August 2009

1. August - Abschied vom Mittelmeer

Heute ist es leicht bewölkt. Ein letztes Bad im Meer für längere Zeit. Fahren die Halbinsel zurück bis Zigljen, um mit der Fähre aufs Festland überzusetzen. Wir sind nicht die einzigen, aber auf die Fähre passen sicherlich so 80 – 100 PWs. Nach 90 Minuten Wartezeit sind wir an der Reihe. Die Überfahrt kostet für unser Vehikel relativ viel (CHF 60.- mit 3 Personen) und dauert höchstens 30 Minuten. In Przna angekommen fahren wir ein Stück die E65 Richtung Zadar, um in Karlobag über einen Pass von 928 m zu kurven. Kurz Dieseltank und Kühlschrank auffüllen und Bigi nimmt noch ein allerletztes Bad im Meer (Kaspar und Regula sind zu bequem um die Kleider zu wechseln) – es ist immerhin 36 Grad! Wir fahren die Strasse 25 (gleiche Strasse wie letztes Jahr) durch schöne Täler und Landschaften mit Landwirtschaft (Gras). In ‚Kovenica‘ finden wir einen Stellplatz bei einem Restaurant, bei dem wie im Führer beschrieben ein Spannferkel auf dem Grill brutzelt. Es ist nicht gerade ein schöner Parkplatz, jedoch hinter dem Haus und vermutlich etwas laut. Fahren noch kurz zum 19 km entfernten Eingang zum Nationalpark. Auf dem Rückweg versuchen wir es bei einem Stellplatz bei einem Bauernhaus – dem Bauer seine Rechnung geht nicht auf! Er denkt wohl, wir seien blöd: er will 10 Euro pro Person. Also fahren wir zum brutzelnden Spannferkel zurück, denn eigentlich haben wir uns für den Schweizer Nationalfeiertag auf ein Spannferkel vom Grill eingestellt. Ruhen aus in unseren Liegestühlen und blinzeln immer rüber, denn es wäre wirklich dumm, wenn wir kein Spannferkel mehr erwischen. Mmmmh, Spannferkel mit Tomaten- und Krautsalat sowie Pommes Frites und zum Dessert Pfannkuchen und für Kaspar einen Slibowitz. Spannferkel kostet das Kilo 100 Kn (CHF 20.-), das ganze Nachtessen für 3 Personen mit Wein war CHF 45.-. Wie immer stehen wir unter einen Strassenlaterne, aber das stört uns inzwischen nicht mehr und wir schlafen relativ ruhig.

2. August - Nationalpark Plitvicka jezera

Die Nacht war kühl: 20 Grad! Fahren ca. 20 km in den Nationalpark ‚Plitvizer‘. Diese Seenlandschaft mit den schönen Wasserfällen dazwischen haben es uns angetan.

Wir fotografieren was das Zeug hält und wandern alle 9 Seen ab. Leider darf Bigi nicht baden, denn es ist Badeverbot im Nationalpark. Auf dem grössten See verkehren Elektroboote. Einen Weg fahren wir, den andern Weg wandern wir dem See entlang und sind fast gleich schnell wie die Boote. Natürlich gibt es Mittagessen aus dem Rucksack und einmal ein Glacé. Am Abend fahren wir auf den grossen Campingplatz ‚Korana‘. Hier könnten 2500 Leute sein, aber es ist nicht einmal die Hälfte gefüllt – Finanzkriese? Wir sind hundemüde vom wandern und amortisieren die Liegestühle.

3. August - Fahrt zum Lake Balaton/Ungarn

Fahren durch eine hüglige Ferienregion mit vielen Bed & Breakfast, Pensionen und kleinen Hotels bis Karlovac. Dann auf die Autobahn A6 via Zagreb an die Grenze nach Ungarn. Die Zollabfertigung ist schleppend. Auch unser Gefährt erregt Aufmerksamkeit und Bigi muss mehrmals aussteigen und hinten öffnen. Dann weiter auf der Autobahn Richtung Budapest. Anscheinend braucht es eine Vignette, die wir natürlich nicht haben. Am Lake Balaton, welcher grösstenteils nur 50 cm bis ein Meter tief ist, suchen wir einen Campingplatz am See. Finden diesen zwischen Balatonföldvar und Siofoke, wandern in den See hinaus zum baden und füllen wieder einmal eine Waschmaschine. Buchen für morgen einen Ausflug mit dem Bus nach Budapest mit Stadtbesichtigung und Mittagessen. Wir denken, dies ist die beste Idee, denn für unseren Camper einen Parkplatz zu finden ist fraglich. Gutes Nachtessen und zum Dessert ein Pfannkuchen vom Kiosk. Ein Gewitter zieht auf und der erste Regen seit etwa 2 Monaten prasselt auf unser Dach – trotzdem ist es immer noch 29 Grad!

4. August - Budapest

Zweites Gewitter in der Nacht und es hat auf 23 Grad abgekühlt. Es ist früh Tagwache, da uns der Bus um 07.45 Uhr abholt. Stadtbesichtigung von der Zitadelle über das Schloss zur Fischerbastei, Kettenbrücke, Milleniumplatz und kreuz und quer durch die schönen Strassen.

Nach dem Mittagessen eine Schifffahrt auf der schönen ‚grauen Donau‘. Seit unserem letzten Besuch hier im 2006 wurde viel renoviert. Wir haben noch etwas freie Zeit, welche wir zum einkaufen in der schönen Markthalle benützen: Paprika, Melone, Brombeeren, Brot und Salami. Dann wieder 2 Stunden Rückfahrt (100 km) zum Camping. Auf der Fahrt sehen wir zweimal eine Ausstellung von Panzern, Kanonen und Raketen. Die Feriengäste vergnügen sich auf und mit diesem Kriegsspielzeug aus der ehemaligen UdSSR. Heute hat Ungarn nur noch eine kleine Berufsarmee. Die Landschaft des Karpatenbeckens ist sehr flach mit riesigen Feldern, Getreide, Sonnenblumen und Graswirtschaft. Uns fällt auf, dass viele Ackerflächen brach liegen.

