izamal bei Harald, da wir bei der erneuten Einreise von Guatemala nach Mexiko wieder verzollen müssten. Bereits jetzt haben wir US$ 400 verloren. Brunchen, skypen, baden und Fenster putzen.

unser Adventskalender von Regula

1.Dez. - Fiesta mexicana

Wir beschliessen Wäsche zu waschen. Sammeln auch von den andern Campern ein bis eine Waschmaschine voll ist. Während die Maschine wäscht, spazieren wir nach Izamal und kaufen ein. Da das Mineralwasser doch etwas schwer ist, nehmen wir das Taxi zurück. Unsere Camperfreunde zeigen uns auf der Mexikokarte, wo es schön ist und wir hinfahren sollten. Natürlich werden wieder einmal schlimme Schauergeschichten erzählt. Wenn man diese Geschichten hört und glaubt, so fährt man nicht mehr weiter sondern direkt nach Hause. Heute Abend gehen wir alle zusammen in die Stadt zur grossen mexikanischen Fiesta. Wir sind zu früh, es ist noch nicht viel los. So essen wir eben zuerst in einem typisch mexikanischen Restaurant. Die Stühle ohne Kissen sind sehr hart und so tut Kaspar der A….. weh. Allmählich trudeln die Einheimischen ein.

Die Chilbi beginnt und die Kinder machen grosse Augen. Viele Stände mit Esswaren, Süssigkeiten, Heiligenbildern, Lederwaren, Kunsthandwerk, Videospielen und Haushaltwaren warten auf Kundschaft.

Ein ‚billiger Jakob‘ versucht Ton- und Plastik-Figuren und Tiere loszuwerden. Genehmigen uns einen Cocktail im Plastikbecher: ca. 1 Liter! Wir sind uns nicht sicher, was aus der Baccardi-Flasche eingeschenkt wurde.

2.Dez. - endlich 'on tour' nach Mérida

Heute geht es endlich los! Alles verräumen und dicht machen im Innenraum. Die Rechnung für den Standplatz und die diversen Essen ist bezahlt. Auch ist ein Standplatz ab 15.5.2013 wieder für uns reserviert. Verabschieden uns von Harald und Sonja sowie den andern Campern. Dann ab durch den Garten und das neue grosse Tor auf die Strasse. Kaspar fährt sehr vorsichtig, vor allem benutzt er die Bremsen viel. Der MAN funktioniert bestens. Bis nach ‚Merida‘ sind es nur 75 km. Uns kommt die Fahrt durch die Einöde lang vor. Neben einem grossen, neuen Shoppingcenter wollen wir auf dem Parkplatz übernachten. Die Security-Leute und die Polizei sind nicht begeistert. Trotzdem parkieren wir und begeben uns in das gekühlte Einkaufszentrum, um Geld aus dem Automaten zu ziehen. Eine kleine Pizza für uns zwei liegt ebenfalls drin. In der Mall ist eine Eisbahn hergerichtet und ein paar Mexikaner drehen bei 34 Grad Aussentemperatur ihre Runden auf den Schlittschuhen. Die spinnen, die Mexikaner!

Mit dem Bus in die Innenstadt von ‚Mérida‘. Kostenpunkt 42 Rappen pro Person. Der Hauptplatz des historischen Zentrums ist verstellt mit vielen Buden. Samstag/Sonntag ist immer Fiesta. Auch heute wird laut gesungen, getanzt und ein Komikerpaar treibt ihre Spässe.

Leider verstehen wir nur Bruchstücke. Bei einer eisgekühlten Cola schauen wir dem Treiben zu. Die Ureinwohner (Mayas) sind sehr klein und dazu meist mollig bis dick. Es springen viele kleine Kinder herum. Nun hat die Kathedrale geöffnet und wir besuchen den schlichten Bau. Zahlreiche Bettler erhalten ihren Obolus von uns. Aus Bequemlichkeit zurück mit dem Taxi. In der Zwischenzeit (16 Uhr) sind die die Parkplätze des Shoppingcenters gut besetzt. Wir verstellen den MAN 1 km weiter auf einen Parkplatz beim Supermercado. Hier steht auch ein Zirkuszelt. Bigi kommt auf die Idee, den Zirkus zu besuchen: ‚Fantasy world on Ice – Espectaculo sobre hielo‘, eine Show on Ice! Da wir ein etwas teureres Billet ‚preferente‘ gelöst haben können wir die lange Warteschlange umgehen und den zweiten Eingang zu unseren Plastikstühlen nehmen. Das Zirkuszelt ist etwas kleiner als der Zirkus Knie. In der Mitte befindet sich das Eisfeld, 25 - 30 m Durchmesser. Die Vorstellung beginnt sehr laut und bleibt dies bis zum Schluss. Die ganze Show wird durch vier Eisläufer, vier Eisläuferinnen und einen Clown bestritten. Der junge Clown ist ausgesprochen gut. Selbst nur mit unseren schwachen Spanischkenntnissen verstehen wir die meisten Spässe. Von Anfang bis Schluss, inklusive Pause, wird den Eltern so richtig das Geld aus der Tasche gezogen: verkauft werden karamellisierte Äpfel, Schocko-Früchte, Popcorn, Chips, Getränke, Ballone, leuchtende Schwerter, blinkende Micky-Mouse Ohren und farbenfrohe Zuckerwatte in Plastiksäcken eingepackt. Die Show ist auf mexikanische Verhältnisse getrimmt: viele uns unbekannte Comicfiguren und farbenfrohe Kostüme. Ein gelungener, lebhafter und sehr lauter Abend. Nach der Show kann Kaspar die Hörgeräte wieder einschalten. Im Camper machen wir es uns mit einem kleinen Whisky gemütlich.

3.Dez. - 'Uxmal'

Wollen nebenan das ‚el gran Museo del Mundo Maya de Mérida‘ besichtigen. Aber leider ist die Eröffnung für das Fussvolk erst am 21. Dezember. Wenn wir im Frühling wieder in der Region sind, wollen wir dies nachholen. Noch eine Runde durchs Shoppingzentrum. Bigi hat Hunger und so füllt sich der Einkaufswagen inklusive Wein für unseren Weinkeller. An der Kasse die grosse Überraschung: Alkohol darf erst ab 10 Uhr verkauft werden. Es ist erst 09.56 Uhr, aber die Kasse kann man nicht überlisten. Also warten wir 4 Minuten und alles kann bezahlt werden. Weiter zur Archäologischen Maya Stätte ‚Uxmal‘ im Urwald. Angekommen parkieren wir auf dem provisorischen Camping neben dem Eingang. Um 15 Uhr, wenn es nicht mehr so heiss ist, wollen wir die Ruinen besichtigen. Kaufen ein Kombi-Ticket für den Eintritt und die abendliche ‚Light and Sound Show‘. Die Tempel sind imposant und gut in Stand gesetzt. Die Treppen zu den Maya Pyramiden sind sehr, sehr steil und die Stufen sehr schmal. Man muss sehr aufpassen, dass man nicht stürzt. Grosse Fresken zieren die Aussenwände. Die Mayas verschwanden im 14. Jh. aus diesen Stätten. Niemand weiss ‚warum‘. Eine Vermutung wäre Wasserknappheit mit daraus folgender Hungersnot. In Yukatan gibt es viele unterirdische Seen und Höhlen, aber keine oberirdischen Flüsse. Diese unterirdischen Seen werden ‚Cenotes‘ genannt.

Die Abendshow beginnt um 19 Uhr – um halb sechs ist stock dunkel. Es sind schon 300 Besucher da und wir sind immer wieder erstaunt, woher diese vielen Touristen auf einmal da sind. Die Show beginnt mit Lichtspielen und lauter, kratzender Musik – eben mexikanisch. Es wird viel erzählt, wovon Bigi die Hälfte und Kaspar ein Hundertstel versteht. Sitzen auf den Steinstufen und lassen das Spektakel an uns vorbeiziehen.

4.Dez. - ein 'easy' Tag'

Heute nehmen wir‘s easy. Haben gestern Hackfleisch gekauft. Bigi kocht Bolognesesauce und Kaspar füllt Cannelloni. Diese haben zwar Spinngewebe und sonstiges kleines Getier intus. Was soll’s: kurz ausspülen und dann die Backofenhitze. Wir haben einen Briefkasten gesehen, Kaufen Briefmarken und schreiben ein paar Karten. An der nahen Hotel-Bar genehmigen wir uns vor Sonnenuntergang einen Tequila-Cocktail. Kaspar ist sich noch nicht sicher, ob er bis zum Ende der Reise den Tequila (Schnaps aus der Agave) mag.

Vor der Bar wird ein Christbaum aus Palmwedeln mit Lichterketten, Rasseln, Figuren und einfachem Holzspielzeug geschmückt. Leider brennen nicht alle chinesischen Lampengirlanden. So wird halt länger nach dem Fehler gesucht.

5.Dez. - Kabah, Cacao Museum u.Campeche

Bigi macht früh Tagwache. Kaspar würde gerne noch etwas schlafen. Fahren Richtung ‚Campeche‘. Die holprige Strasse führt direkt durch ‚Kabah‘, einer weiteren Maya-Ausgrabungsstätte.

Dies, was ausgegraben und restauriert ist, ist grossartig. Die Archäologen haben sicher noch ein paar hundert Jahre zu tun. Bigi kauft das erste Souvenir: eine handgemachte Maya-Puppe.

15 km weiter im Urwald besuchen wir ein ‚Cacao Museum‘. Das Museum ist schön angelegt und führt von Hütte zu Hütte. Die Bäume und Pflanzen sind fein säuberlich beschriftet. Die meisten Früchte der Bäume kann man essen. Cacao kann hier im Mai und Dezember geerntet werden.

