Dezember 2010 Antarktis
Vom 7. - 17. Dezember unternehmen wir eine 'Expedition in die Antarktis', resp. angepasste Fahrt für Touristen in die Antarktis ohne Handy und Internet. Die Anfahrt von 1'600 km durch die 'Drake Passage' ist immer eher stürmisch und so schlucken wir mal wieder Tabletten gegen Seekrankheit. Der Name ‚Drake Passage‘ kommt vom britischen Seeräuber ‚Sir Francis Drake‘, der diese Passage als Erster gemeistert hat.
'Antarctic Dream'
7. Dez. – Das Abenteuer Antarktis beginnt
rompt hat die Kings Krab gestern Kaspar den Magen und Darm verdorben. Etwas kulinarisch Neues auszuprobieren ist für Kaspars Magen immer ein nächtliches Abenteuer. Auch haben wir schlecht parkiert, denn in Ushuaia läuft die ganze Nacht noch viel. Die vielen defekten Auspuffe und die pseudo frisierten Autos machen einen mega Lärm. MAN für die Zeit unserer Abwesenheit auf dem Camping sicher parkieren. Packen unsere sieben Sachen zusammen und fahren mit dem Taxi zum Hafen. Um 16 Uhr ist Einchecken auf unserem Schiff ‚Antarctic Dream‘. Sie macht einen soliden Eindruck. Beziehen unsere Schlafkabine 118 im untersten Deck, 50 cm über der Wasseroberfläche, in der Mitte des Schiffes. Mit der Aussenwelt sind wir via Fernseher verbunden. Erkunden das Schiff von vorne nach hinten und erhalten Informationen über den Schiffsalltag, z. B. Essenzeiten, Schwimmwesten und Seenotübung wird angesagt.
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Eine halbe Stunde später ertönt das Signal ‚Seenotübung‘ (Punkt Punkt Punkt Punkt Punkt Strich). Wir holen die Schwimmwesten und üben die korrekte Handhabung derselben. Anschliessend aufs Deck, wo wir die Zuteilung zu den Rettungsbooten erhalten. Lockere Stimmung, aber trotzdem möchte wahrscheinlich niemand bei diesen kalten Wassertemperaturen in Seenot geraten. Gerüchtemässig hören wir, dass ein am 5. Dezember ausgelaufenes Schiff in der Drake Passage in Seenot geraten ist!? Danach gibt’s den Empfangs-Cocktail: Empanadas, Crevetten- u. Pouletspiessli sowie diverse Häppchen und Drinks. Die ‚Antarctic Dream‘ legt ab.
Wir stehen bei Sonnenschein auf Deck. Fahren den Beagle Kanal entlang vorbei an Puerto Almanza (Argentinien), vis-a-vis von Puerto Williams (Chile). Dank schönem Wetter ist der Beagle Kanal flach wie der Zürichsee. Dies soll sich, wenn wir in der Nacht die Drake Passage erreichen, jedoch ändern. Laut Wettervorhersage soll es jedoch eine relativ ruhige Überfahrt ohne grossen Wind geben. Sind ja gespannt!
8. Dez. - Drake Passage
Das Schiff schaukelt und schlägt auf die hohen Wellen. Beim Morgenessen erwischt es Bigi mit der Seekrankheit. Kaspar geht es erstaunlich gut. Bigi liegt den ganzen Tag im Bett und Kaspar hört sich die beiden Vorträge über Albatrosse und Wale/Delphine an. Er hat dabei viel gelernt, so etwa: Albatrosse sind die grössten Seevögel, können bis 80 Jahre alt werden und haben eine Flügelspannweite von 3,5 m, Körpergewicht 60 – 80 kg. Die ersten Jahre bis zur Geschlechtsreife verbringen die Vögel nur auf dem offenen Meer, später dann legen sie pro Jahr ein Ei an Land. Wale sind Plankton-
fresser und haben keine Zähne, sondern eine Art Filter aus Haaren. Delphine und im speziellen der Orca (Killerwal) hat Zähne und verspeist Fische, Pinguine und auch mal einen Seelöwen. Zwischen dem atlantischen und antarktischen Ozean gibt es eine Kältebrücke von 10-12C. Erst wenn man in das kalte Gewässer kommt spricht man von Antarktis. Dies wird für uns in der folgenden Nacht sein. Die Antarktis hat ein vollständig eigenes Ökosystem. Angesichts des guten Wetters (das Meer hat sich etwas beruhigt) - gut für Bigi - können wir vielleicht die selten besuchte Ostseite der Antarktis ansteuern. In den letzten 11 Jahren war dies nur dreimal der Fall. Dort schwimmt viel gefährliches Packeis und grosse Eisberge.