5. August - über Land in Ungarn bis Györ

Jetzt hat es richtig abgekühlt bis 20 Grad und das mitteleuropäische Wetter hat uns wieder! Bigi lädt das Internet auf und Kaspar MAN Bereitstellung. Auf der Autobahn (ohne Vignette) bis Szekesfehervar. Grosseinkauf, denn der Kühlschrank ist leer! Dann die 811 nach Tatabanya und weiter in die Stadt Tata. Tata war Grenze zwischen dem osmanischen (türkischen) Reich und der Christenheit, daher stark umkämpft. Erst um 1700 wurde das Städtchen im barocken Stil aufgebaut. Hier treffen viel Flüsse und künstliche Seen aufeinander. Besichtigen das Schloss mit Museum. In dieser Gegend wurden viele keramische Gegenstände hergestellt und die Schweiz wird auch erwähnt. Kaspars Herz schlägt höher - alles jedoch kein Vergleich zu Thuner Majolika. Dann weiter über Komeron bis 5 km vor Györ. Sind bei einem Restaurant auf dem Camping, denn heute wollen wir Ungarisch Gulasch essen. Hervorragende ungarische Gulaschsuppe und nachher Fleischgericht.
Abends gibt’s im Camper wieder einmal Mückenjagd. Regulas Kommentar dazu: ‚guet, isch de Chef emal au nöd perfekt‘ – eine Anspielung auf das ‚nicht treffen der Mücken‘, denn Kaspar schlägt fast nur daneben.

6. August - Bratislava, Eisenstadt, Neusiedlersee

Fahren über Györ, Moson-magyarovar auf der gelben Strasse nach Bratislava, vorbei an hässlichen Plattenbauten, welche nun dank Farbe etwas besser aussehen (sprengen!). Fahren über eine moderne Brücke über die braune Donau direkt zum Stadtzentrum. Bratislava wird von einem Schloss überragt. Die Altstadt hat sich schön herausgeputzt und wir bummeln durch die Gassen, sitzen auf dem Hauptplatz im schönsten Kaffee Mayer und genehmigen Kaffee und Kuchen (zu Schweizer Preisen).

In der Stadt verstreut gibt es vers. Bronzefiguren, die auch wir suchen und fotografieren: der Kanalarbeiter, der Paparazzi, der Wachsoldat, der schöne Mann, ein Soldat von Napoleon und der geniessende Restaurantbesucher.

Unser nächstes Ziel ist der Neusiedlersee in Österreich. Über die Autobahn nach Eisenstadt – Stadt von Haydn; hier hat er 28 Jahre gewirkt. Heuer wird der 200. Todestag gefeiert und überall begegnet man Haydn. Besuchen sein Wohnhaus mit einer sehr guten Ausstellung und mit Hilfe des Audioguide erfahren wir viel.
Nachher zum Weinbaudorf Rust, welches am flachen, 1 m tiefen Neusiedlersee liegt. Sehr gemütlich und touristisch mit vielen Weingütern, welche zum Heurigen und Essen einladen. Wir beschliessen an die Festspiele Mörbisch zu fahren, um Tickets für die Openairbühne ‚My fair lady‘ für heute Abend zu ergattern. Auf dem grossen Parkplatz stehen schon viele Wohnmobile. Vor der Abendkasse werden nicht benötigte Karten verkauft. Nach langem Suchen finden wir endlich bei zwei vers. Personen 3 Karten. Nach unserer Schätzung haben 6000 – 7000 Personen auf der Bühne Platz. Das Operettenspektakel beginnt um 20.30 Uhr und zur gleichen Zeit steigt der Vollmond rechts von der Bühne zum Himmel. Das Bühnenbild mit der Drehbühne in der Mitte ist die Skyline von London. Das Stück wird in österreichischem Dialekt aufgeführt und so kommt es vor, dass nur die Leute um uns herum lachen, da wir die Spässe nicht mitbekommen. Wir schätzen 200 Mitwirkende, die gut gespielt und gesungen haben. Zum Schluss gibt’s noch ein schönes Feuerwerk. Es war ein toller und unvergesslicher Abend und das Beste ist, wir können auf dem Parkplatz schlafen und müssen nicht in den Stau.

7. August - Stift Melk und Heurigen in der Wachau

Beim Verlassen des Parkplatzes ist die Schranke geschlossen. Gestern konnte man für die Festspiele ohne Ticket einfahren. Nach mehrmaligen Rückfragen wird die Schranke dann für uns geöffnet. Fahren durch schöne Rebbaugebiete zurück nach Eisenstadt und auf der Autobahn via Wien nach Melk. Das Stift Melk ist ein riesiges barockes Benediktinerkloster. Heute leben hier noch 31 Mönche und in der Schule, welche öffentlich ist (Schuldgeld 76 Euro pro Monat), werden ca. 900 Schüler aller Konfessionen unterrichtet. Einzige Bedingung für die Schule ist: der Schüler muss sich zu einem Glauben bekennen. Es lohnt sich hier die Klosterführung mitzumachen, denn hier werden sehr viele Informationen vermittelt. Das Stiftsmuseum ist gut, schön und verständlich gestaltet.

Die Barockkirche ist unglaublich gross und mit viel Blattgold verziert. Von 1978 – 2006 wurde fast alles total restauriert und renoviert. In der Bibliothek werden ca. 100'000 Bücher aufbewart. Um alle Bücher zu lesen muss ein Mensch 300 Jahre alt werden und jeden Tag ein Buch lesen - und vorallem auch Latein, Hebräisch und Griechisch können!
Spruch aus Stift Melk: Wie Wasser ein Spiegel ist für das Gesicht, so ist das Herz ein Spiegel für den Menschen.

