Juli 2008
1. Juli - das schwedische Dalapferdchen
04.30 Uhr wunderschöner Sonnenaufgang über dem See. Wir schauen kurz zum Fenster raus, ziehen den Rollo wieder runter und drehen uns auf die andere Seite. Was soll den das? Das kann doch nicht wahr sein, am Morgen regnet es. Der übliche Morgenbummel durch Rättvik, wo heute Touristenmarkt ist. Heute ist Kilometer fressen angesagt: via Mora, Orsa, Sveg nach Duvberg. Unterwegs in Nusnas (7 km von Morga) besichtigen wir die Manufaktur der berühmten Schwedischen Dalapferdchen. Dies ist das berühmte schwedische Mitbringsel seit der Weltausstellung 1939 in New York. Danach wurden 20‘000 Stück hergestellt und in die USA exportiert. Heute werden die Holzpferdchen mechanisch grob gesägt, von Hand geschnitzt und bemalt - heute noch ist dies Heimarbeit für die ganze Region. Wir kaufen uns natürlich auch ein Rotes. Anhand der Landkarte vermuten wir 2 km ausserhalb von Duvberg auf einer kleinen Landzunge im See einen schönen Nachtplatz – mit Erfolg, mitten in der Wildnis, mucksmäuschenstill direkt am Wasser inmitten Mücken. Später kommt der Campingchef um die 30 SEK (CHF 5.50) einzuziehen. Unser Geschmack hat sich geändert: was in Italien Tomatensalat mit Mozzarella war, ist nun im Norden Avocados mit Crevetten.
6. Juli - Jokkmok
Wir haben neben diesem Kunstwerk (bemaltes Kraftwerk) übernachtet. Morgens arbeitet Bigi 3 Stunden an der Homepage. Irgendetwas klappt nicht – Frustration pur! Okay, dann eben nicht. Wir fahren am Mittag nach Jokkmok rein zum Sami-Museum. Das Wetter ist genau richtig für einen Museumstag, trüb und kühl! Wir bekommen eine 30-seitige Deutsche Anleitung fürs Museum. Alles sehr gut dargestellt, informativ und auch mit Filmvorführung. Nach 3 Stunden reicht es, denn ich habe Kaspar schon länger das Rüebli vor die Nase gehalten: Pizzeria! Wir besichtigen noch die ‚neue Kirche‘ von 1702. Sehr schöner Holzbau von einem Stararchitekten aus Stockholm. Für die damalige Zeit eine Sensation, dass der Architekt Jude war. In der Pizzeria bestellen wir zum Erstaunen des Kellners nur eine Pizza. Uf, wir haben zu Zweit völlig genug an einer Pizza (selbst Kaspar ist erstaunt darüber). Weiterfahrt Richtung Porjus, wo wir uns zu 8 Campern am Wasser gesellen. Wir sitzen noch einige Zeit draussen, bis wir fast erfrieren und die Mücken rumschwirren.
2. Juli - Klein Kanada, die schwedische Hochebene
Trotz trübem Wetter gibt’s eine Walkingrunde. Überall hat’s Verkehrszeichen: Achtung Kreuzung für Schneetöffs oder Stecken für die Langlaufloipe. Brrrh, schon nur die Vorstellung von Winter, denn hier muss es wirklich kalt sein, aber vermutlich wunderschön die verschneite Winterlandschaft. Na ja, liebe Tagebuchleser, bei euch ist es vermutlich sommerlich heiss. In Funäsdalen besichtigen wir ein Hüttendorf (Freilichtmuseum), wo Eisenerz gefördert und gleich zu Eisen geschmolzen wurde. 480 kg Eisenerz ergaben 160 kg Eisen, dafür wurden 6 m3 Holz benötigt. Daher waren alle Wälder rundherum abgeholzt. Wir sind wieder einmal zu früh: die Sommersaisoneröffnung im Hotel mit Grillparty ist erst am 4. Juli (Bigi bedauert dies, denn bei gutem Essen kann sie immer noch nicht widerstehen). Richtung Berge auf ungeteerten Strassen. Nach Messligen biegen wir links ab, bezahlen an der Schranke 20 SEK und fahren bis zur Alp. Dort Wanderschuhe montieren und über Weiden 1 Stunde bergauf (bei fast 30 Grad) zu prähistorischen Zeichnungen (ca 1000 v. Chr), welche wir tatsächlich an einem Felsen finden; ca. 4 m3 gross, rot an den Felsen gemalt. Dann zurück Richtung Liangdalen über die schwedische Hochebene (1000 m. ü. M.), sehr karg und mit Blick auf die schwedischen Berge (1500 – 1700m). Klein Kanada lässt grüssen! Dies kann man nicht in einem Foto festhalten. Wir haben Glück – eine Renntierherde ist auf der Strasse. Diese geben lustige (grunzende) Töne von sich und fast jede Kuh hat ein Kalb bei sich. Sie haben so gar keine Angst vor den Autos und lassen sich viel Zeit, bis sie weiter auf der Strasse springen und dann irgendwann man ins Gras gehen. Am Ende der Strasse machen wir noch einen Abstecher den Berg rauf. Bigi möchte wandern, aber Kaspar gefällt es hier überhaupt nicht, also Weiterfahrt nach Asarna. Wir übernachten – gratis ‚all inklusiv‘ - an einem wunderschönen See in der Nähe von Torsborg.
3. Juli - Jupi, der Sommer ist da !
Heute ist richtig Sommer! Via Svenstavik nach Oastersund, wo wir einen kleinen Stadtbummel einlegen. Bigi hofft auf ein Paar rote Ecco-Schuhe aus dem Ausverkauf – Fehlanzeige! Mittags gibt’s einen kleinen Lunch auf einem Rastplatz direkt an einem See, wo Bigi schnell ein kühles Bad nimmt. Kaspar ‚hat keine Zeit‘. Er steigt aufs Dach und versucht das Geräusch oberhalb der Fahrerkabine zu beheben. Er hat schon gedroht: der gelbe Schallenkoffer fliegt bei der nächsten Gelegenheit raus (was ihm Bigi jedoch vehement verbietet). Nach Dorothea (Supermarktbesuch, da wir Mineralwasser brauchen) bis nach Vilheming. Auf dem Camping gibt’s laut der Chefin kein Platz, obwohl wir uns leicht zwischen die Camper stellen könnten. Na ja, dann parken wir eben 400 m daneben am Wassern und sparen 120 SEK. Leider ist es an dieser für uns abgelegenen Strasse etwas laut. Vermutlich fahren alle abends ins Dorf und morgens zur Arbeit.
4. Juli - ein Samidorf
Wir sind früh, frühstücken draussen am Wasser und fahren zeitig los.
