März 2013

1.März - 'Tequila' / Stadt und Schnaps

Wollen heute nach ‚Tequila‘. Die Campingbesitzerin empfiehlt uns eine kleine Destillerie. So fahren wir ca. 10 km in die andere Richtung. Leider wird die ganze Fabrik ‚Agave Azul‘ umgebaut und erweitert. So sehen wir nicht viel. Kaufen einen im Eichenfass gereiften Tequila. Weiter nach ‚Magdalena‘. Ausschliesslich in diesem Ort soll mexikanischer Opal aus der nahen Mine verkauft werden. Zuerst noch einen gegrillten Maiskolben mit Limon und Piccante. Finden ein ansprechendes Geschäft ‚Opales de Mexico‘. Besichtigen die Ausstellung. Der Inhaber ist am Arbeiten. Gross sind die hier gefundenen Opale aber nicht. Kaufen kleines Krokodil und Schildkröte mit eingeschlossenen Opalen. Der Besitzer ‚Javier Lopez Mata‘ scheint sehr bekannt zu sein. Auf jeden Fall hat er diverse Auszeichnungen an der Wand hängen, u.a. eines von der Mineralienbörse 1996 in München. Nun ruft ‚Tequila‘. Von der Umfahrungsstrasse fahren wir direkt ins Zentrum. Enge, schmalen Gassen und keinen grossen Parkplatz. Also zirkeln wir wieder durch das Gewühl zum Ort hinaus und gehen zu Fuss. Am Hauptplatz hat Bigi einen Hungerast. Hier im ersten Stock eines kleinen Restaurants machen wir es uns auf dem Balkon gemütlich. Das ‚Poulet à la Tequila‘ - mit Käserahmsauce und Tequila überbacken - schmeckt gut. So haben wir auch gleich etwas im Magen für die Degustation.

Buchen bei einer fliegenden Händlerin eine Tequila-Stadt-Destillerie-Tour im offenen Holzfasswagen. Zuerst fahren wir zu einem Wäscheplatz und einer alten Destillerie, dann hinaus aus der Stadt auf ein grosses Agavenfeld. Die Agave ist nach 7 Jahren reif zum Ernten. Für einen Liter Tequila braucht man 80 kg Agave – ca. 2 grosse Agavenköpfe ohne die stachligen Blätter. Nun besichtigen wir eine grosse Fabrik, wo gearbeitet wird. Die grösste Destillerie ‚Sauza‘ produziert pro Tag 100‘000 Liter Tequila – wer trinkt dies alles?! Den Destillierprozess kennen wir schon zur Genüge aus Schottland vom Whisky her. Wir dürfen alle Arten probieren, dies fährt jedoch schnell in die Beine. Kaspar ist sofort ‚besoffen‘, was natürlich nicht stimmt. Extrem viele Läden bieten den Schnaps zum Verkauf an. Schlechtere Qualität in 5-Liter Plastikbidons, gute Qualität in schönen mundgeblasenen Flaschen zu 3 dl. Beim Kauf ist zu beachten, dass ‚100 % Agave‘ deklariert ist. Ansonsten handelt es sich um 51% Agavenschnaps und 49% Zuckerrohrschnaps.

Fahren weiter in die Grossstadt ‚Guadelajara‘, der zweitgrössten Stadt Mexikos. Bigi lotst Kaspar sicher über die Süd-Umfahrung zum ruhigen Campingplatz ‚San José del Tajo‘. Etwas unheimlich, da keine Touristen. Die Homepage müssen wir im Hauptgebäude aufladen und es braucht etwas Zeit, Zeit, Zeit. Wir freuen uns auf das Filet Americana mit einer Flasche Wein. In der Zwischenzeit ist es stockdunkel geworden.

2.März - 'Guadelajara'

Mit dem Bus 258 ins Zentrum von ‚Guadelajara‘. Dies dauert eine Stunde. Der Busfahrer fährt wie ein Henker. Ein Rallyefahrer ist ein Dreck dagegen. Er stoppt und beschleunigt wie wahnsinnig. Überholt halsbrecherisch um 100 m weiter wieder anhalten zu müssen. Dabei wird er natürlich von dem gerade überholten Bus wieder überholt. Kommen trotzdem mit heilen Knochen, aber Rückenweh im Stadtzentrum an. Bigi kauft im nächstbesten Laden ein Schinken-/Ananas-Empanada. Verbrennen uns das Maul. Überhaupt geht Kaspar heute alles viel zu schnell. Daher hat er seine schlechten fünf Minuten. Bigi muss darunter leiden.

Der Hauptplatz ist speziell. Vier grosse Plätzen sind rund um die Kathedrale angeordnet. Das schöne Theater ist für Besucher geschlossen. Auf den ersten Blick gefällt uns die Stadt nicht besonders. Leider wurden viele der alten Gebäude durch neue, hässliche Betonbauten ersetzt.

Gehen bis zum ‚Hospicio Cabanas‘, einem alten Waisenhaus. Besichtigen die grossflächigen Wand- und Deckenmalereien des bekannten mexikanischen Malers ‚José Clemente Orozco‘.

Uns gefallen die düsteren Gemälde nicht. Im angrenzenden Museum hängen ebenfalls seine Zeichnungen in schwarz und weiss. Das Gebäude allerdings ist sehenswert.

In der Nähe ist ein riesiger Mercado, in welchem man alles kaufen kann. Früchte, Gemüse, Kleider, Süsswaren, Schuhe, Schmuck, Elektronik und jede Menge Hüte. Hier essen wir etwas in einem der vielen kleinen Einfrau-Restaurants. In einem andern teuren Shoppingzentrum wird auf den drei Etagen vom Mode- bis zum Diamantschmuck alles verkauft, was das Herz einer Frau begehrt.

In der verkehrsfreien Zone sind links und rechts viele Geschäfte für Hochzeits-, Cocktail und Taufkleider samt Zubehör. Ein teures Hochzeitskleid mit Schleppe und Rüschen kostet 4000 Pesos inkl. Accessoires. Man könnte von der Schweiz einen Flug buchen, Hochzeitskleid kaufen und gleich noch vierzehn Tage Ferien anhängen für den Preis eines gleichen Kleides in der Schweiz. Nici hätte hier die Qual der Wahl! Bigi möchte für Nicis Hochzeit ein schönes Kleid kaufen. Entweder passt dieses nicht oder ist zu elegant (mit Schleppe). Sie ist ein wenig enttäuscht, dass sie das ‚Richtige‘ nicht findet. Schauen den Strassenkünstlern zu. Selbstverständlich wird auch die Kathedrale besichtigt.

Dann wieder zurück mit dem Bus. Dieses Mal wollen wir schlau sein, bleiben im Bus sitzen und fahren die Schleife nach ‚Santa Ana‘. Hier stoppt der Bus für 10 Minuten ‚Pinkelpause‘ des Chauffeurs. Er fragt wohin wir wollen und lässt und dann sogar direkt vor dem Camping aussteigen, obwohl die Haltestelle erst nach dem ‚Retorno‘ auf der anderen Seite des Hauptstrasse ist. Sind vor dem Eindunkeln beim MAN. Wie immer war Sightseeing in der Grossstadt anstrengend.

3.März - 'Charreadas'

Der Camping liegt genau unter der Anflugschneise und so können wir die Bäuche der anfliegenden Flugzeuge bewundern. Fühlen uns fast wie bei Röfe und Helene. Wieder in die Stadt. Der erste Bus, den wir mit der Hand aufhalten wollen, ist auf der Höhe der Bushaltestelle gerade am überholen eines anderen Busses und so brettert er eben an uns und anderen Fahrgästen vorbei. Noch einmal zehn Minuten warten. Dieser Fahrer fährt einigermassen gesittet – ist ja auch Sonntag. Im Zentrum angekommen nehmen wir gleich ein Taxi zum Stadion ‚Charro Chalisco‘.

Hier wird fast jeden Sonntag eine Dressurpferdeschau oder Rodeo geboten. Stolze Mexikaner mit schönen, bestickten Kleidern und Sombreros führen die Kunststücke vor. Aus vollem Galopp stoppen, an Ort und Stelle mit dem Pferd nach links oder rechts einige Runden drehen, einen rennenden Muni im Galopp am Schwanz halten und auf den Rücken legen. Je weniger Meter der Reiter für dieses Kunststück braucht, je mehr Punkte gibt es. Dann ist Rodeo an der Reihe. Die Mexikaner müssen auf einem Muni oder wilden Pferd ohne Sattel möglichst lange reiten, ohne abgeworfen zu werden.

Etwa 200 Touristen und Mexikaner verfolgen das Geschehen. Viele Einheimische inklusive Kinder tragen die steinharten mexikanischen Hüte, karierte Countryhemden, Jeans und schöne, spitze Stiefel. Es werden Tacos, Chips und Süssigkeiten genascht. Tequila wird flaschenweise verkauft.

