Februar 2011
1. Feb. - ein richtiger Ferientag
Verabschieden uns und bedanken uns bei den zwei neuen Freunden Nadin und Carlos für die herzliche Gastfreundschaft. Wenn man bedenkt: alles hat mit einem Kaffee und einem Schweizer Schoggistängeli angefangen! Tanken noch Frischwasser aus Nachbars Quelle und fahren vorsichtig die 400 m Feldweg zur Strasse runter. Auf dem Weg nach Bariloche stoppen wir noch bei dem kleinen Geschäft ‚Xoco We‘ Chocolate Artesanal. Hier soll es die beste handgemachte Schokolade geben. Mmmmh, und probieren kann man auch gleich. Es gibt also nicht nur in der Schweiz gute Schokolade. Hier kauft man die Schokolade meistens in Schnitten mit den verschiedensten Füllungen, der Kilopreis so ca. 35 CHF. Kurz vor Bariloche fahren wir mit dem Sessellift auf den Aussichtspunkt ‚Cerro Campanario‘. Uralter Zweiersessellift wie in den 70er-Jahren. Oben hat es viele Leute, aber herrliche Aussicht über den ‚Lago Huapi‘. In Bariloche schauen wir uns noch kurz das ‚Centro Civico‘ (Chalet-Stiel) an, Internet und tanken. Nun sind wir wieder auf der Strasse Richtung Chile, haben aber noch einiges im Frigo, was wir vorher essen müssen. Wir fahren den ersten schönen Camping am See an, Bikini und Badehose anziehen und lesen. Bigi wird’s zu warm: also kurz eintauchen im kalten See. Heute fällt uns das Resten essen nicht schwer und Kaspar holt sogar widerwillig den Grill raus: 450 g Lomo (Rindsfilet), diverse Blattsalate frisch aus Nadins Garten, Grilltomate, Pommes Chips und eine Flasche Malbec. Mit dem Rest der Milch kocht Bigi noch Caramelköpfli.
2. Feb. weiter nach Chile
Dem ‚Lago Huapi‘ entlang zum argentinischen Zoll. Lange Warteschlangen, aber innert 45 Minuten haben wir alle 3 Kontrollen hinter uns gebracht! Über einen 1300 m hohen Pass, Zickzackkurven und 41 km weiter zum chilenischen Zoll. Papierkram ist schnell erledigt, aber dann warten auf die Lebensmittekontrolle. Nicht nur bei uns wird genau inspiziert und alle Kästen aufgemacht, auch die Leute mit PWS packen ihre Koffern aus. Der Inspektor schaut nicht mehr so genau, denn das Wohnmobil interessiert ihn mehr. Weiter in den Nationalpark ‚Puyehue‘. Hier hat es heisse Quellen und auch ein Thermal Frei- und Hallenbad. Besichtigen die offenen Becken, aber es regnet in Strömen, sieht nicht gerade einladend aus und wir sind sowieso genug nass. Weiter über zum Teil schlechte Strassen (auch im Bau und immer wieder müssen wir lange warten) bis nach Puerto Octay. Hier suchen wir 2 km vom Ort ein Schweizer Restaurant, finden das Schild mit einem grossen gelben Wanderschuh jedoch nicht. Die Heckleuchte hinten links geht beim Wenden diesmal ganz in Brüche. Kaspar ärgert sich noch die ganze Nacht, denn Bigi wollte ja aussteigen um zu helfen. Nun stehen wir verbotenerweise am ‚Lao Llanghuihue‘ auf einem schmalen Damm und sehen auf beiden Seiten Wasser. Leider ist es bewölkt und wir können den 2660 m hohen Vulkan ‚Osorno‘ nicht sehen.
3. Feb. - Frutillar Baja
Fahren nach Frutillar Baja, einem kleinen, netten Nest mit schöner Uferpromenade, vielen Touristen, Restaurants, Hotels und Artisanal (Handwerk). Überall wird Kuchen verkauft. Hier leben viele Deutsche, die auch noch Deutsch sprechen.
Was aber das Beste ist, ist das Festspielhaus, schön am ‚Lago Llanghuihue‘ gelegen. Dies erinnert uns ein wenig ans KKL Luzern. Seit 4 Monaten offen und zur Zeit sind gerade die 43-igsten ‚Semanas Musicales de Frutillar, Chile‘ im Gange. Wollen Tickets für das Mittagskonzert kaufen, aber ausverkauft. Lernen einen Schweizer aus Dornach kennen, welcher im Moment Probleme mit der chilenischen Einwanderungsbehörde hat. Die Arbeitsbewilligung fehlt. Er bestreitet seit 28 Jahren seinen Lebensunterhalt mit der Panflöte und ist sehr gut gekleidet. Es muss also gut sein. Er gibt Kaspar noch einen Tipp wegen des Fersensporn: mit Honig einreiben, muss aber gute Qualiät sein, dann Gaze darum wickeln…. Kaspar verzichtet drauf, denn die Sache ist ihm zu klebrig. Wir kaufen nun Tickets für Montagabend ‚Opera Tirana Ritt‘, mit Orchester, Gesang und Tanz. Sind gespannt, was immer es auch ist. Beschliessen sofort auf die Insel Chiloé zu fahren. In der Nähe von Puerto Montt finden wir an der Autobahn eine MAN-Werkstatt. Sofort wenden und dann müssen wir noch einen halbe Stunde vor der Pforte warten, bis die Siesta herum ist. Wir zeigen dem Mechaniker unser Rücklichtmaleur und Problem mit dem Allradantrieb. Hier ist ein Sensor gebrochen. Die komplette Heckleuchte sowie der Sensor sollen am kommenden Montag/7.Feb. hier sein. Wir hoffen! Weiter nach Pargua, wo wir die Fähre zur Insel Chiloé nehmen. Die Stadt Ancud ist ein riesiges, armes, abgelegenes Nest. Schauen uns die Halle mit den Handwerkern an. Alle verkaufen selbstgestrickte Pullover, Mützen, Handschuhe, Socken und vieles mehr. Stehen auf einem Aussichtpunkt mit Palmen (kein Witz!) über dem pazifischen Ozean.
4. Feb. - Insel Chiloé
Hier auf Chiloé gibt es ein Unesco-Weltkulturerbe: spezielle Holzkirchen aus den Jahren 1870 - 1910. ‚Castro‘, der Hauptort der Insel besitzt eine grosse hölzerne Kathedrale mit zwei Türmen und ist schön restauriert.