9. Dez. - Drake Passge zweiter Tag
Liegend geht es Bigi gut, aber beim Morgenessen ist alles wieder vorbei. Am Mittag holt Kaspar für sie beim Schiffsarzt zwei stärkere Tabletten (Mareamin 100 mg). Die Pillen scheinen schnell zu wirken. Kaspar besucht wieder gute Vorträge über Pinguine und Seelöwen/Seeelefanten. Ein Tierfotograf, der auch als ‚Guide‘ arbeitet, erklärt wie ein Hobbyfotograf in der Antarktis gute Bilder schiessen kann. Die Lichtverhältnisse hier sind nämlich sehr speziell. Am späteren Nachmittag Anprobe der speziell warmen wind-/wasserfesten Jacken für die Landausflüge. Der Guide meint, es sei nicht allzu kalt, so zwischen +/- 5 Grad C. Der Wellengang ist moderat, aber das Treppensteigen und Gehen in den Gängen bereitet doch ziemlich Schwierigkeiten. Alle laufen ‚wie besoffen‘ herum und angeln sich von Pfeiler über Stangen zu den im Speisesaal am Boden befestigen Stühlen. Viele Passagiere lesen oder sitzen am Computer, sind faul oder liegen im Bett und schlafen. Kaspar hat Mühe bei diesem Seegang Tagebuch zu schreiben.
10. Dez. - erster Landgang Jubani Bay
Die Nacht in der Drake Passage war wieder unruhig. Nun wissen wir endlich, wie es sich in der gefürchteten ‚Drake Passage‘ anfühlt. Aber jetzt ist es geschafft und wir haben ein wunderbares Antarktis-Panorama. Wir sind bei der Insel ‚Saint George Island‘ mit der argentinischen Station ‚Jubani‘, welche wir nun besuchen. Zuerst ziehen wir alle Klamotten an: Bigi zieht 3 Paar speziell dicke Socken an, dicke Strumpfhosen und lange Thermounterwäsche, 2-3 Pullover/Fleece, die rote spezielle Windjacke, Gummistiefel, Halstuch, Handschuhe, Mütze und Sonnenbrille. Gesicht einschmieren mit Sonnencreme UV-50! So ausgerüstet warten wir schwitzend, bis unsere Gruppe ausgerufen wird, auf das Ausschiffen mit den Zodiac (Motorboot aus Gummi mit Stahlboden, angetrieben mit einem 40 - 60 PS starken Yamaha-Aussenbordmotor, Tragkraft 12 Personen). Über eine Aussentreppe hinunter und mit Hilfe zweier Matrosen gelangen wir ins Boot und dann geht es zügig an Land. Die eine Hälfte der Gruppe macht einen Spaziergang am Strand entlang. Alle fotografieren wie verrückt die Vögel und Pinguine. Ein Pinguin ist richtig fotogen und zieht seine Show ab. Er paddelt auf dem Eis, flattert mit den Stummelflügeln und stellt sich richtig in Posse. Dann zur argentinischen Forscherstation. Der Stationsleiter erklärt die verschiedenen Häuser. Es hat eine Krankenstation, eine Kapelle, Taucherhaus mit Dekompressionskammer, div. wissenschaftliche Labors, mechan. Werkstätten und einige Wohnhäuser. Hier leben das ganze Jahr permanent 12 Personen (Militär-personal) und zwischendurch auch zusätzlich immer wieder Forscher. Zur Zeit ist es ein Team aus