Dezember 2011
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1.Dez. - weiter Richtung 'La Paz'
Aussentemperatur 10°C. Wir steigen in das 30°C dampfende Wasser. Hier kann man sogar schwimmen. Monika und Wolfgang sind schon startbereit und wir verabschieden uns wieder einmal. Kaspar kontrolliert den Reifendruck und muss nachfüllen. Dann auf sehr guter Teerstrasse Richtung ‚Oruro‘. Es geht durch tiefe Schluchten und über hohe Pässe. Bigi muss viel schalten.
Auf ca. 4500m ‚Cordilleras central‘ fühlen wir uns auf dem Dach der Welt und die Wolken sind zum greifen nahe. Wir staunen, auch hier oben hat es in jedem kleinen Dorf einen neuen Basketball-Platz. Dies gehört zum bolivianischen Ausbildungs-Konzept. Am Dorfeingang stehen öfters grosse Steinplatten, worauf geschrieben steht: Trinkwasserprojekt der UNICEF. Es ist eine wunderschöne Fahrt. Kurz vor Challepata ist der Stausee, den uns die Holländer als ruhigen Übernachtungsplatz empfohlen haben. Nun steht der MAN auf der kleinen Staumauer, 3768 m.ü.M. mit fantastischer Sicht: auf der einen Seite die grosse Ebene, auf der anderen Seite die hohen Berge. Kaspar muss die stark verschmutzten Scheiben reinigen und Bigi presst Orangensaft. Dann wieder einmal am Tagebuch resp. Homepage tüchtig arbeiten. Heute gibt’s Röschti. Die Röschti war sehr, sehr scharf. Bigi hat das Pfefferdöschen über die Röschti ausgeleert. War trotzdem gut!
2.Dez. - Thermas Urmiri oder auch nicht!
Starten heute schon um 07.15 Uhr. Vor uns liegen 300 km gute Strasse. Auf einem der bolivianischen Märkte kaufen wir Früchte und eine Art ‚Fasnachtschüechli‘ (sehr fettig). Kaspar bekommt immer schier die Krise, wenn Bigi schon nach 5 Minuten Fahrt einkaufen will. Dafür haben wir immer wieder Frischkäse, Jogurt, Früchte, Brot und sonstiges. Kaspars Menuplan wäre etwas eintöniger. 77 km vor La Paz biegen wir rechts ab zu den 30 km entfernten Thermen ‚Urmiri‘ im Seitental auf 3200 m.ü.M. Die Strecke führt über Schotterpiste bergauf und dann steil bergab. Die Strasse ist etwa 3.50 m breit. Am Strassenrand halten kleine Kinder ihre Mütze hin. Sie jubeln als wir jedem zwei Bolivianos und ein Caramel werfen. Die vielen Haarnadelkurven meistert Kaspar nur mit ein- bis zweimal Rücksetzen. Dies ist glaube das Äusserste, was mit unserem MAN gefahren werden kann. Die Strassenführung ist wie im Reiseführer beschrieben ‚spektakulär‘. Beschliessen unterwegs, dass wir zwei Nächte bleiben, denn sonst war die Fahrt nicht der Mühe wert. 400 m vor den Thermen ist ein 2,5 m hohes Tunnel! Sch…..! Ende des Abenteuers! Mit Mühe, d.h. etwa 7 Mal hin und her, kann Kaspar wenden, Bigi lotst und träumt nur noch vom relaxen im warmen Wasser.
Den ganzen Weg im Crawler (1. Halbgang) bis max. zweiten Gang wieder zurück auf die Passhöhe 4434 m.ü.M.! Mehr als einmal war unser Herz nicht mehr am richtigen Platz (meistens in den Hosen). Kaspar wollt die ganze Zeit nicht einmal mehr einen Schluck Wasser. Er sagte nur immer: ‚ich will hier so schnell wie möglich raus!‘ Nun sagt der doch tatsächlich: ‚chumm mir fahred grad wieter bis ‚La Paz.‘ Bigi muss ihm tüchtig die Leviten lesen und sagen, ober er noch bei Trost ist, nach diesen Strapazen weiter zu fahren?! Kaspar gibt sich geschlagen. Ganz in der Nähe der Bolivian Nr. 1 stehen wir über Nacht. Die Anspannung löst sich langsam, aber Kaspar zittert am ganzen Leib vor Anstrengung. Kaspar füllt noch die Reifen mit Höhenluft. War wieder ein verrückter Tag! Die berühmte ‚Todesstrasse in Bolivien‘ müssen wir nicht mehr fahren. Die könnt ihr euch im Internet anschauen.
3.Dez. - mega City 'La Paz'
Gut geschlafen. Wir waren ja auch fix und foxi. Bigi fährt bis 20 km vor ‚La Paz‘ in die Schwesterstadt ‚El Alto‘ am Kesselrand auf 4100 m.ü.M. Hier wechseln wir, denn in der Stadt fährt Kaspar besser. Bigi sperbert nach Schildern, schaut auf Stadtplan und Navi und lotst ihn. Freunde haben uns gesagt, dass man beim ersten Kreisel rechts nach unten abbiegen soll. Wir haben Glück und finden die Abzweigung auf Anhieb (ohne obligates wenden!) mit nur einmal fragen. Nun geht es steil hinunter in die Vorstadt ‚Mallasa‘, 12 km ausserhalb. Vorbei am ‚Valle de Luna‘ und schon stehen wir 200 m vor dem ‚Hotel Oberland‘. Das Hotel gehört einem Schweizer und ist hervorragend gepflegt mit Hallenbad, Jacuzzi, Suiten und hoffentlich gutem Restaurant. Der Stellplatz grad unterhalb des Hotels entpuppt sich als grösserer, abgeschlossener Hof. Hier gibt es schöne Toiletten, Duschen und einen Sitzplatz mit Feuerstelle. Einchecken an der Reception und wir sprechen auch mit Walter, dem Besitzer. Er ist bereits seit 20 Jahren hier. Können Wäsche abgeben, müssen 24 Stunden warten und der Waschtag ist erledigt - von dem könnt ihr in der Schweiz nur träumen. Bett frisch beziehen, E-mail und Skypen mit der Familie, Kühlschrank abtauen. Kaspar nimmt sich dem MAN an: Ölstand, Reifendruck, Luftfilter reinigen, kriecht unter das Fahrzeug und kontrolliert alles (vor allem die elektr. Kabel), Teile und div. Kabelbinden ersetzen, Setupfilter entleeren, Frischwasserfilter wechseln. Nun ist Kaspar doch etwas geschafft, denn Automechaniker sein ist schon lange her. Alles macht etwas mehr Mühe auf 3300 m. Duschen und dann mit Bigi im Jacuzzi relaxen. Wir haben auf der Speisekarte ‚Fondue Bourginon‘ entdeckt und können nicht wiederstehen. In der Schweiz ist bereits 2. Advent.
4.Dez. - Sightseeing am Sonntag
Mit dem Taxi in die City. Schauen, wo der Bus für die City-Tour abfährt. Sind exakt 15 Minuten zu spät gekommen. Fahren weiter bis zur Kirche ‚San Francisco‘. Es ist nicht gerade warm und Bigi findet natürlich eine Bäckerei/Restaurant und so wird Kaffee getrunken. Wir sind für Sonntag in ‚La Paz‘ zu früh auf den Beinen (09.45 Uhr). Die vielen Marktstände sind noch nicht aufgebaut. Gehen in die Kirche ‚San Francisco‘. Die Messe ist gerade zu Ende. Schauen uns die Kirche an, ein schöner Barockbau. Aussen setzen wir uns auf eine grosse Treppe und sehen dem lebhaften Verkehr und den vielen Bolivianern zu. Von hier aus kann man gut fotografieren, denn auf Distanz sehen uns die Ureinwohner mit den bunten Röcken und ‚Melonen‘ auf dem Kopf nicht. Dann durch die Strasse mit den Handwerksgeschäften. Erstehen ein paar typische Souvenirs für wenig Geld. Claro, auch kleine Geschenke für ‚die Girls in Hochfelden‘ dürfen nicht fehlen. Eigentlich haben wir keinen Hunger. Im Touristenviertel sind die Essenspreise hoch (40 Bolivianos für ein Salatbuffet, das ist ja gelacht!). Schlendern die Hauptstrasse ‚Avenida Mcal. Santa Cruz‘ entlang. Sehen ein einladendes Restaurant im Jugendstil mit vielen Antiquitäten (Registrierkasse, Schreibmaschinen, Motorrad, Bilder etc.). Es heisst ‚Angelo Colonial‘. Hier gibt es das Sonntagsmenu mit Salatbuffet, Suppe, Rindfleisch oder Pollo, Kuchen oder Fruchtsalat und Espresso. Und dies alles für 25 Bolivianos = CHF 3.80 p. Person! Das Poulet haben wir eingepackt und essen es dann abends. Bummeln die Strasse weiter bis zum ‚Plaza Isabel La Catolica‘. Kaspar will sich in einem kleinen Coiffeurladen die Haare schneiden lassen. Sehen zufällig den City-Tourbus vorbei fahren. Also nichts wie los auf die Stadtrundfahrt, Haare schneiden kann warten.