Zwei Mayas zeigen uns wie früher Cacao zubereitet wurde. Auch wir erhalten einen Becher frischer Trinkschokolade (mit Wasser). Kann je nach Gusto mit Zucker, Vanille, Zimt oder Chilli gewürzt werden. Die Mayas essen z.B. Hühner gerne mit Schokolade-Chilli-Sauce, genannt ‚Mole‘. Bigi kauft für zu Hause auch ein Glas. Von dieser Plantage wird der ‚fair trade Cacao‘ zur Weiterverarbeitung nach Belgien verschifft. 1819 hat ‚Maison Cailler‘ den Grundstein für die Schweizer Schokoladeindustrie gelegt!

Nach ‚Campeche‘ (UNESCO Weltkulturerbe) sind es noch neunzig langweilige Kilometer. Wie könnte es auch anders sein. Wir fahren bei der Umfahrungsstrasse gerade aus. Diesmal sind wir aber schlau und wenden frühzeitig. Wissen, wo wir falsch gefahren sind und nehmen die empfohlene Umfahrungsstrasse zum Camping. Diesen finden wir nun auf Anhieb. Gehört zu einem Hotel und ist erstaunlicherweise nicht mal mit einem Zaun umgeben. Beim Swimmingpool treffen wir auf zwei Frankokanadier Ehepaare aus Quebec. Sie sind mit riesigen Caravans ‚à la USA‘ hier. Mit dem öffentlichen Bus ins 5 km entfernte historische Stadtzentrum. Hier durch schmale Strassen zum Hauptplatz. Die Trottoirs sind hoch, 70 cm über der Fahrbahn. Man muss sehr aufpassen, dass man nicht abstürzt. Betreten einen riesigen Stoffladen in welchem Bigi verschiedene Weihnachtsbänder kauft. Unser MAN wir an Weihnachten sicher sehr schön dekoriert sein. Zwei Tickets für die nächtliche Stadtrundfahrt kaufen. Kreuz und quer geht’s durch die schön beleuchtete, farbige Altstadt. Es gibt nur einen Stopp: ‚Iglesia de San Ramón Martyr, wo die hölzerne Skulptur des schwarzen Christus m Kreuz hängt (made in Italy) am Kreuz hängt. Morgen werden wir die Stadt bei Tag besuchen. Abendessen in einem typisch mexikanischen Restaurant mit live Musik. Drei Mexikaner mit Gitarren singen Folklore.

6.Dez. - 'Campeche'

Kaspar hat schlecht geschlafen. Die regionale Spezialität ‚Pan de Cozu‘ (Lasagne aus Tortillas und vermutlich halb rohem Hackfleisch) ist ihm nicht gut bekommen. Verschieben Frühstück auf 11 Uhr, dann dafür Rührei mit Speck und Tomaten. Kaspar hat mit seinen Freunden in der Schweiz einen Wettbewerb veranstaltet. Frage: Wer war 2012 der grösste Samichlaus?‘ Fredi V. dritter Platz, Jack W. zweiter und Fritz K. Erster. Der erste Preis ist ein Biberli, Nüsse und ab heute eine Woche Ferien in ‚Campeche‘/Mexiko. Fritz musste den ersten Preis fallen lassen, da sein Velo keine Luft hat. Bigi stoppt vor dem Hotel den öffentlichen Bus und wir fahren wieder in die Innenstadt.

Schlendern durch die Altstadt, besuchen Souvenirläden, das Museum ‚Case No. 6 (ein altehrwürdiges Nobelhaus) und besteigen eine spanische Bastion. Zurück zum Camping nähe Flughafen, aber ohne grossen Flugverkehr. Hier ist um 18 Uhr stockdunkel. Heute kocht Bigi zum ersten Mal mexikanisch: Streifen vom Huhn, Karottenstäbli und Zwiebeln werden in Tortillas eingewickelt. Kaspar könnte auf den Geschmack kommen!?

7.Dez. - zurückversetzt in die Hippieszeit

Verlassen ‚Campeche‘ über die äussere Ringstrasse. Dann nehmen wir die kurvige, schmale Strasse, welche wir nicht bezahlen müssen. Durchqueren einige kleine Städte und Dörfer. Zuerst fahren wir dem Golf von Mexiko entlang, dann im Landesinneren wird es sumpfig und flach. Es wird Viehzucht betrieben. An einer Farm steht ein Schild ‚Simmenthalerkühe zu verkaufen‘. Mais- und Hirsefelder wechseln ab. Die geteerte Strasse ist eintönig und in schlechtem Zustand. Man muss seine Sinne schon beieinander halten um nicht im Strassengraben zu landen. In ‚Palenque‘ finden wir den schönen Urwald Camping ‚Mayabell‘ sofort. Die Einfahrt für unseren MAN ist sehr schmal, der Standplatz aber hervorragend mit Wasser und Stromanschluss 110 Volt. Bigi freut sich natürlich über den grossen Swimmingpool. Eine Brüllaffenfamilie kommt uns besuchen. Sie machen Kapriolen auf den Bäumen. Wir versuchen sie herunter auf den Boden zu locken, aber sie fressen lieber die Früchte auf den Bäumen. Wandern ein wenig der Urwaldstrasse entlang bis zum Eingang der archäologischen Stätte. Bigi möchte heute am liebsten ein grosses Ton-Huhn kaufen, aber Kaspar wehrt sich entschieden. Hier auf dem Camping gibt es viele jung und junggebliebene (über 60 jährige) Hippies, welche immer noch nach dem Motto ‚make love not war‘ leben.

8.Dez. - 'Palenque'

Frühe Tagwache, denn es wird heiss. Bigi möchte eigentlich schon um 8 Uhr bei den Ruinen sein. Auf 9 Uhr schaffen wir es zum Eingang. Besuchen zuerst das Museum und spazieren durch den Regenwald zu den Maya-Ruinen. Wie üblich sind die Tempel riesig. Zusammen mit hunderten Touristen durchstreifen wir die Ruinen. Viele Souvenirstände säumen die Pfade. Alle verkaufen fast die gleiche Ware. Natürlich finden die Verkäufer bei Bigi ein Opfer und eine kleine farbenfrohe Tasche wechselt den Besitzer. Zurück beim MAN schwimmt BIgi eine Runde im Pool und Kaspar liest im Liegestuhl. Später versucht Kaspar den Campingtisch zu reparieren. Die Brüllaffen kommen zur gleichen Zeit wieder, aber nicht so nahe heran. Bigi friert bei 24 C und liegt im Bett, später holt sie dann die Leggins hervor.

9.Dez. - Wasserfall 'Misol-Ha'

Morgens um 5 Uhr wecken uns die Brüllaffen. Tönt wie eine Kuh mit Stimmbruch. Wüsste man nicht was es ist, so bekäme man Angst. MAN für Weiterfahrt bereitstellen. Ein kleiner Hippijunge langweilt sich und besucht uns immer wider. Wir schenken ihm einen aufblasbaren Wasserball. Im ‚Chedraui‘ (Supermarkt) Brot und Eier einkaufen. Wir haben es noch nicht so im Gefühl, wo und wann man einen grossen Supermarkt mit allem findet. Dann eine kurze Strecke zum Wasserfall ‚Misol-Ha‘. Der Wasserfall stürzt 35 m in die Tiefe. Er liegt schön eingebettet im Dschungel. Wenn man von der Hauptstrasse ab fährt muss man zuerst 50 Pesos bezahlen, vor dem Wasserfall nochmals 15 und für die kleine Höhle zusätzlich 10 Pesos. Bigi verzichtet auf ein Bad, denn es gab schon ein Morgenbad im Pool. Bigi fährt auf dieser Bergstrecke vorsichtig nach ‚Agua Azul‘ (blaues Wasser). Bei den vielen Topes, Geschwindigkeits-Reduzierer, stehen immer Chiapas (Ureinwohner). Sie möchten uns gerne Kokosnüsse, Bananen-Chips, Kastanien oder kleine Bananen verkaufen. Ab und zu kaufen wir etwas. Schenken den Kindern von unserem Adventkalender die ‚Haribo‘-Süssigkeiten. Die Freude ist gross. Vielfach sperren die Chiapas die Strasse mit einer gespannten Schnur. Sie sind gar nicht zufrieden, wenn man ihnen kein Geldstück gibt. Der Bundesstaat ‚Chiapas‘ ist die ärmste Region von Mexiko. In den 90-er Jahren probten sie den Aufstand gegen die Zentralmacht Mexikos. Daraus entstand fast ein Bürgerkrieg.

In ‚Agua Azul‘ angekommen suchen wir auf dem Parkplatz die Camping Zone. Es ist feucht. Man sieht viele, tiefe Reifenspuren. Schlaumeier Kaspar sucht einen trockenen Platz zum stehen. Die Kaskaden-Wasserfälle (Stufen-Wasserfälle) sind sehr schön, gross und breit. Badehose anziehen und ab ins kühle Nass. Nachher bummeln wir den Wasserfällen entlang bis zu oberst. Souvenirstände und Restaurant sind wie eine Perlenkette aufgereiht. Kaspar hat Glück: wir haben keinen Pesos in der Badehose! Den gleichen Weg zurück. Bigi fühlt sich zwischen den Touristen und Mexikanern etwas ausgestellt im Bikini. Die Mexikaner gehen meistens mit allen Kleidern ins Wasser. Abends hören wir in voller Lautstärke die vierstündige Evangelisationsveranstaltung, die doch etwa 500 m entfernt ist.

