April 2008
1. Mai - Tag der Überraschung !
Am Morgen besuchen wir das Museum der Trullis. In der heutigen Zeit haben wir es schön! Früher war das Leben viel mühsamer in diesen kleinen Hütten, dunkel und kalt. Heute ist Auffahrt und im Ort ist heute Markt und es sind viele Italiener hier. Wir kaufen ein: Tomaten, grüne Spargel, Oliven, Zucchetti, Erdbeeren und Orangen.
Am Mittag Weiterfahrt nach Bari. Wir erkundigen uns im Hafen über die Fährverbindung nach Dubrovnik und planen die Überfahrt für morgen Abend. Nachher suchen wir einen Campingplatz am Meer. Es ist keine Saison und die Plätze sind alle nicht offen oder mit unserem Fahrzeug schlicht zu schmal. Also lassen wir das Fahrzeug an der Küstenstrasse. Viele Autos und Ausflügler und wir ziehen los (wir Narren) ins kleine Städtchen Gelati essen und bummeln. Zurück beim Camper: Oh Schreck, die Seitenscheibe zum Fahrerhaus ist eingeschlagen! Fotoapparat (mit allen Fotos) weg, doch zum Glück hält die Türe zum Aufbau dem Einbrecher stand. Durchstieg jetzt aber unbrauchbar, da Schloss vermorkst. Kaspar schimpft: ‚die Scheiss Italiener! Alle schauen zu und keiner macht etwas!‘ Wir entfernen die Glassplitter, verkleben ‚das Fenster‘ mit einem grossen Plastik und fahren wütend Richtung Castell del Monte. Natürlich verfahren wir uns und werden mit einem Umweg von 40 km fündig. Fussmarsch vom Parkplatz hin und zurück 4 km zum beleuchteten Schloss. Jetzt sind wir ‚verlüftet‘, der Ärger ist kleiner und wir essen Tomaten, Spargeln und Erdbeeren.
2. Mai - Castel del Monte
Haben über MAN Deutschland die Adresse der lokale Vertretung in Bari erhalten. Am Telefon reichen Bigi’s Italienischkenntnisse nicht und so fahren wir hin. Das Navigationssystem führt uns bis ca. 200 m Luftlinie heran. Dann ist Ende. In einer Sackgasse wendet Bigi und zwei nette Italiener machen Taxiservice zur MAN-Vertretung in einem schmutzigen Hinterhof. Hätten wir nie gefunden und ein Trinkgeld von 5 Euro ist Gold wert, denn sie sagen uns auch, wo es in der Nähe eine Elektronikgeschäft gibt um den Fotoapparat zu ersetzen.
Die Mechaniker sind freundlich und bestellen ein neues Fenster für morgen 10.00 Uhr – wir sind gespannt!
Im Elektrogeschäft kaufen wir den neuen Fotoapparat – der gleiche Typ, jedoch ein älteres Model.
Auf der Rückfahrt zum Castel del Monte sieht man links und rechts der Strasse viele schwarze Frauen, welche sich als Prostituierte anbieten.
Castel del Monte ist der Drehort des Films ‚Im Namen der Rose‘ mit Sean Connery. Interessante Architektur aus dem Jahre 1150, alles achteckig.
Wir gehen zu Fuss mit dem Laptop unter dem Arm zum nahen 5-Stern Hotel und wollen ins Netz – hoffentlich klappts! Heute morgen hatte auch die Espressomaschine gesponnen. Oh Wunder, am Abend funktioniert sie wieder!
3. Mai - MAN-Support spitze!
Früh morgens fahren wir nach Bari und sind gespannt, ob der Kurierdienst von MAN geklappt hat und unsere Ersatzscheibe angekommen ist. Super, die Scheibe ist da und wird ersetzt. Der Mechaniker ist super und kann auch gleich die vermorkste Schliessanlage der Verbindungstüre reparieren. Das mit den Kreditkarten ist so seine Sache – ob es an der Karte oder der Maschine liegt?
Unverzüglich fahren wir zum Hafen wo wir auf die Fähre heute Abend um 22.30 Uhr nach Dubrovnik warten. Da im Hafen kein Internetzugang möglich ist ziehen wir zu Fuss los ins Stadtzentrum. Gestern hat es ja wieder einmal nicht geklappt: Probleme mit Telecom, gestern und heute und morgen – wir sind eben in Italien.
No Stress – nur Nerven getestet !
Zum Glück ist keine Hochsaison und es wollen nicht all zu viele Leute auf die Fähre. Wir stehen ca. 1 Std. am Schalter an bis wir unser Ticket erhalten. ‚Die Lehrtochter‘ am Schalter weiss nicht so recht, zu was unser Auto zählt. Sie sagt nur: grande! Wir können sie überzeugen, dass es ein Roulotto und kein LKW ist. Kaspar hat den Spar-Tigg und wir reisen Holzklasse, d.h. Liegemöglichkeit im Salon zu suchen. Die Kreditkarte funktioniert wieder einmal nicht. Wir rufen das Call-Center in der Schweiz an und die teilen uns mit, dass es an der Telefcom-Leitung in Italien liegt!
Überfahrt Bari – Dubrovnik dauert 9 Stunden. Liegeplatz gefunden und angenehm.