Mit dem Doppelstöckerbus durch ‚La Paz‘. Ganz zu Beginn kommt die Durchsage, dass man zum fotografieren nicht aufstehen darf. Bald wissen wir wieso. Die elektrischen Drähte hängen so tief über die Strassen, dass diese über das Dach schrammen. Erst jetzt merken wir, dass wir eigentlich noch gar nichts von der Mega-Stadt gesehen haben. Die Altstadt liegt links (wenn man vom Valle de Luna kommt). Auf dem Aussichtpunkt ‚Killi Killi‘ haben wir eine fantastische Aussicht über die riesige Stadt und den Hausberg ‚Jllimani‘ 6384 m.
Zurück zum Ausgangspunkt. Nun geht Kaspar zur Coiffeus, welche wieder einmal seinen Kopf verschönert. Sie macht es professionell. Abends trinken wir im Hotel Caipirinha mit Monika und Wolfgang mit dem gelben Mercedes. Sie sind nun auch im ‚Hotel Oberland‘ eingetroffen. Auch sie haben ein grosses Abenteuer bei den Thermen ‚Urmiri‘ erlebt und gedacht, hoffentlich fahren die Gloors nicht hier hinunter.
5.Dez. - Shopping und 'Valle de Luna'
Nach einem kurzen Schwumm im Hallenbad geniessen wir an der Sonne unser normales Frühstück: ein weichgekochtes Ei und Joghurt mit Flöckli. Wenn das nur gut kommt! Fahren zusammen mit Monika mit dem Taxi zum nächsten Supermarkt – ca. 6 km. Bestaunen auf der Fahrt die schönen Häuser hinter hohen Mauern. In ‚La Paz‘ wohnen 1 % weisse Ausländer = ca. 10‘000 Personen. In ‚La Paz‘ ist die Einteilung wie folgt: je höher oben, desto ärmer, je tiefer im Tal mit mildem Klima, je reicher oder super reicher. Im Supermarkt gibt’s wirklich alles und wir mit fast leerem Magen! Die Theke mit Käse, Fleisch, Wurst etc. ist bestimmt 15 m lang. Dies sind unsere Augen nicht mehr gewohnt. Zurück beim Camper geniessen wir das herrlich frische Brot mit Tilsiter, Schinken, boliv. Boursin und Radiesli. Mmmh! Am Nachmittag geht’s in ‚Valle de Luna‘, das gleich um die Ecke liegt.
6.Dez. - Fahrt zum Titicacasee
Zahlen und verabschieden uns von den andern Travellern. Vermutlich sehen wir Monika und Wolfgang in der Ecolodge in Copacabana wieder. Finden den Stadt-Ausgang ‚El Alto‘ Richtung ‚Copacabana‘ recht gut, es dauert aber seine Zeit, resp. 2 Stunden. Versuchen an verschiedenen Tankstellen Diesel zu bekommen, aber überall wird abgewunken. Der Diesel reicht noch bis zur Grenze von Peru, aber dann wird es dringend! Es ist eben einfach so, dass sie an Ausländer keinen Diesel abgeben. Sie dürften laut neuestem Gesetz den Ausländern den dreifachen Preis berechnen. Da der Staat die nötigen Formulare noch nicht gedruckt hat, haben sie aber Angst, einen Fehler zu machen – dies würde zum Entzug der Lizenz führen. Für uns alles unverständlich, denn nach unserer Schätzung sind nur 100 Touristen mit eigenem Auto unterwegs.
In der Ferne tauchen braune Berge auf, und plötzlich ist der tiefblaue Titicacasee da. Die gute Strasse ist entlang des Sees angelegt. Immer wieder schöne Panoramasicht von den Hügeln. Mehrmals stoppen wir für Fotos. Kurz vor ‚San Pablo Tiquina‘ ist ein kleines Kon Tiki Museum. Hier wurde Thors Heydradals Schilfschiff für die Überquerung des Pazifiks in den 60er Jahren gebaut. Der Sohn des einheimischen Erbauers zeigt uns Fotos und wir bestaunen die grossen Schilfboote, welche er gerade in Arbeit hat. Faszinierend! Natürlich kaufen wir ein Souvenirboot sowie eine Postkarte, auf welcher der Sohn abgelichtet ist. Dann weiter nach ‚San Pablo Tiquina‘. Hier muss unser MAN auf eine abenteuerliche Fähre verladen werden. Etwas mulmig ist uns schon, wenn wir die schmalen Fähren sehen.
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Alles geht gut. Die Fähre schwankt manchmal mit unserem MAN doch recht bedrohlich. Weiter über einen Pass in den Touristenort ‚Copacabana‘. Diese Stadt war auch der Namensgeber für die weltweit bekannte ‚Copacabana‘ in Rio de Janeiro. Die Form der Bucht ist ausser der Grösse und Länge wirklich gleich! Zweieinhalb Kilometer ausserhalb des Orts finden wir die Ecolodge Copacabana. Hier übernachten wir im Garten. Vielleicht kommen ja die Andern auch noch. Bigi kocht sehr scharfe Spaghetti Bolognese und wir feiern Samichlaus mit alten Spanischnüssli aus dem Pantanal, Brasilien.
7.Dez. - 'Copacabana'
Wir sind etwas aus dem Bewegungstraining und so marschieren wir die 2 km in den Ort. Ziemlich touristisch für Bolivien. Viele Souvenirgeschäfte, Reisebüros und Wechselstuben. Auf dem Hauptplatz besuchen wir die Kathedrale. Die verschiedenen Türme sind untypisch für Bolivien mit Keramikkacheln belegt.
Eine kleine Nebenkapelle ist schwarz vom Kerzenrauch. Hier beten die gläubigen Bolivianer. Auf dem Vorplatzsoll findet jeden Tag um 10 und 14.30 Uhr die Auto-Einsegnung statt.
Wir sind noch viel zu früh, also besteigen wir unter grosser Anstrengung den Aussichtsberg. Der steile Aufstieg entpuppt sich als Kreuzweg. Oben angelangt hat man eine grossartige Aussicht auf den Ort, den Strand und den Titicacasee.
Zurück zur Kathedrale. Zwei Autos sind geschmückt mit Blumen und Girlanden. Ein Mönch mit Putzeimer und einem Wedel kommt. Er begrüsst die beiden Familien, bespritzt die Autos rundherum und durch die offenen Fenster mit Weihwasser. Auch die Besitzerfamilien bekommen Wasser auf ihr Haupt. Es wird kurz gebetet und die obligaten Fotos geschossen. Wir schlendern zurück zum Stadthafen. Hier hat es viele, kleine Restaurants, welche die Spezialität von ‚Copacabana‘ – frische Forelle vom Titicacasee – anbieten. Die zwei Forellen waren ausgezeichnet. Kostenpunkt mit Cola und Wasser 50 Bolivianos, ca. 7 CHF.
8.Dez. - 'Isla del Sol'
Früh aufstehen, Rucksack mit Picknick, Windjacken und Wasser beladen. Um 8 Uhr mit dem Hotel-Taxi zum Hafen. Tickets für die Überfahrt zur Insel kaufen. Es wollen viele Touristen zur Insel. Die schöne, aber langsame Bootsfahrt bringt uns in zwei Stunden an den Nordpunkt ‚Roca Sagrade‘. Es war eine stinkige Fahrt, denn der Wind blies von der falschen Seite und alles Abgas war im Bootsinnern. Beim kleinen Museum muss man für den ersten Teil der Wanderung ein Ticket kaufen. (PS: es liegt kein Schnee, es ist loser Granitstaub)
Jedes Dorf hat einen Ticketverkauf und im Verlaufe der Höhenwanderung muss bis zum Südpunkt noch zweimal bezahlt werden. Die Wanderung beginnt mit einer leichten Steigung, die später ziemlich stotzig wird. Vom Titicacasee 3‘808 m geht es auf einem guten Wanderweg auf ca. 4‘065 m. Bigi schnauft wie ein Pferd und Kaspar buckelt den Rucksack.
Die Höhe macht uns schon ein wenig zu schaffen. Wir werden aber entschädigt mit schönem Blick auf beide Seiten der Insel. Überall wurde uns gesagt, dass die Wanderung 3 Stunden dauert. Dies ist aber fast nicht zu schaffen. Wir brauchten mit zwei kleinen Pausen über 4 Stunden! Diese Tour sollte man wirklich in zwei Tagen machen und im Süden auf der Krete in ‚Yumani‘ übernachten. Hier gibt es viele schöne Hostels und Restaurants. Dann geht es steil hinunter zum Hafen. Unser Schiff wartet schon. Pünktlich 15.30 Uhr verlässt das Schiff den Hafen und tuckert gemütlich zurück nach ‚Cobacabana‘. Es war ein schöner, aber sehr anstrengender Ausflug. Die Rückfahrt geniessen wir auf dem Oberdeck. Hier brennt die Sonne sehr stark. Gut, dass wir uns mit Sonnencreme eingeschmiert haben. Auch der Sonnenhut tat seinen Dienst.