Kaskaden-Wasserfall 'Agua Azul'

10.Dez. - 'Agua Azul' (blaues Wasser)

Zuerst ein kühles Bad – 23 C. Nochmals die Wanderung hoch bis zu den obersten Kaskadenfällen. Die Morgensonne lässt das blaue Wasser schön leuchten. Bigi kauft schon wieder ein. Ein Kleidchen für Jack’s Enkelin und Weihnachtsschmuck für unseren Camper. Regula wird einen Frosch von Kaspar erhalten. Essen hiesige Empanadas (aus Tortillas) und trinken frischen Orangensaft. Die Campingstühle werden am Flussufer aufgestellt. Das plätschernde Wasser ist einschläfernd. Später gehen wir nochmals schwimmen und räkeln uns in den Natur-Sprudelpools. Sitzen lange im Wasser bis es uns recht kalt wird. Eine französische Reisegruppe interessiert sich für den MAN. Kaspar gibt in gebrochenem Französisch Auskunft, derweil Bigi im Camper an der Homepage arbeitet. Übrigens, als wir gestern ins Touristenbüro gingen, ist der Mann sogleich aufgesprungen – er hatte auf dem Pult geschlafen. An der Wand hing immerhin ein altes, vergammeltes Poster, ansonsten kein Prospekt. Die Camping Zone kostet 30 Pesos die Nacht, dort hinten. Später haben wir ein Pärchen getroffen, die 100 Pesos bezahlen mussten. Vielleicht hat uns der Wächter gesehen, als wir das Touristenbüro verliessen!?

11.Dez. - La Virgin de Guadeloupe

Das Bad im Fluss ist äusserst erfrischend. Helen hat heute Geburtstag und Bigi hat an der Ecke ‚Telefonica International‘ gesehen. Sie will ihr gleich gratulieren. Leider ist sie nicht zu Hause und so erhält Shoshi das Geburtstagstelefon. Auf dem Rückweg nach ‚Palenque‘ begegnen wir vielen mit Fahnen geschmückten Autos und Lastwagen. Auf der Strassen rennen Läufer mit brennenden Fackeln voraus. Morgen ist das Fest der ‚Jungfrau von Guadaloupe‘, anknüpfend an die Erscheinung der Jungfrau im Jahre 1531. Es ist einer der grössten nationalen Feiertage in Mexiko. Alle Gläubigen tragen T-Shirts mit dem Bildnis der Jungfrau. Palmwedel schmücken die Fahrzeuge. Die Autos fahren mit gelben Drehlicht und Sirene hinter den Gläubigen her. In ‚Palenque‘ kaufen wir im Supermarkt ein gegrilltes Poulet und verspeisen gleich einen grossen Teil als Znüni auf dem Parkplatz. Meistens bei Bundesstaatsgrenzen sowie vor und nach der Stadt gibt es Polizei- und Militärkontrollen. Bei einer dieser Kontrollen steht ein X-Ray Gerät, welches die Fahrzeuge automatisch durchleuchtet. Äusserst modern! Bigi wird an einer Kontrolle von zwei Polizistinnen angehalten und muss auf die Seite fahren. Wir steigen aus. Kaspar muss die Türe hinten öffnen und die Zwei betreten den Innenraum. Diverse Schubladen werden geöffnet. Sie rapportieren das Gesehene via Funkgerät an den 30 m im Schatten sitzenden Polizeioffizier. Alles ist in Ordnung und sie verabschieden sich per Handschlag.

Parque la Venta in Villahermosa

In der Grossstadt ‚Villahermosa‘ angekommen suchen wir das Museum ‚La Venta‘. Hier sind grosse, bis 20 Tonnen schwere Skulpturen, aus der 150 km entfernten Ruinenstadt ‚La Venta‘ in einem Park ausgestellt.

Die ‚Olmeken‘ lebten 700 - 400 Jh. v. Chr. hier. Viel weiss man über dieses Volk jedoch nicht. Im Bundesstaat ‚Tabasco‘ wurden in den 70er Jahren grosse Erdölvorkommen entdeckt. Dabei stiess man auf diese Skulpturen. Übrigens: 1 Liter Diesel kostet 11 Pesos, was 77 Rappen entspricht.
Was passiert uns wohl in ‚Villahermosa‘. Bigi lotst Kaspar in die falsche Himmelsrichtung (was sehr selten vorkommt) und so durchqueren wir die Stadt im Feierabendverkehr gleich zweimal. Bei Kaspar ist Schwitzen angesagt. Trotz allem finden wir etwas später den Aquapark mit Camping. Schwatzen mit zwei ankommenden Kanadiern, doch verziehen uns rasch in den Camper bevor uns die Mücken total auffressen.

12.Dez. - 'La Ventosa' und der starke Wind

Heute gibt es eine lange Fahrt bis fast zum Pazifik. Es ist bedeckt, regnet ab und zu leicht und ist den ganzen Tag angenehme 25 – 28 C. Kaufen beim Strassenhändler kleine Bananen, Mandarinen, grüne Guajaven und Avocados. Tagsüber ernähren wir uns von Bananen-Chips, welche von den fliegenden Händlern an den Topes feilgebotenen werden. Wieder werden wir vom Militär angehalten, aber nur weil sie wieder neugierig sind. Am Strassenrand werden gegrillte, aufgespiesste Fische und lebende Papageien angeboten. In ‚Arayacan‘ sind wir uns nicht ganz sicher, ob wir richtig fahren. An der Zahlstelle fragen wir vorsorglich, wie wir nach ‚Oaxaca‘ kommen. Oh je, 200m vorher wäre die Abfahrt gewesen. Sie halten für uns den nachfolgenden Verkehr auf, u.a. ein riesiger mehrachsiger LKW mit Anhänger. Dieser muss rückwärts manövrieren und so können wir rückwärts wenden. Der nächste ‚Retorno‘ ist sehr weit zurück. Kaspar findet einen sehr holprigen Übergang zur gegenüberliegenden Fahrbahn. Der MAN hat die Sprünge gut überlebt, aber das Büchergestell ist leer und alles liegt kreuz und quer auf dem Bett.

Nun weiter Richtung Pazifik (schmalste Stelle von Mexiko Süd-Nord). Die Strasse wird neu gebaut und daher ist die alte Strasse in sehr schlechtem Zustand. Die vielen Topes in den Dörfern gehen uns langsam aber sicher auf die Nerven. Alle 50 m abbremsen, zurück schalten bis zum dritten Gang, dann im Schritttempo darüber rollen lassen. Dies sicher tausend Mal! In ‚La Ventosa‘ angekommen stehen hunderte von Windrädern. Es weht immer der gleich starke Wind von den Bergen. Wir tanken und übernachten hier bei der Tankstelle. Kaspar stellt den MAN in den Wind. Er schaukelt zum Teil fürchterlich. Sind gespannt, ob wir bei diesem Geknarre und Geschaukel überhaupt schlafen können. Planen die Weiterreise in die Berge nach ‚Oaxaca‘. Hier mal einige Dorfnamen, wo wir heute vorbeigekommen sind: Coatzacoalcos, Minatitlan, Jesus Carranza, Palomares, San Juan Guichicovi.

13.Dez. - ‚Mezcal' (Agavenschnaps)

Wie befürchtet hat der Man in der Nacht geschaukelt und gequietscht. Aber trotz allem einigermassen gut geschlafen. An der Tankstelle sehen wir viele Abschleppfahrzeuge, die Autos mit einem Frontschaden angehängt haben. Wohin sie alle fahren ist uns schleierhaft. Vielleicht wird im Süden des Landes billiger und besser repariert. Fahren auf die Strasse. Links und rechts drehen die riesigen Windräder mit ca. 25 - 32 Umdrehungen pro Minute. Die einigermassen gute Strasse in die Berge hinauf führt über diverse Pässe.

Halten bei einer ‚Mezcal‘-Brennerei. Schnaps, der aus der gleichnamigen Agave gebrannt wird.

So degustieren wir morgens um zehn Uhr die diversen Arten dieses Schnapses. Schon etwas früh, aber so gelingt das Überholen von langen LKWs besser.

An vielen Felsbrocken am Strassenrand sind Bibelstellen aufgemalt, z.B. Hebr. 11,6, Jer. 9,23, Joh. 3,16, Mark. 3,9, Joh. 8,32 und viele mehr. Bigi wird am Abend diese Bibelstellen nachschlagen.

Angekommen in ‚Mitla‘ besuchen wir die Totenkultstätte der ‚Zapoteken‘. Auch die schöne Kirche mit den drei Kuppeln ist ein Blick wert. Auf dem Handwerkermarkt kauft Bigi zur Freude von Kaspar eine Tasche. Am liebsten würde sie bei allen Ständen etwas kaufen. Die Einheimischen hier sind ja so arm. Kommen mit dem Verkäufer der Tasche ins Gespräch. Er möchte unseren MAN sehen, da er noch nie ein Wohnmobil gesehen hat. Sie kommen mit uns und bewundern unser Fahrzeug ausgiebig.

Nachher spazieren wir zum Hauptplatz. Geniessen in einem schönen Hotel-Innenhof einen ‚Mezcal‘. Bei Bigi fährt der Schnaps direkt ins Hirn. Auf dem Hauptplatz sind Frauen dabei, wunderschöne Deko-Blumen aus Papier herzustellen. Zurück zum MAN mittels Dreirad-Taxi.

Heute öffnen wir unseren Sack Weihnachtsguetzli vom Migros. Einmal richtig essen und ab morgen wird rationiert auf 4 Stück/Tag/Person. So haben wir eine Chance, dass es bis Weihnachten reicht.

14.Dez. - eine 2000 Jahre alte Zypresse

Beim Aufstehen ist es etwas kalt. Bis zum nächsten Tempel der ‚Zapoteken‘ ist es nur ein Katzensprung. Die Ruinenanlage liegt am Hügel und ist terrassenförmig angelegt. Hier wohnten die Reichen mit schönem Blick über das Tal. Wir bummeln durch die Anlage mit den vielen Stufen und besteigen den Mirador. Dies ist heute unser morgendliches Lauftraining. Es geht richtig in die Knie.