4. Mai - Dubvronik/Croatien
Wie immer fahren wir mit Strassenkarte und landen prompt wieder fast im Zentrum der Altstadt. Diesmal wären wieder nur 5 Tonnen erlaubt gewesen, aber wir schaffen es ans andere Ende der Stadt. Nun schalten wir das Navigationssystem ein und landen mit kleinem Umwege auf dem Campingplatz. Zuerst mal Frühstück und entspannen. Zu Fuss mal schnell ans Meer und die Füsse baden. Nachmittags ziehen wir mit dem Roller los zur Altstadt. Hier ist viel Betrieb und wir machen die Tour auf der Stadtmauer. Zum Glück haben wir eine grosse Flasche Wasser dabei, denn es ist heiss und wir wandern sicher eine Stunde ‚Stägeli uf und Stägeli ab‘. Wir geniessen die Aussicht auf die schöne Altstadt, das Meer und die Umgebung. Dubrovnik ist sehenswert.
5. Mai - Dubvronik und Umgebung
Morgens 1 Stunde Walking! Wäsche trocknen mit Wind und Sonne, wie zu Grossmutters Zeiten ist immer noch effizienter als Tumbler! Mit dem Roller in die Altstadt um Travellerchecks zu wechseln – Zahlungsmittel des letzten Jahrtausend! Wird nur noch auf der Bank gehandelt und dort erhalten wir die Kroatischen Kronen. Bummel durch die Altstadt. Bigi hat eine Bar hoch über den Klippen an der Stadtmauer erspäht. Wir trinken ein Tonic und geniessen die Aussicht auf das tiefblaue Meer und die vorgelagerten Inseln. Mit dem Roller auf Entdeckungsfahrt kommen wir zu einem kleinen Hafenstädtchen. Wir sind erstaunt wie sauber und gepflegt die Promenade ist. Hut ab! Auch fühlen wir uns hier sicherer als in Italien. In Italien sin ddie Roller alle mit überdimensionalen Ketten gesichert, hier aber ausser unserem keiner. Für Kaspar ist heute ein historischer Tag: er schreibt sein erstes Email (und Bigi sitzt geduldig daneben und erklärt Schritt für Schritt).
6. Mai - Mostar/Bosnien Herzegowina
1 Stunde Walking im Regen. Camper für die Weiterfahrt bereitstellen: Toilette und Abwassertank leeren, Frischwassertank füllen, elektrische Kabel versorgen, Campingplatz bezahlen.
Wir fahren der wunderschönen kroatischen Küste entlang Richtung Norden. Im Neretva-Flussdelta sind einzigartige Felder und Bewässerungssysteme entstanden. Felder sternförmig angeordnet. Weiter Richtung Bosnien/Herzegowina nach Mostar. Am Zoll kommt dann die Überraschung – da wir keine EU-Bürger sind genügt die ID nicht und wir müssen unsere Pässe rausholen. Mostar als UNESCO-City ist bekannt wegen seiner Bogenbrücke, welche die alten Stadtteile miteinander verbindet. Im Bosnienkrieg 1992-95 wurde die Stadt sehr stark beschädigt. Auch heute noch sieht man sehr viele zerschossene Gebäude übersät mit Schusslöchern in den Wänden. Die Mostarbrücke wurde von den Serben vollständig zerstört. Jetzt ist alles sehr schön restauriert und viele Läden säumen die Strasse. Laut Kaspar ‚alles türkischer Ramsch‘. Wir übernachten auf dem schönen, neuen Parkplatz der Franziskanerkirche. Bigi will wieder einmal Fleisch und so gehen wir abends in ein Restaurant und essen Cevapcici (Hackfleisch-Spiessli). Heute haben wir die letzte Flasche 'Valser' aus unserem Keller geholt, danach gibt's nur noch Wein. Oh sieh mal da, Kaspar kann sogar anderes Mineralwasser trinken (ob dies zu Hause in der Schweiz auch so sein wird?!).
7. Mai - Blagai
Wir schauen zum Fenster raus und erspähen auf den Bergen kleine weisse Schneeflecken! Nochmals Besuch der Altstadt bei wunderschönem Wetter und Weiterfahrt nach Blagaj. Eine der fünft grössten und wichtigsten Wasserquellen Europas (45‘000 Liter Wasser pro Sekunde). Schon das zweite Mal heute betreiben wir direkte Entwicklunghilfe: Eintritt von 3 Euro für sozusagen nichts. Im schönen Restaurant direkt am Wasser essen wir zwei grillierte Bachforellen (6 Euro). Das nächste Ziel verfehlen wir wieder einmal mit der Karte, dafür wird die Strasse sehr schmal. Bei der Brückenüberfahrt hofft Kaspar, dass die Höhe reicht und Bigi zittert, denn sie traut der rostigen Brücke nicht so ganz. Hier ist der Name jeder Ortschaft …cici. Weil in Kroatien ein Teil der wichtigen Küstenstrasse von Nord nach Süd neu gebaut wird, führt die Umleitung durchs Hinterland. Na ja, nichts für Anfänger, denn das Kreuzen von LKW’s ist Zentimeterarbeit. 10 km vor Split fährt Bigi direkt ans Meer runter. Wie immer will sie so nah wie möglich am Meer sein und muss Kurven manövrieren und zwischen Bäumen durchgelotst werden. Kaspar wendet dann auf dem Kiesstrand und kommt ins Schwitzen: nur mit Mühe kann er Allrad einschalten, sonst wäre das Auto ‚versoffen‘.
an vordester Front, direkt vor der Tür
8. Mai - Split
Morgens beabsichtigt Bigi ein Bad im Meer zu nehmen. Oh Wunder, Kaspar erscheint auch in der Badehose. Danach benötigen wir keine kalte Dusche mehr. Unser Camper-Nachbar misst die Wassertemperatur: 17,5 C.