In einem Samidorf machen wir eine kleine Führung. Ihre Flagg hat die Farben: rot (Feuer), grün (Natur), gelb (Sonne) und blau (Wasser), roter und blauer Halbkreis (Sonne- und Mondzyklus). Sie glauben an die absolute Naturreligion, was sie sehen und anfassen können. Wir erfahren viel über das Leben der Sami, schauen uns die Hütten an (Feuerstelle in der Mitte, rundherum Renntierfelle am Boden unterlegt mit einigen Ästen). Die Familie lebt heute jedoch in einem normalen Haus, den 1929 wurde in Schweden die allgemeine Schulpflicht eingeführt und die Leute mussten dadurch sesshaft werden. Sie hat ein Sommergebiet für die Rentiere von 40 x 70 km. Im Winter zieht der Vater dann mit den Tieren ans Meer; heutzutage nicht immer nur zu Fuss. Auch erhalten die Tiere im Winter Supplement-Futter, d.h. wenn der Boden gefroren ist, finden die Tiere zu wenig Futter. Wir erhalten Kaffee von Feuer (Kaspar spottet ‚Nescafe lässt grüssen‘) und getrocknetes Renntierfleisch zum kauen. Wir ergattern das Floss und hängen uns am Seil rüber ans andere Ufer.
Nachher Weiterfahrt an vielen Seen entlang, ein Paradies für Angler. Heute ist herrliches Sommerwetter und wir stoppen früh auf einer wunderschönen Landzunge direkt am Wasser, damit Bigi bädele kann. Kaspar steigt für mind. 1 Stunde aufs Dach und rekognosziert unsere Ladung. Die Kiste wird mit Ästen unterlegt (ob er dies wohl bei den Samis gelernt hat) und Kaspar hofft, das Klopfgeräusch nun beseitigt zu haben. Bigi ist froh, dass es nicht der scheiss Koffer war! Wir sitzen bis 21.00 Uhr draussen, bis uns die Mücken zu nahe kommen.
5. Juli - Storforsen
Luft 10 Grad, Wasser 17 Grad. Grad richtig für Bigi’s 30-Sekunden Morgenbad (Saunaeffekt).
Via Arjeplog weiter nach Arvidsjour. Unterwegs nach dem Rundell ‚päng‘ und Bigi fährt zur Seite. Im Badzimmer hat sich der Spiegelschrank geöffnet und zwei Kistli samt Inhalt sind rausgeflogen. Das Lavabo hat eine kleine Ecke abgekriegt. Aber ja, wir haben ja alle auch eine kleine Ecke ab. Der Camper beginnt zu Leben und ist eben nicht mehr Ausstellungsgegenstand. Richtung Lulea bis Vislkedom, dann rechts ab zu den Stromschnellen Storforsen. Ein breiter Wasserfall tost 85 m über Stromschnellen herunter, umgeben von schönem Naturpark. Grill-Duft in der Luft. Überall zwischen Wasser schön eingebettete Picknickplätze. Bigi isst wieder einmal im Geist ein Steak vom Grill. Gruss an die lieben Freunde: Bigi vermisst die Grillmeister! Wetterglück, denn am Ende unseres ausgedehnten Spazierganges beginnt es zu regnen. Weiter Richtung Norden, kurzer Stopp am Polarkreis mit obligatem Foto. Wir erreichen Jokkmokk, das Zentrum der Lappen, Sami genannt. Holen Informationen im Touristbüro und besuchen die alte Kirche. Wir sind etwas enttäuscht, denn wir haben uns eine schöne Kleinstadt vorgestellt (Kaspar hat schon von 4 Pizzerias und Rentier-Pizza gesprochen). Bigi kocht Spaghetti Bolognaise, da er dies einem guten Skandinavia Buffet (Rentier etc.) im Restaurant vorzieht. Trotz seinen geliebten Spaghetti hat er den Koller. Immer nur Natur, puh, puh. Wir wussten nicht, dass es sooooo viele Seen gibt. Er hat die Distanz zum Nordkap nicht im Griff. Den einen Tag müssen wir blochen, den anderen Tag sind wir zu schnell am Nordkap. Bigi vergeht die Lust am Homepage schreiben und sie nimmt ein Buch, den Kaspar hat ihr die Stimmung vermiest. Ihre Devise: bei schönem Wetter draussen geniessen (evt. wandern oder kaltes Bad nehmen); wir schaffen es schon zur Zeit. Wir halten euch auf dem Laufenden!
test
7. Juli - Stora Sjöffallet
Sonnenaufgang 01.53 / Sonnenuntergang 23.23 Uh
Bigi steigt ins Seewasser – 12 Grad! Kaspar geht ein Wette ein: 100.- Euro, wenn Bigi im Inarisee (grosser See in Nordfinnland, 3 Monate eisfrei) ins Wasser geht. Klarer Fall, die Wette wird angenommen (wieder einmal Shopping in Aussicht, ohne dass Kaspar motzten darf!). Wir fahren ein kurzes Stück nach Porjus. Dort besichtigen wir ein altes Kraftwerk (das erste in Schweden) von 1915. Damals hatten 7 Personen hier gewohnt. Zuerst musste eine provisorische Eisenbahn als Zubringer gebaut werden. Die Lastenträger wurden pro Kilo Last bezahlt (Rekord war 108 Kilo). Einmal mehr sind wir uns bewusst, wie gut wir in der heutigen Zeit leben.