Vor ‚Oaxaca‘ in ‚St. Maria del Tule‘ bewundern wir die über 2000 Jahre alte Zypresse: Stammumfang 58 m, Durchmesser 14,05 m, Höhe 42 m, Volumen 816‘829 m3, Gewicht 636,107 t. Wie die den Baum wohl gewogen haben?! Dieser Baum ist schlicht und einfach beeindruckend.

Nach dem vielen sehen plagt uns der kleine Hunger. Gehen in die grosse Essenshalle mit vielen kleinen Restaurants. Hier wird überall ‚Tlayuda‘ angeboten, eine Art mexikanische Pizza. Tortilla mit Bohnenpaste, faserigen gummigen Käsestreifen, Tomaten, Avocadoschnitzen und etwas Hackfleisch. Schmeckt sehr gut! Probieren und kaufen noch zwei Flaschen ‚Mezcal‘ mit Cappuccino und Passionsfrucht. Beim reinen ‚Mezcal‘ ist ein kleiner Wurm oder Krebs in der Flasche. Dieser soll anscheinend am Schluss mit Wonne vertilgt werden und ist zudem ein heiliger Brauch. Für Touristen wird der Schnaps jedoch ohne Getier angepriesen. Seit längerem möchten wir unseren MAN waschen lassen. Dies scheint unmöglich: entweder ist Mittagspause, ein Auto schon in Arbeit oder wir kommen nicht unter das Dach und somit nicht nahe genug zum Hochdruckreiniger. Also ist der MAN immer noch leicht grünlich, da sich Algen an der Oberfläche gebildet haben.

In ‚Oaxaca‘ (1600 m.ü.M.) stecken wir schnell im grossen Verkehrsgewühl. Wir müssen uns durchkämpfen. Werden von allen Seiten durch Busse, Velos, Taxis, Motorrädern, Fussgängern und Dreiradvehikels bedrängt. Wenn die Mexikaner zu frech werden, fängt Kaspar an zu drücken. Dies wird vielfach mit einem Hupkonzert quittiert. Wollen gleich noch zur Ruinenstätte ‚Monte Alban‘ herauffahren, welche 400 m über der Stadt thront. Auf der Karte ist nur die alte Strasse eingezeichnet und auch die zwei gesichteten Wegweiser führen uns diesen Weg. Es geht kurvig an ärmlichen Behausungen vorbei bergauf. Kreuzen fast nicht möglich. Auf dem Berg angekommen haben wir eine gute Sicht über die Stadt. Besuchen die Tempel. Auf dem Höchsten hat man eine gute Übersicht auf die riesige Ausgrabungsstätte. Nun zurück in die Stadt. Diesmal aber über die neue, breite Strasse. Der Camping befindet sich genau auf der gegenüberliegenden Stadtseite. Also wieder ins Gewühl und auf die Périficolo ums historische Zentrum herum. Nach einer Stunde finden wir dank Bigi den Camping. Ohne Bigi’s Sperberaugen würde Kaspar nichts finden. Bigi sieht alles, was gut aber manchmal für Kaspar auch schlecht ist.

15.Dez. - 'Oaxaca'

Heute ist Kaspar gut drauf und lässt seine Sprüche fallen. K: ‚Ich sehe jung aus, da ich durch dich gut ernährt werde.‘ Lachanfall: gemeint war ja eine Frau, die mich jung erhält‘. Mit dem Taxi zum ‚Zocolo‘ (Hauptplatz) mit der Kathedrale. Die alten Strassenzüge sind schön restauriert und sehr farbig. Leider ist die Altstadt nicht autofrei. Es ist Wochenende und es sind viele Leute unterwegs.

Besuchen auch ein früheres Kloster (heute das Luxus-Hotel ‚Camino Real‘). Man darf rein und sich ungeniert umschauen. Die Kirche ‚Santo Domingo‘ ist wunderschön und mit 12 Mio. Goldpesos geschmückt. Hier ist ein besseres Quartier mit modernen Boutiquen. Von Designern werden wunderschöne, moderne Kleider mit den bunten Stickereien der Indianer hergestellt. Ansonsten kann man an jeder Ecke immer die gleichen Handarbeiten kaufen. Uns ist überhaupt nicht klar, wie die vielen Händler ihr Geld verdienen, denn es sind sooooooo viele! Auch Kinder versuchen Kaugummis zu verkaufen, um ein paar wenige Pesos zu erhalten.

Am Nachmittag machen wir noch eine Stadtrundfahrt mit dem offenen Trambus. Auch ein Besuch des Marktes, Handwerkermarktes und Schokoladegeschäftes (Trinkschokolade) fehlt nicht. Für den Abend reservieren wir im Hotel Alban am ‚Parque Alameda‘ die Folkloredarbietung. Nun aber nichts wie ‚nach Hause‘ und die Beine hoch legen. Abends ist die Innenstadt schön beleuchtet. Viele Leute sind am Samstagabend unterwegs. Unter den Arkaden am Hauptplatz geniessen wir einen Drink. Dazu werden Salznüssli und gekochte, scharfe Rüeblischeiben serviert. Die Salznüssli schenken wir einem kleinen Kaugummi-Verkäufer. Strahlende Kinderaugen!

Die Folkloreshow findet mangels Touristen nicht statt. Wir sind enttäuscht. So gehen wir halt gut essen. Beim besten Restaurant ‚El Asador Vasco‘ im ersten Stock am Hauptplatz finden wir einen schönen Front-Tisch. Es ist lustig von hier oben Touristen und Einheimische zu beobachten. Viele Kinder springen herum. Fliegende Händler bieten ihre Waren an. Die Mexikaner besichtigen die grosse Krippe und marschieren fotografierend im Gänsemarsch darum herum. Die Chinesischen Lampengirlanden blinken um die Wette. Clowns unterhalten die Leute. Auf der Menukarte finden wir unter regionale Spezialitäten ‚Grass Hoppers Oaxaca‘. Diese kleinen, getrockneten Tierchen haben wir am Nachmittag haufenweise auf dem Markt gesehen. Bigi ist immer schnell daran vorbei gegangen. Wir entscheiden wir uns für ein gutes Steak, denn wir essen seit längerem immer Pollo und gackern bald. Für uns ein wunderschöner Abend mit live Musik und Kaspar singt die Schlager mit. Bigi staunt nur, denn Kaspar singt praktisch nie!

16.Dez. - Solothurner Kennzeichen

Etwas oberhalb von uns hat ein Landrover parkiert. Von weitem meinen wir es sei ein Franzose, aber halt es ist ein Camper mit Solothurner Nummernschild. Ein Pärchen aus Küttikofen. Natürlich kommen wir ins Gespräch und sitzen bis mittags bei Kaffee und Schöggeli zusammen. Es könnte sein, dass wir uns noch einmal auf der Strecke wiedersehen, denn sie fahren ähnlich. Sie erzählen uns von der Schönheit der ‚Cascades Hierve el Agua‘. Diese haben wir schon auf Postkarten gesehen, aber in den Reiseführern nichts gefunden. Dafür müssen wir 40 km zurück bis ‚Mitla‘ und dann eine schlechte Schotterstrasse 18 km hinauf zu den sulfathaltigen Wasserfällen. Hier können wir auf dem Plateau schön übernachten. Kaspar findet den perfekten Platz: gleiche neben der Hundescheisse. Das sulfathaltige Wasser sprudelt aus kleinen Löchern und füllt damit zwei Naturbasin, in welchem wir baden. Etwas weiter weg aber in Sichtweite ist dann der effektive Wasserfall. Das Gestein und die Becken sind weiss/gelblich.

17.Dez. - ‚Cascades Hierve el Agua‘



Kaspar will den Wanderweg unten um die Wasserfälle machen – 90 Prozent der Besucher sehen die Fälle ja nur von oben, da will er doch zu den 10 Prozent gehören! Zuerst geht es steil bergab. Unter dem Wasserfall, zur Zeit eigentlich eher nur ein Rinnsal, sehen wir die ganze Pracht der Sulfatablagerung. Nun hat auch Kaspar das Postkartenmotiv erwischt!

Auch die Aussicht über die vom Nebel behangenen Gebirge ist fantastisch. Zuerst war die Luft sehr frisch, nun aber mit der Sonneneinstrahlung wird es heiss. Die Wanderung dauert etwa eine Stunde. War länger als gedacht! Wieder oben angekommen nehmen wir ein erfrischendes Bad im Wasserbecken. Ausser zwei Mexikanern sind wir alleine. Einfach herrlich auf der wunderschönen Welt! Zurück beim Camper sind wir schon ein wenig geschafft von der morgendlichen Anstrengung und freuen uns auf das ausgiebige Frühstück. Bigi ist den Tränen nahe! Sie hat den 1kg-Yogurtbecher fallen lassen und die Hälfte spritzt so herum. Volltreffer, genau in die Öffnung des Heizungskanals! Sie muss sich zuerst hinsetzen. Wenn dies in der Wärme nur nicht zu stinken anfängt! Zurück über die gleiche, enge Schotterstrasse mit ihren vielen Kurven bergauf- und wieder bergab. Bigi getraut sich nach dem morgendlichen Missgeschick erst später ans Steuer. Wieder in ‚Oaxaca‘ finden wir endlich einen Autowäscher. Endlich wird das Allgenzeug vom MAN herunter gespritzt. Zwei Personen arbeiten eine Stunde: Kostenpunkt 85 Pesos = CHF 6. Da gibt’s aber ein tüchtiges Trinkgeld. Sie bedanken sich überschwänglich. Die Umfahrungsstrasse um die Stadt kennen wir inzwischen gut und verfahren uns heute nicht! An der Strasse noch kurz im ‚Chedraui‘ (Supermarktkette) einkaufen und dann Richtung ‚Puerto Escondido‘ am Pazifik.