Am Ende der Vorstellung besteigen wir ein Taxi direkt zum Camping. ‚Guadelajara‘ hat etwa 6 Millionen Einwohner. Die Stadt macht auf uns einen sehr modernen und sauberen Eindruck. Sobald man aber von der Hauptstrasse weg fährt, sieht alles ganz anders aus. Fahren heute noch 40 km zum Thermalbadpark ‚Chimulco‘ mit Camping in ‚Villa Corona‘ an einem kleinen See. Ein paar Hundert Mexikaner sind hier am Sonntagsvergnügen: grillieren und baden. Der Eintritt ist für mexikanische Verhältnisse teuer. Am Abend werden alle Pools geleert und gereinigt. Unter der Woche ist nur ein grosser Pool ab 8 Uhr gefüllt. Sitzen nach dem Essen mit Carola und Hans zusammen. Sie sind vor 50 Jahren aus Deutschland nach Kanada ausgewandert.

4.März - Thermalpark 'Chimulco'

Es ist kühl und Kaspar heizt den MAN. Bigi spottet. Vor dem Frühstück nehmen wir fast als Einzige ein Bad im 39 C heissen Pool.

Kurzer Spaziergang zum See. Hier hat es schwarzes Vulkangestein, so hart und scharf wie Glas. Sammeln einige Steine. Die Ureinwohner machten aus diesen Pfeilspitzen, Werkzeuge und Schmuck. Auch als Tauschobjekte wurden sie benutzt. Zwischendurch ein ‚kühles‘ Bad. Sind beim deutsch/kanadischen Ehepaar zu Kaffee, Kuchen und Schnaps eingeladen. Netter Schwatz. Es kommen noch einige kanadische Camper an, welche auf der Heimreise sind. Im April wird es hier in Mexiko keine Campertouristen mehr geben.

5.März - Markt in 'Villa Corona'

Wie immer zuerst ein Bad, dann rumtrödeln. Marschieren in den kleinen Ort. Hier ist am Dienstag allgemeiner Markt. Bigi will lediglich Brot und eine Ananas kaufen. Farbe zum das Haus/Camper anstreichen brauchen wir nicht. Aber da staunen wir: ein Händler raspelt Pommes Chips gleich ins heisse Frittieröl und füllt sie danach in Tüten ab. Dies sind die frischesten Pommes Chips, die wir je gegessen haben! Am Schluss schleppen wir das Benötigte plus 9 ganze und 1 kaputtes Ei, einen riesigen Bund Radieschen, zwei Kilo Feldtomaten und 500 g Passionsfrüchte nach Hause. Kommen doch zwei Amerikanerinnen bei unserem Camper vorbei. Sie bewundern den zusammenklappbaren Wäscheständer. Sie fragen uns, wo man diesen kaufen könne. In den USA hätten sie nur Waschmaschinen und Tumbler. Carola und Hans verabschieden sich und laden uns nach ‚Toronto‘ ein. Wir schenken ihnen unsere gelesenen, deutschen Bücher, worüber sie sich sehr freuen. Später bringt uns Hans noch eine Dose deutsches Sauerkraut und ein Pfund Jacobs Kaffee ‚Krönung‘. Dies sind die Vorräte, die sie nicht mehr heimschleppen wollen.

6.März - 'Lago Chapala'

Fahren nur ca. 50 km bis zum ‚Lago Chapala‘. Grosser, schöner, flacher See. In der Kleinstadt ‚Ajijic‘ parkieren wir an der Hauptstrasse. Hier getrauen wir uns nicht in die engen Gassen hinein. Zu Fuss zum ‚Zocolo‘ und später an die Seepromenade hinunter. In diesem schönen, alten Städtchen wohnen im Winter viele Amerikaner und Kanadier (ca. 15'000). Ihre Villen stehen am Ufer oder ziehen sich den Berg hinauf. Eigentlich möchten wir an den Quai hinunter fahren. Finden auch eine Strasse, die breit genug wäre, aber ein tiefhängendes Elektrokabel vermiest uns diese Option.

Deshalb fahren wir etwa 4 km dem See entlang retour. Hier sind einige sehr schöne und teilweise sehr exquisite Restaurants mit grossen Parkplätzen. Fragen einen mexikanischen Restaurantbesitzer, ob wir hier übernachten dürfen. Wir dürfen, direkt am See und erst noch gratis! Natürlich werden wir hier abends essen. Heute sind wir durch das ‚Beerental‘ gefahren. Riesige Felder mit Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren sehen wir von der Strasse aus. Kaufen einen Familienyoghurtbecher voll Himbeeren für 10 Pesos. In Mexiko kostet alles 10 Pesos (70 Rappen). Kaspar lässt seinen Ledergurt bei einem Sattler teilweise neu nähen. Kostenpunkt: 10 Pesos.

7.März - suchen 'Santa Elena'

In ‚Ajijic‘ parkieren wir an der Hauptstrasse und spazieren die unbequemen Pollersteinstrasse mit schönen, künstlerisch bemalten Häusern bis zum Hauptplatz.

Hier kaufen wir ein spezielles Papierbild, genannt ‚Papel amato‘ (wie Papyrus). Es ist bräunlich und ähnelt einem Scherenschnitt. Sind gespannt, wie es sich auf unserer roten Wohnzimmerwand macht. Kaffee trinken und etwas in den Galerien herumstöbern. Weiter dem ‚Lago Chapala‘ entlang über den grösseren Touristenort ‚Chapala‘ bis nach ‚Mezcala‘.

Hier wird die Strasse sehr eng, Pollersteine und zwei Plattenwege, gerade die Fahrspuhr des MAN. Bigi fährt. Sie kann nur sehr schwer mit anderen Fahrzeugen kreuzen. Natürlich verfahren wir uns und die Strasse ist in einem kleinen Ort plötzlich zu Ende. Ein Einheimischer erklärt uns, wo wir weiter fahren können. Kaspar setzt den MAN ein paar Hundert Meter zurück, dann steil den Berg hinauf zu einer etwas breiteren Strasse. Diese geht steil und kurvig bergauf, um dann einige Kilometer weiter wieder auf einer guten, geteerten Strasse zu landen. Für die total 10 km brauchen wir zwei Stunden und werden überall bestaunt! Vermutlich haben sich hierhin noch nicht viele Touristen verfahren. Bis jetzt sind wir wirklich noch nicht weit gekommen. In ‚Barca‘ fahren wir links Richtung ‚Atotonilco el Alto‘.

Charly's Gourmet Restaurant

Auf halber Strecke sieht Bigi das Hinweisschild und so finden wir die Abzweigung nach ‚Santa Elena‘. Hier hat ein Schweizer aus Sevelen (Rheintal) das ‚Charly’s Gourmet Restaurant' aufgebaut. Total in der Pampas. Wir werden herzlichst durch ihn und seine mexikanische Frau begrüsst und willkommen geheissen.

Sitzen an einem runden Tisch, wo bereits Edi und Urs aus der Schweiz sowie Michi und seine Frau (aus Kanada, ehemals München) und ein dicker Mexikaner sitzen. Es wird eine fröhliche Runde und Kaspar verkauft seine ‚Timberland‘-Uhr gegen eine Flasche Rotwein. Natürlich geniessen wir ein gutes Stück Fleisch vom Holzkohlengrill. Charly darf sich Gourmet-Koch nennen. Er sagt, internationale Küche gibt es schon zu viele! Besuchen mit ihm das Pferd seiner Tochter. Dieses ist störrisch. Sein feiner, dicker Labrador sowie die zwei kleinen Goldenredriever begrüssen uns stürmisch. Inzwischen ist es dunkel geworden und wir ziehen uns zurück. Der Wind bläst um den MAN. Es wird eine sternenklare Nacht. Sind gespannt auf die morgige Aussentemperatur. Es soll anfangs Woche bloss 2 C gewesen sein!

8.März - Besuch beim mexikanischen Käser

Haben gut geschlafen. Ausser Tieren hört man in der Nacht nichts. Stehen auf einem schönen, geteerten Parkplatz mit Sicht auf den Kaktusgarten, Charly’s Restaurant und ein Pferd, welches uns immer wieder von neuem begrüsst. Dürfen die Waschmaschine benutzen. Mit Urs, dem Schweizer Freund von Charly (und inzwischen Schwager), fahren wir mit dem PW die paar Kilometer bis ‚Atotonilco el Alto‘. Seine Frau und der 16-monatigen Marino kommen mit in die Stadt zum einkaufen. Wir fahren weiter zu einer Käserei ausserhalb der Stadt (www.quesart.com). Chava, der mexikanische Käser empfängt uns und führt uns durch sein Reich. Er hat die Käseherstellung, vor allem Weichkäse, in der Schweiz, Frankreich und Italien gelernt. Dürfen verschiedene Käsesorten probieren. Alle schmecken uns gut. Zu Hause werden wir den Andern und Charly eine Käseplatte servieren. Zwei Kilo Käse werden eingepackt und kosten 400 Pesos.