Kurz nach Porjus biegen wir links ab, Richtung Berge zu den Stora Sjöffalet (haben zufällig eine Postkarte davon gesehen). Irgendwo haben wir von den ‚Niagarafällen von Schweden‘ gelesen – dies war jedoch vor dem Bau der vielen Kraftwerke. Somit fangen wir eine kleine Enttäuschung ein – ober haben einfach schon alles mega Gigantisches gesehen (Bigi hat die Richtigen noch nicht gesehen)? Wir richten uns auf dem leeren Camping gemütlich ein, d.h. wir waschen 4 Waschmaschinen und mit dem super Trocknungsraum ist um 22.00 Uhr die saubere Wäsche, Frottee und Bettwäsche schon wieder verstaut. Eigentlich wollte Bigi Kaspar vor die Waschmaschine setzen, da er wieder einmal nicht laufen wollte. Er läuft schlussendlich jedoch mit und wir sind schon nach 2 Stunden kaoh. Abends essen wir im Restaurant Rentier à la Wok – schmeckt gut. Als erstes hatte Bigi natürlich beim Servicehaus eine Personenwage neben dem Müll entdeckt. Kaspar steht ohne Widerrede drauf und macht grosse Augen – wir schrauben nochmals korrekt auf Null. Bigi prüft das eigene Gewicht – es scheint, dass Kaspar tatsächlich 91 kg lebend auf die Wage bringt, dabei sagte er bisher doch immer stolz: ‚ich bin nöd ganz hundert.‘
8. Juli - mega Bergwelt
Morgens um 02.20 Uhr bei Tageslicht machen wir Mückenjagd - es summt und summt um die Köpfe trotz zugezogenen Mückengittern – bis unsere Köpfe erschöpft auf die Kissen fallen. Am Morgen wird der Camper wieder ‚autark‘ gemacht. Wir fahren noch 55 km weiter ins Tal bis Ritsem, alles entlang von zwei grossen Stauseen. Plötzlich tauchen die schneebedeckten Berge auf (2100 m). Die Bergkette Akka ist wohl die bekannteste. Gleich neben der Strasse trinken 2 Renntiere aus einem Wassertümpel. Also: Augen auf! Bei einer schwedischen Alphütte (entlang der Königsroute) machen wir Halt, trinken Kaffee und wandern 2 Stunden los. Bigis Bergsteigerherz schläft höher, Kaspar brummt noch bis der innere Sauhund überwunden ist. Gegen Abend zurück nach Porjus und weiter nach Gällivare, wo wir nochmals in Schweden einkaufen wollen bevor wir nach Finnland fahren. Man weiss ja nie, denn die Schwedischen Produkte (ICA) und Preise kennen wir inzwischen. Obwohl es eine eher grösser und den Häusern nach eher eine wohlhabende Stadt ist, finden wir den ICA nicht. Also Weiterfahrt Richtung Kirna bis wir endlich einen Rastplatz finden (spät in der Nacht ist es so gross wie ein Campingplatz). Wir haben noch einen Blätterteig (CH) im Gefrierfach und heute gibt’s eine wunderbare Pizza alla Bigi, dazu einen Rotwein aus Frascati und als ‚Dessert surprise‘ Mückengeschwirr um die Köpfe. Wir hauen ab in unser Home.
9. Juli - Kiruna, grösste Untertag-Eisenerzmiene
Bigi geht wie jeden Morgen nackt baden. Vorsicht vor Falschinterpretation: Kaspar assistiert im Halten von Handtuch und Bademantel. Er denkt nicht im Geringsten daran auch nur eine Zehe ins Wasser zu halten.
Fahrt nach Kiruna. Besuch der schönen Holzkirche (1902). Heute ist wieder einmal Internettag. Im Folkshuset kaufen wir den Code für 30 Minuten Internetzugang für 20 SEK (4 Euro). 20 Minuten vergebens geübt, die Startseite für das Login kommt einfach nicht. Also Spurt zur Bibliothek. An der Rezeption verstehen sie Wireless nicht, nur Internet. Sie schicken uns in den 1. Stock wo zehn Leute (vorwiegend Schwarze) Schlange stehen, bis sie an einen Computer können. Bigi packt easy den Laptop aus, hat jedoch auch hier keinen Erfolg. Bigis Nerven liegen blank! Zum Camper spieden, kurz was essen und warme Kleider anziehen, denn wir haben eine Tour zum Besuch der weltweit grössten Untertagbau-Eisenerzmiene gebucht. Gigantisches Bergwerk, 400 km unterirdische Strasse, Tiefe 1345 m! Mit dem Car fahren wir 3,5 km in den Berg (540 m tief). Hier sehen wir einen Film, die Führerin gibt viele Erklärungen, besuchen das Museum (alte Maschinen). Bis 1962 wurde noch oberirdisch Eisenerz abgebaut. Dieses Bergwerk ist ein MUSS! Der Preis von 1 Tonne Eisenerz hat sich im letzten Jahr verdoppelt (von 600 auf 1200 SEK/CHF 200.-). Dieses Bergwerk ist der grösste Stromverbraucher Schwedens: 3 %! Abends gehen wir schnurstracks zum Scandic Hotel, denn da soll es auch Wireless geben. An der Rezeption ergattert Bigi einen Zettel mit Code und draussen im Camper geht alles ruck zuck zack zack und die Homepage ist aufgeladen und die Emails sind im Compi. Wir fahren etwas ausserhalb ans Wasser, kochen und bis nach Mitternacht werden Emails beantwortet, um am nächsten Morgen loszuschicken.
Unsere neuen Jobs
(Schreibmaschine ist Kindheitserinnerung!)
10. Juli - hinüber nach Finnland
Trübes und regnerisches Wetter. Nachdem Internet genehmigen wir uns doppelten Espresso (gute Abwechslung zum dünnen Filterkaffee, der hier überall ausgegossen wird) mit Schwedentorte (könnte ja die Letzte sein). Draussen vor dem Kaffee blühen Tulpen, was wohl das hiesige Klima wiederspiegelt. Fahrt nach Pjala an die finnische Grenze. Kurz noch die Schwedischen Kronen loswerden, Esswaren für Norwegen einkaufen und den Tank mit Diesel füllen (dies entpuppt sich in Finnland jedoch als Fehler, denn Diesel ist dort ca. 20 % billiger). Wir fahren an einem schönen Fluss mit Stromschnellen entlang. Hier köcheln wir uns heisse Flädlisuppe, denn das Thermometer steigt nicht über 14 Grad. Bigi ruft wieder einmal kurz die Eltern an, ob alles i.O. ist. Es ist!! Überquerung des Grenzflusses nach Finnland. Gäbe es hier nicht leere Zollgebäude, so würde man dies gar nicht bemerken. Via Kolon und Kittilä. An der Strasse stehen immer wieder Toiletten und Windfanghäuschen für die Langläufer und Motorschlittenfahrer (muss hier ein beliebtes Hobby sein). Wir überlegen uns immer wieder, was die Leute ‚hier draussen‘ den ganzen Tag machen. Kaspar sucht wie immer einen Nachtplatz am Wasser, diesmal am Fluss. Vitaminzufuhr mit Kiwis aus Neuseeland.