Weitfahrt entlang der Küste nach Split. Besteigung des Kirchenturms mit herrlicher Aussicht. Auf dem Markt kaufen wir heute ein halbes Grill-Poulet (nachdem wir das letzte Mal nur mit einer Stunde Wartezeit eines hätten ergattern können). Unser heutiges Ziel ist der Krka-Nationalpark (30 nördlich von Split). Auf dem Parkplatz beim Parkeingang wollen wir die Nacht verbringen. Um 18.00 Uhr kommt dann ein Mann mit einem kleinen roten Auto und sagt uns, dass um 20.00 Uhr Kontrolle ist, da hier campieren verboten sei. Also gut, wir folgen ihm zu seinem Camping ca. 10 km entfernt. Zur Begrüssung erhalten wir gleich einen halben Liter lokalen Wein. Schmeckt wie vermutlich wie Kochwein (haben wir zu Haus jedoch noch nie getrunken) und ist mit etwas Knabberzeug sogar geniessbar.
9. Mai - Krka Nationalpark
Wunderschöne Wasserfälle, sogenannte Kaskadenfälle. Alles grün und das Wasser fliesst aus allen Richtungen über die Stufen. Hier fühlen wir uns so richtig wohl und wandern 2,5 Stunden. Viele Leute tragen hohe Wanderschuhe und einige haben auch Wanderstöcke dabei – fast wie Baumeler Wanderferien. Am Nachmittag Schifffahrt auf dem grossen, langen See zu einer kleinen Insel (wie Brissago) mit Besuch des Franziskaner Klosters, weiter zum grossen Wasserfall und Besuch einer alten Mühle. Am Morgen bei der Runterfahrt war der Ausblick auf den See und Canyon so schön, dass Kaspar unbedingt ein Foto schiessen will – d.h. Kaspar beschliesst, dass wir zu Fuss nach oben steigen. Für Bigi Ersatz für fehlendes Fitness. Für Kaspar ist im entscheidenden Moment der Ausblick zu wenig imposant und so landen wir schlussendlich oben ohne ein Foto im Kasten!
Wir wollen noch bis ans Meer und fahren heute ausnahmsweise mit Navigationssystem – oder auch nicht. Zwischendurch fahren wir nach Landkarte und Kaspar will keine Autobahngebühren zahlen. So gibt’s nur eines: eine grosse Ehrenrunde gratis und franko – und wir haben wieder einmal eine Lektion gelernt. Abends eine feine Pizza in einer kleinen Hafenkneipe, schlafen ‚mit Blick auf’s Meer‘ - alles Peanuts.
10. Mai - Dalmatien
Heute ist schon um 06.00 Uhr Tagwache! Nochmals ein Stück entlang der Küste nach Norden, wo Bigi nochmals Kaffee direkt am Meer trinken will. Da verkauft uns ein Bauer eine Flasche seines Eigenbrandts: Slibovic (26 %), soll man vor dem Schafengehen trinken (oer als Medizin verwenden).
Fahrt über einen Pass (980 m) zum Nationalpark der Plitvizer Seen. Hier wurde der Film ‚Winnetou‘ gedreht. Gut vorstellbar: ‚der Schatz im Silbersee‘. Wunderschöne Seenlandschaft, viele Wasserfälle und auch viele Wanderer (Kaspar: Wanderknölle). Bigi ist erstaunt, dass Kaspar das Wandern gefällt: keine Blattern an den Füssen, keine extremen Steigungen (obwohl vom untersten Wasserfall bis oben hin über 500 Höhenmeter), zwischendurch Bootsfahrt und zum Picknick gibt’s Brot, Tomaten, Emmentaler aus der Schweiz und scharfen Thomy Senf. Abends sind wir auf einem wunderschönen Camping am Rande des Nationalparks, trinken Slibovic und geniessen kroatische Spezialitäten (gelb/oranges Staubgebäck – mh, pfaffig).
Kroatische Spezialitäten - Slibovic u. Staubgebäck
11. Mai - Das Wandern ist des Gloor Lust
Heute wandern wir 6 Stunden im wunderschönen Nationalpark. Den ganzen Tag plätschert das Wasser. Es ist warm, kalt, kühl, sehr windig, wenige Regentropfen – wie würde Thomas Bucheli vom SF1 sagen: ‚heute müssen sie mit jedem Wetter rechnen‘.
Heute hängt bei Kaspar ein Rüebli vor der Nase: zum Picknick gibt’s‘ Büchsenfleischkäse von der Migros!
Kaspar's Spruch des Tages: 'Jetzt hast Du nur noch mich und kannst nicht mehr die ganze Welt umarmen.'
Am späten Nachmittag fahren wir zurück Richtung kroatische Küste. Hier sieht man am Strassenrand, dass der Krieg (1992 – 96) durchgezogen ist. Hausruinen, Einschusslöcher, grosse Friedhöfe, Minenfelder, neu erstellte Häuser ohne Verputz ……. Und überall wird Honig und Käse von Bauern verkauft. Na ja, wir unterstützen die Bauern auch und kaufen einen ganzen Ziegenkäse (wer uns in den nächsten 3 Monaten besucht bekommt vermutlich ein Stück zum Salat).
Abends will Kaspar keine 30 Euro für den Camping aufwerfen und so übernachten wir auf einem Parkplatz direkt an der Küstenstrasse. Wir können die Beschilderung nicht lesen ……. und kennen das Gesetz für LKW-Fahrer in Kroatien nicht! Anstatt dass die Brummis um 22.00 Uhr still stehen beginnen sie vermutlich erst recht zu fahren. Heute Nacht waren wir in einer Strassendisco!