Bekannt ist ‚Castro‘ auch durch die auf Holzpfählen stehenden Fischerhäusern. Auch hier wirkt alles ein wenig ärmlich. Das ist vielleicht weil an den Holzhäusern die Farbe abblättert und diese somit etwas verlottert aussehen. Machen eine kurze Fahrt mit einem umgebauten Fischerboot und sehen uns die Stadt vom Wasser aus an. Gefühlsmässig befindet man sich an einem See, so ruhig ist das Wasser. Nur an Ebbe und Flut bemerkt man, dass es der Pazifik ist. Im Handarbeitsmarkt kaufen wir günstige Souvenirs für unsere Lieben zu Hause. Fahren kurz nach Chonchi und zurück. Auf der Fahrt dorthin besichtigen wir drei weitere Holzkirchen. Leider sind die meisten geschlossen und es gibt nur die Aussenfassade zu bewundern. Auf der Rückfahrt sehen wir auf der Strasse zwei Jogger, die von der Polizei mit Blaulicht eskortiert werden. Dahinter eine lange Autoschlange!
Heute Nacht bleiben wir im Hafen von Castro, denn wir wollen die lokalen Meeresfrüchte probieren. In einem kleinen Restaurant essen wir ‚Bernerplatte‘ auf chilenisch: zweierlei Muscheln (viele), ein Stück Huhn, Wurst und eine Kartoffel, gekocht in einem Netz im Sud. Kosten inklusive Wein und Dessert CHF 20.20!
5. Feb. - UNESCO-Welterbe: Holzkirchen
In ‚Dalcahue‘ der nächste Handarbeitsmarkt mit angegliederter ‚Cochinera‘. Dies ist ein Gebäude, wo in 10 kleinen Küchen die Frauen vom Ort diverse Spezialitäten frisch zubereiten. Essen so etwas wie ein trockenes Schenkeli und Apfelkrapfen, herunter gespült mit Nescafé. Kurze Fähre auf die Insel Quinchao. Auf guter Strasse, aber Berg-und Talfahrt, allen Holzkirchen entlang bis ‚Matao‘. Hier ist Ende der geteerten Strasse. Besuchen die kleine Jesuitenkirche.
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In Achao ist Folklorefest. Viele Ramschstände und Grillbuden, in welchen viel chilenisches Asado gegrillt und Bier getrunken wird. Ein richtiges Volksfest. Überall riecht es nach Feuer. Nachher stellen wir fest, dass unsere Haustüre Kratzspuren und Fingerabdrücke aufweist. Aber wie gesagt, mit einem Schraubenzieher kommt man unmöglich rein. Übernachten kurz vor der Fähre. Hier wechselt Kaspar den Wasserfilter, welcher stark verschmutzt ist. Hatten schon längere Zeit keinen Wasserdruck mehr. Jetzt funktioniert alles wieder bestens. Lesen bei strahlendem Wetter. Dies ist hier alles andere als selbstverständlich bei 4000 mm Regen im Jahr. Zu uns gesellen sich drei chilenische Studenten mit Zelt, welche einen riesen Topf Kartoffeln kochen. Wir schenken Ihnen zwei Würste, die wir kurz zuvor gekauft haben. Später kommt die Frau aus dem Nebenhaus und will kassieren. Wir Touristen zahlen umgerechnet 4 Franken. Die Studenten sagen einfach: ‚wir haben kein Geld‘. Wahrscheinlich ist es sogar so, denn sie sind per ‚Autostopp‘ aus Santiago unterwegs.
6. Feb. - Puerto Montt - Puerto Varas
Welche Überraschung: direkt neben unserem MAN steht nochmals ein kleines Zelt. Mit der Fähre setzen wir über zum grossen sonntäglichen Handarbeitsmarkt. Neben den normalen Ständen gibt’s heute noch eine Mischung von Brocante, alte und neue Kleider, ein wenig Früchte und Gemüse und viele Einheimische Besucher.
Essen in der ‚Cochinera‘ feine Empanadas mit Meeresfrüchten oder Käse. Schauen der Besitzerin zu, wie sie diese herstellt. Zurück via Ancud und Fähre auf die Panamericana nach Puerto Montt. Eine Stadt, nicht zum verweilen. Im Hafen liegt ein grosses Kreuzfahrtschiff und auf der Hafenpromenade verweilen viele Chilenen.
30 km entfernt in Puerto Varas, einer kleinen Touristenstadt, auch Rosen-Stadt genannt, herrscht grosser Ferien- und Sonntagsverkehr auf der Küstenstrasse. Oh weh, hier ein Parkplatz finden. Das Ganze nochmals von der anderen Richtung und jupi, der einzige LWK fährt vom Parkplatz und wir schlüpfen in die Parklücke. Von hier aus haben wir einen perfekten Ausblick auf den Vulkan ‚Osorno‘. Hier kann man nicht gut vor dem Camper sitzen, so beschliessen wir einen Apéro zu genehmigen. Finden schöne sonnige Terrasse. Könnten ja gleich hier essen, aber es ist leider ein japanisches Sushi-Restaurant. Also später doch lieber selber kochen: Zucchetti und Rüebli dämpfen, in Schüssel legen, eine Lage aufgetaute Spaghetti drauf und mit Käse gratinieren. An der Uferstrasse mit fantastischem Blick auf den Vulkan schlafen wir. Es ist ein wenig lärmig.
7. Feb. - Opéra Tirana Rit
Fahren ins Zentrum. Müssen etwas ausserhalb parkieren, da Verkehrsstau und absolut keine Parkplätze. Spazieren zum See, geniessen mit Hüppen und Espresso die Aussicht, der Osorno versteckt sich im Morgennebel. Eine grosse, gelb-rote kath. Kirche steht auf dem Hügel, aber leider montags geschlossen. Hier sieht man noch gut den deutschen Einfluss: Kuchen, deutsche Schule, Hotelnamendeutsch etc. Weiter nach Puerto Montt in die MAN-Werkstatt ‚maco‘, um die Reparaturen ausführen zu lassen. Alle Teile sind hier, aber das rechte Rücklicht ist mit chilenischen elektrischen Anschlüssen geliefert worden. Also grosse, lange Diskussion – Kaspar würde am liebsten selber zugreifen, denn er kann kaum zuschauen, wie der Arbeiter mit falschem Werkzeug langsam hantiert -und dann endlich Umbau auf die deutsche Norm. Der Allrad sollte nun auch wieder funktionieren. Nach zweieinhalb Stunden ist die Reparatur fertig. Auf die Autobahn nach Frutillar Baja. Wir werfen uns in Schale für die ‚Opera Tirana Ritt‘ und gehen der Promenade entlang zum schönen Festspielhaus, Hauptsponsor Nestlé.