11. Juli - Sodankyla - kälteste Stadt Finnlands
Sodankyla – wie kalt ist es hier wohl im Winter. Haben so Zahlenwie minus 30 Grad gehört! Wir sind froh, dass wir im Sommer hier sind, es ist genug kalt (12 Grad). Wir besuchen die älteste Kirche (1689) in Nordfinnland. Alles Holz pur, sogar die Kanzel. Bigi hat den ‚Factory Outlet‘ auf dem Stadtplan gesichtet: was gibt’s hier? Rentierfleisch! Wir kaufen tüchtig ein: Rentiermostbröckli, Rentier- und Elchsalami sowie Büchsensuppe. Als Geschenk bekommen wir als gute Kunden einen Lapi-Lapi-Salami (Tierart ist uns unbekannt, denken höchstens an die Lappen). Auf der Weiterfahrt Richtung Norden – wir sind wieder auf der Camperroute zum Nordkap – Halt bei diversen Souvenirläden. Bigi ist im Kaufrausch: rote Fleecejacke mit Samietikette auf der Brust sowie Socken für Tabea und Annina. Abseits der Strasse finden wir einen idyllischen Schlafplatz. Direkt davor am Wasser entdecken wir Hufspuren eines Elchs. Sind ja gespannt, ob der Elch bald Durst hat! Wir machen noch einen kurzen Spaziergang. Die Sonne kommt heute sogar wieder einmal hervor. Der Camper wird aber trotzdem geheizt, denn es geht nichts über Gemütlichkeit. Kaspars Spruch des Tages (ob ihr’s glaubt oder nicht): ‚Morgen will ich in die Sauna!‘ (Bigi hat ja in den Broschüren für die Weiterfahrt auch diese schon gesichtet). Beim ins Bett schlüpfen sehen wir am anderen Ufer eine Renntierherde. Nachts, bei jedem Geräusch spärbern wir nach draussen. Dorly hat uns einen Typ gegeben: vielleicht hat der Elch ja kalt und schlft unter unserem Camper.
Hufspuren vom Elch vor der Tür
12. Juli - Winterkurort Sasriselkä
Gut geschlafen ohne irgendwelche Störung ‚wilder Tiere‘. Wir fahren nach Tankavaara in ein Goldgräbercamp. Hier warten die Leute seit 3 Wochen auf schönes Wetter! In den 40-er Jahren war hier ein regelrechter Goldrausch. Man kann ‚als Tourist‘ hier immer noch schürfen, im August ist hier sogar eine Meisterschaft. Das Museum ist sehr gut und weltweit werden die Länder mit Goldvorkommen vorgestellt. Schweiz: Napfgebiet und Gondo. Im Aussenmuseum werden wir das erste Mal so richtig von den Mücken gefressen. Weiterfahrt zum Winterkurort Saariselkä (erste Stadt, die Ähnlichkeit mit Kurort hat) mit dem Skigebiet auf dem Berg Kaunispää: 5 Skilifte, max. Höhendifferenz 180 m, Länge1300 m. Die beliebten Hobbies sind hier eher Langlauf, Hundeschlitten- und Motorschlitten. Im Winter soll es hier bis -35 Grad minus und dazu noch windig sein. Da kann man laut sagen: zum Glück sind wir im Sommer hier. Wir gehen zum Holiday Club und vergnügen uns 2 Stunden im Hallenbad mit Wellen-, Sprudelbad, Jacuzzi und Sauna. Kaspar spottet: ‚jetzt bin wieder porenrein gesäubert‘. Weiter Richtung Inarisee. Vorher noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt mit wunderbarer Aussicht über den See. Die Strassensteigung ist 20 % und Kaspar muss doch zwischendurch neu ansetzten und im ersten Gang wieder anfahren (auch der Chef schwitzt!).
13. Juli - Inarisee: 'die Wette läuft'
Kaspar zückt Fotoapparat und Thermometer während Bigi in die Badehose steigt. Wassertemperatur 12 Grad. Bigi gewinnt die Wette mit Bravour: baden im Inarisee, der nur 3 Monate im Jahr eisfrei ist (Kaspar hätte es ja wissen sollen, denn Bigi gewinnt meistens die Wette). Fahren weiter nach Inari und besuchen viele Souvenirläden. Bigi verpulvert einen Teil der gewonnen 100 Euro: Mütze und Handschuhe (sonst überall der gleiche M…..!). Besuch des Samimuseum. Sehr lehrreich! Erklärungen über die Polarnacht und die Jahreszeiten, Flora und Fauna, Tierwelt und die Sami mit ihrem Glauben, Bräuchen und Lebensweise. Zudem gibt’s noch das Freilichtmuseum mit den vers. Hütten. Auf dem Inarisee startet und landet ein Wasserflugzeug und wir beschliessen einen kurzen Rundflug zu machen. Dem war dann aber nicht so, denn der Pilot muss zu einem anderen See fliegen. Heute haben wir kein Glück und finden keinen guten Schlafplatz am See. Weiterfahrt dem Inarisee entlang, wo wir schlussendlich auf dem weit und breit einzigen Camping in Lahdenpetä am See landen. Das Wetter ist gut und wir können wieder einmal draussen Essen und sind gefundenes Fressen für die Mücken.
14. Juli - über die Norwegische Grenze
Heute rechts schönes Wetter. Bad im Inarisee bei Wassertemperatur von 17 Grad! Wir kommen ins Gespräch mit einem Österreicher, welcher mit seinem Range Rover länger unterwegs. Vor der Norwegischen Grenze tätigen wir noch die letzten Einkäufe. Am Ar… der Welt kaufen wir einen grillierten Pouletschenkel, welchen wir noch bis zum Nachtessen aufbewahren (Mhh, der Duft – zum Reinbeissen).Zwei Zöllner erwarten uns an der Grenze zu Norwegen. ‚What do you have?‘ Sie interessieren sich nur für Zigaretten und Alkohol. Wir deklarieren unsere 8 Flaschen Wein im Aussenfach und die 2 angebrochenen Flaschen Schnaps ‚in der Küche‘. Sie rechnen zweimal und wollen diese auch sehen. Ein Zöllner steigt ins Auto, ist aber durch unsere Wohnung zu stark abgelenkt, als dass er weiter suchen würde. Wir erzählen ihnen auch von unserer Reise und sie lassen uns passieren. Die Landschaft hat sich ganz plötzlich verändert. Am Inarisee war alles flach, Fichten- und Birkenwälder. Jetzt wird es gebirgig, ohne jeglichen Baum, hochalpin nur Moss und Sträucher. Wir befinden uns nun auf der Eismeerroute, nur 40 km von der Russischen Grenze entfernt. Über dem ersten Fjord hängt natürlich der Nebel. Bei Nyborg campieren wir am Eismeer.
15. Juli - Vardo in der arktischen Klimazone
Wir fahren entlang dem Fjord nach Vadso. Hier steht der letzte Flugmast für Amundsen Zeppelin. Amundsen hat als erster den Nordpol erreicht. Kaspar will heute zum Frisör. Er erkundigt sich nach dem Preis für einen Herrenhaarschnitt: 340 NOK (ca. CHF 68.-). Dies ist aber doch etwas teuer und er will bei Gelegenheit doch Bigi an die Haare lassen (was er bisher vehement abgelehnt hat).