Halten noch beim Ruinenkloster ‚Cuilapan de Guerro‘. Im Bürgerkrieg diente dieses Kloster als Gefängnis für Kriegsgefangene. Wollen eigentlich hier übernachten, aber die Mexikaner bauen zwei Tribünen auf. Heute Abend gibt es ein Konzert. Mexikanische Konzerte sind nichts für europäische Ohren, viel zu laut! Am Rande steht ein Lautsprecherauto und macht Werbung für heute Abend. U. a. ruft er auch: dos passantes Suizo! Er lacht, da er merkt, dass wir es verstanden haben. Wir fahren weiter, denn auf eine Nacht neben dem Lautsprecher können wir verzichten! Überhaupt ist es erst drei Uhr nachmittags und noch zu früh zum aufhören. Fahren über eine Hochebene in die Berge bis nach ‚San Miguel Sola de Vega‘. Haben uns verschätzt. Die Strasse und der Pass sind happig, kurvig und schmal. Kaspar fährt zügig hinter einem Bus her, der bei jeder Bodenunebenheit abbremsen muss, damit er unten nicht aufschlägt. Endlich angekommen finden wir einen einigermassen guten Schlafplatz. Allerdings geradewegs an der Hauptstrasse neben dem WC für die Busstation. Bigi hat wieder einmal die Angsthasenphase und will nicht irgendwo campieren. Spazieren der Strasse entlang und überlegen, wo wir essen wollen. Finden ein Restauräntchen mit kargen Holzstühlen und essen einheimisch. Kaspar ist sich nicht sicher, ob er ein Fan vom mexikanischen Essen wird. Ohne Chili schmecken die Tortillas wie Karton. ‚Es klöpft und tätsch‘ wie am 1. August. Spät abends parkiert direkt neben uns ein Sattelschlepper. Er wird eingewiesen von einem einzelnen, schreienden Mann mi Taschenlampe. Dem Sattelschlepper entsteigen Kind und Kegel, Männer und Frauen. Es wird eine improvisierte Küche aufgebaut. Ein Scheinwerfer wird installiert und mit einem Generator betrieben. Spätestens jetzt schwant uns Schreckliches und wir müssen die Fenster wegen des Benzingestanks schliessen. Bigi wird es wegen den vielen Leuten etwas mulmig. Auch Kaspar stinkt es, aber flüchten und weiter fahren bei Dunkelheit kommt auch nicht in Frage. Wir spähen durch die Schlitze nach draussen. Später kommen noch 3 Pickups dazu. In der Ferne hört man Katzenmusik von einem Fest. Um 23 Uhr kommt ein Polizeiwagen rot/blau-blinkend mit Sirene angebraust und parkiert direkt unter unserem Fenster. Durch den Lautsprecher ertönt Musik und nach einer halben Stunde bitten sie die Meute um Ruhe. Allmählich steigen die Leute in den Sattelschlepper, Ruhe kehrt ein und der Schlaf übermannt uns.

18.Dez. - war alles halb so schlimm

Um 04.45 Uhr fängt die Sirene an zu hornen und wir sehen wieder das rot/blaue Blinklicht. Die Polizisten fordern die Leute auf aufzustehen. Nach einiger Zeit kommt so langsam Leben in die Bude. Es werden viele Velos ausgeladen. Tief eingemummt mit Stirnlampe steigen die Männer auf ihre Fahrräder. Die andern kommen verschlafen aus ihren dünnen Schlafsäcken und verstauen ihre Utensilien. Die improvisierte Küche wird in den Sattelschlepper verpackt. Erst jetzt haben wir begriffen, dass dies eine Gruppe ist, die ihren Pilgerzug zu Ehren der ‚Virgin of Guadeloupe‘ macht. Es wird langsam Tag und so sehen wir um uns herum noch mehrere kleine Pilgerfahrzeuge. Alle kochen Frühstück. Es geht die nächsten 180 km über diverse Pässe, viele Kurven und Topes. Wir sind 2 Stunden unterwegs, da begegnen wir der Gruppe wieder, die uns diese Nacht um den Schlaf gebracht hat. Trotz allem winken wir und sie winken zurück, haben Freude uns wieder zu sehen! Kaum zu glauben, die Gruppe hat nur doppelt so lange gebraucht wie wir. Es geht eben viel bergauf und bergab. Auch wir kommen nur langsam vorwärts. Alle 50 bis 60 km wechseln wir uns ab. Die Fahrerei ist anstrengend, unser Schlafmanko gross. Auch neben an zu sitzen ist mühsam. Bei einem Pipi-Halt findet Bigi 20 Pesos im Gras. Endlich kommen wir am Pazifik in ‚Puerto Escondido‘ an. Finden den Camping beim Hotel ‚Las Brisas‘ schnell. Ist nicht schön, denn die Wiese zum campieren nebenan wurde vermutlich verkauft. Jetzt ist nur noch ein schöner Platz vor dem Privathaus und die Leute sind heute verreist. Ander Länder, andere Sitten – sollen wir hier auf einem Privatgrundstück campieren? Wir entscheiden uns für den Hotelparkplatz, denn Bigi hat natürlich schon den schönen Swimmingpool gesichtet. Kein Wunder, hier unten ist wieder mega heiss! Ausruhen und gegen Abend zu Fuss an den nahen Strand runter. Kleine Erkundungstour im Ort, bekannt als Hang-out für Surfer. Schauen den Wellenreitern zu. Geniessen in einem Strandlokal den Sonnenuntergang bei Cocktail und Pizza. Nachher nochmals im Pool abkühlen, denn es ist immer noch 31 C warm. Übrigens haben wir heute auf der Fahrt mal die Kurven gezählt: auf 1 km waren es immerhin 7 Kurven. Man rechne: es waren heute etwa 200 km!

19.Dez. - 'Puerto Escondido'

Bummeln bei Tagesanbruch dem Strand entlang und geniessen dann den Tag am Swimmingpool. Um 16 Uhr können wir bei der Lavaderia unsere saubere Wäsche schön zusammengelegt abholen. Heute wollen wir uns mit neuer Badehose und Bikini einkleiden. Bigi findet relativ schnell ein Bikini, obwohl sie nicht bereit ist hundert Franken zu zahlen. Für ein Bikini ‚made in Mexiko‘ zahlt sie dann ca. 30 Franken. Für Kaspar ist es nicht ganz so einfach. Er braucht anscheinend Nr. 40 für die Badehose. Hier aber hören alle Grössen bei 38 auf – sind ja mehr oder weniger alles junge, sportliche Surfer. Nach langem Suchen und hin und her entscheidet sich Kaspar für eine grosse 38er in der Hoffnung, noch ein wenig abzunehmen auf der Reise. Essen in einem schönen Restaurant an der Front. Kaspar hat sich heute verbrannt und wir kaufen ‚Aloe vera Gel‘ gegen Sonnenbrand. Riecht gut und kühlt schön.

20.Dez. - ein Malheur

Wieder zum Strand und Frühstück in einem schönen Lokal. Kaufen noch ein ganzes Grahambrot. Hoffentlich ist es so gut wie es aussieht. Bisher war Grahambrot immer süsslich. Fahren weiter Richtung ‚Acapulco‘. Brauchen wieder 6 Stunden für 200 km! Dies kommt daher, dass in den Dörfern immer diese ‚Topes‘ (Bömms) sind. Manchmal sieht man sie kaum im Schatten. Aus voller Fahrt abbremsen und mit 20 km/Stunde darüber rollen! Zur Aufmunterung hat der Beifahrer angefangen, die Fahrkünste von 1 bis 10 zu benoten! Wir sind uns nicht immer ganz einig. Es kommt schwer darauf an, aus welcher Warte man die Note betrachtet. In ‚Marquelia‘ fahren wir runter zum Strand. Hier passiert Kaspar wieder einmal ein Malheur. In einer 90-Grad-Kurve überfährt er einen Wurzelstock, der gar nicht so gross aussah. Es kracht. Er denkt, dass das Hinterrad aufgefahren ist und setzt ein Stück rückwärts. Nun weiter zum kleinen Fischerhafen. Hier passt es uns nicht und wir suchen zu Fuss einen Übernachtungsplatz. Finden einen. Eine alte Frau, Besitzerin des Bodens, will 50 Pesos. Bigi ist ganz entsetzt und sagt: normal ist 30 Pesos. Kaspar staunt nur! Am Schluss geben wir freiwillig 50 Pesos (CHF 3.50). Nun kontrolliert Kaspar den MAN. Die Wurzel hat mehr beschädigt als gedacht. Natürlich wieder einmal die Einstiegstreppe verbogen und den Dieseltank ein paar Zentimeter nach hinten verschoben. Kaspar flucht innerlich - Bigi hatte ja Stopp gerufen! Es ist zum Glück alles noch einigermassen im grünen Bereich. Baden kurz im Pazifik. Als das Malheur passierte war es in Europa bereits der 21. Dezember 2012 – Weltuntergang nach Maya-Kalender!