12. Mai - nochmals entland der Kroatischen Küste
08.00 Uhr fahren wir schon los (das grosse Geschäft erledigen wir wenn möglich auswärts). Im Rückspiegel erblicken wir den Wächter, der beim Nachbarn vermutlich eine Busse austeilt (campieren war hier von 21.00 bis 07.00 Uhr verboten). Unterwegs gibt’s Omelette mit Schinken zum Frühstück – denn das eingesparte Geld bringen wir immer gleich unter die Leute.
Opatija (dort soll Kaiser Franz Joseph eine Villa gehabt haben) wollen wir besuchen, aber zum Parkieren haben wir keine Chance. Von der Fahrerkabine aus sehen wir die schönen Kaffees und Kuchen vorbeiflitzen und leben Diät (obwohl wir beide vermutlich schon je 1-2 kg verloren haben). Bigi fährt weiter und hat alle Hände voll zu tun: bei 26 C muss sie 10x am Berg anfahren! Der nächste Stopp ist in Porec, einem schönen Touristenort. Morgen werden wir uns für länger vom Meer verabschieden und geniessen nochmals einen Abend in einem guten Hafenrestaurant und essen Fisch.
13. Mai - Kilometer-Fressen
Heute fahren wir viele Kilometer bis nach Bozen. Unterwegs begegnen wir hunderten von LKWs. Unglaublich, was alles von Nord nach Süd und Süd nach Nord transportiert wird: italienische Erdbeeren etc…….
Gegen Abend erreichen wir Bozen. Da wir nirgends einen Platz für uns finden landen wir am Kalterersee. Wir geben dem ‚Kalterer‘ ein Chance, müssen aber feststellen, dass dies doch nicht unser Geschmack ist.
14. Mai - Dolomiten
Heute früh gibt’s zuerst mal Kaffee am See. Danach fahren wir nach Bozen, wo Bigi McDonald erspäht hat (dort gibt’s meistens Internet). Wir landen in der Lobby des Sheraton Hotel und kaufen uns eine Internet-Acdcess Karte. Endlich gibt’s wieder News auf unserer Homepage, die Mails können jedoch aus irgend welchem Grund nicht gesendet werden.
Weiterfahrt nach Val Gardena, Passodi Sella (2300 m) Richtung Cortina d’Ampezzo. 20 km vor unserem Ziel steht wieder einmal eine nicht zu übersehende Tafel: max. Höhe 3.20 m! Passo Falzarego ist also nichts für uns und wir fahren einen Umweg von 130 km via Belluno mit hunderten von weiteren Kurven. In Cortina d’Ampezzo ist Zwischensaison und menschenleer. Wir erholen uns von der anstrengenden und eindrucksvollen Kurvenfahrt durch die Dolomiten in einer Vinotec und genehmigen einen Schlummerbecher.
15. Mai - Die Drei Zinnen
Heute will Kaspar unbedingt ‚die drei Zinnen‘, Wahrzeichen der Dolomiten sehen. Bis zu 16% Steigung haben wir zu erklimmen und auch Kaspar schwitzt und hebelt mit den Gängen. Geschafft! Nun stehen wir vor vielen ‚Steinmöcken‘ und wissen nicht welches die Drei sind. Bei einer Schaukäserei sagt man uns dann, dass wir soeben daran vorbeigefahren sind – zum Glück haben wir noch ein Foto geschossen.
Weiterfahrt ohne Passkontrolle nach Österreich Schengen sei Dank. Für Bigi ist die Welt hier so ganz normal und überhaupt nichts besonderes, was aber bald ändert. Nun geht’s über die Hochalpenstrasse ‚Grossglockner‘. MAN im 4.Gang mit 25 km bergauf kriechen und Kaspar hat Training für die Armmuskulatur rechts. Für Bigi schön zu sehen, dass auch der Chef mal den Gang nicht erwischt, anhalten und runter schalten muss! Imposant, wie die Österreicher ihr Strassen bauen – viel steiler als unser Gotthard. Auf dem Parkplatz nach der Zahlstelle parken wir für die Nacht neben einem Bächlein mit Aussicht auf weisse Bergmassiv. Da die Restaurants hier schon zu sind beschliessen wir (äh, Bigi) wieder einmal selber zu kochen. Wie immer findet Kaspar ‚Biginellas Küche‘ (neuer Name für Bigi) hervorragend.
Heute ist Röfes Geburtstag und wir sind gespannt, wie viele Rüebli er zum 'internationalen Karotten Tag' erhält.
16. Mai - Zell am See
Unser neuestes Hobby: Mineralwasser panschen! Kaspar schmeckt das kroatische Mineralwasser nicht und so mischen wir Mineral mit und ohne Kohlensäure – so kann es auch Kaspar trinken!
Hochburg der Volksmusik. Hier gibt’s zweites Frühstück: Kaffee und Apfelstrudel mit Vanilleeis (na ja, die Preise sind hoch – hier wohnt die Porsche-Dynastie). Im Internetkaffee geht’s heute etwas länger. Homepage funktioniert und auch das Herunterladen von Emails, Emails senden können wir jedoch nicht. Da dies schon zum zweiten Mal passiert ruft Bigi unseren Supporter in der Schweiz an. Inzwischen ist kurz nach zwölf Uhr und Thomas von Arx ist gerade am Mittagessen. Da er sich uns als ‚special Kunde‘ angelacht hat, lässt er Messer und Gabel liegen und schaltet die Fernwartung auf. Es geht länger und so machen wir Bekanntschaft mit Massimo, dem Internetkaffee-Betreiber. Ihm ist aufgefallen, dass Kaspar langsam nervös neben Bigi am Computer steht. Schon bei der Begrüssung hat er in Schwyzerdütsch geantwortet. Italiener, aufgewachsen im Rüebliland. Habs doch schon immer gewusst, dass der Aargau ein guter Kanton ist (Heimatort der Familie Gloor!). Wir reden über alles, er offeriert uns einen echten italienischen Espresso und der Internetzugang von über 2 Stunden ist sogar gratis. Merci, lieber Massimo (hoffentlich erinnern wir uns richtig an deinen Namen).
