September 2008

1. September - West Coast Railway Jacobite

Schönes Wetter! Zum Glück nur eine Stunde; d.h. Kaspar hat schon Angst gehabt, er müsse wandern! Bei McDonald laden wir die Homepage auf, kleine Einkäufe bei Morris, Picknick bereitstellen. Wir werden mit dem Dampfzug von Fort William nach Mallaig und zurück fahren. Hier hat es ein Viadukt, welcher auch im Harry Potter Film vorkommt. Diese Dampfbahn ist wirklich gut, über viel Kurven … durch Tunnel … über Schluchten … durch Moortäler … an Seen und Fjorden entlang zum Fischerhafen Mallaig. Bummel durch das Dorf, aber es ist unangenehm und es regnet leicht. (Übrigens, kaum waren wir im Zug hat starker Regen eingesetzt und man konnte beinahe nichts sehen durch die angelaufenen Fensterscheiben.) Wir genehmigen uns einen Whisky in einem echt schottischen Pub. Auf der Rückfahrt steht Kaspar im Gang am offenen Fenster, schiesst einige gute Fotos und seine Haare sind voller Russ. Es war ein schöner Ausflug und eine gute Abwechslung. In Fort William kaufen wir wasserdichte Schuhe für Bigi und sitzen eine ganze Stunde auf einer Sonnenterrasse an der Sonne und trinken Cider und Cola. Über Nacht bleiben wir auf dem LKW-Parkplatz beim Bahnhof hinter dem Einkaufszentrum, obwohl letzte Nacht ja schon sehr früh die ersten LKWs losfuhren und uns aufgeweckt haben. Zum Znacht gibt’s Salat mit Jumbo Shrimps. Für uns ist klar, dass dies lokales Seafood ist. Bigi schaut aber sicherheitshalber auf der leeren Schale nach. Oh Schreck: verpackt in England, Herkunft Indonesien, Ecuador, Honduras und Thailand. Kaspars Kommentar: ‚das ist das Produkt der Globalisierung.‘

Viadukt wie am Albula/CH

2. September - Hurra, Wetter hat gewechslt !

Es regnet nicht, es hat nur wenige Wolken und die Sonne scheint fast den ganzen Tag!!! Unsere Stimmung hebt sich. Sehen uns in Fort William noch die Neptuns Treppe an, ein Schleusenwerk aus 7 Schleusen. Fahren auf der 82 auf einen Pass ‚Glen Coe‘, wilde Gegend mit Skigebiet. Ein Sessellift, der im Schneckentempo (Motor mit Diesel betrieben, es stinkt) auf Zweiersessel bei 15 Grad in 15 Minuten zum Gipfel befördert – und dies für 8 Pfund pro Person – wir verzichten. Nach dem Lunch machen wir eine 55minütige Wanderung in ein Seitental (Bigi ist zufrieden) und wir sind grad mal vor einem kurzen Regenschauer zurück. Den Glen Cloe wieder zurück (Glen Cloe: hier wurde ca. 1646 von zwei Schottischen Clans ein Massaker verübt; 400 unbewaffnete Schotten wurden durch in englische Uniformen gesteckte Schotten dahin gemetzelt). Dann die 828 dem Loch Linnhe entlang zum im Wasser stehenden Castle Stalken und weiter nach Oban. Die Stadt ist sehr schön gelegen und es waren viele Leute unterwegs. Wir essen am Hafen Muscheln ‚Scallops‘ mit Garlic Butter. Campiert wird etwas ausserhalb auf dem Parkplatz am Strand und Bigi freut sich auf das Morgenbad.

3. September - schottische Hochlandrinder

Auf der Fahrt nach Glasgow sehen wir schottische Hochlandrinder. Wir kommen mit dem Bauer ‚Mike‘ ins Gespräch, welcher mit einem 850 kg schweren Bullen daherkommt. Er ist sehr stolz auf seine Rindviecher, da schon manchen Preis gewonnen. Er verkauft seine Hochlandrinder für gutes Geld (Pfund 2‘000.-) ins Ausland. Auch müssen wir uns im Gästebuch verewigen. Auf seinem Land gibt’s zudem 2000 Fasanen. Wenn er einen davon schiess erhält er dafür 32 Pfund. In Glasgow angekommen, inspizieren wir den Airport, damit wir für morgen früh wissen, wie alles läuft. Prompt kassieren wir eine Busse (30 Pfund), denn die einzige Möglichkeit zum parkieren (sonst überall zu wenig hoch) ist bei Ankunft/Abflug. Na was soll’s, wieder etwas zum ins Tagebuch kleben. Auf der Autobahn im Feierabendverkehr quer durch die Stadt. 5 km ausserhalb vom Zentrum steuern wir mit einige Kehrtwendungen den einzigen Campingplatz in Glasgow an. Ganz passabel.

