November 2011
1.Nov. - 'Itaipu' weltgrösstes Wasserkraftwerk
Zurück zum Besucherzentrum Itaipu. Wir buchen die zweistündige grosse Tour um 10 Uhr, die uns auch zu den laufenden Turbinen führt. Mit einem kleinen Car geht es hinein zu den verschiedenen Aussichtsplattformen. Da von den 20 Turbinen zur Zeit nur 15 Strom produzieren – drei sind in Warteposition, zwei in Revision – wird nicht alles Wasser vom Stauwehr gebraucht, so dass Wasser tosend durch Schleusen abgelassen wird. Im Schleusengefälle erreicht das Wasser eine Geschwindigkeit von 140 Stundenkilometer und am Schluss springt das Wasser über eine Schanze. Ein riesiger Wasserfall und viel Gischt spritzt. Hier fliesst doppelt so viel Wasser wie bei den Iguazufällen! 300‘000 m3 pro Sekunde. Der Stausee ist ca. 130 km lang bis Guaira.
Itaipu ist schwer unter Beschuss der Umweltschützer, da viel Land unter Wasser gesetzt wurde. Grosser Kampf für ein positives Image! Die Staumauer ist ca. 120 m hoch. Im Innern sind riesige Kavernen für Turbinen, Generatoren und Transformatoren. Ein Team von 11 Personen überwacht alles rund um die Uhr am Bildschirm.
Brasilien deckt 20% und Paraguay 90% des Stromverbrauches im Land ab. Paraguay hat Stromspannung 220V/50Hz und Brasilien 240V/60Hz. Paraguay muss daher umwandeln und dies frisst ca. 5% der Stromproduktion, d.h. eine Stadt von 2,5 Mio. könnte damit versorgt werden! Am Ende der Tour verschenken wir unseren Tourguides Schoggistängeli.
Auf guter Strasse geht’s Richtung Norden auf der Nr. 163 nach Cascavel und Toledo. Jetzt stehen wir im kleinen Dorf ‚Ipiranga‘ bei der grossen Kirche. Im Gemeinschaftszentrum des Dorfes, vermutlich durch einen Fussball-Club geführt, genehmigen wir uns einen Caipirinha. Um 20 Uhr ist katholischer Gottesdienst. Eine halbe Stunde vorher kommen die ersten Autos angefahren und bei Beginn des Gottesdienstes ist die Kirche mit 300 Sitzplätzen fast voll! Heute ist ‚Allerheiligen‘ und in Brasilien erst morgen Feiertag.
2.Nov. - Besuch bei Guisela in Guiara
Heute ist ‚Aller Seelen‘ in Brasilien. Wir wollen uns ein wenig bewegen. Am Friedhof sind viele Leute versammelt, die Meisten legen künstliche Blumen auf die Gräber.
Marschieren über leicht hügliges Land zum Dorf hinaus. Hier wird vor allem Soja angepflanzt, aber auch Weizen und Mais. In Brasilien ernten sie zwei- bis dreimal im Jahr. Zwischen den Feldern sind immer grössere Baumbestände. Hier befinden sich die Bauernhäuser. Weiterfahrt Richtung Guaira. Auf dem Weg zu dieser kleinen Grenzstadt zu Paraguay besuchen wir ein kleines Restaurant mit Laden. Hier wird Salami aus eigener Produktion in jeder Geschmacksrichtung und Grösse verkauft. Claro, Kaspar kauft einen Salami ‚tipo italiano‘. Trinken Kaffee und so kommen wir ins Gespräch mit dem weiblichen Personal. Es stellt sich heraus, dass die meisten deutschstämmig sind. Ihr Deutsch ist nicht mehr so gut, aber allemal besser als unser Portugiesisch. Auch hier verschenken wir Schokolade und sie wünschen sich ein Foto mit uns.
In Guaira finden wir mit Navigationssystem auf Anhieb das Haus von Guisela und Nelson. Guisela ist die Schwester von Carlos aus Elstal. Zwei böse Boxerhunde erwarten uns mit grossem Gekläff. Nach einiger Zeit öffnet Nelson die Tür, die Boxer in den Zwinger und wir in den kühlen Hinterhof. Guisela humpelt, da sie vor 10 Tagen von einer Katze gebissen und gekratzt wurde. Sie hat eine starke Blutvergiftung. Die Tochter ist Tierärztin und sie hilft in der Praxis. Wir plaudern und vergleichen dabei Brasilien mit der Schweiz: ‚was ist der Unterschied von einem Motel hier und in Europa?‘ Brasilianische Motels sind Absteigen für Prostitution oder junge Paare ohne eigene Wohnung. Die Motels befinden sich nicht in Städten, sondern immer an den Überlandstrassen. Sie sind von hohen Mauern umgeben und auch die Ein- und Ausfahrt ist vor Blicken geschützt. Nachher zeigen sie uns noch kurz die Stadt. Hier waren bis 1982 berühmte Wasserfälle ähnlich Iguazu, die durch den Stausee Itaipu unter Wasser gesetzt wurden. Schade, es wird bis heute bedauert, dass dieses Naturwunder versank. Dies hätte Touristen in Scharen angelockt.
3.Nov. - fahren, fahren, fahren
Gutes Frühstück mit Ihnen und Nelson hat eine Ausrede, um zwei Stunden später zur Arbeit zu fahren. Während dem Morgenessen kommen zwei Männer, einer in Uniform und mit Gewehr. Wir sind etwas erstaunt. Guisela erklärt uns, dass dies eine Denguefieber-Kontrolle ist. In der Vergangenheit gab es einzelne Fälle, vor allem in städtischen Gebieten. Es wird regelmässig kontrolliert, ob ja kein stehendes Wasser im Haus und Garten ist. Jeder Unterteller der Pflanze wird begutachtet. Geben Guisela ein paar gelesene Bücher, denn sie liest heute noch sehr gern in Deutsch. Verabschieden uns. Es war eine schöne Zeit mit ihnen zusammen. Fahren für Brot und Süssigkeiten zum Bäcker und auf der Strasse kaufen wir noch Ananas und Mangos. Über die Brücke in den brasilianischen Staat ‚Mato Grosso do Sul‘. Durch hüglige Landschaft fasst alles geradeaus, vorbei an den ersten Zuckerrohr- und Spanischnüsslifeldern sowie aufgeforsteten Nutzwäldern.
Wir sehen weisse Kühe mit grossen Höckern (wie in Indien). Das Weideland an den Hügeln ist leicht terrassiert, vermutlich dass der Regen die Erde nicht wegwäscht. Riesige Silos säumen den Weg. Es herrscht viel Lastwagenverkehr und es wird gefährlich gefahren und vor allem überholt. Am Strassenrand sehen wir unmenschliche Behausungen der Landarbeiter, d.h. Holzlattenverschläge notdürftig mit alten Plastikblachen gegen Regen und Wind abgedichtet. Eigentlich wollten wir nicht bis Bonito durchfahren, aber am Ende (550 km) waren wir um 20 Uhr beim Eindunkeln doch hier. Den Campingplatz haben wir jedoch nicht gefunden und stehen eine Strasse hinter der Hauptstrasse ohne Beleuchtung und Strassenlärm. Auf der Fahrt hat heute auf einmal die EDC (elektronische Diesel-Einspritzkontrolle) aufgeleuchtet. Alles scheint aber normal zu funktionieren. Anscheinend haben wir den Tempomaten im hügligen Gelände falsch bedient. Kaspar ist gespannt, ob das EDC morgen noch immer aufleuchten wird. Sind echt k.o. und haben keinen grossen Hunger. Um 22 Uhr zeigt das Thermometer immer noch 28 Grad an.
4.Nov. - Bonito, Camping Rio Formoso
Leider leuchtet die EDC-Lampe immer noch. In die kleine eco-touristische Stadt Bonito. Bei einer der vielen Touren-Agenturen informieren wir uns und buchen für morgen eine Tour zu den Grotten. Hier darf man alles nur mit Führern unternehmen. Nach dem Bummel durch Souvenirläden geht’s endlich zum Camping, der sich 6 km ausserhalb der Stadt befindet. Schön gelegen, keine Leute nur ein Franzose steht mit seinem Toyota hier. In 200 m Entfernung ist ein glasklarer Fluss mit Stromschnelle. Wir baden, herrlich!
Wie befürchtet (s. Tagebuch 20. Okt.) ist am ersten Campingstuhl die Sitzflächennacht gerissen. Also neu nähen, aber mit was? Einen soliden Faden haben wir nicht, daher verwendet Kaspar einen Plastikfaden, welcher noch besser halten sollte. Eine Nadel für diese Dicke haben wir aber auch nicht und so bohrt Kaspar mit der Ahle kleine Löcher. Bis jetzt, 2 Stunden später, hält der Stuhl Kaspars Gewicht. Durch die vielen Speedbreakers ist wieder einmal ein Zurrband für den Motorradträger gerissen. Überhaupt sitzt Bigi immer ‚wie auf Kohle‘ und ruft jeweils laut: Lomo! In Argentinien ist dies ein Rindsrückenfilet, hier jedoch ein ‚Rücken zur Verkehrsberuhigung‘ (Speedbreaker).