Deutschland. Im Aufenthaltsraum schauen wir uns ein kurzes Video an und werden mit Kaffee und Kuchen verwöhnt. Souvenirs können selbstverständlich auch gekauft werden. Diesen Sommer sind wir die ersten Gäste hier! Zum Mittagessen zurück auf die ‚Antarctic Dream‘. Bei der Ankunft wird heisse Geflügelbouillon gereicht. Der Nachmittagsausflug findet in zwei Schichten statt. Wir sind in der Zweiten um 18 Uhr eingeteilt. Es ist schönes Wetter und nur wenige Wolken am Horizont. Mit den Zodiac hinaus in die grosse Bucht. In der Mitte ist eine grosse, steile Insel mit wenig Schnee. Fahren der Küste entlang, sehen sich räkelnde Seelöwen und Pinguine sonnen sich auf Eisplatten. Am Rande der Gletscher entlang, aber immer auf Distanz (40 m) ausserhalb des Gefahrenbereichs, falls ein Gletscher kalbern sollte. Man hört das Ächzen und Knacken der uralten Eismassen. Es macht Spass auf den Zodiac mitzufahren und man ist sehr flexibel und schnell unterwegs.
Wieder zurück wird heisse Schokolade mit einem Schluck Whisky gereicht, denn so spät war es doch richtig kalt. Das Abendessen ist wieder hervorragend (bestimmt nehmen wir nicht ab!). Kommen mit dem chilenischen Chefkoch ins Gespräch, welcher die letzten 20 Jahre in Saarbrücken gearbeitet hat. Auf der ‚Antarctic Dream‘ arbeiten 52 Leute. 17 Personen sind für die Hotellerie, 30 für das Schiff (Kapitän plus 3 Offiziere, der Rest sind Maschinisten und Matrosen), 5 Tour-Guides für die Ausflüge mit den Zodiac und diversen Vorträge zuständig, sowie ein extra mitreisender Arzt. Die Kabinen sind schön und werden gut sauber gehalten. Es können max. 72 Personen mitreisen; wir sind 58 Gäste. Das Schiff ist ca. 50 Jahre alt und wurde zuerst von der chilenischen Armee für die Versorgung der div. Antarktisstationen genutzt. Seit 8 Jahren fährt die ‚Antarctic Dream‘ unter Panama-Flagge als Expeditionsschiff für Touristen: von November bis März in der Antarktis und von Mai bis Oktober in der Arktis. Der Bug ist verstärkt und die Maschinenleistung 10‘000 PS.
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11. Dez. - argentinische Base ‚Esperanza‘
Gut geschlafen, wenig Schneefall. Der Kapitän sucht eine Passage zur ‚Weddel Sea‘ an der Ostseite der Antarktis. Während dem Morgenessen fahren wir langsam zwischen riesigen Eisbergen durch. Fantastisch, diese von Wind und Wetter geschaffenen Eisgebilde! Die Farben leuchten in weiss, schneeweiss, hellblau und dunkelblau.
Dann geht’s mit den Zodiac zur argentinischen Base ‚Esperanza‘ (Hoffnung). Der Name kommt daher, dass im Jahre 1903 hier ein Schiff Schiffbruch erlitt. Die Mannschaft machte sich auf, um Hilfe zu holen. 3 Männer mussten ein Jahr lang hier ausharren und es blieb ihnen einzig die Hoffnung auf Rettung!
