Juni 2008
1. Juni - Relaxen bis Grillieren
Relaxen – wir sind etwas müde vom reisen. Am Nachmittag kommt Bigi’s Verwandschaft (Cousine Christiane Koitzsch-Rosemann und Cousin Matthias Rosemann mit Ehefrau Claudia) aus Berlin nach Elstal raus um den Camper zu besichtigen. Trotz hitzigem Wetter kredenzen wir einen Schweizer Weisswein. Christiane und Matthias sind ja Schweizer, beide in Zürich geboren als ihr Vater Pastor der Baptistengemeinde Zürich (Salem) war. Wir bringen sie mit dem Camper zum Bahnhof Elstal. Christiane: ‚ach schade, wär noch gerne etwas weiter gefahren‘. Wir fahren zum Grillen nach Spandau zu Volker Bohle und Familie. Auszug aus dem handschriftlichen Tagebuch von Kaspar: ‚ich schlage mir den Bauch voll mit Würsten, Steak und Gemüse‘.
2. Juni - viel Sonne
Bigi nimmt Abschied von den Freunden im EBM Büro Elstal – Kaspar: ‚jetzt hat sie wieder nur noch mich!‘
Noch kurz Wocheneinkauf im nahen Supermarkt in Elstal. Es ist schon bald wieder Mittag und der Tafel ‚Bockwurst Euro 1.30‘ können wir nicht ausweichen. Wie üblich teilen wir eine Wurst. Wir fahren nach Waren auf die Mecklenburgische Seenplatte und checken im Camping ‚Kamerun‘ ein (mit kamerunischer Flagge!). Sehr schön am See ‚Müritz‘. Natürlich wird zuerst ein Bad im See (Kaspar fühlt 18 Grad) verordnet. Herrlich. Zum ersten Mal holen wir unsere Velos vom Camper runter. Dies ist zu zweit gar nicht so schwierig und daurrt lediglich 10 Minuten. Wir fahren die 3 km vom Camping nach Waren. Nette, kleine, touristische Stadt. Nachtessen mit Live-Musik in einer Hafenkneipe. Zurück beim Camper wollen wir noch ein wenig draussen sitzen und werden sogleich von den Mücken aufgefressen.
Camping Kamerun
3. Juni - Müritz See
Walking ist angesagt. Kaspar hat wieder einmal die falschen Schuhe an und immer Steine zwischen Fuss und Schuh (so hat er wenigstens Grund zum meckern). Zum Frühstück geniessen wir die frischen Brötchen und präparieren den Lunch. Kurz einen Blick auf das Infoboard/Karte und schon radeln wir los um den Müritz See. Oh Schreck, das sind ja 80 – 100 km. In der Hälfte machen wir schlapp, schauen uns die Ortschaft Röbel an und nehmen das Schiff zurück nach Waren – 3-stündige Fahrt bei heftigem Wind. Der Müritz See wird auch ‚das kleine Meer‘ genannt (nach dem Bodensee zweitgrösster See in Deutschland).
auf dem Morgenspaziergang
4. Juni - der Wind bläst von allen Seiten
Kaspar bohrt ein Loch in seinen Gürtel – er hat schon 7 cm Bauchumfang verloren. Wir satteln unsere Velos und fahren nach Waren und weiter in den Müritzer Nationalpark. Eigentlich ist alles flach, aber der Wind hat sich gegen uns verschworen. Er bläst und den ganzen Tag frontal ins Gesicht, es ist ein graus. Wir sind beide konditionell auf dem gleich tiefen Niveau: Kaspar mit dem Alltagssport und Bigi ohne regelmässiges Fitnesstraining. Via Federow, Speck erreichen wir über schöne Velowege durch Laub- und Tannenwälder Boeck. Wie immer verpassen wir (durch schlechte Kommunikation – oder weil Kaspar Wasser generell ausweicht) den Badestrand und müssen 3 km gegen den Wind zurückradeln. Wir baden (Kaspar findet es jedoch kalt) im seichten Wasser mit Sandstrand und sind nachher erfrischt für die Rückfahrt nach Waren. Da wir uns keine Velokarte gekauft haben verfahren wir uns prompt. Wir schlagen den kürzeren Weg ein und erwischen den Wanderweg ‚Eichhörnli‘. Wir wandern mit dem Velo über hunderte von Wurzeln, schieben das Velo im Sand und weichen mega vielen Tannzapfen aus. Mit 1 Stunde mühsamen Umweg erreichen wir dann doch noch unser Ziel. Bigi lässt sich beim Fischhändler eine frische Forelle filetieren (Euro 3.73) und Kaspar verdreht die Augen. Fazit des Tages: 6 Stunden velofahren und leckeres Abendessen.
5. Juni - Dampfschifffahrt
Heute hat Kaspar’s Schwester Brigitte Geburtstag und wir schicken per SMS Glückwünsche in die Schweiz.