9.Dez. - Regentag mit Forelle
Es regnet und ist kalt im Camper, Ruhezeit. Mittagessen: ‚Heilsarmee-Suppe‘. Am Nachmittag gehen wir ins Ort Geld wechseln für Peru. Nachher zum Strandbeizli ‚Kiosco No. 1‘. Essen wieder Forelle und schauen aufs Wasser. Inzwischen ist das Wetter recht angenehm. Zurück im Camper backt Bigi Brownies (Migros Backmischung). Der ganze Camper duftet nach Schoggiguetzli und verbreitet ein bisschen Adventsstimmung. Kaspar warnt eine Fliege mehrmals, sie solle den Camper verlassen. Sie hört nicht auf seinen Ratschlag und ist am Ende tot.
10.Dez. - über die Grenze nach Peru
Verabschieden uns von dem netten Personal der Ecolodge. Dem Mann schenken wir ein kleines Taschenmesser, der Frau mit dem Baby einen weichen Schneemann und ein Foto von ihnen zwei. Die Freude ist gross – Vorweihnachtsfreude auch bei uns. Bigi skyped noch ‚kurz‘ und Kaspar wird langsam ungeduldig. Fahren an die Grenze Bolivien/Peru. Eigentlich geht die Abfertigung in beiden Ländern schnell. Nur der Computer von Peru, der unser Autodokument ausdrucken sollte, ist abgestürzt. Der MAN steht falsch und so muss Kaspar (auf Geheiss der Polizei) umparkieren. Weiter vorne wird die Strasse neu geteert. Nach einer Stunde warten füllen wir das Zolldokument von Hand aus. Auf das Formular muss Kaspar nebst Unterschrift noch seinen rechten Zeigefingerabdruck geben und es wird alles mehrmals gestempelt. Nun sollte das Dokument rechtsgültig sein. Endlich sind die Einfuhrpapiere fertig, aber der Chef-Polizist heisst uns nochmals in sein Büro. Okay, murrend gehen wir rein. Bisher waren alle sehr freundlich, aber dieser ranghöchste Polizist ist sehr mürrisch. ‚Warum haben sie hier parkiert?! Sie haben das kleine neu geteerte Stück ramponiert, warum?!‘ Er droht uns mit einer Busse und fragt immer und immer wieder ‚warum haben sie das gemacht‘. Er brummt uns 100 Soles (ca. 30 Dollar) auf. Nach einigem hin und her bezahlt Kaspar. Der Polizist steckt diese gleich in seine Uniformtasche. Die umstehenden Polizisten schauen verdutzt drein. Bigi möchte eigentlich eine Quittung, aber Kaspar ist sauer und will nur noch raus hier. Dies ist das erste Mal, dass wir Korruption gespürt haben – oder wir nennen dies auch direkte Entwicklungshilfe. Der Polizist merkt, dass Kaspar böse auf ihn ist. In der nächsten kleinen Ortschaft tanken wir. Es ist keine Tankstelle, sondern mehr ein Laden. Hier in Peru rechnen sie in Gallonen (4 Liter). Die Verkäuferin bringt einen Trichter mit Tuch als Sieb. Kaspar hält dies und sie wuchtet achtmal 20 Liter in unseren Tank. Fahren auf die Hauptstrasse 35 auf der anderen Seite des Titicacasee wieder zurück Richtung Bolivien, aber nur bis kurz vor die Grenze. Hier den anderen Tank teilweise füllen. Dann auf die 34C Richtung ‚Moquegua‘. Überqueren einen Pass von 4800 m! Hier schneit es und ist 2 Grad. Die Hochebene ist ca. 150 km lang. Trübes, grausames Wetter, keine Leute, kein Verkehr. So richtig Winterstimmung und dies im Hochsommer. Die wenigen kleinen Häuschen haben alle in 20 – 50 m Entfernung ein blaues Scheisshäuschen (WC) mit weissem Kamin. Nun wissen wir, woher der Ausdruck ‚es stinkt zum Himmel‘ kommt. Nach dem Pass geht es in vielen Serpentinen hinunter. Kaspar will erst bei Aussentemperatur von 10 C übernachten, damit der Motor mit dem schlechten Diesel morgen wieder anspringt. Auf ca. 2500 m übernachten wir kurz vor dem kleinen Ort ‚Torate‘. Hier stehen wir vor einer Serpentine mit wunderschöner Aussicht auf die umliegenden Berge. Der Schluss des Tages war fantastisch mit dem Panorama auf Berge und Strasse. Uns ist kalt und so gibt’s veredelte Gulaschsuppe mit Zwiebeln, Maiskörnern und natürlich Picante-Gewürz - so richtig einheizen, denn die Camperheizung funktioniert in der Höhe nur kurz.
Fahren an die Grenze Bolivien/Peru. Eigentlich geht die Abfertigung in beiden Ländern schnell. Nur der Computer von Peru, der unser Autodokument ausdrucken sollte, ist abgestürzt. Der MAN steht falsch und so muss Kaspar (auf Geheiss der Polizei) umparkieren. Weiter vorne wird die Strasse neu geteert. Nach einer Stunde warten füllen wir das Zolldokument von Hand aus. Auf das Formular muss Kaspar nebst Unterschrift noch seinen rechten Zeigefingerabdruck geben und es wird alles mehrmals gestempelt. Nun sollte das Dokument rechtsgültig sein. Endlich sind die Einfuhrpapiere fertig, aber der Chef-Polizist heisst uns nochmals in sein Büro. Okay, murrend gehen wir rein. Bisher waren alle sehr freundlich, aber dieser ranghöchste Polizist ist sehr mürrisch. ‚Warum haben sie hier parkiert?! Sie haben das kleine neu geteerte Stück ramponiert, warum?!‘ Er droht uns mit einer Busse und fragt immer und immer wieder ‚warum haben sie das gemacht‘. Er brummt uns 100 Soles (ca. 30 Dollar) auf. Nach einigem hin und her bezahlt Kaspar. Der Polizist steckt diese gleich in seine Uniformtasche. Die umstehenden Polizisten schauen verdutzt drein. Bigi möchte eigentlich eine Quittung, aber Kaspar ist sauer und will nur noch raus hier. Dies ist das erste Mal, dass wir Korruption gespürt haben – oder wir nennen dies auch direkte Entwicklungshilfe. Der Polizist merkt, dass Kaspar böse auf ihn ist. In der nächsten kleinen Ortschaft tanken wir. Es ist keine Tankstelle, sondern mehr ein Laden. Hier in Peru rechnen sie in Gallonen (4 Liter). Die Verkäuferin bringt einen Trichter mit Tuch als Sieb. Kaspar hält dies und sie wuchtet achtmal 20 Liter in unseren Tank. Fahren auf die Hauptstrasse 35 auf der anderen Seite des Titicacasee wieder zurück Richtung Bolivien, aber nur bis kurz vor die Grenze. Hier den anderen Tank teilweise füllen. Dann auf die 34C Richtung ‚Moquegua‘.
Überqueren einen Pass von 4800 m! Hier schneit es und ist 2 Grad. Die Hochebene ist ca. 150 km lang. Trübes, grausames Wetter, keine Leute, kein Verkehr. So richtig Winterstimmung und dies im Hochsommer. Die wenigen kleinen Häuschen haben alle in 20 – 50 m Entfernung ein blaues Scheisshäuschen (WC) mit weissem Kamin. Nun wissen wir, woher der Ausdruck ‚es stinkt zum Himmel‘ kommt.
Nach dem Pass geht es in vielen Serpentinen hinunter. Kaspar will erst bei Aussentemperatur von 10 C übernachten, damit der Motor mit dem schlechten Diesel morgen wieder anspringt. Auf ca. 2500 m übernachten wir kurz vor dem kleinen Ort ‚Torate‘. Hier stehen wir vor einer Serpentine mit wunderschöner Aussicht auf die umliegenden Berge. Der Schluss des Tages war fantastisch mit dem Panorama auf Berge und Strasse. Uns ist kalt und so gibt’s veredelte Gulaschsuppe mit Zwiebeln, Maiskörnern und natürlich Picante-Gewürz - so richtig einheizen, denn die Camperheizung funktioniert in der Höhe nur kurz.
11.Dez. - die letzten Kilometer zum Pazifik
Die Sonne weckt uns um 5 Uhr. Peru-Zeit ist eine Stunde nach hinten gedreht und so wird’s auch schon um 18.30 Uhr dunkel. Jetzt haben wir 6 Stunden Zeitdifferenz zu Europa. Nach dem Frühstück kurzer Spaziergang über staubige Strasse ‚an der Müllhalde‘. Apropos Müll: wir sammeln schön brav den Abfall – wir sind immer erstaunt, wie viel Müll wir produzieren - und versuchen jeweils einen Abfalleimer zu finden. Aber es gibt keine! Und dann wird man komischerweise wie die Einheimischen und wirft die gefüllten Plastiksäcke mit schlechtem Gewissen aus dem Fenster.
