September 2009

1. September - im Harz

Nach einem reichhaltigen Frühstück verabschieden wir uns und fahren die E7 nach Goslar ins Harzgebirge - öpe so wie de Schwarzwald. Goslar, eine wunderschöne Stadt mit prächtigen Fachwerkhäusern. Besteigen wieder einmal den Kirchturm (64 m) mit der zweitgrössten Glocke Sachsens (6852 kg).

Geniessen einen saisonalen Heidelbeer-Coup, mmmmh! Im Rathaus gibt es einen 500-jährigen Huldigungssaal mit wunderschönen Wand- und Deckenmalereien. Wie auch in Lüneburg wurden diese Ratssäle infolge Platzmangel, und weil es keine Heizung gab, als Abstellkammern benutzt und Schlichtwegs 200 Jahre vergessen. Erst im 19. Jh. wieder entdeckt und nun schön restauriert. Weiter über die 241 nach Clausthal-Zellerfeld. Hier besuchen wir eine Glasbläserei.

Auf der 242 zur Achtermannhöhe (925 m) und zur drei Annen Höhe nach Wernigerode. Diesen Ort hat uns Werner empfohlen und wir stehen nahe der Altstadt auf dem Schloss-Stellplatz. Bummeln durch die schöne Altstadt und wollen Tickets kaufen, um morgen mit dem Dampfzug auf den Brocken zu fahren. Gehen zum Dampfbahnladen und zwei Bahnhöfen. Alle Schalter waren aus unterschiedlichen Gründen geschlossen und es gibt nichts vor morgen 08.30 Uhr! Heute war schwül heiss und abends zieht ein Gewitter auf.

2. September - Dampffahrt auf den Brocken

Zuerst um 08.30 Uhr zum Bahnhof um die Tickets für die Nostalgie-Dampffahrt auf den Brocken zu kaufen. Dann frühstücken auf dem Marktplatz. Wenn wir zwei ein grosses Frühstück für 5.90 Euro bestellen, können wir nicht alle Wurst und Käse essen. Die Bedingung fragte jedoch: ‚ist das alles?‘ Rucksack packen und ab zum Bahnhof, wo die zwei Dampfloks aus dem Jahre 1899 gerade an die Nostalgiewagen angekoppelt werden. Die Dampfloks sind im Originalzustand von einem Schweizer Ingenieur entworfen worden. Dann mit viel grau-schwarzem Dampf und diversen Fotohalts zum Brocken auf 1142 m. ü. M. – zwei Stunden langsame Fahrt (40 km/Std.) mit Pausen. Die Strecke hat eine Steigung von 1 : 30, d.h. 30 m Geleise auf 1 m Höhendifferenz. Auf dem Gipfel angekommen windet es stark und warm ist es gerade auch nicht (wir stehen in kurzen Hosen da!). Die Fernsicht ist hervorragend, was selten vorkommt. Am Brocken soll es 300 Tage im Jahr regnen, da dieser Berg die erste höhere Erhebung von der Nordsee her ist. 1936 wurde hier das erste schwarz-weiss Fernsehen installiert. Im Kalten Krieg war hier Sperrgebiet und man sieht immer noch den Grenzverlauf zwischen Ost und West. Die Brockenbahn wurde 1991 vollständig neu aufgebaut und ist heute eine Anziehung für Touristen und Dampfbahnfreunde. Nach dem Picknick geniessen wir einen Windbeutel mit heissen Kirschen und viel Rahm (s. Foto). Bei der Rückfahrt kauft Kaspar einen ‚Schierker Feuerstein‘ Schnaps – schmeckt besser als Appenzellerbitter. Nach der Fahrt bummeln wir nochmals durch die schöne Altstadt von Wernigerode. Zum Znacht kocht Bigi Penne mit dem neu erlernten Trick von Regula – Holzkelle auf die Pfanne legen um das Überkochen zu verhindern – es funktioniert und der Herd bleibt sauber!
PS: Bigi will ins Tagebuch schreiben: ‚Kaspars Dampflokifahrt gewinnt gegen Bigis Wanderlust‘. Worauf Kaspar nur sagt: ‚war kein Kampf, es war sowieso klar.‘

3. September - nach Elstal/Berlin

Wir gehen noch in die Altstadt Postkarten kaufen, Espresso trinken, Früchte einkaufen und die Zeit vertreiben. Vom Brocken ist heute weit und breit nichts zu sehen! Um 11.00 Uhr will Bigi noch in den Schokoladefabrikladen ‚Argenta‘. Die machen die feinen Brockeneggen, die wir gestern gekauft haben: Nougatecken mit Zartbitterschokolade überzogen. Kaspar probiert fast das ganze Sortiment durch und nachher ist ihm beinahe schlecht. Fahren die Nr. 81 nach Halberstadt, auf die Umfahrung 10 nach Magdeburg, via Potsdam bis Elstal/Wustermark bei Berlin. Geniessen die Abendsonne vor dem Camper und fahren mit dem Roller nach Dallgow-Döberitz ins Argentinische Steakhouse. Schmeckt wie immer sehr gut! Später kommen noch Arild und John zu einem Schlummertrunk zu uns in den Camper.

4. September - geteiltes Programm

Bigi muss schon um 9 Uhr an der Exekutivsitzung der EBM (Europäisch Baptistischen Mission) Sitzung sein und Kaspar kann gemütlich frühstücken. Er fährt mit dem Roller zum Campinghändler nach Falkensee, den er mit einigen Umrundungen findet. Zum Glück hat der Händler auch einen Zubehörshop und so kauft Kaspar eine Fiamma-Fahrradschiene und etwas Kleinmaterial. Der Transport der Schiene (Länge 1,2 m) hat so seine Tücken, aber Kaspar schafft es ohne Probleme bis zum MAN. Leider hat er keinen Honda-Vertreter gefunden, was aber weiter nicht schlimm ist - so fahren wir eben weiterhin Roller ohne Rückspiegel. Reparatur des Veloträgers. Nun sollte eigentlich alles okay sein. Mal schauen. Nun ist putzen auf dem Programm: Scheiben, Verdunklung, Mückennetze (diese auch mit Tesaklebeband flicken), Fahrerhaus mit allem drum und dran reinigen, Oelstand und Pneudruck kontrollieren. Alles picobello! Am Nachmittag fährt Kaspar noch zum 2 km entfernten Outlet-Center in Elstal – schrecklich! Am Abend Nachtessen mit den EBM-Leuten und später noch ein Glas Wein mit Volker und Uli.