Die Wäsche ist inzwischen fertig und wir sind erstaunt, wie schnell diese trocknet. Im Team reparieren wir unser Fliegennetz. Kaspar demontiert, Bigi näht, leimt und Kaspar montiert wieder – alles mit Erfolg! Am Nachmittag bis es dunkel wird sitzen alle Europäer wieder am runden Tisch. Ein Stuhl ist höher und etwas kleiner als alle anderen. Bigi will sich setzen und der Stuhl kippt nach hinten. Ausser Lärm nichts gemacht. Kaspar tauscht seinen Stuhl mit Bigi. Er will absitzen, da fällt der Stuhl wieder nach hinten und er setzt sich zwischen die Stuhlbeine. Autsch. Ausser einem blutenden Dreiangel am Arsch ist ihm nichts passiert. Das ‚Cordon azul (bleu)‘ und ‚filete al punto Zürich‘ (Züri-Geschnetzeltes) schmecken gut!

9.März - Gschwelti und Käse

Wollen mit dem Bayern auf eine kleine Wanderung. Skypen mit der Schweiz. Anscheinend ist Michi im Stress und geht ohne uns auf die Wanderung. Wir entschliessen uns, das kleine Dorf zu erkundigen um Früchte zu kaufen. Auf halbem Wag holt uns die Frau von Charly mit dem Auto ein. Wir können mit ihr nach ‚Atotonilco‘ zum einkaufen fahren. Kleines, nettes Städtchen. Um 16 Uhr haben wir uns mit den andern zur Käseplatte verabredet. Edi fliegt morgen früh in die Schweiz zurück und wünscht sich Gschwelti. Heute ist es 31 Grad heiss. Bigi kocht wieder einmal den Schwamm. Die Bakterien überleben diese Prozedur ganz sicher nicht. Nun bereiten wir die Käseplatte vor und kochen die Kartoffeln. Tragen alles ins Restaurant. Oh je, da sitzen ja schon alle an einer Käseplatte, denn der Käser ist heute vorbeigekommen. Am Schluss ist unsere Käseplatte aber auch leer und ein Teil der Gschwelti gegessen. Haben mit Valentin abgemacht, dass wir am Montag die Getreidemühle besichtigen werden.

10.März - Charly's Knusperbaguette

Kaspar nimmt sich nochmals dem Problem der Eberspächer-Heizung an mit den Anweisungen von Bocklet. Baut den Höhenkitt (Luftdruckmesser) wieder ein. Nun funktioniert die Heizung auf Volllast. Mal sehen, wär ja super! Bekommen von Charly ein soeben aus dem Ofen genommenes Brot. Ein Teil davon wird zusammen mit Käse und Schinken sofort vertilgt. Spielen Triomino. Gegen Abend begeben wir uns ins gut besetzte ‚Charly’s‘ und sitzen an den Stammtisch. Es ist ein typisches Stammtischgespräch. Nicht gerade tiefschürfend. Gut hat Charly in eine kinderreiche Familie eingeheiratet. Seine Frau hat 11 Schwestern und 3 Brüder und heute Sonntag helfen einige mit im Restaurant! Um 20 Uhr sind wir wieder zu Hause im MAN.

11.März - Besichtigung der Getreidemühle

Wie abgemacht holt uns Valentin, der ‚Gerente General‘ der ‚Harinera De Atotonilco S.A. de C.V.‘, ab und wir fahren zur Getreidemühle. Die drei Beton-Silos fassen je 800 t. Die zwei Neuen je 5‘000 t. Ausserhalb der Stadt befindet sich ein Silo mit 8‘000 t im Bau. Zuerst zeigt er uns die grosse Waage. Wir wägen uns: Kaspar ist unter 95 kg! Ganz gut nach Charly’s Schlemmeressen. In der Mühle selbst herrscht grosser Lärm. Kaspar stellt seine Hörgeräte ab. Hunderte von Metern Röhren durchziehen die Werkräume. Sehen uns die diversen Mahlvorgänge an. Das ‚Mühlen‘ ist eine grosse Wissenschaft. Viele Arbeitsgänge sind notwendig vom Reinigen des Korns bis zum feinen Mehl. Die Mühle stellt zwei Hauptsorten Mehl her: eine für Weissbrot und eine für Tortillas. Im Norden Mexikos werden mehr Mehltortillas gegessen, im Süden meist Maistortillas. Die kleine Steinmühle für Vollkornmehl haben sie erst kürzlich in Betrieb genommen. Es werden aber nur ein paar hundert Kilogramm gemahlen. In der Mühle arbeiten sie im Dreischichtbetrieb, nur Sonntag ruht der Betrieb. Insgesamt arbeiten hier 65 Personen. Die Arbeiter tragen weisse T-Shirt mit dem Firmenlogo sowie dem Wochentag. Heute tragen alle korrekt das T-Shirt ‚Lunes‘ (Montag). So kann jederzeit kontrolliert werden, ob die Arbeiter sauber angezogen sind. Gute Idee und zur Nachahmung empfohlen. Im Labor kontrolliert ein Laborant das Mehl auf Verunreinigung und Inhaltsstoffe, welche dem Mehl zugeführt werden. Kleine Brote werden probegebacken und auf Löcher im Brot untersucht. Wir erhalten 5 kg Mehl und 2 kg Ballaststoff fürs Müesli. Viel zu viel, aber wir finden gewiss Abnehmer dafür. Steigen noch 100 Treppen hoch aufs Mühlendach und bewundern die Aussicht auf die Stadt und das Mühlenareal.

Valentin fährt uns zurück zum Charly. Er besitzt ein grosses Haus gleich oberhalb. Bezahlen die Restaurantrechnung für die vier Tage. Charly hat ein Problem mit seinem linken Handgelenk. Kaspar gibt ihm Kühlpflaster und ein paar entzündungshemmende Pillen. Dafür erhält Kaspar einen 30 cm langen, dicken Salami Milanese. Guter Deal!

Verabschieden uns und fahren über kleinere Berge nach ‚Irapuato‘ und weiter via ‚Salamanca‘ und ‚Celaya‘ in die Touristenstadt ‚San Miguel de Allende‘. Der erste Camping ist wegen Umbau geschlossen, der schöne 24-Stunden-Parkplatz ist uns zu teuer, der Camping in der Altstadt wird uns durch einen zu tiefen Baum verwehrt und so fahren wir etwa 10 km zum dritten Camping ausserhalb der Stadt. Hier finden wir Unterschlupf. Sind 300 km gefahren und trotz guter Strasse müde.

12.März - 'San Miguel de Allende'

nsere Heizung funktioniert immer noch nicht. Sch………e! Arbeiten etwas an der Homepage. Dann per öffentlichem Bus ins Zentrum von ‚San Miguel de Allende‘. Hier über den Mercado und kreuz und quer durch die wunderschöne Altstadt. Machen eine Stadtrundfahrt bis hinauf zum Mirador. Die Stadt liegt an einem Hügel. Es leben hier etwa 12‘000 Amerikaner. Bei diesem Klima und Ambiente der Stadt könnte Kaspar sich hier einen längeren Aufenthalt vorstellen. Am Hauptplatz haben wir den Eindruck ‚amerikanisches Altersheim‘. Fotografieren die vielen Kirchen von aussen und innen. Die im ‚Churriguera-Stil‘ erbaute ‚Iglesia San Franciso‘ ist sehr speziell in der Architektur. In den alten stimmigen Gassen gibt es viele schöne Boutiquen mit Kleidern und Inneneinrichtungsgegenständen. Bigi findet ein fast langes, super enges pinkiges Kleid, welches sich dank Stretch ihrem Body anpasst, für Nicis Hochzeit. Es ist soooo günstig, dass sie zuerst fragt, ob der angeschriebene Preis in US$ oder Pesos ist: 250 ergibt beim heutigen Umrechnungskurs 18.75 Franken! Bigi freut sich! Heute findet Kaspar auch sein Glück: Mexiko Abziehbild und Pin, was er schon so lange gesucht hat. Sind beladen wie die Esel und nehmen ein Taxi zum Camping ‚San Ramon‘. Die Stadt gefällt uns sehr gut und wir werden vermutlich im Oktober nochmals hierhin fahren. Auch in der näheren Umgebung gibt es noch Einiges zu sehen.

13.März - MAN-Boxenstopp

Fahren nach ‚Querétaro‘. Vorher noch kurzer Einkaufstopp. Finden nach einigen Umwegen den RV Park ‚Juri Quillainn‘, wo Linus, der Muothataler, sein Mercedes-Camper geparkt hat. Er und seine Familie sind jedoch abwesend. Sofort weiter Richtung Mexiko Stadt, quer durch die Millionenstadt. Finden auch hier erst nach einigem Suchen die MAN-Vertretung. Hier steht der Luxemburger mit ZH-Kennzeichen, den wir in ‚Zacatecas‘ gesehen haben. Ein Südafrikaner mit MAN-Camper von ‚Unicat‘ steht ebenfalls hier und wird repariert. Wir warten bis ein Mechaniker frei ist. Geben den Südafrikanern einige Tipps für die Weiterfahrt nach Südamerika. Kein Mechaniker ist frei. Beschliessen unverrichteter Dinge zum Camping zurück zu fahren. Buchen für morgen früh einen Termin bei MAN.