5.Nov. - Gruta do Lago Azul
Fahren um 9 Uhr los, da wir um 10.30 Uhr dort sein müssen. Brauchen ellenlang durch die Stadt Bonito. Alle 100 m ein Speedbreaker (maximal 10 km/Stunde!). 22 km über rote Erdpiste bis zur blauen Grotte. Voucher abgeben, Helme fassen und mit dem Führer durch den Dschungel. Stehen bei einer im Jahre 1973 per Zufall durch einen Farmer auf dem Abendspaziergang entdeckten Grotte. Es hat Stallaktiten und Stalagniten. Es geht über schlechte Treppen 150 m hinunter in die Grotte zum stahlblauen See. Der Führer erklärt natürlich alles auf Portugiesisch. Haben zum Glück eine Deutsche in der Gruppe, die uns das wichtigste übersetzt.
Zurück mit dem MAN, an welchem Kaspar vorsorglich die Luft aus den Pneus abgelassen hat. Dies macht er neuerdings mit der Stoppuhr: zwei Minuten pro Pneu. Möchten unsere Gasflasche füllen. Man kann jedoch nur neue volle Flaschen kaufen. So kaufen wir eben Wasser und Früchte ein, denn dies brauchen wir immer. Zurück im Camping Formosa kühlen wir uns ab im Fluss und geniessen den Schatten.
Gehen abends nach Bonito City in ein uns empfohlenes Restaurant. Auf dem Dorfplatz ist ein Fest mit Musik ähnlich Guggenmusik im Gange. Es ist ruhig auf dem Campingplatz. Die laute Musik vom Morgen ist verstummt, da es geregnet hat und die Leute im Zelt sind.
6.Nov. - Ruhetag und Rodeo
Wir sitzen draussen und Kaspar sortiert am Computer unsere Fotos. Wetter wechselhaft, weshalb wir für heute vorsorglich keine Tour gebucht haben. Einfach den Tag geniessen und immer wieder ein Bad im Fluss. Am Nachmittag regnet es dann eine Stunde und bringt etwas Abkühlung. Abends ins Dorf, um die Tour ‚Rio da Prata‘ für morgen früh zu buchen. Bonito ist die teuerste Stadt in Brasilien und im Reisebüro sagte er: ‚nächste Saison wird noch teurer!‘ Die morgige Schnorcheltour kostet inkl. Mittagessen pro Person umgerechnet 65 Franken. Die anscheinend begehrte Tour hat 2008 und 2009 die Auszeichnung ‚beste Tour in Brasilien‘ gewonnen.
Finden wieder einmal kein Wi-Fi, das funktioniert! Kaufen ein paar T-Shirt. Hier ist alles auf Eco eingerichtet. Die Verpackung ist ein Baumwollbeutel oder Orangen-Netzli. Auf der Rückfahrt sehen wir eine Rodeo-Veranstaltung. Die Gauchos auf ihren Pferden versuchen mittels Lasso die Kühe einzufangen. Sogar eine Frau nimmt am Wettkampf teil.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||
![]() |
||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||
7.Nov. - Schnorcheltour 'Rio da Prata'
Müssen früh aufstehen, 09.30 Uhr dort sein und es sind 52 km Erdpiste. Sind zeitig dort, aber vor uns sind noch zwei Gruppen zu acht Personen und wir müssen eine Stunde warten. Neoprenkleider plus Schuhe und Taucherbrille mit Schnorchel fassen. Trotz 30 Grad schlottert Bigi vor Angst.
Auf einem kleinen Truck fahren wir 4 km in den Busch. Marschieren 40 Minuten durch den Urwald. Sehen ein paar grosse Aras (Papageie), riesige Bäume und zweimal ein Rudel Wildschweine. Wildschweine sind ungefährlich, denn sie haben einen sogenannten Tunnelblick: sie sehen nur am Boden und nicht nach vorne. Am Fluss (breiter Bach) ‚Rio da Prata‘ angekommen. Der Fluss führt wahnsinnig klares durchsichtiges Wasser. Wir steigen in den Rio und probieren Taucherbrille und Schnorchel an. Bigi hat Panik, dass sie Wasser schluckt oder nicht mehr schnaufen kann (hat das letzte Mal vor 35 Jahren in Israel im Roten Meer geschnorchelt). Dann lassen wir uns im Wasser mit der Strömung treiben. Zum Glück haben wir auf Anraten eines anderen Teilnehmers eine Schwimmweste übergezogen. So schwimmt man richtig auf dem Wasser. Unter Wasser ist eine wunderschöne Welt zu bewundern und wir fühlen uns wie in einem grossen Aquarium. Grosse, bunte, flache, bis 25 kg schwere Fische tummeln sich hier. Wunderschön und zum anfassen nah! Fische sind bis 50 cm gross – ohne Fischerlatein! Die Tour besteht aus drei Schwimmetappen, total ca. 3 km und dauert etwa 3 Stunden! Langsam wird es Bigi zu viel. Sie strengt sich sehr an, obwohl man auf dem Rio fast keine Anstrengung braucht, nur richtig atmen und nach unten schauen. Die letzten 400 m fährt sie auf einem kleinen Boot mit.
Zurück zur Estanzia. Hier wartet ein gutes Mittagsbuffet auf uns. Essen Salat, Poulet, Teigwaren, Reis, Bohnen, Gemüse und diverse gewöhnungsbedürftige Desserts. Alles ist von der Farm, aber kein Brot und keine Früchte!
Nachher eine Siesta in der Hängematte. Kaspar findet es sehr unbequem. Auf dem Heimweg zieht ein starkes Gewitter auf. Wir warten bei einer Einfahrt bis es vorbei gezogen ist und trinken Kaffee. Die Erdpiste war kaum nass. Abends wird Kaspar von Mücken gefressen und er flieht in den einigermassen sicheren Camper.
8.Nov. - heute arbeitet nur der Computer
Heute wollten wir eigentlich weiter. Kaspar bereitet den MAN vor und Bigi macht das Backup für den Computer. Dies jedoch dauert und dauert. Zur Freude des Campingbesitzers hängen wir nochmals einen Tag an. Ganzer Tag faulenzen, zum Fluss pendeln, lesen und essen. Zum Apéro trinken wir ein Glas Rotwein aus dem Kühlschrank. Bigi hauts beinahe um. Es ist definitiv zu heiss für Rotwein! Der Einzige, der an diesem Tag arbeitet ist der Computer. Doch er ist äusserst faul. Bereits seit 10 Stunden an der Arbeit und ein Ende ist nicht in Sicht. Was soll‘s, wir haben ja noch die ganze Nacht.
9.Nov. - weiter ins Pantanalgebiet
Das Backup ist auch nach 24 Stunden noch nicht zu Ende. Wir senden Hilferufe an Muhmi und unseren Computerspezialisten. Aber jetzt brechen wir ab. Ein heisser Tag kündigt sich an, es wird immer wärmer und wärmer. Am Schluss sind es 39 Grad. Schweiss fliesst in Strömen! Fahren via Bodoquena nach Miranda und weiter die Nr. 262 Richtung Corumba.
Gauchos treiben eine Kuherde auf der Strasse. 37 km nach Miranda führt es 6 km rein zur Estanzia San Franzisco. Hier gibt‘s Pantanaltouren. Gut sind wir einen Tag länger in Bonito geblieben, denn heute ist wegen Insekten-Vernichtung geschlossen. Kaspar flippt schier aus: so viel Land und wir dürfen hier nicht übernachten! Trotzdem buchen wir für morgen zwei Touren und fahren wieder ein Stück die Nr. 262 zurück.
Dort haben wir am Fluss ein kleines Dorf resp. ein paar Häuser gesehen. Neben einem kleinen Restaurant dürfen wir im Schatten des grossen Baumes parkieren und gehen später essen, typischen brasilianischen Teller: Reis, Spaghetti, Böhnchen, zähes Rindfleisch und hier als Spezialität frittierten Fisch, dazu grünen Salat mit Tomaten, Rüeblisalat mit Peperoni. Nicht gerade unser Gusto. Zum Glück hat Bigi auf der Estanzia eine Wanduhr gesehen, sonst würden wir morgen eine Stunde zu früh aufstehen. Die Frau sagt uns, dass jeder Bundesstaat eine andere Uhrzeit hat. Langsam dämmert es uns: in Bonito beim Lago Azul konnten wir drei Gruppen nach vorne rutschen und bei der Schnorcheltour mussten wir eine Stunde warten. Hatten uns gewundert, dass bei so guter Organisation und vielen Touristen solche Unterschiede entstehen. Eine kurze 2-Liter Kaltwasser-Dusche ist angesagt. Kaspar schmort im eigenen Fett. Um 1 Uhr nachts hat er die gloorreiche Idee: Alle Fenster schliessen, die Dachlücke über dem Bett leicht öffnen und den Deckenventilator in der Dusche leicht laufen lassen. Dadurch kann die Luft richtig durch den Camper zirkulieren. Herrlich, am Morgen erwachen wir bei 27 Grad unter dem Duvet!