Der grosse mit schönen Hölzern ausgestattete Konzertsaal fasst ca. 1‘700 Personen. Die meisten Besucher sind gut angezogen, die Bühne ist gross, die Oper ist jedoch hiper modern und schrecklich anzuhören.
Das Bühnenbild ist aus Gerüststangen aufgebaut. Ein paar farbige Bändel vervollständigen das Ganze. Na ja, wir haben wenigstens den Innenausbau bewundern können.
8. Feb. - Autobahn nach Valdivia
Zuerst Kaffee und ‚deutschen‘ Kuchen im Konzerthaus. Schauen uns auch noch das deutsche Einwanderungsmuseum an. So etwas wie ‚Ballenberg‘, jedoch viel kleiner mit Mühle, Kuhstall, Schmiede, Wohnhäusern und Scheune mit vielen, alten Landwirtschaftsmaschinen. Die Auswanderer hatten ein entbehrungsreiches Leben. Erste Auswanderungswelle im Jahre 1870. Bis zum ersten Weltkrieg waren 30‘000 Deutsche in dieser Gegend. Weiter über Autobahn (gebührenpflichtig) und Nebenstrassen nach Valdivia. Seit Puerto Montt sind wir nun auf der berühmten 'Panamericana', die dem Pazifik entlang bis nach Alaska führt. Der Autobahn entlang hat es viele, grosse Beerenplantagen und wir kaufen frische Himbeeren und Erdbeeren. Jetzt wissen wir woher die tiefgefroren Himbeeren im Migros kommen. Überall entstehen Satellitenstädte mit kleinen, eng aneinander gebauten Häuschen. Valdivia wurde 1960 von einem Seebeben völlig zerstört.
Fahren weiter an die ersten Pazifikstrände, wo wir auf einem überhöhten Campingplatz übernachten. Hier am Strand gibt es Schilder, die vor einem Tsunami warnen und zugleich die Fluchtwege signalisieren. Ähnliche Schilder zeigen an, wo man sicher ist. Viele Feriengäste tummeln sich im schwarzen Sand am Strand. Bigi nimmt ein Bad, findet es jedoch saukalt. Heute war über 30 C Grad heiss! Im Hafen dümpeln 20 gelb gestrichene Fischerboote.
9. Feb. - am Pazifik
Die Sonne scheint leider am Morgen nur drei Stunden aus dem Nebel. Bigi macht Morgenwalking der Küste entlang. Kaspar putzt die MAN-Scheiben und kontrolliert den Honda-Generator und die elektrische 220 V-Zuleitung. Gestern waren wir am 220 V-Netz des Camping angeschlossen, aber bei uns hat es nicht funktioniert. Vermutlich war zu wenig Amper auf der elektrischen Leitung, um unseren Transformator in Gang zu bringen. Am Mittag spazieren wir an den Strand runter und essen am Fischmarkt in einer kleinen Bude ‚Empanadas Mariscos‘ (frittierte Teigtaschen mit Meeresfrüchten). Es knirscht vom Sand zwischen den Zähnen, aber alles ist super frisch, denn die Fischerboote werden gleich hier ausgeladen und bei der Herstellung und Zubereitung kann man zuschauen. Auf der Hafenmole isst eine chilenische Familie grosse, ungekochte Muscheln mit Zitrone (ähnlich wie Austern). Faulenzen den lieben langen Tag. Leider ist es nur 17 C Grad gegenüber der gestrigen Hitze.
10. Feb. - Wasserfälle 'Hoilo Hoilo'
Fahren nach ‚Valdivia‘ an den Flusshafen. Hier warten Touristenschiffe auf Gäste für eine Flussfahrt. Der Fisch- und Gemüsemarkt bietet alles, was eine gesunde Ernährung ausmacht. Seelöwen warten auf Fischreste. Hier haben sie sich einen guten Futterplatz ausgesucht. In Argentinien konnten wir diese Tiere nur aus 300 m Entfernung beobachten, hier auf 5 m. Spazieren durch den Souvenirmarkt und kaufen anschliessend auf dem Markt ein: Merluza (Fisch), Käse, Kirschen, Heidelbeeren und Eier. Auch wird frischer Saft angeboten. Na ja, Orangen gibt es zur Zeit keine, so trinken wir einen Himbeersaft, etwas süss, aber ganz kalt schmeckt er uns. Kurzes Stück auf die Autobahn und dann Richtung Ost nach Panguipulli und weiter bis nach Puerto Fuy. Hier gibt es eine kleine Fährverbindung nach Argentinien.
Kurz vor Puerto Fuy besuchen wir die grossen chilenischen Wasserfälle ‚Hoilo hoilo‘ – haben schon viel Imposantere gesehen. Am Strand von Puerto Fuy spricht uns eine chil. Familie an, denn unser MAN hat es ihnen angetan. Nehmen ein kaltes ‚brrrrr-Bad‘ im Lago Pirehuelco und geniessen den schönen und warmen Sommerabend.
11. Feb. - Naturthermen 'Los Pozones'
Die holprige Strasse zurück bis kurz vor Panguipulli und weiter über schlechteste und schmale Strasse nach Conaripe. Gut hat Kaspar diese Route gewählt. Er sagt: ‚Die Erfindung des Asphalt war genial.‘ Weiter in die - laut Reiseführer grosse internationale Touristenstadt mit ca. 14‘000 Bewohnern – hier herrscht Ferienchaos und Stau. Ohne Auszusteigen verlassen wir fluchtartig im Schritttempo die Stadt zu den einzigen Naturthermen ‚Los Pozones‘, ca. 30 km entfernt. Hier kann man sich in 7 Becken im heissen Wasser (35 – 40 C) sieden lassen. Alle andern Thermen in der Umgebung müssen das Wasser mittels Diesel wieder aufheizen. Hier treffen wir ein Schweizer Ehepaar, Marisol und Armin. Sie sind mit ihrem Datsun schon 3 Jahre unterwegs. In Mexiko haben sie einen zwei Monate alten Dackel adoptiert. Kommen mit ihnen ins Gespräch und verbringen mit ihnen im schönen Restaurant ‚Tirol‘ den Abend. Hier gibt’s frische Forelle sowie Hirsch und Wildschwein. In der Zwischenzeit hat es heftig zu regnen begonnen. Der Wirt ist froh um den Regen. In der Wintersaison kann es hier bis zu drei Wochen ununterbrochen ‚schiffen‘. Es gibt aber keine Überschwemmungen, da die Vulkanerde alles sofort aufsaugt.