Vor der Ausschiffung mit den Zodiac muss jeder seine Stiefel in der speziellen Desinfektionslösung waschen. Es sollen ja keine Keime auf die Antarktis eingeschleppt werden. Das gleiche Prozedere gilt bei der Rückkehr, nur müssen dann die Stiefel noch abgebürstet werden. Hier bei der Base ‚Esperanza‘ betreten wir das erste Mal den siebten Kontinent, die Antarktis. Vorher waren es nur vorgelagerte Inseln. Zwei Arten von Pinguinen sind hier überall und haben immer Vortrittsrecht. Besuchen zusammen mit dem Stationsleiter das kleine Museum, Casino und die Schule (hier leben für ein Jahr 5 Elternpaare mit 18 Kindern und Teenies). Die Erstklässler arbeiten bereits mit Computer. Jedes Kind trägt einen roten Pullover mit Aufschrift ‚Esperanza‘ und gross seinen Vornamen. Natürlich werden wir im Casino (Mehrzweckhalle, Tanzsaal, Restaurant, Bar, Fernsehzimmer) wieder liebevoll bewirtet. Kaspar ersteht sich einen Antarktis Aufnähsticker für seine Mütze. Am späteren Nachmittag, es ist ja 21 Stunden Tag, fahren wir zu einem erloschenen Vulkan, wo wir auf eine riesige Pinguin-Kolonie (100‘000 Paare) stossen. Beobachten die putzigen Pinguine und stapfen eine Stunde in Einerkolonne über einen kleinen Hügel. Sehr anstrengend, kalt und Kaspars Stiefel drücken! Überall, soweit das Auge reicht Pinguine. Zwischen den Pinguinen liegen faul ein paar grosse Seelöwen. Diese können bis in 2‘000 m Tiefe nach Futter tauchen und sind daher danach entsprechend müde. An Land müssen sie sich für den nächsten Tauchgang erholen und genug Sauerstoff tanken. Räuberische Vögel überfliegen die Pinguinkolonie, in der Hoffnung, ein unbewachtes Ei oder ein Junges zu greifen. Lustig ist auch den im Meer schwimmenden, springenden und tauchenden Pinguinen zuzuschauen. Diese zu fotografieren ist jedoch eher schwierig. Wir dürfen nicht mehr weiter, denn es tummeln sich zu viele Pinguine und Seelöwen am Strand und die Zodiac müssen uns hier abholen. Es ist saukalt, alle frieren und warten, um in die Wärme zurückzukehren.
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Um 23 Uhr bewundern wir den schönen Sonnenuntergang. Die Eisberge sind dadurch fantastisch beleuchtet und die Schattenspiele auf denselben sind schlicht grandios.
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12. Dez. - Weddel Sea und gigantische Eisberge
Um 2 Uhr morgens werden wir mit Lautsprecher geweckt: Sonnenaufgang ist angesagt! Stürzen uns in die Kleider und begeben uns aufs Deck. Der gestrige Sonnenuntergang verbreitete warmes Licht, doch heute früh ist das Licht ganz anders und kalt. Alle Frühaufsteher fotografieren wie verrückt. Der Wind bläst und es ist fürchterlich kalt. Kaspar bekommt beim fotografieren den ‚Kuhnagel‘ in den Fingern. Nach anderthalb Stunden gehen wir wieder gerne ins warme Bett zurück.
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Auf der gleichen Route zurück durch die riesigen Eisberge. Diese Szenerie gibt es nur in der ‚Weddel Sea‘ auf der östlichen Seite der Antarktis. Um 10.45 Uhr steigen wir in die Zodiac. Desinfektion ist heute nicht nötig, da wir nicht an Land gehen. Die Zodiac fahren schnell bis zu den riesigen Eisbergen. In nur 5 Meter Abstand tuckern wir an den Eisbergen entlang. Die Farben sind fantastisch: von dunkelblau zu eisblau und schneeweiss. Jahrringe, ähnlich wie beim Baumstamm, zeigen das Alter des Eises an. Jetzt können wir uns die ‚Eiszeit‘ vorstellen. Diese gigantischen Eisblöcke, 20 m hoch oder höher und bis zu 10 km lang sind hunderte (tausende?) von Jahren alt. Die Wellen haben auf der Wetterseite grosse eisblaue Höhlen geschaffen. Es erheben sich schroffe Eiswände vor den Booten und die möglichen Formen der Eisblöcke sind unendlich. Auf der Rückfahrt zur ‚Antarctic Dream‘ erreicht uns der Funkspruch eines anderen Zodiac, dessen Aussenbordmotor spuckt. Sofort fahren wir dorthin, aber inzwischen läuft der Motor wieder einwandfrei. Alle sind ziemlich durchfroren und schlürfen gerne die heisse Flädlisuppe. Den Film am Nachmittag ‚verschlafen‘ wir.