4. - 7. September - Glasgow und EBM/Berlin

Bigi fliegt zur Exekutivsitzung der EBM nach Berlin - eine ganz andere Welt.
Kaspar macht Glasgow unsicher und bringt den Camper auf Vordermann.
Am Sonntagnachmittag holt Kaspar Bigi am Flughafen ab und wir sind froh, dass alles so gut geklappt hat. Das Reisen zu Zweit macht mehr Spass als alleine. Wir fahren südwärts und übernachten bei einer Raststätte kurz vor Carlife.

8. September - Autobahn nach Süden

Die Nacht war laut, aber Bigi war sehr müde und hat gut geschlafen. Heute ist eine grössere Fahrstrecke bis nach Nord-Wales angesagt. Über die Autobahn vorbei an Manchester und Liverpool bis auf die Höhe von Chester. Dem Meer entlang zum Städtchen Conwy, welches eine intakte Stadtmauer und ein Castle mit 8 Rundtürmen besitzt. Unser Fahrzeug müssen wir auf einem Shoppingcenter-Parkplatz 2 km ausserhalb stehen lassen, denn die Tunnels sind zu wenig hoch und zu schmal! Bummel durch die Gassen und auf der Stadtmauer.

Ein kurzes Stück zurück zum Seebad Llandudno, mit schöner Seebrücke aus dem Jahr 1858 und breiter Uferpromenade gesäumt mit Hotels und B+B. Wir stehen auf dem Campingplatz am Meer, aber dies erst nach kleiner Diskussion. Zuerst müssen wir unserer Britische oder Internationale Campingkarte vorweisen (zum Glück hat Kaspar die von Schweden ins Tagebuch eingeklebt). Beim Bezahlen sagt die Platzwartin, dass sie ausnahmsweise Schottische Pfund akzeptiert (weiss das jemand, dass es in GB Schottische und Englische Pfund gibt!). Zudem müssen wir links vom kleinen weissen Pfosten parkieren, englische Regeln! Wieder einmal Glück gehabt. Wir machen noch einen Marsch der Promenade entlang.

9. September - Castles und mehr

Eigentlich wollten wir einen Tag hier verweilen und eine kleine Wanderung unternehmen, aber es regnet! Früh morgens suchen wir die öffentliche Toilette am Strand auf, aber oh weh, diese sind erst um 08.30 Uhr geöffnet nach der Reinigung. Unfreiwilliges Morgen-Walking zum nächsten Hotel, wo wir ‚wie als Gäste‘ die Toilette aufsuchen. Kleiner Stadtbummel durch das viktorianische Seebad und Weiterfahrt dem Meer entlang zum Castle Beaumaris, dann nach Caernarfon zum nächsten Castle, welches wir ausgiebig besichtigen. Hier bekam Prinz Charles im Jahre 1969 als 18-jähriger den offiziellen Titel ‚Prince of Wales‘. Regen setzt ein und wir steuern in das nächste Pub. In den Gassen springt uns das ‚black boy Inn‘ ins Aug: no Fast Food, all homemade! Wir beschliessen abends hier zu essen. Kleines, alt ehrwürdiges Restaurant (gebaut 1620) mit guter Atmosphäre.