Kaspar’s Nervosität kommt daher, dass er ja nicht so viel am Hut hat mit Computer, und zudem freut er sich schon seit früh morgens auf das Rutschbahnfahren im Salzbergwerk Hallein (hier war er schon als Junge). Zuerst werden die weissen Schutzanzüge nach Vorschrift angezogen und es geht mit der Grubenbahn hinein in den Stollen. Die Führung durch das Salzbergwerk ist echt interessant, Bigi hat Angst vor den Rutschen, aber alles ist neu und nur noch halb so rasant: 27 und 40 m. Auf der längeren Rutsche machen wir eine Ehrenrunde und springen schnell die Treppe hinauf um nochmals nach unten zu brausen. Ausserhalb von Salzburg nehmen wir den Camping in Aigen mit Blick auf Schloss Salzburg. Unsere Abmachung ist, dass wir bei Ankunft nach 19.00 Uhr nicht mehr selber kochen: Wienerschnitzel mit Pommes Frites (riesig, flach und gut).
Salzbergwerk Hallein
17. Mai - Salzburg
Stadt der Original Mozartkugeln (in silbernem Papier eingewickelt, Konditorei Fürst). Na ja, so gibt’s nach der Busfahrt in die Altstadt gleich ein Versucherle. Die Altstadt, der Markt, die vielen schönen Läden ………. Bigi ist an der Leine und schleicht immer wieder in die gleichen Läden, wo sie sich in eine grosse rote Reisetasche verliebt hat. Mit viel Überzeugungskraft während zwei Tagen gelingt es Kaspar sogar, sie davon zu überzeugen, dass sie diese nicht braucht (wäre Bigi mit Regula unterwegs, so wäre die Tasche schon lange ihr Eigentum!).
Mittags sitzen wir bei hochsommerlichen Temperaturen auf dem Mozart-Platz am Spargelfest. Ein Häppli aus Spargel, Lachs und Avocadomousse mit einem Glas grünen Veltliner. Jetzt wir der Aufstieg zum Schloss aber mühsam. Oben angekommen lechzen wir nach Wasser, durchwandern die Museen und Wehrgänge. Zurück in der Altstadt gibt’s Kaffee, Kuchen und Zeitung. In der Stadt finden wir in einem Laden unsere schönen Weingläser ohne Fuss von Riedel. Kaspar hat bereits eines geschlissen. So kaufen wir ‚buy 8 –pay 6‘ und Kaspar zählt, dass er bis Ende Saison jeden Monat eines kaputt machen kann. Heute gibt’s Futter – 4-Gang Menu – zu Hause: Salat, Shrimps an Currydressing, grüne Spargel mit Mayo und gebratene Sätzle, Kaffee und Schöggeli.
Spargelfest auf dem Mozart-Platz
18. Mai - es regnet in Strömen
Mit dem Bus nach Salzburg, Kaffee und Zeitung uns einfach ‚sein‘. Um 11.30 Uhr wollen wir in den Dom zu einem Mozart-Konzert. Ach ja, wir haben wieder einmal falsch gelesen. Ein hoher Geistlicher und seine zwei Messdiener erscheinen und ‚glöckeln. (Bigi muss schmunzeln, da ein guter Freund von ihr Messdiener im Bündnerland war). Es ist eine heilige Messe mit einem Chor aus den USA. Die Predigt ist gut und bei den Liturgien zum Abendmahl schleichen wir davon. Mit dem öffentlichen Bus fahren wir noch kurz zum Schloss Hellbrunn (Besichtigung des Gartens im Regen). Zurück in der Stadt flanieren wir duch Altstadt und Parkanlagen Mirabell. In einer modernen Vinothek gibt’s Apéro bevor wir wieder nach Hause fahren.
19. Mai - Weiterfahrt nach München
Morgens ist für Kaspar wieder einmal Camper-Bereitstellung angesagt und danach fahren wir Richtung München – das Wetter lässt grüssen. In München fahren wir zum Campingplatz (8 km ausserhalb). Mit dem Bus und S-Bahn fahren wir ins Zentrum. Besteigung resp. Liftfahrt auf den Rathaus-Turm, Espresso trinken, Einkauf von frischer deutscher Spargel auf dem Viktualienmarkt und zurück in unser gemütliches Home.
20. Mai - München
Heute erwarten wir Brigitte Suter (Schwester von Kaspar) gegen Mittag mit dem Zug aus Zürich. Wir verbringen die Wartezeit mit Suchen (in der Kälte herumirren) eines Internetkaffees und kaufen eine Stunde ‚Online‘ für 3 Euro (soviel seid ihr uns als Familie und Freunde wert, damit ihr die Homepage verfolgen könnt).