EBM - Euopäisch Baptistische Mission

28 Unionen aus Europa und Übersee gehören zur EBM. In der Schweiz ist die EBM Schweizer Zweig eine staatlich anerkannte gemeinnützige Organisation und die Verwaltung/Buchhaltung/Vorstandarbeit wird von Freiwilligen gemacht. Die EBM arbeitet in Afrika, Südamerika und Indien in folgenden Bereichen: medizinische Arbeit, Aids-Hilfe, Augenklinik, Spitäler, Grundschule, technische Zentren, theologische Ausbildungsstätten, Kinderheime, Patenschaften, Hunger- und Katastrophenhilfe. Die Geschäftsstelle ist in Elstal/Berlin. Das Exekutiv-Komitee, in welches Bigi vor 11 Jahren gewählt wurde und noch bis Frühjahr 2010 mitarbeitet, tagt dreimal jährlich.

Dieses Mal sind wieder die Repräsentanten aus Übersee dabei. Es gibt viel Informationen aus den jeweiligen Ländern, wird diskutiert und Entscheidungen getroffen, wie es in den div. Bereichen und Projekten weitergehen soll. Die Arbeit wird finanziert durch Spendengelder sowie Zuwendungen div. staatlicher Organisationen europäischer Länder.
Weitere Informationen auf der Homepage - www.ebm-masa.org – oder auch die ‚geliebten Einzahlungsscheine‘ schickt euch Bigi gerne zu.

5. September - nochmals Putztag für Kaspar

Heute muss Dusche und Toilettenraum wieder einmal gründlich gereinigt werden. Zur Belohnung fährt Kaspar mit dem Roller (2 km) zum McDonald und geniesst einen Bacon-Hamburger mit Pommes und Cola. So richtig gesunde Erhährung! Nochmals kurz durch die Outlet-Läden – wer kauft wohl all dieses Zeug?! Am Camper angelangt steht Bigi mit Linda und Fletcher aus Afrika da. Sie staunen über unseren MAN (Bauklotz), denn so richtig vorstellen konnten sie sich dies nicht, wie wir leben. Am Nachmittag stöbert Kaspar in unserem Reisebuch ‚Traumstrassen Europas‘, denn der weitere Verlauf unserer Reise ist noch nicht klar. Vorfreude auf ein Essen mit den EBM-Leuten beim Argentinier.

6. September - Weiterfahrt bis Wolfsburg

Am Morgen besuchen wir den Gottesdienst der Baptistengemeinde auf dem Campus in Elstal. Fast nur Senioren, da die Studenten noch in den Ferien weilen. Wir werden spontan von Christoph Haus zum Mittagessen eingeladen, zusammen mit Linde Koroma aus Sierre Leone. Nachher beschliessen wir Richtung Hannover zu fahren. Eigentlich wollten wir bis Celle, aber unterwegs liegt die Autostadt Wolfsburg von VW. Nun stehen wir auf dem Stellplatz vor der riesigen Autostadt mit vielen Pavillons. Da es zu spät für eine Besichtigung ist machen, wir am Abend nur noch einen kleinen Rundgang über das Gelände.

Nun stehen wir auf dem Stellplatz vor der riesigen Autostadt mit vielen Pavillons. Da es zu spät für eine Besichtigung ist machen, wir am Abend nur noch einen kleinen Rundgang über das Gelände.

7. September - Wolfsburg / Autostadt VW

Gehen zum Haupteingang der Autostadt. Beim Ticketkauf profitiert Kaspar wieder einmal als Senior. Wir haben Glück und können gleich am Anfang an einer Werkbesichtigung teilnehmen. Mit speziellem VW-Autozügli werden wir ins Werkareal gefahren und können die VW-Golf Produktion, wie von Geisterhand gesteuert bestaunen - Zusammensetzen der Autos. Auf dem Laufband ist jeder Golf verschieden, genau nach Bestellung des Kunden. Nachher zur speziellen Ausstellung Oldtimer Kleinwagen von 1890 bis heute. Dann zu der Halle ‚Lamborghini‘. Hier wird eine lärmige Lichtshow gezeigt und ein Lamborghini, der an der Wand hängt, verschwindet nach draussen. Dann weiter in die Pavillons Skoda, Audi, Seat und VW. Alle Autos werden von uns bestaunt - mit mehr oder weniger Enthusiasmus. Bei den Nutzfahrzeugen können wir von uns ein Foto schiessen lassen mit einem VW-California Camper. Die Autostadt ist schön inmitten Bächen, Wiesen und Restaurants eingebettet. Am Schluss erkundigen wir uns nach VW-Direktionsfahrzeugen. Diese kann man nach einem Jahr mit ganz wenig Kilometer zu einem sehr günstigen Preis kaufen. Dann fahren wir die Strasse 188 bis Meinersen, weiter die 181 bis Celle (für Kaspar ist das die Puffstrasse, denn alle paar Kilometer stehen Camper mit einer ‚Dame‘ drin - wieso dies hier so ist haben wir nicht herausgefunden). Wir füllen beim Bahlsen-Fabrikladen unseren Guetzlivorrat auf. Stehen auf dem Stellplatz in Celle mit mind. 30 anderen Campern. Gehen in die Altstadt und machen es uns gemütlich in der Gartenbeiz der ältesten Pizzeria von Celle. Wir geniessen den Altweibersommer!

8. September - Transrapid Magnetschwebebahn

Fahren die 214 über Nienburg bis Fürstenau, dann die 402/70 bis zur Transrapid-Versuchsstrecke. Transrapid ist eine Magnetschwebebahn ohne Räder und Reibung, bis 500 km/Stunde schnell. Genial! Leider ist heute keine Versuchsfahrt mit dem neusten Modell und so müssen wir mit der Ausstellung und den Filmen vorlieb nehmen. Dies wäre eine Bahn für die Schweiz, fast lautlos und vibrationsarm. In Shanghai wurde eine solche Bahn im 2004 bereits realisiert vom Flughafen in die Innenstadt und funktioniert einwandfrei. Fahren weiter durch flaches Land mit Baumbewuchs, aber kein Wald. Es ist Erntezeit für Futtermais und es fahren riesige Traktoren auf dem Acker und den Strassen (Stau inbegriffen). Wir sehen die Kartoffelernte und Rapsfelder in gelber Blüte. Kaspar meint, dies sei bei uns in der Schweiz sonst nur im April/Mai zu sehen – aber wir sind eben keine Bauern und somit etwas verunsichert. Viel Weideland mit Pferden, Kühen und etwas Schafe. Am Horizont sind viele riesige Windräder (geschätzte Höhe 50 m?), die elektrischen Strom produzieren. Die Dörfer sind aufgeräumt und die Gutshöfe der Bauern sind gross wie kleine Burganlagen. Die Riegelhäuser sind aus Backstein gebaut, alle Vorplätze sind wunderschön mit Pflastersteinen ausgelegt und die Gärten sind gepflegt mit Blumen, Bäumen und grasgrünem Rasen. Von der Transrapid-Versuchsstrecke geht’s nach Holland, die N66 bis Veendam. Hier hat Bigi im Buch einen Waldstellplatz am See gefunden. Wir spazieren am See und schauen dem Wasserskilift zu, der zahlende Gäste im Kreis rum kurvt – cool! Nochmals einer der letzten Sommerabende zum geniessen und wir genehmigen einen Apéro auf der Seeterrasse. Die kurze Strecke, die wir bisher in Holland gefahren sind, hat uns bestens gefallen. Die Gärten und die kleinen Häuser (ohne Vorhänge) sind super gepflegt – jeder ist ein Hobbygärtner. Kaspar sagt: ‚zum Glück wurde ich nicht als Holländer geboren.‘