Alles weiter dem Fjord entlang, durch einen Tunnel von 2889 m Länge und 88 m unter Wasser, bis zur Kleinstadt Vardo: am Tor zur Nordpassage und zur Barent Sea, 2400 Einwohner, östlichste Stadt Norwegens und einzige Stadt Europas, die in der arktischen Klimazone liegt, nördlichste Festungsstadt der Welt. Wir besuchen die Festung mit Museum aus dem 17./18. Jahrhundert. Während dem 2. Weltkrieg führte diese Militäranlage die norwegische Flagge am längsten. Besuch des Pommernmuseum. Die Pommern haben im 19. Jh. Hier regen Handel betrieben. Div. Hölzer, Mehl und Werkzeuge aus Russland wurde gegen Norwegischen Fisch eingetauscht. Rückfahrt entlang dem Fjord. Heute hatten wir wirklich herrliches Wetter, blauer Himmel Sonne, jeweils nur kleinere Nebelbänke und 11 Grad (Durchschnittswert Juli 8 Grad).
16. Juli - zum alternativen Nordkap
Sind etwas früher auf der Strasse als normal. Wir wollen eine grössere Strecke fahren. Ziel ist heute das alternative Nordkap, 71°Nord (hier ist Festland, denn das Nordkap ist eine Insel), das Dorf Gamvik mit dem Leuchtturm Slettnes und das Ende der Strasse 888. Wir überqueren einen Pass von 370 m vor Ifjord. Die Fahrt geht zügig über einige Pässe, da die Strasse wunderbar und gut ausgebaut ist. Die Landschaft ist karg und soll mit der Mondlandschaft vergleichbar sein. Gamvik ist ein kleines Fischerdorf und wir fahren zum Leuchtturm raus, den wir besteigen (339 Treppenstufen, 39 m hoch). In der Nähe suchen wir den Übernachtungsplatz und wir wandern noch 1 ¼ Stunden durch die Wildnis. Eigentlich wollen wir hier die Mitternachtssonne sehen, aber ist bewölkt und schlechtes Wetter.
17. Juli -
Es regnet, neblig und ist so richtig grusig. Wir fahren zurück nach Ifjord auf die Strasse 98 und weiter zum Silfort Canyon, wo wir einen Fotohalt machen. Weiter zu einem schönen Rastplatz. So richtig schönes Wetter und Kaspar hält seinen Kopf hin zum Haare schneiden. Er ist sehr skeptisch und wagt kaum mehr einen Blick in den Spiegel. Über Lakselv geht’s Richtung Nordkap. Da das Wetter recht gut ist (Wetterprognose für mehrere Tage gemischt und eher schlecht) beschliessen wir durchzufahren und machen ein Wettrennen mit dem Wetter. Tagesetappe über 400 km. Ein Tunnel von 6,8 km und 212 m unter Meer führt zur Insel Nordkap. Am Ende des Tunnel muss bezahlt werden. Camper länger als 6 m plus 2 Personen 507 NOK (ca. CHF 100.-). Entlang schöner Fjorde über kleine Pässe (300 m) geht’s flott zum Nordkap 71°10‘21“N. Ankunft 18.48 Uhr. Schönster warmes Wetter (15°C) und windstill. Eintritt zum Nordkap für 2 Personen 400 NOK, gültig 48 Std.
Auf einem grossen Parkplatz stehen mind. 150 Camper und abends kommen noch mind. 40 Busse dazu. Eine riesige Chilbi. Wir fotografieren und lassen uns vor dem Globus fotografieren. Bummel rund um die ganze Anlage mit div. Ausstellungen, Post, Restaurant und Souvenirladen. Das Nachtessen geniessen wir heute draussen. Nachher liegt Bigi im Bett mit der Mitternachtssonne im Gesicht. Jetzt wartet alles wie an Silvester auf Mitternacht. Wir sind happy, dass wir durchgefahren sind, denn das Wetter ist einmalig!
23.33 Uhr am Nordkap
18. Juli - Nordkap-Erlebnis
Einige Minuten nach Mitternacht sind die meisten Leute schon wieder abgezogen und es bleiben nur noch die Camper und Zelte übrig. Also los ins Bett und schlafen. Am Morgen nur Nebel so weit das Auge reicht. Man sieht grad mal zum nächsten Camper. Wir wissen ja: je dichter der Nebel um so grösser die Chance, dass bald die Sonne durchbricht. Nach einem gemütlichen Frühstück tasten wir uns durch den Nebel zum Ausstellungsgebäude. Wunderschöner Film übers Nordkap, sehr gute Ausstellung über Gleitschiffzüge im zweiten Weltkrieg, Kapelle, Aussichtsterrasse und Souvenirladen (Bigi kauft sich ein Nordkap-Tshirt). Na ja, warten wir eben noch ein wenig, schreiben Postkarten und trinken heissen Tee. So gegen Mittag steigt unsere Ungeduld, und jedesmal, wenn man weiter als 50 m sieht kommt Euphorie auf. Nochmals eine Runde ins Ausstellungsgebäude (wir schauen uns den Film nochmals an), und wieder zurück zum Camper. Man kann sogar über einen Teil des Parkplatzes sehen – uf, jetzt kommt der Durchbruch – oder auch nicht. Um 14.00 Uhr setzt Regen ein und es wird auch windig. Wir ziehen uns in dem Camper zurück. Wir schauen uns die DVD von Charlys 80.Geburtstag (März 08 in Spanien) an. Ein Lob an Fritz Keller: super Film! (wie vor dem TV essen wir Salznüssli und trinken einen Whisky). Wir wagen uns nochmals nach draussen, denn wir müssen noch die Postkarten einwerfen. Um 16.30 Uhr ertönt ein Nebelhorn – ein Kreuzfahrtschiff passiert das Nordkap. Das Wetter ist immer noch gleich und die Hoffnung gleich null! Zum Glück haben wir die schönen Erinnerungen von der Mitternachtssonne. Der Kontrast 17. – 18. Juli könnte wirklich nicht grösser sein. Um 18.00 Uhr muss Kaspar nochmals nach draussen: unser Tisch und Stühle stehen ja bereit für ein gemütliches tête-à-tête. Bigi bringt trotz Zeit nicht die Energie auf, die Bildergalerie aufzuladen. Dies kennt ihr ja gewiss aus eigener Erfahrung .........