Wir fahren mit dem Velo nach Müritz. Mit dem nachgebauten Dampfschiff shippern wir 1,5 Stunden über 3 Seen – dabei verzehren wir 1 kg frische Erdbeeren. Das Schiff ähnelt einem Dampfer, welcher die Seen von 1898 -1960 befuhr. Auch ist eine alte Dampfmaschine aus dem Jahre 1910 eingebaut, aber normal fährt das Schiff mit Elektroantrieb und wird mit Diesel beheizt. U.a. auch Kaspar konnte die Dampfmaschine (130 PS) bei der Arbeit besichtigen und fotografieren. Leider weiss man nicht mehr, wer die Dampfmaschine hergestellt hat. Zurück in Müritz kleiner Stadtbummel, einige Einkäufe (Tomaten, Schnittsalat, Jogurt, Salami und nochmals 1 kg Erdbeeren) und Bigi kann shoppen: dem Velo fehlt die Glocke und so kauft sie eine Veloglocke ‚oranger Smiley‘ auf dem Markt. Zurück auf dem Camping waschen wir Bettwäsche und Frotteetücher. Der Tumbler trocknet nicht richtig, Bigi will die Wäsche neben dem staubigen Fahrsträsschen aufhängen und er raffelt den Sprinz aus Italien. Mit der Zeit wird Kaspar stock sauer. Bigi muss heute nicht kochen, er verzichtet auf das Abendessen: Spaghetti!
Dampmaschine 130 PS / Jg 1910
6. Juni - Schwerin
Kaspar’s Kommentar zu gestern: Butter wird manchmal auch einfach so ranzig und man weiss nicht weshalb!
Camper dicht machen, d.h. Tisch und Stühle verstauen sowie die 2 Velos aufladen. Super Zeit in 25 Minuten mit kleinem Absturz von der Leiter. Kaspar landet auf den Füssen, Bigi kann mit Mühe das Velo oben halten. Keine Blessuren, nur schwarze Hände. Fahrt nach Plau am See und weiter nach Schwerin (Hauptstand von Mecklenburg). Besichtigung des wunderschönen Schlosses von Aussen und der Gärten. 2009 soll hier die deutsche Bundesgartenschau sein und es wird heftig gebaut. Altstadtbummel. Nun stehen wir auf dem Parkplatz vor dem Schweriner Finanzamt und Kaspar kocht die von ihm gestern verschmähten Spaghetti während Bigi ein spannendes Buch liest.
neu täglich Fischbrötchen
7. Juni - Wismar und Ostsee
Wir parkieren am alten Hafen. Heut Samstag ist Fischmarkt. Wir essen unser erstes Matjesbrötchen (erster neuer Matjes gibts ab 4. Juni!). Sogar Kaspar findet es nicht schlecht. Im Hafen liegen 3 Windjammer und ein Schiffnachbau aus dem Jahr 1350. Besichtigung der Altstadt mit dem Brunnen auf dem Marktplatz, welcher 30 Bürgerfamilien das Wasser über Holzkanäle brachte. Wismar ist das Zentrum der Backsteingotik. Wir besichtigen eine Kirchenruine und eine Kirche, die jetzt wieder neu aufgebaut wird (Bombardierung im 2. Weltkrieg). Weiterfahrt zur Insel Poel. Bigi möchte baden (brrrh). Über Heiligendamm (G8-Gifpeltreffen) nach Warnemünde, nähe Rostock. Hier passierts! Wieder einmal verfahren wir uns und bei der Tafel ‚keine Wendemöglichkeit für LKW‘. 300 m weiter scheint es eine Möglichkeit zum wenden zu geben bei einem privaten Kanuclub Parkplatz. Kaspar ‚jufelt‘, rückwärts, bums, Hecktüre eines Opel Zafira ist Schrott. Wir ärgern uns still. Parkplatz gefunden hinter den Dünen und Abendspaziergang mit einem Gläschen Wein am windigen Strand und schauen an der Hafenbar einige Minuten Fussball (Schweiz – Tschechien). Es ist super Fernsicht und man kann Dänemark sehen!
Tip für Camper: P+R ‚Strand‘ in Warnemünde ist nur durch eine Strasse von der Düne und Ostsee getrennt (Tageskarte Parking 8 Euro und von 20.00 – 08.00 Uhr sogar ohne Gebühr).
Kratzer am MAN
8. Juni - Backsteingotik Kirchen
Weiterfahrt nach Rostock. Besichtigung der Altstadt, Backsteingotik mit Astronomischer Uhr aus dem 15./16. Jahrhundert, sehr schöne Orgel. Danach ins Deutsche Bernsteinmuseum in Ribnitz. Wir lernen viel über Bernstein: ist kein Edelstein, sondern uraltes Harzprodukt z. T. mit Insekteneinschlüssen, Farbe milchig bis golden. Strahlsund nochmals mit Kirchen der Backsteingotik, wahnsinnig hohe Fenster! Das Rathaus ist UNESCO-Welterbe. Weiterfahrt auf die Insel Rügen. Wir stehen auf einem Camperplatz direkt an einer alten Schiffsmohle an der Ostsee.
9. Juni - Insel Rügen / Kap Arkona
Gut geschlafen. Bigi schleppt mich mit ins 15,2 Grad warme Ostseewasser. 7 km vor Kap Arkona (das deutsche Nordkap) finden wir den uns empfohlenen idyllisch gelegenen Campingplatz. Die Velos werden abgeladen, gesattelt und wir fahren sogleich der Küste entlang über Vitt (altes Fischerdörchen) zum Kap Arkona. Dor besteigen wir den Leuchtturm. Hier war im zweiten Weltkrieg eine der grossen Marinebunkeranlagen. Via Puttgarten (mit schönen kleinen Läden) mit Gegenwind zurück zum Camper. Wir haben Sanddornzeltli gekauft. Sanddorn wächst nur auf sandigem Boden und die ca. 8 mm grosse orange Frucht wird im Oktober geerntet. Schmeckt wie Zitrone/Orange, sehr Vitamin C reich und wird zu Schnaps, Likör, Gelee, Konfitüre und Zeltli verarbeitet. Um 18.00 Uhr sind wir zurück und essen später Gschwelti Knoblauchquark, Käse und Bigi isst dazu Rollmöpse.