9. September - Zuiderzee-Damm

Über Gronningen, Leeuwarden und über den Zuiderzee-Damm (ca. 30 km lang) fahren wir nach Den Helder. Zum Glück hat Kaspar Bigi als Beifahrerin. Die Wegweiser sind zwar gross, aber die Schrift ist sehr klein. Dies ist wahrscheinlich ein Fahrtauglichkeitstest: wenn man den Wegweiser nicht mehr lesen kann ist es Zeit den Fahrausweis abzugeben – bei Kaspar ist es bald der Fall. Wir suchen eine Indoor-Skianlage, welche vermutlich so klein ist, dass wir sie nicht finden - nur ein Schild ‚Skischule‘. Nebenan gibt’s eine grössere Anlage für Skispringen aufs den See. Auch fragen wir uns, wo die Holländer denn einkaufen. Sehen nur dreimal kleine versteckte Läden, wo es keine Parkmöglichkeit für uns gibt, und am Mittwochnachmittag zudem geschlossen – wir sind eben auf dem Lande. Die Fahrt geht über gut ausgebaute Strassen über die Zuiderzee.

Am Anfang und Schluss hat es Drehbrücken, welche alle 30 Minuten für die Ein-/Ausfahrt der Schiffe geöffnet werden. Wir beobachten schöne alte Dreimaster, welche hier gerade durchfahren, um anschliessend eine Schleuse ins Ijsselmeer zu durchqueren. Besuchen auch den Informationspavillon. Stehen nun auf einem grossen Parkplatz hinter den Dünen. Dem Einzigen, wo kein Nachtparkverbotsschild steht. Wir besteigen die Dünen und wandern dem Meer entlang. Der Wind bläst kräftig. Auch wird Bigi morgen kein Morgenbad nehmen, denn wir sehen zwei riesige Qualen. Kaspar hatte hier vor ca. 35 Jahren eine äusserst beissende Begegnung mit den Qualen – ein Typ: Essig drauf lindert den Schmerz.

10. September - Hoorn und Volendam

Kleine Wanderung zwischen den Dünen und am Strand. In den Dünen begegnen uns viele Velofahrer – wir kommen nicht in Versuchung, denn unsere Velos sind ganz fest angebunden, damit sie nicht herunterfallen. Dann endlich finden wir einen kleinen Supermarkt, wo wir unseren Kühlschrank auffüllen können. Fahren nach Hoorn am Ijsselmeer. Von hier startete der Abenteurer, welcher das Kap Horn in Südamerika entdeckt hat. Sehr schöner alter Hafen mit alten Barken und Segelschiffen. Bummeln durch die Altstadt am Rathaus vorbei durch schöne Gassen. Sehr viele alte Häuser stehen sehr schräg. Man weiss nie, wann einem die Fassade auf den Kopf fällt. Weiter in das touristische Städtchen Volendam, wo wir eine Käserei und Holzschuhwerkstatt (Klocks) besichtigen.

Kaufen selbstverständlich einen holländischen Käse. Finden einen ruhigen Busparkplatz und marschieren zwei Kilometer in den alten Hafen von Volendam. Viele Touristen und Souvenirläden. Geniessen die Abendsonne am Hafen und trinken ein Gläschen Wein. Um 21 Uhr werden wir von der Polizei weggeschickt und somit fahren wir die zwei Kilometer zurück zur Käserei, wo übernachten erlaubt ist.

11. September - Alkmar und Zaanse Schans

Heute ist Freitag und wir fahren zum Käsemarkt in Alkmar. Leider war letzte Woche der letzte Käsemarkt mit Käse wägen dieser Saison. Wieder einmal neben der Saison und so machen wir einen Altstadtbummel und geniessen die Sonne. Weiter zum Freilichtmuseum Zaanse Schans in der Nähe von Amsterdam. Bei der Einfahrt in den engen Parkplatz wirft Kaspar mit dem Hinterrad einen kleinen Betonsockel um. Dafür werden wir von einem Museumwächter ‚zusammengeschissen‘. Er sagt, wir müssten bei den Busen parkieren. Einmal sind wir ein Bus, dann ein PKW hier in Holland. Er nimmt Kaspars Entschuldigung an und wir müssen den Schaden nicht bezahlen – anscheinend nicht das erste Mal, denn nach zwei Minuten steht der kleine Betonsockel wieder locker in der Erde. Besichtigen die alten Häuser (wie Ballenberg in der Schweiz) und besuchen eine der Windmühlen, die Farbmühle. Die Windmühlen arbeiten und die Windräder drehen sich im Wind.

Die Holzzahnräder knirschen und die Mühlsteine mahlen die Kreide. Es ist eine interessante Technik, alles aus Holz und mit viel Spiel zwischen den Zahnrädern.

Weiter nach Amsterdam zum Teil im Stau – die meisten Staus entstehen weil Brücken für die Durchfahrt der Schiffe geöffnet werden müssen - zum Vorort Amstelveen, wo wir Frans und Margot besuchen. Dies sind langjährige Freunde von Bigi von den Silvesterferien im Peter.

Mit Frans, welcher heute morgen von einem einmonatigen Arbeitseinsatz von Abu Dhabi heimgekommen ist, fahren wir zu einem Meerhafen, wo sein Sohn Theiss Kapitän auf einem kleinen Frachter ist. Das 31-jährige Schiff wurde in der Ukraine total überholt. Jetzt sind alle Freunde zu einem Event gekommen, um das Schiff zu begutachten und dem Kapitän – er besitzt 5% des Schiffes – viel Glück zu wünschen. Wir besichtigen das ganze Schiff vom Steuerhaus über die Küche, Schlafkabinen bis hinunter zum 1100-PS-starken Motor mit 16 Zylindern. Die erste Fracht geht nach Indonesien, aber Kaspar möchte mit dieser Nussschale nicht mitfahren. Kaspar nascht an jeder Ecke, es meint: ‚ich bin wie ein Staubsauger durchgegangen‘.