Inzwischen sind Linus und seine Tochter Maleika sowie ihr Hund Braco bei ihrem Camper eingetroffen. Fahren mit Linus im PW zur Schweizer Schule, um seine Frau Edith abzuholen.

Sie arbeitet hier seit einigen Monaten als Aushilfskindergärtnerin. Ihre Vorgängerin hat nach einem Monat gekündigt, da es ihr zu stressig war mit den 23 wilden Kindern aus aller Herrenländern. Besichtigen die äusserst modern, aber vollständig vergitterte und abgeschlossene Schule. Zum Camping zurück geht’s in rasantem Tempo. Hier gibt‘s Wein, kürzlich aus der Schweiz mitgebrachten Hartkäse, Salami und mexikanisches Schweizer Brot. Mmmh! Wir brauchen kein Nachtessen mehr. Um 19 Uhr haben sie noch einen Coiffeur-Termin, kommen später aber zu Besuch. Bigi macht schnell Caramelköpfli. Wie immer wird ausgiebig ‚gschnäderet‘.

14.März - Altstadt von 'Querétaro' by night

Früh morgens die 35 km quer durch die Stadt zur MAN-Garage im Stossverkehr. Uli und Anka sind wie vermutet immer noch hier. Er kann gerade in die Halle über die Grube fahren - wir dahinter. Nun fängt ein grosses Palaver der Mechaniker an über das Allradgetriebe - wir haben das gleiche Problem. Keiner kommt draus! Kaspars vermuteter Fehler war es nicht. Es liegt hier etwas anderes vor. Wir wollen noch die Scheibenwischblätter auswechseln lassen. Sind nicht am Lager. Sie schicken jemanden los, um solche zu holen. Der kommt doch tatsächlich ohne zurück! Er sagt uns, dass wir die Scheibenwischblätter im Autozoom oder Supermercado kaufen können. So ein Leerlauf, Kaspar bekommt die Krise! So, nun sollen sie unseren MAN wieder zusammenbauen. Verabschieden uns von den Südafrikanern und dem Garagenpersonal, welches sich bei uns entschuldigt. Sie sagen nun ‚leise‘, dass sie das Fahrzeug sowie das Allradgetriebe nicht kennen und so eben unser Problem nicht beheben können. Melden uns für den Service anfangs Oktober an und sagen deutlich, dass sie bitte jetzt sagen sollen, welches Servicematerial sie nicht haben! Sind bis jetzt über die Qualität der MAN-Garage wenig glücklich. Zurück beim Camping legt Kaspar die 110 Volt elektrische Leitung. Es ist bedeckt (kalt und windig) und auch in der Garage konnten die Solarpannell die Batterie nicht laden. Am Abend fahren wir mit Linus und Edith nach ‚Querétaro‘ in die Altstadt zum Nachtessen. Viel Verkehr!

Die Altstadt ist wunderschön und mit der nächtlichen Beleuchtung mystisch. Viele Brunnen werden mittels eines langen, alten Aquädukt mit Wasser versorgt. Die Mariachikapellen (Musiker) sind unterwegs und machen sich gegenseitig das Leben schwer. Die Restaurants sind gut besetzt.

Zuerst genehmigen wir uns in einer lustig dekorierten Bar einen Apéro. Kaspar verblüfft alle: er kauft bei einem Jungen zwei kleine, weisse, duftende Blumensträusschen und überreicht sie den Damen. Danach bummeln wir durch die Einkaufsstrassen. Wechseln bei Bigi’s Uhr die Batterie und sie kauft sich eine neue Lesebrille - nur wegen des schönen Designs mit Brilläntli (made in China). Edith kauft sich eine Ledertasche. Oh weh, Linus 200-Pesoschein ist falsch - UV-Licht überführt ihn. Gehen in das auch im Reiseführer erwähnten Restaurant ‚El Meson de Chucho El Roto‘ – ausgezeichnete, gehobene mexikanische Küche und nettes Ambiente. Nachher den weiten Weg zum Camping zurück. Es war für alle vier ein sehr schöner Abend. Im MAN funktioniert die 220 Volt Elektrik nicht, vermutlich kein Aussenstrom.

15.März - Schweizer Bäckerei

Trotz relativ schwerem Essen gut geschlafen. Die Elektrik funktioniert immer noch nicht. Die Stromzuleitung hat Strom - Kaspar ärgert sich! Er geht in Gedanken alle möglichen Fehler durch. Plötzlich nach zwei Stunden funktioniert alles wieder - ohne sein Zutun! Er ist erleichtert. Die Elektrik hat es in sich. Hier sind Geister am Werk. Fahren mit Linus zum Schweizer Bäcker aus Bern. Das Kaffee ‚Moser‘ ist versteckt in einem Fabrikgebäude zusammen mit Theater und kleinen Läden. Man muss echt wissen, wo diese Bäckerei ist. Essen Nuss- und Mandelgipfel und kaufen Bürlibrot. Bigi hat beginnendes Kopfweh und legt sich ins Bett. Linus kommt und will die Verbindung von Fahrerkabine zur Wohnkabine sehen. Kaspar muss die Fahrerkabine kippen. Sie schwatzen über alle technischen Möglichkeiten und die Zeit vergeht. Linus ist von der Qualität unseres Fahrzeuges (Firma Bocklet) begeistert. Beschliessen uns einen gemütlichen Nachmittag hier zu machen und zu relaxen. Plötzlich gibt’s Betrieb auf dem Camping. Die Südafrikaner kommen mit mehr oder weniger erfolgreicher Reparatur und auch eine Kanadische Familie. Heute regnet es zum ersten Mal seit wir in Mexiko sind! Büchertauschbörse: wir tauschen unsere gelesenen Romane und Krimis gegen Spanische Lernkrimis ein. Mal sehen, ob es etwas bei Bigi fruchtet. Kaspar ist sowieso ein hoffnungsloser Fall.

16.März - Tula / Richtung Mexiko City

Verabschieden uns von Linus und der Familie. Edith und die Tochter fliegen heute für 3 Wochen in die Schweiz. Wir fahren Richtung Mexiko Stadt auf der MEX 57 bis zum ‚Arco Norte‘. Dies ist die Nordumfahrung ca. 60 km ausserhalb der Stadt. Heute hat es viel LKW-Verkehr. Man bedenke, was eine 28-Millionen-Stadt alles an Esswaren und Sonstigem braucht!

Unterwegs in ‚Tula‘ besichtigen wir den Tolteken Tempel. Hier stehen 4,1 m hohe Steinskulpturen, welche früher einmal eine Überdachung hielten. Sind beeindruckt. Von der Nordumfahrung geht’s dann ca. 25 km Richtung Stadt. In ‚Teotihuacan‘ fahren wir etwas zu früh von der Autobahn ab. Wie üblich verfahren wir uns, finden aber nach mehrmals Fragen und Wenden den RV-Park im Zentrum des Ortes. Hier steht eine riesige, tolle Tempelanlage, die wir dann Ende Woche besichtigen werden. Suchen und buchen im Internet das Hotel für Mexiko City. Es klappt, wir fahren morgen früh mit dem Bus rein. Im Kühlschrank liegen noch feine grüne Spargeln, die heute gekocht werden müssen – mit Rohschinken, Mayonnaise und Weisswein. Wir sind etwas faul und verschieben das Packen auf morgen früh.

17.März - Mexiko City

Mit dem alle 15 Minuten fahrenden Überlandbus bis zur U-Bahnstation ‚Desportivo 18 de Marzo‘. Hier wechseln wir über die Strasse auf die U-Bahn ‚3‘ bis ‚Hidalgo‘, wo wir auf die ‚2‘ umsteigen und zum ‚Zocalo‘ fahren.

Diese anderthalb Stunden Fahrt kosten insgesamt 31 Pesos/p.Pers. (3 CHF). Kommen bei der riesigen Kathedrale wieder ans Tageslicht. Quer über den Platz ins ‚Gran Hotel Ciudad de Mexiko‘. Wunderschönes 5-Stern Hotel im Jugendstil und riesiger, farbiger Tiffany-Kuppel in der grossen Eingangshalle. Heute Sonntag wird auf der Dachterrasse ein spezielles Buffet aufgetischt. Buchen für 16 Uhr einen vorderen Tisch mit Blick über den ‚Zocalo‘. Der Hotelportier schliesst unser kleines Gepäck ein und wir machen uns zu Fuss auf den Weg. Gleich um die Ecke ist ein Herrenfachgeschäft. Kaspar informiert sich, was ein schöner Anzug (teilweise auf Mass) kosten würde. Viele Schmuckläden sind entlang des ‚Zocalo‘ unter den Arkaden. Selbstverständlich schauen wir uns die Auslagen an. Viele Mexikaner sind unterwegs.