Weiter am linken Donauufer entlang in die Wachau. Die Wachau ist ein 20 km langer Taleinschnitt, durch welchen sich die Donau zwängt. Schöne schmucke Weindörfer und Rebberge zieren die Gegend. Es ist Marillen (Aprikosen) Erntezeit. Wir kaufen und essen die feinen Früchte mit Genuss. In Rossatz gibt es einen schönen Stellplatz mit einer gediegenen Besenbeiz, wo wir den Heurigen mit Vesperplatte geniessen. Lernen den Hobby-Wirt, einen Polizisten kennen und kommen mit ihm und seinen Freunden ins Gespräch. Er ruft mal schnell den Wasserstand der Donau per Handy ab: 3,7 m - vor 3 Wochen waren es beinahe 9 Meter und bei 9,7 m steht das Wasser auf Höhe der Theke. Die Leute hier leben anscheinend mit Hochwasser, denn 2002 waren es über 10 m. Um den Schlamm des Hochwassers fern zu halten, fluten sie ihre eigene Wohnung mit Trinkwasser. Zuvor räumen sie die Möbel weg, die Böden sind aus Stein und somit entsteht fast kein Schaden. Lustiger, feucht-fröhlicher Abend mit Mirabellenschnaps, Mirabellenlikör, weissem und rotem Wein. Alle kommen unseren Camper besichtigen und unsere kleine Flasche Ouzo aus Griechenland ist im nu leer.

8. August - weiter nach Tschechien/Budweis

Morgenessen und Kaspar muss einmal Tagebuch nachführen, denn durch all die Aktivitäten der letzten Abende hatte auch er keine Zeit. Via Krems, das schöne Kamptal nach Horn und die Nr. 2 in die Tschechei nach Budweis. Von hier kommt das berühmte Budweiser Bier. Bummeln durch die etwas verlotterte und ausgestorbene Altstadt (Samstagnachmittag haben die Geschäfte geschlossen) zum Hauptplatz. Hier schön renovierte Barockhäuser mit dem Samsonsbrunnen in der Mitte. Nicht weit vom Platz besteigen wir den alten Glockenturm und sehen uns Budweis von oben an. Auf dem Rückweg zum Camper beschliessen wir direkt in das 190 km entfernte Prag zu fahren. Wir haben Glück! Auf einem der fünf Autocamp, alle in einer Strasse, finden wir noch einen Platz. Hier steht Wohnmobil an Wohnmobil, Hauptsache wir sind von der Strasse weg. Zu unserem Erstaunen sind hier fast ausschliesslich Italiener.

9. August - Prag

Fahren mit dem Tram Nr. 17 in 15 Minuten zur Karlsbrücke und überqueren diese. Auf der Brücke stehen viele Bilder-, Schmuckstände und Porträtmaler. Ebenfalls spielt eine Jazz Kapelle. Alle möchten etwas Geld von den vielen, vielen Touristen. An der Brückenfigur Nr. 15 sind Bronzetafeln angebracht, welche von vielen Touristen betatscht (gestreichelt) werden, so dass die Tafeln glänzen. Dann durch die Altstadt mit den schönen alten Gassen zur Burg Hradschin. Sehen uns um 12 Uhr die Wachablösung der Soldaten an. Kaufen kleines Besichtigungsticket und zwängen uns zwischen dem Besucherstrom durch die königlichen Räume. Sehen auch das Fenster des Pragersturzes. Mit diesem Ereignis begann der dreissigjährige Krieg. Natürlich schlendern wir auch durch das ‚goldene Gässchen‘ mit dem Haus des Schriftstellers Franz Kafka.

Kreuz und quer durch die Prager Altstadt mit ihren hunderten von Souvenirläden und schönen Restaurants. Wir in unserem Dusel erwischen prompt eine Pizza Touristenfalle. Schlendern über den Wenzelplatz mit Denkmal und schauen mit vielen Touristen der Astronomischen Uhr zu, welche 16 Uhr schlägt. Durch zwei Fenster oberhalb der Uhr kommen die 12 Apostel und verbeugen sich. Der Tod rechts der Uhr dreht die Sanduhr um - ein deutliches Zeichen. Nach dreissig Sekunden ist der Spuk vorbei. Im Lichtenstein Palast (Konservatorium) haben wir Tickets gekauft für das 17 Uhr Konzert mit Berufsmusikern. Ein Streichkonzert mit hervorragenden Instrumentalisten spielt bekannte Werke von Mozart, Vivaldi, Schubert etc. – wir sind begeistert! Danach Apéro an der Moldau und dann in ein uns bekanntes urchiges tschechisches Bierbrauhaus, wo Regula ihr von uns geschenktes Geburtstagsnachtessen einzieht.

10. August - nochmals Sightseeing in Prag

Regula und Bigi versuchen übers Internet ein Flug für Regula nach Zürich zu buchen: mit Erfolg (CHF 360.-). Mit dem Tram in die Stadt und zu Fuss ins alte Judenviertel. Besuchen diverse Synagogen und den bekannten Friedhof. Hier liegen 12‘000 Grabsteine und Gräber in vielen Schichten übereinander. Der Friedhof war bis 1787 in Betrieb. Chinesisches Mittagessen. Nachher nochmals auf den Hradschin in den Dom. Derselbe wurde erst 1929 fertig gestellt, 500 Jahre nach Baubeginn.

Altstadtbummel. Besteigen am Wenzelplatz den Neustädter Ratshausturm und schauen uns Prag aus der Vogelperspektive an.

Dann noch zu Europas schönster Synagoge ‚Spanische Synagoge‘, welche heute das jüdische Museum beherbergt. In Prag wollte Hitler ein Museum schaffen über eine ausgestorbene Gemeinschaft. Deshalb finden sich hier in Prag viele alte jüdische Kultgegenstände. Zurück zum Camp und die Beine hochlagern bevor es Spaghetti gibt.

11. August - Regula reist heim

Regula packt. Ihre Tasche ist schwer bepackt mit Souvenirs und so fahren wir mit Bus und Metro direkt zum Hauptbahnhof. Finden mit viel Mühe den Weg zum Express-Bus zum Flughafen. Da gerade ein Bus an der Haltestelle wartet, steigt Regula eben in einen früheren Bus als geplant und wird 3 Stunden am Flughafen lesen. Wir verabschieden uns von Regula und marschieren los Richtung Stadtzentrum. Gehen in unserem Lieblings Jugendstil Kaffeehaus ‚Imperial‘ Wienerkaffee mit Gebäck trinken und Kaspar liest wieder einmal eine Zeitung ‚Frankfurter Allgemeine‘. Nochmals bummeln. Da wir sehr müde sind beschliessen wir um 14 Uhr schon zum Camping zurück zu fahren und dort auszuruhen, Homepage schreiben, Fenster putzen etc. Es regnet 15 Minuten sehr heftig. Bigi im Camper vermisst Kaspar. Es stellt sich heraus, dass er schwatzen ist.

