Okt. 2011

1. Okt. 2011

.....das zweite Südamerikaabenteuer beginnt!
Kaspar feiert heute seinen 65-igsten Geburtstag. Ab heute ist er ein knackiger Oldie!
Ein klein wenig nervös sind wir schon. Dusche, Toilette und Kühlschrank reinigen. Sandwich streichen. Es kommen Bigis Mutter Dorli und die Eltern Stutz zu Besuch. Sie sind auf dem Weg in die Seniorenferien in Interlaken. Sitzen gemütlich im Wintergarten und plaudern. Um16.30 Uhr kommt das bestellte Taxi und bringt uns und das schwere Gepäck zum Bahnhof Solothurn. Um 19 Uhr sind wir am Flughafen Zürich-Kloten. Müssen am Automaten einchecken und eine hilfsbereite Swiss-Groundhostess möchte am liebsten mit uns verreisen. Ohne Probleme können wir die 4 Koffer mit total 72,3 kg aufgeben! Brigitte kommt ‚zufällig‘ am Schalter vorbei und wir schlendern zu einer schönen Vinothek im Terminal 3. Regula und etwas später auch Thomas kommen dazu und wir trinken nochmals einen guten Schweizer Tropfen. Sitzen in gemütlicher Runde und schon bald heisst es Abschied nehmen. Um 22 Uhr besteigen wir den Airbus 340 der Swiss, Flug LX92 nach Sao Paulo. Etwas spät geniessen wir unser Poulet Stroganoff mit Kartoffelstock und richten uns dann zum Schlafen ein. Um 8.40 Uhr Lokalzeit (12.40 Uhr Schweizer Zeit) erwachen wir und sind erstaunt, wie gut wir geschlafen haben. Es war die ganze Zeit über echt ruhig, dunkel und keine nervösen Leute um uns herum.

2. Okt. - wieder in Südamerika

Zwischenlandung in Sao Paulo/Brasilien. Nach 2 Stunden Aufenthalt geht es schon weiter mit der TAM zum internationalen Flughafen von Buenos Aires. Dort wartet bereits das vorbestellte Taxi und bringt uns in 45 Minuten ‚down town‘ ins *****Hotel Claridge, wo wir im April schon einmal logierten. Nehmen ein Bad im geheizten Swimming Pool im Hinterhof. Eine Windböe weht Bigis Zimmerschlüssel (elektronische Karte) in den Pool. Ein anderer Tourist taucht und der Schlüssel funktioniert später erstaunlicherweise immer noch! Um 17 Uhr treffen wir an der Rezeption Helen, die schon um Mitternacht aus Lissabon eingetroffen ist. Nach der Begrüssung schlendern wir durch die Einkaufsstrassen von B.A. Ein kalter Wind blässt durch die Strassenschluchten. Schauen in diverse Ledergeschäfte (Bigi möchte eine neue weisse Lederjacke). Trotz der frühen Uhrzeit 18.20 Uhr, beschliessen wir ins Restaurant ‚Posado 1820‘ neben dem Hotel zu gehen. Es ist einfach zu kalt draussen und wir sind hungrig! Das 330 gr. Rindsfilet (für CHF 16.-) mundet hervorragend und auch der Rotwein ist nicht zu verachten! Gehen früh zu Bett, da wir doch recht müde sind von der Reise.

3. Okt. - ein Tag in Buenos Aires

Mit dem Taxi zum ‚Buquebus‘ (Schifffahrtsgesellschaft zwischen B.A. und Colonia/Uruguay). Hier kaufen wir für CHF 60.- pro Person das Ticket für morgen 4. Okt. um12.30 Uhr. Zu Fuss in der warmen Frühlingssonne an den alten Hafenbecken entlang. Hier entstehen die neuen Restaurants, Hotels und teuren Wohnungen für die mehrbesseren Argentinier. Trinken Kaffee und Helen isst kandierte Orangen. Mit dem Taxi nach ‚La Boca‘. Es hat mässig Touristen. Im April haben wir hier den Künstler ‚Alio‘ kennengelernt. Kaspar kann wieder seine Unterschrift auf ein Blatt Papier kritzeln und er macht eine Zeichnung ‚der Tangotänzer‘ daraus. Bigis Kreislauf sackt zusammen, es ist ihr schlecht und sie ruht sich auf dem Sofa im Künstleratelier aus. Helen kauft ein kleines Bild. Überhaupt hat sie den Kauffimmel. Sie ersteht eine Art zweifarbigen Poncho und eine Sterlingsilber Nadel. Schauen den Strassentänzer/innen zu (Tango und Salsa) und hören typische argentinische Handorgelmusik. Wir haben keine Geldmünzen für die Busfahrt und es kann uns auch niemand wechseln, denn Geldmünzen sind in Argentinien mehr als rar! Also geht’s weiter mit dem Taxi ins alte ‚San Telmo‘. Hier will Kaspar unbedingt in der im April entdeckten schönen, modernen (und auch teuren) Tapas Bar ein Gläschen trinken und Tapas essen. Bummeln durch ‚San Telmo‘, die alte Markthalle und weiter zum Hauptplatz beim ‚Casa Rosado‘ (Regierungssitz). Ruhen uns im Hotel aus, um später im ‚Kaffee Tortoni‘ essen zu gehen. Der Abend ist wieder recht kalt. Trotzdem sitzen die Strassenverkäufer in der ‚Calle Florida‘ hinter ihrer billigen Ware. Ab und zu kauft jemand etwas Kleines - das muss ein Leben sein, so den Lebensunterhalt zu verdienen! Im schönen Jugendstil-Kaffee ‚Tortoni‘ bewundern wir die Einrichtung und die Glasdecken. Bestellen einen kleinen Imbiss. Wie könnte es anders sein: ausgerechnet wieder einmal Kaspar erhält seinen Hamburger nicht. Mürrisch will er keinen mehr, auch nicht auf dem Heimweg bei McDonald. So geht er eben fast hungrig (Schweizer Militärbisquits und Militärschokolade) zu Bett.

4. Okt. - Überfahrt nach Colonia del Sacramento

Nach dem Frühstück (für Kaspar heute etwas reichhaltiger als sonst!) werden wir mit einem grossen Taxi zum ‚Buquebus‘-Terminal gefahren. Einchecken und warten bis der Trimaran ‚Atlantic III‘ nach Uruguay losfährt. Nach 75 Minuten kommen wir in Colonia del Sacramento an. Ein schöner Zufall: der zur Zeit einzige Taxifahrer am Terminal entpuppt sich als der Gleiche, der uns im April hierher chauffiert hat. Kurzer Halt bei einem kleinen ‚Tante Emma Laden‘ und schon bringt er uns zu unserem Stellplatz hinter dem Einfamilienhaus von Julio. Ausser, dass die Räder im Boden etwas eingesunken sind und das Gras unter dem Camper hoch steht, scheint alles i.O. zu sein! Die Inneneinrichtung ist in einem super Zustand, kein Schimmel und auch die Innenraumbatterie ist voll aufgeladen. Alles funktioniert einwandfrei! Die zwei Anlasser-Batterien für den Motor sind jedoch tot und so telefoniert Julio seinen Freunden, um ein Ladegerät aufzutreiben. Wir haben Glück und so bringt Julio Kaspar zu einer pseudo Garage. Nach seinen Anweisungen werden die Batterien geladen. Wir sind hundemüde und selbst die Tomatenspaghetti schmecken Kaspar nicht so recht. Ob er wohl etwas nervös ist?! Wir haben den Kopf noch nicht auf dem Kissen und schlafen schon.

5. Okt. - Colonia del Sacramento

Heute besuchen uns Heidi und Peter aus Feldbrunnen sowie Ruth und Franz aus Solothurn. Aber wir müssen noch schnell zum Comisário ‚Silbera‘ wegen unserem MAN.