10. Juni - Insel Hiddensee
Um 07.00 Uhr ist Tagwache, da die Fähre in Bregge schon um 09.30 Uhr ablegt und wir zuerst noch mit dem Velo dorthin müssen. Herrliche Fahrt (1,5 Std.) auf dem Binnenmeer. Velofahrt zum Leuchturm mit herrlichem Blick auf die langgestreckte Insel. Zurück über Kloster, Vitte nach Neuendorf. Man kann fahren wie man will, der Wind kommt immer von vorn (auch für Nierensteinpatienten sehr zu empfehlen: es holpert und holpert!).
Vor der Schifffahrt zurück nach Rügen gibt’s noch Espresso und Sanddornkuchen. Abends gibt‘s Resten von gestern: Maispizza aus dem Backofen (mhhhh).
Kaspar’s Spruch des Tages: ‚mir sind zwei Sport-Pfiefe!‘ - obwohl wir Bewunderung erhielten, als wir die Anhöhe zum Leuchtturm - 87 m ü. m. - herauf pedalten!
11. Juni - Wetter wechselt alle 30 Minuten
Aufstehen, spazieren und Bigi nimmt ein FKK-Bad (brrrhhh). Wir sitzen im Windschatten des Campers an der Sonne und essen frische Brötchen. Schon wenig später schlafen wir ein und dösen vor uns hin. Heute wollen wir mit dem Velo zum Einkauf. Nach 1 km mit Gegenwind kehren wir um: es regnet und wir sind falsch angezogen! Zurück beim Camper schont es bereits und wir radeln erneut los mit Regenjacken ausgerüstet. Einkauf (300 g Prussiens vom Migros-Beck für 1.99 Euro und Kaspar findet einen Spielzeugcamper, den er noch nicht besitzt!). Essen ein Frischbrötchen. Auf dem Rückweg werden wir erneut begossen und sitzen danach im warmen Camper, lesen, schreiben und warten auf Schonung, damit wir die Velos aufladen können. Und schon scheint wieder die Sonne und wir können draussen im Windschatten sitzen. Ein Abendspaziergang am Meer und wir müssen in einem Strandkorb Zuflucht suchen vor dem strätzenden Regen. Aus dem TV-Spot: ‚Mami, wänd nöd wisch was choche so nimm doch eifach Maccaroni-
Ofengratin von Knorr.‘ Schmeckt gut und mit der Hälfte füllt Bigi einige Cannelloni, die dann übermorgen gratiniert werden.
12. Juni - Seebrücke Sellin
Zum Frühstück gibt’s Weltmeister Brötchen, vorauf Kaspar keck meint: ‚dänn sind’s bestimmt Schwiezer!‘. Hier sind die Zeitungen ja nur voll mit den tollen Fussleistungen der Deutschen. Zum Glück berichtet uns Dorly mit SMS, wie es in der Schweiz mit dem Fussballfieber steht: nur Katzenjammer.
Wir fahren nach Binz und bestiegen den fahrenden Roland, eine Dampf-Bäderbahn, welche seit 1898 die Badegäste von Ostseebad zu Ostseebad bringt. Nostalgie pur! In Sellin besichtigen wir die neu erstellte Seebrücke. Sehr schön, das Restaurant ist dem Jugendstil nachempfunden und die Preise sind happig (die Mandeltorte mit Früchten schmeckt jedoch hervorragend). Zurück mit der Bahn zurück nach Binz. Dieses Ostseebad ist sehr lebhaft und hat eine gepflegte Uferpromenade mit Restaurants und Hotels.
Etwas Geschichte: in der Stadt Prora neben Binz lies Hitler ein Haus von 7,5 km Länge bauen. Dazu alle 300 m ein Seitenflügel. Es heiss KdF – Kraft durch Freunde. Dieses riesige Haus wurde jedoch 1934-45 nie richtig fertig gebaut. Dies übernahm die DDR als Ferienzentrum für mega viele Gäste und 1‘200 Beschäftigten. Das Militär der Russen, DDR und BRD wollten die Anlage sprengen, aber es gelang allen nicht. Heute stehen noch 6,5 km.
Der rasende Roland
13. Juni - Jasmund Nationalpark, Königsstuhl
Wir wandern durch schöne Buchenwälder vorbei an kleinen Seen (Tümpel). Am Königstuhl angekommen steigen wir ans Meer herunter (später auch wieder hinauf). 421 Stufen! Von unten sehen wir dann den berühmten Felsen. Am Meer gibt’s Picknick und Bigi sucht am Strand Steine. Scheint ein allgemeines Hobby der Rügener und Rügenreisenden zu sein. Es gibt ja genug davon. Weiterfahrt über Strahlsund (Bigi kauft in der Rügener Fischfabrik ein und Kaspar kriegt Zustände), Greifswald nach der Insel Usedom. Jetzt sind wir im Hafen von Pennemünde, wo die Deutschen im 2. Weltkrieg die HV-1 und HV-2 Raketen auf die Engländer abgeschossen haben. Auch liegt im Hafen ein altes sowjetisches Atom-U-Boot. Das Wetter hat ganz gut mitgehalten, etwas kühler aber fast kein Regen. Nach dem Durchzug von Gewitterwolken ist der Abend wieder sternenklar und taghell bis mind. 22.00 Uhr.