12. August - Wroclaw/Breslau (Polen)

Autobahn E65 bis Turnov und dann eine Touristenstrasse über einen kleinen Pass mit Skilift und Sprungschanze durch ein schönes Tal bis Jeleniagora (bereits in Polen). Dann weiter durch welliges Gelände mit vielen goldgelben Kornfeldern. Das Korn jetzt gerade geerntet. In dieser Gegend muss es ein Granitvorkommen haben. Alle paar hundert Meter sehen wir Grabsteinverkäufer, die auf ‚Kunden‘ warten. Es scheint als würde Polen von hier aus mit Grabdenkmälern versorgt. Weiter auf der Strasse Nr. 3, später Nr. 5 nach Wroclaw (früher Breslau). Nach dem Krieg wurde der alte Stadtkern total rekonstruiert und neu aufgebaut. Wirklich ein sehr schöner Platz mit Rathaus und Salzmarkt.

Überall versteckt findet man die Breslauer Zwerge, ca. 30 cm grosse Bronzefiguren. Kaspar hat etwa 6 Zwerge gefunden, es müssen jedoch viele mehr sein. Bummeln durch den alten Stadtkern und kaufen in der Markthalle Blaubeeren, Himbeeren und Pfifferlinge. Polen scheint uns billig zu sein. Die Häuser auf der tschechischen Seite sind immer noch ärmlich, aber alleweil noch besser als in Polen. Die Strassen in Polen sind schlecht und die Plattenbauten am Rande der Städte sind schlicht schrecklich. Stehen im Campingplatz beim Olympiastadion. 1950 sollte hier eine Olympiade stattfinden. Wir hoffen auf eine etwas ruhigere Nacht als in Prag.

13. August - zur Hauptstadt Polens

Diese Nacht hat es stark geregnet. Wir sind definitiv in Mitteleuropa angekommen. Kaspar’s kurze Hosen werden gegen Jeans ausgetauscht. Heute fahren wir ca. 320 km bis Warschau, d.h. bei durchschnittlicher Geschwindigkeit von 50 km etwa 6-7 Stunden. In Warschau suchen wir den Campingplatz in der Mitte der Stadt. Aber oha, der Campingplatz wurde vor einem Jahr geschlossen. Dies erfahren wir jedoch erst nach einigem Suchen und öfters wenden. Ein Taxifahrer erklärt uns dann den Weg zu einem anderen in der Nähe liegenden Campingplatz. Ohne Beschriftung finden wir diesen anhand unseres Stadtplanes im Europaatlas. Auf der Fahrt nach Warschau sind wir an grossen Obstplantagen, Brombeer-, Blaubeer- und Himbeerfeldern vorbeigefahren und am Strassenrand werden Pfirsiche, Zwetschgen und Äpfel angeboten. In den Waldabschnitten gibt’s Leute, die am Strassenrand Pfifferlinge und Blaubeeren verkaufen. Viele Radarfallen, welche jedoch zuvor signalisiert werden, säumen den Weg; sind aber meistens nicht geladen und niemand hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Auch gibt es im Freien zahlreiche Ersatzteillager für Autos, d.h. Türen, Kotflügel, Scheiben, Motoren etc. in Reih und Glied auf Gestellen geordnet. Unser rechtes Abblendlicht ist defekt, welches wir bei der MAN-Vertretung ersetzen lassen. Im Camping übertrifft sich Bigi mit dem Kochen: es gibt Pizza auf Kuchenteig und Zwetschgenwähe! Fein!

14. August - Warschau

Mit dem Tram ins Stadtzentrum. Steigen beim Kulturpalast, heute Technik-Museum aus. Ein von Stalin im Zuckerbäckerstil gebauter Palast von 230 m Höhe. Heute stehen daneben verglaste Hochhäuser mit Einkaufszentren und Hotelpalästen. Bigi hat Entzugserscheinungen und schleppt Kaspar in ein riesiges Einkaufszentrum. Hier findet man die gleichen Geschäfte wie in allen grossen Städten der Welt. Dann mit dem Tram zwei Stationen weiter. Die Nowy Swiat Strasse Richtung Altstadt. Schöne teure Läden und schöne Kaffees säumen die Strasse. Je näher wir der Altstadt kommen, um so mehr Schlösser, Kirchen und Denkmäler sind zu bewundern.

Am Schlossplatz mit der Sigismundsäule besteigen wir einen Turm, um die schön restaurierte und nach dem Krieg neu aufgebaute Stadt zu bewundern. Fahren mit dem Touristenbähnli eine Stadtrundfahrt. Der Hunger plagt uns und wir essen in einem kleinen, schönen Lokal polnische Spezialitäten (Teigtaschen mit Pilz und Krautfüllung).

Dann zum wunderschönen Marktplatz Rynek. Bummeln durch die Stadt und suchen am Schluss das letzte etwa 20 m lange originale Juden-Ghetto Mauerstück. War schwierig zu finden, da dies nicht angeschrieben ist und sich in einem Hinterhof befindet. Kaufen auf dem Quartiermarkt und einem Laden für Einheimische ein. Sind wieder einmal hundemüde vom Städtebummel zu Fuss.