In der grössten Kathedrale Südamerikas kommen wir gerade in eine Messe. Daher ist ein Teil des Inneren gesperrt und wir dürfen nicht fotografieren. Ein schwarzer Jesus (ungewöhnlich) hängt am Kreuz. Viel Polizei, zum Teil mit Schussweste, Helm und durchsichtigem Schild, bewachen den Platz. Fliegende Händler sitzen am Boden und bieten Souvenir und Krimskrams an. Kaufen ein kleines Plastikauto mit aufblasbarem Ballon, der als Motor dient. Direkt neben der Kathedrale bieten Schamanen (oder als Indianer verkleidete Indigene) ihre Naturrituale an. Leute stehen Schlange für eine rituelle Rauch- und Kräuterbehandlung. Besuchen das Parlamentsgebäude und bestaunen die grossen ‚Murales‘ (Wandmalereien). Diese findet man in der ganzen Stadt. Sie dienten vornehmlich dafür, den Analphabeten die Geschichte Mexikos zu erklären.

Lassen uns die Schuhe putzen. So geglänzt haben sie nicht einmal neu! Zurück ins Hotel zum ausruhen und dann auf die Restaurantterrasse im 5. Stock. Schauen dem Treiben auf der Strasse zu und geniessen das Buffet.

Leider stehen auf dem ‚Zocalo‘, dem Hauptplatz von 240 x 240 m riesige Zelte. Die darin abgehaltene Digital-Messe ist gut besucht und die Mexikaner stehen schön gesittet in einer langen Schlange um viele Ecken vor dem Eingang. Abends besuchen wir nochmals die Kathedrale. Leider keine spezielle Beleuchtung, wie wir uns von andern mexikanischen Städten gewohnt sind.

18.März - Sightseeing mit dem Turibus

Haben gut und lange im wunderschönen, 2 m breiten, Himmelbett geschlafen. Suchen ein Restaurant in der Fussgängerzone fürs Frühstück. Sind um 9 Uhr die allerersten Gäste. Es wird viel Gemüse, Früchte, Gebäck etc. in die Küche getragen - wir staunen! Besteigen den offenen, doppelstöckigen Sightseeing-Bus. Haben für 2 Tage gelöst. In der Hälfte steigen wir auf die südliche Tour um. Parks und die vielen Bäume entlang der grossen Boulevards geben der Stadt den grünen Touch und ein wenig Gemütlichkeit. Ansonsten viele Wolkenkratzer, die Universitätsstadt mit einer halben Million Studenten, das Olympiastadion von 1968, schöne gemütliche Aussenbezirke - Mexiko City ist einfach eine mega, mega, mega Stadt!

Auf der grossen, breiten Strasse ‚Reforma‘ ist eine Demonstration mit x-tausend Leuten im Gange. Grüne, gelbe, weisse Fahnen werden geschwungen. Über Lautsprecher werden die friedlichen Demonstranten angefeuert. Später sehen wir alle wieder auf dem ‚Zocalo‘ vor dem Hotel.

Natürlich ist die Polizei omnipräsent. Die beiden Sightseeing-Touren dauern mit einer kleinen Pause fast 7 Stunden! Kaspar hat sich wieder einmal den ‚Zolgen‘ so richtig verbrannt. Sein Kommentar: ‚ich bi bald es Wieb und muess salbe und schmiere!‘ Nach der Verschnaufpause begleitet Bigi Kaspar auf seine Einkaufstour - ob das gut kommt? Finden das Herrengeschäft ‚Valentin‘, wo wir gut bedient werden. Kaspar kaut einen Anzug mit Gilet, Hemd und passender Krawatte inklusive Änderungskosten für 1‘800 Pesos (135 Franken). Morgen Abend können wir dann alles abholen. Kaspar steckt dem Verkäufer ein ‚Nötli‘ zu, welches diskret verschwindet. Er gibt uns seine persönliche Visitenkarte und hofft auf das nächste Mal. Im historischen Zentrum erklingen die Töne von 20 Drehorgelspielern, welche alle die gleiche, braune Uniform tragen. Meistens sind sie zu zweit unterwegs und hoffen auf eine klingende Münze in den hingehaltenen Hut. Auch sitzen vor allem Frauen mit Kleinkindern am Boden und betteln. Es sind so viele, dass man nicht jedem Bettelnden ein paar Pesos geben kann.

19.März - Luftverschmutzung in Mexiko Stadt

Heute wollen wir noch einige Orte genauer anschauen. Müssen eineinhalb Stunden auf den Touribus warten. Kaspar wird etwas grantig und glaubt nicht, dass der Bus im Verkehr stecken geblieben ist – soll ja alle 30 Minuten fahren! Beim Monument ‚La Revolution‘ schauen wir uns die gut gemachte Ausstellung an. Wir sind zu wenig sattelfest in der mexikanischen Geschichte, um alle Zusammenhänge zu verstehen. Auf dem Platz hat es einen Springbrunnen wie auf dem Bundesplatz in Bern. Die Jugendlichen vergnügen sich unter den Fontainen. Bummeln im ‚Chapultepec Parc‘. Auf dem kleinen See schippern Familien in Pedalos und leuchtend roten Schwimmwesten. Den nächsten Stopp machen wir am schönen Platz ‚Fuente de la Ciboles‘. Im Kreisel sind Modefotografen, hübsche Mannequins und lange (11 m) Strechlimousinen. Die Mannequins werfen sich auch für Kaspar in Pose. Endlich gibt es etwas handfestes zwischen die Zähne. Den letzten Stopp machen wir beim ‚Monumento del Independencia‘ (Freiheitsstatue mit goldenem Engel, ähnlich Berlin) und bummeln durch die ‚Zona Rosa‘/Ausgehviertel. Im ‚Palacio Bellas Artes‘ kaufen wir zwei Tickets für das ‚Ballet Folklorico de Mexiko‘ für morgen Abend. In der schönen ‚Opéra Bar‘ aus dem Jahre 1866 trinken wir einen Margherita. Das Restaurant ist etwas düster im Historismus eingerichtet. Man darf nicht fotografieren, aber Kaspar hat schon drei Fotos im Kasten, als der Kellner ihn darauf aufmerksam macht. Wir haben noch nicht viel vom Smog bemerkt. Grosse Anstrengungen gegen die Luftverschmutzungen werden gemacht: Trolleybus, U-Bahn, grüne E-Taxis, Eco-Fahrspuren für Fahrräder am Sonntag, Metrobuse auf speziellen Spuren, welche Co-neutral fahren und rot-weisse Eco-Bikes stehen vielerorts zur Vermietung bereit. Autos mit einem anderen Kennzeichen als Mexiko-City dürfen werktags von 5 bis 11 Uhr nicht fahren. Zudem muss jeder an einem bestimmten Wochentag sein Fahrzeug stehen lassen. Dies hängt von der letzten Ziffer des Kennzeichens ab.

20.März - Ballet Folklorico de Mexico

Wollen auf den ‚Latino Tower‘, aber dazu kommt es nicht. Plötzlich befinden wir uns auf Einkaufstour. Jeder ein Paar Lederschuhe, Jeans, T-Shirts, blaue Gläser und Tequilagläser. All dies schleppen wir in X Plastiksäcken ins Hotel. Auf dem Rückweg kommen wir an einer mega Bäckerei vorbei. Jeder geht mit einem grossen Tablett und Zange von Gestell zu Gestell, nimmt sein Gebäck, steht in die Schlange zum einpacken, bekommt einen Zettel um an der Kasse zu bezahlen. Danach kann er sein Gebäck abholen.

Im ersten Stock sind die Torten-Modelle für Geburtstag und Hochzeit ausgestellt. Die grösste Hochzeitstorte: 110 kg schwer, etwa 3 Meter hoch, kostet 12‘000 Pesos (850 Franken). Für 10 Personen rechnet man 1 kg Torte. Wie viele Gäste müssen eingeladen werden? Im Hotel zuerst mal die Füsse hochlegen. Spazieren abends zum ‚Bellas Artes‘. Der Saal ist riesig und im schönen Art Deco Stil gebaut. Der Bühnenvorhang ist aus unzähligen Glasplatten zusammengesetzt und zeigt die zwei Vulkane ‚Popocatepetel‘ und ‚Tztaccihuati‘. Der grosse Saal erinnert uns an den Konzertsaal in Luzern. Pünktlich beginnt die Tanz- und Musikvorstellung. Rasante Musik und rassige, farbenfrohe Tänze. Es wird viel gesteppt. 40 Tänzer/innen zeigen ein furioses, schweisstreibendes Programm. Der Saal ist nur zur Hälfte gefüllt, aber es wird trotzdem heftig geklatscht. Nach der Vorstellung spazieren wir durch die etwas verlassenen Strassen zum Hotel. Natürlich werden wir durch die Polizei gut bewacht. Ab etwa 20 Uhr ist das Zentrum der Stadt verlassen. Alle Rollläden der Geschäfte sind heruntergelassen, nur ein paar Restaurants und Kioske haben geöffnet.

21.März - el Presidente de Mexico

Packen unsere sieben Sachen - jetzt sind es aber zwölf! Wir werden am Nachmittag den Taxi zum Busbahnhof Norte nehmen. Verschenken unsere nichtgebrauchten U-Bahntickets. Zuerst geht es noch zum Wolkenkratzer ‚Torre Latino‘. Fahren mit dem Lift in den 44.Stock und geniessen den Rundblick auf das riesige Mexiko City.

