Juni 2009

1. Juni - heute regnet es nur einmal / Calvi

‚Kaum sind Gloor‘s auf Korsika, da regnet es!‘ – denn seit einem Monat hat es hier nicht mehr geregnet.
Wir marschieren in die Altstadt. Was gibt es Schöneres als bei Regenwetter gemütlich z’Mörgele. Na ja, man sollte sich einfach nicht Konditorei Klaus in Bülach oder Hofer in Solothurn vorstellen. Kaspar ist in Kauflaune und ist nicht mal zu bequem um anzuprobieren: neue Badehose mit Täschli für Autoschlüssel. XXL findet er etwas gross, so richtig Elefantengrösse. Bigi beruhigt ihn, denn die französischen Kleidergrössen sind anders als in der EU. Schlendern über den kleinen Markt und probieren Käse und Coppa.

Fahren 40 km bis zum schönen Städtchen Calvi. Da es in Strömen regnet gibt’s zuerst Lunch und Mittagschlaf im Camper. Trotz tiefhängenden Wolken in die Kleinstadt, in die engen Gassen mit Klopfsteinpflaster zur Zitadelle. Wieder zurück durch die Touristenstrasse mit vielen Souvenir- und Korsischen Delikatessenläden. Wir parkieren um auf einen sauberen Parkplatz und Bigi macht was Kaspar so liebt: Wöschhänki im Camper.

2. Juni - Porto

Noch in Calvi einige Fotos schiessen, jetzt bei schönem Wetter. Am Jachthafen gibt’s noch einen Kaffee in der Hafenbar und wir bewundern die schönen Jachten.

Dann eine der schmalsten Küstenstrassen entlang über Olmo nach Galéria, wo wir auf einem terrassierten Stellplatz Mittagessen. Weiter über den Col de la Croix nach Partinello zum Tagesziel Porto. Die Strassen sind zum Teil in schlechtem Zustand und es gibt mehrere Orte, wo ein Kreuzen nicht möglich ist. Wir hatten meistens Glück, da wir keinen Gegenverkehr an den engsten Passagen hatten. Die Landschaft ist wild und steil, schroffe Klippen, tiefblaues Meer, kleine Dörfer und buschbewachsene Hügel. In Porto, ein kleiner Hafen, gibt’s ein paar nette Hotels und hier ist anscheinend ein Taucherparadies. Wir stellen unseren Camper auf einem Camping ab und bezahlen für zwei Nächte 30 Euro. Da wir noch altes Baguette haben kreiert Bigi Fondue-Käseschnitten mit Tomaten und Speck. Nach dem Nachtessen bummeln wir in das gut gepflegte Dörfchen und geniessen den Sonnenuntergang.

3. Juni - Rollerfahrt nach Corte

Kaspar’s Spruch des Tages: ‚hast du schon die muskulösen Velofahrer gesehen?‘ Kaspar schaut an sich herunter und meint: ‚nöd so Schlabermuskle wie ich‘.
Roller abladen. Wir müssen ca. 4 km zurück zum Tanken und dann die D84 steil hinauf nach Evisa. Oberhalb einer tiefen Schlucht durch aussergewöhnliche Berglandschaft hinauf zum Col de Vergio (1467 m). Das heisst wieder viele Kurven und schmalste Strassen, aber der Roller meistert dies hervorragend. Dann über ein Skigebiet (3 Skilifte, Länge ca. 800 m) hinunter nach Frangarde und dann die N193 nach Corte, der Wiege Korsikas.

Corte ist die einzige korsische Universitätsstadt mit 4000 Studenten, wird von einer Zitadelle überragt und hat eine schöne Altstadt mit schmalen Gassen. Wir nehmen ein Touristenbähnli und lassen uns Corte bequem zeigen (war die 6 Euro pro Person nicht wert!). Rund um Corte ist ein schönes Wandergebiet und die höchsten Berge sind 2622 m hoch, zum Teil noch mit wenig Schnee bedeckt. Die gleiche Strasse zurück. In Corte war es sehr heiss, auf dem Col de Vergio jedoch empfindlich kalt. Der Arsch vom Rollerfahren tut uns weh, denn es sind nun schon 150 km.

Wir sehen viele Schweine. Die Korsen sind clever: bei einem Touristenparkplatz lassen sie die Schweine frei laufen. Dieselben haben das Betteln erlernt und lassen sich von den Touristen füttern. Am Ende der Saison sind die Schweine dick und nächstes Jahr können die Touristen die Schweine als Korsische Delikatessen kaufen. Der Heimweg wird zur Zitterpartie, da das Benzin aber sicher zur Neige geht. An der Tankstelle haben wir vermutlich grad mal noch 2 dl im Tank und müssen 5,98 Liter tanken. In einer Metzgerei kaufen wir Schweinsfiletspiesse (s. oben) und andere Delikatessen und setzen uns in die bequemen Stühle beim Camper.

4. Juni - Les Calanches / Wanderung zum Capo Rosso

Der Tag beginnt gut: Kaspar schneidet sich beim Salamischneiden in den Finger. Mit baden ist auch nichts, da die hohen Wellen viele Steine mit sich führen. Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Roller nach Pina. Dazwischen liegen die Felsformationen ‚Les Calanches‘, ein Unesco-Weltkulturerbe. Es wird empfohlen, die Strecke zu Fuss zu gehen um die Farben der Natur auf sich wirken zu lassen. Somit hat es sehr viele Leute auf der Strasse. Dann zu einem Parkplatz, wo wir den Roller stehen lassen und den Wanderrucksack aufschnallen.

Es geht ans Capo Rosso. 3 Stunden Marschzeit. Es ist sehr heiss und der Aufstieg zum Korsischen Turm ist sehr steil und anstrengend, dafür wird man mit herrlicher Aussicht über die Felsküste und das tiefblaue Meer belohnt.

Zurück beim Parkplatz beginnt Kaspar ein Gespräch mit Leuten nebenan und schiebt den Roller vom Ständer. Na ja, er hat vergessen das Sicherheitsschloss abzunehmen. Quittung: gerissenes Kabel - zum Glück ist es nur die Kilometersaite. Zurück beim Camper steigt Kaspar zum X-ten Mal aufs Dach um das Schlagen über dem Beifahrer zu beseitigen. Wenn’s nicht hilft, ist Kaspar mit seinem Latein am Ende. Der Tag endet gut: Kaspar hat den Werkzeugkoffer verkehrt geöffnet und nun sortiert er alles wieder an seinen Platz.