21.Dez. - die letzte Etappe nach 'Acapulco'

Die Welt ist auch hier in Mexiko nicht untergegangen - es beginnt nach 1‘872‘000 Tagen lediglich eine neue Zeitepoche. Kaum zu glauben, in diesem Fischerkaff bis morgens 2 Uhr Bum-bum-Musik und ein Hund, der stundenlang bellt. Zudem war es eine sehr heisse Nacht! Kaspar würde dem Hund am liebsten den Kopf umdrehen. Aber es wird trotz allem morgen. Nehmen ein Bad und duschen gleich draussen, damit wir nicht allen Sand ins Fahrzeug schleppen. Nun aber los nach ‚Acapulco‘. Diese Stadt hat auf Kaspar exotische Wirkung. Eigentlich weiss er erst seit einem Jahr, wo Acapulco liegt: am Pazifik und nicht an der Karibik. Finden leicht die Toll Road (zahlbare Umfahrungsstrasse), fahren dann aber doch quer durch die Stadt. Beim Tunnel sollen wir die hohe Gebühr für LKW bezahlen. Dies lehnen wir vehement ab und fahren wieder einmal rückwärts aus der Zahlstelle und quer über die Berge durch ärmere Gebiete! Vor fünf Minuten hatte schon ein Polizist etwas von ‚Ticket‘ und 3000 Pesos geschwafelt, da wir nicht auf der äusseren Strasse gefahren sind mit unserem schweren Gefährt. Konnten ihn mit Schwatzen und Fotokamera überzeugen, dass wir nicht zahlen, ihn jedoch fotografieren und uns beim Chef beschweren werden.

Den Camping ‚Acapulco Trailer Park‘, 7 km nordwestlich der Stadt am ‚Pie de Cuenta‘ finden wir. Schön gelegen, unter Palmen, direkt am Pazifik und es hat sogar noch Platz über Weihnachten. Hier sind zwei deutsche Paare, Österreicher, Kanadier und einige Mexikaner. Die Amerikaner haben ‚Schiss‘ und bleiben diese Jahr zu Hause. Es hat grosse Fahrzeuge, fest installierter Trailer, Zeltwägeli und auch kleine Zelte. Natürlich wird geschwatzt und Bekanntschaft gemacht. Das Meer hat eine starke Strömung und die Einheimischen raten vom baden im Pazifik ab. Hier können wir bis spät abends in der Badehose schön draussen sitzen. AB und zu kleine Störung durch springende und beissende Sandflöhe.

22.Dez. - Campingleben

Am Morgen meint Bigi: ‚ich bin eine alte Schachtel‘ – worauf Kaspar antwortet: ‚Kein Wunder, wenn Du immer Karton isst (Tortillas)!‘ Hompage schreiben, schwatzen, mit Bülach und Davos skypen. Franz hilft Kaspar bei der Behebung des ‚Malheurs‘ und ‚gingt‘ an den Tank. Nun sitzt er (der Tank) wieder.

Auch dürfen die letzten Weihnachtsvorbereitungen nicht fehlen: Bigi schmückt den Weihnachtsbaum. Den Föhrenast (oder ähnlich) haben wir vor ein paar Tagen aus den Bergen mitgenommen. Das erste Schoggimüsli von Suters schlecken wir gleich. Die andern müssen sich zuerst im Kühlschrank erholen bevor wir sie an den Baum hängen.

23.Dez. - Weihnachtseinkauf

Da wir unter Palmen campieren werden unsere Batterien durch die Sonnenkollektoren nur ungenügend geladen. Wir nehmen den Honda-Generator in Betrieb und laden nun alle Batterien vom Österreicher und uns. Sind gestern übereingekommen, dass wir morgen ‚Heilig Abend‘ zusammen grillieren. Mit dem öffentlichen Bus fahren wir mit Franz + Silvia (AT) u. Jörg + Gisela (D) zum ‚Chedraui‘ einkaufen. Der Busfahrer nimmt eine andere Route als vorgegeben. Beim Einbiegen in die Hauptstrasse ist die Kurve zu eng und er rammt den vorderen Kotflügel eines schon verbeulten Pick-ups.

Der Busfahrer steigt aus. Es beginnt ein kurzes Palaver. Auf jeden Fall trennen sich die beiden Schuldigen ohne dass ein Peso die Hand wechselt. Der Chauffeur fährt in flottem Tempo zur Tankstelle um ca. 20 Liter Diesel zu tanken. Jetzt erst wissen wir den Grund für den Umweg. Wieso nur 20 Liter? Die Buschauffeure mieten den Bus für einen Tag, jedoch mit leerem Dieseltank. Sie fahren den ganzen Tag die angeschriebene Route. Wenn sie zu viel tanken würden, hätte ja der Nächste einen Vorteil! Nach einer Stunde endlich am Ziel! Wir kaufen das Weihnachtsessen ein. Pro Person kostet dies ohne Getränke 37 Pesos (CHF 2.45). Viele Mexikaner sind heute beim einkaufen. Die Weihnachtsware stapelt sich zu riesigen Türmen. Am liebsten würde Kaspar bei den hohen Türmen die unterste Ware herausziehen und sich daran freuen, wenn der ganze Turm einstürzt. Zurück beim Camping müssen wir dem Generator Benzin nachfüllen. Wir gehen über die Strasse in der Süsswasserlagune baden. Der See ist schlammig und keine grosse Abkühlung. Skooter und Wasserskifahrer brausen herum.

24.Dez. - die Klippenspringer

Die Bäckerin bringt um 8 Uhr wieder frische Brötchen in ihrem Korb auf dem Kopf. Am Strand entlang ein Morgenspaziergang, bevor es heiss wird. Es ist sehr anstrengend. Heute schlagen grosse Wellen an. Mit den zwei Österreichern im öffentlichen Bus ins Zentrum zu den ‚clavaderos‘ (Klippenspringer). Die Männer müssen die ganze Fahrt stehen und es wird Kaspar allmählich schlecht. Die Busscheiben sind verklebt und so kann er nicht hinausschauen. Im Verkehrschaos geht es nur sehr langsam vorwärts. Steigen etwas vorher aus und gehen zu Fuss weiter, da wir Angst haben die Show zu verpassen. Über einen schönen, lebendigen Platz hinauf zum Hotel Mirador, welches vom Schweizer Teddy Stauffer (Jazzmusiker der 50iger Jahre) gebaut wurde. Hier werden wir von einem Touristen-Schlepper abgefangen. Er bringt uns ins Hotel und zeigt uns den Tisch auf der Terrasse, wo wir die Springer am besten sehen können. Wir beschliessen das Angebot anzunehmen mit Lunch und Margherita. Franz schmeckt der Margherita sehr gut und er bestellt gleich einen zweiten. Die 8 jungen Springer treffen ein, springen ins Wasser und klettern die steile Klippe empor. Die untersten Drei springen synchron aus ca. 8 m ins Meer. Die Mittleren machen einige Showsprünge aus 25 m. Am Schluss bleibt der Letzte auf dem höchsten Punkt, 35m. Bei einem kleinen Altar bekreuzigt er sich mehrmals um dann seine Show abzuziehen. Er klatscht über dem Kopf in die Hände, so dass alle 150 Zuschauer mit klatschen. Dann stürzt er sich vom Felsen. Alle sind begeistert. Am Ende der Show kann man sich mit diesen mutigen Springern fotografieren lassen. Natürlich kaufen wir uns ein T-Shirt mit allen Unterschriften und Datum. An Schluss sind wir und alle Springer zufrieden.

Zurück zum schattigen Hauptplatz. Hier kauft Bigi ohne Kaspars Wissen billige Weihnachtsstern-Ohrringe. Sie lacht, da Kaspar lange nicht merkt, was sie gekauft hat. Erst als Franz und Silvia ihn aufklären, weiss er Bescheid. Spazieren in der Hitze der Strandpromenade entlang. Geniessen den Ausblick auf die grosse Bucht und das mondäne ‚Acapulco‘.

Um für Kaspar ein 110 Volt-Kabel zu kaufen, kehren wir in die lebhafte Strasse zurück. Laute Musik dröhnt aus riesigen Lautsprechern. Die Mexikaner kaufen für Weihnachten billiges, chinesisches Spielzeug ein. Langsam haben wir genug vom Gestank, obwohl Franz sein Batterieladegerät noch nicht gefunden hat. Wo fährt den unser Bus nach ‚Playa Luces‘?! Nach einiger Zeit haben wir auch dieses Problem gelöst. Steigen ein und finden sogar Sitzplätze für uns alle auf den schmalen, harten Plastikstühlen.

Nach fünf Stationen sind wir am Bus Terminal. Hier zwängen sich viele Fahrgäste in den Bus. Strassenhändler steigen ebenfalls ein und verkaufen Wasser, Früchte, Nüsse, Glacé, Früchte, Bengalische Zündhölzer und Knallfrösche. Zu Hause angekommen sind wir völlig erschöpft und uns verlangt nach einem kühlen Bad im sandigen Pool. Das Weihnachtsessen vorbereiten. Es gibt Pollo, Rinder Lomo, Kartoffel-, Gurken- u. Tomaten-Salat. Trinken Wasser, Wein und Bier. Kaspar ist richtig müde und kann trotz Hörgeräten dem Gespräch nicht mehr richtig folgen. Das Essen ist gut, aber trotzdem schmeckt es ihm nicht recht. Also schweigt er die halbe Zeit. Kaspar hat ein kleines Weihnachts-Depressiönchen. Kurz nach Mitternacht sind wir im Bett.

25.Dez. - Weihnachten in 'Acapulco'

Gut geschlafen. Wandern am Strand und können uns an den hohen Wellen nicht satt sehen. Mehrere Kormorane ‚in der Staffel‘ fliegen im Tiefflug über die Wellenkämme und suchen Fische. Sieht elegant aus.