12. September - Amsterdam

Fahren mit dem Bus Nr. 170 direkt ins Zentrum von Amsterdam. Besteigen bei dem Museum ein Sightseeing Boot und lassen uns durch die Grachten schaukeln. Amsterdam ist immer eine Reise wert! Bummeln durch die belebten Strasse, viele Fahrradfahrer sind unterwegs und man muss höllisch aufpassen, um nicht angefahren zu werden.

Auf dem berühmten Blumenmarkt kauft Bigi 100 Tulpenzwiebeln ein als Geschenke für unsere Gartenfreunde. Es beelendet uns, dass viele der grossen Kirchen nicht mehr für Gottesdienste sondern als Ausstellungsräume und Bildergalerien genutzt werden. In der Nähe des Königspalast ist vermutlich ein Drehorgel-Happening, denn viele grosse Drehorgeln spielen und sind zu bewundern.

Essen beim Thailänder ein kleines Dinner und bummeln durch das Rotlichtviertel. In der heutigen Zeit gibt’s kein Window-Shopping mehr, wo leicht bekleidete Damen auf Kunden warten.

13. September - Haarlem und Seebad Scheveningen

Frühstück bei Frans und Margot. Internet aufladen und Abfahrt nach Haarlem. Hier ist das Hafenfest voll im Gange. Viele Stände und Besucher. Alte Segler und Motorschiffe sind zu bewundern. Besichtigen ein altes aus 1953 stammendes Kriegsschiff, welches heute den Pfadfindern gehört.

Viele der Oldtimer-Schiffe sind äusserst gepflegt und mit viel Liebe ins Detail in Stand gesetzt worden. Auch um die grosse Kirche am Ratshausplatz herrscht reger Betrieb. Hier hat ein Heerlager aus dem Mittelalter die Zelte aufgeschlagen. Männer und Frauen gekleidet aus dieser Zeit bereiten spezielles Essen zu und den Buben werden Pfeil und Bogen verkauft. Heute ist ‚Open Museums Tag‘ und auch das Rathaus ist für Besucher geöffnet. Zurück zum MAN, da es zu regnen anfängt und wir nicht dafür ausgerüstet sind.

Weiter geht’s zum Strand von Scheveningen mit einer etwas verlotterten 400 m langen Seebrücke. Trotz starkem Wind und etwas Regen sind noch viele Sonntagstouristen unterwegs. Wir gehen in einen Spielsalon und Bigi verpulvert am ‚Pennyfall‘ ganze sieben Euros. Haben in einer Bus- und Tramschleife parkiert und hoffen, diese Nacht dort bleiben zu können. Bis um Mitternacht kurven die quietschenden Trams um uns herum. Aber dann ist mehr oder weniger Ruhe bis morgens die ersten Busse um 6 Uhr fahren.

14. September - Hoek von Holland und Delft

Am Morgen beim Aufwachen ist Bigi’s zweiter Satz: ‚gömm mir am Strand go laufe.‘ Also wandern wir dem Strand entlang. Weit vorne ist Militär mit Mannschaftswagen, zwei Leopard-Panzern und Lastwagen.

Die Panzer fahren mit höllischem Lärm den Strand auf und ab. Sehr eindrücklich, aber zum Glück ist kein Krieg! Viele Leute sind auf dem Weg zum Militärcamp. Wir unterhalten uns mit einem Soldaten und fragen, was hier denn los sei. Er erklärt uns, es sei eine Art ‚Tag der offenen Tür‘, weil am 15. September die grosse ‚königliche Parade‘ mit der Königin Beatrix in Den Haag abgehalten wird. Da werden Pferde mitlaufen, und die müssen sich nun an den Lärm und viele Leute gewöhnen. Auf dem Rückweg begegnen uns dann ca. 200 Ross und Reiter. Wir staunen, dass wir wieder einmal per Zufall einen ganz besonderen Anlass sehen.

Nun gibt’s in einem Strandkaffee noch den fast täglichen Kaffee und Apfelkuchen mit Schlagrahm. Kaspars Kommentar: ‚so sind d’Öpfel eigentlich no ganz guet.‘ Fahren zum Hoek von Holland. Dies ist das Eingangstor zum Rotterdamer Hafen und gleichzeitig das Flussdelta der Maas. Marschieren bis ans Ende der Mole und sind am Schluss ganz sandig vom starken Meer und nass vom aufgepeitschten Meer.

Weiter nach Delft vorbei an riesigen Gewächshäusern. In Delft besuchen wir die alte und neue Kirche mit den wundervollen Glasscheiben. Hier werden die holländischen Könige beerdigt. Wir möchten eigentlich eine Delfter Porzellan-Manufaktur besuchen, sind jedoch leider zu spät. So trifft man uns eben in besseren Souvenirläden an, welche die schönen blauen Delfter Porzellangegenstände verkaufen. Weiter nach Schiedam, wo es einen Stellplatz geben soll. Das Navigationssystem kennt jedoch die Strasse nicht und so finden wir den Platz nur mit Hilfe eines Tankwarts. Von hier sehen wir die weltgrössten alten Windmühlen. Das Wetter ist regnerisch. Beim Pizzakurier warten wir auf unsere Pizza und geniessen diese dann im Camper bei Kerzenschein.

15. September - Rotterdam und Kinderdijk

Fahren nach Rotterdam und parkieren beim 185 m hohen Euromast auf dem Busparkplatz. Wandern dem Hafenbecken entlang bis zur Anlegestelle der Spido-Hafenrundfahrtschiffe. Fahren mit einem dieser schönen Touristenschiffe – fast alleine – durch den drittgrössten Hafen der Welt – nur Singapur und Sydney sind grösser. Die Containerhäfen sind eindrücklich und die Containerschiffe werden in atemberaubender Geschwindigkeit be- und entladen (Liegeplatz ist teuer!). Pro Jahr werden 16 Mio. Container umgeschlagen.