14. Juni - Pennemünde
Beim Penny-Markt einkaufen. (wir kaufen nur noch bei Penny oder Plus ein, wo wir das Sortiment kennen, d.h. die Produkte die wir mögen). In Karlshagen hat Kaspar auch noch einen Waschsalon gesichtet. Während die Waschmaschine wäscht wandern wir 4 km am Strand. Während der Tumbler arbeitet trinken Kaffee und Camper. Wir besuchen das historisch technische Informationszentrum von Pennemünde. Es wird sehr eindrücklich die Geschichte der Raketentechnik im zweiten Weltkrieg dokumentiert. Auch die Opfer (Engländer, Belgier und vor allem die Zwangsarbeiter) werden nicht vergessen. Dieses Museum gibt einem schon zu denken.
Kurzer Stopp im Seebad Zinnowitz und ab Herringsdorf (sehr mondän) und Albeck. Wir suchen einen Übernachtungsplatz. Dies entpuppt sich heute als schwierig: wir sind nämlich heikel. Auf jeden Fall müssen wir mindestens 4mal, wie immer unter engsten Platzverhältnissen wenden. Schliesslich sind wir in einem schönen Waldcamping in der Nähe des Seeheilbades Bansin gelandet.
15. Juni - unser 4. Hochzeitstag
Verlassen den Campingplatz und fahren zum Bahnhof Herringsdorf zum Jazz Frühschoppen-Konzert. Die preisgekrönte Jugendband von Mecklenburg-Vorpommern spielt und wir trinken zur Feier des Tages Rotkäppchen-Sekt. Strandspaziergang nach Albeck, Besuch der ältesten deutschen Seebrücke von 1898. Schöne Meerespromenade. Zurück nach Zinnowitz in die Bernstein Therme, denn das Wetter will nicht so richtig (Meerwasser-, Sole- und Sprudelbäder und Sauna). Heute ist unser 4. Hochzeitstag: beide sind glücklich. Wir beschliessen den Tag mit einem feinen Nachtessen: mega Rindsfilet mit Pfifferlingen oder Steinpilzen (beide träumen schon lange von einem guten Stück Fleisch und freuen sich seit Tagen).
16. Juni - Überfahrt nach Dänemark
Trotz des schweren Abendessens haben wir gut geschlafen. Kleiner Abstecher zu unserem Waschsalon und Penny-Markt in Karlshagen. Weiterfahrt nach Rostock. Wir haben Glück. Die Fähre liegt schon im Hafen und wir können mit unserem Camper als Letzte einchecken nach Gedser/Dänemark. Im Schiffsbug ist es sau eng und wir können nur – wie die Affen – aus der Fahrerkabine heraus klettern.
Nun sind wir in Dänemark. Erster Eindruck sehr gut: es gibt Stellplätze für Wohnmobile mit WC, Wasser, Tischen und Bänke, und dies kostenlos. Es windet und regnet, die Sonne scheint, ein Regenbogen am Himmel und Kaspar isst sein Lieblingsgericht: Pasta nonna. Neue Erfindung für Camper: wir kleben einen Plastiksack neben die Eingangstür, wo wir die sandigen Schuhe reinstecken können. In letzter Zeit mussten wir täglich mit Besen und Schaufel rauswischen.
Windkraft in Dänemark
17. Juni - Mons Klimt
Früh morgens Fahrt zu den Mons Klimt (Kreidefelsen), ein Naturpark. Wir packen wieder einmal unseren Rucksack. Bigi wählt die Wanderroute und Kaspar ist fast enttäuscht über Bigis‘ Wanderlust. Auf den Klippen zum Abgang (471 Stufen), unten auf Steinem dem Strand entlang – wir verpassen wieder einmal den Aufstieg – und so ergibt sich doch noch eine Tour von mehr als 3 Stunden! Was soll‘s, wir hatten ja eine grosse Flasche Wasser und Sandwiches dabei. Diese Klippen finden wir imposanter als die berühmten Klippen auf der Insel Rügen (haben ihre Berühmtheit nur von einem Gemälde). Auf der Weiterfahrt werden wir beinahe von der Brücke gewindet – Kaspar realisiert etwas spät, dass der Windsack beinahe waagrecht hängt. In Roskilde ist die sehenswerte Kirche bereits geschlossen. Wir haben keine Dänischen Kronen und somit kommt Bigi in keinen Einkaufsstress. Die Läden schliessen schon um 17.30 / 18.00 Uhr. Etwas ausserhalb der Stadt finden wir einen schönen Übernachtungsplatz oberhalb eines Jachthafens mit direkter Sicht auf einen Fjord.
Uns ist aufgefallen, dass das Korn hier viel kleiner wächst (ca. 40 cm). Wir fragen uns, ob dies eine andere Sorte ist (wegen dem Wind), oder ob die Ernte wegen fehlendem Regen schlechter ist.