Noch kurz einen Espresso an der Bar. Hier sehen wir, dass auf dem Vorplatz des Denkmales ‚Benito Juarez‘ eine Tribüne aufgebaut sowie der rote Teppich ausgerollt ist. Auf dem Hochhaus nebenan herrscht geschäftiges Treiben am Helikopterlandeplatz. Der Präsident von Mexiko wird erwartet.

Nach langen zwei Stunden warten, pünktlich um fünf vor zwölf, entsteigt der Präsident ‚Enrique Pena Nieto‘ (4.von rechts) und der General Sekretär dem Helikopter. Er wird von vielen Honoratioren begrüsst. Nach weiteren fünf Minuten ist er unten auf dem Platz.

Ein Baum verdeckt unsere Sicht, aber wir meinen, dass er am Denkmal des früheren, Indigenen und viel verehrten Präsidenten Benito Juarez einen Kranz niederlegt. Keine halbe Stunde später ist er bereits wieder im Helikopter und entschwindet in den mexikanischen Himmel. Die Polizei und das Militär räumen die Gitterabschrankungen weg. Nun kann der Verkehr wieder fliessen. Kaspar war ein guter Paparazzi! Auf dem Rückweg zum Hotel noch ein kurzer Imbiss im 1912 gegründeten und im Jugendstil gehaltenen ‚Cafe Taruba‘. Schöne, bunte Fenster und gutes Essen. Dann das Gepäck im Hotel holen und mit dem Taxi zum Busbahnhof Norte. Tickets für 30 Pesos kaufen und in den komfortablen Bus einsteigen. Zum Glück kann Bigi gut spanisch, sonst wäre dies ein Abenteuer! Kaspar ist hundemüde und verschläft die Heimreise. Auf dem Camping, was sieht das Glasauge, sind Jörg und Gisela, mit denen wir in Acapulco Weihnachten gefeiert haben. Ihr Schiff ab Veracruz ist ausgefallen und so müssen sie einen Monat Wartezeit überbrücken.

22.März - Pyramides de Teotihuacan

Mit dem Sammeltaxi zu den Pyramiden. Am Tor 4 steigen wir aus und marschieren zu den gigantischen Pyramiden. Das Volk, welches diese Bauwerke vollbrachte, lebte zwischen 100 v.Chr. bis 600 n. Chr. Wieso sie diese Kultstädte verliessen, ist unbekannt. Es lebten hier immerhin 150‘000 Menschen. Steigen die 248 Stufen zum Sonnentempel hinauf.

Grossartige Übersicht über die Tempelanlage. Eine schnurgerade Strasse von 2,7 km (früher 5 km) durchschneidet die Anlage. Sehr viele Touristen sind unterwegs. Der Mondtempel hat steile Stufen, so dass die meisten Touristen, so auch wir, auf allen vieren hinaufsteigen. Es ist echt anstrengend. Vor allem sind die Stufen unterschiedlich hoch. Der Reichtum dieser Stadt basierte auf dem ‚Obsidian‘/Vulkanglas, welches als Geld benutzt wurde. Viele Händler bringen ihre Ware, Pfeil und Bogen, Silberschmuck, Tiere aus ‚Obsidian‘ und schrecklich klingende Pfeifen an den Mann bzw. Frau.

Viele Schulklassen sind unterwegs. Zu Viert sprechen die Schüler gezielt Touristen an: ‚Do you speak English?‘ Auch wir stehen Red und Antwort, beantworten in Englisch ihre Fragen über Mexiko und werden dabei fotografiert. Beim Tor 3 verlassen wir die Anlage und wollen die mexikanischen 2 km bis zur Stadt marschieren. Zum Glück verlässt uns nach ein paar hundert Metern der Mut und wir nehmen ein Taxi, welches uns in die Stadtmitte bringt.

23.März - weiter nach 'Cholula'

Kaspar sortiert Fotos. Arbeit ohne Ende! Langes Abschiedspalaver mit den Belgiern, Franzosen, Aargauern und den Deutschen Jörg und Gisela. Vermutlich werden wir die Zwei nicht mehr sehen, denn am 24. April verladen sie nun definitiv ihren Camper in Veracruz. Bezahlen und zum hinteren, grossen Tor hinaus. Bereits nach 700 m haben wir uns schon verfahren. Wenden und finden nun auch den Supermarkt. Die 25 km nördlich zum ‚Arco Norte‘ und dann die 150 km nach ‚Puebla‘ resp. ‚Cholula‘. Nun sitzen wir im MAN und bereiten unsere nächste Route vor. Wer fährt auf den leeren Camping? Ein Schweizer Camper - Petra und Paddy aus Luzern. Essen zusammen draussen und trinken ein Glas Wein. Wird ein langer Schwatz mit Kafi Schnaps, echtem Schweizer Schnaps.

24.März - Palmsonntag in 'Puebla'

Heute ist Palmsonntag und somit soll in der Stadt bei den Kirchen einiges los sein. Mit dem Bus zum Zocalo. Leider fährt er nicht direkt und wir müssen ein paar Blocks entfernt aussteigen. Wohl oder übel zu Fuss weiter. Sind schon wieder hungrig und kehren bei einem einheimischen Beizli ein und essen ‚Cemitas‘ (eine Art Kebab im Sesambrötchen). Verweilen ein wenig im ehemaligen Viktoria Markt, in welchem heute schöne Läden sind.

Weiter zur Kirche ‚Santo Domingo‘ mit der ‚Capilla del Rosario‘, dem 8. Weltwunder. Und wirklich: es ist eine Barockkirche mit viel, viel Gold, wunderschön und beeindruckend. Viele Kirchgänger sind auf dem Weg zur Messe.

Am Eingang werden schön geflochtene Palmwedel und Kreuze aus Korn in allen Grössen angeboten. Es wird viel gekauft. Auch Ratschen mit Figuren werden überall angeboten. Für was diese sind, ist uns schleierhaft. Die Hauptstrasse und der Zocalo sind stark belebt. Die zweitgrösste Kathedrale von Mexiko ist sehr schön. In der Touristeninformation erfahren wir, dass ‚Puebla‘ 78 Kirchen hat.

Ganz in der Nähe ist eine schöne Bibliothek aus dem Jahre 1646 mit 45‘000 Büchern zu besichtigen - ähnlich der Stiftsbibliothek in St. Gallen (diese ist aber schöner).

Dann zur ‚Avenida Dulce‘, wo viele Süssigkeiten verkauft werden. Besuchen ein Interieur-Museum. Die Architektur dieses Eckhauses ist im Zuckerbäckerstil gehalten. Probieren auch die hiesige Spezialität ‚Chalapas‘ – kleine, gebratene Tortillas mit Tomatensauce, Käse, Poulet und Zwiebeln. In einem kleinen Geschäft findet Bigi schön geblümte, enge Hosen. Ob Kaspar so mit ihr in den Ausgang geht steht zur Zeit in den Sternen.

Über den artesianal Markt zurück zur Kathedrale. Hier findet ein Konzert mit dem Universität Chor statt. Die Komponisten sind jedoch für uns unbekannt und viele Chorstücke stammen aus den Jahren 1560 bis 1620. Die Kathedrale ist voll. Die grossen Türen werden leider nicht geschlossen und so vermischt sich der Aussenlärm mit der Chormusik. ‚Puebla‘ ist die Heimat der Keramikkacheln, -schüsseln etc. und diese bemalten Kacheln sind weltbekannt und werden auch exportiert. Mit dem Taxi geht’s in rasanter Fahrt etwas schneller nach Hause.

25.März - 'Cholula'

‚Cholula‘ ist die Stadt der 365 Kirchen und hier ist auch die längste (170 m), schön blau gestrichene Arkade von Mexiko. Besuchen vier Kirchen und Klöster.

Die Kirche ‚Los Remidos‘ steht auf dem Hügel über der alten Pyramide. Diese Kirche ist in allen Reiseführern vor dem ‚Popocatepetl‘ abgebildet. Dieses Foto muss aus extremer Entfernung von einem Hügel aus mit einem sehr guten Objektiv und bei Postkartenwetter geschossen worden sein. Kaspar ist enttäuscht! Unter diesem Hügel entdeckten Archäologen lange Tunnelgänge, welche durch den Berg zu den Mayatempeln führten. Besuchen diese noch gut erhaltenen Tunnels. Der Aufstieg bis zur Kirche ist in der Mittaghitze etwas anstrengend. Auf dem Rückweg kauft Bigi eine bunte Basttasche.

Zwei buntgekleidete Indios, genannt 'Voladores oder die fliegenden Männer', besteigen einen ca. 25 m hohen Turm und wickeln zwei Seile um die Stange. Mit Flötenmusik und Trommel lassen sie sich Kopf über im Kreis drehend zu Boden bringen. Bei der Bank ‚Santander‘ sehen wir eine Werbung für Autohaftpflichtversicherungen. Wir benötigen eine Verlängerung, denn unsere MAN-Versicherung für Mexiko läuft am 10. April aus. Leider kann der Verkäufer keine Versicherung für Touristen anbieten und er schickt uns nach ‚Puebla‘ zur ‚Zürich‘ Versicherung.