15. August - über Land

Heute wollen wir zur Masurischen Seeplatte mit ihren etwa 3‘000 Seen. Ca. 260 km: E77 bis Plonsk, dann die Nr. 50 bis Ciechanow, Nr. 617 bis Przasnysz, weiter die 601 resp. 58 bis Maragowo und noch ein kurzes Stück auf der 591 Richtung Ketzyn. In Warschau erwischt Kaspar die Strassen-Nummer in die falsche Richtung: es gibt immer zwei Möglichkeiten mit 50 % Chance. Bigi regt sich etwas auf, aber keine zwei Stunden später passiert ihr dasselbe. Wir sind Könige im wenden und zum Glück gibt es ziemlich viele Kreisel, was die Sache vereinfacht! Das Land ist gewellt bis flach. Viele Kornfelder und Wälder säumen unsere Fahrroute. An der Strasse werden wieder öfters Pilze verkauft. Für uns unvorstellbar, einen Tag lang dort zu sitzen für ein paar Zloty. Auch ist heute Maria Himmelfahrt und wir sehen viele mit Bändern und Blumen geschmückte Kreuze. Leider sieht man die Seen von der Strasse aus wegen den Wäldern nur selten. Finden einen schönen Camping direkt an einem der Seen. Bummeln etwas herum und kaufen im Dorfladen ein. Inzwischen hat sich das Wetter etwas gebessert – die Sonne kommt teils hervor, es ist trocken und 20 Grad warm – und wir geniessen die Ruhe hier am Salentsee.

16.August - Masurische Seenplatte und Wolfsschanze

Nach einem Bad im See holen wir den Roller hinunter, setzen die Helme auf und fahren nach Ketrzyn. Etwa 8km von dort an der Bahnlinie war Hitlers ‚Wolfsschanze‘, das Hauptquartier. Hier geschah am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler in der Baracke durch Graf von Stauffenberg. Wäre die Tasche mit der Bombe auf der anderen Seite des Tischbeines deponiert worden, so hätte Hitler vermutlich nicht überlebt. Am Ort des Geschehens steht eine kleine Bronzetafel und auch für Graf von Stauffenberg gibt’s eine Gedenktafel, der später hingerichtet wurde. Wir schauen uns das Model der Bunkeranlage an und informieren uns anhand von Bildern über die Sippenhaft, welche über die Familien (Kinder und Frauen) verhängt wurde. Auch Dietrich Bonhoeffer wird erwähnt und in Bigi schwingt sein in Haft geschriebenes Lied: ‚Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen man. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.‘

Dann weiter über alte Kopfsteinpflasterstrassen Richtung Wegorzewo. Teils durch Allee mit knorrigen alten Bäumen, die wie Tunnels wirken. Auf dem Weg dorthin kommen wir auch noch an der Bunkeranlage ‚Heer Ost‘ vorbei, haben jedoch genug gesehen und fahren durch. Auf der Strecke nach Gizycko gibt’s am See einen Lunch: gebratene Barschfilet mit Salat und Mineralwasser (total Euro10). Kaspar verlangt noch in seinem Züridütsch Mayonnaise und Zitrone, was wir prompt erhalten! Über schmale schlechte Strassen an einem See entlang. Sehen einige Störche. Dann wieder via Mragowo zurück zum Camping. Nehmen ein freies Paddelboot und geniessen noch eine Fahrt auf dem See mit anschliessendem Bad. Roller aufladen und verpacken. Beschliessen bei diesem strahlenden Spätsommerwetter noch einen Tag anzuhängen. Kaspar kommt ins Gespräch mit dem Nachbarn und wir können mit Antibiotika aushelfen. Der Nachbar meint schlicht weg: ‚sie schickt der Herrgott!‘

Heutiges zum Schmunzel: JBeim zweiten Kaffee ist Kaspar zu bequem den Löffel im Camper drinnen zu holen und rührt mit dem Finger den heissen Kaffee - dabei verbrennt er sich. JZum Znacht gibt’s viertägiges Brot, worauf Kaspar meint: ‚häsch gmerk, dass ich nöd mal meh meckere?‘ JBigi sagt Kaspar, er soll Lesebrille holen, denn seine Augen ermüden sehr schnell. Er sagt jedoch: ‚kei Ziet!‘ J

17. August - ein Tag Ferien am Salentsee

Oh je, nachts ein kurzes heftiges Gewitter, aber am Morgen ist wieder strahlender Sonnenschein. Ein Tag Ferien ist angesagt mit faulenzen, lesen und waschen, Ruderboot fahren, Haare schneiden, halt einfach was man so macht, wenn man zu viel Zeit hat. Morgen geht’s dann wieder auf Achse.

18. August - Elblag und Marienburg

Die Nr. 16 bis Olsztyn und weiter auf der schlechten 527 nach Elblag. Diese Strasse war nicht gerade das Gelbe vom Ei. Nur um ca. 30 km einzusparen und weil Danzig ausgeschildert war, sind wir diese ausgefahrene Strasse mit Bodenrillen und seitlich starken Verwerfungen gefahren. Kaspar war etwas gestresst und wir sind richtig durchgeschüttelt – gut haben wir Schwingsitze, sonst hätten wir jetzt einen Rückenschaden und das Dach wäre verbeult. Ein Vermerk zur Fahrweise der Polen: sie fahren wie Räuber, überholen auch bei unübersichtlicher Strecke und doppelt ausgezogener Sicherheitslinie, in den Städten wechseln sie ständig die Spur, um nur ein paar Fahrzeuge schneller zu sein – Fahrausweis ist anscheinend der Hauptgewinn im polnischen Lotto. In Elblag schauen wir uns die Kirche und das Markttor an. Bigi hat sich in eine blutrote Blumenvase verguckt und auch gekauft. Eigentlich wollte sie im Ausverkauf ein grasgrünes Kleid kaufen - aber Kaspar’s Kommentar ‚das zieht ja d’Schnegge ah!‘ hat die Kauflust gebremst. Dann ein kurzes Stück auf der Strasse 2 nach Malbork/Marienburg. Der deutsche Ritterorden hat hier eine riesige Burg im Jahre 1307 – 1360 gebaut. Alles aus Backstein: 30 Mio. Backsteine wurden verbaut! Wir sind wieder im Lande der Backsteingotik angekommen. Bummeln rund um die Burg. Hier ist ein Paradies für Kinder, denn es gibt alles zu kaufen: Pfeil und Bogen, Ritterrüstungen, Armbrust, Burgfröileinkleider und vieles mehr. Haben gleich neben der Burg im Hotel ein schönes Restaurant gesichtet. Na ja, bei diesen Preisen lohnt sich die Mühe nicht, selber zu kochen. Gehen heute Abend in den Ausgang gut essen: ein Glas Sekt und geräucherten Lachs, gemischter Salat, Filet Mignon mit Dosenpfirsich und Käse überbacken, gedämpfte Champignon, Gemüse und Kartoffelkroketten; dazu eine Flasche amerikanischen Cabernet Sauvignon – und dies alles für 100 Franken!