18. Juni - Kopenhagen
18. Juni – Preisschock
Heute geht’s zuerst auf die Bank, damit wir Lokalwährung haben – wir sind schon 41 Stunden in Dänemark und haben keine Lokalwährung im Sack – wir konnten nicht einmal ein Glas Wasser kaufen. Zum Glück sind hier die öffentlichen Toiletten gratis! Wir steuern die erste Konditorei an – den Preisen nach zu vergleichen mit Sprüngli an der Bahnhofstrasse: 2 Kaffee (Fr. 12.-) mit super Marzipanhörnchen (Fr. 7.-), 10 Knäckebrot zum mitnehmen (Fr. 8.50). Besuch des Kronborg Castle in Helsingor. Danach Weiterfahrt nach Kopenhagen. Ausnahmsweise auf der Autobahn, da wir bei der ersten Bahnüberführung (3,1 m) nicht durchkommen und die Bahnlinie bis Kopenhagen der Küste lang verläuft. Kaspar will nicht auf der Ringstrasse Nr. 2 fahren und so, oh Schreck sind wir natürlich bevor uns lieb ist schon im Zentrum von Kopenhagen. So haben wir gleich gratis eine Stadtrundfahrt und fahren quer über den ‚königlichen Theaterplatz‘. Uf, schon wieder zu hoch für die nächste Durchfahrt – ah, bei der Opera (ähnliche Architektur wie das KKL Luzern) gibt’s bestimmt Parkplätze, was ein Irrtum ist. Schlussendlich finden wir neben dem Fussballplatz eine Parkmöglichkeit für unser Gefährt und gehen in nur 25 Minuten zu Fuss ins Zentrum. Die schöne Fussgängerroute entnehmen wir dem Reiseführer und marschieren los zur Meerjungfrau. Bigi hat sich das Wahrzeichen von Kopenhagen etwas grösser und von Wasser umgeben vorgestellt – nur Lebensgrösse und auf einem kleinen Stein direkt am Ufer. Aber Foto muss sein, obwohl dies bei den vielen Touristen schwierig ist. Weiter kreuz und quer durch die Stadt. Tabea hat ja in einem SMS durchgegeben, dass Kopenhagen eine coole Stadt zum shoppen ist. Erstaunlicherweise hat Bigi keine Lust zum shoppen – ob dies wohl an den Preise liegt oder der Vernunft zuzuschreiben ist?
wer soll das bezahlen ...
19. Juni - Kopenhagen
20-Minuten-Marsch ins Zentrum über die alte Befestigungsanlagen am ‚Freistaat Christiansen‘ vorbei (der Traum vieler Aussteiger: alternativer Wohnstaat im Staat). Bummeln durch die verkehrsfreien Einkaufsstrassen zu öffentlichen Bibliothek, denn heute ist wieder einmal Homepage aufladen angesagt. Die Emails kann Bigi nicht herunterladen (serverprobleme) und die Passwörter sind auch allesamt zu Hause im Camper (ärgerlich!). Kaspar liest in der Zwischenzeit die NZZ vom Vortag. Nachher weiter zur Kneipenmole, von wo wir eine Kanalfahrt durch Kopenhagen starten (Kaspars neues Hobby). In einer Bäckerei kaufen wir auf dem Rückweg ein frisches, knuspriges Brot (wird gleich mit Freude angeknabbert) und ein ‚Russenzopf‘ (mhhh) für zum Kaffee. Am Abend geht’s wieder zu Fuss los (es regnet immer wieder) ins Tivoli. Kaspar hat sich falsche Vorstellungen gemacht: es gibt ein paar Bahnen für gross und klein, einen schönen Gartenpark, Musikpavillon, Cabaret, Zirkus und Pantomime. Leider war es etwas kalt, windig und regnerisch und so sind wir schon bald wieder nach Haus gewackelt, an die Wärme. Wir haben uns bereits eingelebt in Skandinavien: 99% der Frauen sind blond und haben gerade, lange Haare. Mit der Sprache ist es auch so eine Sache – wir entziffern und versuchen zu verstehen.
20. Juni - Schweden Midsummer + Linsertorte
Heute sind wir zu früh auf. Genügend Zeit bis die Bibliothek aufgeht (Emails runterzuladen): Frühjahrsputz, Kaffee trinken und Gudi-Gudis kaufen.
Wir benutzen die 2000 eröffnete Öresund-Brücke (4 km Tunnel, 4 km künstliche Insel und 8 km Brücke) nach Malmö/Schweden (Kosten ca. Fr. 125.-). Drüben angekommen belagern wir das Informationszentrum – oh Schreck, heute ist Nationalfeiertag ‚Midsummer‘ – und wir stehen wieder einmal da ohne lokale Währung! Weiterfahrt nach Lund, Besuch der ältesten romanischen Kirche Schwedens. Dieser Dom hat eine astronomische Uhr ähnlich wie in Rostock sowie eine sehr schöne Krypta. Wir wagen etwas Neues: wir beziehen Schwedische Kronen am Bankomat (Kaspar sagt aber zuerst einige Male: was ist, wenn die Karte drinnen steckenbleibt?). Wir sind halt in diesen Dingen etwas Banausen. Surprise: es klappt – aber wir kennen den Umrechnungskurs nicht und dieser ist auch nirgendwo ersichtlich (wir wissen uns zu helfen und erfragen diesen per SMS bei Kaspars Schwester in der Schweiz). Inzwischen regnet es in Strömen. Überhaupt ist heute sehr wechselhaftes Wetter mit Wind, Regen, Hagel und Sonnenschein. Weiterfahrt nach Malmö, wo wir Platz zum übernachten suchen. Sind fündig geworden beim Seebad (Jg. 1868). Am Strassenrand steht ein ungewöhnliches Schild ‚Achtung Gänse‘, was uns ein Schmunzeln entlockt. Oh weh, sogar Gloors halten an, wenn die Gänse im Gänsemarsch über die Strasse stolzieren. Wir sind etwas frustriert, denn von den erwarteten Strassenparties zum Midsummer ist weit und breit nichts zu sehen: tote Hose und alles wie ausgestorben schon den ganzen Tag! Bigi hat eine geniale Idee – sie backt aus den Zutaten und mit Anleitung des Kochbuches eine sogenannte Linsertorte – riecht verführerisch, muss aber zuerst noch auskühlen!