Fahren ein grünes Tal hinunter. Hier wäscht Mais, Trauben, Schilf, Kartoffeln, Pfirsiche. Viele Blumenfelder und Bigi sieht sogar einen Baumwollstaude. Bigi fährt die steile Passstrasse hinunter, dabei redet sie andauernd und weist auf alles in der Umgebung hin. Kaspar wird ganz konfus und meckert. In einem kleinen Ort kaufen wir zum Glück Brot, Eier, Tomaten, Ananas und Papaya ein. Es gibt nicht viele Dörfer und Läden. Der Unterschied zu Bolivien ist in dieser Beziehung frappant: In Bolivien verkauft jeder irgendetwas am Strassenrand. Die Landschaft hat sich seit gestern krass verändert. Wir fahren lange durch die Wüst ‚Desierto de la Clemesi‘. Ausser Sand und Strasse nichts! Gut fährt Bigi brav 80 km, denn plötzlich stehen am Strassenrand an der schnurgeraden Strasse zwei Polizisten mit Radarpistole. Bim ‚Rio Tambo‘ fahren wir links hinunter zum Pazifik. Es ist schon speziell, wenn man einen ganzen Kontinent von Ost nach West - vom Atlantik zum Pazifik - durchquert.
Hier im Nationalpark ‚Lagunas de Mejia‘ kaufen wir die Tickets und erhalten vom Parkwächter einige Broschüren. Fahren auf einem Naturweg bis in die hinterste Ecke das Parks. Hier gibt’s über 200 Vogelarten, ein Paradies für Ornithologen (was wir definitiv nicht sind). Machen noch einen Spaziergang am Strand und Bigi will vielleicht im kalten Wasser baden. Aber dem ist nicht so: viele, grosse Quallen liegen am Strand! Übernachten inmitten der vielen Vögel mit Blick auf Strand und Meer. Wir hören den Pazifik rauschen.
12.Dez. - Mollendo, Seebad Arequipas
Über dem Pazifik liegt Dunst. Haben sehr gut geschlafen. Wir waren sehr müde, warum? Vielleicht der Höhenunterschied? Sind ja auf Meereshöhe nach längerer Zeit in den 3 – 4‘000 m. ü. M.! Fahren durch Mejia nach Mollendo, laut Reiseführer ‚Seebad von Arequipa‘. Sind wieder einmal gespannt wie Häftlimacher. Vielleicht ein schönes Strandrestaurant, ein gemütliches Kaffeehaus oder? Fahren via Strand Nr. 3, 2 und 1 ins Zentrum. Das ist wieder einmal nicht die Stadteinfahrt für grössere Autos. Es wird eng, um die nächste Kurve sogar haarscharf, aber Kaspar manövriert kunstgerecht. Nichts wie los zur nächsten, grösseren Strasse. Auf der grossen Allee parkieren wir und bummeln zum Markt. Hier hat es endlich Leute und Läden. Viele Läden mit Cocktailkleidern. Bigi möchte unbedingt ein schönes Kleidli und Kaspar fragt sich nur: ‚wer von diesen Peruanerinnen passt denn in so ein süsses Kleidchen?‘ Nach seiner Schätzung können 0,05 % dieser Frauen sich in so ein extravagantes Kleid zwängen, dann eher noch Bigi!
In der Markthalle kann Bigi den vielen Essständen wieder einmal nicht widerstehen und drängt Kaspar an einen. Zähneknirschend macht er mit bei einem Teller Meeresfrüchte, Fisch, Zwiebeln, Sauce und Süsskartoffeln. Schmeckt ausgezeichnet und ist frisch - wenn nicht hier, wo dann sonst? Kaufen chinesischen Weihnachtsschmuck für den Camper und diverse frische Früchte. Da wir nicht alle Früchte kennen, erklärt uns ein Einheimischer, dass wir diese und jene Frucht unbedingt probieren müssen. Am Bancomaten ziehen wir in drei Etappen Bargeld, damit auch die nächste Tankfüllung bezahlt werden kann. Fahren die 20 Minuten zurück nach Mejia und stellen uns an den Pazifik.
Wie es hier in Südamerika so ist, alles eher schmutzig und nicht gemütlich um vor dem Camper zu sitzen. Gehen noch am Strand entlang. Überall speeden orange Krebse aus ihren Löchern und Kaspar versucht ihnen den Weg abzuschneiden, um ein Porträt von einem zu knipsen. Hunderte von Vögeln kreisen über unseren Köpfen. Zwei Fischer kämpfen mit den hohen Wellen und ziehen am Netz.
13.Dez. - europäische Vorstellung
Wir lassen den Tag geruhsam anlaufen. Kaspar drängt ein wenig: ‚suscht sind d’Fischerboot zur Insle dänn scho abgfahre.‘ Bigi hofft auf eine kleine Reiseagentur, die uns die Bootstour zur Insel anbietet. Zurück nach Mollendo und weiter in die Hafenstadt (Städtchen) ‚Islay‘. Schöne Plätze. Fahren zum neuen Hafen mit seiner Betonfabrik. Kehren sofort wieder um und finden den Fischereihafen. Hier soll es möglich sein, mit einem Fischerboot zur kleinen vorgelagerten Insel zu fahren, wo man Pinguine und verschiedene Vogelarten sieht. Sind nicht in der Laune, da alles eher schmudeli und keine Möglichkeit. Eben: europäische Vorstellung - südamerikanische Umsetzung! Wir beschliessen heute schon nach ‚Arequipa‘ zu fahren. Von Meereshöhe auf 1500 m.ü.M., dann über eine grosse Ebene. Die Strasse verläuft 40 km schnurgerade durch Sandwüste. Dann noch auf 2340 m hinauf. Hier ist es in den Tälern meistens grün und es wird viel Ackerbau betrieben. Links und rechts der Strasse sind grosse Parzellen ausgeschieden, nur mit Steinen markiert. Ein kleines Haus oder eine Strohhütte steht darauf. Wir vermuten, dass hier ein Umsiedlungsprogramm der Regierung umgesetzt wird. In ‚Arequipa‘ angekommen müssen wir uns zum ‚Hotel Mercedes‘ durchfragen. Es klappt irgendwie und nun stehen wir vor dem kleinen, altehrwürdigen Hotel hinter hohen Mauern von der Strasse getrennt. Wahrscheinlich etwas laut. Was soll’s. Ein Franzose und zwei Deutsche sind auch hier.
14.Dez. - die schöne Kolonialstadt 'Arequipa'
Bigi spricht mit den verschiedenen Leuten und switchet von Deutsch zu Französisch, Spanisch und Englisch. Da sagt sie cool: ‚bin glaub es Sprachgenie‘. ‚Aber nur es Chlieses‘, kommentiert Kaspar. Was soll‘s, es hat sich wenigstens gelohnt in der Schule, wenn auch widerwillig, Sprachen zu büffeln. Zu Fuss zum nahen Stadtzentrum, aber zuerst noch zwei Blocks weiter im Supermarkt ‚um d‘Gstell schlieche‘. Hier kann man alles in bester Qualität kaufen. Vermutlich nur für die oberen Tausend der Stadt!
Auf der Terrasse unter den Bögen am ‚Plaza des Armas‘ geniessen wir eine Pizza. Herrliche Aussicht auf den Platz im Kolonialstil.
Nachher machen wir eine Führung durch die Kathedrale, das dazugehörige Museum und steigen aufs Dach der Kathedrale.
Vor ca. 10 Jahren ist ein Teil des Glockenturms bei einem starken Erdbeben (Stärke 8) eingestürzt. Hier gibt’s durchschnittlich zwölf kleine Erdbeben pro Tag und alle 10 - 15 Jahre ein Heftiges! Bummeln durch die Fussgängerzone. Überall Weihnachtseinkäufe. In einem kleinen Kaffee trinken wir an der Sonne Kafi und Pisco (peruan. Schnaps) resp. Irisch Coffee. Bigi ist nachher ein wenig ‚plämpläm‘ und wir ‚gehen nach Hause‘. Auf dem Heimweg via Supermarkt, Wasser schleppen. Abends gehen wir in das im Reiseführer empfohlene Restaurant ‚Zig Zag‘. Herrlich: Appetizer, frische Brote, kleiner Salat, argentinisches Steak vom heissen Stein mit diversen Saucen, dazu peruanischer Rotwein. Das war ja echt ein Genuss – was war eigentlich der Grund zum Feiern?!
15.Dez. - Monasterio de Santa Catalina
Schwatzen, waschen, lesen und ‚no stress‘. Am Mittag wieder in die Altstadt. Wir besuchen das ‚Monasterio de Santa Catalina‘ – eine kleine Stadt in der Stadt.