19. August - Malbork/Marienburg

Am Morgen kaufen wir Tickets für eine 3-stündige Führung durch die Burg/Schlossanlage. Die Burg wurde 1945 fast total zerstört und ist nun bis auf die Kirche wieder neu aufgebaut und restauriert. Die Besichtigung ist sehr interessant. Bigi findet, sie habe nun wieder einmal genug Kultur pur gehabt. Bigi spendet sogar 20 Zloty für die Restaurierung der 8 m grossen Marienfigur. Die riesigen gotischen Säle wurden mit Fussbodenheizung geheizt, d.h. mit Löchern im Boden. Der grösste Saal benötigte dazu 30 Steher Holz um von minus 18 auf plus 18 Grad erwärmt werden zu können. Zum Abschluss einen kleinen Spaziergang durch die Schlossgärten. Kaspar will unbedingt noch eine polnische Grillwurst. Schmeckt wie ‚da häts meh Mehl dine als anders‘. Essen noch einen echt polnisch gedrehten zweifarbigen Softeisturm. Nachher Fahrt über die 55 bzw. 7 nach Gdansk/Danzig. Viel Verkehr. Kaspar meint cool: es macht den Anschein, hier wäre ein grosses wirtschaftliches Zentrum. Wollen in der Nähe der Altstadt auf einem Stellplatz übernachten, aber der Parkwächter verlangt 100 Zloty, was der doppelte Preis für ein Wohnmobil ist. Das lassen wir uns nicht bieten und fahren weiter. Im Stossverkehr noch ca. 15 km weiter nach Sopot, einst das mondänste Seebad der Ostsee. Noch heute spürt man den alten Charme. Machen einen Spaziergang der Ostsee entlang zum Ortszentrum. Es bläst ein bissiger Wind!

20. August - Gdansk/Danzig

Mit der S-Bahn in 25 Minuten für 4 Zloty (1 Euro) nach Danzig. Dann an der grössten Mühle, früher bis 6 Wasserräder, vorbei in die Markthalle. Weiter in die wirklich fein und schön restaurierte Altstadt mit den schönen bemalten Bürgerhäusern. Besuchen die Marienkirche und besteigen den Turm – 405 Stufen! Von oben sieht Danzig mit den Giebeldächern putzig aus.

Es herrscht viel Betrieb auf den schönen Gassen und Strassen. Bernstein wird an allen Ecken verkauft. Wir können fast nicht glauben, dass alle Händler auf ihre Rechnung kommen, denn es wird nicht allzu viel eingekauft. Beim Biskuitladen Copernikus, ein Sterngucker im 15. Jh., kaufen wir Blechschachteln gefüllt mit Gingerbread, welche wir als Adventsgeschenke mit nach Hause nehmen. Zwei Künstlertassen und handgefertigte Bonbons vervollständigen unsere Einkaufstüten. Dann an den Hafen mit dem bekannten Stadttor, welches zugleich einer der grössten Lastenkräne für damals war.

Setzen mit einer kleinen Fähre auf die gegenüberliegende Uferseite, um die Skyline von Danzig richtig ins Bild zu kriegen. Dann mit der Bahn zurück ins Camp, wo wir den gekauften geräucherten Barsch essen. Schmeckt sogar Kaspar, wenn er schön filetiert und ohne Geräte ist.

21. August - Leba an der polnischen Riviera

Auf die E68 bis Rede und dann die 216 bis Wladyslawowo, wo wir in einen grossen Stau geraten. Hier geht’s auf eine schmale Insel raus, ein Surferparadies und es ist Wochenendbeginn. Wir haben keine Lust auf zwei Stunden Stau, um nur da raus zu fahren. Kehren um zum schönen Rastplatz an der Helska und machen Pause. In Puck nehmen wir die 213 und ein kleines Stück 214 bis Leba. Hier stehen wir auf dem Campingplatz. Leba scheint für Polen so etwas wie die Riviera zu sein. Wir ziehen die Badehose an und marschieren am Hafenkanal mit vielen Fischerbooten zum Strand. Hier herrscht ein buntes Treiben. Viele Touristen vergnügen sich am Strand. Auch wir baden, liegen im Sand, schlafen und geniessen die Sonne. Abends kocht Bigi im Camper Rahmschnitzel mit den am Strassenrand gekauften Pfifferlingen. Abends bummeln wir durch Leba. Sooo viele Leute, das hätten wir nicht erwartet. Hier ist wirklich viel los: viele Souvenierläden, Gauckler, Strassenmusikanten, Chilbi, Essstände für jeden Geschmack, Spielautomaten und vieles mehr. Auch werden Trips mit Schnellbooten angeboten, welche bis 110 km fahren können. Mit 4 Aussenbordmotoren ( je 300 PS) jagen die Boote übers Meer, die Gäste stehen dabei im Boot und sind angeschnallt und mit Schwimmwesten ausgerüstet.