…..Hier kurz die Vorgeschichte: am 6. April reisen wir beim Zollübergang ‚Paysandu‘ nach Uruguay ein. Kaspar macht die Zollpapiere für MAN und Hondaroller nicht! So ist unser MAN illegal in Uruguay! Vor circa einem Monat ruft ein englisch-sprechender Freund von Julio bei uns in Feldbrunnen an. Die Polizei will unser Fahrzeug (weil nicht registriert) beschlagnahmen. Also diverse Telefongespräche mit dem Konsulat von Uruguay in Bern. Schilderung des Sachverhaltes. Der Konsulatsbeamte ist sehr freundlich und auch hilfsbereit. Er nimmt Rücksprache mit der Polizei in Uruguay und klärt das Problem für uns. Schlussendlich bekommen wir die Auskunft, dass alles in Ordnung ist. Kaspar glaubt jedoch nicht so recht daran, ist nervös und wird immer nervöser, je näher wir Uruguay kommen. Er rechnet bereits mit Zollkosten von ein bis fünf tausend Dollar……
In der Polizeistation warten wir auf einer unbequemen Bank. Der Comisário ist ausser Haus und so sollen wir in eineinhalb Stunden wieder kommen. Also marschieren wir zum Hafen, um unsere Freunde abzuholen. Das Schiff hat Verspätung und so wartet Bigi hier und Kaspar geht mit seiner privaten Dolmetscherin Helen zurück zum Polizeiposten. Wieder warten auf der Büsserbank, denn der Comisário ist beschäftigt. Nach längerer Zeit kommt sein (vermutlicher) Stellvertreter. Helen erklärt ihm die Situation von Neuem. Er will jedoch nur die Fahrzeug-/Rollerpapiere und den Pass zum Fotokopieren. Nach ca. 45 Minuten kommt er mit einem Rapport und uruguayischem Stempel, welcher uns die Ausreise aus dem Land gestattet. Wir unterschreiben – es kostet NICHTS! Schenken ihm überglücklich zwei Schweizer Schokoladen und 4 Schoggistängeli. Er freut sich und Kaspar fällt ein riesiger Felsbrocken vom Herzen! Alles besser gegangen als erwartet. Bigi hat schon in der Schweiz gesagt: ‚vielleicht hilft uns dieses Problem, um für den MAN die erforderlichen Ausreisepapiere für Uruguay zu erhalten.‘ Unsere zweite Südamerikareise kann nun beginnen!

Inzwischen ist auch Bigi gekommen und wir bummeln gemeinsam in die Altstadt, wo wir unsere Freunde zum Mittagessen treffen. Vor dem Essen besteigen wir noch schnell den antiken ‚Barrio Historica‘ (alten Leuchtturm), um die Stadt von oben zu betrachten. In einem schönen Restaurant auf dem Platz geniessen wir ein feudales Mittagessen mit einem guten Rotwein aus Uruguay. Gar nicht gewusst, dass die hier so hervorragenden Rotwein haben! Zur Feier des Tages übernimmt Kaspar die Rechnung. Kreuz und quer durch die Altstadt. Hier stehen sehr, sehr alte Autos von vor dem Weltkrieg und kurz danach. Einige schön restauriert und fahrbar, andere als übergrosse Blumentöpfe oder Apérobar zweckentfremdet. Wenn Kaspar einen Oldtimer möchte, so würde er diesen von Uruguay holen.

Am Abend sitzen wir am Fluss unten, geniessen den Sonnenuntergang und schwatzen. Es wird Zeit, dass unsere Freunde zurück nach Buenos Aires fahren. Wir verabschieden uns und wünschen Ihnen eine gute Reise. Sie bleiben 6 Wochen in Argentinien.

6. Okt. - Reparaturen und Reisevorbereitungen

Die zwei Batterien sind geladen, werden montiert und der Motor springt beim ersten Versuch an! Es ist 09.19 Uhr und eine schwarze Rauchwolke verlässt den Auspuff. Nun beginnt Kaspar mit den kleinen Reparaturen: Abdeckung aus Alu für die Rücklichter, das Türschloss der Fahrertüre (geht besser als erwartet und nach längerem Pröbeln funktioniert es sogar), der Deckel des Gefrierfaches im Kühlschrank. Nun noch Standlichter ersetzen, MAN waschen, Hondaroller reinigen, Türschlösser und Scharniere schmieren, Frischwassertank auffüllen, Toilette leeren und ‚last but not least‘ Standplatzmiete etc. bezahlen. Schwatzen noch längere Zeit mit Julio, schenken ihm ein Schweizer Taschenmesser, seiner Frau eine Swatch, der 5jährigen Tochter einen Wasserball und natürlich etwas Schweizer Schokolade. Diesen Standplatz können wir auf Anfrage gerne weiter empfehlen!
Und nun geht’s los! Km-Stand: 86‘689,8 km.
In einem Einkaufszentrum ergänzen wir unsere Vorräte und kaufen für den täglichen Gebrauch die Frischprodukte, Mineral- und Trinkwasser. Zwei Einkaufswagen voll! Dann runter zum Strand, denn hier sollen wir Monika und Wolfgang treffen, die auch heute ihre zweite Südamerikareise starten. Niemand hier, also geniessen wir einen Apéro und später ein Käsefondue - ein Beutel Fondue ist bei der Reise beschädigt worden, zum Glück ohne grosse Sauerei im Gepäck. Am Abend kommt noch ein Uruguayer. Er ist ein Abkömmling eines eingewanderten Schweizers (ca. 1780) aus Grenchen. Er verkauft uns ein Geschichtsbuch über die ‚Colonia Suiza‘ (Helvetica). Wir beschliessen dieses kleine Städtchen zu besuchen. Am späten Abend kommen noch Monika und Wolfgang mit einer deutschen Freundin vorbei. Wir schwatzen und schauen, wo sich unsere Reiseroute wieder trifft. Gewiss irgendwo werden wir uns wieder sehen. Es beginnt zu regnen und der Wind bläst.

7. Okt. - ein Stubenhockertag und .....

Die ganze Nacht hat es gestürmt, gerüttelt und es regnet ausgiebig und ohne Unterbruch. Kaspar will unbedingt sein Tagebuch schreiben, aber die zwei Frauen wollen shoppen gehen. Um 13.10 Uhr ist es soweit und alle sind zufrieden. Kaspar steigt aus, da wir im Dreck parkiert und übernachtet haben. Fahren 500 m und prompt hört es ‚zum Glück‘ auf zu regnen. Was heisst hier regnen, es hat richtig geschifft! Wechseln auf der Bank Geld, da die Bancomaten fast kein Geld (Pesos) ausspucken. Trinken Kaffee und geniessen ein Apfelkuchen – Helen mit ‚Bütschgi‘! Nun kann es los gehen mit shoppen. Bigi kauft nun das vor zwei Tagen anprobierte weisse Lederjäckli. Na ja, ist ja bald Geburtstag. Bummeln nochmals durch Colonia, aber bei Regen ist es ein wenig trist. Im gestern neu eröffneten Informationszentrum für Touristen schauen wir uns eine super gute lebendige Multidiashow über Uruguay an. Fahren noch kurz zur Stierkampfarena, welche leider verlottert und nicht begehbar ist. Nun stehen wir wieder unten am Rio Plata, diesmal aber auf einem trockenen Parkplatz.

8. Okt. - Nueva Helvecia / Colonia Suiza

Fahren ca. 40 km die Routa 1 bis nach Colonia Suiza oder Nueva Helvecia. Hier haben sich viele Schweizer Auswanderer niedergelassen. Colonia Suiza ist in ganz Uruguay bekannt, vor allem wegen dem guten Käse, der hier produziert wird (so spitze ist er aber auch nicht!). Bummeln durch das kleine Städtchen. Alles ist mit Helvetica beschriftet, das Shoppingzentrum, die Apotheke, die Busse, einfach alles. Suchen das ‚Hotel Suizo‘. Es stellt sich als schönes, gepflegtes Hotel mit Swimmingpool und grossem Umschwung heraus. Wir dürfen hier Übernachten und gehen dafür abends ins Restaurant. Ziehen später noch in der Umgebung los. Das Käsegeschäft ist jedoch bis 16 Uhr geschlossen. Eine Gant (Versteigerung) ist im Gange. Viele Einheimische erstehen sich absoluten Müll! Später kaufen wir Käse ein. Bigi und Helen trinken an der Bar einen alkoholfreien Kräuter-Apéro. Zurück beim Camper geniessen wir die warme Frühlingssonne, die ab und zu zwischen den Wolken hervor scheint. Nebenan ist ein alter Schiessstand aus dem Jahre 1874. Im Prospekt sieht man auf einem alten Bild die Schiesswütigen von 1900. Der neue Schiesstand steht nur etwa 100 m ausserhalb des Hotelparkes.