Die Nonnen besassen kleine und grössere Wohnungen, wofür die Familien viel Geld bezahlten. Sie verliessen das Kloster nie und hatten ihre Bediensteten. Papst Paul II war 1985 hier und sprach die Nonne Anna selig. Nachher ausruhen und dann zum Teatro Municipal, wo um 19 Uhr ein Weihnachtskonzert stattfindet. Um halb sieben stehen wir in der Schlange vor dem Teatro. Einige Zeit später öffnet sich die Tür und alle strömen hinein. Es ist ein von der Stadt gesponsertes Gratis-Konzert.
Da das Konzert nicht beginnt, klatschen die zahlreichen Leute.Bis 19.30 Uhr kommen immer wieder Musiker und gehen hinter die Bühne. Endlich öffnet sich der grosse Samtvorhang und gibt den Blick auf das 40-köpfige Sinfonieorchester frei.
Die Dirigentin erscheint in Frack und Rüschchenbluse. Die ersten Töne sind begleitet von schauerlichem Knacken und Knallen in den Lautsprechern. Die Dirigentin lässt sich nichts anmerken. Sehr schöne, eindrückliche Weihnachtsmusik. Der zweite Teil wird von Orchester und grossen Chor bestritten. Der Chor feiert sein 50-jähriges Bestehen. Sie singen am Anfang das ‚grosse Halleluja von Händel‘ und geben es nochmals als Zugabe. Kaspar fühlt sich zurückversetzt in die Sekundarschule und könnte das Werk immer noch ganz gut mitsingen. Dieses Lied war der Ausschlag, dass Kaspar heute nicht mehr singt. Auf Wunsch des Lehrers sollten seine Eltern ihn zu Gesangsunterricht und den Sängerknaben schicken, was er aber vehement ablehnte und die Schulnote in Gesang fiel in den Keller! Mega schönes Konzert mit am Schluss ‚standing Ovation‘. Spazieren in der Nacht zurück zum MAN. Obwohl im Reiseführer gewarnt wird, fühlen wir uns sicher, passen aber doch auf.
16.Dez. - kleines Malheur
Big lädt Emails runter und beantwortet diese. Kaspar stellt den MAN zur Abfahrt bereit. Um Waser aufzufüllen muss er den MAN wenden. Bei diesem Manöver im Hotelgarten geschieht das Unglück: weil sich der Aufbau stark seitlich bewegt (fährt über eine kleine Treppenstufe), rasiert er an einem Pfeiler die obere Mauerabdeckung weg. Der Pflasterstein durchschlägt die Aussenwand, zum Glück 10 cm unterhalb des grossen Fensters. Dies wär ja eine Bescherung gewesen! Kaspar muss den Stein aus dem 10x10 cm Loch herausziehen. Grosses Rätselraten, wie wir dies reparieren sollen. Blech über das Loch und ankleben, oder ? Zuerst reinigt Kaspar die Reparaturstelle, drückt Isoliermaterial ins Loch und verklebt alles mit unserem extra starken Isolierband. Was nun darüber?
Gehen ins Einkaufszentrum, vielleicht kommt uns dort die zündende Idee. Kaufen zwei Tuben Zweikomoponentenleim, der auch auf Polyester hält. Finden aber nichts, was wir auf die Reparaturstelle kleben könnten. Bigi’s Idee: eine biegbare Schneidefolie für Gemüse! Genau, die ist stark genug, leicht und sehr flach. ‚Zu Hause‘ im Camper suchen und wir merken, dass diese zu klein ist. Ah, wir haben ja noch irgendwo zwei Tischsets mit Schweizerkreuz! Schneiden das Schweizerkreuz schön quadratisch (!) zu einer richtigen Flagge und kleben das Ding über die Reparaturstelle. Sieht echt gut aus! Inzwischen sind Monika und Wolfgang hier eingetroffen und erzählen, dass die Thermas de Yura überhaupt keinen Ausflug lohnen. Also brechen wir die Abfahrt ab und bleiben bis Dienstag (Ankunft von Regula) hier. Essen mit Ihnen unseren frischen Salat. Abends gehen wir zusammen in die Stadt. Es ist noch etwas früh, aber wir finden ein ‚gediegenes‘ Restaurant. Bei der Grillplatte verzichten wir auf die Blutwurst und auch die gummigen Nierenringli bleiben liegen. Anschliessend etwas verspätet ins Weihnachtskonzert im Kulturzentrum. Es entpuppt sich als ‚Orchester von 4- bis 15-jährigen Violinspieler/innen‘. Wir glauben, dass es hier Eltern gibt, die sehr stark an die musikalischen Qualitäten ihrer Kinder glauben und vermutlich auch viel Geld investieren. Wir stempeln den Abend als ‚Erfahrung‘ ab. Sind froh, dass wir erst zum dritten Teil da waren und nicht noch länger dieses Gequitsche anhören mussten.
17.Dez. - nichts von Weihnachtsstress
Heute Morgen ist der Dunst weg. Also schnell auf die Autobrücke um den Hausberg ‚Volcano Misti‘ (5822 m)
und den ‚Chachani‘ (6075 m) zu fotografieren. Faulenzen und spät nachmittags noch auf den Markt der Einheimischen.
Eine Marktstrasse bietet nur Hütte an. Die im Reiseführer genannten ‚Süssigkeiten aus pulverisierten Fröschen‘ sehen wir nicht - hätten vermutlich auch nicht gekauft. Es herrscht ein buntes Treiben in der Stadt und die Leute schleppen Weihnachtseinkäufe nach Hause. Auf dem Hauptplatz steht eine Bühne und nacheinander singen verschiedene Kinderchöre Lieder. Leider klappt auch hier die Verstärkeranlage nicht richtig. Schade, wär ja vielleicht schön.
18.Dez. - geruhsamer Sonntag / 4.Advent
19.Dez. - Frühjarhsputz für den Besuch
Nach dem ausgiebigen Frühstück mit franz. Croissant beginnen wir mit der Reinigung des Campers. Wäsche zum waschen abgeben und Staubsauger in Aktion setzen. Sogar unter der Matratze wird gesaugt! Kaspar fährt den Lift für den Roller herunter. Wäscht die Blache und anschliessend den Honda. Dieser springt erst nach dem drittenmal an, was eigentlich nicht normal ist. Ein Zurrband ist gerissen, haben Glück gehabt! Man sieht dem Roller die Spuren der Südamerikareise an. Dusche reinigen und Bigi saugt, putzt die Polster und taut den Kühlschrank ab. Nun ist wirklich alles auf Hochglanz, fast sauberer als wenn wir auf Heimaturlaub fahren. Regula kann kommen. Nachher noch Homepage ins Netz stellen und allen einen Weihnachtsgruss schicken. Bigi kann Kaspar sogar noch zu ein paar Skype-Telefonen überschwatzen. Abends gehen wir in ein Violine-Konzert eines zehnjährigen Genies. Vielleicht hört man den Namen ‚Geraldine Zimmermann‘ dann in ein paar Jahren auch in Europa. Nachher gibt’s beim Chinesen noch einen Teller gebratener Reis mit Pollo. War ein super schöner Abend!
20.Dez. - Ankunftvon Regula
Kaspar reinigt sogar noch alle Fenster und das Fahrerhaus. Um 12 Uhr fahren wir mit dem Airport-Taxi zum Flughafen um Regula abzuholen. Plaudern, Regula verstaut ihre Kleider und es kommen allerlei gute Sachen aus der Schweiz zum Vorschein. So cool, was wir alles von Familie und Freunden erhalten – ob ihr’s glaubt oder nicht, aber im Ausland schätzt man alles doppelt! Jetzt sind doch die Kilos erst gepurzelt – Kaspar kann es auf der Waage kaum glauben, wie viel er schon abgenommen hat (hat schon zwei Löcher in den Gurt gestanzt).
Nachher schlendern wir zum Markt und Hauptplatz. Trinken auf einer Dachterrasse ‚Pisco Sour‘ und geniessen die herrliche Abendstimmung mit dem Ausblick auf Stadt und Umgebung. Gehen zum Restaurant ‚Zig-Zag‘ um wiederum Fleisch vom heissen Stein zu essen. Nachher wollen wir noch zum Weihnachtskonzert in der Kathedrale. Die Peruaner sind nette Leute und können nie ‚Nein sagen‘. Daher werden wir von Tor zu Tor geschickt, aber nirgends herein gelassen. Sind etwas sauer. Das kann doch nicht wahr sein! Nun haben wir uns an die hiesigen Gewohnheiten gewöhnt - das erste Mal, dass während dem Konzert kein Einlass gewährt wird. Sonst war immer ein Kommen und Gehen! Es bleibt uns nichts anderes als nach Hause zu trotten.