5. Juni - Ajaccio und Iles Sanguinaires

Bigi hat gut geschlafen – Kaspar erwacht gerädert und kommt erst nach einem kalten Bad im Meer einigermassen in Schwung. Camper bereitstellen zur Weiterfahrt. Wir hoffen, dass uns auf dem ersten Wegstück durch die Calanches nicht zu viele Touristenbusse entgegenkommen (kreuzen unmöglich). Nur bei einem Bus wird es kritisch und Kaspar muss einige Meter zurück fahren. Der Weg führt nun nicht mehr über so steile Pässe und die Strassen sind breiter. Übrigens: auf dem Dach klopft es immer noch. Hier kann uns nur noch der Ausbauer Herr Bocklet helfen. Am Strassenrand kaufen wir Gemüse ein. In der korsischen Hauptstadt Ajaccio halten wir auf einem grossen Parkplatz am Hafen. Im Jachthafen haben wir einen Waschsalon entdeckt. Mit der 9kg-Maschine und dem grossem Industrietumbler dauert der Waschtag gerade mal 70 Minuten. Weiterfahrt zu den Iles Sanguinaires d’Ajaccio – hier ist die Szenerie ähnlich aus wie am Point de Raz in Frankreich, nur nicht so stürmisch und kalt! Hier gibt’s massenhaft Touristen und für schlafende Camper verboten. Einige Kilometer zurück halten wir auf einem Parkplatz und erfrischen uns im kühlen Meer. Was sieht das müde Auge?! Direkt am Strand gibt es eine Pizzeria mit Holzofen, da müssen wir nicht lange überlegen ……..!
Kaspar ist traurig, denn er hat die Tumblerpreis-Wette verloren: die Franzosen schreiben ihre Preise zum Teil immer noch in Franc Français an, und dies 9 Jahre nach der Einführung des Euros. Die spinnen und Kaspar kostet dies ein Frühstück bei Hofer in Solothurn.

6. Juni-Prähist.Filitosa/Banditenhochburg Sartène

Zuerst ein Bad, denn es war eine Tropennacht (32 °)! Aussendusche und zurück nach Ajaccio. Gestern hatten wir die Altstadt nicht gefunden. Heute ist dies anders, sogar das Geburtshaus Napoleons finden wir. In der Kathedrale wird gerade Erstkommunion gefeiert. Kaspars meint nur ‚es riese Cabaret‘ - Junge spielen mit dem Computer und die Alten unterhalten sich draussen und rauchen. Heute Samstag ist wieder Markt und wir degustieren alles Essbare. Etwas ausserhalb der Stadt nehmen wir nochmals ein Bad im Meer bevor es ins Landesinnere geht. Bis zu den prähistorischen Steinhaufen ‚Filitosa‘ – die Bekanntesten in Korsika. Wir können nicht viel damit anfangen und beobachten die fleissigen Ameisen. Dann nach Propirano und wir suchen uns einen Nachtplatz. Bigi dirigiert Kaspar zum Point Belvedere oder besser in die Pampas. Es wird wieder einmal recht eng, vor allem die Büsche und Bäume machen dem MAN zu schaffen - öfters klappt der Aussenspiegel ein. Am Schluss dieser aussergewöhnlichen Tour landen wir in der Korsischen Banditenhochburg Sartène. Von Banditen keine Spur, aber die Stadt aus Granitstein gebaut mit ihren sehr, sehr schmalen Gassen ist sehenswert.

7. Juni - Bonifacio / schöne Badebucht Rondinario

Weiter durch buschige und flache Landschaft nach Bonifacio. Kaspar kommt ganz schön ins Schimpfen: ‚die händ nöd all Tasse im Schrank!‘ Es gibt grosse Parkplätze, wo wir abgewiesen werden: ‚seulement pour les bateaux – was soviel heisst: nur für die Touristenbusse, die Passagiere für die Küstenschifffahrt anschleppen.
Bonifacio liegt sehr schön an einem natürlichen Hafen. Die Altstadt mit der Zitadelle thront hoch über dem Jachthafen. Die Klippen zur Meerseite sind richtig unterspült und die Altstadt hängt beängstigend über dem Abgrund. Bummeln durch schmalste Gassen und Touristenläden und Restaurants. Die Treppenhäuser in die oberen Etagen sind sehr, sehr steil. Als 80jähriger bleibt man bestimmt unten. Wir steigen von der Zitadelle zum Hafen hinab und erkundigen uns nach der Fährverbindung nach Sardinien. Sogar für unsere Höhe von 3,85 m gibt’s jeden Tag drei Schiffe, wenn auch nur mit der einen Gesellschaft.

Weiter nach Porto-Vecchio mit deinem Abstecher zum Rondinario, eine der schönsten Badebuchten Korsikas. Die Bucht ist nur über schlechte und sehr schmale Strassen erreichbar. Das Meerwasser ist Smaragd grünblau wie in der Karibik, jedoch nur ca. 18 Grad kalt und es braucht Überwindung unterzutauchen. Als nichtgewohnte Strandgänger legen wir die Badtücher in den Schatten auf den Sand mit Dornen und Gestrüpp. Bigi’s Badetuch ist nachher unbrauchbar, da sich mind. 2000 Dornen in dieses gebohrt haben und die Reinigung Stunden Handarbeit erfordern würde. Nachher genehmigen wir ein Häppli im Camper (Entenleberterrine und Muskatwein), denn der Parkplatz wird um 21 Uhr geschlossen und wir müssen weiter noch bis Porto-Vecchio.

8. Juni - Col de Barvella

Ziemlich schlecht geschlafen und Frühstück schon um 08.00 Uhr. Wir wollen früh los zur heutigen Rollertour. Wunderschön durch Kork- und Fichtenwälder hinauf nach Zonza, wo wir uns an der Sonne bei Kaffee aufwärmen. Auf der Weiterfahrt kommen wir auf 1218 m auf den Col de Barvella. Es heisst, es sei der schönste Pass Korsikas. Auf der Passhöhe ist viel los und die Rundsicht ist fantastisch! Zerklüftete Bergspitzen bis 2196 m. Wir packen den Rucksack und wandern einen zweistündigen Rundweg. Grosse Wiesen mit Farn und vers. Blumen, Föhrenwälder und bizarre Steinhaufen. Fahren den Pass hinunter und kommen an einem wunderschönen Fluss mit vielen klaren Bassins vorbei, die zum Bad einladen. Und schon wieder zurück in Porte Vecchio.