Zur normalen Essenszeit um 20.30 Uhr gehen wir ins alte Restaurant und geniessen richtig schweizerisch: Bigi Rindsfilet Stroganoff, Helen vegetarische Spätzli und Kaspar ein Cordon-bleu mit Pommes frites, welches den Teller voll ausfüllt. Na ja, wir werden noch länger an diesem Cordon-bleu ‚z‘gnage ha‘!

9. Okt. - 'Paso de los Toros'

Das üppige Essen ist Kaspar etwas aufgelegen und er hat an diesem äusserst ruhigen Ort nachts der Bum-Bum-Musik von irgendwoher gelauscht. Auch hat ihn eine Mücke ‚gepiesackt‘. Besuchen die alte Käserei eines Einwanderers. Bis vor 20 Jahren wurde hier noch Käse hergestellt. Weiter auf der Route 1, Richtung Montevideo, kaufen wir nochmals Käse ein. Links abbiegen auf die Nr. 11 und in ‚San José‘ wieder links auf die Nr. 2 bis nach ‚Trinidad‘. Ein kleines, verlorenes Nest. Die Gegend ist leicht hügelig mit viel Wasser, vielen Kühen – Uruguay hat vermutlich mehr Kühe als Einwohner – grosse Weide- und Landwirtschaftsflächen. Fast keine Fahrzeuge begegnen uns und wenn, so sind es LKWs beladen mit Orangen, lebenden Tieren oder Milchtankwagen. Die 2.Klass-Strasse Nr. 57 nach ‚Durazano‘ ist besser als die Hauptstrasse. Vorbei an einem internationalen (?) Flughafen mit alten Militärfliegern geht es weiter zur Kleinstadt ‚Paso de los Toros‘ am ‚Rio Negro‘. Kurze Rundfahrt durch das schmucke Städtchen mit dem Denkmal eines riesigen Bullen. Richten uns auf dem Asado-Platz am Ufer des ‚Rio Negro‘ ein. Das Wetter hat sich gebessert und so sitzen wir in der Sonne und relaxen. Leider windet es ziemlich stark. Ein Hund bettelt und unser altes Brot findet einen hungrigen Abnehmer. Bigi gibt sogar noch ein Stück Schinken dazu und Helen opfert ihre letzten Hundeguetzli aus der Schweiz.

10. Okt. - 'Tres Arboles'

Nehmen die Routa 5 und biegen dann auf die Nr. 20 ab. Bald schon kommen wir auf schlechte Schotterpiste. Kaspar lässt schon mal ein wenig Luft aus den Pneus. Sehen ein Schild ‚Tres Arboles‘. Genau zu diesem Naturreservat wollen wir! Aber ob die Richtung stimmt?! Nach einer halben Stunde sieht Kaspar auf der Strassenkarte ein Dorf mit demselben Namen in ganz einer anderen Richtung als das Naturreservat. Überall Landwirtschaft mit vielen Kühen, Schafen, Pferden, etwas hügelig, aber alles sehr grün. Es scheint, dass sie hier Forstwirtschaft neu betreiben. Viele Eukalyptusbäume, welche sehr schnell wachsen.

Hier in Uruguay gibt es drei Papierfabriken, welche Abnehmer sind. Die Zellulosefabriken stehen an der Grenze zu Argentinien am Rio Uruguay und geben immer wieder Anlass zu Protesten der Argentinier. Unterwegs fragen wir einen einäugigen zerlumpten Mann am Zaun nach dem Weg. Sein Auge strahlt, als wir ihm ein Päckli Marlboro schenken.

In ‚Tres Arboles‘ steht ein alter Bahnhof mit noch älteren Güterwagen. Es scheint jedoch, dass von hier aus noch ein paar Güterzüge (mit Bäumen) zu den Zellulosefabriken fahren. Wir trinken hier Kaffee und es kommt eine Draisine angelärmt. Weiter bis ‚Guichon‘. Hier besuchen wir die einzigen salzhaltigen Thermen ‚Almiron‘ von Uruguay. Es hat verschiedene Bassins mit 34 - 36°C warmem Wasser. Wir sitzen im Wind in der Sonne und gehen später baden.

11. Okt. - Therme Guauiyu

Fahren die schlechte geteerte Strasse Nr. 90 nach dem Grenzort ‚Paysandu‘. Einkaufen im Shoppingmarkt Ta-Ta und weiter die Nr. 3 bis kurz vor ‚Salto‘ zu der Therme ‚Guauiyu‘. Grosser Campingplatz, zum Glück kein Wochenende und nicht Hauptsaison. Nach einer Besichtigung der grosszügigen Anlage gehen wir im 39°-Pool schwimmen. Das Thermalwasser fühlt sich ölig an. Nach etwa einer Stunde kriegen wir Schwimmhäute. Schauen dem Treiben auf dem Camping zu. Da wir am Nachmittag eine Pizzeria mit Holzofen gesichtet haben, verzichten wir aufs kochen und essen zu dritt eine ‚Pizza familiar‘. Im Fernsehen läuft der Fussballmatch Paraguay-Uruguay (Resultat 1:1). Sehen auf dem Heimweg Glühwürmchen, echt cool!

12. Okt. - Thermas Arapay

Lassen den Tag langsam angehen! Fahren die Route 3 bis Salto. Hier kreuz und quer am Rande von Salto bis an den Fluss ‚Rio Negro‘. Dem Fluss entlang bis zur Staumauer/Flusskraftwerk (auch Zollübergang nach Argentinien) und zum Aquapark ‚Acuatico‘. Hier dürfen wir nicht campieren und so fahren wir weiter zu den Thermas ‚Arapey‘. Am Strassenrand sehen wir eine schöne knallrote Blüte (ähnlich Ananas) und auf dem Kaktus sitzen mittelgrosse Vögel mit gelben Bäuchen. In ‚Arapey‘ werden wir in der Campingzone zwischen die Brasilianer geparkt. Dies passt uns jedoch nicht so recht und wir ziehen zu einer ruhigeren Ecke mit drei deutschen Wohnmobilen, eines davon ein ‚Bocklet‘. Am späteren Nachmittag gehen wir noch in verschiedene Bassins baden, u.a. in einem geschlossenen Badehaus mit vielen tropischen Grünpflanzen. Das Bassin ist sehr klein. Viele dicke Uruguayaner, Argentinier, Brasilianer und die 3 Schweizer quetschen sich ins kleine Bad. Beim Rausgehen sichtet Bigi auf der Treppe im Wasser Kaspars ‚Hausschlüssel‘. Nachher werden die nassen Tücher und Badehosen im Wind aufgehängt.

13. Okt. - Relaxen

Heute ist der schönste Pool geöffnet. Gestern musste frisches Wasser eingelassen werden. Mega cool, so morgens mit leerem Magen gemütlich im Pool zu liegen. Danach gibt’s einen ausgiebigen Brunch. Nun ist die Zeit reif, dass Bigi endlich fleissig am Computer die Homepage aufarbeitet. Ohne viel Trara sitzt sie zwei Stunden am Computer. Endlich geschafft. Nachmittags ziehen wir los um die Umgebung zu erkunden. Sehen die alte Eisenbahnbrücke und das kleine Militärmuseum. Hier war eine Kompanie Soldaten bis 1947 stationiert. Als im Jahre 1941 das Wasser knapp wurde, haben sie bei der Bohrung zufällig Thermalwasser gefunden. Dann durch die diversen Hotelanlagen. Sammeln Früchte vom Baum: Mores. Ähnlich wie Brombeeren, wachsen aber auf Bäumen und haben keine Stacheln. Kommen mit Argentinier ins Gespräch, welche hier ihre Ferien verbringen. Sie bereiten ihr Asado vor. Wir dürfen als Apéro den Käse, Chorizo und den eisgekühlten Wein (wie Sangria) probieren. Später nochmals ein heisses Bad. Kaspar presst alle von Julio erhaltenen Zitronen aus, da wir ja keine Früchte nach Argentinien importieren dürfen.

Bigi und Helen bereiten dreierlei Empanadas vor: mit Hackfleisch, Thon und Maiskörner/Käse. Schmecken sehr gut! Die Flasche Wein wird fast gänzlich durch Kaspar getrunken.

