Oktober 2009

1. Oktober - Kaspar wird 63 !

Fahren den gleichen Weg wie gestern mit dem Roller bis nach Sarlat und dann 9 km zu den schönen Gärten des ‚Chateau Marqueyssac‘. Von diesem Plateau hat man eine wunderschöne Aussicht ins Tal der Dordogne und auf drei weitere Schösser in der Ferne. Wir sind begeistert von diesem Landstrich. Fahren gegen Westen via Bergerac nach dem Winzerstädtchen St. Emilion (Nähe Bordeaux). Hier waren wir letztes Jahr und wissen, dass es hier schöne Restaurants zum feiern gibt. Kaspar hat per Telefon und SMS viele gute Wünsche bekommen. Es denken doch noch einige Freunde an Kaspar! Na ja, kurz vor dem Ort kommt die runde Tafel mit rotem Ring und Innschrift ‚2 m‘ – ergibt zur Feier des Tages einen Umweg von knapp einer Stunden und das Tüpfchen auf dem ‚i‘ - quer durch Libourne: Kaspar fährt und Bigi sperbert nach Wegweisern. Abends finden wir ein kleines gemütliches Restaurant und essen ein 4-Gang-Menu: Plat gourmand, Filet Mignon, Käse, Dessert und eine Flasche St. Emilion. Alles sehr gut und reichlich – für Euro 95.- (CHF 150.-). Eine gelungene Geburtstagsfeier für Kaspar!

2. Oktober - Weingebiet Medoc

Nochmals kurz in die Altstadt von St. Emilion, Kaffee trinken und Maccarons kaufen. Dann mit Navigationssystem nach ‚Pauillac‘ durch die Weingegend ‚Medoc‘. Hier sehen wir riesige Rebgebiete und schöne Schlösser. Wollen eine Führung beim ‚Chateau Mouton Rothschild‘ machen, aber die sind auf Tage ausgebucht. Im Shop sehen wir auch keinen Wein in unserer Preislage (Flasche ab 60 Euro!). Die Traubenernte ist voll im Gang. Bei den guten Weinen wird noch von Hand gepflückt und in Plastikboxen von 40x70 cm auf die bereitstehenden Wagen mit Traktor gestellt. Von hier zum Pressen in das Weingut. Wir sehen auch viele spezielle Pflücktraktoren, hochbeinig, die die Handarbeit überflüssig machen. Weiter durch schmucke, jedoch fast leblose Weindörfer zum Punte de Grave. Hier gefällt es uns jedoch nicht und Bigi (Kaspar ist zu müde) fährt ein Stück auf der Landzunge zurück bis nach Haurtin. Hier am grossen Süsswassersee stehen wir auf einem Stellplatz unter hohen Pinien. Kurzer Spaziergang am See, in die Abendsonne blinzeln und schon ziehts Kaspar wieder in den Camper – heute gibt’s Cordon bleu und wir öffnen unsere Flasche St. Emilion (von zu Hause).

3. Oktober - Le Bassin d'Arcachon

Fahren ans ‚Le Bassin d’Arcachon‘, genau ans ‚Cap Ferret‘. Stehen in Sichtweite des roten Leuchtturms. Bigi findet mit sicherem Instinkt ein hübsches am Hafen gelegenes kleines Restaurant, in welchem ‚huîtres‘ (Austern) frisch ab Fabrik serviert werden. Wir bestellen zusammen 12 Austern mit einem Glas Weisswein und finden die Austern ganz gut. Kaspar munkelt: ‚ich werde noch zu einem Feinschmecker‘. Da Ebbe ist können wir quer durch die auf Grund gelaufenen Schiffchen waten, um ganz in der Nähe eine Austernfarm zu besichtigen. Die Austernkörbe sind etwa 70x40 cm gross, in welchen ca. 100 – 200 Austern wachsen. Bis die Austern reif zur Ernte sind dauert es ca. 2 – 3 Jahre. Je nach Grösse kosten diese im Restaurant pro Stück 70 Cent bis 1 Euro. Zu Fuss gehen wir dem Strand entlang noch bis zur Schiffsanlegestelle. Zurück beim Camper nimmt Bigi ein kühles Bad – Kaspar hat die Badesaison bereits abgeschlossen. Sitzen in der warmen Herbstsonne und geniessen den Sonnenschein und die Aussicht. Viele Franzosen warten auf die Flut, um ihre Schiffe ins Winterlager zu bringen. Gehen abends nochmals ins kleine hübsche Restaurant. Wer weiss, wann wir das nächste Mal Austern essen und dies direkt ab Fang.

4. Oktober - Dune du Pyla

Fahren früh um das Bassin d’Arcachon bis zu den 117 m hohen Dune du Pyla. Stehen wieder am gleichen Ort wie letztes Jahr. Rucksack mit Picknick packen und schon geht es los auf die Sanddünen. Besteigen dieselben über die 150 Treppenstufen und treffen oben auf viele Touristen. Fantastische Aussicht auf die vorgelagerten Sandbänke und Cap Ferret, wo wir gestern waren. Die Austernfischer mit ihren speziellen Booten ernten die reifen Austern. Wir marschieren (etwas viel gesagt im Sand) bis zum höchsten Punkt. Nun will Kaspar nicht mehr weiter – musste ja vor einem Jahr die ganze Düne ablaufen! Geniessen Picknick und schlafen im Sand. Bigi will natürlich an den Strand runter zum baden. Kaspar weiss ja, dass ….…. Nachher gibt’s ‚zur Belohnung‘ ein Glacé. Zurück zum Camper und lesen. Kaspar macht den Vorschlag, nochmals auf die Düne zum Sonnenuntergang zu gehen. Bigi muss man dies nicht zweimal sagen, sie ist sofort einverstanden und wir packen noch einen Piccolo-Sekt ein. Einfach fantastisch da oben zu sitzen und aufs Meer und die untergehende Sonne zu blicken!