10. September - Mount Snowdon, die Rigi von Wales

10. September – Mount Snowdon, die Rigi von Wales
Kaspar sagt immer wieder: ‚das schöne Wetter wird in der Nacht abgehalten‘. Aber siehe da, am Morgen ist strahlend blau – aber nur bis ca. 10.00 Uhr! Fahren nach Llanberis, wo die Snowdon Railway auf den Snowdon Summit fährt. Höchster Berg (1085 m) in Wales und England – oder die Rigi von England. Der Dampfzug ist aus dem Jahre 1896 (Schweizer Lokomotivfabrik Winterthur) und die Zahnradtechnik des Schweizer Erfinders Abt. Wegen Bauarbeiten fährt die Bahn nur bis 900 m zur Clogwyn Station. Wir beschliessen gleich abzusteigen, denn der Aufstieg zum Gipfel im dichten Neben und bei stürmischem Wind ist sinnlos (oben gibt’s auch keine Schutzhütte oder Restaurant). Kaspar haut es nach 10 m auf der sumpfigen Wiese auf den Ranzen. Ausser einer dreckigen Jeans hat es nichts gemacht. Unterwegs gibt’s einen heissen Tee in einer Berghütte, denn an Picknick ist bei diesem Wind nicht zu denken. Am Nachmittag wurde der Bahnbetrieb infolge stürmischem Wind eingestellt. Weiterfahrt durch wilde Berge und Täler über schmalste kurvige Strassen. Für den Fahrer ist es sehr anstrengend. Der Beifahrer braucht viel Mut und Nerven, denn beim Kreuzen wird’s eng und er sitzt ja in der Strassenmitte. Ans Meer nach Aberystwyth, einem Badeort für reiche Engländer. Stehen wieder einmal zuvorderst am Meer in Sichtweite einer Castle Ruine.

11. September - kulinarisches Highlight in Wales

Heute sind wir 5 Monate unterwegs. Bis auf Kleinigkeiten (Wetter) gefällt es uns immer noch. Morgens Walking an der Strandpromenade (Bigi sagt, Kaspar ist wie eine lahme Ente gewalked) und Stadtbummel. Kaspar kauft in einem Spielwarengeschäft einen grasgrünen Camper Moris Minor – sein vierter Camper für die Sammlung zu Hause. Im Eiltempo marschieren wir durch die halbe Stadt, da Kaspar ein Foto von der Schmalspurdampfbahn schiessen will (sein neustes Hobby). Für Eisenbahnfreunde ist Nordwales ein Eldorado!
Beim Einkaufen im Supermarkt ist Kaspar wieder einmal entsetzt: ‚Lueg, was die andere Lüt ichaufet. Nur Junkfood, kei Frischprodukt. Keis Wunder sind die so dick!‘ Weiterfahrt nach Capel Dewi, da wir vor dem national botanischen Garten von Wales in Llanarthne nicht Campieren können. Hier stehen wir am Waldrand, etwas schräg zwar, aber in Sichtweite des Restaurant ‚Y Polin‘. Wir beschliessen zur Feier unseres 5-monatigen Reisejubiläums Essen zu gehen. Als wir das anmächliche Restaurant betreten stellen wir fest, dass dies ein englischer Gourmettempel der Region ist mit einem Meisterkoch. Wer hätte dies in Wales erwartet?! Abends gibt’s nur zwei- oder dreigang Menu. Wir bestellen Shrimps oder smoked Salmon zur Vorspeise, als Hauptgang Lamm mit Kartoffeln und Gemüse. Es hat sich gelohnt! Kostenpunkt ca. CHF 145.- inkl. Wein und einem Whisky für Kaspar.

5monatiges Jubiläum im 'Y Polyn'

12. September - Botanical Garden of Wales

Die Sonne weckt uns. Wir machen Walking durch schmale Strassen und kleine Dörfer. Jetzt Besuch des National Botanical Garden of Wales. Wir bummeln durch Gewächs-
häuser, schön angelegte Gärten, sehen einen interessanten Film, kurven mit einem Bähnchen durch den Park

und besuchen als Hauptattraktion die Glashalle von Architekt Norman Foster: 110 m lang, 60 breit, 35 m hoch und hat eine Fläche von 3500 m3 mit sechs verschiedenen Gärten auf verschiedenen Ebenen aus vers. Kontinenten. Grossartig! Weiterfahrt über Autobahn und viel Verkehr bis nach Penarth, kurz vor Cardiff. Hier soll es schöne Klippen zum wandern geben. Stehen an einem schönen See, und was macht das Wetter: es schifft!