21.Dez. - nach Chivay in den Colca Canyon
Fahren via Arequipa-Airport und dann auf die Routa 308 Richtung ‚Puno/Juliaca‘. Gute Strasse, aber die Lastwagen kriechen sehr langsam die Berge rauf. Ein Überholen ist für Bigi manchmal fast unmöglich. Dann nach ‚Chivay‘ über einen Pass von 4901 m. Auf der Passhöhe werden wir von Peruanerinnen erwartet, welche dort Souvenirs verkaufen. Die beiden Frauen können nicht widerstehen und kaufen Jacken und Schals. Den Pass über viele Serpentinen hinunter nach ‚Chivay‘. Hier kaufen wir an der Kontrollstelle das Ticket für den ‚Colca Canyon‘. Nur noch 42 km Schotterpiste trennen uns vom Mirador ‚Cruz del Condor‘. Hier sieht man sehr schön die Terrassenfelder. Auch begegnen wir immer wieder Frauen mit Schaf- und Lamaherden. Esel werden hier noch als Packtiere verwendet. Schöne Sujets für die Weihnachtszeit. Es ist kalt, windig und es regnet. 200 m unterhalb der Aussichtplattform ist ein grosser, ebener Parkplatz, wo wir übernachten. Gegen 18 Uhr klopft es an der Tür. Wir haben schon seit zwei Stunden draussen drei frierende Holländer gesehen, die auf den Bus warten. Nun fragen sie ganz schüchtern, bevor sie die 10 km ins Dorf loslaufen wollen, ob wir sie fahren könnten. Okay, wir willigen ein, müssen aber zuerst noch alles versorgen und dicht machen. Da kommt doch genau im richtigen Moment ein Kleinbus vorbei, welcher die Drei mitnimmt. Wir sind nicht traurig, uns wieder gemütlich hinsetzen zu können, denn in einer halben Stunde ist dunkel.
22.Dez. - die Kondore segeln
Es ist bedeckt. Um 8 Uhr starten wir die 200 m zum Mirador ‚Cruz de Condor‘. Kaum auf der Aussichtplattform angekommen, sehen wir die ersten Kondore im Segelflug an uns vorbei ziehen. Der Kondor ist ein Assfresser, ca. 13 kg schwer, 1,4 m lang und hat eine Flügelspannweite von bis zu 3m! Charakteristisch sind weisser Kragen und schwarzes Gefieder. Die Jungtiere sind grau/braun. Die Männchen haben einen prägnanten Kamm. Kaspar und Regula fotografieren um die Wette, denn jeder hofft ein gutes Bild zu knipsen. Bummeln zur nächsten Aussichtterrasse und blicken in den 1200m tiefen ‚Colca Canyon‘. Hier gibt es die grössten Kolibris (12 cm). Auf dem Weg zurück nach ‚Chivay‘ stoppen wir noch in ‚Maca‘. Dieses Dorf wurde 1991 vom Vulkan verschüttet. Die Kirche ist jedoch seit 2006 wieder schön restauriert. Kaspar lässt sich für paar Soles einen grossen Raubvogel auf den Kopf setzen. Probieren noch einen Drink mit Pisco, Kakteenfrucht und Eischnee.
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3 km ausserhalb von ‚Chivay‘ gehen wir ins schwefelhaltige Thermalbad ‚Caldera‘. Liegen eine Stunde im 39 Grad warmen Wasser – jetzt sind wir das Rheuma los! Die Reifen aufpumpen, Manicure, Kaffee und Weihnachtsguetzli, lesen und uns auf die Spaghetti freuen!
23.Dez. - nach Puno am Titicacasee
Es hat die ganze Nacht geregnet. Es ist kalt. Wir lassen die Therme aus und fahren um viertel nach acht los. Es gibt ein langer Tag. Zuerst auf den Pass von 4901 m. Es schneit. Kleine Felsstürze bedingen kleine Ausweichmanöver. Einmal wird es etwas brenzlig. Beim grössten Felsabbruch in einer Kurve kommt ein Bus entgegen. Kaspar gibt Gas, der Andere muss bremsen und hupt und gestikuliert!
Zurück auf die B30 Richtung ‚Juliaca‘ und später ‚Puno‘ am Titicacasee (unser Ziel).
Machen eine kleine Mittagspause am ‚Mirador del Flamingos‘. Hier treffen wir ein Peruaner-Ehepaar in dritter Generation aus Deutschland eingewandert. Laden sie zu Kaffee ein. Sie geben uns ihre Adresse in Lima und laden uns zu einem Essen bei ihnen zu Hause ein. Die Strasse ist sehr gut, aber es regnet und schneit zum Teil sehr stark und lässt nur ca. 60 km/h zu.
Die Umfahrungsstrasse um ‚Juliaca‘ entpuppt sich mit ihren grossen Löchern als Zumutung. Die kleinen Tucktucks (nach asiatischem Vorbild) schlängeln sich schnell durch den Verkehr und es braucht höchste Konzentration. In ‚Puno‘ angekommen fahren wir durch die lebhafte Stadt direkt zum Hafen. Hier buchen wir für morgen eine ganztägige Fahrt auf dem Titicacasee. Sie wird uns auf die schwimmende Schilfinsel ‚Uros‘ und zur Insel ‚Taquile‘ bringen. Dürfen uns auf den Parkplatz des Hotel ‚Eco Inn‘ etwa 4 km ausserhalb der Stadt stellen. Buchen für morgen Heilig Abend das ‚Christmas Dinner‘ mit Musik.
24.Dez. - Schifffahrts auf dem Titicacasee
Es regnet nachts durch die grosse Dachlucke (Schwitzwasser) in den MAN. Kaspar trocknet und macht ziemlich Lärm, aber Bigi schnarcht weiter. Um 05.30 Uhr Tagwache. Kurz vor sieben fahren wir mit dem Taxi zum Hafen. Dort werden die Touristen in kleinere Boote verfrachtet und die Fahrt geht los zu den schwimmenden Schilfinseln ‚Uros‘.
Hier leben 60 verschiedene Clans, total ca. 3‘000 Leute und eigener Primarschule. Die Wassertiefe ist ca. 13 m und die Inseln sind ca. 3 m dick. Es wird uns der Aufbau der Inseln erklärt und wir werden in ihre Strohhäuser gebeten. Natürlich sind wir fast gezwungen, bei unserem Haus etwas zu kaufen. Diesmal ist es ein kleiner Wandteppich, der das Leben auf der Insel darstellt. Jeder dieser Clans hat eine Aussichtsplattform, von wo man einen guten Überblick über die schwimmende Schilfstadt hat. Mit einem grossen Katamaran-Schilfboot mit zwei Katzenköpfen werden wir 10 Minuten herum gerudert (10 Soles/Person). Die Bewohner sind sehr freundlich und geschäftstüchtig. Sie betreiben seit 20 Jahren Tourismus. Auch lassen sie sich ungeniert fotografieren.
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Nachher schippern wir zweieinhalb Stunden zur Insel ‚Taquile‘. Sie ist auch bekannt wegen der strickenden Männer. Der Führer gibt uns viele Informationen. Diese Insel kennt keine Autos, Polizei und fast keine Tiere, ausser Schafe und Hühner.
Es hat sich eine Dorfgemeinschaft gebildet, es gibt keine Konkurrenz und sie leben vegetarisch. Die jungen Männer erkennt man an ihren rot/weissen Zipfelmützen. Liegt der weisse Zipfel nach hinten, so will er nichts von Frauen wissen. Ist der Zipfel nach links gelegt, möchte er eine Freundin haben. Ist er nach rechts gelegt, so hat er eine Freundin mit der er drei Jahre zur Probe zusammenlebt. Geheiratet wird nur im Mai. Danach trägt der Mann eine komplett rote Mütze mit filigranem Strickmuster, die er selber stricken muss und die seine Fähigkeiten zeigt. Die Dorfältesten werden jedes Jahr gewählt, sind meistens in Kaspars Alter und tragen auf ihrer Zipfelmütze noch einen brauen Hut. Es sind Respektspersonen und amten als Friedensrichter für kleine Fälle, so eine Art Polizei. Nichtverheiratete Frauen tragen einen schwarzen Überhang mit bunten Wollzotteln. Dies symbolisiert eine bunte Blume. Verheiratete Frauen haben rote Zottel. Nach dem Aufstieg auf den Berg (es sind immerhin 290 Höhenmeter) essen wir typisches Essen. Auf der gegenüberliegenden Bergseite geht’s 540 Stufen hinunter. Das Wetter wird allmählich schlecht. Die Regensaison hat eindeutig begonnen. Mit dem langsamen Schiff zurück nach ‚Puno‘.
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Vor dem ‚Christmas Dinner‘ im Hotel feiern wir noch im MAN Weihnachten mit Kerzen, Krippe, Weihnachtsmusik, Apéro und Weihnachtsguetzli. Hier geht ein spezieller Dank nach Bachenbülach. Tauschen Weihnachtsgeschenke aus. Was da aus Regulas Körbli alles zum Vorschein kommt: Salami, Prussiens, Florentiner und Nussstängeli vom Migros. Sie erhält Typisches aus Südamerika: Würfelspiel aus Salz, Silberbuchzeichen aus Potosi und Kräuterapérogetränk aus Argentinien. Eigentlich wollten wir noch duschen etc., aber sauber Kleider müssen genügen.