5. Oktober - na ja, ohne Panne gehts wohl nicht

Fahren den Dünen entlang bis nach Bicarrosse. Dort ist ein grosser Supermarkt, wo wir unsere Vorräte ergänzen. Kaspar erblickt gleich daneben eine Wäscherei und so wird gewaschen und im Schatten gewartet. Kommen ins Gespräch mit einem Schweizer und einem befreundeten Pärchen vom Bodensee, welche eine Panne mit ihrem VW Typ II haben. Sie müssen auf das Ersatzteil warten und so laden wir sie zu einem Kaffee ein.Kaspar meint nachher nur: ‚die jungen Leute brauchen diese Erlebnisse, denn so können sie noch lange davon zehren und erzählen!' Bigi will unbedingt noch einmal im Atlantik baden. Kaspar gibt nach und so fahren wir Richtung Atlantik. Kurz vor Mimizan – oh Schreck, die rote Lampe am Armaturenbrett leuchtet auf! Der Keilriemen ist gerissen – kein Wunder, hat schon seit ein paar Tagen früh morgens gequietscht! Nach 500 m gibt’s zum Glück einen guten Ausstellplatz. MAN-Kabine aufheben und Schaden begutachten. Ersatzkeilriemen vom Dach holen. Aber nun die grosse Frage: wie kriegt man den Keilriemen auf die Poulis? Hier müsste einiges demontiert werden. Sicherheitshalber zuerst ein Telefon zu MAN in Weil am Rhein. Dort bekommt Kaspar kompetente Ratschläge. Kaspar muss ziemlich viel demontieren und stellt fest, welche Werkzeuge auch noch nützlich wären (div. spezielle Gabelschlüssel mit Rätsche, eine Matte zum drauf liegen und ein Hartholzstück). Am Ende der Reparatur ist Kaspar von Kopf bis Fuss dreckig und verschwitzt. In der Werkstatt haben sie für diese Reparatur ca. 45 Minuten – na ja, Kaspar hat 2 Stunde 59 Minuten benötigt und ist sich sicher, dass es das nächste Mal schneller gehen wird! Mit baden ist es heute nichts mehr und auch das Wetter hat sich verschlechtert, obwohl es immer noch sehr heiss ist.

6. Oktober - nochmals baden im Atlantik

Wandern ins Dorf um Kleinigkeiten einzukaufen: Brot, Gebäck, Zeitung und Briefmarken. Wir haben von unserem Reisebüro in Zürich eine Nachricht erhalten, dass wir die Schiffspassage für nächsten Sommer nach Buenos Aires/Argentinien unbedingt buchen sollten. Das Provisorische muss nun definitiv gebucht werden. Also macht sich Bigi ans ausfüllen der Formulare und Kaspar sucht alle nötigen Dokumente zusammen wie Pässe, Krankenkasse, Fahrzeugausweise MAN und Roller und Impfzeugnisse. Bigi kann das ausgefüllte Email-Formular jedoch nicht zurückmailen. Also Telefon mit dem Reisebüro und so beschliessen wir einen Fax zu senden. Heute morgen haben wir dort, wo wir die Zeitung gekauft haben, ein Schild ‚Fax Point‘ gesehen. Somit marschieren wir wieder ins Dorf und erledigen dies. Bigi geht noch an den Strand baden – für Kaspar eine ziemliche Überwindung, dies auch zu tun. Aber es ist wirklich schönes Wetter und es hat sich schlussendlich gelohnt! Zum Znacht sind Moulles mit Frites angesagt (zum ersten Mal diese Saison!).

7. Oktober - in die Pyrenäen

Fahren auf die Autobahn E5 bis Castets. Hier wechseln wir auf die D947 über Orthez nach Oloron de St. Marie. Über eine schmale holprige Strasse nach Arudy und von dort die D439 bis ins schmucke Bergdorf Laruns. Stehen hier inmitten Bergen auf einem Stellplatz. Es ist 32 Grad C und feucht heiss! Bei der Information des Nationalparks der Pyrenäen lassen wir uns für eine Seenwanderung begeistern. Hoffentlich hält das Wetter noch ein wenig. Es bläst ein sehr starker und böiger Wind! Kaufen noch Käse und Wildschweinsalami und Bigi geniesst wieder einmal die Berge. Eine Böe hat unsere Postkarten verweht und Kaspar spurtet den Karten hinterher. Karten sind leicht lädiert, aber könnte ja auch auf der Post geschehen sein. Nachts setzen heftige Regengüsse ein.

8. Oktober - 7-Seenwanderung im Nationalpark

Wir haben die Schreibwut und müssen hier in Frankreich nochmals zur Post um Briefmarken zu kaufen. Fahren die D934 weiter bis Gabas, dann rechts in den Nationalpark der Pyrenäen ‚lac d’Ayous‘. Am Ende der schmalen Strasse parkieren wir und bereiten uns für die 5-stündige ‚7-Seenwanderung‘ vor (Höhendifferenz 600 m). Bei durchzogenem Wetter marschieren wir durch die farbig-bunten Herbstwälder bis zum Refuge d’Ayous. Hier hat man eine herrliche Aussicht auf die auf vers. Höhenstufen liegenden Seen, das Tal und den teils wolkenbehangenen Pic du Midi d’Ossau (2884 m).

Wir picknicken bei angenehmen 22 Grad auf 2000 m! Dann weiter zum obersten See. Der Aufstieg war angenehm, doch der Abstieg ist zum Teil sehr steil und steinig und geht in die Knie. Über eine Alp mit Pferden – hier sehen wir feisse Murmeltiere – zurück zum MAN. Wir haben grosses Wetterglück: es hat nur schwach geregnet, aber während wir im Camper Kaffee trinken fängt es an zu schütten. Wir fahren noch ein kurzes Stück Richtung Col du Pourtaler hinauf bis Artouste Fabrèges am leeren Stausee. Hier ist eine kleine Retortenstadt mit Gondelbahn und einem kleinen Zug, welcher auf ca. 2000 m führt. Leider ist wie überall in Frankreich die Saison bereits Ende September zu Ende! Nun sitzen wir gemütlich im Camper und lauschen dem heftigen Regen.

9. Oktober - über Col de Pourtaler nach Spanien

In der Nacht hat es stark geregnet, aber jetzt ist es wieder wunderschönes Wetter! Bigi fährt den MAN auf den Col de Pourtaler (1794 m). Auf der spanischen Seite wird eingekauft. Hier wird vor allem Schnaps in grossen Mengen angeboten. Kaufen guten spanischen Rohschinken, Turron und für Kaspar einen Brandy. Trinken einen Espresso für 1 Euro. Die Kaffeepreise in Europa sind sehr unterschiedlich. Man kann jedoch sagen: je weiter südlich je billiger und auch noch besser. Fahren an einem grossen Skigebiet mit vielen Liften und grossen Appartementhäusern vorbei. Die Strasse 136 bis Biescas und von dort die N260 über Broto, Ainsa und Vilaller ins Vall de Boi. Stehen an einem romantischen Fluss in Barruera und machen noch einen Spaziergang. Heute sind wir kreuz und quer durch die abwechslungsreiche Herbstlandschaft der Pyrenäen gekurvt und haben unseren Muskelkater kuriert. Fahren über kleine Pässe und durch eine happige schmale Schlucht. Präzis an der engsten Stelle in einer Rechtskurve kommt Kaspar ein Sattelschlepper entgegen. Beide Vollbremsung und Kaspar setzt geübt ca. 150 m zurück, damit wir kreuzen können.