14.Okt. - Bigis Geburtstag

Bigi liest mit viel Freude alle SMS-, Email- und digitalen Postkarten-Glückwünsche, die sie erhält. Sie hat eine grosse Fangemeinde! Vor dem Morgenessen wird ausgiebig im warmen Wasser gebadet. Der Deutsche mit dem 17-jährigen ‚Bocklet‘ (gleiche Camperfirma wie wir) kommt zu Besuch und inspiziert unseren MAN. In der Zwischenzeit gehen die beiden Frauen spazieren. Wir Männer fachsimpeln. Auch am Mittag wird gebadet. Wir geniessen den Tag. Um 20 Uhr machen wir uns auf ins Restaurant Paradise. Wie immer natürlich erst um 20.30 Uhr offen. Geniessen ein üppiges Essen und eine Flasche Wein. ‚Zu Hause‘ trinkt Kaspar noch einen Whisky. Zur Feier des Tages vertilgen wir zu dritt einen ‚Büli-Kuss‘ vom Klaus.

15.Okt. - Zollübergang Uruguay/Argentinien

Gleiches Prozedere wie gestern. Ausgiebig baden und dann frühstücken. Das waren ja herrliche Wellness-Tage - zum Glück mit einem Wettermix und nicht allzu heiss! Beim fahrenden Gemüsehändler kaufen wir noch Früchte und Tomaten ein. MAN bereitstellen. Dann fahren wir zur Grenzstadt ‚Salto‘. Hier verputzen wir das letzte uruguayische Geld: kaufen ‚Wähen‘, Wasser und füllen den Tank mit ‚teurem Diesel‘ (32 Uruguaschi – ca. CHF 1.50 pro Liter). Bei der Staumauer, Grenze Uruguay/Argentinien, essen wir an einem kleinen Hotel-Badestrand die heute Morgen versehentlich gekauften diversen Früchte. Wir dürfen ja beim Grenzübertritt wie immer ‚nichts‘ mitnehmen. Das fein geschnittene Roastbeef (Resten von gestern Abend) wird mit dem Styroporteller vom Wind erfasst und landet ‚auf dem Kopf‘ im Sand. Kaspar ist noch beim Camper und sieht nichts davon. Beim Essen sagt er: ‚es knirscht zwischen meinen Zähnen‘ und die Frauen klären ihn nach dem Essen auf. Am Zoll fragt der Zöllner natürlich, warum wir keine Einreisepapiere für den MAN und Roller haben. Er scheint der Chef zu sein und ärgert sich über den Zoll von Paysandu. Er will morgen genau abklären, wieso es möglich war, dass wir einreisen konnten. Das Dokument vom Comisario inspiziert er genauestens und wünscht uns eine gute Reise. Beim argentinischen Zoll machen wir die Immigration sowie die Zollpapiere für MAN und Roller. Auch die Argentinier in Paysandu haben im April unsere Ausreise nicht notiert. Auch dieser Zollbeamte ist nicht sehr glücklich über seine Mitstreiter in Paysandu. Also irgendwas muss wirklich schief gelaufen sein am 6. April 2011 beim Zollübergang. Heute ist die Lebensmittel resp. Fruchtkontrolle sehr streng oder wir haben ‚einen scharfen Hund‘ erwischt! Sie nehmen uns vieles weg und wollen dies wegwerfen: Käse, die soeben eingekauften Wähen, die extra hartgekochten Eier, ein halber Fisch von gestern Abend, die extra schön hingelegte Tomate, halbe Peperoni und ein paar Maiskörner aus der Büchse – die restlichen Tomaten haben wir bereits im Aussenfach und den Salami in Helens Handtasche versteckt. Na ja, wir machen einen Deal mit dem Fruchtkontrolleur. Obwohl wir uns vor einer halben Stunde die Bäuche vollgestopft haben, essen wir ein wenig und den Grossteil der konfiszierten Esswaren verstecken wir zwischen den schmutzigen Kleidern. Unter ihrer Aufsicht müssen wir die leeren Verpackungen in den Müll werfen. Der Beamte öffnet freundlich lächeln den Deckel der Mülltonne, beide Parteien sind überglücklich und wir überhaupt nicht mehr hungrig. Kaspar hat zwei hartgekochte Eier vertilgt. Ob er diese wohl heute Nacht verdaut?! Wir fahren in die 18 km entfernte erste argentinische Stadt ‚Concordia‘. Hier ergänzen wir notgedrungen unsere Frischprodukte bei ‚Carrefour‘. In der Zwischenzeit ist es dunkel geworden und wir fahren quer durch die Innenstadt im Samstagabend-Gewimmel. Am Fluss ‚Rio Uruguay‘ stehen wir mitten im Stadtpark und es ist erstaunlich ruhig hier.

16.Okt - argentinische Polizeikontrolle

Es war wieder einmal eine laute, sehr laute Nacht! Bum-Bum-Musik und viele Autos mit lauter Musik bis morgens um 4 Uhr! Als wir aufstehen ist es mäuschenstill. Nur ein paar Sportler drehen ihre Runden am Flussufer entlang. Werden durch eine schöne Aussicht auf das gegenüberliegende uruguayische Flussufer entschädigt. Fahren gegen Norden Richtung der Stadt ‚Mercedes‘ (eine katholische Heilige).
Wir bleiben in einer Polizeikontrolle hängen! Kaspar ist ohne Licht gefahren, was ein Verstoss gegen das argentinische Gesetzt ist. Der Polizist schickt uns Strassensünder zwecks bezahlen der Busse ins Büro. Vorher sagt er uns noch, dass wir auf Video aufgezeichnet sind – am Schluss glaubt Kaspar dies nicht mehr! Okay, trotten brav ins Büro, denn Kaspar ist sich der Schuld bewusst. Die gut Spanisch sprechende Helen lassen wir mal lieber im Camper sitzen. Der nette Inkasso-Polizist gibt uns den Bussentarif durch: 560 argentinische Pesos = CHF 140.-, wenn das nicht gelacht ist! So viele argentinische Pesos in bar haben wir nicht mehr. Vor einer Stunde haben wir nämlich Diesel getankt und unsere US-Dollar geben wir nicht Preis. Kaspar öffnet sein Portemonnaie und zeigt, dass er noch ca. 250 Pesos hat. Diese offerieren wir dem Polizisten sowie Bezahlung per Kreditkarte und fragen ihn auch ganz naiv: ‚was sollen wir den tun?‘ Längeres hin und her. Bigis sagt dem Polizisten cool: ‚in der Schweiz würde dieses Vergehen lediglich CHF 40.- kosten.‘ Beide Parteien zeigen starke Nerven! Kaspar offeriert sogar seine 100 Schweizer Franken, aber die kennt der Polizist nicht – okay, gespart! Nach einer halben Stunde nimmt der immer noch äusserst freundliche Polizist seinen Bussenblock aus der Schreibtischschublade. Und jetzt?! Der Polizeirapport wird ausgefüllt und dabei auf der grossen Liste nach dem passenden Tarif gesucht: 256 arg. Pesos abzüglich 25 % Rabatt (weil wir bar bezahlen). Ob er wohl die Busse unserem Barvermögen angepasst hat? Wir sind grosszügig und runden auf 200 Pesos auf mit der Bemerkung: ‚die 12 Pesos sind für ein Bier.‘ Er bemerkt lächelnd, dass er im Dienst keinen Alkohol trinken darf. Freudig gehen wir zum Camper zurück, wo Helen geduldig auf uns wartet. Wir dürfen weiterfahren. Oh, hätte der Polizist geahnt……………….
In ‚Mercedes‘ angekommen suchen wir dringend einen Bancomaten. Wir finden sogar einen funktionierenden Automaten. Nun haben wir wieder Cash für die Weiterreise. Kaspar wird nämlich sehr unruhig, wenn er kein Bargeld im Portemonnaie hat. Weiter geht’s auf der Strasse Nr. 40 (dies ist nicht die berühmte Routa 40) zum ‚Reserva National del Ibera‘, zum Touristenort ‚Colonia Carlos Pellegrini‘. In der Dunkelheit erreichen wir den Ort gerade noch, denn die 120 km auf der Naturstrasse waren doch etwas länger als erahnt. Sehen am Strassenrand noch einige Tiere, die zu den Wassertümpeln kommen. Bei der Ankunft können wir am ‚Kiosk‘ gleich noch eine Bootstour in die Sümpfe für morgen früh buchen. Stehen am Strassenrand an der Hauptstrasse (es werden allerhöchstens 2 Fahrzeuge hier durchkommen) und flüchten vor den vielen Mücken ins Wageninnere.