12. Feb. - Wasserfälle 'Salto del Lajo'
Ganzer Tag fast nur Regen. In Temuco halten wir und besuchen den grössten Handwerkermarkt von Chile. Die grosse Halle beherbergt einige Metzgereien, die typischen Handarbeitsstände und viele kleine Restaurants. Essen den chilenischen Eintopf: Poulet und Hackfleisch überbacken mit Süssmais serviert in einer schwarzen Keramikschale.
Kurz nach Los Angeles befinden sich die grössten chilenischen Wasserfälle ‚Salto del Lajo‘. Nach langem Suchen, den die Einfahrten zu den Campings sind nur schmale, lange Feldwege mit Bäumen, stehen wir auf dem Camping Municipal direkt über den Wasserfällen. Schauen uns die Wasserfälle noch aus der Nähe an; typischer Rundwasserfall. Die Wege sind sehr schlammig. Die Autobahn nach Santiago ist teuer. Ca. alle 150 km kostet unser MAN 3400 Pesos (7 CHF) und einmal zwischendurch Ausfahren 900 Pesos. Sind heute durch eine sehr fruchtbare, flache Gegend gefahren mit grossen Weizen-, Reis-, Maisfeldern, Himbeer- und Blaubeerplantagen.
13. Feb. - Constitucion am Pazifik
Um 05.30 Uhr erwachen wir. Der MAN wird stark durchgeschüttelt. Wir schauen zum Fenster raus, aber niemand ist zu sehen, der unseren MAN aufschaukelt. Zwei Stunden später das Gleiche noch einmal. Nun sind wir ganz sicher, dass dies ein Erdbeben war. Später erfahren wir, dass es ein Erdbeben der Stärke 6 auf der Richterskala war. Schon ein mulmiges Gefühl! Wieder auf die Panamericana (Autobahn/Strasse Nr.5) bis San Javier. Hier verlassen wir die Autobahn und fahren Richtung Pazifik nach Constitucion. Vorbei an den ersten Weinbergen und durch neu aufgeforstete Nadelwälder. Hier sind Sägereien beheimatet. In Costitucion steht eine scheussliche Cellulosefabrik. Am schwarzen pazifischen Sandstrand entlang ein paar Kilometer nach Süden. Hier sind schöne Kliffs zu bewundern wie ‚das Kamel‘ und ,der Elefantenfuss‘.
Die Felsenkliffs sind weisslich und oben niesten viele Pelikane. Es ist lustig, ihnen bei der Landung zuzusehen, wie ein Flugzeug, das das Fahrwerk ausfährt. Finden einen netten, erhöhten Camping direkt am Strand. Den Besitzer fragen wir wegen des Tsunamis. Er sieht keine Probleme, ist er doch schon seit 12 Jahren in dieser Bucht. Hier in dieser Region war nämlich im Februar 2010 das starke Erdbeben (Stärke 9,2) mit Tsunami. So hundertprozentig wohl ist es uns aber nach unserem heutigen Erlebnis doch nicht. Kleiner Spaziergang am Strand. Bigi kann leider nicht baden gehen, da die Brandung viel zu stark ist. Lernen später den Chilenen Carlos kennen, der einen Monat vor dem Erdbeben ein Haus am Fluss in Constitucion gekauft hat. Er hat alles verloren. Jetzt baut er ein neues, stärkeres Haus eine Strasse weiter hinten. Wir hätten diesen Mut definitiv nicht!
14. Feb. - Bodega 'Miguel Torres'
Der Küste entlang nach Putu. Hier sollen Dünen sein, finden diese aber nicht. Erst auf der Weiterfahrt sehen wir Ausläufer davon. Dem Flusslauf entlang durchs Valley ‚Mataquito‘ nach Curico. Auch hier ist alles sehr fruchtbar. Es gedeihen, Äpfel, Pfirsiche, Melonen und auch sehen wir riesige Felder mit auf dem Boden wachsenden Tomaten. Man sieht nicht mehr viele zerstörte Häuser, dafür sind neue, vor allem Holzhäuser zu sehen. Ob der Staat hier geholfen hat, wissen wir jedoch nicht. In Curico besuchen wir die Bodega ‚Miguel Torres‘.
Bei einer Führung werden wir in die Geheimnisse des Weinbaus eingeweiht. Leider können wir das Lager mit den vielen Fässern nicht besichtigen, da vom Erdbeben beschädigt. Der Wein, welcher uns zur Probe offeriert wird ist sehr gut und wir kaufen 6 Flaschen und lagern diese für die nächste Reise. Die grössten Weintanks fassen 100‘000 Liter, sind 15 m hoch und haben einen Durchmesser von 4 m. Dies in x-facher Ausführung. Die neue Abfüllstation füllt ca. 32‘000 Weinflaschen pro Tag. Exportiert wird in alle Welt. Uf, schwitz! Heute war es noch heisser als gestern, so 35 Grad! Wir sind uns solche Temperaturen nicht mehr gewohnt, aber endlich haben wir den ersehnten Sommer.