Also Taxi besteigen, eine Kehre zum MAN um Papiere und Führerschein zu holen und weiter an die Strasse ‚Benito Juarez‘. Wir sind 7 Minuten vor Ende der Siesta dort. Werden nett empfangen, aber auch die ‚Zürich‘ kann nicht helfen. Im Telefonbuch finden sie die ‚ANA‘ Versicherung, welche gerade nebenan ist. Bedanken uns und wir gehen zum übernächsten Haus. Oh Schreck, die ‚ANA‘ ist umgezogen. Bei der Peugeot Garage fragen wir nach. Sie können uns helfen, geben uns jedoch eine falsche Hausnummer an, sodass wir auch dort anbrennen. Wieder zurück zur ‚Zürich‘. Sie telefonieren für uns und notieren die korrekt Adresse. Wir marschieren 5 Blocks und finden 45 Minuten vor Arbeitsschluss die Büros im zweiten Stock. Auch hier nette Bedienung und Señor Rodolfo kann unsere Versicherungspolice verlängern. Der Preis für die Verlängerung ist jedoch verhältnismässig hoch. Längere Diskussion und in der Zwischenzeit ist Feierabend. Kommen morgen mit vielen US-Dollars nochmals vorbei. Wir müssen sofort abschliessen, denn von Donnerstag bis Sonntag ist Osterferien und arbeitsfrei. Wir sind froh, dass wir das Versicherungsproblem mit viel Geduld fast gelöst haben.

26.März - das Erlebnis mit der Versicherung

Also wieder mit dem Taxi nach ‚Puebla‘ zur ‚ANA‘. Sind etwas zu früh und gehen gegenüber ins Schweizer Restaurant ‚Chocolate et Café Paradeplatz‘. Hier werden fast nur Schweizer Produkte wie Nespresso, Mövenpickkaffee, Ragusa und Ovomaltineschokolade verkauft. Bigi lädt die etwas verspätete Homepage auf und beantwortet Emails. Dann über die Strasse zum Versicherungsbüro. Nun verkauft uns Rodolfo eine Jahresversicherung für 364 US$. Dies ist wesentlich günstiger, als wenn wir zweimal eine zweimonatige Versicherung abschliessen würden. Müssen die 346 US$ über der Strasse bei der Bank ‚Santander‘ cash einzahlen. Alle Noten werden auf Echtheit kontrolliert, indem die Schalterangestellte die Farbe mittels Reibtest prüft. Schlussendlich sagt sie uns jedoch, dass sie diesem Konto nur Cheques gutschreiben kann und kein Bargeld. Was soll das?! Also wieder zurück zu Señor Rodolfo. Grosses Palaver. Am Schluss bekommen wir eine Quittung gegen Bargeld und die schriftliche Zusage, dass der MAN wieder neu versichert ist. Die Police werden wir per Email in einer Woche erhalten. Beim Abschied steckt Kaspar Rodolfo zwei Nötchen zu, welche diskret verschwinden. Wir sind bei den mexikanischen Bräuchen angekommen! Nun müssen wir aber los, denn wir wollen noch auf den ‚Paso de Cortes‘.

Fahren über kleine Orte und Bigi muss mehrmals fragen. 30 Kilometer vor der Passhöhe ist Ende Teerstrasse und Kaspar muss Luft aus den Reifen ablassen. Gerüttelt und geschüttelt kommen wir auf dem Pass in 3500 m Höhe an. Die beiden Vulkane ‚Iztaccihuatl‘ (5230 m) und ‚Popocateptl‘ (5465 m) - von den Einheimischen liebevoll ‚Popo‘ genannt – hüllen sich vornehm in Wolken ein. An ‚Popocateptl‘ erinnert sich Kaspar noch aus der Schulzeit, da es so lustig tönt. Wie, wo und was, dies sieht er jetzt mit eigenen Augen! Bis vor 18 Jahren durfte man den ‚Popo‘ besteigen, seither ist dies zu gefährlich. 1994 begann der Vulkan zum ersten Mal seit 1921 wieder feine, schwarze Asche auszublasen. Seitdem kommt er nicht mehr richtig zur Ruhe und von Zeit zu Zeit qualmt er. Noch etwas Luft schnappen, doch Bigi macht sehr rasch schlapp und so gehen wir in den MAN an die Wärme.

27.März - Wanderung zwischen den Vulkanen

Der Vollmond bescheint den ‚Popo‘. Kaspar versucht mit allen Mitteln eine Nachtaufnahme zu machen. Dies gelingt nicht. Am Morgen 3 Grad C und Raureif. Der ‚Popo‘ ist jedoch total frei von Wolken.

Plötzlich speit er - ein für uns Schweizer grossartiges Erlebnis - riesige Dampfwolken in den Himmel aus und macht dabei grummlige Geräusche.Wir würden dieses Geräusch eher als ein hochfliegendes Flugzeug einordnen. Welch Glück, haben wir hier oben übernachtet und erfreuen uns an dem Spektakel. Registrieren uns für den Nationalpark und bezahlen die Gebühr. Lernen einen Mexikaner kennen, der gut Deutsch spricht und sogar unser Kennzeichen Solothurn zuordnen kann. Er war 1981 in Arosa als Skilehrer tätig und verdiente sich seinen Aufenthalt noch zusätzlich als Bäcker. Heute ist er Professor für Soziologie und Sprachen an der Universität in Mexiko City. Fast alle Leute fahren zum Basislager vom ‚Iztaccihuatl‘ hinauf, wir jedoch gehen zu Fuss. Ziehen unsere guten Schuhe an und wandern über ausgezeichnete, breite Wege Richtung Basislager. Hier wächst ein 50 cm hohes Steppengras und bis auf 4200 m Fichten.

Riesige Flächen werden neu mit Fichten bepflanzt. Besteigen einen Hügel, auf welchem eine Seismologische Station die Vulkane überwacht. Gegen Mittag kommt wieder Bewölkung auf und die Vulkane sind behangen. Ein mexikanisches Paar nimmt uns in einem uralten Auto noch den letzten Kilometer zum Basislager mit. Hier stehen einige Fahrzeuge und in einer windgeschützten Mulde ein paar Zelte.

Wir stärken uns im einzigen, kleinen Beizli mit vier Tortillas. Noch eine Viertelstunde weiter. Hier beginnt die zuerst einfache, später schwierige Bergbesteigung. Fragen verschiedene Mexikaner, wie lange es bis auf den Gipfel dauert. Von 4 bis 9 Stunden sind die Antworten. Die schöne Wanderung dauert 4,5 Stunden und geht bis auf 4000 m. Schuhe putzen, MAN-Reifen für die morgige Weiterfahrt pumpen und den Tag ausklingen lassen.

28.März - Vulkanroute und Osterstau am 'Popo'

Am Morgen ist der Vulkan ‚Iztaccihuatl‘ bis auf 4200 m hinunter teilweise mit Schnee bedeckt. Der ‚Popo‘ verhält sich ruhig. Einige Bergsteiger und Mountainbikefahrer sind frühmorgens schon auf dem ‚Paso de Cortes‘. Bigi fährt die auf dieser Seite geteerte, einigermassen gute Strasse bis ins Tal. Geraten in den Osterstau und unserer Ansicht nach nur wegen der vielen ‚Topes‘. Die Mexikaner fahren richtig haarsträubend! Die Spur wird gewechselt, wenn dies auch nur den Vorsprung einer Autolänge ergibt. Der nicht geteerte ‚Pannenstreifen‘ wird zum rechts überholen benutzt und auch eine Spur des Gegenrichtung. So bald ein Auto entgegenkommt, wird bei unserer Spur hineingedrängt. Auch der ‚Pannenstreifen der Gegenrichtung wird von einigen als unsere Fahrspur benutzt. Wir sind überfordert und bleiben schön in der Spur. Sind ein wenig gestresst. Ziel ist die Vulkan-Route.

Wollen einige der 14 Klöster aus dem 16. Jahrhundert besichtigen. Das Erste ist das Ex-Convento ‚San Mateo Apostol‘. Echt mexikanisch fahren wir möglichst nah heran. Natürlich wenden unter erschwerter Bedingungen um Häuserecken mit Dachvorsprung. Das Kloster ist ein festungsähnlicher, eindrücklicher Bau. Besuchen die Kirche und den Kreuzgang. Jesus am Kreuz ist mit einem violetten Tuch verdeckt.

Einige Statuen von Heiligen stehen in der Kirche. Die Leute spenden Geld für ihre Lieblings Heiligen und erhalten dafür einen Bibelvers als Bonbon verpackt. Die Vorbereitungen für ‚das letzte Abendmal‘ sind im Gang. Weiter nach ‚Yecapixtla‘. Wir lernen aber auch gar nichts! Schon wieder befinden wir uns mit dem MAN mitten in den engen Strassen im Gewühl. Fahren durch den Ort, auf der Umfahrungsstrasse zurück, parkieren einen Kilometer ausserhalb und gehen zu Fuss zum Kloster. Auf dem Vorplatz werden von Hand Raketen in die Luft gefeuert. Die Knallerei erschreckt die Gläubigen, Kinder, uns und die Hunde. Besichtigen die sehr schöne Kirche und bummeln über den lebhaften Markt.