17.Okt. - ‚Reserva National del Ibera‘

Früh aufstehen, d.h. 06.30 Uhr! Morgenspaziergang und dann um 08.30 Uhr geht’s los zur zweistündigen Bootstour auf der ‚Laguna del Ibera‘. Wir sehen die grössten Nagetiere Südamerikas ‚Capibara‘ (Wasserschwein), in weiter Entfernung schwarze lärmende Affen ‚Mono Caraya‘ (8 Affen, die vor Kurzem hier angesiedelt wurden), Ciervo de los patanar (Sumpfhirsch), Yacaré (Krokodil), viele Vögel ‚Fédéral‘ (mit roter Brust), Cercas Blancos (weisse Fischreiher), Cresta Rosa (roter Kopf), unzählige Blumen, verschiedene Seerosen, Anemone, Wasserlilien etc. Nach der Tour parkieren wir den Camper direkt neben dem nur 3,25 m hohen Eingangstor des schönen Campingplatzes. Bezahlen den Tageseintritt und dürfen die Infrastruktur des Camping sowie die Terrasse am See benutzen. Kaspar schreibt Tagebuch und nachher geht es mit Stuhl und Buch ans Wasser. Später in der brütenden Nachmittagshitze marschieren wir die 1,5 km über den Damm zum Besucherzentrum beim Parkeingang. Hier schauen wir uns einen sehr interessanten Film über den Park, Fauna und Flora an. Kleiner Rundgang auf einem angelegten Pfad im Urwald. Heute kocht Bigi Spaghetti al Vongole und Kaspar repariert das Abblendlicht. Essen bei Sonnenuntergang draussen. Für 19.30 Uhr haben wir einen Nachtspaziergang im Dschungel gebucht. Zuerst mit dem Boot über die Laguna und dann hinter dem Führer mit Taschenlampe auf den angelegten Pfad. Erst nach einer halben Stunde sehen wir die ersten Wasserschweine und einen Sumpfhirsch. Sogar eine Wildkatze kreuzt unseren Weg (es gibt erst zwei). In der Ferne leuchten Krokodilaugen im Schein der Taschenlampe. Vögel sehen wir leider nur zwei und am Schluss noch ‚Wyskaias‘ (Familie der Chinchillas, welche nur nachtaktiv sind). Das Boot holt uns wieder ab und bringt uns nach Hause. An einem Baum hat sich Kaspar den Kopf so richtig angeschlagen und Helen haut sich den Kopf an der Eingangstüre des MAN blutig. Im Camper sitzen wir im Dunkeln, damit etwas kühle Luft ohne Mücken hereinströmt. Super hat Kaspar vor zwei Tagen im Reiseführer ‚Argentinien‘ von diesem Naturreservat gelesen, denn bisher hat uns noch niemand davon erzählt. Der Ausflug hat sich mehr als gelohnt!

18.Okt. - Holterdipolter

Nach dem ausgiebigen Frühstück beschliessen wir früher als abgemacht loszufahren. Fahren noch schnell durch den ‚Touristenort‘. In einem kleinen Souvenirladen mit lokalem Handwerk kaufen wir zwei hölzerne Wasserschweinchen. Fahren die 140 km Erdstrasse (Nr. 40 und 41) zum Fluss Parana, der die Grenze Argentinien/Paraguay bildet. Uff, bei Regen wäre die Strasse Schmierseife oder besser gesagt ‚unpassierbar‘ - bei Trockenheit ist es ein besserer Waldweg mit tiefen Furchen und lediglich die halbe Strassenbreite ist festgefahren.

Einmal in der Furche und du lernst das Fürchten. Morgen wollen wir ‚Yacyreta‘, das grösste Wasserkraftwerk der Welt besuchen. Der Staudamm ist bekannt für seine horrenden Baukosten, welche durch massive Korruption entstanden sind.

Wir sind sehr müde von der holprigen Fahrt und stehen auf dem ‚Camping Mirador‘. Kurz ein Bad im Fluss ‚Parana‘ und ein längerer Spaziergang am Sandstrand.

19.Okt. - Wasserkraftwerk Yacyreta

Schon vor dem Frühstück ein Bad im Parana. In der Nacht hat es auf 20 Grad abgekühlt. Fahren zum Besucherzentrum und schauen zuerst einen 360°Film, danach geht’s mit Kleinbussen zur Staumauer und dem Turbinenhaus. 1984 wurde mit dem Bau der Staumauer begonnen.

1992 ging die erste der 20 Turbinen ans Netz. Die letzte Turbine wurde 1998 in Betrieb genommen. Dieses Jahr, also 2011, ist der Stausee das erste Mal voll und es gab im September anscheinend ein grosses Fest. Bisher war der Stausee bis 7 m unter Niveau gefüllt, da gar nicht so viel Energie gebraucht werden konnte.

Fahren weiter nach ‚Posado‘. Käffele am Hauptplatz und Bigi telefoniert nach Obera und kündigt unseren Besuch an. Arturo gibt uns den Tipp, dass bei der Jesuiten-Reduktion in ‚San Ignacio Mini‘ jeden Abend ein Nachtspektakel geboten wird. Also noch schnell zum Supermarkt und dann auf die Routa 12. Gerade beim Eindunkeln erreichen wir den Ort und kaufen Tickets für die Show. Die Filme werden auf Wasserleinwände projiziert, wir gehen langsam von Ort zu Ort. Hören dazu Kommentar sowie Musik der Guarani und Jesuiten. Alles super gemacht! Wir erfahren viel über die Geschichte der Jesuiten im 16./17.ten Jahrhundert! Nachher kaufen die Frauen noch bei den paar offenen Händlerhäuschen Holztiere und Bigi einen Armreif ein. Umparkieren des MAN. Heute versuchte die Polizei wieder einmal ihr Glück bei uns. Jedoch ohne Erfolg! Helen zeigte stolz ihre Sicherheitsgurte, der die Polizisten von aussen nicht sehen konnten.

20.Okt. – Jesuitenreduktion ‚San Ignacio Mini‘

Erstehen ein Ticket für alle 4 Jesuitenreduktionen und begeben uns um 9.30 Uhr hier nochmals auf Besichtigungstour. Es ist eine grosse Ruinenstadt. Hier lebten bis zu 6‘000 Einheimische mit zwei Jesuitenpadres in einer engen Dorfgemeinschaft.

Die grosse Kirche muss imposant gewesen sein. Nach der Tour nochmals bei den kleinen Souvenirständen einkaufen. Weiter zur Reduktion ‚Senora de Loreto‘. Diese war die Grösste mit bis zu 8‘000 Einheimischen. Sie ist jedoch noch komplett überwachsen vom Urwald. Ausser dem Toilettenhaus und ein paar Mauern steht hier nichts mehr. Hier lohnt sich kein Besuch.

Die Schule nebenan ist jedoch sehr interessant. Wir schauen fünf Minuten vor Schulschluss in die Klassenzimmer. Es wird emsig geschrieben und gerechnet. Dann ertönt die Pausenglocke. Alle Schüler/innen und Lehrer strömen auf den Schulhof und stehen in ihren weissen Schulschürzen in Reih und Glied. Die obligate argentinische Flagge sowie Flagge von ‚Misiones‘ werden eingezogen, gefaltet und fein säuberlich versorgt. Die Schüler müssen noch irgendeinen staatstragenden Spruch aufsagen und dann ist frei.

Wir fahren auf der Strasse 103 weiter nach Obéra. Kurz vorher noch einen Abstecher zum ‚Salto Berrondo‘. In Obéra versuchen wir unsere Gasflasche zu füllen und fragen in einem Gaszubehörgeschäft. Sie können uns jedoch nicht helfen.

Am nächsten Sonntag, 23. Oktober, sind in ganz Argentinien Wahlen. Die Wahlhelfer fahren mit lauter Musik, Werbesprüchen und Werbeplakaten und verklebten Autos durch die Stadt. Eines dieser Fahrzeuge hält an. Ein Argentinier, der 20 Jahre in der Schweiz lebte (er ist heute Doppelbürger), begrüsst uns. Er betätigt sich für die UCR-Partei, also ‚Ricardo Alfonsin zum Präsidenten‘. Die meisten Leute und auch wir denken, dass jedoch Christina Kirchner (der Peronisten) die Wahl wieder gewinnen wird. Nach den obligaten Fotos machen wir uns weiter mit GPS auf die Suche nach dem Haus von Arturo und Betty. Hier werden wir um 21 Uhr zum Nachtessen erwartet. Wir finden das Haus auf Anhieb. Haben noch viel Zeit bis zum Termin. Wir suchen zu Fuss eine Wäscherei, die leider vor kurzem einige Blocks weiter gezogen ist. Abends gibt’s dann zusammen mit Arturo und Betty sowie Carlos von der EBM International aus Deutschland Pizza, Empanadas, deutsches Wasser (Bier) sowie argentinischen Rotwein. Es wird viel geschwatzt und Bigi und Helen sind im Element. Die Nacht an der Strasse direkt vor dem Haus ist erstaunlich ruhig.