13. September - die Sonne scheint!

Oh Wunder, die Sonne scheint schon am Morgen früh! Morgenspaziergang über den Klippen von Penarth und ans Pier. Wir sitzen wie ein altes Ehepaar auf der Bank, schauen aufs Meer hinaus, geniessen die Sonne und holen ein typisch englisches Take away Frühstück: zwei Würstli im Weissbrötchen mit Senf, Ketchup und dazu Schwarztee. Schmeckt wie in Wasser aufgeweichter Karton, sättigt überhaupt nicht und hat trotzdem viele Kalorien. Weiterfahrt nach Cardiff. Hier gibt’s ein Castle (grösser als Windsor) und auch das Millennium Rugby-Stadion (70‘000 Plätze und das Dach kann innert 5 Minuten geschlossen werden – tolle Erfindung, denn hier ist die Wahrscheinlichkeit von Regen durchaus gegeben). Stadtbummel durch die Einkaufsstrasse. Es hat auch wunderschöne alte Arkaden aus dem 19. Jh. mit vielen kleinen poppigen Geschäften. Weiterfahrt über die Brücke nach England in die Bäderstadt Bath. Hier kurven wir wieder einmal direkt ins pulsierende Zentrum und finden mit Umwegen den Busparkplatz. Kurzer Stadtbummel und abends ein Orgelkonzert in der Abbey. Den Schlummertrunk (keine Whiskykultur hier in England!) genehmigen wir in einem lebhaften Pub und lästern über die dicken, vollbusigen Frauen. Kaspar isst ab heute keine Salznüssli mehr, nur noch Nüsse pur. Dies ist sein neuester Gesundheitstick (Das Beste Reader’s Digest lässt grüssen!).

14. September - Römische Bäderstadt Bath

Zuerst im McDonald Homepage aufladen. Auf dem Parkplatz haben wir nettes Gespräch mit Englischem und Deutschem Carchauffeur. Diese geben uns einige Tips, was einen Besuch lohnt. Stadtbummel durch Bath mit Besichtigung der alten römischen Bäder. Sehr imposant, wenn man bedenkt, das erst ca. ¼ ausgegraben ist. Auch trinken wir das obligate Glas Heilwasser (wääh!). Besuchen den Circus – rund gebaute Häuserblocks, ca. 5- stöckig, davon zwei Etagen unter dem Strassenniveau, gebaut im Jahre 1750. Zurück zum Camper und weiter über anstrengende Strassen, d.h. Hecken und Strassen links und rechts nach Minehead an die Küste.
Essen im Hotel ‚the Beach‘ zusammen eine Portion Sonntagsbraten. Hier in England, vor allem an den Küstenorten hat es viele Spielsalons und Bigi hat es die Glücksmaschine ‚Pennyfalls‘ angetan. Sie wirft 4 Pfund in 2-Pennymünzen ein und erhält am Schluss 5 Schleckstengen und ein kleiner Plastik-Seehund. Bigi ist eine richtige Spielernatur – Kaspar hingegen lässt dies alles kalt (leider).

15. September - Lynmouth und Port Isaac

Fahren die 39 weiter nach Lynmouth. Strassen bis 25 Steigung und Gefälle und dazu schmal. Unser MAN ist breiter als die halbe Strasse. Zum Glück sitzen wir so weit oben und können über die Hecken sehen, ob ein Fahrzeug in der Gegenrichtung kommt. Auch wachsen einem die Brombeeren beinahe ins Maul. Kaspar ist sich mit den Englischen Strassenbauern sowieso nicht einig. ‚Die händ en Knacker ab, absolut!‘ sagt er immer wieder. Die teeren Feldwege und nennen dies Strassen, Hecken werden nicht richtig zurückgeschnitten, durch Dörfer ist es manchmal dann nur einspurig mit Gegenverkehr, parkiert wird dazu auch noch auf der Strasse, auf der Autobahn gibt’s Kreisel, manchmal sogar mit Rotlicht, unmöglich kurze Einfahrten in die Autobahn und vieles mehr. Lynmouth ist ein kleines touristische kleines Dörfchen mit vielen Läden. Hier gibt’s alle Arten von Fudge/Caramels zu kaufen. Eine Standseilbahn von 1888 bringt uns auf die Klippen. Die Bahn läuft mit Wasser. Unten wird das Wasser aus dem Reservoir abgelassen und oben neu gefüllt. Clevere Idee die ohne Strom, nur mit Wasser funktioniert. Nach etwas suchen und marschieren finden wir das Valley of Rock. Aufgeschichtete Steinberge wo zuoberst Geissen schlafen und grasen. Wir wandern den Klippen entlang zum Camper.

Suchen den alten Fischerhafen Port Isaac, welchen wir auch finden, dafür aber keinen Parkplatz für uns. Natürlich verfransen wir uns und müssen wenden. Im Dorf oben endlich in einer Seitenstrasse ein Parkplatz. Marschieren zum noch in Betrieb befindlichen kleinen Fischerhafen. Die Fischer bringen Körbe voller grosser Krebse (ca. 20 cm Durchmesser) an Land. Wir geniessen am Take Away 150 gr Krebsfleisch aus einem Krebspanzer.