Auf dem Rückweg sehen wir vor einem Restaurant eine ‚Beige‘ hauchdünnes Fleisch. Wir dürfen einen ‚Schnefel‘ in einer Tortilla probieren. Mmmh, schmeckt erstaunlich gut. Der Verkäufer fragt: ‚wie viel Meter oder Kilo?‘ Wir entscheiden uns für 500 g Rindfleisch (gepökelt).

Das nächste Ex-Convento ist in ‚Ocuituca‘. Der Polizist zeigt uns, in welcher Richtung wir parkieren können. In diesem Kloster sind die Feierlichkeiten schon vorbei und die Kirche wird gereinigt. Jesus hängt nun nicht mehr verdeckt am Kreuz.

Bestaunen den Kreuzgang mit der Originalbemalung aus dem 16. Jh. Das Museum und die zwei alten Brunnen sind wirklich sehenswert. Ein Touristen-Polizist, natürlich bewaffnet, erklärt uns alles. Wollen zum nächsten Kloster, die Strasse ist uns jedoch wegen zu tief hängender Kabel verwehrt. Müssen genau in entgegengesetzter Richtung auf Strassen mit riesigen Schlaglöchern zwischen grossen, braunen Felder auf die Autobahn Richtung ‚Puebla/Cholula‘. Auf den Feldern wird viel mit Pferd und Wagen gearbeitet.

Beim RV-Park angekommen, will uns der Wächter nicht auf unseren ‚gewohnten‘ Platz fahren lassen. Zwei Stunden später wissen wir warum. Vier grosse Wasser-Tanklastwagen fahren vor. Sie füllen viel Wasser in den gereinigten Pool, leider nur bis zur Hälfte. Bei einem LKW sieht Kaspar aus 20 m Entfernung, dass ein grosser Stein zwischen der Zwillingsbereifung eingeklemmt ist und macht den Fahrer darauf aufmerksam. Nun probieren sie den Stein zu entfernen. Kaspar bietet ihnen sein Stahlrohr als Hebel an. Nach längerem Probieren erklärt Kaspar mit Handzeichen, dass bei einem Reifen zuerst die Luft abgelassen werden muss. Sie schaffen es mit viel Geknortze. Fast alle der sechs hinteren Reifen sind ohne Profil und teilweise schaut schon das Gewebe hervor. Kein Wunder, sieht man an jeder Ecke ein ‚Vulcanizador‘ (Reifenreparaturwerkstatt).

29.März - Karfreitagsprozessin in 'Cholula'

Bigi überredet Kaspar zu Fuss zum Zocalo zu gehen. Auf dem Weg dorthin sehen wir die erste Prozession von hinten und spurten hintenan. Haben das Gefühl bereits um halb zehn alles verpasst zu haben. Teilweise sind die Gehsteige vor den Häusern mit Blumen und violetten Kreuzen geschmückt. Die grosse Prozession kommt gerade um die Kurve zum Hauptplatz. Bigi sprintet los - Kaspar schleicht hinten nach. Jesus mit dem Kreuz auf dem Rücken, Maria und andere heilige Frauen in bunten Kleidern werden unter Baldachins auf den Schultern getragen. Angeführt wird die Prozession durch Träger mit drei vergoldeten Standarten und einer Fahne gefolgt von Lampenträger mit brennenden Kerzen. Vorsänger marschieren mit, die Pfadfinder managen die Lautsprecheranlage und tragen die Kabel.

Die Gläubigen singen immer die gleichen, klagenden Lieder und viele haben einen offenen Regenschirm gegen die Sonne. Jedes Mal, wenn Kaspar einen Schirm vor der Fotolinse hat, ärgert er sich bis der Akku des Fotoapparates leer ist. Der Boden der 170 m langen Arkade ist wunderschön geschmückt in grün, gelb, braun, rot und blau – alles bunte Sägemehlschnitzel in Form von religiösen Symbolen hingelegt - und an der Seite stehen viele Blumentöpfe. Wir gehen auf die andere Seite des Platzes, um die Prozession noch von vorne zu sehen. Auch in den Strassen ist der Boden voll der bunten Bilder, welche die Bewohner selber machen. Alle sind mit Eifer dabei! Immer wenn die Prozession an einer Station des Kreuzweges anlangt, wird Halt gemacht und aus der Bibel die Bedeutung vorgelesen. An einigen Orten spielt ein kleines Orchester geistliche Musik. Zurück zum Hauptplatz, wo viele Gläubige auf die Ankunft der Prozession warten. Vor der Kathedrale wird eine Andacht gehalten. Ganz am Schluss geht die Prozession unter der Arkade durch und ist nun am Ende angelangt. Müllmänner sind bereits daran, die Strassen von den farbigen Spänen zu säubern. Kaspar sagt: ‚die sind noch schneller als die Solothurner nach dem Fastnachtsumzug.‘ Nun ist die Fastenzeit zu Ende und alle Restaurants sind voll und es wird gefeiert. Auch wir haben Hunger und essen etwas Einheimisches mit Mole, der aus 17 Zutaten gefertigten pikanten Schokoladesauce. Später schauen wir dem bunten Treiben auf dem Zocalo und im anschliessenden Park lange zu. Es ist ein grosses Fest mit Chilbi, bunten Luftballons, Essensständen, Souvenir und Süssigkeiten. Nun geht’s nach Hause. Sind sehr beeindruckt vom Gesehenen. Dies war Karfreitag einmal etwas anders.

30.März - Orgelkonzert

Der heutige Tag beginnt mit einer traurigen Nachricht. Unsere Freundin Marietta ist in der Nacht nach langer, schwerer Krankheit in Solothurn gestorben. Wir brauchen etwas Zeit zum Nachdenken und rufen Charly an. Bemerken, dass wir in letzter Zeit ständig auf Achse sind. Haben schon drei Wochen keinen Ruhetag mehr eingeschaltet. Bigi emailt und Kaspar werkt: Frontscheibe putzen, Generator in Gang setzen, Toilette reparieren usw. Am Nachmittag nehmen wir den Bus nach ‚Puebla‘, wo in der grossen Kathedrale ein Orgelkonzert stattfindet. Sind etwas zu früh und bummeln durch die Altstadt mit seinen vielen Strassenverkäufern.

In der Kathedrale suchen wir uns in der Nähe des Organisten einen guten Platz. Das Konzert hilft uns, die schon den ganzen Tag anhaltende Nervosität in den Griff zu bekommen und wir kommen allmählich zur Ruhe. Auf dem Heimweg beim Besteigen des Taxis will uns der Fahrer den Fahrpreis nicht nennen und fährt sogleich los. Wir rufen beide ‚stopp‘, aber es geht lange, bis der Fahrer anhält. Er sagt ganz ruhig: ‚alto‘ en Espangnol! Wir einigen uns auf den Fahrpreis und fahren nach Hause.

31.März - Ostern mit Überraschung

Wir lassen Ostern auf uns wirken. Der Nachtwächter kommt und informiert uns, dass eine Prozession zum Camping kommt. Es sind viele Getränke und Süssigkeiten bereit gestellt. Die Prozession mit der heiligen Jungfrau, begleitet von Blechmusik, kommt durch das Tor. Es ist die Heilige aus der berühmten Kirche auf dem Berg von ‚Cholula‘. Viele Gläubige folgen mit schönen Blumengestecken in deren Mitte eine kleine, silberne Heiligenstatue steckt. Die Holzkästen mit den Heiligen werden auf einen Tisch im Schatten abgestellt. Diskret wandert ein Nötchen von der Besitzerin in die Hand des Anführers der Prozession. Die Besitzerin und Sohn beten die heilige Jungfrau an. Dabei schwatzen die Gläubigen aber fröhlich weiter. Wir sind erstaunt, dass nie ein Geistlicher dabei ist. Vermutlich haben sie mit den vielen Messen genug zu tun. Nach einer halben Stunde bummelt die Prozession weiter zum nächsten Picknick.

Wir machen uns Gedanken über das Erlebte, feiern wir doch Ostern als das Auferstehungsfest Jesu Christi! Anschliessend brennt Bigi für die Besitzerin des Campings eine CD mit den Fotos des Geschehens. Sie freut sich riesig. Der Himmel bedeckt sich und vielleicht fängt es an zu regnen. Das Ostereier-Tütschen darf nicht fehlen!

Spazieren zum Zocalo und essen unter den blauen Arkaden. Übrigens hat heute der Oberpfadfinder Kasper ein Mexikoabzeichen auf sein Kissen genäht. Oh weh, schon nach 10 Sek. ein Knopf im Faden und der Finger fängt an zu bluten - Bigi lacht nur!