Linsertorte 'gloorontour'
21. Juni - Käseberg
Morgenwanderung am Strand, Frühstück und Stadtbummel. Es hat fast keine Leute, höchstens am Strand ein paar Sportler, Schwimmer, Hundebesitzer und jede Menge Gänse und Enten! Über Ystad (schöne Altstadt) weiter nach Käseberg. Hier gibt es eine astronomische Steinanlage (aus 600 n. Chr. / ähnlich Stonehenge in England). Viele Leute wollen sich das Spektakel anschauen, wir sind jedoch zu müde dazu. Da wir heute wieder einmal im Supermarkt eingekauft haben gibt’s ein super Essen: Salätli, Fleisch, CH-Stroganoff-Sauce und ‚Fly and dream Pasta‘ und ein Glas Rotwein aus unserem Keller.
22. Juni - Kalmar
Tagwache 08.50 Uhr – wir schlafen wie Murmeltiere! Nachdem 23.00 Uhr noch sternenklar war, ist es heute trüb und regnerisch. Weiterfahrt durch leicht hügliges Gelände. Alles ist grün, vorbei an kleinen, farbigen Häusern und grossen Bauernbetrieben. Hier gibt’s noch Platz! Alle 30 km grosse Rastplätze und gute Informationstafeln für die Umgebung. Kaufen Erdbeeren am Strassenrand. Heute lächeln wir viel: des Öfteren sind auf Augenhöhe Radarkameras aufgestellt – es sollte jedoch keine Fotos geben, denn sie sind immer schön im voraus beschildert. Besuch von Karlskrona (sind etwas enttäuscht, denn es ist nicht viel los und alles geschlossen) und Kalmar. Hier steht ein schönes Schloss und wir gehen abends im Dom in eine Internationale Andacht (lutherisch mit Abendmahl). Es regnet wieder.
23. Juni - Glasriket
Wir haben am Hafen übernachtet und so müssen wir schon bald eine Toilette aufsuchen – mit Kaffee und Schwedentore und Kaspar hat die Möglichkeit sein neues Hobby auszuüben: Zückerli sammeln. Besuch des Schlosses (Unterzeichnung des Kalmarer Friedens anno 1397). Schlendern durch die Gamla Stan (Altstadt) und besuchen das Schiffsmuseum. Eigentlich hat hier Kaspar die Überreste des 1649 gesunkenen Schiffes erwartet – diese sind jedoch nebenan im Nationalmuseum. Wir verzichten auf einen weiteren Museumsbesuch und fahren in die Glasriket Gegend und besuchen die älteste Glashütte Schwedens in Orrefors (hier gibt’s einen Glasshop aller bekannter Marken) und Kosta. Wir fahren lange durch Laub- und Nadelwälder. Wir fahren abends noch 50 km weiter nördlich wo wir in Timmbernabben am Wasser übernachten. Heute ist wieder Tagebuch schreiben angesagt!
24. Juni - 'nicht unser Tag'
Wir sind schon kurz vor sieben Uhr morgens auf. Vor zehn Uhr sind wir schon in Vestervik. Kaspar knurrt immer wieder: ‚ich stehe nicht mehr so früh auf, so en Scheiss. Alles geschlossen, es ist kalt und es regnet‘. Mit Regenschirm und Windjacke schlendern wir durch den Ort, wärmen uns mit Kaffee auf und kaufen am Hafen Lachs in Citronen-Dill. Zurück beim Camper kochen wir Flädlisuppe, denn Kaspar schlottert wie sonst fast gar nie. Weiterfahrt über Nordköping, Katrineholm, Strangnos nach Mariefred, wo das Schloss Gribsholm steht. Unterwegs bei einer Baustelle (d.h. schmale Fahrspur) touchiert Bigi mit dem Seitenspiegel – päng - eine Verkehrstafel und der untere Spiegel ist umgeklappt. ‚Oh, ich hätte langsamer fahren sollen.‘ Worauf Kaspar erwidert: ‚dann hättest du die Tafel eben langsamer erwischt.‘ Smile.
Kurzer Dorfrundgang und dann erforscht Kaspar unser Nachtlager am Jachthafen. Bei der Hafenmeisterin erspäht er eine Waschmaschine und Tumbler – und wir legen sofort los. Somit sind wir wieder für 2 Wochen autark, da wir morgens schon den Wassertank gefüllt haben (beim Friedhofgärtner). Der geneigte Leser merkt etwas: wir sind inzwischen clevere Camper-Freaks geworden!