15. Feb. - Valparaiso und Vina del Mar
15. Feb. – Valparaiso und Vina del Mar
Verlassen die Autobahn und fahren durch eine fruchtbare Ebene wieder Richtung Pazifik. Möchten in der grössten Hafenstadt Chiles ‚San Antonio‘ parkieren. Unmöglich! Zu viel Ferienverkehr. Die Strandpromenade sieht eigentlich gut aus und ist sehr belebt. Also dem Pazifik entlang nach Algarrobo, vorbei an einer riesigen Ferienlage mit dem längsten Schwimmbecken der Welt: 1,2 km und hier schwimmt sogar ein Segelschiff - eingetragen im Guinnessbuch der Rekorde. Die Küstenstrasse ist schlecht und die Sicht auf den Pazifk durch Häuser verbaut. Valparaiso nervt: wieder kein Parkplatz. Sehen uns daher die Stadt von der Führerkabine aus an. Schöne, alte Häuser und Lifte verbinden die Ober- und Unterstadt. Die Schwesterstadt ‚Vina del Mar‘ erscheint im Verkehrschaos prächtiger und hat mondäne Hotels. Fluchtartig auf der Route 62 Richtung Autobahn. Das Verkehrschaos wird durch die vielen kleinen privaten Busse und vor allem durch die vielen ‚Collectivos‘ (Sammeltaxi) verursacht. Diese fahren kreuz und quer und halten einfach auf der Fahrbahn, wenn ein weiterer Fahrgast zusteigen will. Es war für uns ein anstrengender und nicht unbedingt zufriedenstellender Tag, da wir lediglich ‚Kilometer abgefahren sind‘. Auch heute wieder keine andere Möglichkeit, als an der Autobahn-Raststätte zu übernachten.
16. Feb. - Aconcagua (6962 m)
Haben erstaunlich gut geschlafen trotz Verkehrslärm. Über ‚Los Andes‘ (ca. 500 m.ü.M.) innert 69 km mit vielen Serpentinen bis zur Passhöhe auf 3185 m.ü.M. Hier durch den 4 km langen Tunnel ‚Cristo Redentor‘ nach Argentinien.
Abstecher in den Nationalpark Aconcagua, wo wir nach einer kurzen Wanderung den mächtigen Aconcagua (6962 m) in voller Pracht sehen. Jedes Jahr versuchen ca. 4000 Bergsteiger den höchsten Berg Süd- und Nordamerikas zu erklettern. Weiter zur chilenisch/argentinischen Grenze – ein Blick in den Rückspiegel und der Aconcagua ist schon dicht mit Wolken verhüllt! Hier an der Grenze ist zum ersten Mal alles unter einem Dach. Wir müssen hinter 3 Bussen mit ca. 150 Personen anstehen. Nach längerem hin und her und mehrmaligem Nachfragen bei diversen Zöllnern werden unsere Papiere erledigt und wir dürfen mit dem Camper um die Halle herumfahren und auf der anderen Seite rückwärts wieder hinein. Die Autos und alle Reisenden werden streng kontrolliert. Was sie genau suchen, wissen wir nicht. Alle Buspassagiere müssen das Gepäck durchleuchten lassen und werden zusätzlich noch kontrolliert. Da wir das grosse Schild ‚no fruits etc‘ gesehen haben, hat Kaspar einige Früchte versteckt. Melone und Erdbeeren haben wir beim Warten schnell gegessen. War alles unnötig, denn unser MAN wird nicht inspiziert und wir dürfen einfach so durchfahren.
Ein paar Kilometer weiter ist ‚Puento del Inca‘, die 28 m lange natürliche Brücke. Man vermutet, dass die Incas in früheren Jahrhunderten bis hierher gelangten. Hier ist ein gelbes zerfallenes Schwefelthermalbad.
Über den Pass verläuft eine Schmalspureisenbahn, welche bis in die 50iger Jahre in Betrieb war. Man sieht noch die Schienen, das Trasse und die schönen, alten Stahlbrücken. Anscheinend wollen Chile und Argentinien diese Bahn wieder erneuern. 100 km weiter bergab stossen wir auf das kleine, gemütliche Dorf ‚Uspallata‘. Gerade im Camping Municipal angekommen fängt es an zu regnen. Die einzelnen grossen Tropfen wollen fast das Dach durchschlagen.
17. Feb. – Diffunta Correa (‚die Entschlafene‘)
Bei der Abfahrt zeigt der MAN-Kilometerstand die Schnapszahl 77‘777,7 km – zu dieser Tageszeit verzichten wir jedoch auf einen Schnaps! Bigi fährt auf guter Strasse bis kurz vor Mendoza. Hier besuchen wir willkürlich die Bodega ‚Bonfanti‘. Die Besitzer sind eine italienische Einwandererfamilie. Es stellt sich heraus, dass die Bodega erst seit 2004 existiert, aber bereits einen der 60ig besten argentinischen Weine herstellt. Haben eine Privatführung durch die Besitzerin, welche extra für uns langsam spanisch spricht. Der Betrieb ist aufs modernste ausgerüstet. Inmitten der hundertjährigen Reben stehen Olivenbäume, wie in Italien üblich. Der argentinische Rotwein schmeckt uns ebenso gut wie der Chilenische.
Weiter durch die Grossstadt ‚Mendoza‘ Richtung ‚San Juan‘. Diese umfahren wir grosszügig und gelangen östlich auf die Routa 145, wo wir noch bis zum grössten Wallfahrtsort Argentiniens ‚Vallecito‘ fahren. Hier steht die Heiligenstätte ‚Diffunta Correa‘. An Ostern sollen hier bis hunderttausend Personen kommen. Es hat viele Kitschläden und Picknickplätze.
Die Legende besagt, dass Maria Correa mit ihrem Kleinkind im Bürgerkrieg im Jahre 1841 auf dem Weg zu ihrem Ehemann hier verdurstete. Ein paar Tage später kamen per Zufall Maultiertreiber vorbei. Sie fanden die Mutter tot, aber das Kind hatte an der Mutterbrust überlebt, oh Wunder. Heute stehen als Erinnerung im ganzen Land an der Strasse kleine, rote Holzhäuschen und Heiligenschreine. Autofahrer und speziell LKW-Fahrer deponieren Petflaschen mit Wasser, damit heutzutage niemand mehr verdurstet.
Die Köchin Bigi legt einen Streiktag ein und was Kaspar sich nicht erträumt hätte, es gibt Schnitzel Milanese und Pommes Frites im Restaurant. Im Restaurant ist gleichzeitig ein ‚Sandwich Catering‘ eingerichtet. Die Chefin erklärt uns, dass so etwa alle 3 Tage 1200 Schincken/Käse-Sandwich - na ja, nicht super steril - hier gemacht werden. Verpackt werden sie zusammen mit etwas Schokolade und in Plastikbehälter verschweisst.