Um acht Uhr dann ins Hotel. Das Nachtessen ist recht gut, ausser dem komischen Apérococktail. Ein peruanischer Chor singt die ganze Zeit und Kaspar wird zum Tanz aufgefordert, was ihm Spass macht. Um Mitternacht wird hier die Geburt von Jesu mit Feuerwerk und Schwärmern gefeiert. Am Morgen liegt dann das Jesuskind in der bisher leeren Krippe.
25.Dez. - verregnete Weihnachten
Bigi ist ein wenig krank, bleibt im Bett und schläft fast den ganzen Tag. Regula und Kaspar lesen, sortieren Fotos, hören Musik, essen Weihnachtsguetzli und auch ein halber Salami wird vertilgt. Zwischendurch müssen wir immer wieder heizen, denn sonst wird es ungemütlich im Camper. Hoffentlich ist morgen das Wetter besser. Abends fahren wir mit dem Taxi in die Stadt, denn Regula muss unbedingt noch frische Forelle aus dem Titicacasee probieren. Der abendliche Ausflug tut allen sehr gut.
26.Dez. - Gräberstadt 'Sillustani'
Der MAN springt heute Morgen sehr schlecht an. Schwarzer, stinkender Rauch qualmt aus dem Auspuff. Läuft vermutlich nur auf drei Zylindern. Auf dem Markt in der Stadt kaufen wir noch Frischprodukte, Früchte und Gemüse.
Dann nach der 30 km entfernten Gräberstadt ‚Sillustani‘. Hier stehen Grabtürme aus der Vorinkazeit. Die Restauration ist in vollem Gange. Die behauenen, tonnenschweren Steine passen ohne Mörtel zusammen.
Bei einem Turm sieht man anschaulich, wie die Steine über Holzschlitten nach oben befördert werden. Haben Glück, und es regnet nur kurz. Am Nachmittag fahren wir auf der Strasse Richtung ‚Cusco‘, wo wir am Mittwoch in Sicusani‘ Adrian Campero treffen werden. Fahren über einen 4300 m hohen Pass. Hier ist die Wasserscheide zwischen Atlantik und Pazifik.
Kurz nach der Passhöhe ist das Thermalbad Aguas Caliente ‚Occabomba‘. Es soll hier oben 400 heisse Quellen haben. Beschliessen auf dem Parkplatz neben dem Bahnhof zu übernachten. Zur Feier des Tages trinken wir eine Flasche ‚Stutz‘ Wein aus Calafate/Argentinien, die wir speziell für Regula aufbewahrt haben. Wurden übrigens heute zweimal von der Polizei aufgehalten und mussten alle Papiere zeigen. Alles im grünen Bereich!
27.Dez. - Tempelruinen ‚Raqchi'
Kaspar hat sehr schlecht geschlafen. Er hat die ganze Nacht studiert, wieso der MAN so schlecht anspringt und bibert. Vermutlich ist die Vorglühanlage defekt oder der Dieselfilter vom schlechten Diesel verstopft. Früh morgens springt er in die Kleider und sitzt ins Fahrerhaus. Beim Starten des Motors steigen katastrophale, riesige, schwarze Rauchwolken auf. Nach 3 Minuten fängt der Motor dann endlich an richtig zu laufen. Später am Tag kann problemlos gestartet werden. Geniessen ein Bad im 38-grädigen Thermalpool. Einfach herrlich, so in der kalten Morgenluft auf über 4000 m Höhe.
Fahren nach ‚Sicusani‘ und weiter zu den atypischen Ruinen von ‚Raqchi‘. Dieser Tempel war vermutlich vor der Inkazeit entstanden. Er hatte runde Säulen und sehr hohe Mauern.
Auf dem Dorfplatz mit der schönen Kirche werden viele Souvenirs von Frauen in typischer Tracht verkauft. Unser MAN bricht mal noch unter der Last der vielen Souvenirs und Geschenke zusammen. Bigi und Regula geniessen etwas Sonne auf den Campingstühlen. Kaspar sitzt schlotternd im Camper.
28.Dez.-'Yanaoca' Weihnachtsprojekt EBM Schweiz
Zurück nach ‚Sicusani‘ um den Missionar Adrian (EBM International) zu treffen. Stehen beim Busbahnhof und warten. Werden von einem Peruaner angesprochen und es stellt sich heraus, dass er Modesto heisst, Pastor in ‚Yanaoca‘ ist und auch auf Adrian wartet. Fahren nun zu fünft auf guter Strasse nach ‚Yanaoca‘. Regula und Adrian sitzen hinten im Camper und lassen sich durchschütteln. Kurz vor dem Dorf (kleine Provinzstadt) biegen wir rechts ab zur ‚Laguna Lago‘, an welcher Modesto drei Baptistengemeinden betreut. Pro Kirche sind es zwischen 25 – 50 Mitglieder. Wir besichtigen die kleinen aus Erdbacksteinen gebauten Kirchen. Werden durch mehrere Frauen und Kinder begrüsst. Schöne Gegend auf 3900 m.ü.M., aber laut der Regierung eine der ärmsten Regionen. In ‚Yanaoca‘ angekommen, lassen wir uns das ‚Weihnachtsprojekt der EBM Schweiz‘ erklären. Sie zeigen uns das Grundstück neben der bestehenden kleinen Kapelle, wo eine grössere Kirche und die Evangelistenschule gebaut werden soll. Erschrecken etwas über den Preis, der für das Land bezahlt werden musste. Der Preis ist etwas hoch, da die bisherigen Bewohner umgesiedelt werden müssen. Für die Gemeinde ist es jedoch wichtig, dass alles nah zusammen sein wird. Die Bibel wird in ihrer Muttersprache 'Ketchu' gelesen. In der Sonntagschule bekommen die Kinder Büchlein mit biblischen Fragen in Spanisch, welche sie beantworten müssen. Dies ist zugleich vom Staat gern gesehene Ausbildung.
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Nachher fahren wir zur einzigen noch in Stand gehaltenen Inka Hängebrücke ‚Qu’eswachaka‘. Eine schmale, schlechte Passstrasse über 4200 m und dann mit vielen Serpentinen in die Schlucht hinunter. Wir bestaunen das Bauwerk, das jedes Jahr im Juni zum Teil erneuert wird. Leider ist die Brücke momentan nicht gerade in gutem Zustand und eine Überquerung zu Fuss ist zu gefährlich. Eigentlich sind wir froh, denn die Brücke schaukelt im Wind, ist eng und man müsste teilweise ‘auf allen Vieren‘ laufen. Kaspar wendet wieder einmal den MAN mit Bravour.
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Auf der Rückfahrt beginnt es zu regnen und wir sind wieder einmal froh, dass wir vor dem heftigen Regen wieder auf der guten Strasse angelangt sind. Bei Regen wäre die Fahrt über die vielen Serpentinen unmöglich gewesen, denn es wird sofort sehr rutschig und der Abhang fällt steil herunter. Unterwegs stoppen wir nochmals an einer kleinen Kirche. Ein alter Mann kommt aus einer Hütte und berichtet Adrian, dass er Grippe hat. Wir schenken ihm einen Liter Orangensaft. Adrian erklärt ihm, dass dies Vitamine für seine Gesundheit sind. Er bedankt sich tausend Mal und hat Tränen in den Augen. Wir sind beschämt und uns ist wieder einmal bewusst, wie gross die Lebensunterschiede von Europa zu hier sind. Fahren zurück nach ‚Sicusani‘. Dort verabschieden wir uns von den zwei Missionaren und wieder Richtung ‚Cusco‘. Übernachten auf einem grossen Dorfplatz mit obligater Kirche. Haben heute alles verschenkt: viele Kugelschreiber, Sackmesser, Federball, Süssigkeiten, alte Kleider, Schuhe und die alte Bratpfanne. Die Zwei werden dann entscheiden, wer was am nötigsten hat und erhält. Der MAN ist wieder fast leer und es gibt viel, viel Platz für Bigi‘s Souvenirs.
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29.Dez.-wir sind gespannt auf 'Cusco'
Waren hundemüde und haben recht gut geschlafen – ausser dass Wasser von der oberen Dachlucke direkt aufs Bett tropft. Wir behelfen uns mit grossen Plastiksäcken. Am Morgen müssen wir das Duvet mit dem Föhn trocknen. Kurz vor ‚Cusco‘ sehen wir Wolfgang und Monika - kurzer Schwatz. Wir fahren nach ‚Cusco‘ hinein, braucht etwas Geduld. Einkauf im Supermarkt. Suchen das ‚Club Hotel‘ in der Nähe des Sportstadions. Wollen hier im Garten übernachten. Die Hotelleitung winkt ab, da heute und morgen Abend ein grossen Fest im Garten stattfindet und es könnte laut werden. Parkieren vor dem Hotel und fahren mit dem Taxi zum ‚Plaza des Armas‘ im historischen Zentrum. Wunderschöner Platz mit alten Kirchen, Häusern mit Balkonen im Kolonialstiel, vielen Restaurants, Boutiquen und Reiseagenturen. Wir buchen für den 31.Dezember eine Tour nach ‚Machu Picchu‘. Zurück zum Camper und sofort los ins Urubambatal. Finden nicht die optimale Ausfahrt aus ‚Cusco‘, aber wir schaffen es durch enge, steile Gassen. Kurz vor dem Urubambatal übernachten wir bei Maras.