10.Nov. - Fazenda San Francisco
Befinden uns im Pantanal Sul (riesiges Sumpfgebiet). Fahrt zur Fazenda San Francisco. Kaspar muss mal! Beim Spülen klappt es nicht beim ersten Mal. Beim zweiten Mal springt eine Kröte raus. Kaspar stellt sich vor, wenn das seinem Fraueli passiert wäre (Herzinfarkt?). Besteigen einen Safari-Geländewagen. Es ist keine Saison, nur vier Leute. Jede Sitzreihe ist höher als die Vordere und der Guide sitzt vorne noch höher. Mit dem Stock schlägt er aufs Dach, wenn der Fahrer anhalten muss für Fotoshooting. Sehen viele Tiere: Wasserschwein, Hirsch, Krokodile und natürlich allerlei Vögel vom Storch, Papagei, Eule bis zum Falken.
Fahren riesigen Reisfeldern entlang. Ein Flugzeug kreist tief über die Felder und sticht immer wieder ganz hinunter. Kaspar denkt es spritzt Dünger. Dem ist aber nicht so. Es wird aus der Luft Reis gesät. Heute sind wir gut ausgerüstet auf Safari gegangen. Wie Touristen hängt um den Hals Fotoapparat und Feldstecher. Im Rucksack Wasserflasche, Sonnenbrille, Sonnencrème und Insektenspray. Zurück auf der Fazenda das obligate und an allen Orten fast gleiche Mittagsbuffet. Die hausgemachten Kartoffelchips haben es Kaspar angetan und hier gibt’s Mangos in Hülle und Fülle. Nachher Siesta – eine riesige Mango fällt 50 cm neben Kaspars Liegestuhl auf den Boden - und baden im Pool.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||||||
![]() |
||||||||||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||||||
Nachmittags geht es auf die Fisching-Tour. Mit dem Jeep zum Fluss und aufs doppelstöckige Boot. Genial, von oben hat man eine speziell gute Aussicht. Fahren auf dem langsam fliessenden Fluss durch den Urwald. Auch hier viele, viele Vögel. Zwei Krokodile schwimmen uns entgegen. Am Ende der Tour wissen wir warum. Das Boot wird an einem Baum vertäut und jeder bekommt eine einfache Fischerrute. Die Führer befestigen an den Hacken Fleischköder und wir halten unsere Ruten ins Wasser. Es dauert nicht lange und kleine Piranhas hängen an den Hacken. Jedes Mal ein riesen Hallo, wenn ein Piranha angebissen hat. Bigi ist stolz, denn auch bei ihr hat einer angebissen! Die meisten Baby-Fische werden zurück ins Wasser geworfen. Vier grössere Piranhas (ca. 15 cm) bleiben im Eimer auf dem Boot.
Auf der Rückfahrt sind die zwei Krokodile wieder beim Boot. Der Guide zeukelt sie mit Piranhas. Prompt springen die Krokodile für den gratis Happen. Nachher bekommen wir noch heisse Piranhas-Suppe und frischen Mangosaft. Nochmals ein Schwumm im Pool und weiter geht’s Richtung Corumba. Bei der Polizeistation erfragen wir den Strassenzustand für morgen ins Pantanal. Ein heftiges Gewitter ist im Anmarsch und so übernachten wir gleich hier. War eine gute Entscheidung. Geniessen den kühlen Wind, der durch den MAN blässt.
11.Nov. - Pousada & Camping Santa Clara
Haben gut geschlafen. Auf der Fahrt halten wir an einem Teich, wo sich 200 – 300 Krokodile tummeln. Hier müssen sie nur das riesige Maul aufsperren und sie können die vielen Fische fressen.
Krokodil Bigi gluschtets und isst zum Znüni frittierten Fisch. Nach ca. 60 km sollte man rechts ins Pantanal abbiegen. Fragen bei der Einfahrt, ob die Strasse heute befahrbar sei. Bis Kilometer 30 kann man fahren, dann ist Ende. Eine grosse Brücke ist weggeschwemmt.
Alle kleinen Holzbrücken sind neu und für 15 t ausgelegt. Letztes Jahr war eine aussergewöhnliche Überschwemmung, welche 50 cm höher war als normal. Wenn man den heutigen Wasserstand 11.11. nimmt so sind dies etwa 8 bis 10 m, unvorstellbar! A propos 11.11.: heute um 11.11 Uhr ist ja in Solothurn Fasnachtsbeginn und wir haben aus Solidarität zu unseren Solothurner-Freunden ‚Schlüfferli‘ (Fasnachtsgebäck made in Bonito) zum Frühstück gegessen.
Nur eine sehr hohe Brücke wird aus Stahlbeton gebaut, damit die Fluss-Schifffahrt nicht behindert wird. Zuerst wollen wir in einem Eco-Park mit Camping übernachten. Hier muss man aber über einen langen hölzernen Fussgängersteg zum Camping. Die Hotelanlage ist sehr schön am Fluss gelegen, aber menschenleer. Wir fragen den Manager ‚warum‘, und er erklärt uns, dass keine Fischfangsaison ist.
Also nochmals 20 km weiter. Hier finden wir die ‚Pousada Santa Clara‘, wo man campieren kann. Der Camping ist weit vom Swimmingpool und Hotelanlage entfernt, aber schön ruhig an einem fast ausgetrockneten Fluss. Lesen, liegen in der Hängematte und schwatzen mit einem Schweizer, der ein Jahr ‚round the world‘ unterwegs ist. Zusammen mit zwei Franzosen kommt ein brasilianischer Guide. Er erzählt von seiner Schweizer Freundin (Winterthur) und schwärmt von den Ferien in der Schweiz. Trinken einen grossen Caipirinha. Uf, war etwas gross! Haben Mangos gepflückt, aber der Brasilianer lacht nur: falsch, keine leicht gelben Mangos pflücken, nur die grossen Grünen.
12./13.Nov. - Weekend
Am Morgen früh hören wir lautes Affengebrüll. Wir erinnern uns an den Pfadi/Jungschar-Song: ‚Die Affen rasen durch den Wald, der eine macht den andern kalt, die ganze Affenbande brüllt: wer hat die Kokosnuss, wer hat die Kokosnuss, wer hat die Kokosnuss geklaut……‘. Leider sind die Affen nicht zu sehen und wir dösen weiter. Zuerst muss Bigi wieder einmal ein paar Stunden Homepage am Computer erledigen. Wir entschliessen uns heute ein wenig zu waschen. Das Leintuch, aber eigentlich nützt es nicht viel, denn nach einer Nacht wird es wieder total verschwitzt sein. Bigi kocht die Abwaschlappen aus. Kaspar wird von einem miefenden Geruch verfolgt – nach längerem Weglaufen findet er heraus, dass es seine Badehose ist. Dazwischen immer wieder mal schnell unter die kalte Dusche. Am Nachmittag geht’s mit dem Computer unter dem Arm zehn Minuten zu Fuss zum Hotel. Bigi ist entsetzt über den Preis vom Internet und wir handeln auf einen Tag runter, d.h. 15 Reales (CHF 7.50). Nun können wir auch gleich mal mit der Familie in der Schweiz skypen. Klappt alles bestens. Alle klagen über den Nebel in der Schweiz. Dorli meint auch, dass die Hitze bei uns ja nicht gerade gesund sei. Aber wo sollen wir denn die Heizung ausschalten?!
Ein wenig im Pool liegen. Zurück beim MAN zeigen wir dem Guide und zwei anderen Brasilianern Fotos von der Schweiz und trinken dazu Caipirinha. Werden noch auf einen zweiten Drink ins Hotel eingeladen, aber dies schaffen wir nicht mehr. Lieber schlafen. Kaspar hat heute auch einige Zeit im Camper am Computer verbracht. Er muss sich immer wieder abtrocknen, denn Schweiss rinnt in Strömen.