21.Okt. – Obera, Stadt der Immigranten

Nach dem Frühstück bei Betty kommt uns ihr Schwager Ruben mit dem Auto abholen zu einer Tour durch die Kleinstadt Obéra. Er zeigt uns die Bibelschule der Baptisten von aussen (Schlüssel vergessen) und bringt uns zum neuen Baptisten Camping/Weekendgelände mit Mehrzweckhalle und Schwimmbad. Weiter zum Platz der Immigranten mit Museum. Obéra wurde erst im Jahre 1907 von schwedischen Siedlern gegründet. Nach und nach kamen Deutsche, Schweizer, Ukrainer, Israelis, Spanier, Portugiesen, Russen etc. Auf dem Platz der Immigranten wurden die jeweiligen Häuser der Länder aufgestellt. Anfangs September ist jeweils ein riesiges Volksfest mit Trachten, Musik, Essen und Trinken. Das kleine Museum ist schön gestaltet und zeigt Trachten und Gegenstände der Anfangszeit der Siedler. Ein hartes Leben! Auf dem ‚Heimweg‘ holen wir noch die Wäsche und Ruben fährt bei der Schule vorbei, seine Tochter abzuholen. Vor dem Mittagessen bei Betty schauen wir ‚Deutsche Welle‘ Nachrichten. Gestern an der Tankstelle haben wir zufällig gesehen, dass Gaddafi getötet wurde.

Kinderheim Norberto Haase in Alem

Nach dem Mittagessen fahren wir zum Kinderheim ‚Norberto Haase‘ der EBM International in Alem. Hier steigt heute Abend ein grosses Fest mit Asado, Ansprachen sowie Tanz- und Gesangseinlagen der 68 Kinder. In 6 Häusern werden so ca.14 Buben und 54 Mädchen (bis 18-jährig) von einer Mutter oder einem Ehepaar aufgezogen. Sie schlafen in diversen Meerbettzimmern (nach Geschlechtern getrennt). Die Häuser sind alle fast autark, mit Waschküche, Küche, Essraum, Fernsehecke und zwei Waschräumen mit Toilette. Es gibt auch Gemüseanbau, drei Fischteiche bringen in einem Jahr 2-3 kg grosse Fische und die Hühner legen täglich so 100 Eier. Die Grossküche verteilt die Naturalien und im Kleidermagazin werden Kleider nach Grösse ausgegeben.

Beim gemütlichen Kaffee vor dem Camper schleichen sich ein paar Kinder an. Sie sind zuerst eher scheu, werden immer mutiger und schnabulieren mit Hochgenuss alle unsere Guetzli. Um 20 Uhr fahren wir dann über Sandpiste zum 800 m entfernten Schulhaus, wo das Fest stattfindet. Dies darum, dass das Fest auch bei Regen abgehalten werden kann. Es ist Platz für ca. 180 Leute (inkl. Kinderschar) an grossen, runden und schön gedeckten Tischen. Die Ballone der ‚National Suisse‘ sind aufgeblasen und hängen in Trauben an den Pfeilern. Es gibt jetzt schon ein Gerangel um die Ballone, die keine Luft mehr haben und Kaspar schneidet diese fleissig los für die ausgestreckten Kinderhände. Das ‚Asado‘ wird auf brasilianische Art zubereitet. Der Brasilianer spiesst das Fleisch auf, legt die Drehspiesse übers Feuer, wogegen der Argentinier das Fleisch aufspannt und lange ans Feuer stellt. Zuerst gibt’s diverse Ansprachen, Fotos und es werden auch Urkunden an Leute verteilt, die ‚gratis‘ fürs Kinderheim arbeiten; so z.B. Ärzte, Zahnärztin, Augenarzt, Kinderarzt, Psychologen, Logopädin, Bürgermeister von Obera, Carlos und andere Geldgeber. In der Zwischenzeit steht das Essen bereit und die grösseren Kinder servieren die Speisen und Getränke. Unser Tisch ist der ‚Ehrentisch‘. Die anderen Besucher mussten sich im Voraus ‚Benefizkarten‘ für den Abend besorgen. Nach den Shows der Kinder lässt Kaspar zum Schluss der Feier einen Heissluftballon steigen. Dieser fliegt sehr, sehr weit! Die Kinder haben mega, mega Freude. Noch ein Riesengaudi: jedes der Kinder will einen Luftballon und wir müssen alle losschneiden und die Knoten öffnen. Nach Mitternacht fallen wir todmüde und überglücklich ins Bett. Das war genial, dass unsere Reiseroute so führte, dass wir heute dabei sein konnten!

22.Okt. - Kinder, Kinder, Kinder

Heute wird ein heisser Tag! Wir sind eher müde und werden schon beim Frühstück von Kindern belagert. Unsere Campingstühle würden hier nicht lange überleben. Bigi wird zum Telefon gerufen. Das Buschtelefon funktioniert, Inge Seiler ruft an! Wenn möglich werden wir sie auf dem Weg nach Iguazu in Eldorado kurz besuchen. Bereiten für die 6 Häuser die Geschenke vor: Süssigkeiten und Kugelschreiber der ‚National Suisse‘ für die Schulkinder. Die Schoggistängeli sowie eine Spende fürs Kinderheim geben wir Elfi, der Leiterin. Unserem Patenkind Daiana, sie wird nächstes Jahr 18 Jahre alt und muss das Kinderheim verlassen, schenken wir eine Swatch sowie das dazu passende Armband. Sie ist sehr schüchtern, aber sie freut sich riesig. Bigi und Regula waren 1995 hier, haben das paar Monate alte Kind gesehen und es seither als Patenkind unterstützt. Obligates Foto schiessen und später für Daiana ausdrucken. Wir besuchen auch Ines, das Patenkind unserer Freunde Maria und Willi. Ihr schenken wir einen Wasserball und ein kleines Bärchen. Ines ist 8-jährig und erst seit 3 Jahren im Kinderheim. Von den Heimmüttern hören wir diverse sehr, sehr traurige Geschichten der Kinder. Kaum zu glauben, aber wir sind überzeugt, dass die Kinder es hier im Kinderheim sehr gut haben und mit viel Liebe betreut werden. Manchmal kommen mehrere Geschwister zusammen ins Heim und können hier in der gleichen Familie zusammen aufwachsen. Heute flüchten wir vor dem Eindunkeln und den tausenden von Mücken in den Camper. Es juckt und beisst an den Beinen und Armen, den gestern hat jeder von uns viele Stiche abbekommen.

Kinderpatenschaften EBM International

www.ebm-international.org

Warum nicht Pate werden eines Kindes im Kinderheim Alem?!

Bigi ist gerne behilflich bei der Vermittlung eines Patenkindes. Dies ist schon ab CHF 20.- pro Monat möglich! Wir haben einige Kinder kennengelernt, die darauf warten, von Paten unterstützt zu werden. Sie werden mit viel Liebe umsorgt und haben so die Chance auf ein glücklicheres Leben.

23.Okt. - Abschied vom Kinderheim

Die Kinder haben jede Scheu verloren und so werden wir regelrecht belagert. Bigi verteilt alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Farbstifte, Springseil, Federball, Notizblöcke und Krimskrams. Lediglich die an diversen Orten auf unserer Reise eingekauften kleinen Stofftiere, das geschenkte EBM-Kamel und den grossen, orangen Elefanten verteidigt sie. Die alten, zu kleinen Kleider übergeben wir Elfi. Kaspar fährt mit einem der ältesten Jungen und Mädchen in die Nähe des Eingangstores, wo er den Wassertank füllt. Die Zwei fühlen sich wie kleine Könige. Etwa 30 Kinder verabschieden uns am Tor.

Wir fahren zurück nach Obéra. Wussten nicht, dass hier in ‚Misiones‘ das Anbaugebiet von Tee und Mate ist. Sehen noch die Ruinen einer vor kurzem abgebrannten Mate-Fabrik. Es raucht und stinkt. Dann die Routa 103 und später die Nr. 2.