Mit Brigitte geht’s dann ziemlich schnell in den schönen, gemütlichen Ratshauskeller. Kaspar will unbedingt Münchner Weisswürste essen. Einkaufen auf dem Viktualienmarkt (frische Eier, Schnittsalat und Erdbeeren). Wer weiss, wo und wann wir an den folgenden Abenden logieren. Da das Wetter richtig ungemütlich und nass ist beschliessen wir, heute noch nach Passau zu fahren. Beim Eintreffen sind wir gar nicht beeindruckt von der Stadt. Der Busparkplatz liegt am Güterbahnhof resp. unser Nachquartier. Na ja, wir haben ja Schnittsalat, frisches Brot, neue Kartoffeln, frische Spargel und diverse Schinken und auch noch Weiss- und Rotwein. Es geht nichts über eine sorgfältige Planung der Speisekammer. Kaspar’s Schwester ist am staunen, auf wie wenig Platz und mit wie wenig Bigi ein hervorragendes Nachtessen hinzaubert. Ein Gläschen Rotwein und sie denkt noch nicht an die erste Nacht in ihrem schmalen Bett.
21. Mai - Passau
Brigitte schläft besser als zu Hause und hört nichts von den lärmigen Güterzügen in der Nacht und besteht die Camper-Tauglichkeit. Stadtbesichtigung und wie Kaspar von früher weiss, gibt’s um 12.00 Uhr ein Orgelkonzert. Die weltgrösste Orgel (1 vorne, eine im Dach und drei hinten von einem Organisten gespielt (17914 Orgelpfeifen) tönt wirklich gut! Nach einem kleinen Imbiss (Gulaschsuppe oder Leberknödelsuppe) fahren wir weiter entlang der tschechischen Grenze – ‚Glasstrasse‘. Mit viel Glück finden wir dann tatsächlich noch Kaspars Wunsch-Glasfabrik (Eisch) und zufällig auch noch die Glasfabrik Riedel (unserer Camper Weingläser). Na ja, beim Direkteinkauf hier hätten wir für unsere 8 neuen Cabernet/Merlot Camper-Gläser total 3 Euro gespart. Liebe Freunde, habt ihr übrigens bemerkt, dass wir für jeden Besucher ein schönes Weinglas haben! Wir fahren bei trübem Wetter im warmen MAN über Land, saftige Weiden, sanfte Hügel und weite Landschaft. Abends stehen wir auf einem verlassenen Fabrikparkplatz und Kaspar bekommt wieder einmal seine heissgeliebten Barilla Nr. 5! Brigitte meint, sie könne hier in dieser Stille nicht schlafen, aber nichts so, auch hier schläft sie wie ein Stein.
22. Mai - Besuchstag
In Nürnberg besuchen wir auf der Durchfahrt Rainer und Gaby Chrupala. Blitzbesuch auf der Allradmesse in Bad Kissingen bei Herrn Bocklet, dem Erbauer unseres Expeditionsfahrzeuges. Er will wissen, wie es uns denn so geht in unserem neuen zu Hause und was gut oder schlecht ist. Wir können nur sagen, dass wir uns sehr wohl fühlen in unserem fahrenden Haus und dass wir nur noch kleine Verbesserungen anbringen werden: zusätzliche Seitenpolster beim Tisch, Aussenleuchte, kleiner Spiegel im Badezimmerschrank – alles nur Peanuts. Abends fahren wir noch zu Frank und Petra (Freunde von Kaspar von der Töfftour durch Australien 1994) nach Mühlfeld bei Mellrichstadt. Abenteuerlich! Frank informiert uns via Handy, dass die Durchfahrt nur bis 3,5 m möglich ist, kann Kaspar jedoch noch eine mögliche Route nennen (5,5 t Achslast). Der Chef fährt nach eigenem Gutdünken und unterwegs ruft Frank an, da er uns schon vermisst. Zwei Kilometer weiter können wir ihm sogar sagen wo wir sind, in Einödhausen. Wir warten schön brav am Strassenrand und er kommt uns mit dem Motorrad lotsen. Bei ihm zu Hause gibt’s leckeres Abendessen mit frischem Kopfsalat aus dem Garten.
23. Mai - Meiningen
Nach einem gemütlichen Frühstück im Haus fahren wir nach Meiningen, wunderschöne Barockstadt. Tee trinken im schönsten Museums Kaffee Deutschlands, Schloss Elisabethenburg. Frank zeigt uns noch das deutsch-deutsche Freilandmuseum: der ehemalige DDR-Grenzstreifen. Wir sind beeindruckt und es ist beinahe nicht nachvollziehbar, aber war Realität. Frank erzählt uns auch, dass er seinen Militärdienst nicht an der Grenze leisten musste, da er zu jener Zeit Verwandte in Westdeutschland hatte und dadurch Flutgefahr bestand. Wir bleiben noch zur Grillparty, die Frank schon vor einer Woche mit Nachbarn angesagt hat. Sogar der Bürgermeister ist dabei und wir sind gewiss, dass wir das Dorfgespräch der nächsten Tage sein werden – 300 Einwohner, ein Sportplatz und die Dorfkneipe.
24. Mai - Eisenach und Erfurt
Wieder einmal Sonne! Abfahrt nach Eisenach. Obwohl der Parkplatz auf dem Burghügel besetzt ist, lässt und der Parkwächter passieren. Nach 5 Minuten oben angekommen fragt uns der Wärter, was wir denn hier fahren: ein 4-Familienhaus. Da Big nicht wieder die steile und kurvige Strasse runter fahren will antwortet sie keck: nein, nur 1–Familienhaus worauf sie einen grossen freien Platz zugewiesen bekommt. Besuch der grössten deutschen Burganlage. Hier hat Luther die Bibelübersetzung im Jahre 1521 begonnen (den berühmten Tintenfleck sieht man links vom Gemälde). Kaum zu glauben, wie hier Fritz Eichel, ein Wiedertäufer, wegen seines Glaubens über 15 Jahre bis zu seinem Tod grässlich eingekerkert wurde. Er hat während seiner Gefangenschaft auf der Burg eine Feuersbrunst verhütet. Als Dank erhielt er ein Holzbettgestell in sein Verlies.