14.Nov. - zum Zoll in Corumba
Sind um sieben Uhr bereits auf den Beinen. Die zweite Batterie ist etwas schwach, so laden wir sie mit dem Generator auf. Eigentlich würde man meinen, dass durch die grosse Sonneneinstrahlung auf die Sonnenkollektoren die Batterie immer voll ist. Dem ist aber gar nicht so. Der Grund ist, weil wir meistens im Schatten stehen. Bigi fährt die ersten 30 Kilometer Erdpiste. Bei der geteerten Strasse angekommen pumpt Kaspar die Reifen wieder auf 6,2 atü. Ein Toyota hält an und ein Ehepaar verwickelt uns in ein Gespräch: woher, wohin, Blick in den MAN, obligate Fotos, Schoggistängeli. Die 40-jährige Frau trägt eine Zahnspange. Dies ist uns hier schon des Öfteren aufgefallen, dass viele Frauen jeglichen Alters Zahnspangen tragen. Ob dies ein brasilianischer Mode-Trend ist? Weitere 100 km bis Corumba. Hier füllen wir die restlichen Reales in den Dieseltank. Mit den letzten Münzen einen Snack kaufen, ein kurzer Mittagshalt. Nur noch 8 Kilometer bis zur brasilianisch/bolivianischen Grenze. Kurz vor der Grenze müssen wir noch den Wegzoll von 3.75 Reales bezahlen. Wir aber sind blank! Mit Dollars könnte man bezahlen. Da kommt Bigi auf die Idee, dass wir im Fahrerhaus ja immer ein kleines Blechdösli mit Münzen haben. Und siehe da, es reicht sogar! Heute zum zweiten Mal grosszügig schenken wir die restlichen Münzen der Frau in der Zahlstelle. Sie strahlt und bedankt sich. Nach unserer Uhr um 12.55 Uhr am Zoll angelangt. Oh Schreck, der brasilianische Zoll schliesst um 13 Uhr, da morgen brasilianischer Nationalfeiertag ‚Tag der Republik‘ ist. Es ist nichts zu machen, die Tür bleibt verschlossen und der Beamte daneben sagt mit einem Achselzucken: Manana 9 Uhr. So stehen wir auf dem Parkplatz daneben und warten. Es regnet stark und kühlt ab. Es sind sehr viele Leute hier unterwegs, ein- und aussteigen aus Busen und Taxis. Gleich nach der Grenze in Bolivien ist ein grösseres Zollfrei-Zentrum.
15.Nov. - Nationalfeiertag in Brasilien
Gemächlich aufstehen. Um 9.15 Uhr stehen wir in der Schlange für die Passabfertigung am brasilianischen Zoll. Es geht recht zügig, auch die Papiere für den MAN. Nach 100 m sind wir am bolivianischen Zoll. Obligates Immigrationsformular ausfüllen und Pass abstempeln lassen. Nachher auf die MAN-Zollpapiere. Händigen alle nötigen Dokumente dem Beamten aus. Nun müssen wir auf der anderen Strassenseite alles noch kopieren lassen und hier auch Geld wechseln. Der MAN steht am falschen Ort und Kaspar muss in den dreckigen, schlammigen Hof fahren. Der Beamte will natürlich den Camper von Innen anschauen. Da Kaspar sich die Schuhe auszieht, bleibt der Beamte mit seinen dreckigen Schuhen unter der Türe stehen. Die Zollpapiere werden mittels Computer ausgestellt und auch Bigi wird als Fahrerin eingetragen. Es ist das erste Mal, dass wir am Zoll nach den Fahrausweisen gefragt werden. Kurze Fahrt in die dreckige, dreckige Grenzstadt ‚Puerto Suarez‘. Hier ergänzen wir unsere Vorräte und schauen uns die kleinen Läden an. Alles ist zollfrei, daher kommen auch die vielen Brasilianer. Vorgestern hat Kaspar fast Bigis Brille zertrampelt. Nun ist sie total verbogen. An der Ecke haben wir einen Optiker gesichtet und lassen die Brille richten. Hier wären auch Zahnreparaturen sehr billig. Plakate werben für Zahnkunden. Nun die ‚Bolivia 4‘ Richtung Santa Cruz. Zahlen 20 Bolivianos Strassenzoll. Die Strasse ist neu und hervorragend. Wir fahren immer 80 km/h und dies dreieinhalb Stunden. Die Landschaft ist eintönig. Links und rechts wird der Urwald brandgerodet. Plötzlich tauchen in der Ferne Tafelberge auf.
Die Strasse steigt auf 500m.ü.M. an. Hier sieht man den Anfang vom Tourismus. Da Kaspar der Oberschenkel schmerzt fährt Bigi die letzten 70 Kilometer bis ‚San José de Chiquitos‘. Kaspar verschlampt prompt wieder einmal die Abzweigung und so müssen wir 4 km weiter fahren. Dafür steht hier eine Hotelreklame ‚Hotel Villa Chiquitana‘ mit Wohnmobilstellplatz. Sind ja gespannt.
Fahren etwas kreuz und quer und finden am Schluss das schöne Hotel. Der Besitzer ist ein Franzose. Für 60 Bolivianos (CHF 9) können wir hier im Garten hinter Mauern übernachten. Bigis Augen strahlen als sie den Pool und das schöne open-air Restaurant sieht. Bleiben hier voraussichtlich zwei Nächte. Haben recht gut gegessen (ähnlich Gulasch mit Pommes Frites) und eine Flasche bolivianischen Malbec getrunken.
16.Nov.- Chiquitos/Misiones Jesuiticas de Bolivia
Die Uhrzeit ist wieder um eine Stunde nach hinten verschoben, daher ist um 5 Uhr hell und um 18 Uhr schon stockdunkel. Sind relativ früh auf weil überall die Güggel krähen. Geniessen ein Bad im Pool. Kaspar will das EDC-Steuergerät am MAN reseten. Dafür muss er den Minus-Pol an der Batterie abhängen. Nach 30 Minuten alles wieder montieren. Leider leuchtet die EDC-Lampe immer noch. Na ja, wir werden spätestens, wenn wir auf 3000 – 4000 m fahren werden, sehen, ob der Motor noch sauber läuft. Dann kurzer Marsch über staubige Strassen ins Zentrum zur grossen, schön restaurierten Jesuiten Reduktion ‚San José de Chiquitos‘, UNESCO-Weltkulturerbe. Besuchen das sehenswerte Museum. Leider ist alles nur spanisch angeschrieben. Hören aus einem Zimmer Geigenmusik.
Mehrere Kinder zwischen fünf und zehn Jahren kratzen auf ihren Streichinstrumenten herum. Ein Schulzimmer nebenan tönt es schon sehr gut. Ein Franzose gibt hier den älteren Streichern eine Orchesterstunde. Sie spielen gut. Der Franzose erklärt uns, dass eine Stiftung den Musikunterricht organisiert. Es wird auf Einzelunterricht und Theorie verzichtet und alles im Orchester eingeübt. Im Gang spannt ein Mann Geigenbogen im Akkord. Bei der Touristeninfo erhalten wir Prospekte über die verschiedenen Jesuiten Reduktionen, welche wir in den nächsten Tagen besuchen wollen. Am Rande des schönen Hauptplatzes essen und trinken wir eine Kleinigkeit. Sehen ein paar Mennoniten in ihrer speziellen Kleidung. Auf dem Heimweg noch Pause in einer Bäckerei. Kaspar ist wieder einmal nicht sehr erfreut über die trockenen, staubigen Süssigkeiten. Nachher baden, lesen und liegen.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
||||
![]() |
||||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
||||
17.Nov. - San Raphael und Santa Ana
Über schlechteste Piste Richtung ‚San Raphael‘. Bei Kilometer 45 rechts weg in die Mennoniten Siedlung. Alles wirkt aufgeräumt. Sehen die Leute mit ihren kleinen Wagen mit Pferd. Sprechen einen jungen Mann mit einer klapprigen Sämaschine an. Das Gespräch ist jedoch einseitig und er will nichts verstehen. Er ist froh, dass wir ihn ziehen lassen. Die Mennoniten sind ein spezielles Völklein. Die Gemeinschaft lebt zurück gezogen. Hier sollen etwa 5000 Leben. Alles Männliche in schwarzen Latzhosen, Langarmhemd und Strohhut, alles Weibliche mit schwarzem Rock, weisser Masche und Strohhut. Die Pille kennen sie nicht, so sind sie sehr fruchtbar, bis 16 Kinder. Die Kinder gehen 6 Jahre zur Schule. Dort lernen sie lesen, schreiben, rechnen und alles über die Bibel. Mit 12 Jahren gelten sie als erwachsen.