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Um 19 Uhr werden in ca. 2 km Entfernung Wale gesichtet. Man sieht die Fontäne der Atmungsluft sehr deutlich. Alle rennen an die grossen Fenster des Speisesaals. Es bricht Hektik aus! Die erste Gruppe ist bereits in den Booten und wir Anderen warten sehnlichst auf die Tour. In der rauen See schlagen die Zodiac ganz fürchterlich auf die Wellen. Alle halten sich krampfhaft an den Seilen. Kaspars Rücken freut sich jedes Mal über die Schläge. Die ‚Chilbi‘ zu Hause ist kein Vergleich! Kommen bis 30 m an die Wale heran. Fotos der Finnen (Heckflosse) können geschossen werden. Auch Kaspar macht aus dem wackligen Boot ein paar unscharfe Bilder. Nachher geht es der schwarzen Küste entlang. Hier nisten viele Vogelarten. Die Wellen schlagen in die Buchten und kleine Eisschollen helfen beim Vordergrund der Fotos. Fahren in schnellem Tempo zurück bis jemand den Guide bittet, etwas langsamer zu fahren wegen der Schläge. Erst um 22.30 Uhr wird das Nachtessen serviert. Alle schwärmen von diesem sehr kalten Ausflug und zeigen ihre gelungenen Fotos herum!
13. Dez. - Wale in Greifnähe
Wir haben Glück! Wieder wurden Wale gesichert und in einer Sondertour (unsere Gruppe ist diesmal zuerst an der Reihe) fahren wir über das ruhige und sehr flache Meer. Weil es nicht windet, ist es heute gar nicht so kalt. Mit Vollspead brausen wir in die Nähe der Wale, welche wir durch die Luftfontäne leicht finden. Wir haben das Glück, dass wir mehrere sehr scharfe Bilder der Finne machen können. Dies ist gar nicht so einfach mit unserem kleinen Fotoapparat. Bis auf 5 m können wir an die Wale heranfahren. Meistens sind ist es ein Pärchen, aber einmal ist auch ein Jungwal dabei. Wenn die Wale ‚scheissen‘ stinkt es auch bei ihnen fürchterlich! Überhaupt ist es immer eine Lotterie, auf welcher Seite – hoffentlich nicht unter dem Zodiac - die riesigen Wale (15 - 20 m) wieder auftauchen. Alle sind happy!
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Die nächste Tour beginnt bereits um 11 Uhr und bringt uns an Land zu tausenden von Pinguinen. Es stinkt stark, liegt doch viel Kot herum. Wir watscheln ähnlich den Pinguinen in Einerkolonne in der Spur, um keine grossen Löcher zu treten, da sonst die Pinguine leicht hereinfallen könnten. Diese gehen immer auf den ‚Pinguine-Highways‘. Besteigen einen Hügel. Sehr schwieriger Schnee und man versinkt zum Teil bis zu den Knien. Danach recht geschafft legen wir uns in den Schnee und betrachten das imposante Panorama mit den Bergen, Gletschern und Pinguinen. Der Abstieg gestaltet sich etwas einfacher: alt und jung rutschen auf dem Hosenboden in grossem Tempo den Hügel hinunter - nasse Kleider vorprogrammiert. Auf dem Schiff wieder Desinfektion der Stiefel, Batterie des Fotoapparats aufladen und einen neuen Fotochip einlegen.