22. August - Poln.Sahara ‚ Slowinsky Nationalpark'

In der Nacht hat es längere Zeit stark geregnet. Parkieren vor dem Slowinsky Nationalpark Narodowy. Marschieren mit angeschnalltem Rucksack los. Eine schnurgerade alte Militärstrasse im Birkenwald zwischen Dünen und Süsswassersee. Auf halber Strecke hat es eine alte Raketenausstellung (1941-45 und 1967-75 in Betrieb). War alles für uns nicht verständlich angeschrieben und somit sind es 8,5 km bis zu den Dünen. Unterwegs spottet Kaspar: Die armen Polen fahren mit dem Elektrobähnli und die reichen Schweizer marschieren mit dem Picknick im Rucksack – so bleiben wir fit und schlank. Dann Schuhe und Socken ausziehen und Rutschpartie die Dünen hinauf. Der Sand ist weiss und sehr fein. Diese Dünen wandern pro Jahr bis zu 10 m. Viele Touristen sind hier und wir gehen durch die Dünen zum Strand. Dem Strand entlang marschieren wir die 8 km zurück nach Leba. Vom Regen in der Nacht ist der Sand recht hart und so geht das marschieren echt gut. Unterwegs suchen wir Bernstein und Bigi hofft, einige gefunden zu haben. In Leba gibt’s einen Glacé-Stop, denn wir sind richtig kaoh. Fahren nun weiter die 213 bis Slupsk und die 203 bis Darlowo. Hier soll die schönste intakte mittelalterliche Stadt sein. Sind enttäuscht und auch das pommersche Schloss ist schon geschlossen. Fahren auf einen 5 km entfernten Camping. Auf dem Camp kommt Kaspar nur noch mit eingeschalteter Differenzialsperre weiter und gräbt ein Loch von 50 cm; auch hier hat es letzte Nacht anscheinend stark geregnet. Geniessen die Abendsonne und Ruhe in der Natur im Liegestuhl.

23. August - Ostsee bis Zinnowitz/Insel Usedom

Die 203 bis Labusz, dann eine ‚gute‘ polnische Strasse nach Lazy zwischen Ostsee und Binnensee bis Kolobrez. Unterwegs nimmt Bigi mal ein Bad in der Ostsee, Kaspar verzichtet grosszügig. Nun die 102 durch den Nationalpark Wolinski nach Miedzyzdroje. An allen polnischen Stränden ist die gleiche Chilbi mit viel Ramschläden und Essständen. Wir geniessen ein Cola und suchen einen Briefkasten, aber in Polen ist dies Mangelware. Die Postkarten müssen unbedingt noch in Polen weg. Uns ist in Polen aufgefallen, dass die Polinnen sich adrett kleiden und herausgeputzt sind. Bei grösseren Ortschaften buhlen Lidl, Tesco, Netto und andere Supermärkte um die Gunst der Kunden und verdrängen die Tante Emma Läden, Sklep genannt. Das Leben in Polen ist für uns echt günstig. Lebensmittel sind billig und in Restaurants zahlt man mindestens die Hälfte weniger. Die Qualität ist jedoch nicht die gleiche, aber in Ordnung. Beschliessen heute noch nach Zinnowitz in Deutschland zu fahren. Dort kennen wir vom letzten Jahr (15. Juni) ein gutes italienisches Restaurant, wo es hervorragendes Rindsfilet gibt. In Swinoujscie, kurz vor dem polnisch-deutschen Grenze sind wir erstaunt, dass es nur mit der Fähre weitergeht. Soeben haben wir noch fast alle Zlotys ausgegeben. Das ist ja was: die Überfahrt mit der Fähre ist gratis! Kurz vor der Grenze tanken wir noch für das restliche Geld und füllen mit Kreditkarte noch den ganzen Dieseltank. Neben uns tankt der deutsche Mercedesfahrer auch Benzinkanister, Kaspar spottet und wir belächeln ihn. 20 km weiter in Deutschland erkennen wir den Grund: hier ist der Diesel 15 Cent (25 Rappen) teurer.

24. August - ein Tag Ferien im Strandkorb/Ostsee

Fahren 10 km nach Karlshagen, wo wir den Waschsalon kennen. Am Montagmorgen ist viel los und so müssen wir uns etwas gedulden und gehen Kaffee trinken. Bis zum Mittag haben wir unsere zwei Maschinen durch und Wäsche im Tumbler getrocknet. Nun auf an den Strand, im Strandkorb im Windschatten sünnele und lesen. Das Wasser ist nur noch 19 Grad, aber für ein kurzes Bad geht’s.

25. August - weiter nach Schwerin

Nach einem letzten Strandmarsch an der Ostsee im kühlen Sand gibt’s beim Bäcker ein kräftiges Frühstück. Fahren via Wolfgass die 111 mit der grossen blauen Zugbrücke bei Gützkow auf die Autobahn E22 bis Wismark, dann weiter die 106 nach Schwerin. Hier wollen wir die Bundesgartenschau 2009 besuchen. Parkieren und gleichzeitig übernachten ist fast ausgeschlossen für unseren MAN auf dem Wohnmobilplatz nähe Altstadt. Uns wird ein Camping 3km weit entfernt in einem Vorort empfohlen. Nachdem wir noch beim Finanzamt probieren, wo wir letztes Jahr ungestört übernachten konnten, fahren wir zum Stellplatz raus. Die Pächterin hatte die Idee mit dem Stellplatz für Wohnmobile, da die Stadtverwaltung es schlicht weg vergessen und verpasst hat, für die Bundesgartenschau einen schönen Stellplatz zu errichten. Der Caravan-Stellplatz ‚Freizeitanlage Kaspelwerder‘ mit Badestrand an einem Moorsee in Schwerin-Görries entpuppt sich als Geheimtipp! Alles für 10 Euro die Nacht und für das Frühstück können wir sogar frische Brötchen bestellen! Es beginnt leicht zu regnen und so essen wir erst mal Pommes und Currywurst. Gegen Abend nehmen wir noch ein Bad im See (Wasser 23 Grad).

26. August - Bundesgartenschau 2009 Schwerin

Heute ist es leicht bewölkt und wir packen die Regenjacken ein (Fehlgriff, denn es wird wieder heiss). Wandern die 2,5 km dem See entlang durch Gartenhäusersiedlungen nach Schwerin. Bummeln durch die 7 Gärten der Bundesgartenschau: Garten des 21. Jh., Schlossgarten, Burggarten, Küchengarten, Ufergarten, Naturgarten und Garten am Marshall. Alles wunderschön angelegt und mit dem Schloss eine prächtige Kulisse. Der Garten des 21. Jh. ist sehr interessant und pflegeleicht: anstatt Rasen sind es grüne Glasscherben, pflegeleicht und der Rasenmäher kann in die Ferien geschickt werden. Ein wunderschöner Tag und wir marschieren hundemüde zum Camper zurück, Beine hoch legen und den lauen Sommerabend geniessen.