![]() |
![]() |
|
![]() |
||
![]() |
![]() |
|
Nach diesem für uns etwas komischen Abstecher weiter auf der Strasse 502 bis ‚San Rafael‘. Wir sollten eigentlich schon seit 20 Kilometer dort sein – beschliessen, allenfalls sonst am Abend umzukehren – finden das Dorf und den Hauptplatz mit der Kirche. Bigi sieht einen Mann im Garten und fragt geistesgegenwärtig, ob wir die geschlossene Kirche besuchen dürfen. Durch eine Seitentür gewährt er uns Einlass und wir können die Kirche und die ganze Anlage besichtigen. Ein kleiner Nebenraum der Kirche wird noch restauriert. Es hat viele, schöne rot-braune Wandmalereien. Der hölzerne Kirchturm steht ganz allein. Dies scheint ein Markenzeichen der Jesuiten Reduktionen zu sein. Weiter nach dem Ort ‚Santa Ana de Velasco‘. Hier steht eine weitere Kirche, aber ohne Malereien. Wieder hören wir Geigen-Gequietsche und gehen den Tönen nach. Es wird fleissig geübt. Hier in diesem ruhigen Ort werden wir übernachten. Kaspar presst Orangen aus. Er ist am Schluss so klebrig, dass er eine Dusche braucht, herrlich. Um 17 Uhr ist immer noch 37° innen und aussen! Abends spielen einige Kinder auf dem Hauptplatz, der taghell beleuchtet ist. Ausser uns weit und breit kein Tourist.
18.Nov. - staubige Erdpiste bis Concepcion
Verlassen Santa Ana früh am Morgen, d.h. schon 06.15 Uhr! Bis San Ignacio sind es 45 km recht gute Erdstrasse. Von Zeit zu Zeit warten am Strassenrand geduldig Leute auf den Bus, der da vorbei kommen soll. Den Hauptplatz finden wir nur mit Mühe, aber später verlassen wir das Dorf über eine richtungsgetrennte Alleen-Strasse mit grandioser Strassenbeleuchtung. Schauen uns die Kirche an. Diese gefällt uns aber nicht. Die alte Kirche wurde abgebrochen und an ihrer Stelle eine fast gleiche wieder aufgebaut. Weitere 171 km über holprige, staubige Piste. Es braucht viel Muskelkraft, denn bei jedem kreuzenden Auto Fenster rauf und nach der Staubwolke runter kurbeln. Fahren an einigen Eingeborenendörfern vorbei.
Von der Piste aus haben wir einen kleinen Einblick in das Leben der Ureinwohner. Die meisten Häuser sind noch aus Lehm gebaut und mit Stroh gedeckt. Elektrisch haben alle, jedoch kein fliessendes Wasser. Wäsche wird in Tümpeln gewaschen. Hundertausende von Schmetterlingen fliegen. Schön anzusehen.
![]() |
![]() |
![]() |
||
![]() |
||||
![]() |
![]() |
![]() |
||
In Concepcion angekommen wird zuerst getankt und Geld aus dem Bancomaten gezogen. Kaufen uns einen geflochtenen Fächer für etwas frische Luft. Kirche von aussen fotografieren. Fahren zum 3 km entfernten Camping am Fluss, was sich aber eher als Waschplatz der Einheimischen entpuppt. Wir sind uns auf Anhieb einig: kein Platz zum übernachten. Fahren zurück in die Seitengasse neben der grossen Kirche. Auf dem Pausenplatz nebenan wird mit lauter Musik ein Tanz eingeübt. Sind froh, dass wir vor dem Regen angekommen sind. Erdpiste und Regen, nein danke. Gehen am Hauptplatz ins Restaurant ‚Buen Gusto‘, ein kleines typisches Restaurant mit schön bepflanztem Innenhof. Dort sind einige Frauen, die spezielle Verpackungen für Weihnachten basteln. Wir geniessen das Salat-Buffet und auch Pollo Milanese. Bisher hat uns das Fleisch an den Hacken nicht angelacht und wir essen vegetarisch, ausser natürlich dem Salami (von Brasilien mitgenommen). Nach dem Essen gehen wir in den zweiten Teil der Messe in der schönen Kirche. Über dem Portal steht Genesis 28,17: ‚Dies ist Gottes Haus, die Pforte zum Himmel.‘ Die meisten Kirchbesucher sind Frauen. Viele tragen ein weisses T-Shirts mit der Aufschrift: Heute für dich, morgen für mich. Wenn sie das wirklich in die Tat umsetzen, so können ihre Mitmenschen sich glücklich schätzen. Die halbe Nacht hören wir im Schlaf die laute Musik, es ist eben wieder einmal Wochenende.
19.Nov. - nach Santa Cruz de la Sierra
Fahren auf der 502 und später auf der 9 nach Santa Cruz de la Sierra. In San Javier schauen wir uns die letzte Jesuitenkirche von aussen an. Dann über kurvige Berg- und Talbahn durch schönes, hügliges Gelände in die bolivianische Tiefebene. Hier ist viel Verkehr und starker Wind wirbelt den Staub auf. Die Dörfer, die wir durchfahren, sind noch schmutziger als normal. Es herrscht viel Gedränge und es wird alles Mögliche und Unmögliche angeboten. Müssen mindestens viermal durch den Strassenzoll. Beim ersten Mal haben wir anscheinend zu viel bezahlt. Bekommen jedes Mal einen Stempel aufs Ticket und dürfen passieren. Bei der letzten Zahlstelle öffnen wir beide gleichzeitig das Fenster und oh weh, unser Ticket fliegt davon. Kaspar sieht noch wohin. Bigi spurtet hinterher.
Angekommen in Santa Cruz, zweitgrösste Stadt Boliviens, sofort zum Einkaufen in das erste Shoppingcenter. Es ist nicht einfach, hier zu fahren. Es wird gerempelt und gehupt. Kaspar spielt das gefährliche Spiel mit und Bigi sitzt wie auf Nadeln. Suchen den bolivianischen Autoclub in der Nähe des Flughafens. Leider wissen wir nicht, dass es zwei Flughäfen gibt. So umrunden wir die ganze Stadt. Nach langem, nervenaufreibendem fahren und paarmal fragen finden wir den Campingplatz. Der Beschrieb im Reiseführer - bei Kilometer 13 – ist falsch. Dies ist entscheidend, denn wir wollten echt 2 km vor dem Ziel aufgeben und wenden. Drei Pools entschädigen uns für den zweistündigen Leerlauf.
Auf dem Weg haben wir heute Mittag den MAN gründlich waschen lassen. Mensch, diese Sauerei auf dem Waschplatz sollte man sehen. In der Zwischenzeit essen wir in einem Strassenrestaurant einen Teller Suppe mit Teigwaren und einem mageren Knochen - der Hund freut sich. Heute Samstag-Abend verzichten wir freiwillig auf den Ausgang in der Grossstadt. Wir sitzen stattdessen drei Stunden am Computer ‚Homepage‘.
20.Nov.-El Fuerte de Samaipata
Morgendliches Bad im Pool. Zurück nach Santa Cruz. Auf dem äussersten Stadtring suchen wir die Wegweiser Richtung Cochabamba und unserem Ziel, der Kleinstadt Samaipata. Mit Fragen, aber ohne Wegweiser, finden wir sogar die Ausfahrtsstrasse aus dieser Grossstadt. Plötzlich sehen wir Berge und die Strasse steigt an. Hier ist wohl Wassermelonenzeit, denn am Strassenrand werden viele verkauft. Wir bevorzugen jedoch die exotischen Früchte und kaufen tüchtig ein: Ananas, Papaya, Mango und Passionsfrucht. Die Strassenverkäuferin trägt eine Schürze mit der Aufschrift ‚Kleinkredite‘, ansonsten sie wohl ihr kleines Geschäft nicht betreiben könnte. Ausserplanmässiger Stopp, da ein Erdrutsch die Strasse versperrt. Oberhalb der Strasse ist ein Trax im Einsatz, der die Steine nach unten schiebt. Auf der Strasse ein anderer Trax, der Steine und Dreck wegschiebt und die Strasse immer wieder für den Verkehr passierbar macht. Hinter uns steigt ein Paar aus einem Kleinbus. Natürlich zwei Schweizer! Sie sind von Lima aus seit einem Monat unterwegs und sich hier oben in den Bergen ein paar Tage erholen. 20 km vor Samaipata bei den Wasserfällen in den Naturpools kann man baden – leider zu wenig Wasser.
In Samaipata angekommen merken wir, dass wir die Abzweigung zum Weltkulturerbe ‚El Fuerte de Samaipata‘ verpasst haben. Also wieder einmal wenden und zurück zum Schild. Von hier geht es steil bergan. Die Strasse ist äusserst schlecht und schmal, eher ein Bachbett. Nehmen ein bolivianisches Paar mit, welches die Felsenfestung der Inkas ebenfalls besuchen möchte. Haben ein paarmal Gegenverkehr. Manchmal muss Kaspar den Crowler (kleinster Halbgang) einschalten, damit es überhaupt weiter bergauf geht. Eine der happigsten Strecken, die wir je gefahren sind. Nach 8 km oben angekommen kaufen wir die Tickets für den Rundgang der Kultstätte der Inkas und gleichzeitig Festung. Sicher hätte der Schriftsteller ‚Von Däniken‘ hier seine helle Freude, denn es gibt zwei exakt parallel laufende Furchen von ca. 40 m.