9. Juni - Bonfifacio und Überfahrt nach Sardinien

Diese Nacht war mehr als laut: gleich neben uns hat sich spät abends ein Kühltransporter gestellt, der so jede Stunde sein Kühlaggregat laufen lässt und Lärm macht. Am Morgen gibt’s im Hafen noch Kaffee und Internet. Dann wieder nach Bonifacio, wo wir die Nachmittagsfähre nach Sardinien nehmen, oder auch nicht: bereits ausgebucht. Ein riesiger, vermutlich brandneuer Segler kommt in den Hafen. Den Masten schätzen wir auf über 50 m Höhe, die Breite etwa 25 m und die Länge ca. 40 – 50 m. Kaspar fragt einen Angestellten des Schiffs, was denn dieses Prachtexemplar denn etwa kostet: ca. 100 Mio Euro. Alle Leute machen Fotos: der Schiffseigner auf Deck fühlt sich vermutlich wie im Zoo. Wir müssen uns die Zeit bis 18.30 Uhr vertreiben und steigen die Roi Aragon Treppe zum Meer runter (187 steile und hohe Stufen).

50-minütige Überfahrt nach Santa Teresa Gallura. Kurzer Spaziergang durch den Ort. Übernachtung am ‚Bus-Bahnhof‘ (Platz für 7 Busse). Bis zum nächsten Morgen kommt ein Bus an und einer fährt morgens los – ob hier wohl immer so eine Hektik herrscht?

10. Juni - Ostküste bis zum Golf von Orisei

Während dem Frühstück ruft‘s ‚wolle provare Schafkäse!‘ Ein Händler gibt uns Käse zum probieren. Es gibt nicht nur ein Stück zu kaufen, er überredet uns gleich einen halben Käse zu kaufen - was ist jeweils unsere Devise - direkte Entwicklungshilfe und wir sind stolze Besitzer von 2,3 kg Schafkäse und einem Salami. Fahren die Küstenstrasse (Ost) nach Arzachena, wo wir einen Abstecher zur prähistorischen Stätte ‚Tomba die Giganti Lu Coddu Vecchiu‘ machen. Wir sind zu früh und so warten wir auf die Öffnung zu diesem Grab. Sind enttäuscht, so dass wir zwei andere Gräber auslassen. Weiter über Olbia der Küste entlang bis Dogali. Dazwischen war eine 10 km Umleitung über Schotterstrasse. Bigi hatte das Schild ‚no Autocarri‘ gesehen, aber wir haben nicht reagiert. Nach ¾ der Strecke kommt uns ein kleines, blaues, angeschriebenes Fahrzeug mit zwei Carabinieris entgegen. Kaspar wird von einer Polizistin ‚zusammengeschissen‘, worauf er mit den Händen in gutem Züridütsch lamentiert: …. Nüt agschriebe, wo söll ich dänn chere, und überhaupt ….. worauf Sie nur noch eine Handbewegung macht und uns weiterwinkt.
Die Serpentinenstrasse hinab nach Cala Ganone am Golfo die Orisei, wo es einen terrassierten Stellplatz in Strandnähe gibt. Das Eingangstor ist zu niedrig und wir hängen mit unserem Dachspoiler ein - die Höhe war eigentlich gut, aber Bigi hat unwissentlich die Bewegung des 4x4 nicht einkalkuliert. Unser MAN kriegt langsam aber sicher Patina. Nun gibt’s ein kühles Bad im Meer.

11. Juni - Nuoro und Orgosolo

Fahren mit dem Roller nach Nuoro, einem kleinen Städtchen in den Bergen. Bummeln durch die engen Gassen. Trinken im 1857 gegründeten Kaffehaus Tettamanzi unseren Espresso. Fahren auf den Hausberg Ortobene, von wo man einen herrlichen Rundblick über die Sardinische Bergwelt geniesst. Die Strassenbeschilderung ist wieder einmal so gut, dass wir sehr lange rumkurven bis wir die richtige Strasse erwischen nach Orgosolo. Hier haben die armen Leute (Schafshirten) mittels Bildern an Hauswänden gegen die italienische Regierung und die sardischen Grossgrundbesitzer demonstriert und sind somit bekanntgeworden. Das Dorf ist total verschlafen und macht nichts aus seiner Bekanntheit. So wie es in unserem Buch ‚Traumstrassen Europas‘ ganz speziell vermerkt ist, haben wir uns ein schmuckes Bergdorf mit vielen Galerien und schönen Restaurants vorgestellt, aber nichts dergleichen. Fahren über kurvenreiche Strassen durch unbewohntes Gebiet, zum Teil karge Landschaften mit wenig Gemüse- und Weinbau zurück nach Cale Ganone.

12. Juni - Grotten Bue Marino

Die ganze Nacht starker Wind vom Landesinnern und somit hat es geschüttelt und gepfiffen. Fahren mit dem Boot – trotz Befürchtung einer Touristenfalle – zu den Grotten Bue Marino. Die Grotte geht 1,5 km in den Berg hinein und wir Touristen können zu Fuss 900 m besichtigen. Was wir sehen ist beeindruckend: Stalaktiten und Stalakmiten, Orgelpfeifen und Spiegelsaal. Hat sich gelohnt, war keine Touristenfalle. Später Camper bereitstellen und über mehrere Pässe, davon den Genna Silena (1017 m) mit Blick in die Su-Gorroppu-Schlucht. Im Dorf Bunei suchen wir den Weg zum Golgopass (auf Empfehlung), verfahren uns, müssen unter schwierigsten Umständen wenden, wieder zurück durchs Dorf, finden dieses Mal den Weg, aber ohalötz…. Nach etwa der fünften Spitzkehre ist für unseren MAN der Traum vom Golgopass vorbei. Ca. 300 m rückwärtsfahren, wenden und nochmals durchs enge Dorf. Kaspar hat genug für heute. Nach dem Dorf sehen wir einen Wegweiser zu einer Pizzeria mit Meersicht, versuchen nochmals unser Glück und fahren die Strasse mit 20% Gefälle runter bis fast zum Meer. Traumhaft! Kaspar geht trotz Seeigeln in den Felsen baden und schon lockt die Pizzeria.