Beim Frühstück lesen wir die Weihnachtsgeschichte und nachher schauen wir die erhaltenen Weihnachts-Email an. Wir freuen uns über jedes Einzelne. Vom Nachbarn haben wir eine gestickte Tischdecke und eine künstliche Blume erhalten. Werden uns später mit einem Schoggistängeli revanchieren. Bigi redet viel mit den Einheimischen und praktiziert ihre Spanischkenntnisse. Skypen mit Hochfelden. Es geht allen gut. Auch Kaspar ist wieder im Strumpf. Am Nachmittag sitzen wir mit Franz und Silvia zusammen und schwatzen. Am Abend müssen wir den MAN noch verstellen, da unser Platz schon früher reserviert war. Klappt alles gerade noch vor dem Eindunkeln.

26.Dez. - 'Taxco'

Auch Franz musste spät abends umparkieren, direkt neben die stinkenden Mistkübel. Am Morgen haben sie das ganze Fahrzeug voll Sandflöhe. MAN bereit stellen und schauen, dass wir alle Kabel etc. wieder besitzen. Obligates Fotoshooting.

Müssen noch die letzte Nacht noch zahlen. Die Besitzerin will nochmals die hohe Taxe. Nun wird Kaspar laut. Sie ist aufgeregt und meint, Kaspar verstehe ihr Englisch nicht. Nun holt sie Jörg zum vermitteln und am Schluss haben wir 50 Pesos mehr im Geldbeutel. Brauchen eine Stunde durch das Verkehrsgewühl von ‚Acapulco‘.

Soeben hat Kaspar VW-Käfer Taxi Nr. 4690 gesichtet – also gibt es mindestens so viele in der Stadt! Hier herrscht das Gesetz des Stärkeren. Wenn Bigi nicht wäre würden einige Mexikaner ihr blaues Wunder erfahren. Aber sie hat Kaspar Zügel angelegt. Zuerst 100 km über die Autobahn durch die ‚Sierra Madre‘. Kaum zu glauben, gerade ausserhalb der Stadt nur noch mit Wald bewachsene, fast unbewohnte Hügel. Bis zur Silberstadt ‚Taxco‘, genannt ‚pueblo magico‘ auf 1660 m.ü.M. An der Einfahrt zur Stadt werden wir beim Touristenbüro durch Juan Carlos in Empfang genommen. Er erklärt uns mit dem Stadtplan die Stadt. Mit dem MAN hineinfahren ist schlichtweg unmöglich, schon 10 m wären zu viel! Er hat einen Platz zum übernachten bei der Silber-Factory ‚Zanfeld‘ und bringt uns dorthin. Dieser Silberschmid ist der grösste und wahrscheinlich reichste der Stadt. Hier können wir auf dem schönen Hof übernachten. Natürlich mit dem Hintergedanken, dass wir hier etwas einkaufen. Auf alle Ware gibt es 50 % Rabatt! Entweder gibt es zu wenig Käufer oder die Preise sind eindeutig überhöht. Sie exportieren vor allem nach USA und Israel. Kaspar hat ein schönes, kleines Silber-Relief von Taxco gesehen, welches er morgen kaufen wird. Bigi hat ein Auge auf ein wunderschönes Silber-Halsband geworfen, und gar nicht teuer – sie hat aber ihre Brille nicht auf! Sie ist heute einmal gescheit und verzichtet auf dieses teure Stücke, denn sie würde es in der Schweiz vermutlich gar nicht tragen! Juan Carlos will uns morgen um 11 Uhr in die Stadt bringen. Heute sind wir einen Monat unterwegs. Mexiko gefällt uns bisher ausgezeichnet. Alle Mexikaner sind sehr nett und hilfsbereit. Nur die vielen Polizei- und Militärkontrollen passen nicht ins Bild.

27.Dez. - Silber-Shops so weit das Auge reicht

Es war so ruhig, dass wir fast nicht geschlafen haben. Okay, der Vollmond strahlte auch die ganze Nacht. Waren im Hof eingeschlossen, aber punkt 9 Uhr kommen die Angestellten zur Arbeit. Hier gibt es Silberminenschächte, die bis auf 1200 m hinunter gehen. Seit 4 Jahren streiken die Minenarbeiter für höhere Löhne und mehr Sicherheit. Die Besitzer wollen die Minen vermutlich gar nicht mehr öffnen, da nach 800 Jahren schürfen sowieso fast kein Silber mehr vorhanden ist. Nun kaufen wir Ohrringe für Bigi und das Briefbeschwerer-Relief aus Silber.

Mit Juan Carlos im Taxi zum Zocalo. Er sagt: ‚the stars are for the night, the jewells for the woman‘. Zuerst führt er uns in einen schönen Laden, wo sich Bigi nochmals in zwei Halsketten mit Ohrringen verliebt. Ein Set kann sie kaufen – es ist ja so billig - das andere dann vielleicht später. Der Touristenführer verlässt uns ohne dass wir ihn für seine Dienst bezahlen müssen. Ziemlich sicher erhält er eine Provision von den Läden.

Auf einer Restaurantterrasse haben wir einen schönen Blick auf Zocalo und Kathedrale. Auf dem Platz sind viele Weihnachtsstern-Blumentöpfe in Form einer Blüte des Weihnachtsstern aufgestellt. Super!

Die Kathedrale ist im Barockstil gebaut und 23 t Gold wurden hier verarbeitet. Rund um den Platz sind viele Silbergeschäfte. Hier dreht sich alles um das Silber. Es gibt 750 Shops und an den Markttagen bis 2000!

Mit dem VW-Käfer Taxi hinauf zur grossen Christus Statue über der Stadt. Der Käfer kommt ins schnaufen, denn die gepflasterten Strassen sind äussert steil. Sicher 30 % Steigung/Gefälle! Die kurvigen, äusserst schmalen, holprigen Strassen werden nicht etwa Einbahn befahren, sondern mit Gegenverkehr. Es wird sogar noch parkiert. Für uns schlicht und einfach verrückt! Von der 20 m hohen Christus Statue geniesst man einen schönen Blick über die Stadt mit ihren 150‘000 Einwohnern. Wieder zurück zum Zocalo. Hier brauchen die Käfer sicher jeden Monate neue Bremsen und neue Kupplung. Zu Fuss die alten Gassen hinunter zur Hauptstrasse. Wissen nicht in welchen Bus wir einsteigen müssen und machen uns daher zu Fuss auf den Heimweg. Unsere Füsse tun jedoch so weh, dass Bigi Einsehen hat mit Kaspar und nach dem richtigen Bus fragt. Bereits der Erste bringt uns zum Informationsbüro. Von hier aus sind es nur noch 500 steile Meter bis zum MAN.

28.Dez. - ‚Grutas de Cacahuamilpa‘

Schenken den elf Angestellten Schöggeli und bringen auch Juan Carlos um 11 Uhr eine Tafel Schokolade ins Office. Da der Wein am ausgehen ist, kaufen wir bei Chedraui ein. Dann zu den nur 22 km entfernten ‚Grutas de Cacahuamilpa‘. Bigi sieht von weitem, dass hier viele Autos sind. Wohlweisslich lassen wir den MAN an der Strasse oben und zahlen den Parkwächter. Bevor Kaspar ausgestiegen ist hat Bigi schon 3 Halsketten gekauft. Anstatt diese zu tragen lässt sie diese im MAN. Werden daher von allen Verkäuferinnen wegen Ketten angequatscht. Die Grotten-Führung beginnt um 2 Uhr. Lernen einen ehemaligen Schweizer Bänker kenn, der in ‚Toluca‘ eine Schule für 70 Kinder führt (www.colegiosuizoedelweiss). Vielleicht können wir ihm Lehrmittel aus der Schweiz beschaffen, mal schauen. Durch einen grossen Höhleneingang geht es hinunter in die Grotte. Sie ist gigantisch gross, hoch und 2,5 km lang. Riesige Stalaktiten und Stallagmiten präsentieren sich in schöner Beleuchtung. Die Führung dauert zwei Stunden! Zu hinters ist man 360 m unter dem Boden.

Wir sehen viele verschiedene Figuren wie: das küssende Paar mit der schimpfenden Mutter, Krokodil, Panda, Kamel, schlafender Mann mit weissem Bart und die Champagnerflasche mit Korken. Zurück beim MAN drehen wir auf der unübersichtlichen Strasse um und fahren zum inzwischen fast leeren Parkplatz beim Restaurant unten. Hier können wir übernachten. Morgen müssen wir aber zeitig aufstehen, sonst sind wir blockiert.

29.Dez. - 'Monarch' Schmetterlinge

Eigentlich war gestern ein guter Tag mit gewissen Einschränkungen. Zuerst hat Kaspar sich beim Leeren der Toilette am linken Daumen den oberen Nagel tief abgerissen. Am Nachmittag wurde er von einem Insekt (vermutlich Biene) gestochen und nun ist der Unterarm arg geschwollen, rot und beisst schrecklich. Er muss alle fünf Minuten salben! Am Abend ist ihm dann noch der schon zweimal geflickte Zahn oben rechts wieder abgebrochen. Zum Glück ist er tot und nur die Zunge (und der Zahnarzt) hat keine Freude an der Bruchstelle. Nachts hat Kaspar den Müllsack mit den stinkenden Zwiebelhäuten aus dem Fenster geworfen. Ein Hund war in der Nähe, hat nach dem Fleischpapier gesucht und alles zerfetzt. Stehen noch in der Dunkelheit auf, denn wir haben 250 km vor uns. Könnte so etwa sechs Stunden anstrengende Fahrt bedeuten! Die Grossstadt ‚Toluca‘ lassen wir links liegen, was nicht ganz stimmt. Kaspar findet die Umfahrungsstrasse nicht und so muss Bigi quer durch die Stadt fahren, haarscharf am historischen Zentrum vorbei. Bigi ist von seinen Kartenlesekünsten nicht so begeistert. Weiter bis über ‚Zitacuaro‘ und dann in die Berge hinauf nach ‚El Rosario‘.