Diese Festung war vermutlich der äusserte Vorposten des Inkareiches. Zusammen mit unseren zwei Trampern zurück ins Bergdorf.
Hier ist ‚Che Guevara‘ Gebiet. Als er in Bolivien einen Aufstand gegen die Regierung provozieren wollte, startete er hier seinen ersten Angriff auf die Polizeistation. Dabei erbeutete er diverse Waffen. Etwa 50 km von hier wurde er von der bolivianischen Armee gestellt und erschossen. Stehen auf dem schönen Hauptplatz vor der Kirche und werden hier auch schlafen. Heute hatten wir Glück: das Kühlschrankschloss wurde durch einen Stoss aufgedrückt: das grosse Jogurt ist ausgeleert auf dem Boden und darin kullern die zwei verschlossenen Gläser mit Salatsauce und Bärlauchpesto.
![]() |
![]() |
![]() |
||
![]() |
||||
![]() |
![]() |
![]() |
||
21.Nov. - wir suchen und schlucken Staub
Um 4 Uhr morgens kommen vier Männer und setzen sich direkt vor unserem MAN auf die Bank, schwatzen und lachen. Es war gar nicht so eine ruhige Nacht. Bereits um 8 Uhr sind wir auf der Bolivan 4. Die ersten 70 km auf Asphalt und wir glauben es nicht, wir finden auch hier die Abzweigung der Hauptverbindungsstrasse 5 nach Sucre nicht. Es gibt keine Wegweiser in Bolivien! Wir haben zwei Strassenkarten, die aber nicht identisch sind. Bei einer Polizeistation fragen wir nach dem Weg und müssen natürlich wieder 20 km zurück. Nun finden wir die Abzweigung, eine bessere Sandpiste und ein Markstein Routa 5. Erdpiste, Gravelroad, also Luft aus den Reifen. Dann geht’s los, holper, holper, Löcher, Löcher. Schneller als 30 – 40 km/h geht es am Anfang nicht. Es kommt eine Strecke, da ist 20 km/h das Höchste aller Gefühle. An der Strasse wird gebaut. Die Brücken sind fast alle fertig.
Immer wieder auch Täler, die grün und bepflanzt sind. Fahren über sehr steile, kurvenreiche Pässe. Bei jeder Spitzkehre schlucken wir unsere eigene Staubwolke. Das ganze Fahrerhaus ist sandig. Heute Abend muss geduscht werden! Plötzlich staut sich Verkehr. Laut den bolivianischen Chauffeuren (alle haben dicke Backen vom Kat kauen) soll es um 18 Uhr weitergehen. Sie bereiten uns darauf vor, dass es noch weitere 70 km schlechte Strasse gibt, bis dann endlich Asphalt kommt.
Tatsächlich geht um 18 Uhr die Strasse auf. Wir fahren noch bis ins nächste Dorf und stellen wie üblich unser Fahrzeug beim Hauptplatz ab. Heute haben wir tatsächlich 120 km in 10 Std. geschafft und auch wir sind geschafft! Unterwegs haben wir Mitarbeiter von ‚Ärzte ohne Grenzen‘ angetroffen. Sie sind hier unterwegs für die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung. Eine Krankheit kennen sie hier noch nicht: die Handy-Seuche!
22.Nov. - bis Sucre,nominelle Hauptstadt Boliviens
In der Nacht hat es geregnet. Es ist kühl, aber nicht kalt. Die Strasse ist pflotschig und zum Teil sehr rutschig. Fahren sehr vorsichtig über einen Pass und danach wird die Strasse ein wenig besser. In Aiquile, einer kleinen Stadt machen wir Pause. Hier ist eine schöne, moderne Kathedrale zu bewundern. Weiter Richtung Sucre auf 2740 m.ü.M.!
Die Fahrt wird zweimal unterbrochen, da auch hier an der Strasse neu gebaut wird und einmal geht’s längere Zeit durchs Flussbett welches Wasser führt. Sind froh um den 4x4. Nach 8 Stunden erblicken wir endlich Sucre (220‘000 Einwohner). Laut Reiseführer ‚eine Stadt zum bummeln und flanieren‘. Sind ja gespannt! Die Einfahrt in die Stadt ist wie meistens ein Ablöscher: dreckig, dreckig und nochmals dreckig. Wir haben wohl einen Stadtplan vom Zentrum, finden dieses jedoch nicht, da wir noch zu weit draussen sind. Ein sintflutartiger Regen prasselt nieder. Vor dem Stadion warten wir bis der Spuck vorbei ist. Nun suchen wir mit den GPS-Koordinaten den alten Bahnhof, denn hier soll man einigermassen ruhig und sicher übernachten können. Bigi jagt Kaspar durch die Altstadt, es wird eng. Sowieso dürfen hier an jedem Wochentag nur bestimmte Nummernschilder und die diversen Kleinbusse durchfahren. Was soll‘s, diese Strasse ist auf unserem Stadtplan! Schlussendlich finden wir den Bahnhof, aber es ist sehr laut hier. Also suchen wir in einer Seitenstrasse Zuflucht. Stehen ziemlich gut und es scheint einigermassen ruhig.
Bummeln ins Stadtzentrum. Der erste Eindruck: alte, schöne Kolonialstadt mit vorgehängten Balkonen. Ohne zu suchen finden wir sogar den Chocolatier ‚Para Ti‘, welcher für die beste bolivianische Schokolade bekannt ist. Rund um den Hauptplatz ist eine Parade im Gange, ein spezieller Tag der Universität.. Nun ab in eine schöne Pizzeria. Auf dem Heimweg schliesst sich uns ein Schäferhund an, der uns adoptieren will.
23.Nov. - Stadtbummel durch Sucre
Es klopft an der Tür. Ein Bolivianer sagt uns, dass wir hier nicht parkieren dürfen. Der Grund: wir stehen vor der hohen Mauer der Psychiatrie. Die Insassen könnten ja über unser Dach flüchten. Also auf die andere Strassenseite. Hier wollen wir bleiben. Ausser Hundegebel war die Nacht ruhig. Bummeln zum Markt und geniessen zuerst einen frischen Multivitaminsaft. Kaspar kauft sich zwei gut gebackene Brötchen und vertilgt eines auf der Stelle.
![]() |
![]() |
![]() |
||
![]() |
![]() |
Dann steil hinauf zum Mirador ‚Recoleta‘. Von hier wunderbare Aussicht über die Stadt. Sucre wird auch die ‚weisse Stadt‘ genannt.
Kreuz und quer hinunter zum Hauptlatz ‚25 de Mayo‘. Aus dem ersten Stock eines Restaurants beobachten wir den lebhaften Platz. Im Tourist Office buchen wir einen bolivianischen Kulturabend mit Essen, Tanz und Musik. Die Kathedrale ist nur über das Kirchenmuseum zugänglich. Hier bewundern wir die Kirchenschätze. Später noch das Museo ‚Casa de la Libertad‘. Hier wurde 1825 die Unabhängigkeit Boliviens ausgerufen. Seither gab es 65 Präsidenten! 15 davon wurden ‚um die Ecke gebracht‘. Kürzeste Amtsdauer war grad mal 4 Tage. Sucre ist nur noch nominell die Hauptstadt. Ausser dem nationalen Gerichtshof sind alle Ministerien in La Paz.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||
![]() |
||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||
Mit dem Taxi zur Folklore-Show. Fantastischer Abend in kleinem Ambiente, gute Tänze und hervorragendes Essen. Eigentlich haben wir uns auf ein typisch bolivianisches Essen eingestellt, aber es war ein super Filet.
24.Nov. - Richtung Potosi, Thermas Chaqui
Bigi lotset Kaspar aus der Stadt hinaus. Schmale Strassen, aber wir finden die Asphaltstrasse nach Potosi relativ einfach. In Puente Mendez sehen und fotografieren wir die alte, aber gut renovierte Hängebrücke.
Über rutschiges Geröll zur Brück runter und Kaspar landet wieder einmal unsanft auf dem Hosenboden. 30 km vor Potosi steht ein bröckliges Werbeschild ‚Thermas Chaqui‘. Bigi findet dies einen Umweg wert. Wir sind nicht sicher, ob die Thermen überhaupt existieren. Wollen schon umkehren, aber Kaspar will noch etwa 8 km weiter.