10. Oktober - Wanderung im Nationalpark

Kaspars Spruch zu Bigi: ‚Du kommst mir vor wie ein Schimpanse im Gorillakäfig‘! - Kaspar hat gelesen, dass im Zoo die lebhaften Schimpansen in den Gorillakäfig gebracht werden, um diese faulen Tiere zu animieren, sich zu bewegen.
Kaufen Brot und trinken Kaffee in Barruera. Dann kurzes Stück bis zum Parkplatz, wo es in den Nationalpark ‚d’Aigüestortes i Estany de Sant Maurici‘ geht. Wandern durch das Tal ‚Ribera de Sant Nicolau‘ dem gleichnamigen Fluss entlang bis zum Aussichtspunkt Aigüestortes auf 1820 m. Die Wanderung geht sanft bergauf auf gut ausgebauten Wanderwegen. Wir sehen viele verschiedene Pilze. Die Blätter der Pappelwälder sind goldgelb. Der kleine Fluss hat schöne Wasserfälle und fliesst in der Hälfte des Wegs in einen Bergsee. Der letzte Anstieg ist dann doch noch happig. Am Ziel angekommen finden wir einen guten gedeckten Picknickplatz und werden daher nicht verregnet. Bis hierhin gibt’s auch einen Taxisdienst mit Allradfahrzeugen. Viele Spanier nutzen diesen Service. Kaspars meint: ‚die Spanier sind etwas faul und nicht so berggängig wie ich‘ (haha!). Tiere sieht man leider keine, nur Kühe, Ziegen und Schafe. Trotz nicht allzu gutem Wetter war auch diese Wanderung ein voller Erfolg! Kaspar hat keine Blasen an den Füssen, d.h. so hat ihm das Wandern Spass gemacht. Fahren zurück zu unserem Übernachtungsplatz und geniessen die Erholung im Camper. Abends gehen wir ins Dorf für ein gemütliches Nachtessen. Oh je, wir sind ja in Spanien! Nachtessen frühestens um 20.30 Uhr. So stopfen wir uns eben mit Tapas voll und trinken ein Glass Rotwein.

11. Oktober - wunderschöne Herbstwanderung

Bleiben noch einen Tag. Der Himmel ist wieder fast wolkenlos. Marschieren mit Rucksack ins Dorf und geniessen erst einmal Kaffee und eine Tortilla. Im Vall de Boi gibt es 8 Kirchen, welche im romanischen Stil (11./12. Jh.) gebaut wurden. Heute ein UNESCO-Weltkulturerbe. Wandern das schöne Tal zwischen Hecken und Sträuchern dem Fluss entlang bis hinauf nach Eill la Vall. Hier besichtigen wir die erste Kirche und besteigen auch den Kirchturm. Dann eine kurze Strecke nach Boi zur nächsten Kirche. Unterwegs sammeln wir Brombeeren fürs morgige Frühstück. Ein Knie von Kaspar macht leider die Strapazen nicht mehr mit und so entscheiden wir uns, nur noch den eineinhalbstündigen Rückweg ohne Umweg zu nehmen. Auf dem Weg haben wir Heuschrecken gesehen, welche einigermassen gut fliegen können. Die Heuschrecke ist dunkelgrün, wenn sie jedoch fliegt hat sie hellblaue Flügel wie ein Schmetterling. Sitzen noch etwas in der Abendsonne und Kaspar putz die Wanderschuhe – unser spanischer Nachbar putzt den Camper aussen. Wir wundern uns öfters über die blitzblanken Wohnmobile – die Männer haben wohl nichts zu tun! Nach dem Essen laden wir ein verliebtes Deutsch/Spanisches Pärchen zum heissen Tee zu uns ein. Haben ein gutes und lustiges Gespräch. Jetzt wissen wir auch, weshalb es hier im Tal nur so von Spaniern mit Kind und Kegel (und Hunden) wimmelt: morgen Montag ist ein Feiertag und die Leute kommen hier rauf ins verlängerte Wochenende (von Barcelona nur 3 Stunden Fahrzeit).

12. Oktober - wieder mal einige Kilometer fahren

Zuerst in unser Lieblingsrestaurant ‚Plato‘ ein Tortilla-Sandwich essen, dann Wasser auffüllen und weg sind wir. Fahren die N230 durch bergige Gegend an Stauseen entlang bis Benabarre. Ein kurzes Stück die N123 und nachher auf die N240 nach Huesca. Diese Strassen schlängeln sich durch hügliges Gelände in Sichtweite der hohen Pyrenäen. In dieser Gegend hat es viele grosse Schweinemastbetriebe und es stinkt streckenweise sehr stark. Wir folgen der A123 durch eine fruchtbare Ebene (Getreideanbau) bis Zaragoza. Es windet sehr stark. Auf einem Plateau drehen im Takt hundert oder mehr Windkraftwerke. Dann auf die Autobahn A2 Richtung Madrid. Verlassen diese bei Calatayud und folgen der 210 bis 5 km vor das ‚Monasterio de Piedra‘. Die Fahrt über schöne, kurvige Strasse führt an Weinbergen vorbei. Die Reben wachsen hier auf dem Boden und sind nicht an Stangen aufgebunden. Hier sehen wir auch grosse Fruchtplantagen wie Aepfel, Kirchen, Aprikosen etc. Nun stehen wir auf einem Rastplatz über dem Stausee und geniessen die Abendsonne. Auf dem Weg haben wir auf einem Strassenmarkt, wo nur Pilze angeboten werden, tüchtig eingekauft: 600 g uns unbekannte Waldpilze, u.a. einen riesigen Steinpilz (25 Euro/Kilo). Bigi hat den Pilzverkäufer gefragt, wie man die Pilze am besten zubereitet. Er hat immer von ‚Acceto‘ gesprochen, aber Bigi kennt nur ‚Acceto balsamico‘, und mit Essig braten oder dünsten? Das Spanisch Wörterbuch gibt des Rätsels Lösung: es handelt sich wie vermutet um Öl. Um nach dem Pilzgericht noch satt zu werden, haben wir zusammen noch einen ‚Quick Lunch – Nüdeli à la Züri-Geschnetzeltes‘ gegessen.