16. September - St. Jves und Land's End

In St. Jves parkieren wir bei den Bussen und bezahlen auch, aber anscheinend zu wenig. Wir erhalten eine ‚Warning‘! Ein touristisches Fischerstädtchen mit vielen kleinen Läden, Restaurants und Touristen. Heute essen wir mal Fish und Chips, nicht schlecht, aber jeden Tag? Real Englisch – Minigolf ist tatsächlich Golf en miniature auf dem Rasen gespielt. Weiterfahrt nach Land’s Ende, dem südwestlichsten Punkt von England. Wie überall an solchen Punkten herrscht viel Betrieb mit Hotel und Vergnügungsparks für Kinder. Ein Helikopter der Royal Air Force – Seerettung fliegt vorbei und bietet eine Gratis-Show mit Abseilen eines Retters auf die Klippen. Kurze Wanderung über die Klippen.

17. September - St. Michel's Mount / Eden Project

In der Nähe von Penzace liegt die Insel und das Castle St. Michel’s Mount. Das Gegenstück zu Frankreichs St. Michel. Da das Meer noch nicht ganz zurück geflossen ist (Ebbe), lassen uns mit einem kleinen Boot auf die Insel bringen. Trinken Kaffee und marschieren nachher trockenen Fusses zurück zum Festland.

Weiter zum Garten Eden bei St. Austell. In einer grossen stillgelegten Kaolingrube (das weisse Gold, Grundstoff zur Herstellung von Porzellan) wurde ein riesiger überdeckter Garten gebaut und bepflanzt. Eine dreiteilige Halle (350 m lang, 110 m breit und über 50 m hoch) mit subtropischem Regenwald. Es wächst alles wie Banane, Mango, Papaya, Kokosnuss, diverse tropische Blumen und Pflanzen. Die zweite Halle ist für europäische mediterrane Pflanzen und Blumen. Im Freien wachsen Heilkräuter, div. Gemüse, Getreide und Blumen. Die ganze Anlage ist wunderschöne und sehenswert (www.project.com). Da wir in Torquay, einer schönen Bäderstadt, an der englischen Riviera wieder einmal keinen geeigneten Übernachtungsplatz für uns gefunden haben, müssen wir auch in der anbrechenden Nacht bis Newport fahren, wo wir bei der Pferderennbahn auf dem LKW-Parkplatz übernachten. Vermeintlich ruhig – dann aber bis früh morgens laute Musik. Am Morgen sehen wir, dass wir neben dem Büro ‚Nachtfracht‘ geschlafen haben. Wir fühlen uns schon bald wie Lastwagenchauffeure.

18. September - einer der schönsten Tage seit 4 Wo

Auf der A30 direkt nach Shaftesbury. Eine Hügelstadt, wo wir die steilste Strasse ‚Gold Hill‘ von England anschauen. Auf dem Weg dorthin werden wir Zeuge eines Verkehrsunfalls. Der vor uns fahrende LKW streift einen Peugeot einer älteren Dame, welcher nach einem Dreher (vor uns) in die Hecke verschwindet. Gott sei Dank, die Lady ist unverletzt, der Peugeot jedoch vermutlich Totalschaden. Wir warten bis Polizei und Ambulanz eintreffen. Nach einer kurzen Zeugenaussage fahren wir weiter.

Dann nach Stonehenge, den prähistorischen Steinhaufen. Die Bedeutung ist nicht klar, aber sicher ist es ein Monats- und Sonnenwendekalender. In Salisbury besichtigen wir eine der drei grössten Kathedralen von England. Im Nebengebäude ist die Magna Carta (Gesetzeswerk aus 1215) ausgestellt. Es handelt sich hier um das Beste von 4 noch vorhandenen Originalen.