Und prompt nach der nächsten Kurve steht der gelbe Mercedes von Monika und Wolfgang, welche wir schon an den verrücktesten Ort in Südamerika getroffen haben. Letztmals in Uruguay am 6. Oktober. Schwatzen und tauschen Tipps aus. Sie fahren nach Sucre und wir nach Uyuni. Werden sie vermutlich in ein paar Tagen wieder in ‚La Paz‘ im Camping Oberwald treffen.
Weiter zur schwefligen, heissen Therme. Geniessen zusammen mit den Bolivianern Wellness.
25.Nov. - Potosi
Kommen in Potosi an. Beim Tanken die grosse Überraschung: hier kostet der Liter Diesel für Ausländer 9.37 Bolivianos (CHF 1.30) - zweieinhalb Mal mehr als normal! Dies ist wegen dem langen Transportweg. Na ja, dafür ist der Tank wieder voll und somit haben wir genug bis La Paz. Suchen den Übernachtungsplatz. Finden die Strasse relativ einfach, aber den bewachten Parkplatz im Hinterhof gibt es in der Zwischenzeit nicht mehr. Also weiter suchen und fragen. Schlussendlich finden wir gar nicht weit entfernt einen sicheren, dreckigen, geschlossenen Hinterhofparking. Die Bolivianer-Familie, die dort haust und für den Parkplatz zuständig ist, macht einen guten Eindruck. Per Taxi in die Stadt. Eine Taxifahrt auf dem Stadtgebiet kostet pro Person umgerechnet 55 Rappen. In der lebhaften Altstadt buchen wir für morgen eine Silberminen-Tour zum ‚Cerro Rico‘. Im Internet-Kaffee versucht Bigi verzweifelt die Homepage aufzuladen: zwei Stunden, langsame Leitung und immer wieder Unterbrechung, bis der Laptop Akku leer ist, aber wir haben wieder einmal alle Emails. Nehmen einen Lunch im Restaurant und Bigi friert saumässig. Da sowieso alle Läden und Museum bis 15.30 Uhr geschlossen sind, zurück zum MAN und Bigi verschwindet sofort unter dem Duvet.
Später zurück in die Altstadt. Besuchen den Handwerker Markt, welcher uns jedoch enttäuscht und den Mercado Central. Hier werden riesige Torten am Strassenrand verkauft. Die Cremetorten sind dem Staub und Abgas der Autos voll ausgesetzt. Muss ja lecker sein! Apropos Abgas: hier riecht man noch die alten Autos und Kaspar wird es beinahe übel.
Besuchen eine Führung durch ‚La Basilica Catedral‘. Sie wird gerade aufwendig restauriert und bezahlt wird alles durch Japan! Besteigen einen der beiden Glockentürme mit 5 schweren Glocken.
Die Aussicht über Potosi und den ‚Cerro Rico‘ ist grandios. Jetzt nochmals ins Internet-Kaffee um den Rest der Homepage aufladen. Dann in ein touristisches Restaurant, wo folkloristische Musik sein soll. Weil niemand bis 18 Uhr reserviert hat, spart sich der Wirt das Geld, obwohl einige Touristen extra hierhin kamen. Zurück zum MAN. Oh Schreck, der Hof steht voller Lastwagen und wir sehen nicht einmal mehr unseren Camper. Die Parkwächterin beruhigt uns jedoch. Dies sei kein Problem, denn morgen seien die LKWs weg. Werden ja sehen!
26.Nov.- Silberminentour 'Cerro Rico'
Und wirklich um 8.30 Uhr ist kein Lastwagen mehr vor uns. Beim Reisebüro ‚Altiplano‘ warten wir auf unseren Guide ‚Elena‘. Die sehr kleine Bolivianerin begrüsst uns und erklärt bereits am Anfang einige Dinge über die Tour, Minen, Löhne, Lebensbedingungen, Korruption und Bolivien. Mit dem Bus der Einheimischen zum ‚Cerro Rico‘. Zuerst kaufen wir für die Bergarbeiter in den Minen ein. Es ist Tradition, dass Touristen Geschenke wie Kat-Blätter, Dynamit, Zündkabel, Zündkapseln, Energydrink oder Wasser mitbringen. Auf Anraten von Elena kaufen wir 20 Büchsen von dem energiespendenden Gesöff. Nun heisst es Minen-Ausrüstung fassen: Gummistiefel, Regenhose und -jacke sowie Bergarbeiterlampe mit grosser, dazugehöriger Batterie. Mit einem Microbus weiter den steilen Berg hinauf. Elena sucht eine Mine, in welcher gearbeitet wird. Vor und in der Mine verteilen wir die Energy-Drinks an die Bergleute. Gehen ca. 500 m in die Mine hinein. Müssen uns bücken. Achtung: elektrische Drähte, es ist pflotschig. Alles in allem: grausame Arbeitsbedingungen! Zuhinterst in der Grube arbeiten 5 Bergleute. Sie füllen einen Schienen-Kippkarren mit Zinksilbergestein. Ein Karren fast eine Tonne. Die Bergleute müssen in ihrer Schicht mindestens zehn Karren aus dem Berg bringen. Aussen wird das Gestein zerkleinert und in Schubkarren auf Lastwagen verladen. Alle Arbeiten innerhalb der Mine und Draussen werden von Hand geleistet. Elena engagiert sich sehr auf der Seite der Bergleute. Sie spricht mit allen und alle kennen sie. Hier zu arbeiten ist ein Graus! Von der spanischen Entdeckung des Silberberges bis zum Ende der Kolonialzeit 1825, sind mindestens acht Millionen Bergarbeiter ums Leben gekommen. In der heutigen Zeit arbeiten 9‘000 Männer, Frauen und ca. 200 Kinder in den Minen. Die Lebenserwartung beträgt max. 45 Jahre und die meisten haben Staublungen. Kleider und Lampe zurückgeben. Wir sind froh, heil wieder aus dem Berg gekommen zu sein. Es gibt eine Minentour für Touristen, aber unsere Tour war lebensecht! Essen in einem bolivianischen Restaurant ein reichhaltiges Mittagessen und es gesellt sich zu uns an den Tisch eine portugiesische Studentin. Zurück im Camper Siesta. Gleich nebenan ist ein Fest im Gange mit schrecklicher Guggenmusik. Später in der Altstadt wollen wir das Museum ‚Casa nacional de Moneda‘ besuchen. Dort angekommen sehen wir, dass ein Dokumentarfilm über die Mineros in den Minen von Potosi gezeigt wird. Der Film heisst ‚todos los dias la noche‘ und wurde vom Schweizer Jean-Claude Wicky in Zusammenarbeit mit ‚Télévision suisse romande‘ gedreht. Sprechen kurz mit Ihm. Er kommt aus Moutier. Der Film geht uns so richtig unter die Haut. Die Misere der Minenarbeiter ist sehr gross! Der Film wird hier an einem Filmfestival gezeigt und wir hoffen, dass er den Weg zu den Filmtagen in Solothurn findet. Verspüren keinen Hunger. Zurück im Camper spielt immer noch die Katzenmusik, und dies bis zwei Uhr morgens.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||
![]() |
||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||
27.Nov. - 'Casa nacional de la Moneda'
Nun besuchen wir das ‚Casa nacional de Moneda‘. Das grosse Gebäude stammt aus dem Jahre 1760. Hier wurden Münzen geprägt und die Silberbarren in ihre Grösse von 25x4x2 cm geformt. Hier kann man noch die einzigen auf der Welt existierenden, alten Holzprägemaschinen sehen. Alle exzellent gut erhalten. Sehen den alten, verrussten Raum, in welchem die Silberbarren gegossen wurden.
Natürlich findet man in diesem Museum auch alte Gemälde, Silbergefässe, Textilien und archäologische Funde. Ist eines der besten Museums in Bolivien.
Nun weiter Richtung Uyuni. Müssen wegen dem Markt einen Umweg fahren und suchen die Strasse. An der Zahlstelle weist uns der Polizist auf eine schlechte Querstrasse. Luft ablassen, aber nach 4 km kommen wir auf eine richtig schön geteerte Strasse.
Wir können es fast nicht glauben. Nur ein Pass von ca. 20 km und das letzte Stück vor Uyuni sind noch nicht geteert.
In Uyuni angekommen sind wir wieder einmal entsetzt über die vielen Plastiktüten, welche an kleinen Stauden hängen und über die ganze Erde verteilt sind. Riesen Sauerei! Auf dem Weg hierhin sind wir durch einen grossen Sandsturm gefahren. Uns kam es vor wie ‚Dantes Inferno‘. An der Hauptstrasse beim Bahnhof treffen wir auf ein Holländer Ehepaar. Sprechen zusammen und verstehen uns auf Anhieb glänzend. Wir kommen überein, morgen eine Privattour auf dem ‚Salar de Uyuni‘ zu machen und buchen zusammen beim Touroperator. Beim Pizza essen schwatzen wir und tauschen wieder einmal Tipps aus.