13. Oktober - Monasterio de Piedra

Heute wollen wir das ‚Monasterio de Piedra‘ besuchen. Schon bei dem Parkplatz wird uns klar, dass es hier mehr zu sehen gibt als gedacht. Zum Kloster gehört ein wirklich grosser Naturpark mit Wasserfällen, Grotten und einer schönen Schlucht. Fischteiche säumen den Weg. So sind hier viele Touristen unterwegs. Am Anfang von unserem Rundgang sehen wir uns noch eine Vorführung von zwei Falknerinnen an. Vom grossen amerikanischen Adler bis zum Uhu lassen sie viele Wildvögel fliegen und können diese aus grosser Entfernung mittels Pfeife zurückrufen. Das Kloster haben wir auch besucht. Es beherbergt auch ein kleines Weinmuseum. Der gotische Kreuzgang ist schön erhalten, die Kirche aber ist zum Teil eingestürzt. Übrigens wurde hier im 15. Jh. die erste Schokolade hergestellt.

Wir fahren die N210 weiter bis Villarde Domingo Garcia. Diese Route ist sehr abwechslungsreich und führt zuerst auf ein Hochplateau, auf welchem keine Bäume mehr wachsen, nur riesige abgeerntete Getreidefelder. Auch sehen wir noch einige Sonnenblumenfelder, welche gerade abgeschnitten und gedrescht werden. Plötzlich öffnet sich ein Taleinschnitt und die Strasse fällt z. T. 13 % in die Tiefe. Die Spanier bauen nicht viele Kurven ein, sondern es geht zügig bergauf und bergab. So schnauft unser MAN eben im 4-ten Gang und mit 30 km pro Stunde den Berghang hinauf und im 5-ten Gang mit voller Motorenbremse wieder herunter. Wir durchfahren grosse Schluchten, sehen Canyons, aber wenige Dörfer. Zu unserem Glück gibt es auch fast keinen Verkehr. Auf der Hauptstrasse N320 Richtung Guadalajara in Sacedom finden wir unseren Übernachtungsplatz am Anfang einer Staumauer.

Werden Zeuge, wie eine spanische Spezialeinheit der Polizei das Klettern, Übersetzen und Abseilen von und zur Staumauer erprobt. Das Seilmaterial scheint neu zu sein und die Polizisten haben den Plausch (Pfadiübung). Uns Beiden graust es vor dem Abgrund. Bigi kocht nochmals Pilze, diesmal an Rhamsauce und Tagliatelles.

14. Oktober - Bigis Geburtstag

Kaspar sind die Pilze nicht gut bekommen. Er hat den Sch….. Bigi hat Geburtstag und bekommt schon früh Telefone und SMS von Eltern und Freunden. Fahren die N320 nach Guadalajara, wo sich Kaspar prompt in die Innenstadt mit den schmalen Strassen verirrt, da Bigi am Telefon mit Jack und Co. hängt. Erstaunlicherweise finden wir hier am Strassenrand einen Parkplatz am Rande der Altstadt. Sind von der Altstadt enttäuscht, der Hauptplatz wird total umgebaut. Bei der Weiterfahrt erst bemerken wir, dass die Schönheiten etwas ausserhalb der Altstadt liegen. Die N320 weiter bis Torrelaguna und dann links weg die Nr. 604 über zwei Pässe (1794 und 1860 m). Die schmale Strasse schlängelt sich steil dem Berg entlang. Wir haben eine gute Aussicht auf das ferne Madrid mit den Hochhäusern und erschrecken über den Smog, der über der Stadt liegt. Auf dem ersten Pass stehen Nadelbäume schön in Reih und Glied gepflanzt. Im Talgrund kommen wir zum Monasterio del Paular. Das Monasterio beherbergt heute nur noch ein Sheraton Hotel. Hier gönnen wir uns eine ganz schön teuren Kaffee für 3 Euro (Normalpreis in Spanien 1 Euro). Was machts, Bigi hat ja heute Geburtstag! Auf dem zweiten Pass sehen wir etwa 5 Skilifte und ein gross angeschriebenes Hospital für Skiunfälle. Madrid ist jetzt 60 km entfernt. Nun fahren wir die 601 über viele Serpentinen hinunter nach Segovia. Hier stehen wir in Sichtweite des grossen römischen Aquäduktes mit seinen 166 Bögen und 28,6 m Höhe. Wurde alles ohne Mörtel gebaut!

Bei der Information holen wir uns einen Stadtplan und folgen der Altstadthauptstrasse bis zur Kathedrale, die wir noch besuchen. Segovia scheint uns eine reiche Stadt zu sein. Auf dem Platz Major stimmen wir uns mit einem Apéro auf das Geburtstagsessen ein – hier in Spanien gibt es vor 20.30 Uhr ja nichts! Essen in einem gemütlichen, alten Restaurant die hiesige Spezialität: Spannferkel – mit Ohrpiercing No.ES40216/022001. Kaspar trinkt zur Feier des Tages einen Cognac (Spanische Grösse), der im in der Nacht dann gar nicht gut bekommt.

15. Oktober - von Burg zu Burg

In einer schönen neuen Bar laden wir wieder einmal die Homepage auf. Die absolut hypermoderne Toilette hat es Kaspar angetan. Rundfahrt mit Doppeldecker-Sightseeing-Bus. Es ist sau kalt! Wir sehen Segovia von allen Seiten. Es wird gesagt, dass die Stadt wie ein Schiff aussieht: der Alkazar ist der Bug und der Turm der Kathedrale ist der Mast. Picknicken auf dem Plaza Major. Es ist Markttag und Bigi erwischt wieder einmal die trockensten Süssigkeiten. Dann weiter zum Alkazar, welchen wir mit Audioguide besuchen. Dies ist nötig, denn sonst erfährt man überhaupt nichts von der Geschichte und so. Der Alkazar ist 1872 vollständig abgebrannt und wurde dank einiger reicher spanischer Bürger originalgetreu wieder aufgebaut. Die Säle mit den wunderschönen Holzdecken sind fantastisch! Besteigen den Turm und haben eine tolle Rundsicht über Segovia, über die Berge (welche wir gestern überquert haben) und die braune Hochebene. In der Umgebung sind auch viele Klöster sowie Spaniens älteste Fabrik, ein Münzprägewerk! Schon früher wurde die Geldpresse zur Schuldentilgung genutzt - nicht erst in den Jahren 2008/2009!