Hier sind die Schmetterlinge ‚Mariposa Monarca‘ zu Hause. Parkieren auf 3000 m.ü.M., wo wir übernachten werden. Heute Samstag sind wieder einmal viele mexikanische Touristen unterwegs. Zwischen vielen Verkaufsständen und kleinen Imbissbuden bis zum Eingang. Bigi wird an die kurze Leine genommen! Wir nehmen uns einen Englisch sprechenden Führer und weiter geht’s über 400 Stufen mindestens eine halbe Stunde den Berg hinauf zu den Schmetterlingen. Wir sehen nur Einzelne, dann plötzlich bei einer Wasserlache die ersten Hundert. Ganz oben auf etwa 3300 m.ü.M. hängen und fliegen Hundertausende oder noch mehr herum! Kaum zu glauben, was wir hier sehen. Trauben von Schmetterlingen hängen an den Fichtenästen. Die ‚Monarcas‘ sind ca. 10 cm gross. Jedes Jahr kommen sie von USA/Kanada an diesen Ort und bleiben von November bis Februar hier um sich zu paaren. Für diesen Flug brauchen sie 2 Monate. Pro Tag legen sei 200 km zurück. Ein Weibchen legt ca. 400 Eier. Die Lebenszeit beträgt etwa 9 Monate. Das Männchen hat zwei kleine schwarze Punkte auf den Flügeln. Ansonsten haben alle die gleichen braunen Farben. Dies alles und noch einiges mehr erklärt unser Guide in gebrochenem Englisch. Auf dem Rückweg kauft dann Bigi unten tüchtig Souvenirs ein. Hier gibt es auch riesige Brombeeren aus dem Wald und Kultur-Erdbeeren. Schmecken gut! Parkieren unseren MAN auf dem obersten Parkplatz. Viele Kinder betteln, was mit der Zeit echt unangenehm wird. Verteilen immer wieder Münzen bis wir vom Parkwächter gegen ein Trinkgeld Hilfe bekommen. Wir verziehen uns in den Camper und haben nun Ruhe.

30.Dez. - 'Morelia'

Heute Nacht war kalt, 4 C! Aber mit der Heizung bringen wir die Raumtemperatur von 15 C schnell etwas hinauf. Bigi steckt unter der Bettdecke und bekommt die Krise, wenn sie nur daran denkt, wie die Leute hier in ihren Behausungen leben. Von 3000 m Höhe in 12 km hinunter auf 2300 m. Heute kurvt Bigi herum, aber kurz vor der Kolonialstadt ‚Morelia‘ übernimmt Kaspar das Steuer. Fahren wie immer geradeaus mitten durchs Zentrum.

Finden das 2 km lange Aquädukt aus dem 18. Jh., können hier aber nicht parkieren. Es hat zum Glück nicht so viel Verkehr. Am anderen Ende der Altstadt stellen wir den MAN an den Strassenrand vor ein geschlossenes Geschäft. Lassen uns von einem Taxi zurück zum Aquädukt bringen. Steigen hier aus und spazieren durch die belebten Strassen zur Kathedrale. Bigi schaut in alle Kleiderläden und würde am liebsten ein verrücktes Cocktailkleid kaufen.

In der Kathedrale wird gerade Kommunion zelebriert und es wird kein Einlass gewährt. Lernen beim Warten eine mexikanische Arztfamilie aus Monterrey kennen. Die eine Tochter studiert Medizin und die andere war in Deutschland für ein Austauschjahr und spricht perfekt Deutsch. War eine nette Abwechslung und wie immer interessant. Im ‚Museo de Dulce‘, einem stilvoll eingerichteten Süsswarenladen, kaufen wir kandierte Früchte. Anscheinend hier Spezialität. Das Gekaufte wird in Papiertüten verpackt und oben mit einem kleinen farbigen Papier und beschrifteter Schleife zusammengebunden. Ganz simpel, aber schön.

In einer Baptistenkirche aus dem Jahre 1893 wird Gottesdienst gefeiert. Viele Gläubige sitzen getrennt nach Alter, 25 – 59 und über 60 Jahre. Welche Seite sollen wir wählen? Es wird die Kollekte mit grünen Samtbeuteln an langen Stöcken eingezogen. Wir gehen wieder, denn Kaspar sagt: ‚Könnte wie immer teuer werden.‘ Nun dürfen wir in die Kathedrale. Diese ist recht schön, aber für uns nicht überwältigend.

Auch hier in Mexiko wird Umweltschutz gross geschrieben. Hier auf dem Platz stehen Skulpturen aus Recyclingmaterial: ein Schneemann aus Pet-Flaschen und ein Elefant aus alten Pneus. Weiterfahrt nach ‚Patzcuaro‘. Hier soll es einen schönen See geben. Am Anfang des Ortes gibt es den ‚Trailer Park El Pozo‘. Über die Eisenbahnschienen durch das Eingangstor auf die grosse Wiese mit Campingtischen, Wasser und Stromanschluss. Vermutlich bleiben wir hier bis über Silvester. Kurz die Umgebung auskundschaften. Über die Strasse ist laute Musik zu hören. Im ersten Moment meinen wir es sei eine Disco. Gehen der Sache auf den Grund. Hier feiern Kirchgänger 3 – 4 Stunden und bis lange in die Nacht Gottesdienst. Bei der Tankstelle gibt es ein Restaurant, welches gut sein soll. Auf jeden Fall essen heute extrem viele Mexikaner dort. Im MAN riecht es in letzter Zeit ab und zu sehr stark nach Waschmittel oder ähnlichem. Kaspar geht dem Geruch nach. Eine Flasche mit Putzmittel, welche einen kaputten Deckel hat, ist umgekippt und ausgelaufen. Dies im unteren Stauraum unterm dem Sitz – ach so, jedes Mal wenn wir eine Pfanne herausgeholt hatten, war der Geruch extrem stark! Alles ausräumen und sauber machen.

31.Dez. – 'Pazcuaro'

Das Wetter ist heute nicht ganz schön. Dunkle Wolken hängen über den nahen Vulkanen. Kaspar will die 110V anschliessen, funktioniert aber nicht. Vermutlich zu wenig Ampere. Hören den Zug pfeifen und Kaspar geht zum Eingangstor. Lange hört man nur das Pfeifen, doch dann nähern sich langsam drei grosse Lichter aus der Ferne. Riesige Dieselloks ziehen die 30 Cargo-Waggons. Es werden keine Passgiere befördert. Der Zug rumpelt mit 30 km/h vorbei.

Mit dem Colectivo (kleiner Bus, welcher immer und überall hält, wo jemand die Hand am Strassenrand ausstreckt) in die schöne Altstadt von ‚Patzcuaro‘. Wird auch als das mexikanische ‚Rotenburg an der Tauber‘ bezeichnet. Die Stadt hat ihren spanischen Charakter aus dem 16. Jh. beibehalten können. Im Haus der 11 Innenhöfe (ehemaliges Dominikaner Kloster) sind Handwerksatelier und -läden untergebracht. Nur hier wird von ein paar Familien, von Generation zu Generation weitergegeben, die Handwerkskunst ‚La perfilarico en oro‘ ausgeübt. Mit Gold werden Umrisse gezeichnet und nachher mit Farbe ausgemalt. Schüsseln, Schmuckschatullen, Teller, Eier und Schmuck. Es ist Handarbeit vom Feinsten! Bigi kauft für Nici einen Schminkspiegel (fürs Hochzeitstäschli), für Lucia eine maschinenspülfeste Tasse und für uns ein sehr kleines Schmuckköfferchen.

Lernen in der ehemaligen Kathedrale ein mexikanisches Ehepaar kennen und schwatzen zusammen. Dann mit dem Taxi an den ‚Lago Patzcuaro‘ an den Hafen ‚Muelle San Pedrito‘.

‚Isla de Janitzio‘

Mit dem Ausflugsboot zur 40 Minuten entfernten ‚Isla de Janitzio‘. Hier auf dem Hügel steht ein 48 m hohes Denkmal (erbaut 1934-37) für den Freiheitshelden ‚José Maria Morelos‘, welcher die Faust gegen Himmel streckt. Diese Statue kann man von innen besteigen, was auch wir machen.

Bei der Hafeneinfahrt werden wir von Schmetterlings-Fischern in ihren Booten erwartet. Also fischen tun sie ganz sicher nicht mehr, höchstens Trinkgeld von den Touristen in den Booten abfischen. Bevor wir aber auf dem Berg sind müssen wir zwischen Souvenirläden und Restaurants die vielen Treppen hochsteigen. Ein ca. 4-jähriger Junge führt den ‚Tanz der Alten‘ vor.

In der Hälfte des Treppensteigens überkommt uns der Hunger. Bigi isst den hiesigen ‚Pescado blanco‘, Kaspar bleibt bei Pollo mit Pommes. Von ganz oben hat man einen guten Rundblick über den See, die Vulkane und die sechs Inseln.

Zurück auf dem Schiff sprechen wir mit Mexikanern. Die erste Frage ist immer, ob wir keine Angst hätten und wie das Ausland Mexiko sieht. Am Hafen steht kein Taxi und auch kein Colectivo. So marschieren wir die 5 km bis zum Trailer Park und MAN. Es ist kalt. Wir lesen, Kaspar macht Dezember-Buchhaltung und wir freuen uns auf ein Tiger-Fondue zum Silvester. Ein gemütlicher Abend zu Zweit im warmen Camper und gute Gespräche. Es war für uns ein gutes Jahr und wir freuen uns aufs 2013! In der Schweiz ist Mitternacht schon lange vorbei. So müssen wir ja hier nicht mehr auf das Neue Jahr warten und gehen ins Bett.