28.Nov. - Salar de Uyuni
Um 9 Uhr geht’s mit ‘südamerikanischer Pünktlichkeit’, also eine halbe Stunde später, los. Über schlechteste Piste vorbei am Flughafen zum ‚Salar de Uyuni‘. Sehen uns die Salzverarbeitung an. 50 kg Salz à je 1 kg, werden in Beutel verschweisst und das Ganze kostet 13 Bolivianos (2 Franken). Wir bekommen ein Kilo Salz geschenkt. Weiter zum alten Salzhotel, das heue ein Museum ist. Vor dem Hotel wehen viele Fahnen, darunter eine rechteckige Schweizer-Flagge. Kaspar bekommt jedes Mal Vögel, wenn er eine rechteckige Schweizerfahne sieht. Dann auf den Salar zur Salzgewinnung. Man muss sich den Salar topfeben vorstellen, wie ein Meer. Bei der Fahrt auf dem Salar muss der Fahrer sehr aufpassen, dass er in keine Wasserlöcher fährt. Sonst finito Abenteuer und schaufeln, schaufeln und nochmals schaufeln. Wir wissen von Reisenden, welche total bis zu den Achsen im Salzsee stecken geblieben sind. Sie brauchten zwei bis drei Tage, um den Camper mit Hilfe von Bolivianern frei zu schaufeln. Unser Fahrer fliegt in horrendem Tempo über den Solar. An schwierigen Stellen muss er so schnell fahren, um die gefährlichen Wasserlöcher zu ‚überfliegen‘. Zum Teil fährt er wie ein Spinner und Loet versucht ihn immer wieder auf Tempo 50 Miles zu bremsen. Auf der ‚Isla Incahuasi‘ (Isla del Pescado) stoppen wir fürs Mittagessen. Es gibt Lama-Kotelett. Schmeckt durchzogen. Die Insel ist voll riesiger Kakteen, welche gerade blühen. Ein schön angelegter Rundweg führt durch die Kakteen. Vom Hügel aus geniessen wir die wunderschöne Aussicht über den Salar. Weiter zum kleinen Ort ‚Tahua‘, der vom Vulcano Tunupe (5‘431 m) überragt wird. Auf der Rückfahrt wähnen wir uns wie auf einer riesigen, glitzernden Schneeschicht. Die Holländer beschweren sich über den ‚Helldriver‘ und wir sind einfach froh, heil zurück zu sein. Nach dem Nachtessen tauschen wir mit Gerda und Loet Strassenkarten und Reiseführer.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||
![]() |
||||||
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||
29.Nov. - geruhsamer Tag
Verabschieden uns mehrmals von den Zweien. Auch sie möchten Gas kaufen, daher treffen wir uns beim Gashändler. Es dauert aber seine Zeit, bis wir die richtige, verschlossene Tür finden. Doch dann geht alles ruck zuck und unsere Gasflasche ist neu gefüllt zum Spottpreis von 3 Franken. Geben den Arbeitern ein kleines Trinkgeld und Schoggistängeli. Dann zum Eisenbahn-Friedhof. Wie immer machen wir einen kleinen Umweg. Die alten, ausrangierten Dampfloks sehen inmitten der Wüste als Hintergrund sehr fotogen aus. Zurück nach Uyuni, kleiner Bummel über den Markt und durch die Souvenirshops. Im Ort nächtigen viele Touristen und so ist jedes zweite Restaurant eine Pizzeria. Fahren wie gestern zum Salar und parken etwas erhöht beim ‚Hotel de Sal Luna Salada‘ ****. Alles ist aus Salz gebaut. Trinken Kaffee und entscheiden uns spontan, im schönen Restaurant abends zu essen. Jedes Zimmer hat ein Vorzimmer mit Sofa, Tisch etc. – natürlich alles aus Salz. Wieder im Camper überrascht uns eine Sand-Windhose bei offenen Fenstern und Türe. Der Innenraum ist sofort voller Sand. Bigi putzt unter grossem Gekeuche vor allem den Boden. Haben das Abendessen im schönen Ambiente sehr genossen.
![]() |
![]() |
![]() |
||
![]() |
||||
![]() |
![]() |
![]() |
||
30.Nov. - Strassenblockade und quer über die Berge
Fotografieren die Morgenstimmung über dem Salar und dann auf die schlechte Strasse Richtung Oruro. Auf dieser Schotterpiste und Wellblechstrasse ist es fast unmöglich zu fahren. Bei jedem Stopp kontrolliert Kaspar, ob alles noch am MAN festsitzt und Bigi prüft den Innenraum. Parallel zu der eigentlichen ‚Strasse‘ kann man besser fahren. Für was haben die überhaupt eine neue Strasse gebaut?! Am Eisenbahnknotenpunkt ‚Rio Mulatos‘ (hier kommt der Zug von Uyuni und Potosi zusammen) machen wir kurz Pause. 4 km weiter kommt uns ein Toyota entgegen und der Fahrer hält uns mittels Lichthupe an. Er erklärt uns, dass in ca. 15 km eine grosse Strassenblockade ist, und dies bereits seit 10 Tagen! In Bolivien ist es üblich, die Strassen mehrere Tage zu blockieren, um sich bei der Regierung Gehör zu verschaffen. Wir wollen die Blockade mit eigenen Augen sehen und fahren weiter. Strassenarbeiter raten uns kurz danach ab. Also umkehren und in ‚Rio Mulatos‘ die Strasse nach Potosi suchen. In unseren zwei Strassenkarten existiert eine solche aber nicht. Wir fragen uns im Städtchen durch. Alle bestätigen uns, dass es diese Strasse gibt und auch mit unserem MAN befahrbar sei. Also nichts wie los.
Die schmale, nur drei Meter breite Strasse, folgt ca. 50 km der Eisenbahnlinie nach Potosi. Die Naturstrasse ist recht gut zu befahren, kein Wellblech. In einem kleinen Ort können wir gerade mit verfolgen, wie zwei Frauen im Holzofen Brot backen. Bigi raus aus dem MAN und sie kauft sechs kleine, runde Brote. Kaspar fotografiert die Szene aus Distanz.
Es geht über Pässe, durch spektakuläre Schluchten, vorbei an kleinen Dörfern mit ihren in Terrassen angelegten Gemüsefeldern. Plötzlich ist Schluss!
Eine stabile, verschlossene Schranke versperrt uns die Weiterfahrt. Eine Umfahrung derselben ist unmöglich. Bigi hupt wie verrück! Aus einem Haus unterhalb taucht ein Bolivianer auf und öffnet für uns die Schranke. Natürlich ist uns dies ein Trinkgeld von 10 Bolivianos und drei frischen Brote wert. Für Antonio ist es vermutlich wie Weihnachten. In langen Kanälen fliesst das Wasser zu kleinen Kraftwerken. Es führen auch kleine Bewässerungskanäle zu den Dörfern und Feldern. In einem Dorf ruft uns eine Frau den Schimpfnamen ‚Gringos‘ nach.
Schon 80 km quer über die Berge gefahren, stehen wir an einer Strassengabelung. Das Gefühl sagt rechts hinunter. Auf unserer Strassenkarte finden wir zufällig das angeschriebene Dorf. Das Gefühl täuscht, wir müssen links den Berg hinauf. Nochmals Glück gehabt! Kurz danach kommt uns ein Auto entgegen und wir vergewissern uns beim Fahrer, dass wir Richtung ‚Potosi‘ fahren. Noch 45 km bis zur Asphaltstrasse. Auf der geteerten Strasse fährt nun Bigi, da Kaspar nudelfertig ist. Das war ja Fahrtraining par exzellent! 20 km nach ‚Potosi‘ an der ‚Laguna Kari Kari‘ treffen wir Monika und Wolfgang mit dem gelben Mercedes. Bigi nimmt noch kurz ein Bad vor dem Einnachten. Bigi hat gestern aus ‚fälligem‘ Gemüse eine Suppe gekocht, die wir nun genüsslich schlürfen. Wir Zwei sind froh, dass wir diese 10-stündige, anstrengende Fahrt ohne Probleme gemeistert haben. Es ist auch für uns hier Vorweihnachtszeit und wir geniessen Tirgel, Biberli, Kaffee und Whisky. Die Fenster und Dachluken sind dicht und der MAN wackelt. In der Nacht stürmt und regnet es.

























































































































































