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Der Landgang am Nachmittag muss wegen starken Windes kurzfristig abgesagt werden. Dafür fährt der Kapitän eine Runde in einer andern schönen Bucht.
14. Dez. - britische U-Boot/norweg. Walfangstation
Wecken um 7 Uhr. Sofort greift Kaspar zum Fotoapparat und wir eilen auf die Brücke. Schlaftrunken oben angekommen, das erste Foto schiessen. Oh Schreck, die Batterie ist noch im Ladegerät. Also vier Stockwerke über steile Treppen runter in die Kabine. Verpassen deshalb fast die schmale, nur hundert Meter breite Einfahrt in die Vulkanbucht. In der Einfahrt liegt ein britisches Schiffswrack, welches die Durchfahrt nicht geschafft hat. Nun befinden wir uns in einem ‚grossen, geschützten Hafen‘. Die Briten unterhielten von 1944 - 1946 hier einen U-Boothafen. Danach war es eine norwegische Walfangstation.
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Es liegen noch Walknochen herum. Ein Vulkanausbruch zerstörte diese Station teilweise und wurde daher aufgegeben. Später wurde der Hafen von Umweltgiften gesäubert. Die herumliegenden rostigen Hallen, Tanks, Häuser, Boiler und zum Teil Fahrzeuge wurden aber als Industriedenkmal zurück-
gelassen. Heute dienen dieselben uns als willkommenes Fotosujet. Wir besichtigen alles eingehend und wandern zwischen den Trümmern herum. Nachher steigen wir auf zum ‚Nelson Window‘, um auf die andere Seite aufs offene Meer zu schauen. Auf dem Weg zurück kommen wir an alten, kleinen (5m), verrotteten Walfangbooten vorbei. Ausser das Wetter änderte sich, war die Jagd auf die Wale nicht so hart, da sie keinen Fluchtinstinkt entwickelt haben und sich abschlachten liessen. Ein paar ganz ‚Harte‘ nehmen hier im Meer ein Bad. Dank dem schwarzen Vulkangestein soll das Wasser am Rand 5 Grad wärmer sein als normal. Bigi wollte zuerst auch und hat ihr Handtuch mitgenommen, dann aber doch nicht gebraucht.
Dies war leider unser letzter Landgang und von nun an geht es wieder Richtung Ushuaia. Die Drake Passage liegt vor uns und viele der Passagier (auch Bigi) verlangen vom Arzt Pillen gegen die Seekrankheit. Das Meer scheint ruhig, aber es schaukelt bereits sehr heftig. Das Meer glitzert im abendlichen Sonnenschein.
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Können die Küche besichtigen. Aus hygienischen Gründen müssen wir Haarnetze aufsetzen. Auf engstem Raum arbeiten hier 3 Köche, Konditor und Bäcker und bringen köstliche Menus und Torten auf die Tische. Vor allem der steile Auf-/Abgang hat es in sich, balancieren die Kellner hier doch bis zu 8 Tellern auf einem Tablett.
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An den Fenstern des Speisesaals segeln zahlreiche Petrell-Seevögel vorbei. Kaspar wollte diese schon einige Male fotografieren, jedoch immer ohne Erfolg. Seegang bereits Stärke 7 - 8 = Achterbahn!