13. Juni - Nuraghen-Anlage Su Nuaxi

Sternenklare Mondnacht mit Blick aufs Meer. Bigi schläft gut, Kaspars Bauch ist jedoch zu voll. Er nimmt sich vor, ab morgen wirklich nur noch die Hälfte zu essen. Fahren früh los nach Arbatax. Eher enttäuschend, denn ausser den roten Klippen am Hafen gibt’s nichts zu sehen. Uns fehlen schon die morgendlichen Croissant zum Kaffee und kaufen wieder einmal Sardische Süssigkeiten ein – gemäss Kaspar aber wirklich das letzte Mal. Dann quer durchs Land die S198 über Lanusei nach Seui. Wir überqueren öfters das Bahntrasse einer Schmalspurbahn. Geleise alles in Ordnung und sie soll noch in Betrieb sein, eine ganz verrückte Streckenführung. Dörfer und Städte auf Sardinien sind für unseren MAN ein klein wenig zu schmal dimensioniert. Bigi fallen die Herzen der Machos am Strassenrand sitzend zu, denn hier oben in den Bergen kurvt nicht jeden Tag eine LKW-Fahrerin herum. Uns fallen die Strassenschilder auf. Alle sind durchschossen und es scheint, als ob dies der sardische Volkssport ist. Müssen als LKW jeweils die Umfahrungsstrasse nehmen, kurven dann mind. 300 Grad ums Dorf – wo sind die Wegweiser – und finden mit Mühe unseren Weg. Wir fahren über Pässe, durch Täler, windige und kurvige Strassenstücke und eindrückliche Landschaften, mit an den Hängen angeklebten Dörfern. In einem Dorf, wo Plastikfähnchen über die Strasse gespannt sind, reissen wir prompt eine Fähnchengalerie ab. Am Ende des Dorfes müssen wir diese von unseren Velos abhängen. In Barumini gibt es eine prähistorische Siedlung mit schloss- und burgartigen Gebäuden, die Nuraghen-Anlage Su Nuraxi, eine der grössten Sehenswürdigkeiten Sardiniens. Wir machen eine Führung mit, die sehr interessant ist. Kaspars Kommentar: ‚die händ da aber schön gsändelet.‘ Nun stehen wir auf dem Stellplatz in Tuili. Apéro in einer nur von Männern besuchten typischen sardischen Bar und träumen von der Weltstadt Feldbrunnen. Für uns unvorstellbar, hier zu leben. Was die Leute hier wohl den ganzen Tag machen? Zum Tagesabschluss lesen wir den gestrigen Blick, den wir für zwei Euro in Arbatrax gekauft haben (steht nichts Gescheites drin). Kaspar macht im Camper Jagd auf viele kleine Mücken.

14. Juni - Costa Verde

Fahren über Villamar nach San Iluri, dann ein kurzes Stück Autobahn Richtung Oristano, um bei Uras Richtung Meer abzubiegen. Passieren einen Damm. Hier werden die Moules gezüchtet; hundertausende davon hängen an Schnüren ins Meerwasser. Wir überqueren den Damm (ca. 1 km) zu Fuss, um auf der anderen Seite im Hafen den Fischern zuzuschauen. Die Fänge sind nicht gross: Calamares, Krebse, ein paar Fische und sonstiges Getier. Wieder zurück über den Damm, wo eigentlich Fahrverbot ist. Aber hier herrscht reger Verkehr, typisch Italien. Kaufen am Strassenrand Früchte und eingemachte Peperoni. Dann der Küste ‚Costa Verde‘ entlang mit vers. Stränden. Heute ist Sonntag und Kind und Kegel sind am Meer. Finden einen schönen nicht offiziellen Stellplatz, nehmen ein Bad, fahren weiter über Schotter- und Sandpiste zu den grossen Sanddünen ‚Marina di Aribus‘. Wir sind nicht beeindruckt, also weiter bis zu einem verlassenen Zink-Silber-Bergwerk, wo wir die Diashow besuchen.

Weiter geht’s nur bis 3,5 Tonnen, also retour zum inoffiziellen Stellplatz am Meer, wo wir übernachten. Zum Tagesabschluss schlägt sich Kaspar am Markisengestänge Nase und Lippen blutig. Aber dies verdierbt ihm nicht den Appetit an Spaghetti Carbonara.

15. Juni - wir feiern unseren 5. Hochzeitstag

Nach dem Frühstück kurven wir ein kurzes Stück retour und dann über Arbus (kleines Städtchen, tote Hose – das wär was für Bigi). Kurz vor Fluminimaggiori runter an den Strand um kurz vor Buggeru auf einem abgestuften Stellplatz unsere Biwak aufzuschlagen. Gehen baden. Kaspar hat sich eine Hauterkrankung an den Oberschenkeln eingebrockt. Salben, salben hilft hoffentlich allenthalben. Heute Abend ist grosser Ausgang. Bigi macht sich hübsch mit langem von Kaspar so ‚geliebten Sackkleid‘ und dem neuen Schal, welchen sie in der Provence am zweiten Tag schon gegängelt hat. Und dies alles für das einzige Restaurant am Strand weit und breit. Das Festmenu besteht aus: Blötterliwasser, sardischem Rosé, gemischter Salat, Spaghetti a la casa, gegrillte Fischplatte (Shrimps, Thunfisch, Calamares und ein ganzer Fisch). Kaspar fordert den Chef gleich auf, diesen Fisch doch für uns zu filetieren. Kaspar hat anscheinend nicht genug gegessen, da wir alles schön geteilt haben. Er bestellt noch Käse und dann noch eine sardische süsse Spezialität (eher Sandsturm) und Espresso. Ein friedlicher, gelungener Abend mit romantischem Sonnenuntergang. Wir freuen uns auf die nächsten fünf Ehejahre.
Frage an Denzel Washington: ‚was ist das Geheimnis einer langjährigen Ehe?‘
Antwort: Tu was deine Frau sagt: ‚Ja, Liebling‘ und tief durchatmen! (hat Kaspar heute im ‚Das Beste‘ gelesen)

16. Juni - Capo Spartivento

Kaspars erste Worte heute früh: ‚ich kam mir diese Nacht wie ein grilliertes Spannferkel vor. Das Fett tropft nur so auf meiner Brust.‘ Kaspar wird nicht wach und so schleicht er am Strand eine Stunde hinter Bigi her. Meerbad, Morgenessen und noch etwas leuen. Plaudern noch mit einem deutschen Ärzteehepaar. Dann dem Meer entlang nach Masua, wo es einen grossen aus dem Meer ragenden Felsen - Zuckerhut - gibt. An dieser Küste wurde bis 1984 Bergbau (Silber/Zink) betrieben. Noch heute sieht man die Überreste, ganze zusammen geschlagene Dörfer, Schutthalden und viel Eisenschrott. Wir sollten dringend wieder Wasser ohne Kohlensäure kaufen. In einem kleinen Dorf erspähen wir einen Supermarkt und kaufen 36 Liter Wasser ein, die wir bei 35 Grad am Schatten zum Auto schleppen. Nun rinnt das Wasser an uns herab und denken ‚es war nicht die beste Idee‘. Weiter über Carbonia, Giba nach S. Anna Arresi an einem grossen Militärlager vorbei wieder an die Küste. Wir fahren durch ein Meer von blühenden Oleanderbüschen, weiss, rot und lachsfarben. An dieser Küste hat es wunderschöne Strände und das Meer ist kristallklar in allen möglichen Blautönen. Nun stehen wir auf einem Stellplatz unter schattenspendenden Eukalyptusbäumen am Capo Spartivento, dem südlichsten Punkt Sardiniens. Der gut gepflegte Sandstrand ist nur 400 m entfernt. Zum Strand wandern wir an einer Lagune entlang, wo ca. 100 Flamingos leben. Wussten nicht, dass es in Europa frei lebende Flamingos gibt. Da unser Camper öfters den Duft des sardischen Käses ausströmt, muss sich Bigi die Verwertung desselben in die Hand nehmen. Heute gibt’s Tomatenrisotto mit Käsewürfel. Heute haben wir uns wieder einmal richtig über die Strassenbeschilderung geärgert, denn von unserer Seite hat man sie nicht gesehen - erst in der Gegenrichtung, nachdem wir umgekehrt haben.