19. September - Porthmouth

Fahren früh nach Porthmouth und sind rechtzeitig zur Öffnung des Ticketschalters dort. Wie immer haben wir Glück und können die Überfahrt nach Le Havre für den gleichen Tag 23.00 Uhr buchen. Marschieren zwei Kilometer zum alten Hafen und erhalten wieder einmal eine Geschichtslektion: hier im Trockendock ist das Schlachtschiff Viktoria von Admiral Nelson ausgestellt. Admiral Nelson wurde durch eine Kugel tödlich verletzt und verstarb am Ende der Schlacht. Da Nelson nicht auf See bestattet werden wollte und die Heimreise mit der arg lädierten Viktoria zwei Monate dauerte, wurde die Leiche kurzerhand in ein Fass mi Bourbonschnaps gelegt und so konserviert (nun wissen wir woher der Ausdruck ‚Schnapsleiche‘ stammt). Bummel durch die Läden am Pier und Abendessen in der schön wärmenden Sonne auf einer Terrasse am Wasser.

Kleine Anekdoten:

Heute beim Shopping fuhr Kaspar mit dem Einkaufswagen nach draussen und wollte über das Verkaufsareal hinaus zum Camper. Da blockierten genau auf der Grenze die Räder des Einkaufswägeli! Kommentar von Kaspar: ‚es hät mich fascht uf de Ranze ghaue¨!‘ – eine spezielle Rampe löste die Blockierung aus. Cleverer Einfall! (Bigi hatte das Hinweisschild gelesen, aber es war schon zu spät).

Es muss mal gesagt, dass Bigi ein guter Copilot ist mit der Landkarte in der Hand und den Spärberaugen – dies nützt jedoch nicht immer. Sagt Bigi rechts, so stellt Kaspar prompt den Blinker links!

Kaspar’s Spruch des Tages, nachdem kein Diesel fliesst: ‚ich bin eifach nüme gebore für diese Computerwelt!‘

Bye-bye England / Spinakertower in Portmouth

20. September - wieder auf dem Kontinent

Frühmorgens Landung in Le Havre. Verlassen das Fährschiff fast als Letzte. Dies ist meistens so, da wir als Füllmaterial verwendet werden. Ist eine Ladespur nicht voll mit Sattelschleppern gefüllt und es bleibt ein Rest von ein paar Metern, so ist dies unser Platz (wir sind ja lediglich 9 m lang). Kaspar ist völlig kaoh von der Überfahrt in der Holzklasse Plus (Club-Sessel). Fahren nördlich Richtung Diepp und stoppen bei Etretat, um die Kalksteinklippen zu bewundern. Links und rechts des Dorfes erklimmen wir die Klippen. Es ist ein wunderschöner Tag, gemacht zum wandern, fotografieren und im Gras schlafen. Nach ‚Moule à la Normandie‘ in einem Restaurant am Strand fahren wir nach Fecamp. Hier stehen wir in Sichtweite des alten Fischerhafens und geniessen wieder einmal unsere Campingstühle in der Abendsonne. Haben ein nette Gespräch mit einem französischen Ehepaar (gleiches Alter wie wir), welches auf die Verschiffung nach Südamerika wartet. Wer weiss, vielleicht trifft man sich irgendwo wieder einmal.
Erste Begegnung mit der Französischen Post: wir schauen einem Pöstler zu, welcher an einen Briefkasten fährt um nachzuschauen, wann die Leerung desselben ist. Da anscheinend am Samstag keine Abholung der Post notiert ist, fährt er einfach weiter. Wir wundern uns, denn mit sehr wenig zusätzlichem Aufwand und in der gleichen Zeit hätte er auch den Briefkasten leeren können.
Die Französische Sprache macht uns etwas Mühe, denn wir sind uns an die Umgangssprache Englisch gewohnt.

21. September - Kreideklippenküste bei Fecamp

Heute ist europäischer Kulturtag und alles Museen können gratis besucht werden. Bummel in eine nahegelegene Bar, trinken Kaffee, geniessen Croissant und vor allem suchen wir die Toilette auf. Besichtigen das Palais Bénédictine, ein schönes grosses Anwesen aus dem 19. Jh. in welchem der weltbekannte Liqueur Bénédictine gebraut wird. Natürlich gibt’s eine Degustation, aber das Zeug schmeckt uns nicht! Dann an die Promenade und zurück zum Camper. Wir möchten ein wenig wandern und steigen auf die Klippen. Der Wanderweg führt jedoch durch das Landesinnere und der Wind bläst saumässig. Nach kurzer Zeit beschliessen wir zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Picknicken mit schöner Sicht über die Stadt, Klippen und Meer. Kurzer Besuch einer deutschen Bunkeranlage aus dem Jahre 1941-44. Hier in Fecamp war eine der grössten Befestigungen des Atlankikwalles (15‘000 Bunker), auch Chinesische Mauer genannt von Norwegen bis spanische Pyrenäen. Die Deutschen dachten, dass auf diesem Stück Küste die Landung der Alliierten stattfinden würde. Fecamp wurde zu einer regelrechten Festung mit Lazarett. Der ganze Hafen wurde gesprengt. Anschliessend besuchen wir ein Orgelkonzert in der Kirche. Gespielt wurden neuere französische Komponisten, was uns nicht so gut gefiel (die Zugabe war dann das Ave Maria).