19. Juli - Knivskjelodden/äusserster Punkt
Um 10.00 Uhr lichtet sich der Nebel langsam (nach 30 Stunden!), just n time für die ersten ankommenden Touristenbusse. Wir drehen nochmals eine Runde durch das Nordkap, letzte Foto und dann Fahrt ca. 5 km zurück zum Wanderparkplatz. Eine 9km Wanderung führt zum effektiven Nordkap, dem äussersten Punkt, Knivskjelodden, 71°11‘08“. Dort angekommen geniessen wir den Blick auf’s Nordkap tragen uns im ‚Gipfelbuch‘ ein, obligates Foto, Picknick und heissen Tee. Bigi fühlt sich wie auf einem Viertausender (mit Stirnband und Handschuhen), denn es bläst ein bissiger Wind, obwohl vor uns das schöne blaue Meer liegt.
Und schon geht’s wieder 9 km zurück mit 300 m Steigung. Die Wanderung ist sehr schön durch die Einöde, aber der Weg macht uns beiden zu schaffen. Das äusserste Stück über schiefe Steinplatten, viele spitze Steine und immer wieder Morast. Wir wechseln schön brav ab mit Rucksack tragen. Bigi sagt, dass sie den Rucksack nur noch 1 Stunde trägt, worauf Kaspar antwortet: 'Dänn lauf ä chli schnäller!' Zurück beim Camper sind wir nudelfertig und die Beine und Füsse tun weh. Kurze Fahrt nach Skarsväg, dem nördlichsten Fischerdorf, wo wir das Weihnachtshaus besuchen (eher enttäuschend). Hier gibt’s Glühtee und so etwas wie Kuchen. Hier sollen heute 14 Busse von einem Kreuzfahrtschiff vorbeigekommen sein? Am kleinen Fischerhaffen schlagen wir unser Nachtlager auf.
20. Juli
Schon am Morgen 13° und blauer Himmel pur! Kaspar steht vor dem Spiegel: ‚da muss ich ja nicht mehr nach Ägypten fahren, ich kann auch hier die Königspyramiden anschauen.‘ (womit er seinen Haarschnitt meint).
Von Skarsväg nach Honingsväg. Ein Hurtigroutenschiff läuft in den Hafen ein. Das Im Tourist Office spitzt Bigi die Ohren, da ein Tourist sich nach einem guten Restaurant erkundigt. Besuchen eine Kirche. Die Deutschen zerstörten Ende des 2. Weltkrieges alle Häuser. Nur die Kirch blieb bestehen. Das ganze Dorf lebt während 5 Jahren samt Bäckerei in der Kirche, bis sie ihr Dorf wieder aufgebaut hatten. Auf dem Busparkplatz holen wir wieder einmal den Roller herunter und fahren in das kleine Dorf Kamoyvoer. Dort besuchen wir eine Galerie. Eine deutsche Künstlerin fertigt prächtige Kollagen an – alles aus alten Zeitschriften. Wir kaufen drei Drucke und selbstverständlich schiesst Kaspar noch ein Foto von der Künstlerin, das hinten drauf geklebt wird. Weiter rollen ins nächste Fischerdorf Gjesvaer. Hier suchen wird das empfohlene Restaurant Terrassen (soll wie in Griechenland sein, Terrasse am Wasser mit Blick auf die Vogelinseln). Bigi hat schon die ganze Zeit versucht Kaspar zu Kings Krabben Platte zu überschwatzen. Zum Glück steht auf einem Nebentisch eine solche und Kaspar ist schon vom Anblick überzeugt. Königskrabbe, grosse Shrimps und Lachs – kein Vergleich zu einem Zvieriplättli in der Schweiz! Gestern haben wir in einem Bassin die Königskrabben von der Barent Sea gesehen. Wir waren verblüfft: Durchmesser des Körpers 25 – 35 cm. Es ziehen Regenwolken auf, aber die Sonne kommt wieder und wir rollen trocken zurück zum Camper. Roller aufladen, Homepage aufladen und noch eine Stunde Richtung Süden. Beim Seetunnel zeigen wir unser Ticket von der Hinfahrt. Oh Schreck, wir müssen nochmals die NOK 507 bezahlen. Somit hat der ganze Nordkap-Trip (ohne Diesel und Food) rund CHF 280.- nur für Gebühren/Eintritt gekostet!
21. Juli - Hammerfest
Wir fahren dem Fjord entlang – zu vergleichen mit der alten Axenstrasse. Der Fels ist schiefe Schieferplatten und man kann sich gut vorstellen, wie hier früher ein Gletscher Fels geschoben hat. Ein Tunnel von 2980 m Länge ist in den Fels geschlagen, Strasse asphaltiert und gelbe Lampen an der Decke – es muss nicht immer Hightech sein! Am Tunnelende erwartet uns halb auf der Strasse ein ganzes Rudel Renntiere (so 50). Über Rossenes, Skaiade einen Abstecher nach Hammerfest, der nördlichsten Stadt mit eisfreiem Hafen an der Barrent Sea. Von dort aus starteten in früheren Zeiten die Wahlfänger und Robbenjäger. Heute ist es eine grosse Industriestadt mit einer grossen Anlage für Flüssiggas. Seit 1963 gibt es in Hammerfest den exklusiven Club ‚The Royal ancient polar bear Society‘, in welchen Kaspar als Mitglied Nr. 225‘737 aufgenommen wird. Die Mitgliedschaftskarte trägt er nun stolz in seinem Portemonnaie. Bedingung zur Mitgliedschaft ist, dass man höchst persönlich in Hammerfest vorspricht (Berühmtheiten wie Michael Jackson wurden abgelehnt). Zu Fuss erklimmen wir den Aussichtsberg über Hammerfest, wohin ein Zick-Zack-Weg führt, der von der Bevölkerung als Freizeitbeschäftigung im 19. Jh. angelegt wurde. Einkaufstour m ICA. Ergattern 4 Camemberts zum halben Preis (Stückpreis jedoch immer noch CHF 3.-). Suchen noch die Meridiansäule. Dies Denkmal lies König Oscar II. 1854 zur Erinnerung an die erste internationale Vermessung von Form und Grösse der Erde erbauen (Russland, Schweden und Norwegen). Diese Vermessung war sehr genau und weicht nur 100m von der heutigen Sattelitenvermessung ab! Übernachtung Nähe Oldernes an einem Fluss mit vielen Fischern, welche bis zur Hüfte im kalten Wasser stehen.
22. Juli - im strömenden Regen nach Alta
Kaspars Spruch des Tages: ‚wie liebe ich meinen Camper, wie liebe ich meine Frau.‘ Bigi kann ihm die Reihenfolge nicht mal übel nehmen, denn draussen ist es kalt und es regnet in Strömen. Im Alta River Camping wollen wir übernachten und Wäsche waschen. In der Waschküche geht es zu und her wie in einem Mehrfamilienhaus! Der Camping verkauft zu viele Waschmaschinen und es gibt Stau. Aber es ja 24 Stunden hell. Der Schnellere gewinnt und so kommen wir auch ins Gespräch mit anderen Leuten. Nun haben wir noch die Waschmaschine falsch eingestellt (kein Wunder, denn wir können nichts lesen) und sitzen 50 Minuten ‚vor dem Fernseher‘. Die Nerven sind bald durchgebrannt, aber am Schluss klappts und wir können schlussendlich das Nachtessen geniessen.