Weiterfahrt durch schmucke Dörfer nach Erfurt. Schöne Altstadt und schmucker Dom. Punkt 18.00 Uhr sehen wir durch die Seitentür im Dom ein Männerchor aufgestellt und schleichen uns gleich in den Dom. Das Glöcklein ertönt und wir sind wieder einmal in einer Messe mit Orgelmusik und Chormusik.
25. Mai - Weimar und Dresden
Mit dem Besuch der nach einem fürchterlichen Brand wieder aufgebauten Herzogin Anna Amalia Bibliothek wird nichts. Die Karten für heute sind um 11.00 Uhr schon ausverkauft. Nach einem Morgenkaffee fahren wir direkt nach Dresden. Wir haben Glück und finden nahe beim Zentrum direkt an der Elbe den Wohnmobil-Stellplatz mit Blick auf die Frauenkirche und div. Schöne Gebäude. Wir sind beeindruckt von all den historischen Bauten und gelangen gegen 18.30 Uhr endlich an die gesuchte Semperoper. Heute um 19.00 Uhr wird ‚die Zauberflöte‘ gespielt. Wir erstehen uns auf dem ‚schwarz Markt‘ drei Karten mit eingeschränkter Sicht auf die Bühne (je 33 statt 13.50 Euro). Schnell ein Brötchen an der Bar und rauf in den 3. Rang. Unsere Holzklasse Tickets sind der Hammer: stehend kann man auf die Bühne blicken, die Musik ist jedoch genial. Das Abendteuer hat sich gelohnt und wir gelangen nachts frierend zu Fuss über die Brücke zu unserem Home.
Semperoper in Dresden
26. Mai - Stadt und Land
Am Morgen bringen wir Camper-Brigitte quer durch Dresden zum Bahnhof. Wir verabschieden uns von ihr. Sie ist Camper tauglich! Zurück in der Altstadt besuchen wir um 12.00 Uhr in der Frauenkirche (Friedenskirche) die Orgelandacht. Eine Helferin erklärt noch die Geschichte und den Wiederaufbau dieser aussergewöhnlichen Kirche: 1990 -2005 total neu aufgebaut nach alten Plänen, Barockkirche (evangelisch), beeindruckende Höhe, 4 Emporen, hoher Altar und Orgel in schwindelnder Höhe.
Nachmittags Weiterfahrt in die sächsische Schweiz. Mit viel Glück gelangen wir an einen der besten Orte: Rathen. Wir sind jedoch auf der falschen Flussseite und müssen mit der Fähre übersetzen. Aufstieg zur Bastei, Sandsteingebirge mit lustigen Bergspitzen, wunderschönes Panorama und Blick auf die Elbe-Schlaufe. Zu unserem Erstaunen gibt’s ein Berghotel. Zurück beim Camper beratschlagen wir, wo wir wohl übernachten sollen, denn es ist überall Campingverbot. So parkieren wir zwei Dörfer weiter in der Pampa direkt auf dem Dorfplatz und studieren Prospekte für morgen.
27. Mai - Sächsische Schweiz
Morgennebel und es entpuppt sich wie im Prospekt eine mystische Stimmung der Natur! Von Schandau rumpeln wir mit der Kirnitschtalbahn (8 km lang, elektrische Strassenbahn seit 1898) zum Lichtenhainer Wasserfall. Dies ist ein Rinnsal. Alle 30 Min. wird oben ein Stauwehr geöffnet und dann kommt ein winzig kleiner Wasserfall. Dies alles nur, weil zwei Schweizer Kunstmaler gedacht haben, hier hätte es Berge und dann bräuchte es auch einen Wasserfall oder eine Touristenattraktion. Heute ist wandern angesagt und Bigi sucht eine der längeren und imposanteren Routen aus: zum Kuhstall, die Himmelsleiter via kleiner Winterberg mit grotesken Bergspitzen als Aussicht. Die Wanderwege sind sehr schön ausgebaut mit zum Teil sehr steilen Treppen. Kaspar sagt des Öfteren: ‚da können mir eure Glarneralpen gestohlen bleiben.‘ Dies ist eine Anspielung auf das Wandergebiet unserer Bülach Freunde. Zurück am Ausgangpunkt essen wir zusammen eine dicke Forelle in Wachholder geräuchert. (Dank halben Portionen kommt Kaspar seinem Wunschgewicht in mega kleinen Schritten täglich näher – der Gurt ist im letzten Loch und die Hosen schwabbeln und müssen bald durch kleiner ersetzt werden). 500 m vor der tschechischen Grenze übernachten wir an der Elbe. Zur Abwechslung gibt’s hier wieder einmal den Lärm der nächtlichen Güterzüge.
zwei Wandervögel aus Feldbrunnen
28. Mai - Festung Königstein
Trotz Eisenbahnlärm haben wir gut geschlafen. Wir versuchen nach Pfaffenheim zu gelangen, irren jedoch kreuz und quer durch die Gegend (max. 3,5 T Beschränkung, zu spitze Einbiegewinkel, schmale Strassen etc.). Keiner von uns beiden entpuppt sich als der geeignete Fahrer und so beschliessen wir um des Friedens willen zur Festung Königstein zu fahren. Sehr imposantes, grosses Bauwerk und wir lernen deutsche Geschichte (Bigi erhält Nachhilfeunterricht, da sie in der Schule einen Fensterplatz hatte). Weiterfahr via Meissen, wo wir die Ausstellungsräume der Porzellanfabrik Meissen besichtigen (günstigste Kaffeetasse 2. Wahl 130 Euro/Stück). Weiterfahrt Richtung Wittenberg. Übernachtung in Torgan. Im 2. Weltkrieg trafen hier die Truppen von Amerika und Russland das erste Mal zusammen. Auch Luther soll mindestens 40mal hier gewesen sein.