18. Feb.- Nationalpark Ischigualasto (Valle di Lun
Es war wieder eine laute Nacht. Alle LKW-Fahrer verlassen die Umfahrung und fahren hier vor dem Heiligtum vorbei, um sich zu bekreuzen. Weiter 80 km östlich und dann die Routa 510 nach Norden zum Nationalpark Ischigualasto (Valle di Luna). Unterwegs sagt Kaspar: ‚man merkt, dass wir immer mehr nach Süden kommen, denn man sieht die ersten Kandelabers (Kakteen).‘ Bigi lacht sich kaputt, denn wir fahren seit Ushuaia nach Norden - schon 3‘000 km! Der Park ist leider wegen zu viel Wasser geschlossen. Kurze Besichtigung des Museum mit den hier gefundenen Dinosaurierskeletten. Nun hoffen wir auf morgen und machen uns einen freien Nachmittag. Wir backen wieder einmal unsere Camper-Guetzli (Schoggi Chips nach Dorlis Rezept). Bigi hatte etwa wenig Mehl und so verschmelzen die Guetzli im Ofen zu einer Platte. Okay, alles in Stücke schneiden und nachher ‚die Hühner zum Brösmeli picken holen‘. Gluscht?! Bitte melden und wir bringen im Mai eine Kostprobe vorbei.
19. Feb. - es regnet ...........
Es hat die ganze Nacht geregnet, also ist nichts mit dem Nationalpark Valle de Luna und vermutlich auch nicht Talampaya. Sind froh über 4WD, campieren wir doch richtig im Dreck und müssen 40 m bis zur Asphaltstrasse. Es funktioniert, aber ein wenig hat Kaspar doch geschwitzt. Die Reifen sind nach einer Umdrehung voll Schlamm und Erde und greifen daher nicht mehr richtig. Man ist schneller eingesunken als man denkt. Fahren bis zum Nationalpark Talampaya, welcher wie befürchtet auch geschlossen ist. In dieser Wüste ‚Sierra de Sanogasta‘ fällt pro Jahr lediglich 170 mm Regen. Heute waren es sicher bereits 50 mm! Beschliessen diese zwei Parks bei der Rückfahrt nach Buenos Aires nochmals zu besuchen; wird ein kleiner Umweg von 500 km sein.
Die Strasse ist eine einzige Welle. Dies kommt weil das Wasser nicht unter Brücken sonder quer über die Strasse fliesst. Einmal warten etwa 10 argentinische PW, um durch das Flussbett fahren zu können. Kaspar schaltet den Allrad ein und wir fahren problemlos durch. Wieder ein kurzes Stück auf der Routa 4 Richtung Süden ‚San Juan‘. Kurz vor ‚San José de Jáchal‘ müssen wir über einen sehr schmalen Pass kurven. Hier tanken wir nochmals, denn in Chile ist der Diesel 20 Prozent teurer.
Nun auf die Routa 150 Richtung argentinische Grenze, wo wir übernachten. Müssen morgen fit sein für die Überquerung des höchsten befahrbaren Passes ‚Passo del Agua Negra‘, 4779 m.ü.M. – man bedenke, der höchste Berg in der Schweiz, der Dom ist ca. 4600 m hoch.
20. Feb. - Passo del Agua Negra
Zollabfertigung und das Tal hinauf bis zum letzten argentinischen Grenzposten. Haben den Papierfötzel vom Zoll mit den drei Stempeln vernuscht. Hektik bei gloorontour bricht aus! Na ja, finden diesen nach einigem schwitzen unter dem Sitz. Sind bei der Grenzstation bereits ohne es zu merken auf 3000 m.ü.M. und die Schotterstrasse ist besser als befürchtet. Diese wird zur Zeit bis auf 4100 m ausgebaut. In wenigen Jahren soll hier ein Basistunnel nach Chile entstehen. Weiter über kurvenreiche steile Strasse bis zur Passhöhe des Agua Negra. Hier laden wir einen Fahrradfahrer, welcher hier oben eine kalte Nacht im Zelt verbracht hat, zum Kaffee bei uns ein. Auf der chilenischen Seite ebenfalls auf kurvenreicher steiler Passstrasse ins Tal hinunter vorbei an farbigen Felsformationen in allen Farben leuchtend. An der chilenischen Grenze werden wir durch 4 Beamte richtig gefilzt. Wir wissen nicht, ob sie nur den MAN anschauen wollen oder nach Drogen suchen. Die Polster werden weggerissen und auch mehrere Aussenkästen aufs genauste inspiziert. Die Zöllnerin fragt Kaspar: ‚Haben sie Drogen?‘ Worauf Kaspar sagt: ‚nein, ich bin zu alt für dieses Spiel.‘ Alle Zollbeamten, ob argentinisch oder chilenisch, waren bisher äusserst nett und zuvorkommend. Heute wird Katharinas Geburtstagsgeschenk für Kaspar – Lichtzaubertee – beschlagnahmt und vernichtet! Na ja, dann trinken wir eben als Absacker Whisky statt Tee. Suchen einen Campingplatz und fahren deshalb ins ’Valle Elqui‘. Die Berge um das Tal sind braun und unfruchtbar, aber der Talboden ist mit riesigen Rebfeldern bewachsen. Von oben sehen die Reben wie Wiesen aus. Hier wachsen auch Papayas, welche man kandiert oder eingemacht kaufen kann. In dieser chilenischen Ferienregion finden wir viele Campingplätze, aber keiner, in welchen unser MAN reinpasst; zu steile oder schmale Einfahrten. Auch herrscht hier heute Sonntag ein reger Verkehr wegen diversen Festen und die Nerven werden richtig strapaziert. Am Schluss bleibt uns nichts anderes übrig, als bei einem Aussichtspunkt zu übernachten. Sitzen draussen, schwitzen wieder einmal bei 35 Grad so richtig und geniessen die süssen Trauben.
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21. Feb. - Observatorio del Pangue
Bigis Tiffschlagspruch auf Kaspars nüchteren Magen: ‚man würde dir gar nicht geben, dass du so clever bist!‘ In Vicuna, einer kleinen Stadt inmitten der vielen Rebberge erkundigen wir uns für den Besuch in einem Observatorium. Das ‚Observatorio del Pangue‘ wird uns empfohlen. Kaufen Tickets für die heutige Führung um 21.30 Uhr. Einkaufen und zur Shell Tankstelle, um unseren schmutzigen Camper waschen zu lassen. In der Waschanlage wird gerade ein Chevrolet LKW Jg. 1964 gewaschen. Kommen mit den beiden Besitzern ins Gespräch. Die zwei fahren mit diesem altertümlichen Bus in Dörfer und verkaufen neue und alte Bücher, eine fahrende Bibliothek. Schenken ihnen drei gelesene deutsche Romane und sie revanchieren sich mit einem englischen Peru-Reiseführer. Nun sind wir an der Reihe.