Zurück zum Camper und kreuz und quer zu verschiedenen Burgen. Eine halbverfallene römische Burg bei Padraza, eine Kastilienburg bei Turegan und nun stehen wir in Coca genau vor einer weiteren Burg. Das Land, durch welches wir gefahren sind ist flach. Alles abgeerntete Getreidefelder, vermutlich für Tierfutter, denn hier sind viele Schweinemastbetriebe. Neue Felder werden bewässert für Rüben, Mais, Erdbeeren und Kartoffeln. Es scheint, dass die Bauern hier versuchen von der einseitigen Getreideproduktion wegzukommen. Wir sehen Verarbeitungsbetriebe für Kartoffeln, Chips und Gemüse.

16. Oktober - Zamora

Besuchen die Burg. Hier ist eine Forstschule untergebracht. Wir verzichten auf den Besuch des Museums und gehen dafür lieber in die Dorf-Bar Kaffee trinken. Fahrt nach Guellar. Hier hat es ebenfalls eine Burg, die wir nach einigem Suchen auch finden. Aber auch hier ist ‚tote Hose‘. Niemand lässt uns ein. In diesen Schlössern sind Schulen untergebracht. Dies gilt auch für das nächste Schloss ‚Castillada La Mote‘. Hier fällt unser Besuch genau in die Siesta – den Spaniern überaus heilig!

Weiter zum romanischen Städtchen Zamora. Hier stehen wir am Rio Duero in der Nähe einer alten 16-teiligen Brücke. Diese Brücke hat in jedem Pfeiler ein grosses Loch. Grosse alte Olivenmühlen stehen im Fluss. Wir steigen hinauf zur Altstadt und sehen uns das Museum und die romanische Kathedrale an. Von der Schlossruine aus hat man einen prächtigen Blick über die Landschaft, die Stadt und vor allem auf die Kathedrale. Schlendern durch die Altstadt bis zum Plaza Major. Hier ist ein mittelalterlicher Markt mit Gauklern und Essständen aufgebaut. Wir lassen uns zu einem Glas Wein mit ‚Conillio‘ (Spare Ribs) nieder. Es ist erst 18.30 Uhr und so sind wir zwei Schweizer fast die Einzigen, die schon etwas essen. Es ist kalt und es weht ein zügiger Wind. Gehen über die schöne Brücke zurück zum Camper. Bigi wärmt sich im Bett auf. Unterwegs haben wir heute viele Kraftwerke mit Sonnenkollektoren gesehen. Diese sind meistens in einsamen Gegenden mit ein paar Bauernhöfen darum herum.

17. Oktober - Salamanca

Fahren die N630 nach Salamanca, einer grösseren Stadt mit zwei Kathedralen; der alten romanischen, welche uns sehr gut gefällt und einer neuen gotischen, welche stark überladen wirkt. Das Kuriosum ist, dass beide Kathedralen zusammengebaut sind. Besuchen das Museum und die Aussichtsterrassen mit wunderschönem Blick auf die Altstadt. In der alten Kathedrale probt ein Chor diverse Choräle und Bigi singt bei einigen mit.

Eine Hochzeit ist angesagt und die Hochzeitsgesellschaft und das Brautpaar sind eingetroffen. Die illustre Gesellschaft, vor allem die Frauen tragen hübsche Kleider, Pelz und im Haar kleine Hüte oder Federn. Kaspars Kommentar: ‚lueg e mal die Federeböck!‘ Auf ihren hohen Absätzen (alle mind. 10 cm) können die Damen auf den gepflasterten Gassen fast nicht gehen und müssen von den Männern gestützt werden.

Rundfahrt mit dem kleinen Touristenbähnli. Nun haben wir Hunger und gehen in eine Tapas-Bar. Bummel durch die Altstadt bis zum Plaza Major, wo wir uns einen Kaffee an der heissen Sonne gönnen und dem bunten Treiben zuschauen. Bigi schmachtet in ihren Klamotten! Auf der N501 100 km weiter nach Avila. Diese Stadt liegt auf einer Hochebene (1154 m) und wird von einer vollständig und restaurierten Stadtmauer umgeben (2,5 km lang, durchschnittl. 12m hoch und 3 m dick). Wir stehen in der Nähe des Aussichtspunktes und haben eine fantastische Sicht auf die Stadt mit der beleuchteten Stadtmauer. Wir sind froh, dass wir keinen Parkplatz in der Stadt gefunden haben, denn es ist Chilbi und schrecklich laut.

18. Oktober - Avila und Monasterio de el Escorial

Besuchen Avila, vor allem die Stadtmauer mit ihren Türmen. Die Essenspezialität hier sind weisse grosse Bohnen und sie werden in allen Grössen und Preislagen angeboten. Kaufen ein Kilo und werden diese mit unseren Freunden mit Rippli und Speck essen.

Von hier die N110 und später die N-II bis nach dem Monasterio de el Escorial. Dies ist zugleich noch ein riesiges Königsschloss. Hier sind die meisten spanischen Könige, Königinnen, Adligen und Kinder im Mausoleum begraben. Mit dem Audioguide werden wir wie bei Ikea (Kaspars Trauma, denn man muss durch sämtliche Verkaufsräume) durch alle königlichen Räume, Bildergalerien mit bekannten Malern wie Tizian und el Greco etc. geschleust. Wahnsinnig gross und imposant! Dann weiter auf der N600 bis nach Brunette, wo wir gemütlich am Rande einer ‚Urbanization‘ (neue Retortenstadt) übernachten. Von hier aus wäre es lediglich 40 km bis nach Madrid, doch wir haben keine Lust auf diese Grossstadt. Apropos Urbanisation - an vielen Orten sehen wir viele, riesige Bauplätze, welche für Häusersiedlungen vorbereitet werden. Wasser, Abwasser, Elektrisch, Strassenbeleuchtung, Strassen und Gehsteige: alles fertig, aber weit und breit kein Haus. Das Unkraut spriesst und holt sich das Land zurück.