27. August - Schiffshebewek Schärnebeck

Kaspars Morgengedanken: ‚ich inne, use, abwäsche, abtröchne und d’Madam sitzt a de Sunne‘. Wozu Bigi sagen muss, dass sie den Boden wischt und nass aufzieht, und dies unter dem Tisch sogar auf den Knien. Verlassen Schwerin auf der 321 bis Pritzier, dann folgen wir der Nr. 5 nach Lauenburg und von dort die 209 nach Lüneburg. 7 km vor Lüneburg in der Nähe von Schärnebeck machen wir Halt beim zweithöchsten Schiffshebewerk Europas. Der Elbekanal wurde erst 1976 fertiggestellt und so ist die Elbe nun schiffbar bei Tief- und Hochwasser. Die Durchfahrt durch den Kanal inkl. Schiffshebewerk kostet je nach Ladung für Frachter ab 2000 Euro – Öl ist teurer als Kies und es gibt über 200 Güterkategorien. Wir machen die Touristenvariante und fahren mit einem alten Schiff (Baujahr 1926) durchs Hebewerk. Sehr interessant, muss das Hebewerk doch 5‘800 Tonnen heben und dies nur mittels 4 Elektromotoren mit je 160 kW. Die Schiffsfahrt in den oberen Elbekanal 38 m höher und zurück dauert 1 ¾ Stunden.

Dann nach Lüneburg direkt auf den schönen neuen Stellplatz nähe Altstadt. Zu Fuss in die Altstadt, Besichtigung des alten Wasserturms (welcher 500‘000 Liter Wasser aufnehmen konnte), bummeln durch die Altstadt zum Rathaus und Marktplatz und lassen uns von einem asiatischen Schnellimbiss verleiten. Geniessen nochmals den lauen Sommerabend vor dem Camper bei 28 Grad, denn es soll morgen eine Kaltfront kommen.

28. August - Lüneburg und Solebad

Der Reichtum der Stadt Lüneburg war Salz. In der Stadt bummeln und zum Hafen. Kaspar will sich heute die Haare schneiden, er überwindet sich und seine Silberwolle wird beim ‚teuersten‘ Friseur abgeschnitten (20 Euro für waschen, schneiden, föhnen mit Beton).

Machen eine Stadtrundfahrt mit Kutsche und zwei richtigen Bierbrauerpferden. Lüneburg wurde nie zerstört und somit ist die Stadt wirklich schön erhalten.

Nachher Rathaus-Führung. Hier gibt’s 700-jährige Säle mit wunderschönen Holzschnitzereien zu bewundern. Dann zurück zum MAN und die Badehose einpacken. Wir gehen ins Solebad ‚Salztherme Lüneburg‘, wo wir uns in den diversen Sprudelbecken erholen.

Weiterfahrt über Bispingen, Munster, Müden nach dem schönen alten Barockstädtchen Celle. Bummeln durch die Altstadt mit den 450 schönen Fachwerkhäusern. Weiter nach Hannover, wo wir bei Werner und Annemarie (Onkel und Tante von Bigi) zum Nachtessen erwartet werden. Gemütlicher Abend mit leckeren Krackauerwürsten, Bohnen und einer guten Flasche Wein.

29. August - Lüneburger Heide

Fahren zur Lüneburger Heide am Wilsederberg. Bei Undeloh, einem kleinen Touristenort mit vielen Souvenirläden (Lammfelle, Erikagebinde, Honig, Schnaps und sonstigem Kitsch) besteigen wir eine der vielen Kutschen, welche die Touristenmassen in den Naturpark fahren. Erst hier sieht man die Heideflächen mit den violetten Erikastauden. Man muss hier in den Naturpark fahren, ansonsten keine Chance die Lüneburger Heide zu finden. Marschieren zum Todgrund, einem kleinen Tal ohne Wasser, daher der Name und von den Bauern nicht genutzt. Zurück zu Fuss entlang der Pferdekutschenstrasse nach Undeloh – wir sind fast so schnell wie die Pferdefuhrwerke.

Weiterfahrt über Bispingen, Munster, Müden nach dem schönen alten Barockstädtchen Celle. Bummeln durch die Altstadt mit den 450 schönen Fachwerkhäusern. Weiter nach Hannover, wo wir bei Werner und Annemarie (Onkel und Tante von Bigi) zum Nachtessen erwartet werden. Gemütlicher Abend mit leckeren Krackauerwürsten, Bohnen und einer guten Flasche Wein.

30. August - Hannover

Morgens gehen wir in den Gottesdienst der Baptistengemeinde Walderseestrasse, wo Werner von 1970 – 82 Pastor war. Bigi stöbert ein wenig in der Festschrift der Gemeinde zum 150 Jahr Jubiläum (2004). Hier findet sie einen Artikel von Werner. Er schreibt, dass es nicht auf die Gottesdienstform, die Veranstaltungen oder so ankommt und dass der Schwerpunkt seiner Verkündigung ‚die Liebe Gottes‘ war. Wie wahr auch heute noch! Nachmittags Besichtigung der Herrenhäusergärten.

31. August - Sightseeing Hannover

Fahren mit Werner ins Stadtzentrum von Hannover. Die Stadt war völlig zerbombt und ausgebrannt. 1943 zählte sie 250‘000 Obdachlose – das soll sich mal jemand vorstellen! Alles ‚modern‘ aufgebaut. Ein kleiner Teil der Altstadt wurde restauriert. Das Rathaus von 1912 ist sehr gross, und man kann mit einem Schräglift (der einzige der Welt) 86 m an der Kuppel hinauffahren. Guter Überblick von oben über die Stadt. Hannover hat einen Stadtwald, der fast rund und zwischen der Stadt durchgeht. Dann mit der Strassenbahn zurück zum Camper. Kleiner Einkauf beim neuen Edeka (Einkaufszentrum) in der Nähe: Sehr schöner Laden mit schönen Frischprodukten, Fleisch und Fisch.

Wohl einen der letzten schönen Sommerabende verbringen wir mit Werner und Annemarie im Biergarten im Stadtwald. Sehr gutes griechisches Essen!