23. Juli - Kultur pur
Im Camper ‚stinkt‘ es immer noch vom feinen Abendessen von gestern. Beim Abwasch am morgen kommt schon sein Spruch des Tages: Hätte nie gedacht, dass ich mal beim abwaschen singe. Was Bigi kommentiert: und dann noch von Hand abwaschen!
Etwas ausserhalb von Alta ist das ‚Tirpitz Museum‘. Das Deutsche Schlachtschiff lag hier 1943 vor Anker und wurde von den Engländern mit 2 Mini-UBooten angegriffen und schwer beschädigt, später dann in Tromsö von britischen Bombern versenkt. Zurück nach Alta ins Prähistorische Museum, wo sehr viele sehr alte Felsenzeichnungen gefunden wurden und nun besichtigt werden können. Ebenfalls ist eine Ausstellung über die Geschichte Finnmarks und das Leben der Sami (Lappen) angegliedert. Heute ist ja richtiges Museumswetter, jedoch den ganzen Tag über trocken. In Alta gehen wir shoppen, d.h. Lebensmittel einkaufen, ansonsten gibt’s nicht viel Rares. Bigi muss nur wenig einkaufen, Kaspar stöhnt schon bald, der Korb sei zu schwer. Seine neue Beschäftigung in den Geschäften: er schleicht um die Brotschneidemaschine herum und wenn es niemand sieht, so schnappt er sich ein Stückli Brot, was meistens ein Anschnitt ist. Ands stehen wir am Hafen genau unter der Start-/Landebahn vom Alta-Flughafen. Bigi lebt auf – Bülach lässt grüssen. Es kommen aber nur gerade 2 Flugzeuge und eines soll gemäss Nachbar noch gegen Mitternacht kommen. Wir essen unsere letzten 4 Schweizer Schöffeli, denn Bigi hat bei der Mutter Pralinés vom Klaus bestellt, die Regula morgen bringen wird.
24. Juli - Altariver Canyon
Nachdem wir den Camper ‚besuchertauglich‘ für Regula geputzt und aufbereitet haben brechen wir auf um den Altariver Canyon zu besuchen. Fahren über Stillo bis 7 km vor Sautso (Kraftwerk) und montieren die Wanderschuhe. Nach 1,5 Std. wandern auf der Teerstrasse in idyllischer Natur öffnet sich ein wunderschöner Ausblick auf den grössten Canyon in Nordeuropa (grösser als erwartet). Die Sonne kommt auch ein wenig zum Vorschein und wir marschieren wieder zum Camper zurück. In Stilla wird/wurde Alta-Schiefer abgebaut und wir suchen eine Mini-Schieferplatte für zu Hause. Hier scheint keine grosse Industrie mehr zu sein. Nun warten wir am Flughafen in Alta auf Regula. Anscheinend ist ihr zweites Gepäckstück (mit dem Citterio-Salami für Kaspar) nicht mitgekommen. Wir geben einen Suchauftrag auf und warten noch das nächste Flugzeug heute Abend ab. In der Zwischenzeit gibt’s im Camper Spaghetti und eine Flasche Rotwein. Leider ist das Gepäckstück nicht angekommen und wir geben den Nachsendeauftrag nach Tromso auf. Fahren noch eine halbe Stunde an einen Fjord raus, Regula organisiert sich behelfsmässig und es kehrt bald Nachtruhe ein.
25. Juli - der Citterio-Salami ist angekommen!
Es ist stark bewölkt, jedoch regnet es nicht. Fahrt (480 km) über die E6, schönen Fjorden entlang, bergrauf und –runter, bis nach Tromso. Wir staunen über das Lichtsignal, denn dies haben wir schon länger nicht mehr gesehen. Bingo! Das Gepäck ist angekommen und Kaspar jubelt über den Citterio-Salami (komisch, er schneidet nicht mal ein Rädli ab, obwohl Bigi guened). Wir fahren noch ins Stadtzentrum/Altstadt. An der Strasse gibt’s sogar ein Rotlicht (dies haben wir schon länger nicht mehr gesehen). Hier spürt man seit langem wieder einmal Kultur. Tromso hat 64‘000 Einwohner, Universitätsstadt und wird ‚Paris des Nordens‘ genannt mit vielen Pubs. Am Jachthafen ist der Camper-Stellplatz in unmittelbarer Nähe der Arktis-Kathedrale. Hier besuchen wir um 23.30 Uhr ein wunderschönes Konzert (Klavier, Orgel, Trompete, Flügelhorn, Sopran und Barriton).
26. Juli - The Whale Route
Wir wandern über die grosse Brück (1963 erbaut) nach Alt-Tromsoe auf die Insel. Dort besuchen wir das Polarmuseum, wo wir viel über die Nord- und Südpolforscher Nansen und Amundsen erfahren sowie über die Jagd nach Roben, Walen, Eisbären und Füchse. Am Hafen im Vertshuset Skarven (altes Pub) trinken wir Kaffee und wandern dann wieder über die Brücke zurück zum Camper. Weiterfahrt über die 862 nach Brensholme zur Fähre nach Botnham über die Insel Senja. Wunderschöne Bergwelt, steile Berge bis 800 m, über Pässe und durch enge, schlecht beleuchtete Tunnels. Trotz vielen Ausweichstellen ist das Kreuzen mit unserem Vehikel heikel. Wir erreichen Gryllefjord im letzten Moment und als letztes Fahrzeug fahren wir auf die Fähre nach Andenes. Ruhige Überfahrt. Wir picknicken an Bord und übernachten gleich im Hafen, da wir früh morgens (08.30 Uhr) im Office der Walsafari sein wollen. Die Strasse heisst übrigens ‚the Whale route‘. Wir haben keine Wale gesehen, aber die Landschaft ist spektakulär und wunderschön.