17. Juni - ein Tag Ferien

Heute ist Ruhetag. Wir können nämlich keine Minute mehr ruhig sitzen. Es muss immer etwas passieren. Nehmen ein Bad und nach dem Morgenessen sünnele und lesen. Aber oha, die Aktivität holt uns wieder ein. Der Kühlschrank wird abgetaut. Und so geht unser erster Ferientag zu Ende.

18. Juni - Cagliari

Der Küste entlang nach Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens. Das Schiffsbüro für die Ticketausgabe der Fähre schliesst um 12.30 Uhr – die zuständige Dame geht soeben in die Mittagspause und wir erfahren wenigstens von unserem Glück, dass jeden Freitag eine Fähre nach Palermo ablegt. Wir müssen bis 16.30 Uhr warten und dies nur, weil Kaspar Bigi ins Leere fahren lies. Mit der Siesta nehmen es die Italiener sowieso sehr genau: von 13.00 bis 16.30 Uhr sind sozusagen alle Läden geschlossen und man muss auch keine Parkgebühren bezahlen. Somit haben wir Zeit, die winkligen Gassen zu durchstreifen und die Zitadelle zu besuchen, finden ein Internet-Kaffee und Bigi kann wieder einmal Aktuelles ins Netz stellen sowie Emails herunterladen. Zurück zum Ticketbüro und nach längerem hin und her und warten, Grund unbekannt, erhalten wir für morgen Freitag eine Überfahrt in der Holzklasse nach Palermo für 303.88 Euro. Dann weiter der Küste entlang. Es hat viel Verkehr, was wir nicht mehr gewohnt sind. Fahren an einem Strand mit wildem Stellplatz vorbei bis kurz über Vilasimius. Kehren um und übernachten in Solanas inmitten einiger Camper direkt am Strand.

19. Juni - Überfahrt nach Sizilien

Heute um 18.00 Uhr ist Verschiffung und um 19.00 Uhr Abfahrt nach Sizilien. Somit geniessen wir einige Stunden am Meer. Im ein Kilometer entfernten Dorfladen holen wir morgens Brot, Eier und Tomaten. Was man in diesen Tante Emmas Läden auf kleinsten Raum findet, ist einfach grossartig. Dann schauen wir auf dem Stellplatz zu, wie sich ein Camper nach dem andern im Sand eingräbt. Von einem Aargauer werden wir gefragt, ob wir ihn herausziehen könnten. Wir beratschlagen das Vorgehen. Kaspars Abschleppseil ist zu schwach. Ein deutscher LKW-Verkäufer versucht es mit Herausfahren und siehe da, zu unserem Erstaunen schafft er es! Wir brauchen keine Stunde zu warten und siehe da, ein Franzose versenkt sein Fahrzeug bis zur Achse. Es ist ein perfides, nicht sichtbares Sandloch. Ein Holländer, der alles mitgekriegt hat wartet schön brav nebenan auf unseren schönen freiwerdenden Platz ohne Sandlöcher. Nach einem letzten kühlen Bad, der Strand ist wirklich schön, das Wasser kristallklar und blau, fährt Bigi bei viel Verkehr sicher nach Cagliari. Dort lassen uns die Sicherheitsleute am Hafen nicht durch. Der Hafen ist wohl ein einziges riesiges Gelände, aber mit zwei Eingängen. Kaspar versteht wieder einmal nicht, dass ein Mensch so stur sein kann und Bigi muss die Regie übernehmen, aussteigen, fragen und höflich sein. Also zurück und schön brav herumkurven zum anderen Eingang, wo wir ohne Kontrolle passieren können. Suchen das schönste Schiff, welches prompt nicht nach Palermo fährt. Kehren um und finden unseren Frachter ‚Toskana‘ mit Kabinen am gegenüberliegenden Ende des Hafen. Gut, dass wir schon früh hier waren, schnell alles Notwendige für die Überfahrt zusammen suchen, denn wir können schon zwei Stunden vor Abfahrt einfahren.

Schnell in den Bug des Schiffes und dann in den Salon mit Bar rennen, um für die Überfahrt von 13,5 Stunden einen Schlafplatz zu ergattern. Alle Passagiere machen sich breit, wir auf einem 4-er Sofa. Diesmal fahren wir also nicht Holzklasse, sondern Sofaklasse. Bei schönstem Wetter und ausgesprochen glatter See läuft das Schiff aus. Im Bord-Self-Service gibt’s noch Lasagne (tiefgefroren), Penne und einen Schluck Rotwein. Kaspar flirtet noch intensiv mit einem 4-jährigen Mädchen bevor wir uns zum schlafen einrichten.

20. Juni - Palermo und ein Monat unterwegs

Die Sofaklasse hat es in sich. Wir sind gerädert! Die ganze Nacht brannte ein gleissendes Licht. So sind wir froh, am Morgen das Landmanöver an Deck mit verfolgen zu können. Wie immer braucht es etwas Geduld, bis alle Leute in der ‚Garage‘ unten sind und man rausfahren darf. Suchen den gesicherten und bewachten Stellplatz und kommen durch Bigi’s fragen sehr schnell in die Nähe, drehen uns aber dann doch mind. dreimal im Kreis, bis wir die kleine Einfahrt erwischen. Nicht gerade schön gelegen, aber sicher und ruhig für eine Grossstadt. Nun gibt’s ein spätes Frühstück und anschliessend ein Nickerchen. Das zweite Mal in diesen Ferien regnet es ganz leicht. Dann 1 km zu Fuss bis zur Bushaltestelle Nr. 101. Fahren in die Innenstadt, wo wir beim Theater Politeama aussteigen. Es ist wieder einmal Siesta-Zeit und menschenleer. Wir finden den offenen Doppelstöcker Sightseeing Bus und lassen und durch die Altstadt von Palermo chauffieren. Man kann an jeder Haltestelle 24 Stunden ein- und aussteigen. So bekommen wir einen guten Überblick über die Sehenswürdigkeiten, Märkte und die Altstadtgassen. Besuchen die in verschiedenen Baustilen gebaute

Kathedrale sowie die Krypta mit den aus dem 12. Jh. stammenden Särgen. Dann über die farbenfrohen, lärmigen Gemüse-, Früchte-, Fleisch- und Fischmärkte Vucciria und Delcapo, kreuz und quer durch die Altstadt. In der Flaniermeile erwacht das Leben nach der Siesta und viele Einheimische sind beim Samstag-Einkauf unterwegs. Kaspar bekommt fast die Halskehre, denn die Italienerinnen haben eine ‚bella figura‘ und wissen, wie man sich sexy kleidet. Suchen uns ein nettes Restaurant in einer sehr schmalen Gasse und feiern ‚1 Monat Gloor on tour‘. Entscheiden uns für das Menu mit Fleisch: Pasta, Bistecca, Früchte, Kaffee und Wein. Na ja, wir sollten es ja wissen: das Bistecca in Italien ist nicht unsere Sache, zäh wie Kaugummi. Mal sehen, ob wir wieder Lebensabschnitt Vegetarier werden.