30.Dez.'Salinas de Maras' und 'Moray'
Seit langem haben wir nicht mehr richtig campiert. Heute ist es schön und einigermassen warm. Jupi, Frühstück im Freien! Es begrüssen uns zwei Schafherden mit Hirten. Fahren 4 km zu den ‚Salinas de Maras‘ der Inkas. Es gibt hunderte von angelegten Salzpfannen. Leider arbeiten die Nachfahren der Inkas nur Mai bis Oktober. Trotzdem ist alles sehr eindrücklich. Zurück zur Hauptstrasse und mitten durch das Dorf ‚Maras‘. Wie immer finden wir die Abzweigung nach ‚Moray‘ nicht, obwohl wir fragen?! Wir kurven eine Stunde durch die Gegend - es sind nur 9 km. Die Gasse in ‚Maras‘ ist ausgesprochen eng und der MAN passt genau durch. Kommen wieder zurück nach ‚Maras‘ und von dieser Fahrtrichtung sehen wir die Abzweigung – wären aber nie und nimmer um die Ecke gekommen. Nach diesem ‚kleinen‘ Umweg durch schöne Gegend finden wir endlich die Inkaterrassen von ‚Moray‘.
Hier hatten die Inkas vermutlich eine landwirtschaftliche Versuchsanstalt errichtet. Die Form erinnert an ein Amphitheater und ist in einem Talkessel von ca. 50 m Tiefe angelegt. Versuche neueren Datums haben gezeigt, dass die verschiedenen Terrassen bis 15 Grad Temperaturunterschied aufweisen. Wieder durch ‚Maras‘ und prompt bleiben wir in den engen Gassen stecken, da uns ein Camion den Ausgang versperrt. Also irgendwie wenden und den gleichen Weg zurück aus dem Dorf. Dann weiter nach unten ins Tal nach ‚Urubamba‘ und zur Eisenbahnstation ‚Ollantaytambo‘. In diesem Dorf wird es wieder ‚sau-eng‘. Parkieren und übernachten auf dem Parkplatz von ‚Inca Rail‘. Spazieren im Dorf und betrachten von Ferne die riesige Inkafestung. Der Eintritt von CHF 25/Pers. ist uns aber zu viel und wir haben auch keine Lust auf ‚bergsteigen‘. Kaufen von einer Künstlerin ein kleines Bild und trinken auf einer Terrasse ‚Pisco Sour‘. Abends essen wir in einem kleinen Restaurant Pizza. Kaspar ist frustriert über die Bedienung – bekommt sein Glas Wein nicht – und auch die lange Wartezeit bis endlich die Pizza kommt.
30.Dez.-'Machu Picchu'
Um 5 Uhr weckt uns der Wecker! Kurzes Frühstück und auf Wunsch des Parkwächters um parkieren des MAN. Dann zum Bahnhof, wo die Zugskomposition (4 Wagen) ‚Inka Rail‘ zum Einsteigen bereit steht. Die Billette werden zusammen mit dem Pass kontrolliert. Die Wagons sind schön renoviert mit Kunstledersesseln, aber etwas gar eng bestuhlt.
Die Schüttel- und Rüttelfahrt beginnt! Es soll hundert Minuten bis ‚Aguas Caliente‘ dauern. Es geht immer bergab, zuerst durch ein breites Tal, das immer schmaler wird vorbei an Landwirtschaftsfeldern bis Urwald. Hohe Berge säumen die Fahrt und der Fluss ‚Urubamba‘ zwängt sich schäumend und mit vielen Stromschnellen zusammen mit dem Bahntrassee durch das immer enger werdende Tal. Wir erhalten einen kleinen Snack, Coca-Tee und Bisquits oder Nüsse. In ‚Aguas Caliente‘ angekommen herrscht grosses Durcheinander bis unser Tourguide seine Gruppe zusammen hat, um nur ein wenig später schon wieder ein paar Leute zu verlieren. Mit dem Touristenbus über einen serpentinenreiche, schmale Strasse hinauf nach ‚Machu Picchu‘. Hier müssen wir unseren englischsprechenden Tourguide suchen. Endlich geht es los! Über eine steile Inkastrasse hinauf zum sagenhaften ‚Machu Picchu‘ (2400 m.ü.M.). Der Blick öffnet sich, aber die Wolken/Nebel verhüllen ‚Machu Picchu‘. Sind etwas enttäuscht, aber der Führer beruhigt uns. Er sagt voraus, dass spätestens in 20 Minuten der Nebel abgezogen ist.
Und siehe da, wir erblicken ‚Machu Picchu‘ in voller Grösse und mit dem bekannten Berg dahinter. Alle fotografieren wie verrückt. Wir denken, die ‚Inkas‘ die spinnen! Wir werden durch die gut restaurierten Ruinen geführt. Anschaulich wird uns das Leben hier oben erklärt, wo die Reichen und die Armen wohnten, wo die Tempel standen. Hier hatten sie Versuchsfelder angelegt und ein astronomischer Tempel zeigt immer an, wann der 21.3./21.6./21.9. und 21.12. ist. Nach der guten und witzigen Führung durchstreifen wir alleine die Anlage. Wir kommen aus dem Staunen nicht hinaus. Die Steine resp. Felsbrocken, vor allem bei den Tempeln, sind äusserst exakt zusammen gefügt. Wie dies die Steinmetze schafften ist uns heute ein Rätsel. Es gab ‚Steinroller‘ und ‚Steinstosser‘. In ‚Machu Picchu‘ lebten nur etwa 500 Personen. Es kamen aber viele Gläubige, Händler und Handwerker in die Stadt, so dass temporär 2000 Leute Unterschlupf fanden. Steigen über steile und hohe Treppen bis zu oberst und gewinnen eine super Übersicht über die Stadt, Berge und die tiefen Schluchten – inzwischen bei grandiosem Wetter! Uns ist schon fast zu heiss. Nach 4 Stunden haben wir genug und müssen den Bus für die Rückfahrt nach ‚Aguas Calientes‘ nehmen. Hier haben wir noch etwas Zeit für Einkäufe und ein Glacé. Einsteigen, denn um 14 Uhr fährt der Zug nach ‚Ollantaytambo‘ zurück. Im Zug ist es sehr heiss und wir werden nochmals richtig durchgeschüttelt. MAN besteigen, durch das schmale Dorf auf die Hauptstrasse und entlang dem ‚Rio Urubamba‘ bis zum Marktflecken ‚Pisac‘. Es ist Silvester und es sind daher viele Leute auf der Strasse. Die Parkplätze vor einem Hotel sind wegen dem Silvesterdinner alle reserviert. Es wird gleich Nacht. Fahren den Berg hoch zu einer anderen Inkafestung und bereiten den Camper für die Nacht vor. Der Parkplatz ist sehr schräg und Kaspar stellt den MAN auf einen grossen Stein. Eine Peruanerin mit zwei Kindern will uns unbedingt noch etwas verkaufen. Wir schenken ihnen ein paar Soles, Guetzli und Bigi kauft noch zwei winzige Portemonnaies. Wir sind sehr müde, es war ein anstrengender und langer Tag. Unser Silvestermenu: Spargelgratin. Sehr gut! Nicht einmal Wein trinken wir, nur einen ‚Chlöpfmoscht‘. Sitzen noch etwas gemütlich und schwatzen. Hören Stimmen! Werden von zwei Parkwächtern gestört die uns deuten, dass wir hier nicht übernachten dürfen. Bigi sagt ihnen, dass es gefährlich ist, nachts hier den Berg runter zu fahren und dass wir auch ein wenig Alkohol getrunken haben. Mit Verhandeln wäre es bis morgen früh 6 Uhr möglich, aber schon wieder so früh aufstehen?! Zähneknirschend packen wir alles zusammen und folgen dem Taxi mit dem Parkwächter hinunter ins Tal, wo er uns einen ungestörten Platz zum übernachten zeigt. Als Trinkgeld geben wir ihm ein paar Soles (Bigi verdoppelt stillschweigend), er aber will mehr: 20 Soles für Benzin und dann nochmals 10 Soles für ein Bier mit seinem Kollegen. Am Schluss waren es also ca. 15 Franken und wir schmunzeln über den cleveren Kerl – na ja, der letzte Tag im alten Jahr 2011. Um 21 Uhr liegen wir im Bett und verschlafen den Start ins neue Jahr 2012!
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