Nach dem Nachtessen kommt wieder einmal einer von Kaspars Sprüchen: ‚schon wieder Luxussuite mit Blick aufs Wasser und Schloss. Besser als jedes 5-Sterne-Hotel!‘
25. Juni - noch 60 km bis Stockholm
Wunderschöner Morgen. Walking-Stöcke auspacken, abmarschieren, Umrundung des Schlosses und weiter in einen grossen Natur-/Wildpark. Die Rehe erschrecken ab unserem Geklapper (Stöcke auf Stein: tak, tak, tak ..).
Nach dem morgendlichen Ritual will Kaspar (entpuppt sich als Eisenbahnfan) zur Bahnhof der Museumsbahn / Schmalspur (600 mm). Wunderschön restaurierte Dampfloks, 2. Und 3.Klass-Wagen, altes Bahnhofgebäude und alles mit Liebe zum Detail, alles aus den Jahren 1898 -1923 (nur wenige unserer Freunde haben dies noch in Wirklichkeit gesehen).
Nur noch 60 km trennen uns von Stockholm und wir fahren direkt bis ins Zentrum rein, d.h. wir machen einige Runden, denn wir verpassen eine Ausfahrt, dann ist das Tunnel zu niedrig, et. Aber wir landen dann im Hafen, wo wir uns gleich nach der Fähre nach Helsinik erkundigen. Uf, man sagt uns, dass diese bis August ausgebucht ist – aber heute Abend gäbe es noch einen Platz, ansonsten kann man bei jeder Abfahrt in die Warteschlange und hoffen. Wir wollen jedoch zuerst Stockholm sehen und entscheiden uns dann, dass wir in Schweden bleiben und erst weiter im Norden Finnland bereisen werden. Nach einer wie immer heissen Stadtrundfahrt (im Benzinpreis inbegriffen), müssen wir feststellen, dass in Stockholm ‚wild camping‘ nicht möglich ist fahren 10 km ausserhalb zum Campingplatz (700 zur U-Bahn und dann 19 Min. zum Zentralbahnhof).
26. Juni - Stockholm
Kaspar begleitet Bigi zum ihrem Morgenbad im kalten Wasser. Fahrt mit der U-Bahn ins Zentrum (Billete für Pensionäre – auch Bigi arbeitet ja nicht mehr). Zu Fuss durch die engen Gassen der Altstadt zum Nobel-Museum, wo viele schwarze Stretchlimousinen stehen. Der Saudi-arabische Prinz soll sich mit Gefolge im Museum aufhalten. Beeindruckende Menschen (Kaspar: wenn man denkt, dass die vor 50 Jahren noch in den Sand geschi………). Mit Blaulicht und Polizeieskorte fährt der Tross los (später sehen wir die Limousinen vor dem Grandhotel, wo die Herrschaften speisen). Altstadtbummel – Bigi ist erstaunlich zurückhaltend, mit all den Boutiquen. Beim Schloss schauen wir uns die Wachablösung mit ‚Royal Brass Band‘ an. Ein stündiges Spektakel und Exerzieren: für Zürcher wie das Sechseläuten, für Solothurner wie die Marching-Parade oder tägliche Fitness. Weiter geht’s nach Skansen - Schwedisches Freilichtmuseum – viel grösser als Ballenberg und mit Zoo. Wir wollen ja wenigstens einmal einen Elch sehen (gewaltiges Geweih). Auf dem Rückweg nehmen wir die Strassenbahn aus 1946 sowie die U-Bahn. Hundemüde zurück auf dem Camping gibt’s Thai-Food: uns wird die Deutsche Speisekarte gegeben und wir bestellen. Kaspar entscheidet sich für gebratene Nudeln. Auf unserer Speisekarte waren die 2 Pfefferschoten nicht drauf. Uf, very spicy! Kaspar hat überlebt mit rotem Kopf und Schniefen.
27. Juni - wonderful !
Heute läutet der Wecker schon um halb sieben (Bigi ist aber schon früher auf, da sie unbedingt noch zwei Fotos ausdrucken muss für Geburtstagspost). Wir wollen um 08.30 die Good Morning Bootstour durch Stockholm nehmen. Super, verschlafene Stadt, keine Hektik, 14-stöckiges Kreuzfahrtschiff im Hafen, Sonnenschein und auf einer kleinen Insel gibt’s einen Spaziergang und Kaffee. Um 11.00 Uhr zurück am Kay, Zeit tot schlagen und Kaspar bekommt heute Mittagessen (muss seine Spareribbs mit Chips wie immer mit Bigi teilen), Altstadtbummel. Seit gestern wissen wir, dass bei allen Kaffeehäusern Glacecornet gebacken werden und der Bruch steht neben der Tür (mhhh, schmeckt lecker und ist total frisch). Zur Schlosskirche, wo heute um 13.00 Uhr ein Orgelkonzert ist (Bach und Puccini). Dies entpuppt sich als geniales Gratis-Konzert, denn eine Opernsängerin singt noch Puccini – hat sich gelohnt, dass wir am Vortag das Plakat gelesen haben. Ein MUSS: das Vasa-Museum (mit Film und Führung) – das Kriegsschiff sank 1628 nach 15-minütiger Jungfernfahrt im Hafen von Stockholm, wurde 1957 wieder entdeckt und 1961 gehoben. Das Kriegsschiff ist 90% Originalzustand und 25 Jahren lang restauriert worden. Sehr imposant und lehrreich, da das Leben von damals rekonstruiert werden konnte.