Nachher marschieren wir zu den Kijk-Kubus-Häusern, um eines zu besichtigen. Eine ganz verrückte architektonische Idee. Wir möchten hier aber nicht wohnen. Schlendern über den Markt und kaufen uns zum Zmittag eine Portion holländische Frites mit Mayo und Ketchup – überzeugen uns aber nicht, dass es wie behauptet die weltbesten sind! Wandern zurück zum Euromast und fahren mit dem Lift zur Plattform/Restaurant auf 100 m Höhe. Geniessen unser Standard-Menu Kaffee und Apfelkuchen mit Schlagrahm in schwindelnder Höhe und schauen den vorbeifahrenden kleinen und grossen Schiffe zu. Weiter mit Navigationssystem und Stau zu den 19 km entfernten Wasser-Windmühlen Kinderdijk. Wir müssen wieder einmal feststellen, dass der kürzeste Weg nicht immer der beste ist. 400 m vor dem Ziel – es ist noch keine Windmühle in Sicht – steht um eine Kurve eine sehr kleine Fähre?! Zu unserem Erstaunen können wir Übersetzen und sind nach 500 m am Kinderdijk. Die 19 Wasser-Windmühlen sind schön aufgereiht an den Poldern. Die Flügelspannweite beträgt ca. 28 m und die Schöpfhöhe vom Wasserrad 1,4 m. Es mussten zwei Windmühlen hintereinander gestellt werden, um das Niveau vom Meer um 70 cm zu übertreffen. Eine arbeitende Mühle von 1768 ist für Besucher geöffnet. Im Innern gibt es eine sehr kleine Wohnung auf drei Etagen mit steilen Leitern und sehr kurzen Schrankbetten. Immer im September sind die Mühlen eine Woche beleuchtet. Da es dieses Jahr zwei Wochen sind haben wir Glück und können das Spektakel miterleben. Suchen einen Stellplatz und werden in zwei Kilometer Entfernung beim Sportplatz fündig. Beim Eindunkeln wandern wir 30 Minuten zu den Mühlen, besteigen ein kleines Ausflugsschiff und lassen uns durch den Kanal fahren entlang der schön beleuchteten Windmühlen. Es ist zwar bereits ziemlich kalt, aber der nächtliche Ausflug hat sich gelohnt.

16. September - Mechelen/Belgien

Grau in grau! Fahren nach Breda, einer kleinen Garnisonsstadt, besuchen die Kirche und den grossen Markt. Bei den alten Restaurants merkt man, dass hier viele Soldaten ein- und ausgehen – gemütlich, dunkle starke Holztische, viele alte Bilder und schummrige Beleuchtung. In der Stadt hat Kaspar auf einer Strecke von 100 m sage und schreibe 15 Schuhläden gezählt! Weiter auf der Autobahn nach Belgien mit extrem vielen Brummis. Unsere Reise geht noch bis Mechelen. Parkieren am Altstadtrand und kommen schon nach wenigen Metern an einem Waschsalon vorbei. Somit ist Waschtag angesagt. Zwischen Waschen und Tumblern besuchen wir die Altstadt mit der Kirche. Der unfertige Kirchturm ist jetzt 97 m hoch. Denselben wollte man einmal bis auf 186 m bauen. Die Altstadt mit dem Rathaus ist sehr schön restauriert. Auf dem Rückweg kaufen wir die berühmten belgischen Pralinen ‚Godiva‘, denn die sollte man ja unbedingt versuchen. Mmmh, wir als Schweizer und Bigi als Praliné-Kennerin, müssen sagen: ‚schmecken tatsächlich gut, sind aber für unseren Geschmack etwas süss.‘

17. September - Brüssel

Fahren mit dem Bus zum Bahnhof Mechelen und von dort mit der Bahn (retour Ticket 8 Euro) ins Zentrum von Brüssel. Nach kurzem Suchen finden auch wir den Ausgang des grossen Bahnhofes und gehen zum Grossen Markt mit Rathaus. Dieser Platz soll einer der schönsten sein – wir können nur einstimmen - zu einem speziellen Fest wird der Platz mit einem Blumenteppich von 800‘000 Blumen geschmückt. Wunderbare Häuser mit Goldverzierungen, vielen Gipsfiguren an den Fassaden und Stuckaturen. Trinken Kaffee an der Sonne und lassen den Platz auf uns wirken. Dann besteigen wir den ‚hopp on hopp off Bus‘ und machen Sightseeing vom ersten Stock aus. Ein frischer Wind weht, so dass wir uns in den halboffenen vorderen Teil des Busses begeben. Brüssel hat einiges zu bieten: Europarlament, Königsschloss, belgisch Manhatten, Börse und natürlich das Wartzeichen ‚Atomium‘ von der Weltausstellung des Jahres 1958. Besuchen mittels Lift die höchste Kugel des Atomiums und geniessen die Aussicht – sehen u.a. auch den 30 km entfernten Kirchturm von Mechelen. Der Audioguide führt uns durch die Ausstellung, welche uns ins Jahr 1958 zurückversetzt. Zum 50jährigen Jubiläum wurde die Aussenhaut des Atomiums prächtig renoviert und auch das Innere restauriert.

Weiter Sightseeing von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Der Manekenpis ist mit einem Jacket angezogen und die Wirkung ist dadurch verloren. Zum Glück sehen wir ihn später nackt noch ein Mal im Original. Zum Zmittag gibt’s belgische Frites mit Ketchup, Mayo und gebratenen Zwiebeln. Die Frites in Belgien schmecken eindeutig besser als die holländischen. Jeder zweite Laden verkauft belgische Schokolade und Pralinen und bietet Probiererlies an. In kurzer Zeit sind wir somit Spezialisten für belgische Schokolade. Handgemachte, gute Pralinen hat auch hier seinen Preis. Noch einmal auf den grossen Marktplatz, diesmal um die andere sonnige Seite zu fotografieren. Brüssel war und ist eine Reise wert! Es war ein Glück, dass wir unseren MAN in Mechelen gelassen haben, denn Parkplätze sind wirklich eine Mangelware. Sind todmüde, denn an einem solchen Tag läppern sich doch einige Kilometer zusammen.