22. September - Normandie

Fahren über eine riesige Brücke (Spannweite 890 m) - Pont de Normandie – nach Honfleur, eine kleine bezaubernde Stadt mit alten Häusern aus dem 17. Jh. und altem Fischerhafen. Hier erleben wir den Unterschied zu England: bei schönem Wetter bummeln wir dem Hafen entlang mit vielen schönen Beizli und Läden.

Kaufen ein Baguette und picknicken auf der Kaimauer. Hier könnt ihr sehen, wie komische Leute wir inzwischen geworden sind. Geniessen einfach so die Sonne, das Städtchen, das Leben.

Omaha Beach - Landung der Alliierten 6 .Juni 1944

Hier landeten am 6. Juni 1944 die Alliierten. Alles sieht heute friedlich aus. Man könnte nicht meinen, dass am 6.6.44 hier über 1600 Tote zu beklagen waren. Nun stehen wir hier und übernachten. Welch ein Unterschied zu 64 Jahre früher. Bis 1950 wurde hier aufgeräumt. Mehr als 150‘000 Tonnen Eisen mussten weggeschafft werden.

23. September - Granville

Nach Morgenwalking Besuch des Museums zur Erinnerung an die Landung der Alliierten im 1944. Wir können uns fast nicht vorstellen, wie grausam dies war. Zum Glück, aber man sollte nicht vergessen! Weiter und erwischen wieder einmal die falsche Strasse und kommen über Umwege trotzdem nach Granville. In dieser Stadt wurde Christan Dior geboren und es gibt bereits ein Museum. Bummeln durch die Stadt und finden Schweizer Meringue und einen Waschsalon, d.h. morgen wird gewaschen. In der Bretagne gibt es viele spezielle Stellplätze mit Entsorgungsstelle für Wohnmobile. Hier stehen wir für 5 Euro die Nacht, etwas abseits 8 Minuten zu Fuss zum Stadtzentrum. Kaspar’s Tagebuchnotiz: ‚uf, heute musste ich viel abwaschen!‘

24. September - Alltag .......

Es ist schlechtes Wetter. Wir füllen die orange Rolltasche mit Schmutzwäsche zusammen mit dem Computer und ziehen los. Füllen zwei Maschinen à 7 kg für je 5 Euro und begeben uns ins Internetkaffee gleich nebenan. Oh Wunder, hier funktioniert das Aufladen der Homepage und wir brauchen keine Fernwartung aus der Schweiz. Nach dem Tumblern zurück zum Camper, alles verstauen, Wasser nachfüllen und Toilette und Abwassertank leeren. Dann weiter nach Abbey Le Mont Saint-Michel, dem weltberühmten Klosterberg, Burg, Städtchen. Das steile Strässchen zur Abbey ist mit vielen Restaurants und Souvenirläden gesäumt. Wir fragen uns, wie das gehen soll im Hochsommer, wenn jetzt schon so viele Touristen hier sind. Kaum zu glauben, wie schön der Abend wurde!

Aussicht vom Bett

25. September - Le Mont Saint-Michel

Walken rund um den Mont St. Michel. Um 11.00 Uhr ist eine Gratis-Führung in Englisch durch die Abbey. Wir schliessen uns dieser an. Super, nicht zu viel Geschichte, dafür viele Spässe des Tourguides. Wir lachen viel und es gibt interessante Einblicke in die Architektur. Das Kloster steht auf einer Bergspitze, die Fundamente mussten bis drei Stockwerke an den Berg gebaut werden, um die Kirche mit einer Länge von 85 m zu konstruieren. Nachher sitzen wir vor dem Camper und geniessen die Sonne sowie den Anblick des St. Michel. Gegen Abend fahren wir nach Rennes um Brigitte abzuholen, die mit dem TGV aus der Schweiz kommt. Da keine Übernachtungsmöglichkeit, fahren wir bis kurz vor Dinan.