'Saltos del Mocona' im Urwald

Das heutige Ziel sind die 2,5 km Quer-Wasserfälle ‚Saltos del Mocona‘ an der brasilianischen Grenze. Sie sind einzigartig auf der Welt. Eigentlich haben wir uns auf Schotterpiste eingestellt, aber die Strasse ist neu und geteert. Wir machen eine 20-minütige Schlauchboottour und brausen den Wasserfällen entlang. Je nach Wasserstand und Regenzeit sind die Fälle höher oder tiefer. Heute gutes Mittelmass, so 5 – 7 m. An Weihnachten und Ostern, wenn Brasilien kein Wasser von den Kraftwerken ablässt, sind die Fälle bis 12 m hoch. Hier am Rio Uruguay gibt es noch richtigen Urwald. Machen zu Fuss einen 1,8 km langen Marsch. Hier könnte Tarzan gut leben mit den vielen, dicken Lianen. Fahren ein kurzes Stück zurück, denn wie immer darf man im Nationalpark nicht campieren.

Auf einem ebenen Mirador stellen wir uns hin für die Nacht. Schon nach kurzer Zeit ist trotz Mückengitter der Camper voller kleiner Mücken und Kaspar macht wild Jagd. Schon wieder ein Nacht-Spektakel! Eigentlich ist es zu heiss zum schlafen, aber um 22 Uhr kühlt es wenigstens auf 26 Grad ab.

24.Okt. - zurück in die Zivilisation

Im Pijama marschieren wir ‚im Urwald‘ (subtropischer Regenwald), da wir beide Rückenweh haben. Von Zeit zu Zeit machen wir sogar etwas Frühturnen um unsere alten Knochen wieder in Gang zu bringen. Auf dem Weg (Routa 2) nach ‚el Soberbio‘ halten wir ‚im Urwald‘ bei einem Eingeborenen an, welcher Holzsouvenirs herstellt. Wir kaufen einige Holztiere und kommen mit ihm und seiner Frau ins Gespräch. Sie ist (war) Russin, haben 6 Kinder (5 Mädchen und einen Jungen resp. den Jungen der ältesten Tochter). Trinken mit ihnen Mate, was sie sehr freut. Kaspar kneift, denn Mate mag er immer noch nicht! In ‚el Soberbio‘ kaufen wir ein. Das Geschäft gehört einem Deutsch/Argentinier in vierter Generation, spricht noch leidlich Deutsch.

Die YPF-Tankstelle hat wieder einmal kein UltraDieselXXXL, sondern nur das teurere Eurodiesel (5,43 Pesos). Was macht‘s, die Hauptsache ist, dass wir wieder Diesel haben.

Blitzbesuch be Ingel Seiler

Auf dem Weg besuchen wir in ‚Eldorado‘ Inge Seiler, eine ehemalige Missionarin. Sie fährt immer noch ihren VW von 1995 und ist sehr dankbar dafür. Bigi und Regula haben sich anno dazumal sehr eingesetzt für dieses Auto, Spenden gesammelt und Benefiz-Spaghettiessen veranstaltet. Inge ist überglücklich über den Besuch. Sie hatte erst letzthin in der Stille an die zwei lieben Schwestern in der Schweiz gedacht; was die wohl machen. Und nun ist Brigitte zu Besuch hier, kaum zu glauben! Wir schenken ihr eine Toblerone und zum 74-igsten Geburtstag am kommenden Samstag 50 Euro, denn manchmal hat sie fast kein Geld für Benzin und sie hilft doch überall gerne auch mit dem Autofahrdienst.

Heute viel ein- und aussteigen. Zum Glück haben wir für die ‚kleine‘ Helen einen Gurt als Einsteigehilfe montiert, damit sie besser ins Fahrerhaus gelangt. Durch hüglige Gegend (sieht nicht ärmlich aus) über die Routa 13, ein Stück Routa 14, dann die Nr. 11 bis ‚Puerto Paranay‘ und Routa 12 nach ‚Wanda‘.

Wanda - Ametisten

In ‚Wanda‘ besuchen wir ein kleines Bergwerk, in welchem Ametist abgebaut wird. Dieser Halbedelstein ist im Berg, in zum Teil grossen Hohlräumen vor tausenden von Jahren zusammengepresst worden. Auf diese Ametisten sind sie hier per Zufall ca. 1940 gestossen. Abgebaut werden sie aber erst seit 1975. Natürlich ist auch ein Souvenirladen angeschlossen. Kurz vor dem Eindunkeln finden wir einen ruhigen Campingplatz. Unser MAN passt gerade noch zwischen die Bäume. Die ganze Nacht regnet es ausgiebig.

25.Okt. - bis zur Grenzstadt ‚Puerto Iguazu‘

Nur ein paar Kilometer bis zur Grenzstadt ‚Puerto Iguazu‘. Hier sind die riesigen Wasserfälle ‚Iguazu‘. Das Wetter stimmt nicht und so fahren wir zuerst in die Stadt. Einkaufen, Bancomat, Apotheke und Souvenirgeschäfte. Helen fragt bei der Information nach einem Flug für Ende Woche nach Rio. In der Zwischenzeit machen wir es uns gemütlich mit Empanadas und Caipirinha (brasilianisches Nationalgetränk). Es klappt und Helen bucht den Flug für Freitag 17 Uhr (für lediglich ca. 270 CHF). Hier ist auch das Dreiländereck Argentinien-Brasilien-Paraguay. Nachher zurück auf den ‚Camping Americana‘. Vorher noch Besuch des kleinen Freilichtmuseums ‚La Aripuca‘ der Ureinwohner. Helen geniesst ein Mate-Glacé, sehr speziell! Am Abend gibt’s Besuch von Thorsten, einem Deutschen, der alleine reist und nicht recht weiter weiss. Eigentlich wollte Bigi heute endlich Homepage aktualisieren. Die letzten Abende hatte sie auch keine Zeit, da Helen unbedingt wieder Triomino spielen und gewinnen wollte.

26.Okt. - Highlight ‚Iguazu Wasserfälle'

Kaum sind die Rollos hochgezogen klopft Thorsten an die Tür. Bigi geht mit ihm und unserem Computer zur Rezeption zum skypen. Eigentlich wollten wir heute früh los, aber so vergeht eine Stunde bis zum Morgenessen. Wir lesen die Losung für den heutigen Tag und müssen schmunzeln: ‚Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein‘. Sind dann 9.45 Uhr an der Bushaltestelle, steigen in den bereits vollen Bus, der uns zum Parkeingang bringt. Der Eingangsbereich ist sehr grosszügig angelegt, kein Vergleich zu Kaspars letztem Besuch im 1984. Mit dem kleinen, langsamen Eco-Bähnchen bis Eingang ‚Garganta del Diabolo‘. Über einen langen Steg geht’s eine halbe Stunde über das Wasser zu den gigantischen Wasserfällen. Es tost und braust nur so, kaum zu beschreiben, so etwa 20 Wasserfälle! Erkämpfen uns im Gewimmel der Touristen die besten Fotoshootingplätze. Können uns fast nicht satt sehen. Im ‚Iguazu Jungle-Schlauchboot‘ mit 18 anderen ‚Abenteurern‘ am Rand der Fälle durch den Dschungel. Der Bootsführer erklärt uns diverse Pflanzen, Bäume und zeigt uns einige Krokodile, Vögel und sonstiges Getier. Es ist eine ruhige und schöne Bootsfahrt in sicherem Abstand zu den Wasserfällen. Auf dem Rückweg wie immer Souvenir (T-Shirt) einkaufen und mit dem Bus zurück zum Camping. Nun endlich ein kühles Bad im Pool. Bigis Spruch des Tages: ‚Im Museum bin ich dänn es bitzeli gschnäller als bim shopping‘.