15. Dez. - zurück durch die Drake Passage
In der Nacht hat es stark geschaukelt und immer wieder laut Wellen an die Schiffswand geschlagen. Kleider fallen vom Tisch und an Schlaf ist teilweise nicht zu denken. Das Bett federt unter dem Körpergewicht und macht die Schaukelbewegung des Schiffes in alle Richtungen verzögert mit. Liegend, vom Bett aus, können wir dank Kamera am Schiffsmasten alles live verfolgen und uns auf jede neue Welle vorbereiten. Mit den neuen Seekrankheitspillen geht es Bigi diesmal erstaunlich gut. Wir können frühstücken: Rührei, Speck, Schinken, Käse, Brot, Butter, Konfitüre, Joghurt, Früchte, Kuchen, Kaffee und Tee. Zu unterst im Schiff gibt es einen grossen Vorführsaal für Vorträge und Filmvorführungen. Heute gibt’s einen Vortrag über einen schwed. Antarktisforscher aus dem Jahre 1905-1907. Kaspar hat nur die Hälfte des Vortrages mitbekommen. Das Schaukeln und monotone Schiffsgeräusch im Hintergrund sind einschläfernd. Am Nachmittag dann ein Vortrag über die Verschiedenheit der Pole, Antarktis und Arktis. In der Arktis ist alles Wasser und die Antarktis ist ein Kontinent. Die Tierwelt ist ebenfalls unterschiedlich. In der Antarktis gibt es Pinguine, jedoch keine Eisbären. P.s: Königspinguine gibt es nur auf den Falklandinseln und St. Georg Island und so sehen wir leider keine. Es ist immer noch schwerer Seegang, 7 – 8 m hohe Wellen. Die Tische sind mit Rutschmatten bedeckt. Wein wird in Wassergläsern serviert. Das Essen ist meistens an den Tellern ‚angeklebt‘, z. B. mit Kartoffelstock oder sonstigen Breis. Auch gibt es nie Sauce und auch Reis oder Erbsli war noch nie auf dem Menu. Ausser in der Drake Passage gibt’s übrigens zweimal täglich Dessert-Buffet!
16. Dez. - letzter Tag Drake Passage
Welch ein Kindertraum: 24-Stunden Achterbahn, und dies erst noch ‚gratis‘! Alles fliegt auf den Boden und weiter unters Bett von Bigi. Schlecht geschlafen. Man wird von einer Seite auf die andere gewalzt. Auf die Toilette zu gehen ist ein Gleichgewichtskampf und muss vorher ‚gut geplant‘ werden. Kaspar kann ein Lied davon singen: eine Tischecke hat sich in seinen Oberschenkel gebohrt – blau, bläuer, am Blausten! Inzwischen ist Seegang Stärke 9 und die Wellen sind teilweise höher als das Schiff. Der Bug der ‚Antarctic Dream‘ taucht schlagend ins Wasser. Gischt spritzt über das Deck. Bigi hat sich beim Mittagessen schnell verabschiedet und ein Sandwich ans Bett geliefert bekommen. Am Nachmittag besucht Kaspar den Vortrag über Antarktik-Seevögel. Von 58 Passagieren sind nur 5 da! Später bringt Kaspar die roten Wind-/Wetterjacken zurück und wir hängen die Schwimmwesten wieder in den Zimmerschrank. Kaspar bezahlt noch die Rechnung für die diversen Schals und Mützen und steckt an der Rezeption ein Couvert mit dem Trinkgeld für die Crew in den Schlitz.
Die Guides haben eine musikalische Fotopräsentation der aktuellen Reise sowie ein illustriertes Tagebuch zusammengestellt. Alle Passagiere sind begeistert von den wunderschönen Bildern und der professionellen Aufmachung. Die meisten Passagiere laden dies auf einen USB-Stick. Überhaupt sind hier die meisten Passagiere mit vielem elektronischen Zubehör ausgerüstet: Laptop, spezielle Kameras, iPod, Kopfhörer, E-Books und vieles mehr. Die Passagiere haben die verschiedensten Berufe: Pensionierte wie wir, Drogist, mehrere Fotografen, ein Dokumentarfilmer mit Partnerin, Journalisten, Heissluftpilot, Banker, Hörakustikerin und Studenten. Sie kommen aus folgenden Ländern: Chile, USA, Frankreich, Portugal, Spanien, Brasilien, Deutschland, Holland, England, Kanada, Thailand, Israel, Japan, Italien und wir zwei Schweizer. Bordsprache vorwiegend Englisch und Spanisch. Natürlich darf der Farewell-Cocktail sowie wieder ein hervorragendes Gourmetmenu nicht fehlen. Die Passagiere sind am Geniessen, denn die See hat sich beruhigt und die berühmt berüchtigte Drake Passage ist Vergangenheit. Um in den Beagle Kanal einfahren zu können muss der Kapitän bis morgens 3 Uhr auf den Lotsen warten. Am Ende des Abends gibt es eine Versteigerung zu Gunsten der Crew-Kasse. Der Dreiecks-Wimpel ‚Antarctic Dream‘ geht für $ 200 nach Spanien. Die Antarktik-Schiffskarte (1x1 m), mit allen Kursänderungen minutiös von Hand eingezeichnet und vom Kapitän signiert, ersteigert sich Kaspar nach einem heissen Bietgefecht für $ 300. Er strahlt und wird von vielen beglückwünscht. Die eingerahmte Karte bekommt zu Hause einen Ehrenplatz!