19. Oktober - Toledo

Fahren die 600 weiter bis Navalcarnera und halten bei einer typischen Dorfbar für unseren Morgenkaffee. Kaufen zugleich noch Feigen, Tomaten, Kartoffeln und Traben beim Gemüsehändler. Wir fahren in eine Nebelwand hinein und Bigi hat bereits Panik, dass das Wetter ändert – wir haben im Wetterbericht gelesen, dass Dienstag/Mittwoch Wolken, Regen und tiefere Temperaturen angesagt sind. Nach kurzer Zeit ist der Spuk vorbei und der Himmel ist wieder blau. Kommen in Toledo an und suchen wieder einmal verzweifelt einen Parkplatz. Dafür finden wir den Foto-Punkt. Von hier hat man eine herrliche Rundsicht auf die Stadt mit seiner Kathedrale, dem Alkazar und dem Fluss Rio Dajo. Nach langem Suchen finden wir in angemessener Entfernung zur Altstadt dann doch noch einen grossen Parkplatz (40 Cent pro Stunde). In Spanien hat es immer grosszügige Parkplätze, nur ist es nicht immer leicht, dieselben zu finden. Vor allem wenn man das Pech hat, wie wir heute, von der falschen Seite her um die Stadt zu kurven. Toledo liegt auf einem Hügel von drei Seiten vom Rio Dajo umschlossen – ähnlich wie Bern – die Gassen sind zum Teil sehr eng, aber trotzdem fahren viele Autos in verrücktem Tempo durch die schmalen Gassen. Wir finden auf Anhieb den dreieckigen Hauptplatz ‚Zocodore‘ und die Touristeninformation. Stadtplan holen und dann zum höchsten Punkt, dem Alkazar. Weiter über Gassen vorbei an vielen Souvenirläden, welche Rüstungen, Schwerter, Messer und sonstigen Kitsch verkaufen. Toledo ist bekannt für sein Marzipan und Bigi bleibt vor den vielen Confiserien immer wieder stehen und schaut sich die Auslagen an. Hier finden wir auch die anzusteckenden Federn, die wir an den Hochzeiten in Salamanca gesehen haben. Besuchen die riesige Kathedrale.

Eigentlich haben wir Zwei von Kirchen und Museen genug, aber es muss halt sein! Hier steht vermutlich das schönste Chorgestühl Europas mit viel Alabaster und Holschnitzereien. Nachher bummeln wir zurück zum Hauptplatz und geniessen den Toledomarzipan in Form eines sehr teuren Kuchenstückes (5.96 Euro) – man erhält dazu zwei Tortengabeln! Beschliessen in Toledo auf dem Foto-Punkt mit grandioser Aussicht auf die Stadt zu übernachten und abends wieder einmal ins Restaurant zu gehen. Haben in einem typischen Restaurant die hiesigen Spezialitäten, Ragout mit frittierten Kartoffelstücken, gegessen. Kaspar trinkt nachher noch einen grossen, guten, spanischen Brandy, und oha, er wird im Nachhinein vom Haus offeriert!

20. Oktober - Windmühlen bei Consuegra

Fahren ein kurzes Stück bis zur schönen alten Brücke über den Rio Dajo, wo es zu dieser frühen Stunde noch Busparkplätze hat. Bummeln noch einmal durch Toledo, kaufen einen ganzen Jamon in einem kleinen Laden, wo wir uns die Unterschiede erklären lassen. Die Preisspanne geht von 8 bis 60 Euro pro Kilo. Der teuerste Jamon ist von Schweinen, die im Freien leben und nur Eicheln fressen. Dann weiter über die 400 nach Consuegra. Hier stehen zehn alte Windmühlen neben einer Burg. Die Gegend hier heisst ‚la Mancha‘. Die Windmühlen sind sehr bekannt aus dem Roman ‚Don Quijote'. Es ist inzwischen regnerisch, windig und kalt. Treffen eine junge Kochstudentin aus Chicago, welche allen Kochzutaten nachreist. Dadurch erfahren wir, dass es hier Safran gibt. Der Safran wird Ende Oktober/Anfang November bei schönem Wetter gepflückt. Im Dorf unten möchten wir Safran einkaufen, aber die wenigen Läden sind geschlossen. Wir wollten auf dem obersten Parkplatz bei den Windmühlen übernachten. Daraus wird aber nichts, denn es beginnt heftig zu stürmen und der Camper schüttelt so richtig. Fahren ins Dorf herunter an einen geschützten Ort. Inzwischen hat auch heftiger Regen eingesetzt. Wir wechseln die Bettwäsche. Aber ohalätz, die verpackte ‚frisch gewaschene‘ Bettwäsche mieft – wir hatten in letzter Zeit immer wieder das gleiche Set neu angezogen. So wechseln wir eben nochmals. Wie sagt doch Kaspar immer wieder so schön: ‚es schmökt nach Heimat.‘

21. Oktober - 5 Monate 'Gloor on tour 2009'

Heute: 5 Monate ‚Gloor on tour 2009‘! Wir fahren wieder auf den Hügel zwischen die Windmühlen zum Morgenessen. Bummeln zum bereits um 8 Uhr geöffneten kleinen Souvenirladen in einer der Windmühlen. Hier kaufen wir Safran. Fahren ins Dorf zu einer Olivenöl-Fabrik. Wir wissen ja, dass zu Hause viele Freunde auch dieses Jahr wieder auf eine Flasche bestes Olivenöl aus Spanien warten. Die N420 weiter nach Campo de Criptana, wo wir weitere schöne Windmühlen besichtigen und Bigi ein Foto von ihrem Don Quijote Glöörli schiesst.

Was sieht unser müdes Auge: schon wieder ein Car voll Japanern. Touristen sieht man keine mehr, nur noch Japaner, was so viel heisst wie: hier gibt’s was Sehenswertes. Sie knipsen wie verrückt und der Stop dauert je nach Wetter zwischen 5 und 15 Minuten und der Spuck ist vorbei. Kurzer Halt beim Castillo Belmonte, welches jedoch restauriert wird. Es ist kalt und windig. Bigi friert (was eigentlich normal ist).

Die Solarzellen-Krafwerke haben heute nur kurzzeitig Hochbetrieb. Weiter über kurvenreiche Strassen nach Cuenaca. Hier regnet es und wir finden auch keinen fahrbaren Eingang zur Altstadt auf dem Hügel. Also MAN volltanken, Wasser auffüllen und Homepage aufladen. Nun geht’s die N320 Richtung Mittelmeer nach Xabia/Javea zu unseren Freunden Charly und Marietta. In Motilla del Palancar übernachten wir vor einer Stierkampfarena.

22. Oktober - übers Hochland ans Mittelmeer

Es regnet stark und der Wind bläst den ganzen Tag. Auf den Hügeln sind viele Windräder in Betrieb. Ein Windradflügel misst von der Nabe bis zur Spitze 50m!