Model der Vasa
28. Juni - Schärenküste und Jazz
Morgens nehmen wir uns Zeit den Camper bereit zu stellen, Emails zu beantworten und die Homepage aufzuladen. Bigi lotst Kaspar aus Stockholm heraus (gut hat sie in der Jungschi Kartenlesen gelernt und meistert dies bravourös). Stockholm in Zahlen: 1,5 Mio. Einwohner, 1/3 der Gesamtfläche ist Wasser – und hier wollten Gloors irgendwo auf einem Parkplatz im Zentrum logieren, wenn möglich mit Meersicht! (bisher sind wir bei grossen Städten immer ausserhalb auf einen Camping gefahren und von dort aus mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Zentrum). Na ja, mit der Zeit sind wir eben einfach mutiger geworden (ist ja der einzige Stress, den wir haben). Wir fahren der schwedischen Schärenküste entlang. Wir kaufen am Strassenrand Jordgubbar – die schmecken ja mal wieder nach Erdbeeren, und sind es auch. Campieren in Furusund. Hier sind Old-Jazz-Tage und in einigen Restaurants sowie auf dem Hauptplatz spielen diverse Jazz-Bands. Zuerst ist wunderschönes Wetter, aber die Wolken ziehen schnell auf und es regnet stark. Wir gehen zum Camper zurück, denn am anderen Ufer gibt’s auch ein Jazzkonzert und wir können die Musik mit offenem Fenster hören.
29. Juni - Uppsala
Die Nacht war nicht gerade geruhsam. Direkt neben unserem Camper haben Roudies auf dem Parkplatz Rennen veranstaltet und ihre Runden gedreht. Morgenwanderung entlang der Küste und im Naturreservat bei Sonnenschein und anschliessend Kaffee in einer schnuggigen Konditorei in der schönen Altstadt. Weiterfahrt nach Grisslehamm (schöner kleiner Hafen) - es regnet teilweise sehr stark (richtiger Stubensonntag) – und Uppsala. Hier besichtigen wir die grösste Kirche von Nordeuropa: 118,7 m lang + 118,7 m hoch. Die Pläne für diese Kirche wurden von einem Engländer in Fuss gezeichnet – und der Baumeister führte die Arbeit in Meter aus. Kein Wunder dauerte der schöne, eindrückliche Kirchenbau 200 Jahre. Hier wurden diverse schwedische Könige gekrönt, da Uppsala früher die Hauptstadt Schwedens war. Wir campieren auf dem Sportparkplatz in Sichtweites einer Minigolfanlage. Wir werden ein Spiel wagen, obwohl Kaspar vermutlich verlieren wird – und es ist so: 79:73 für Bigi.
30. Juni - eine Elchkuh quer über die Strasse
Schon die letzten Male, als Kaspar den Tisch und die Stühle nachts unter dem Fahrzeug deponiert hat, regnete es am morgen – und auch dies mal wieder. Vermutlich definitiv das letzte Mal, dass Kaspar abends nicht alles versorgt! Wir verkriechen uns bis 08.30 Uhr unter der warmen Bettdecke, denn es giesst aus Kübeln und ist draussen kühl (laut SMS soll es in der Schweiz sehr heiss sein). Wir frühstücken ausgiebig bis der Regen etwas nachlässt, denn Kaspar bleibt nichts anderes übrig als alles zu reinigen und verpacken. Von Uppsala sind wir ein wenig enttäuscht und fahren gleich weiter via Sala nach Falun. Bigi entdeckt beim herumschauen immer wieder einiges. In Sala gibt’s ein Silberbergwerk, das wir besichtigen: pro Jahr wurden hier 3 Tonnen Silber gewonnen, insgesamt ca. 400 Tonnen bis anfangs 20igstes Jahrhundert das Bergwerk stillgelegt wurde. Die tiefsten Schächte sind 450 m tief. Mit dem Lift können wir in den 155 m Schacht herunterfahren (dies ist auch die Höhe des Grundwasserspiegels) und wandern durch die Gänge mit vielen interessanten Erklärungen des Führers. Weiterfahrt nach Falun. Hier wurde bis 1922 Kupfer abgebaut (450 tiefe Stollen). Im Jahre 1628 ist ein Teil der Grube in der Nacht eingestürzt. So ist ein riesiger Krater von ca. 600 x 600 m x 70 m tief entstanden. Es bleibt uns lediglich die Wanderung rund um die Grube, da wir wieder einmal zu spät sind und das Museum schon geschlossen ist. Falun ist zudem bekannt für Skispringen – kleine und grosse Schanze (4-Schanzen-Tournee?). Auf der Weiterfahrt überquert eine Elchkuh die Strasse. Kaspar ist völlig sprachlos und überrascht, Bigi töggelt ein Geburtstags-SMS an ihren Vater und somit sind wir viel zu langsam um eine Foto zu schiessen. Die Erinnerung bleibt jedoch als Sensation! Liebe Skandinavien-Reisende: wer von Euch hat denn schon einen Elch in der freien Natur gesehen?! Wir übernachten an einem der vielen Seen in Rattevik. Kaspars Tagebuch-Eintrag: ‚Bigi übertrifft sich im Kochen! Rahmschnitzel, Nüdeli mit Erbsli und Rüebli‘.





