21. Juni - Palazzo Reale und Capella Palantino

Nach dem obligaten Frühstück wieder mit dem Bus ins Stadtzentrum zum Palazzo Reale. Wir wollen mit dem Bus zum 7 km entfernten Monreale, aber am Sonntag schliesst ja alles schon um 12.30 Uhr und somit reicht die Zeit nicht mehr. Also besuchen wir als Alternative den Palazzo Reale, wo das sizilianische Parlament tagt. Dann in das Highlight des Palazzo ‚Capella Palantino‘. Wirklich die ganze Kirche ist mit Mosaikfresken bedeckt. So etwas haben wir noch nie gesehen. Mund und Augen bleiben vor Staunen offen und der Fotoapparat läuft heiss: klick klick. Von hier aus geht’s runter zum Palazzo Stevi. Auf diesem Platz wurden früher die Banditen gehängt, geköpft und der Park diente als Duellierplatz. Hier ist eine Broccant, und Kaspar muss natürlich durch. Im Park lassen sich die Zweit-Kommunikanten in ihren weissen Kleidern von Berufsfotografen filmen und zusammen mit ihren stolzen schwarz gekleideten Eltern fotografieren. Nach einer Pizza wandern wir 3 km zum Bus 812, der uns auf den Monte Pellegrino bringt. Hier ist ein Kloster mit einer Grotte für die schwarze Madonna. Hier gibt’s viele Souvenirläden mit Kitsch und Ramsch. Gegen Abend setzt eine böiger Wind ein und es beginnt zu strätzen. Und oha, wir geniessen es sogar!

22. Juni - Kathedrale von Monreale und Trapani

Die ganze Nacht hat es zum Teil heftig geregnet mit Sturmböen. Wir wollen nun auf der Weiterfahrt Monreale besuchen. Aber leicht gesagt, und ohne Wegweiser ein schwieriges Unterfangen. Natürlich verfransen wir uns und müssen wenden. Vor Monreale erwischen wir prompt auch noch die falsche, alte Bergstrasse und vor der Stadt ist dann definitiv Schluss. Wie bestellt ist ein gelbes Bus-Feld markiert und wir stellen unseren Camper hin. Im schlimmsten Fall gibt’s einen Bussenzettel fürs Tagebuch. Besuchen die uns für uns wohl schönste Kathedrale von Europa mit 6300 m2 Mosaiken, welche vom alten und neuen Testament erzählen. Die grösste Kathedrale Siziliens ist 102 m lang, 40 m breit mit 18 Säulen aus dem 11./12. Jh. Das Museum mit den schönen Silberkelchen und Gobelingewändern erzählt von ausgezeichneten Kunsthandwerkern.

Ebenfalls sehenswert ist der Kreuzgang mit seinen 216 Säulen. Weiter fahren wir auf der Nr. 113 ins Landesinnere über einen kurvenreichen Pass und durch schöne bergige Landschaften. Hier wird viel Landwirtschaft Rebberge, Olivenbäume und Gemüseanbau betrieben. Müssen ein kurzes Stück auf die Autobahn, da wir plötzlich vor einer Brücke mit 3,5 m standen. Also dies haben wir in er Zwischenzeit gelernt: wenden.

Weiter bis Trapani an den Hafen. Besuch der schönen barocken Altstadt. Im Gegensatz zu Palermo ist hier alles sehr schön restauriert und sauber.

23. Juni - Salinen und Akropolis von Selinunte

Folgen der Küstenstrasse zu den Salinen (Salzgewinnung aus dem Meer). Hier möchten wir gerne das Salzmuseum besichtigen: geschlossen! Also schauen wir uns selbst um. Windmühlen, Salzgärten, Salzseen und Salzberge, welche mit Ziegeln zugedeckt sind. Nehmen etwas Salz als Erinnerung mit. Dann weiter nach Marsala, Herkunft des berühmten Marsala-Weins. Dies ist das gleiche alkoholische Getränk wie Portwein. Da wir diese Art Weine nicht lieben, kaufen wir keinen. Das Städtchen Marsala ist hübsch und Bigi darf wieder einmal shoppen.

Weiter die Nr. 115 dem Meer entlang nach Selinunte, einer griechischen Stadt mit Akropolis und vielen alten grossen Steinhaufen. Ist jedoch sehr schön am Meer gelegen. Bei der Besichtigung sagt Kaspar zu Bigi: ‚schau ein wenig intelligent‘. Worauf Bigi antwortet: ‚mache ich ja, habe die Brille auf‘.
Bei Sizilianischen Städten und Dörfern gibt es mehrere Durchfahrten. Leider wissen wir nie, welches der richtige Weg für unser Gefährt gut ist. Meistens erwischen wir die falsche Strasse und sind am Ende vielfach am A….. Das heisst Wendemanöver unter schwierigsten Bedingungen. Heute musste uns sogar die Carabinieri aus dem Sch…. helfen.