Fahren kreuz und quer via Ontinyent, Guadalest bis Moraira am Mittelmeer. Die schöne Strecke führt uns übers Hochland mit vielen herbstlich bunten Rebfeldern. Wir sehen die Baustelle der Hochgeschwindigkeitseisenbahn Valencia-Madrid. Bigi führt Kaspar über viele Pässe bis nach Guadalest, einem kleine touristischen Bergstädtchen mit Burg. Wir kennen hier bereits alles, da wir schon zweimal hier oben waren. Wollten hier übernachten, aber es windet sehr stark und mit Böen. Also nichts wie los und ab nach Moreira. Unterwegs sehen wir viele Mandelplantagen, zugedeckt mit riesigen Tüchern. In Moreira gehen wir in ein kleines, schönes spanisches Restaurant. Zum Glück haben wir vorher aber auf dem grossen Parkplatz das Schild gelesen: Freitagmorgen ab 05.00 Uhr Parkverbot wegen Markt - und haben um parkiert!

23. Oktober - Einkaufen auf dem Markt

Geniessen Tortilla und Kaffee auf einer schönen Terrasse mit Blick zum Hafen. Heute ist ja Markttag und so ist ‚Geschenke einkaufen‘ angesagt. Alles en gros: Oliven, Marzipan, Mandeln, Toron! Kaspar hat sich eine Auslandausgabe der NZZ gekauft und so sitzen wir auf einer Parkbank auf der Promenade. Baden im kalten Meer und sünnele. Nach einem Glacé kurze Fahrt nach Xabia/Javea, wo wir mit Charly und Marietta abends eine Paella im Restaurant Pepe geniessen.

24. Oktober - Strandtag in Xabia/Javea

Am Strand von Xabia stellen wir die Campingstühle auf und frischen unsere Sommerbräune auf. Bigi nimmt ihr obligates Bad, Kaspar nur bis an den Rand der Badehose. Es ist ihm eindeutig zu kalt - er hat gestern die geniale Badesaison 2009 abgeschlossen! Am Abend treffen wir Charly und Marietta am Samstagstammtisch und gehen nachher Rindsfilet essen. War wieder super gut und preiswert. Bigi ist wieder einmal beeindruckt: zum Rindsfilet (ca. 150 g) gibt‘s auch ein ‚Amüse bouche‘, eine kleine Gemüsesuppe sowie ein Apfelsorbet (und dies zum Preis von 19 Euro!).

25. Oktober - Wanderung auf den Hausberg

Heute wandern wir auf den Hausberg. Die Wanderung haben wir schon dreimal gemacht. Sie führt durch schöne Pinienwälder bis zum höchsten Punkt mit einem schönen Blick auf die Bucht. Geniessen die Aussicht. Es ist ziemlich heiss und Bigi freut sich den ganzen Tag aufs kühle Meerbad. Unten im Dorf geniessen wir frisch gepressten Orangenjus und lesen dann 50 m vom Meer entfernt beim MAN in der Sonne. Kaspar begleitet Bigi zum Strand und wartet schön brav bis der Spuck vorbei ist. Die Zeitumstellung macht sich bereits unangenehm bemerkbar: um 18.30 Uhr ist schon stock dunkel! Gehen zu viert Chinesisch essen.

26. Oktober - nach Barcelona

Haben in einer Seitenstrasse in Sichtweite unseres Frühstückkaffes übernachtet und ruhig geschlafen. Kurzes Frühstück und bei Lidl Mineralwasser einkaufen. Dann sofort auf die Autobahn Valencia – Barcelona. Bis Barcelona kostet die Autobahngebühr für unseren MAN insgesamt 60 Euro. In Barcelona suchen wir den bewachten LKW-Parkplatz mit Camper-Stellplatz und verfahren uns dabei fürchterlich. Auf Umwegen um die ganze Stadt, immer wieder beinahe aufgegeben und dann dreimal fragen (und fast Nervenzusammenbruch von Kaspar) finden wir endlich kurz vor dem Eindunkeln den lauten, hell beleuchteten riesigen Platz. Wir können nur sagen: Freude herrscht! Beim Einchecken erhalten wir ein Anweisungsblatt in fünf Sprachen. Der deutsche Text lautet: ‚Herren Kunden haben wir zu hinterlegen Kitsch im Container befindet sich auf der Strasse. Vielen Dank für Ihre Mitarbeit.‘ Die Übersetzung: Bitte Müll in den Container auf der Strasse werfen.‘

27. Oktober - Barcelona

Fahren mit der Metro L4 ins Zentrum von Barcelona. Bigi findet instinktsicher die Einkaufsstrasse ‚Ramblas‘. Links und rechts Läden, in der Mitte zwischen Bäumen viele Zeitungs-, Blumenstände, einige Restaurants und Strassenkünstler. Gehen in die wunderschöne alte Markthalle mit all den schönen Ständen, alles fein säuberlich aufgeschichtet und ausgelegt: Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, frischgepresste Säfte, Süssigkeiten, Schokoladen und vieles mehr. Im Hafen über einen schönen Holzsteg ‚Rambla de mar‘. Hier ein Sandwich auf dem Bänkli und wir geniessen die Aussicht auf den Hafen und die Sonne. Streifzug durch Barcelona mit Placa Reial, der Kathedrale (welche wir nur noch oberflächlich anschauen, denn wir haben genug von Kultur), weiter quer durch die Stadt zum ‚Temple Sagrada Familia‘. Eine riesige, seit 1892 in Bau befindliche Kirche des Architekten Gaudi. So etwas haben wir bis jetzt noch nicht gesehen. Zwölf Türme für die Apostel und in der Mitte entsteht ein 172 m hoher Turm für Jesus.

Das Kirchenschiff, die Säulen aufgebaut wie Bäume, soll 2010 fertig sein und bittet für 10‘000 Personen Platz. Auf der Empore kann ein Chor mit 1‘200 Sängern singen – das muss ja mega tönen. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2030 geplant! Es arbeiten 200 – 300 Leute täglich am Bauwerk. Jeden Tag besuchen ca. 4‘000 Personen den Kirchenbau und bewundern die zwei fertigen Fassaden ‚Passion Christi‘ und ‚Weihnachtsfassade‘. Wir lassen uns mit dem Lift in 50 m Höhe bringen und bewundern die Aussicht des im Gange befindlichen Neubau. Über eine ganz verrückte Wendeltreppe geht’s dann zurück auf den Boden. Wir haben Hunger und suchen uns eine schöne Tapas-Bar und fahren später zurück mit der Metro zum Camper.