26. September - St. Malo

Dinan, ein kleines hübsches Städtchen mit uralten Häusern, schmucken Läden und schöner steiler Hafenstrasse, besteigen den Uhrenturm und haben einen schönen Blick über Dinan und Umgebung. Weiter nach St. Malo, einer Hafenstadt, die im 2. Weltkrieg zu 80% zerstört wurde. Originalgetreu wieder aufgebaut und heute eine schöne Touristenstadt. Stadtrundfahrt mit ‚le petit train de St. Malo‘. Nach dem Nachtessen bummeln wir über die Stadtmauern und machen eine Umrundung. Schöner Blick auf den Hafen sowie die vorgelagerten Inseln und geniessen den schönen Sonnenuntergang.

27. September - Bretonische Küste

Es war eine laute Nacht, da wir in St. Malo an einer Hauptstrasse übernachtet haben (nach dem guten Wein am Abend war es besser, nicht mehr weiter zu fahren). Morgenüberraschung für Bigi: Kaspar steht immer so um 7 Uhr auf und stellt das warme Wasser ein. Heute war es nicht so und Bigi steht unter der Dusche und das Wasser wird nicht warm – zum Glück hat es Bigi erwischt und nicht Kaspar, der kein kaltes Wasser auf der Haut mag! Beim Gezeitenkraftwerk vorbei nach Dinard und Cap Fréhel, wo wir kurz in die Wanderschuhe steigen. Die Klippen sind schön aber werfen uns nicht um. Dann die D786 nach St. Brieuc und weiter entlang der Küste Armor an die Corniche Bretonne / Granit Rose (Stein, der rosa glänzt). Die Küste hat viele kleine vorgelagerte Inseln. Wir machen es uns gemütlich bei einem Apéro am Meer, lesen und plaudern.

28. September - Ile de Grand / Granit Rose

Um 11. Uhr sind wir bei einem Kunden von Kaspar zum Déjeuner eingeladen (entpuppt sich als 3-stündiges Mittagessen). Als Hauptgang gibt es das typische Sonntags-Grillpoulet, das Louis XIV. eingeführt hat. Er zeigt uns die Ile Grand, wo früher der Granit in den Farben weiss, rot und ganz wenig grün abgebaut wurde. Halb Frankreich, vor allem Paris, wurde mit diesem Granitstein beliefert, die Häuser gebaut und die Strassen gepflastert. Am Abend zeigt er uns noch die Rosa Küste, wo wir zu Fuss abmarschieren. Die Sonne geht unter, das Licht ist fantastisch und spiegelt sich im rosa Granit.

29. September - Point de Penhir

Fahren über Lannion Richtung Brest nach St-Thegonnec. Hier neben der Kirche steht das Golgathakreuz, welches das Leiden Jesu Christi darstellt. Diese Kreuze werden Calvaries genannt und sind sehr typisch für die Region. In Brest wollen wir das riesige Aquarium im Hafen besuchen – leider am Montag geschlossen. So fahren wir zum Point de Penhir weiter, wo uns die Geschichte des 2. Weltkrieges wieder einholt. Aus diesem Grund ist Brest heute eine moderne Stadt, da sie während dem Krieg dem Boden gleich gemacht wurde. Kaspar hauts wieder einmal auf die Schnauze, viele Touristinnen schreien ……. Kaspar steht wieder alleine auf. Es hat ihm eins in den Rücken gehauen, aber der Fotoapparat hat nach ersten Bedenken den Sturz doch überstanden (na ja, ist ja erst unser dritter Apparat auf dieser Reise).

30. September - Point du Raz

Nun fahren wir zum westlichsten Punkt von Frankreich: Point du Raz. Sehr bekannt wegen seiner zwei im Atlantik stehenden und dem Wetter ausgesetzten Leuchttürmen. Interessante und raue Kulisse, welche gut vermarktet wird. Dann Besuch einer Biscuiterie, welche die typischen bretonischen Galettes (Butterbiscuites) verkauft. Weiter nach Quimper, soll eine schöne Kathedrale haben aber es ist unmöglich, unser Fahrzeug irgendwo zu parkieren. Dafür fahren wir nach Concarneau, einem kleinen Fischerstädtchen mit Ringmauer. Geniessen einen Apéro in einer alten Bar (Sammlung von Sardinendosen an den Wänden).