18. September - Gent

Fahren nach Alst. Hier soll jeden Tag ein grosser Blumenmarkt stattfinden. Ausser einem netten Städtchen finden wir nichts. Also den obligaten Kaffee mit Gebäck an der Sonne und weiter nach Gent. Finden rasch einen schmutzigen Parkplatz beim Bahnhof und marschieren von hier in das Stadtzentrum. Besuchen die Kathedrale, welche seit Jahrhunderten eine Baustelle ist, da sie auf schlechtem Baugrund steht und die Statik nicht stimmt. Zur Zeit werden die grossen Kirchenfenster renoviert. Die Belgier sind überwiegend Katholiken und so sind die Kirchen wieder mit viel Prunk ausgestattet. Der grosse Marktplatz ist imposant. Bei der Information erhalten wir einen Plan für eine Stadttour zu Fuss. Wir ziehen los und geraten an schöne Häuser, Grachten, mittelalterliche Stadtteile und Strassenzüge und den wunderschönen Hafen mit ‚Europas schönstem Fotosujet‘. Wir müssen neidlos gestehen, dass die vielen Häuser und Grachten wirklich imposant sind. Dann mit dem Lift auf den Glockenturm ‚Belfort‘ mit seinem Glockenspiel von 54 Glocken. Schöne Aussicht und über schmalste Treppe zurück nach unten. Kaufen einen speziellen Genter Senf (der Senf ist scharf, aber gut). Den Chenever (traditionellen Schnaps) werden wir später mal versuchen. Auf dem Heimweg zum MAN kommen wir noch einmal an der Sankt-Bavo Kathedrale vorbei und sehen per Zufall, dass ein Kirchenkonzert im Gange ist. Ein hundert Mann starker holländischer Männerchor singt Choräle und der Organist spielt zwei furiose Stücke. Grandios! Nun fahren wir noch nach Eeklo, der Geburtsstädte des Cheneverschnaps, zu einem Stellplatz am Jachthafen, denn wir brauchen Frischwasser. In Holland und Belgien ist es gar nicht so einfach, irgendwo Frischwasser zu bekommen.

19. September - reisemüde und ein freier Tag

Kaspar, der Katzennarr – er füttert die Büsis schon am Morgen mit Fleischkäse und Guetzli. Spaziergang in das kleine Städtchen. Hier ist nicht viel los. In einer der vielen Bäckereien kaufen wir Brot, Gebäck und ein Stück Torte. Am Rathaus geniesst Kaspar seinen ersten Chenever mit Zitrone – schmeckt ganz gut. Nachher zurück zum Camper und wir geniessen die Sonne wieder einmal in kurzen Hosen und Bikini. Nur noch faulenzen ………

20. September - Brugge

Bereiten den Camper zur Weiterfahrt vor. Fahren nach Brugge und finden dort einen schönen, neuen Stellplatz und staunen über die vielen Touristenbusse. Wollen hier über Nacht bleiben. Heute - 20. September - ist autofreier Sonntag in der Innenstadt von Brugge und deshalb können auch viele Museen gratis besucht werden. Durch einen schönen Park wandern wir in die Altstadt. Kommen gerade bei den Beginenhöfen vorbei, einer sozialen Einrichtung für mittelose Frauen im Mittelalter.

Mit einem kleinen Ausflugsboot fahren wir durch die schönen Grachten, sehen dabei Europas erstes Spital, denn Bellfort und viele schöne alte Bürgerhäuser mit den typisch flämischen Treppendächern. Es sind viele Einheimische und Touristen unterwegs. An allen Ecken spielt Musik und Gaukler führen ihre Künste vor. Wir finden den gotischen Saal aus dem 15. Jh. sowie eine kleine Kirche im ersten Stock, wo gerade das heilige Blut Jesu Christi gezeigt wird. Wieder können wir an der Hauptstrasse die Auslage vieler Schokoladeläden bewundern. Heute sind wir 4 Monate unterwegs und so wollen wir feiern. Mit einem Töpfer namens Kaspar kommen wir ins Gespräch und erkundigen uns nach einem guten Restaurant, keiner Touristenfalle! Er empfiehlt uns gleich das nächste Haus. Hier verbringen wir einen gemütlichen Abend und essen Fondue Bourginon – himmlisch!

21. September - Herbstanfang

Heute ist Kilometer-Fressen angesagt. Es geht über teure Autobahn (250 km für 32 Euro) von Gent über Lille nach Paris. Auf der Ringstrasse mit viel Verkehr quer durch Paris bis Versailles. Wir finden das riesige Schloss einfach nicht! Die Beschilderung ist sehr schlecht und so kurven wir eine Stunde herum. Da es schon später Nachmittag ist fahren wir der Beschilderung nach zum Camping. Unser MAN hier waagrecht hinstellen zu können ist ein Kunststück. Nach einigen Anläufen gelingt auch dies. Bigi nimmt ein Bad im geheizten Swimmingpool und Kaspar flirtet mit der Camping-Katze. Bei Kaspar macht sich eine Erkältung bemerkbar. Wir campieren unter hohen Kastanienbäumen und immer wieder fallen diese stachligen Dinger herunter.

22. September - Schloss Versailles

Kaspar hat’s erwischt – sein nassgeschwitzter Pyjama ist Zeuge. Nach dem französischen Frühstück – man kann hier am Vorabend Croissant bestellen – marschieren wir zur 2 km entfernten Bushaltestelle, lösen das Ticket beim Chauffeur und lassen uns bis zum gigantischen Schloss chauffieren. Wir waren clever und haben die Eintrittskarten fürs Schloss bereits im Camping gekauft – somit müssen wir nicht anstehen, ausser eine halbe Stunde bei der Sicherheitskontrolle! Tausende von Besuchern strömen ins Schloss.

Mit Audioguide geht’s durch die prunkvollen Gemächer, den riesigen Spiegelsaal und pompösen Esszimmer. Hier wurde vom Sonnenkönig Louis XIV. (Regierungszeit von 1643 – 1715) mit vollen Kellen das Gold der Franzosen verschwendet. Am Ende seiner Regierungszeit hatte er Schulden über 3 Milliarden Louisdors (die jährlichen Staatseinnahmen waren lediglich 246 Mio.). Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Dann in die riesigen Gärten mit Springbrunnen, Wasserspielen und schön symmetrisch angelegten Blumenbeeten. Viele Gipsstatuen säumen die Wege. Erst vom Garten aus sieht man die riesigen Ausmasse des Schlosses. Von dort marschieren wir zum Nebenschloss Trianon der Königin Marie-Antoinette. Die Königin war die Einzige, die ihre individuelle Seite ausleben konnte und sich gewisse Freiheiten erlaubte. Wir sind müde und vor allem Kaspar braucht etwas Ruhe. So legen wir uns in die Sonne beim grossen ‚Parkweiher‘ und schlafen ein wenig. Zurück durch die Parkanlage und mit dem Bus in die Nähe des Campings. Kaufen noch Mineral und Wasser ein und schleppen dies zum Camper. Ein wunderschöner Herbsttag geht zu Ende.