28. Oktober - Andorra

Verlassen Barcelona über die Autobahn Richtung Granollers, Vic auf der Nr. 152 nach Ripoll und überqueren einen 1700 m hohen Pass mit Skigebiet. Bei Bourg-Madame die N260 und die N145 nach Andorra. Hier stehen wir nun auf 2408 m auf dem Port de Envalira und haben eine grossartige Sicht auf die fast 3000 m hohen Berge welche noch oder bereits etwas Schnee haben. Andorra ansonsten gefällt uns nicht. Es ist ein enges Tal und sehr verbaut, aber Andorra ist zollfrei. Also füllen wir unsere Dieseltanks randvoll – 0,84 Euro pro Liter (in Spanien 0,99 oder Frankreich 1,10 Euro). Besuchen eines der grossen zollfreien Shoppingcenters und kaufen Lebensmittel sowie einen Liter Brandy ein. Um 18.30 Uhr ist stockdunkel.

29. Oktober - Carcassonne

Kleine Morgenwanderung auf den nächsten Gipfel (2480 m) genau hinter dem MAN und der Passhöhe. Dann hinunter ins letzte Dorf von Andorra mit 5 Sesselliften nebeneinander. Bigi freut sich auf den Winter und stimmt sich ein. Parkieren und begeben uns ins Kaffee und anschliessend zum Lädele. Zigaretten, Schnaps sowie Benzin und Diesel sind billig, Parfums etc. laut Bigi nicht. Kaufen lediglich einen Baseballschläger zur Selbstverteidigung – hoffen, diesen jedoch nie benützen zu müssen. Über kurvenreiche und steile Strassen nach Frankreich. Die Zöllner sind scharf auf Schmuggelware, besonders Zigaretten. Uns seriöse Schweizer lassen sie passieren. Wahrscheinlich sind sie zu faul unser kleines Fahrzeug zu filzen. Die N20 bis kurz vor Foix, die 117 nach Quillan, die N118 nach Carcassonne, unserem heutigen Etappenziel. Die schon herbstliche Fahrt führt uns durch schöne, farbige und kurvenreiche Landschaften. Zwischen Quillan und Carcassonne ist wieder ein grosses Rebanbaugebiet. Die Reben haben schöne Herbstfarben von grün über braun, gelb bis feurigem rot. Carcassonne ist sehr touristisch aber eine Reise wert. Die Stadt mit der doppelten Ringmauer ist perfekt erhalten. Wir streifen durch die Gassen und sind in Ferienstimmung. Bigi sagt: ‚wenn ich ein schönes Restaurant finde – keine Touristenfalle - so koche ich heute Abend nicht.‘ Wir finden das wunderschöne Restaurant ‚chez Saskia‘. Wir erkundigen uns und erfahren, dass dieses Restaurant auch heute Abend zu bleibt. Okay, der Fall ist klar. Unsere neue Salatkreation ‚Schnittsalat mit Granatapfelkernen und Baumnüssen‘, dann brutzelt Bigi alle Resten vom Kühlschrank so à la Älplermakaroni und zum Dessert ein Caramelköpfli (Bigi hat Rahm statt Milch eingekauft und somit mit 4 dl Rahm und 1 dl Wasser gekocht. Super cremig, und die untere Wasserschicht etwas wässerig). Bei ‚chez Saskia‘ wäre das Essen nicht besser gewesen!

30. Oktober - ans Mittelmeer nach Aigues Mortes

Fahren die D6113 nach Narbonne, D6009 nach Beziers, N112 über den Damm. Hier rasten wir, denn wir haben genug von Kultur und haben uns die letzten zwei Orte nicht angeschaut (auch keinen uns passenden Parkplatz in der Nähe gefunden). Auf dem Damm in Nähe Sète stehen ca. 50 Camper in Reih und Glied und wir stellen uns dazu. Wie Kaspar schon ahnt gibt’s einen Fussmarsch dem Meer entlang und geniessen noch einmal die Weite. Bigi nimmt noch ein kurzes Bad und schliesst auch ihre Badesaison 2009 ab.

Via Montpellier nach Aigues Mortes (Totes Wasser), wo uns wieder eine kleine touristische Stadt mit intakter Stadtmauer erwartet. Hier gehen wir ins Restaurant und geniessen, den Bigi will wieder einmal Fisch usw. (Austern, Moules, poisson gratiné à la fruites de mer und Kaspar ‚Tauran‘, die hiesige Fleischspezialität – entpuppt sich als später als Stier). Obwohl wir nur das kleine Touristenmenu wählen sind wir mehr als satt. Kaspars Magen rebelliert dann auch in der Nacht wieder einmal. Am nächsten Morgen stellt er nüchtern fest: ‚Völlerei ist eine Sünde – die Einzige, die ich noch ab und zu habe.‘

31. Oktober - St. Maries-de-la-Mer und Arles

Bigi schreibt Homepage mit Kaspars Unterstützung. Fahren nach St. Maries-de-la-Mer, dem Wahlfahrtsort der Zigeuner. Im Mai haben sie hier ihr grosses Fest. Dieses Wochenende ist ein grosses Stierfest mit Stierkampf angesagt. Verpassen die Reitvorführung der Torreros am auf dem gegenüberliegenden Strand, da wir uns nicht informiert haben. Was solls, bummeln durch das Städtchen, besteigen das Kirchdach mit Aussicht über die Camargue und besichtigen die Kirche. Dann kleines Picknick am Strand und weiter nach Arles.

Machen eine Tour mit dem Petit Train durch Arles – hat sich leider nicht gelohnt. Besuchen das griechische antike Theater (halbrund)

sowie das römische Amphitheater (oval), wo 20'000 Besucher Platz fanden. Hier lebte übrigens Vincent Van Gogh und malte z. B. ‚das maison jaune‘, ‚die Brücke‘ und schnitt sich im Wahn das Ohr ab. Dann weiter zum Stellplatz 20 km weiter in Comps.

Die Camargue (Rhonedelta) ist speziell. Hier wird viel weisser, roter und schwarzer Reis angebaut. Es soll auch noch wilde Pferde geben, sehen dieselben aber nicht. Dafür weisse Pferde, die überall zum Ausreiten zu mieten sind. Die schwarzen Stiere aber, können wir an vers. Orten auf Distanz beobachten. Weisse Vögel sitzen auf den Rücken der Pferde und Stiere. Hier wird auch Salz gewonnen und in den Salzseen tummeln sich Flamingos.