Unser Kühlschrank ist stark vereist und wir wagen das Experiment des Abtauens mit Schabe (Holzkelle) und Föhn.
29. Mai - Lutherstadt Wittenberg
Wir verlassen Torgan Richtung Wittenberg. Die Landschaft wird flach, überall riesengrosse Getreidefelder (wie gross sind die denn in Amerika?) und an jeder Ecke wird deutscher Spargel angeboten (3 kg für8 Euro!). Wir parkieren ausserhalb des Stadtzentrums. Überall grosse Parkflächen (der 2. Weltkrieg lässt grüssen). Wir wandern ins historische Zentrum, Rathaus, Stadtkirche und Besuch des Lutherhauses. Hier hat Martin Luther mit seiner Frau und 6 Kindern gewohnt und es gibt eine eindrückliche Reformations-Ausstellung. Luther war wirklich eine hervorragende Persönlichkeit in der europäischen Geschichte. Hätte Gutenberg nicht die Buchdruckkunst erfunden, so wäre die evangelische Bewegung vermutlich nicht zustande gekommen. Nur die zwei Ereignisse zusammen haben Geschichte geschrieben. Dies war einer der Wendepunkte der europäischen Geschichte (Kaspar ist ein guter Geschichtslehrer für Bigi). Die Schlosskirche ist ein Muss, denn hier hat Luther seine 95 Thesen angeschlagen. Weiter geht’s nach Brandenburg, was sich – ausser einem Haarschnitt für Kaspar für 7.5 Euro und Fransenschnitt für Bigi für 5 Euro – als ein Flopp entpuppt. Schlechte Beschilderung, Dom bereits geschlossen und von der Altstadt ist auch nicht viel zu sehen. Hier gibt’s noch viel Arbeit für die nächsten Generationen. Bigi hat uns bei Volker in Elstal angemeldet, damit wir in Ruhe (unter der Flugschneise) ausserhalb der Grossstadt Berlin campieren und den Frischwassertank auffüllen können.
30. Mai - Berlin
Es ist heiss! Bigi besucht die EBM-Freunde und Kaspar fühlt sich abgeschrieben. Aus Langeweile – oder weil es nötig ist – bringt Kaspar den Camper auf Vordermann, d. h. Scheiben reinigen, Fahrerhaus inkl. Innenraum aufräumen und Toilette reinigen. Am Mittag fahren wir mit dem Regioexpress nach Berlin rein. Ein Wunschtraum von Kaspar geht endlich in Erfüllung: eine Schifffahrt auf der Spree. Zum Glück gibt’s noch einige Brücken, denn da gibt’s für 15 m Schatten. Es gibt einen ganz anderen Blickwinkel der Stadt: viele Menschen liegen auf Gratis-Liegestühlen am Spreeufer und werden mit Bretzeln verwöhnt (natürlich gegen Bezahlung). Wir bummeln am Spreeufer bis zur Schleuse, Nikolaiviertel zu den Hackischen Höfen, noch etwas Kuhdamm und dann zum Abendessen zu Bigi’s Cousin Matthias Rosemann und Familie. Klar ist auch Christiane Koitzsch mit Easy (Hund), Tochter Ninetta und Tobi da. Ein Dank an Mathias und Familie, die nach so einem anstrengenden Sommertag uns mit deutscher Spargel, selbstgemachter Sauce Hollandaise, Kartoffeln, vers. Schinken und spanischem Weisswein verwöhnen. Vom Bahnhof Zoo hat der Regioexpress zurück nach Elstal dann 25 Minuten Verspätung und wir erreichen unser Ziel kurz nach Mitternacht. Es ist mega heiss im Camper und wir müssen zuerst mal alle Lüftungen einschalten.
31. Mai - noch heisser
Wir geniessen mal einen halben Tag rumhängen. Kaspar muss Frischwasser organisieren. Hier wie auch in Italien haben sie zwei Wassersysteme. Eines für Garten und Autowäsche (meistens Grundwasser und etwas sandig) und eines mit Frischwasser. Trink-/Frischwasser ist nicht so einfach zu erhalten und so dauert eine Füllung von rund 500 Liter gut 15 Minuten. Jetzt können wir wieder problemlos 14 Tage durchhalten (abwaschen, Duschen, Zähne putzen etc.).
Nachmittags führt uns Annelie Leistner an die wichtigen Orte in Potsdam. Das Schloss Sanssouci haben wir ja anfangs März bei winterlicher Kälte besucht. Nicht zu vergleichen mit den schön blühenden Gärten bei sommerlichen Temperaturen. Chinesisches Tee Häuschen, Glienicker Brücke (im kalten Krieg wuren hier die Agenten ausgetauscht) und Schloss Cecillienhof (Potsdamer Konferenz).
die zwei EBM Damen Elstal-Schweiz



