27.Okt. - und noch einmal

Ein Taxi fährt uns zum gleichen Preis wie gestern der überfüllte Bus. Jeder von uns füllt beim Parkeingang einen Stimmzettel zur Wahl der sieben Natur-Weltwunder aus. Es ist eine Abstimmung im Gange und Iguazu möchte am 11.Dez.2011 als eines der sieben Natur-Weltwunder gewählt werden. An uns soll‘s also nicht liegen! Buchen für 11 Uhr die Abfahrt zur ‚great adventure tour‘. Im ‚Dschungelfahrzeug‘ 8 km durch den Urwald zum Puerto. Dort besteigen wir ein offenes, starkes Schlauchboot. Der Kapitän sitzt erhöht. Da wir dicht an die tosenden Wasserfälle heranfahren verteilt die Crew wasserdichte Säcke. Wir stopfen den Rucksack und später auch den Fotoapparat rein. Die Fahrt geht Richtung Wasserfälle und bei jeder scharfen Kurve kreischen die Passagiere. Zuerst fährt der Kapitän den Wasserfällen entlang, damit wir Fotos knipsen können. Nachher geht’s voll in die Gischt hinein. Alle und alles ist pflotschnass! Zum Glück ist heute strahlender Sonnenschein und Hitze. Bigi zieht sich nachher die Shorts aus und zieht das Bikini an. Kaspars Kleider trocknen am Körper. Über Stahlsteg den ‚lower circuit‘. Auf dem Rundweg erspäht Bigi weit oben in den Bäumen zwei Tucane. Beim Picknickplatz rangeln Nasenbären um das Essen der Touristen. Noch einmal mit dem Bähnlein zur ‚Devils Throat Station‘. Heute hat es mehr Wasser und es tost und braust. Gischt spritzt und die Sonne zaubert einen wunderbaren Regenbogen. Nachmittags hat es weniger Touristen, worüber wir nicht traurig sind. Müde zurück zum Camping, baden und heute zum Abschied von Helen ins Restaurant, wo wir ein reichhaltiges Buffet geniessen. Nachher noch einen Caipirinha und es wird ein sehr lustiger Abend.

28.Okt. -

Helen reist heute ab und so wird fleissig gepackt. Um 10 Uhr holt uns das Taxi und bringt uns auf die brasilianische Seite der Wasserfälle. Zuerst besuchen wir den Vogelpark mit ca. 800 Vogelarten. Wir sehen viele Papageie in allen Grössen und Farben, verschiedene Tucane sitzen auf den Ästen, Kolibris kommen Wasser trinken und Schmetterlinge fliegen zu hunderten herum.

Nachher zum Parkeingang und mit dem Bus zur Endstation hinten bei den Wasserfällen. Helen sitzt im offenen Doppelstockbus zu vorderst und prompt fliegt ihre Kappe davon. Sie steigt aus. Kaspar sitzt unten im klimatisierten Bus und merkt nichts vom Malheur. An der Endstation essen wir einen Hamburger und warten gespannt, wann Helen kommt. Busse kommen und gehen und irgendwann dann taucht Helen mit Kappe auf. Fahren mit dem Schindler-Lift zum Panoramaweg runter. Klar, wir werden wieder nass. Die Wasserfälle von der brasilianischen Seite aus sind nicht so imposant, da man nicht so nahe heran kommt. Spazieren zum alten im Kolonialstil erbauten Luxushotel ‚los Cataractas‘. Hier trinken wir ‚wie Hochstapler‘ ein kühles Getränk. Sollten eigentlich schnell mit dem Bus zurück zum Haupteingang, da dort das Taxi um 15 Uhr auf uns wartet. Mit argentinischer Pünktlichkeit schaffen wir es, holen Helens Koffer aus dem Schliessfach und dann direkt zum Flughafen. Verabschieden uns von Helen und holen beim Bancomaten noch brasilianische Reales. Der Taxi bringt uns nach Hause zum kühlen Bad im Pool.

29.Okt. - es regnet und regnet

Waschtag! Müssen vor 10 Uhr die Wäsche an der Rezeption abgeben und holen gleich im Minimarkt frisches Brot und Medialunas (argent. süsse Gipfeli). Geniessen gemütliches Frühstück während es zu regnen beginnt. Regen, Blitz, Donner, es güüüüüüst! Man sieht keine 20 m weit. Hängen mal vorsichtshalber den Strom ab. Arbeiten zusammen am Computer. Fotos sortieren, Panoramabilder zusammenfügen, mit Dorli telefonieren etc. Um 16 Uhr hört der Regen auf, aber es ist immer noch trüb bei 20°C. Müssen noch ein wenig an die frische Luft den Kopf auslüften. Marschieren der Hauptstrasse entlang zu einem Verkaufsladen mit Steinen und Halbedelsteinen, welche in Argentinien gefördert werden. Der Schmuck ist nicht so Bigis Stiel und so kaufen wir lediglich einige Schlüsselanhänger als Geschenke. Zurück im Camper kocht Bigi das Nachtessen. Den Kühlschrank haben wir heute auch schon abgetaut. Grosse Aufregung! Bigi brät Spaghetti und Pouletbrüstli und löscht mit ‚Maria Kron‘ (Cognac) ab. Dabei fängt die Bratpfanne Feuer. Helle Aufregung! Zum Glück gelingt es uns gemeinsam das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Beim Essen sind wir dann etwas schreckhaft. Bigi verschiebt die Weinflasche auf dem Tisch und Kaspar geht dabei das Herz in die Unterhose. Nach dem Essen kommen noch unsere Nachbarn Jutta und Jochen auf eine Flasche Wein.

30.Okt. - Zeit zum erledigen

Das Wetter ist etwas besser und es regnet nur noch ganz leicht, wenn überhaupt. Nach dem Frühstück skypen wir mit Röfes, da Dorli heute dort zu Besuch ist. Einfach genial, über so grosse Distanz miteinander zu sprechen und die Gesichter zu sehen. Was bringt die Technik wohl alles noch?! Endlich Zeit und Trockenheit um aufs Dach zu steigen. Kaspar muss das Ölleck oberhalb des Fahrerhauses finden. Mit Schaukeln und viel Kraftaufwand bringen wir die Fahrerkabine hoch und Kaspar steigt mit der grossen Leiter aufs Dach. Er stöhnt, ist sich das Arbeiten nicht mehr gewöhnt und dazu noch die schwirrenden Mücken - er schwitzt und es juckt und beisst. Ölleck gefunden! Eine 2-Liter Plastikflasche ist durchgescheuert und dadurch lief das Öl zwischen Fahrerhaus und Kabine herunter. Bigi sitzt einige Stunden am Computer und bearbeitet die Homepage, denn heute ist ‚letzte Gelegenheit‘ für ein Update. Die Sonne blinzelt langsam durch die Bäume, ein Bad im Pool und abends nochmals das reichhaltige Buffet im Restaurant. Hoffentlich kommt morgen früh unsere Wäsche zurück. Normal dauert es einen Tag, aber gestern war wegen dem starken Gewitter Stromausfall.

31.Okt. - über die Grenze nach Brasilien

Die Nacht war recht frisch. Nur noch Wasser auffüllen, WC leeren, Homepage aufladen, Email versenden und es kann los gehen! In der Stadt die letzten argentinischen Pesos verputzen. Kaufen Wasser und Wein sowie die uns mundenden argentinischen Produkte wie Empanadas-Teig, Pommes Chips und ‚Trés Bulles‘ Whisky. Keine Frischprodukte, denn wir müssen ja die brasilianische Grenze passieren. Einfuhr von Frischprodukten verboten! Am Dreiländereck essen wir die letzten Resten von Salami, Käse, Tomaten und Früchten. Aber nun ab zum Zoll. Zollabfertigung in Argentinien wie immer schnell. Auch in Brasilien ist das Prozedere einfach. Allerdings funktioniert der Drucker nicht und so geht es einige Zeit, bis wir die Zollpapiere für den MAN in Händen haben. Der Bostich ist auch defekt, so sucht der Zöllner die letzten zwei Büroklammern zusammen. Nun Richtung Itaipu-Staudamm, immer schön den braunen Wegweisern (für Sehenswürdigkeiten) nach. Aber auch hier schaffen wir es wieder einmal, uns zu verfahren. Erst am Zoll zu Paraguay wenden wir. Kaufen in einem grossen Supermarkt Frischprodukte ein. Brasilien scheint sehr teuer zu sein. Haben uns noch nicht an die neue Währung Real (2 Real = 1 Franken) gewöhnt. Auch im Strassenverkehr findet sich Kaspar noch nicht ganz zurecht. Auf jeden Fall haben die Autofahrer richtig gehupt, als Kaspar im Kreisverkehr einfach für sich die Vorfahrt erzwingt. Finden trotz allem noch das Besucherzentrum von Itaipu, aber für heute ist es zu spät. Suchen uns einen Schlafplatz beim Refugio Biologico ganz in der Nähe.