24. Juni - Caltabellotta

Allgemein Richtung Agrigento. Bei Sciacca machen wir einen Abstecher ins nahe Gebirge nach Caltabellotta, einem kleine Bergdorf auf 880 m, welches sich an die Flanke eines Gebirges anschmiegt. Die Häuser des Dorfs sind aus dem Gebirgsgestein gemauert, so dass es von weitem fast nicht gesehen wird. Parkieren (wir sind schlau geworden) etwas ausserhalb des Dorfes und marschieren alles bergauf bis zum Panoramablick. Man sieht auf das Dorf und bis zum Meer hinunter. Heute ist gerade Markt und wir schlendern an Gemüse, Früchte, Kleider, Käse, Fleisch und Haushaltständen vorbei. Es herrscht ein reges Treiben. Mit zwei älteren Herren kommt Kaspar ins Gespräch. Die beiden sprechen recht gut Deutsch, da sie in den 60iger-Jahren in Deutschland Fremdarbeiter waren. Bei einem Pouletstand kaufen wir zwei gegrillte Pouletschenkel mit Pommes Frites. Diese vertilgen wir gleich auf einem Bänkli mit Aussicht. Dann durch verwinkelte Gassen und Treppen zum Camper zurück. Wieder an die Küste herunter zu den Ausgrabungen ‚Eraclea Minoa‘ – ein Reinfall! Durch eine schöne Landwirtschaftszone (Oliven und Zitrusfrüchte) und hügliges Gelände sind wir nun in Agrigento, dem ‚Valle die Templi‘ angekommen. Stehen in S. Leone auf einem Campingplatz. Wäsche ist angesagt - na ja, in so kurzer Zeit kann die Wäsche ja nicht sauber aus der Maschine kommen. Auf jeden Fall ‚hat die Wäsche Wasser gesehen und Waschpulver gerochen‘ und wird an der Leine im Wind getrocknet. Nun machen wir es uns gemütlich am Swimmingpool und abends noch einen Spaziergang zum Meer.

25. Juni - Valle dei Templi/Agrigento

Wollen mit dem öffentlichen Bus zum Eingang des Valle dei Templi fahren. Der erhaltene Fahrplan ist für uns ‚nicht lesbar‘: wann fährt denn der Bus? Eigentlich sollte der Bus schon durch sein, aber er könnte Verspätung haben. Nach 5 Minuten warten marschieren wir los, Bigi immer mit einem Blick nach hinten. Wau, ein Bus kommt! Bigi schwenkt wild die Arme und siehe da, der Fahrer hält an und lässt uns einsteigen. Das käme in der Schweiz einem Aufstand gleich, wenn der Bus zwischen den Haltestellen anhält. Es muss hier überhaupt einmal gesagt sein, dass die Leute jederzeit nett und hilfsbereit sind. Im Valle dei Templi besorgen wir uns mit dem Ticket einen Audioguide und machen uns auf den Weg. Riesiges archäologisches Gelände mit wirklich schönen Tempeln auf einem Felsrücken gelegen.

Wir erfahren einiges über die Geschichte der Kartager, Römer, Griechen und ihre Krieger mit 50 Elefanten. Dann zurück ins Camping, denn Schwimmbad mit sünnele ist angesagt. Eine Aquagym-Gruppe ist im Wasser. Bigi steigt ins Wasser und macht mit, während Kaspar sich amüsiert. Abends zu Fuss ins Ort, wo Kaspar sich einen neuen Haarschnitt verpassen lässt. Wir erkundigen uns auch gleich nach einem guten Restaurant, denn wo Einheimische essen ist immer gut. Im Restaurant Mole bestellen wir beide das Fisch-Menu: eine echte Überraschung, alles herrlich frisch zubereitet und super frisch; Austern, Meeresfrüchtesalat, Moules, Calamares, Sardinienfilet, Risotto mit Muscheln, Penne mit Thon, vers. Fischfilet mit Sauce und dazu einen Wein aus der Region. Unsere Wäsche (teilweise schmutziger als vorher) ist immer noch nicht trocken trotz stetiger Hitze und Wind, denn anscheinend ist es feucht. Also müssen wir morgen einen Teil der Wäsche nochmals raus hängen.

26. Juni - Villa dei Casale

Heute hat Bigi so richtig Ferienstimmung: Früh morgens schon einen Schwumm und Kaspar serviert am Pool Kafi und Schoggigipfeli! Mittags machen wir uns auf ins Landesinnere Richtung Enna. Dann über die S 117-bis nach Piazza Armerina. Durch hüglige Landschaft mit Kornanbau und Olivenhaine. Die grossen Kornfelder sind meistens schon abgeerntet und leuchten goldgelb. In Piazza Armerina besuchen wir die Villa dai Casale. Eine ausgegrabene römische Villa mit 42 Räumen, in welchen die wohl schönsten Mosaiken aus dieser Zeit zu sehen sind. Unwahrscheinlich gut erhalten aber hier kann noch mind. eine Generation restaurieren. Weiter zu einem nahegelegenen Museum, eine herrschaftliche Villa mit einer riesigen Sammlung alter Kunstgegenstände. Dann zurück durch das enge Piazza Armerina. Erwischen eine rechtwinklige Kurve nur, da sich auf der gegenüberliegenden Seite eine Tankstelle zur Durchfahrt findet. Weiter nach Caltagirino und Catania. Die Gegend ändert sich je näher wir dem Meer kommen. Es wird wieder grün. Orangenbäume so weit das Auge reicht. Ebenfalls sehen wir ganze Felder mit den flachen Kakteen. Vermutlich werden derer Früchte geerntet. Lassen Catani rechts liegen und fahren via Nicolosi zur Seilbahnstation des Äthna auf 1900 m. Parkieren auf grossem Parkplatz mit Sicht über das weite Land und Catania. In der Nacht können wir zwei Füchse beobachten, welche im Kehricht nach Fressbarem suchen. Die Italiener haben immer noch die Mode, alles wegzuwerfen. Überall liegt alles herum, selbst in Nationalparks.
Eine Anmerkung zur Fahrweise der Sizilianer: Ist kein Verkehr, bummeln sie. Kaum ist etwas los auf der Strasse oder es wird eng, so fahren sie drauf los. Jeder ist sich selbst der Nächste! Sie haben nicht einmal vor unserem Gefährt Respekt und manchmal schiesst Kaspar die entgegenkommenden Fahrzeuge buchstäblich ab, bis sie gewillt sind auszuweichen oder rückwärts zu fahren. Dies wird jedoch meistens mit einer gewissen Gestik quittiert.