23. September - Chartres

Fahren die N10 nach Rambouillet, der Residenz des französischen Staatschefs. Finden wieder einmal das Schloss fast nicht. Von Aussen nichts spezielles und wir verzichten auf eine Besichtigung. Marschieren zur Molkerei der Königin. Auch hier sind wir für einen Besuch noch immer nicht motiviert. So beschliessen wir weiter zu fahren nach Chartres. Hier steht Europas grösste Kathedrale. Ein immenser Bau mit einmalig grossen bunten Kirchenfenstern. Die Westrosette ‚das Weltgericht‘ hat einen Durchmesser von 12.18 m! Das Stein-Labyrinth auf dem Kirchenboden, ein Symbol des Weges, der uns von der Erde zu Gott führt, ist leider nicht vollständig einsehbar, da Stühle darauf stehen. Wieder einmal bestaunen wir die Grösse der Kathedrale. Weiter auf der N10 bis Chauteaudun und auf Landstrassen an die Loire bis Beaugency, einem alten Städtchen mit alter Brücke über die Loire. Die Landschaft, durch welche wir gefahren sind ist leicht gewellt mit riesigen abgeernteten Kornfeldern und die braungoldenen Äcker leuchten in der Abendsonne.

24. September - Schloss Chambord

Unser MAN hat heute 50‘000 Kilometer unter den Rädern – somit ist er laut Bedienungsanleitung eingefahren! Was wir alles Schönes auf unserer Reise sehen konnten, Menschen begegnet sind, Gottes Bewahrung erleben durften und vieles mehr, das ist unseren Herzen – ein mega Erlebnis !

Überqueren die alte Brücke, nachdem wir das kleine Städtchen Beaugency besichtigt haben , und fahren zum riesigen Schloss ‚Chambord‘ mit seinen 400 Zimmern. Hier hat Leonardo da Vinci eine Doppelwendeltreppe über 3 Stockwerke konstruiert. Mit einem Audioguide wird einem die Geschichte des Schlosses nahe gebracht und mit Computeranimation die Baugeschichte. Dann weiter zum Wasserschloss ‚Chenouceau‘ zum Stellplatz neben der Eisenbahnlinie?! Es wird sicher eine unruhige Nacht geben.

25. September - Schloss Chenonceau, Amboise und To

Die Nacht war nicht einmal so lärmig, aber von Durchschlafen keine Rede. Besuchen das Schloss (haben so unsere Probleme mit dem Audioguide iPod – sind eben noch von der letzten Generation, die nicht wissen wie man mit so einem Ding umgeht). Ein wirklich wunderschönes Wasserschloss mit origineller Aufteilung.

Vor allem die Küchenräume, welche sich in zwei Pfeilern unterhalb der Wohnräume befinden, sind sehenswert. Im 1.Weltkrieg war hier ein Militärhospital und im 2.Weltkrieg die Demarkationslinie. Beim Haupteingang standen die Deutschen mit Kanonen und auf der anderen Seite des Flusses ‚Cher‘ war das freie Frankreich.

Wir besichtigen auch die schönen symmetrisch angelegten Gärten. Alles ist ‚bigo bello‘ gepflegt. Sehr schön ist auch die Orangerie (heute Gourmetrestaurant) und die Schloss Bauernhöfe mit dem schönen Blumengarten. In jedem Zimmer des Schlosses steht ein grosses Blumenarrangement, farblich zum Interieur passend. Diese werden hier mit eigenen Blumen gesteckt – schöner könnte es nicht sein! Dann weiter nach Amboise, mit Brücke über die Loire und Schloss, wo wir kurz in den Läden herumstrichen – es gibt wieder die hiesigen Biscuits zum probieren. Weiter der Loire entlang nach Tours, wo wir nach einiger Zeit am Strassenrand ‚Parkplätze für Cars‘ sichten. Besuchen die Kirche und den alten Platz ‚Plumerau‘ mit den uralten Häusern. Auf dem Platz herrscht viel Leben und auch wir geniessen einen Drink in der Abendsonne. Weiter mit Suchen und Strassenkarte über schmalste Strassen nach Ussé. Nachts ist das Schloss schön beleuchtet, so dass wir noch einmal aus dem warmen MAN aussteigen müssen um zu fotografieren. Heute haben wir ein schnell gekocht: feine Quiche vom Bäcker und Salat. Na ja, Salat ist vielleicht zu viel gesagt, eher öpis für d’Chüngel! Da Salat waschen im Camper nicht so gut ist, kaufen wir ab und zu Schnittsalat, und da ist die Qualität nicht so gut.

26. September - Chateau Ussé und Abbey de Fontevra

Chateau Ussé ist wie ein verzaubertes Märchenschloss. Hier hat der franz. Dichter Charles Perrault im 17.Jh. die Märchen ‚Dornröschen‘ und ‚die böse Fee‘ geschrieben. Das Schloss ist immer noch im Besitze der Herzöge von Blacs und die Räume sind sehr schön dekoriert mit alten Möbeln, vielen Gobelins, Tapisserien und wunderschönen Tapeten. Schaufensterpuppen stehen gut arrangiert mit zur Epoche gehörenden Kleidern in den Räumen.

Weiter durchs Loire Tal zu Europas grösster Abbey de Fontevraud. Diese wurde 1105 gegründet und war bis zur Revolution 1792 ein Kloster für Frauen und Männer, wobei die Äbtissinnen die Hosen an hatten. Ab 1804 war es ein riesiges Gefängnis mit bis zu 2000 Gefangenen. Im zweiten Weltkrieg waren hier die Widerstandskämpfer eingesperrt. Der riesige Komplex wird nun wieder in den ursprünglichen Zustand zurück versetzt, d.h. renoviert. Wir haben genug von Kultur und Königen und so fahren wir an einen Stellplatz bei Sanzieres. Hier befinden sich Tuffsteinhöhlen aus dem 16. Jh., welche heute als Champignonzucht eingerichtet sind. Früher lebten auch die armen Bauern in diesen Höhlenwohnungen. In der dazugehörigen Weinkellerei ist heute Samstag Degustation und wir degustieren. Bigi kauft ‚sparkling Wein‘ ähnlich Champagner ein – Kaspar meckert ein wenig: ‚wir haben doch genug zu Hause im Keller‘. Heute Abend gibt’s ‚Coquilles St. Jacques‘ - hausgemacht aus dem Tante Emma-Laden!