27. Juli - Walsafari mit Glenn
Früh morgens schönes Wetter. Wir buchen eine Walsafari für 11.00 Uhr. Zuerst gibt’s eine Führung durch das Walzentrum mit kundiger Führung. Pottwale werden ca. 18 m lang, wiegen bis zu 60 Tonnen, erreichen ein Alter bis 80 Jahre, fressen 1 Tonne vor allem Tintenfisch pro Tag, man findet sie nur in der Tiefsee, sie können bis 2000 m tief tauchen und bis max. 2 Stunden unter Wasser sein. Wenn sie an die Oberfläche kommen lassen sie Luft links raus, liegen ca. 10 Minuten an der Oberfläche und tauchen dann ab. Dabei sieht man sehr schön die Schwanzflosse, die ‚mit dem Fingerabdruck eines Menschen‘ zu vergleichen ist. Inzwischen ist der aufgezogene Nebel immer dicker und wir müssen uns gedulden. Um 15.00 können wir endlich unsere Tickets kaufen, die ‚Kotztablette‘ schlucken und zum Boot laufen. Mit dem Fischkutter fahren wir ca. 20 km auf die offene See raus. Auf der offenen See draussen schaukelt es ein wenig und Bigi sitzt am Boden und kämpft mit Erfolg mit dem stürmischen Magen. Zweimal taucht direkt neben unserem Boot Glenn auf und tauch dann nach einiger Zeit ab – die Schwanzflosse wird von den Führern eindeutig erkannt, denn Glenn tummelt hier im Gewässer schon seit 1994. Auf der Rückfahrt schlürfen wir im inzwischen rauen Wetter heisse Gemüsesuppe.
Wal Glenn
28. Juli - Fahrt ins Blaue
Wetter windig, Sicht besser. Fahren der Westküste von Vesterdalen entlang. Bei Fiskerboe nehmen wir die Fähre auf die Lofoten. Alle drei sind schlapp – vermutlich wirkt die Pille gegen Seekrankheit noch nach. In Ginsoej campieren wir und essen endlich wieder einmal draussen. Bitte etwas Gedult, aber Kaspar's Sprüche sind ausgeschossen!
29. Juli - Lofoten
Besuchen das Fischerdorf Henningsvaer, dann zur Lofotenkathedrale nach Kabelvag. Grösste Holzkirche von Norwegen mit 1000 Sitzplätzen, blaues Holz und schmucklos. Weiter zu dem unter Heimatschutz stehenden Fischerdorf Nusfjorden. In der Fischsaison von Februar bis April muss es eindrücklich sein, wenn hunderte von Fischerbooten hier verkehren. Stockfischindustrie ist hier gross und es wird u.a. sehr viel nach Italien exportiert. Weiter zur Fähre nach Moskenes-Bodo, wo wir (die zwei Frauen) noch frischen Dorsch und getrockneten Wal einkaufen. An Bord gibt’s unser Picknick (wie im Flugzeug um die Zeit zu verkürzen) und gegen Mitternacht sind wir drüben. Bei tagheller Mitternacht suchen wir einige Zeit einen guten Platz zum übernachten – und als Surprise laufen zwei Elche über die Strasse – aber eben, das mit dem Zücken des Fotoapparats ist so eine Sache!
30. Juli Fjorde, Gletscher, Fähren
Besichtigen den Malstrom bei Saltfjorden. Bei Ebbe fliesst das Wasser aus dem Fjord und bei Flut fliesst das Wasser zurück in den Fjord. Es gibt viele Wirbel und Fische. Kaspar behauptet, hier könnte selbst er noch mit Erfolg angeln und Fische fangen. Weiterfahrt auf der Touristenstrasse Nr. 17. Vorbei am grössten Gletscher Norwegens ‚Svartisen‘, der fast bis ins Meer reicht – wirklich beeindruckend. Übrigens sieht man Schneeberge, die wunderschön zu Bergtouren einladen – nur keiner geht hin! Auf die Fähre Jaktvik – Kilbognhamn warten wir 1,5 Stunden. Zufällig stösst Kaspar noch auf die Sauerei im Camper. Ein oberes Kästchen hat sich heute zum zweiten Mal geöffnet, diverse offene Gewürze liegen am Boden und wir können uns einige Zeit verweilen. Mit der Fähre überqueren wir den Polarkreis Richtung Süden – sitzen auf dem Trockenen, denn wir haben nicht viel überlegt und der Whisky ist im Camper. Abends probieren wir den weltberühmten Snack der Lofoten: getrockneten Stockfisch. Schmeckt wie ‚man muss dies kein zweites Mal kaufen.
31. Juli - weiter südwärts
Der Tag fängt trübe an. Wir fahren weiter Richtung Moi Rana, drittgrösste Stadt Norwegens mit Eisenschmelz-industrie. Fahren Strasse E6 ca. 12 km nördlich, um dann links in den Nationalpark Svartisen zu gelangen. Besteigen dort ein kleines Schiff, welches uns in 20 Minuten auf die gegenüberliegende Seites des Gletschersees bringt. Von dort ziemlich steiler, 3 km langer Aufstieg zum Svartisengletscher. Vorbei an einem grossen Wasserfall den berghinauf (ca. 140 m Höhenunterschied) erreichen wir den Gletscher. Die Gletscherzunge reicht bis ins Wasser. Picknick ist angesagt, den Bigi hat beinahe einen Hungerast. Weiter bis ganz zum Gletscher, wo wir mit Selbstauslöser unser ‚Gipfelfoto‘ schiessen. Nach 4 Stunden sind wir wieder beim Schiff angelangt und fahren ‚es bizeli müed‘ zurück. 12 km mit dem Camper zurück zu den Gronligrotten, die wir heute auch noch besuchen wollen. 4100 m langes Höhlensystem, wo wir 400 m mit Führerin begehen können: ‚wir haben schon imposantere Höhlen gesehen‘. Zurück auf die E6, wo wir kurz vor Moi Rana die vermeintlich günstigste Tankstelle (13.21 NOK(`/Liter) anfahren. Aber es stimmt wie immer nicht. Vor einer Woche passierte uns sogar, dass wir für 13.61 getankt haben und bei der Wegfahrt war der angeschriebene Preis bereits 14.14. Na ja, bei unserem Tank kann die Einsparung ja im Bereich eines Hamburgers mit Pommes Frites liegen – dies kostet ja in Norwegen stolze CHF 20.-! Abends suchen wir ein schönes Restaurant, denn Regula hat zu ihrem Geburtstag Ende Januar einen Gutschein erhalten! ‚Nachtessen oberhalb des Polarkreis‘ – und wir sind nur ganz wenig daneben. Das Big Horn Steak House – wir sind inzwischen in der Zivilisation angekommen – mmmh, so ein Steak ist ein Genuss (und wie das duftet) und dazu eine Flasche Argentinischen Malbec……. Die Übernachtung auf einem Parkplatz einige Kilometer weiter ist etwas lärmig, aber den Schlaf finden wir heute trotzdem.






