27. Juni - Äthna

Haben ausgezeichnet geschlafen, es war kühl: 15 Grad. Gehen zur Ätna-Information. Wollen eine Tour zu einen Krater machen, aber Kaspar darf mit seinen Halbschuhen nicht mit – am Ende des Tages sind wir froh, dass wir diese Tour nicht mitmachen durften. Anstatt mit den kleinen Gondeln von 1910 auf 2500 m zu fahren, marschieren wir in der Falllinie über Geröll zur Bergstation. Wir überholen noch eine Gruppe aus Malta. Sie machen ein Training für den Kilimandscharo. Nach 1,5 Std. haben wir den Aufstieg schon geschafft und lunchen. Das Wetter ist wechselhaft und im Nu sind immer wieder neue Wolken da und Gewitterwolken ziehen vorbei. Weiter mit einem Unimog-4x4-Touristen-Bus auf 2920 m, um dort mit einem Bergführer den Krater 3050 m zu besuchen, dessen Lava im Jahre 2001 die Skilifte samt Parkplatz und Hotel total zerstört, sowie die Strasse verschüttet hat. Wenn man im Lavagestein nur ca. 15 cm eine Grube macht, so ist darin bereits warm bis heiss. Wenn Lava aus der Erde sprudelt hat es eine Temperatur von 1300 Grad. Das Lavagestein kann bis zu 11 Jahren die Wärme speichern. Rote Lava ist eisenhaltig, gelbe schwefelhaltig, schwarze Urgestein. Es weht ein empfindlicher Wind und es ist sehr kalt. Geschätzte Temperatur 3 Grad. Fahren zurück zur Bergstation. Dann weiter zu Fuss. Diesmal nehmen wir die kurvige und einiges längere Strecke der Fahrstrasse entlang. Machen noch eine Tour durch sämtliche Souvenirläden am Platz. Nachher geniessen wir in der Abendstimmung die Aussicht auf Catani und Äthna.

28. Juni - Taormina mit Amphitheater

28. Juni - Taormina mit Amphitheater
Kraxeln noch auf zwei kleinere Vulkankrater (Eruption 2001). Wenn ein Vulkan mal ausgebrochen ist, ist dieser Krater erloschen und bricht niemals mehr am selben Ort aus. Am Strassenrand kaufen wir dem Bildhauer Salvatore einen aus einem Lavastein gemeisselten Fantasiekopf ab.

Dann via Zafferana, Milo an die Küste nach Giarre. Der Küste entlang – dem sonntags voll bevölkerten Strand entlang - bis über Naxos zur Touristenstadt Taormina. Besuchen, nachdem wir lange einen Parkplatz gesucht haben, das schön gelegenen Amphitheater ‚Theatro antico Taormina‘. Schlendern durch die schönen Strassen mit den vielen teuren Boutiquen. Am Piazza will Kaspar Bigi zu einem Kaffee einladen. Sitzen im schönsten Kaffee mit Aussicht aufs Meer ab, der Kellner bringt die Speisekarte, Bigi sieht den Espressopreis Euro 4.20! Wir hauen ab und trinken in 50 m Entfernung stehend an der Bar unseren Espresso für 1 Euro. Nachher zurück zum Camper und wieder 20 km Richtung Catania, um dann rechts zum Äthna Nord hinauf zu fahren. Hier brach der Äthna im Oktober 2002 aus und zerstörte die ganze Infrastruktur des Touristen- und Skigebietes. Man sieht nur grosse Felder mit Lavasteinbrocken und Baumstrünke ragen aus der schwarzen Masse. Der Wiederaufbau ist im Gange und es hat wenigstens schon mal grosse Parkplätze.

29. Juni - Äthna Nord und Capo di Milazzo

Kleine Wanderung auf die nächste Anhöhe. Guter Überblick über die Lavaströme, welche am 27. Okt. 2002 um 12.45 Uhr die ‚kleine Ortschaft‘ mit Hotels und Skiliften vernichtet hat. Wir fragen uns, ob am Äthna eine Versicherung für den Schaden zahlt oder ob jeder hier auf eigenes Risiko geschäftet. Die kurvige Strasse hinunter auf die SS120 nach Randozzo, weiter die SS160 über einen Pass (1264 m) nach Floresta. Langsam aber sicher begreifen wir, wie die Italiener ‚ticken‘. Da steht ein Schild: LKW und Camper über 3,5 t nicht gestattet. Aber das Schild steht 2 m nach der Kreuzung. Also fahren wir weiter und denken, jetzt müssen wir dann gleich nach rechts abbiegen. Weit gefehlt! Wir müssen zum x-tenmal wenden, zurück zum Hinweisschild und ausserhalb des Dorfes herumfahren. Durch hügliges Gelände über viele Serpentinen (waren ja auf 1264 m) nach Brolo. Kurzes Stück auf der Küstenstrasse und so schnell als möglich ab auf die Autobahn nach Richtung Messina. Wie immer wenn Kaspar kommt ……… bei der Ticketmaschine für die Autobahngebühr ist der Knopf für LKWs – auf 2 m Höhe – defekt und Bigi muss aussteigen und unten auf 1 m für normale Autos ein Ticket ziehen. In Milazzo wollen wir eigentlich auf den Stellplatz, finden diesen im ersten Anlauf nicht und fahren aufs Capo di Milazzo raus. Kurzer Stop. Auf dem Hinweg haben wir einen Camping am Meer gesehen, wo wir nun fast alleine über den Klippen stehen. Kühles Bad im Meer und Kaspar schwelgt im siebten Himmel: Spaghetti!
Übrigens: kein Wunder, haben die Italiener immer den Krieg verloren. Man hört sie immer 100 m gegen den Wind palavern.

30. Juni - Inseln Lipari und Vulcano

Heute müssen wir (07.30 Uhr) mit Wecker aufstehen. Wir machen einen Bootsausflug auf die Inseln Lipari und Vulcano. Werden vom ‚Gango‘ vom Schiff Navigal gratis beim Camping abgeholt und 15 Min. zum Hafen cahuffiert. Mit dem Ausflugsschnellboot hinaus aufs blaue Meer. Kaspar erkundigt sich beim Käptän nach der Motorenleistung: 20‘000 PS! Es fährt dann auch ziemlich schnell. Vom Meer aus sehen wir einen riesigen Bimssteinsteinbruch, heutiges UNESCO Weltkulturerbe.

Dann in die Kleinstadt Lipori, wo wir wieder einmal durch kleine touristische Gassen schlendern. Hier auf Lipori werden die besten Kapern angebaut. Auch Gloors probieren und kaufen. Weiter zur Insel Vulcano mit seinem riesigen erloschenen Vulkan. Besuchen die schwefligen Schlammbäder und die im Meer liegende Thermalzone. Das sehr heisse schwefelhaltige Thermalwasser sprudelt im Meer. Nach dem Bad unbedingt duschen, aber der faule Eier Geschmack bleibt trotzdem an uns hängen! Auf der Rückfahrt bestaunen wir die grossen ‚berühmten‘ Felsen und Grotten. Leider funktioniert unser Fotoapparat nicht mehr – später stellt sich heraus, dass die Batterie am Ende war – also nicht Künstlerpech. Anscheinend sind viele Touristen aus Russland in dieser Gegend. Die Erklärungen auf dem Schiff sind: Italienisch, Russisch, Englisch und evt. noch Französisch. Deutsch hört und liest man hier nur selten.
Bigi spricht inzwischen schon ganz gut italienisch, wenn auch nicht lupenrein. Sie kann fragen, mit den Händen zeigen und versteht spätestens im zweiten Anlauf fast alles.