Während unser MAN gewaschen wird besuchen wir in 1,5 km Entfernung die Pisco-Brennerei ‚El Capel‘. Hier wird der bekannteste Pisco Chiles produziert. ‚El Capel‘ ist eine Kooperative mit 1‘200 Trauben-Produzenten, gegründet 1930. Der Schnaps ‚Pisco‘ wurde aber schon 1840 hergestellt. Eine englisch sprechende Führerin betreut uns während der Besichtigung des Betriebs. Hier werden 31 Mio. Flaschen Pisco abgefüllt, hergestellt aus den 121 Mio. angelieferten Trauben. Nur 4 % wird exportiert, den Rest trinken die Chilenen selber! Degustieren drei verschiedene Piscos. Der Geschmack von Pisco liegt zwischen Grappa und Brandy. Natürlich kaufen auch wir.
Zurück zum MAN, welche wieder weiss strahlt. Jetzt sieht man auch die seitlichen Kratzer, welche die Äste verursacht haben. Fahren genau 17 km in ein Seitental auf 1500m zum ‚Observatorio del Pangue‘, vorbei an blühenden Kandelabres-Kaktusbäumen. Campen vor dem Eingang und essen Grillpoulet vom Supermarkt mit frischem Salat. Um 21.30 Uhr kommen die zwei Astronomen mit den anderen Gästen. Schauen uns mittels Teleskop-Fernrohren den Sternenhimmel, Mond und später auch Saturn an.
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22. Feb. - Serena
Vom Obsorvatorio über die engen Kurven - bei drei Spitzkehren muss Kaspar den MAN zurücksetzen um die Kurve zu kriegen - vorbei an auf langen Tüchern ausgelegten Trauben nach Vicuna.
Hier in diesem Tal werden tausende von Tonnen Trauben zu Weinbeeren getrocknet. Weiter nach ‚Serena‘, einer schönen und lebendigen Stadt am Pazifik.
Das koloniale Stadtbild stammt aber aus den 50iger Jahren. In der grossen Markthalle essen wir in einem kleinen Restaurant auf dem Balkon im ersten Stock die hiesige Spezialität: Fisch gefüllt mit Meeresfrüchten und Käse überbacken. Schmeckt sehr gut. Bummeln durch die Strassen zurück zum MAN. Der Parkplatzwächter verlangt ca. 11 CHF für die 3-stündige Parkzeit. Kaspar bezahlt! Nun sind wir uns nicht sicher, ob wir für den grossen Camper zwei Plätze bezahlen mussten oder ‚über den Tisch gezogen wurden‘. Auf der Panamericana über einen Pass weiter nach Norden. In ‚Punta Colorado‘ verlassen wir die geteerte Strasse zugunsten einer sehr, sehr schlechten Holperpiste. Fahren bis ‚Punte de Choros‘ am Pazifik. Unterwegs stoppen wir viermal, den Kaspars Magen/Darm hat den Fisch oder auch den piccanten Dip nicht vertragen.
Campieren am Strand etwas erhöht mit Blick über den ganzen Campingplatz. Der Platzwart wollte für einen Nacht 40‘000 Pesos (CHF 80). Auf unsere entsetzte Reaktion, nochmaliges Nachfragen und versichern, dass wir kein Strom brauchen, beträgt dann der Preis 5‘000 Pesos pro Person. Vermutlich hat er einfach den Preis nach Grösse des Fahrzeugs gemacht, denn so ein Gefährt hat er noch nie gesehen. Leider windet es sehr stark, aber Kaspar ist wenigstens wieder okay.
23. Feb. - Faulenzen
Haben beschlossen, hier zwei Tage auszuruhen. Schlafen bis halb zehn und essen dann grosses Frühstück. Rekognoszieren wegen Bootsfahrt auf die ‚Isla Damas‘, bummeln dem Strand entlang, essen Empanadas und trinken dazu frischen Fruchtsaft.
Lesen draussen und Kaspar verbrennt sich die Birne trotz dichtem Gewölk.
24. Feb. - Isla Damas
Lösen zwei Tickets zur ‚Isla Damas‘ und gehen zum Büro des Nationalparks ‚Pingüino de Humboldt‘, um die Eintrittsgebühr zu entrichten. Spanisch lässt grüssen: wir verstehen, ob wir schon 16 Jahre alt sind und schauen uns komisch an. Claro! Nun sagt die Dame, dass wir nichts bezahlen müssen. Okay, akzeptieren wir. Nachher stellt sich heraus, dass Senioren über 60 Jahre ‚gratis‘ sind. Auch Bigi hat schnell gealtert. Mit einem kleinen, für 12 Personen umgebauten Fischerboot, geht die Fahrt zur Insel. Hier wandern wir eine Stunde um die Insel herum. Die Strände sind weiss und das Meerwasser ist südseeblau. Weiter zur Insel Choros, an welcher wir nur entlang fahren können und diverse Tiere sehen: Humboldt-Pinguine, Seelöwen, Pelikane, Kormorane und andere Vögel. Sehen das erste Mal auch einen See-Elefanten, welcher faul am Strand liegt, gut getarnt, kaum zu erkennen zwischen den grauen Steinen. Die Sensation des Ausflugs sind jedoch die Delphine, welche dem Boot folgen. Die Delphine sind erst seit 1978 hier, weil die Meeresströmung ‚el nino‘ diese hierher gebracht hat. Es gefällt ihnen anscheinend hier und sie wurden sesshaft. Am späteren Abend amüsieren wir uns eine Stunde lang, wie junge chilenische Neuankömmlinge versuchen ihr Zelt aufzustellen. Unser Camper riecht nach Waschmittel: Kaspar hat einen neuen Pyjama angezogen. Die Wäscherei aus Bariloche lässt grüssen.
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25. Feb. - Isla Chanaral
Auf relativ guter Strasse 20 km weiter der Küste entlang nach ‚Caleta Chanaral de Aceituno‘. Nettes kleines Kaff mit hübschem Fischerhafen, aber nur auf den ersten Blick. Auch von hier starten kleine Boote zur ‚Isla Chanaral‘. Hier soll es die Wale ‚Ballena Fin‘ geben (17 m lang und bis 45 Tonnen schwer).