27. September - Broccante und wunderschöner Herbst

Heute ist wieder wolkenlos und es wird bis zu 30 Grad warm – wunderschönes Herbstwetter! Heute gibt’s nicht viel zu erzählen. Fahren Richtung Pointiers. Viele Rebgebiete säumen den Weg. In Mirebeau ist eine Broccante, aber leider nicht so schön wie die heute stattfindende in ‚Le Landeron‘ am Bielersee. Die angebotene Ware ist sichtlich gebraucht. Antiquitäten findet man nicht, schlichtweg Ramsch! Trinken einen Espresso und Chichis: Brühteigwürmer mit Puderzucker. Die Jagdsaison ist anscheinend eröffnet. Wir sehen auf den abgeernteten Feldern viele Jäger mit Gewehren im Anschlag und ihren Hunden. Wir vermuten Fasanenjagd, wissen es aber nicht. Fahren weiter Richtung Limoges und finden in Moulismes einen wunderschönen Rastplatz an einem kleinen See. Wir stoppen und geniessen ………. nehmen die Liegestühle raus, tanken nochmals richtig Sonne und verweilen mit lesen. Der Kühlschrank kühlt nur noch bis 15 Grad und so müssen wir wieder einmal enteisen – wir haben festgestellt, dass wir manchmal fast nicht mehr ruhig sitzen können.

28. September - Rocamadour

Fahren auf einer schnurgeraden Strasse durch hügliges Gelände bis Limoges – ‚Berg- und Talfahrt‘. Von hier ins Tal der Vienne bis Rocamadour, wo wir auf dem Camping stehen. Ab Limoges hat sich die Landschaft stark verändert. Es sieht hier fast wie im Jura aus. Die Kühe sind nicht mehr weiss, sondern braun. Die Häuser sind aus Bruchsteinen gebaut, vorher meistens grau aus Tuffstein. Die sanften Hügel gehen in grosse über. Das Auge fährt mit! Wir sind im Gebiet ‚Lot‘. Rocamadour ist ein kleines Städtchen, welches an eine Schlucht gebaut ist. Die Schlucht sieht man erst im letzten Moment. Am Abend schauen wir uns alles noch bei Nacht mit dem ‚petit Train‘ an. Es hat nicht mehr viele Touristen, denn die Saison geht am 30. September bereits zu Ende. In diesem Gebiet gibt’s speziell: Foie gras, Ziegenkäse, Baumnüsse, Wein – halt so alles was in Frankreich gut und teuer ist. Uns war dies Region bisher nicht bekannt, gefällt ns aber sehr gut! Wir sind hierhin gefahren, da uns vor ein paar Tagen abends ein Engländer diesen Tip gegeben hat.

29. September - La Gouffre de Padirac

Am Rande der Schlucht entlang wandern wir bis zum Schloss. Von der Schlossterrasse sehen wir senkrecht auf die kleine Stadt herunter. Es wird uns ein wenig mulmig. Bigi bestimmt schon von hier oben, auf welcher Terrasse wir unseren Kaffee mit Croissant genehmigen. Wir steigen über den Kreuzgang zur Kirche hinunter. Rocamadour soll einer der grössten Wahlfahrtsorte am Jakobsweg mit über 1 Mio. Pilgern sein?! Heute merkt man jedoch nicht viel von der Menschenmenge. Die Kirche und diversen Kapellen sind ineinander verschachtelt und man kann so kreuz und quer durch diese pilgern. Nach dem Kaffee auf besagter Terrasse bummeln wir durch die einzige Strasse. Natürlich hat es hier viele ganz schöne Souvenir-, Foie gras-, Wein- sowie Kleiderläden. Bigi ist in Kauflaune. Also wird ein Pullover und Delikatessen für unsere Freunde eingekauft. Das allerbeste jedoch ist, dass wir all das Zeug zum MAN hinauf schleppen müssen. Keuch, keuch, wir sind ja zu unterst in der Schlucht. Am Nachmittag nehmen wir den Roller runter und machen eine Tour über Land bis zum kleinen, hübschen Städtchen San Céré. Bevor wir jedoch dort ankommen besuchen wir die riesige Höhle ‚Gouffre de Padirac‘. Der Eingang ist ein grosses 102 m tiefes Loch. Die Höhle wird über drei Lifte erschlossen. Am Grund des Loches geht es nochmals ca. 60 m über Treppen bis zu einem grossen See hinunter. Hier werden wir zu zehnt in ein Aluminiumboot verfrachtet und 500 m durch die riesige bis zu 94 m hohe Höhle gerudert. Am Ende erwartet uns ein Führer, welcher uns durch die Höhle mit ihren Stalaktiten und Stalagmiten führt. So ein Stalaktit, von oben nach unten, wächst in 100 Jahren 2-3 cm. Wir sehen einen, welcher ca. 90 m hoch ist. Man rechne: ergibt ca. 300‘000 Jahre! Den gleichen Weg mit dem Schiffli zurück und mit dem Lift wieder an die warme Oberfläche. In St. Céré besuchen wir den Marktplatz mit den alten Häusern und kaufen für Kaspar in der Apotheke ein Hühneraugenpflaster – er will ja bald in die Pyrenäen zum wandern! Abends gehen wir in ein kleines gemütlich-gediegenes Restaurant und essen ein 4 Gang Menu ‚regional‘ für je 15 Euro: Foie gras mit Salatgarnitur, Kalbs- oder Lammvoressen mit Gemüse und Wildreis, Ziegenkäse und zum Dessert ein kleines Nuss- oder Apfeltörtli. Wir können dieses Restaurant nur weiter empfehlen!

30. September - La Roc Saint-Christophe

Ausfahrt mit dem Roller über Souillac, Sarlat le Canéda zum ‚La Roc Saint-Christophe‘. Auf dem Weg besuchen wir ‚Les Cabanas de Breuil‘. Diese Häuschen stammen aus dem 14. Jh. und wurden von den Benediktiner gebaut und bewohnt. Das Siedlung ist gleich aufgebaut wie bei den Trullis in Alberobello/Italien. Wir sind wieder einmal mehr dankbar, dass wir im 21. Jahrhundert leben! Heute wohnt hier ein Bauer, welcher gleichzeitig das Museum betreibt.

La Roc Saint-Christophe ist ein, auf ca. 80 m Höhe in einem natürlichen Felseinschnitt gelegenes, kleines Städtchen. Im 15. Jh. haben hier ca. 1000 Personen gelebt. Nach den Religionskriegen wurde die ganze Stadt zerstört. Heute sieht man nur noch die Löcher im Fels, wo die Häuser befestigt waren. Als Anschauungsmaterial hat man viele Gerätschaften wie mittelalterliche Kräne, Eisenschmieden, Küche etc. wieder aufgebaut. Auf dem Rückweg sehen wir noch einige ähnliche Formationen und viele Wegweiser zu Grotten und Schlössern. In Sarlat le Canéda machen wir Halt und besichtigen die schöne Altstadt. Überall wird Foie gras verkauft – wer isst all diese Delikatessen? Auf dem Weg zurück sehen wir einige Gänsefarmen und kaufen noch bei einem grossen Bauernbetrieb die kleinen delikaten Ziegenkäse.