17. Dez. - zurück in Ushuaia
Kaspar hatte eine Horrornacht: das gestrige Rindsfilet war zu viel des Guten! Tagwache 06.30 Uhr! Wir packen unsere ‚sieben Sachen‘ (siebzig Sachen) und besuchen fürs letzte Fotoshooting die Kapitänsbrücke. Die Crew bringt die schweren Gepäckstücke nach oben. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von den andern Passagieren. Es haben sich einige Freundschaften und Liebeleien ergeben. Wir als Schweizer sind halt etwas trocken – ist dies etwa wegen der Sprachbarriere?! Mit dem Taxi zum Campingplatz. Der Motor des MAN springt sofort an und wir parkieren auf einer geraden Fläche, um unsere siebzig Sachen wieder im MAN zu verstauen. Nachher fahren wir nach Ushuaia hinunter um die Wäsche beim Waschsalon abzugeben und die Mietklamotten zu retournieren. Bummeln durch die Einkaufsstrasse. Kaspar kauft sich doch noch eine warme, doppelseitige schwarz-weisse Fleecemütze mit Ushuaiasignet. Bigi erhält eine weisse ‚Patagonien‘-Fleecejacke (die Dritte auf dieser Reise). Im Restaurant ‚El Turco‘, in welchem unsere Tour-Guides essen, lädt Bigi die Präsentationen auf den USB-Stick. Christine, die uns sehr sympathisch war, hat heute Geburtstag und wir überreichen ihr ein kleines Schweizer Präsent (Waschlappen mit Kuh und Edelweiss, Kugelschreiber mit Schweizer Kreuz und natürlich Schweizer Schokolade). Auch die andern Guides erhalten ein kleines Präsent von uns. Nachher geht Kaspar zum Coiffeur und lässt sich die Haare kurz schneiden – entpuppt sich als sehr kurz und er braucht den nächsten Termin erst wieder in 4 Monaten! Treffen noch ein St. Galler Ehepaar, welches mit Hund auch in einem MAN unterwegs ist. Wegen des Hundes können die Beiden jedoch keine Antarktistour unternehmen und keinen Nationalpark besuchen.
Route in der Antarktis
Alles in Allem:
Die Antaraktis-Tour war fantastisch, die Drake Passage das Pünktchen auf dem ‚i‘! Das Schiff ‚Antarctic Dream‘ mit seiner netten, aufgestellten Crew ist nur zu empfehlen. Wenn man diese Reise buchen will und die nötige Zeit zum warten hat, so ist das Buchen vor Ort in Ushuaia einiges günstiger. Für uns war es ein super Erlebnis. Wie winzig ist doch der Mensch in der majestätischen Natur!





























































































































