Tatsächlich kommen wir bis zwei Meter an die Walfische heran. Dann entlang der Insel mit den Pinguinen, Seelöwen, Kormorane und vielen Vögeln.
Zurück im Hafen suchen wir zu Fuss einen Übernachtungsplatz. Es ist nicht so einfach einen schönen, ebenen und auch noch sauberen Platz zu finden. Wir stehen 20 m vom Pazifik, das Meer rauscht und am Abend schauen wir den Wellenreitern zu.
26. Feb. - Valle Huasco
Fahren auf sehr guter Erdstrasse zur Routa 5 (Panamericana). Bei Domeyko erreichen wir diese und bis zur nächsten Stadt Vallenar sind es 56 km. Laut Reiseführer soll das Tal hier ‚Valle Huasco‘ sehr schön sein. Fahren auf guter Strasse, aber mit hunderten von Kurven, u. a. dem langen Stausee entlang bis nach San Felix. Hier gibt es eine kleine artesanal Pisco-Brennerei zum Besichtigen. Durch schmale Gassen finden wir diese tatsächlich. Alles geschlossen. Wir läuten. Ein etwas mürrischer Besitzer öffnet seinen Laden resp. Fenster in Weinfässern. Können einen Süssen probieren und kaufen dann einen relativ teuren, der ähnlich Brandy schmecken soll. Enttäuscht fahren wir wieder das Tal zurück. Wir wollen an einem Picknickplatz mit Swimmingpool übernachten. Doch kein Parkplatz und es sind auch viele Wochenendausflügler hier. Bigi wollte doch baden und sie kann den Swimmingpool nur anschauen, oh weh.
Fahren ein paar Kilometer zur Staumauer, wo wir einen guten Rastplatz gesehen haben. Spazieren noch über die Staumauer und werden von zwei Chilenen angesprochen. Es entwickelt sich ein gutes Gespräch über dieses Tal und Chile. Er meint, es gehe ihnen zur Zeit sehr gut, da sie eine stabile Regierung hätten. Nun wird Kaspar bewusst, dass am Ende dieses Tales ein ganzer Berg aus Gold abgetragen werden soll. Dafür wurde ein Gletscher abgeschmolzen. Die Talbewohner (auch der eine Chilene) sind dagegen, da sie Angst um ihr Wasser haben. Kein Gletscher – kein Wasser. Abends trinken wir eine Flasche Rotwein namens ‚Suter‘. Kaspar opfert sich für den Rest unter Protest von Bigi. Er sagt: ‚nur no es Abgwöhnerli. Aber d’Suter cha mer sich ja nöd abgwöhne.‘ (Anmerkung: Bigi’s Familienname ist ‚Suter‘)
27. Feb. - Copiapo
157 km auf der Panamericana nach ‚Copiapo‘. Auftanken und auf dem Hauptplatz mittels Wi-Fi die Homepage aktualisieren. Funktioniert leider nicht! Noch kurz bei Unimarc Früchte und Brot einkaufen. Nun auf die Routa 31 Richtung Passo San Francisco, vorbei an vielen Mienen (Gold, Kupfer). Kein Verkehr. Die Landschaft ist eintönig, braun und rötlich. Wir merken überhaupt nicht, wie wir Höhe gewinnen. So sind wir innert 90 km von 700 m auf jetzt 3460 m hinauf gefahren. Nicht etwa in Kurven, sondern einfach geradeaus, ein riesiges Tal hinauf. Hier auf dieser Höhe übernachten wir um uns an die Höhe zu gewöhnen. Noch höher erscheint uns zu riskant. Kaspar hat bereits ein wenig Kopfweh. Es windet ziemlich stark und leichter Regen fällt. Bis hierher war die ungeteerte Strasse sehr gut zu fahren.
28. Feb. - Passo San Francisco (4726 m)
Haben beide schlecht geschlafen und auch leichtes Kopfweh. So sind wir schon um 08.15 Uhr auf der Piste. Die Fahrt ist ein wenig langweilig. Trotzdem braucht Bigi höchste Konzentration, denn der MAN merkt die Höhe und es hat happige Kurven und Schlaglöcher. Um 10 Uhr bemerken wir ein leichtes Schlagen an die Fahrerkabine. Oh Schreck, die Strebe ist bereits wieder gebrochen, das braucht Nerven! Haben Probleme beim Heben der Fahrerkabine. Kaspar öffnet die Tür in Schräglage um den Neutralgang einzulegen. Uf, nun ist das Türschloss der Fahrerkabine defekt! Na ja, so müssen wir eben das Zweitschloss zuschliessen und von der Beifahrerseite einsteigen. Es geht eigentlich alles schief. Bringen die Kabine doch noch hoch und Kaspar fixiert die Strebe mit einem Zurrband. Kommen leicht ausser Atem, sind wir doch auf ca. 4000 m! Am chilenischen Zoll normale Abfertigung. In 150 km wird dann der argentinische Zoll sein. Bigi ist völlig erschöpft vom fahren und darum machen wir Rast an der Laguna Verde. Nun entlädt sich über uns tatsächlich noch ein Gewitter mit Blitz/Donner und Hagel! Weiter auf dieser scheusslichen Schotterpiste über den Passo San Francisco. Genau auf der Passhöhe beginnt die Teerstrasse. Leider sehen wir die hohen Berge (6300 - 6900 m) nicht.
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Über weite Wüstenhochtäler durch eine schöne Schlucht mit blutroten Felsen erreichen wir ‚Fiambala‘. Hier soll es schöne heisse Naturbäder geben. Wie immer, nach einigem Suchen finden wir nach weiteren 15 km, schön eingebettet in einem schmalen Tal zwischen hohen Felswänden, die ‚Termal de Fiambala‘. Das Bad hat 14 Becken von 57 bis 23 Grad C. Alles sehr schön und gepflegt. Treffen hier ein deutsches und ein tessiner Ehepaar mit Wohnmobilen. Schwatzen bis tief in die Nacht hinein in einem 30-grädigen Becken. Na ja, hier kann man sich es einen Tag gut gehen lassen – oder auch gleich zwei.



































































































