November 2010
1. Nov. - Ankunft in Buenos Aires
Um 06.00 Uhr schnell unter die Dusche, denn wir können schon die Hafenmauer sehen! Noch kurzes Morgenessen und um 09.00 Uhr fahren wir mit unserem Wohnmobil aus dem Schiff auf südamerikanischen Boden! Bei uns wurde die Einfuhrbewilligung für den Roller vergessen und der Zollbeamte muss dies nachholen. Zum Glück haben wir dies bemerkt, sonst hätten wir irgendwann grosse Zollschwierigkeiten bekommen. Nach einer Stunde warten können auch wir das Hafengelände verlassen. Vor dem Zoll verabschieden wir die anderen Mitreisenden. Vermutlich werden wir uns auf dem Weg nach Süden irgendwo mal wieder treffen. Fahren zum alten Hafen, einem neuen Nobelquartier, welches von der Polizei rund um die Uhr bewacht wird. Finden dort in einer Seitenstrasse zusammen mit Thomas und Heidy einen ruhigen Parkplatz.
Marschieren ins Zentrum von Buenos Aires und fangen oberflächlich mit dem Stadtrundgang an. Vor dem rosaroten Regierungsgebäude sind immer noch viele Spruchbänder und Blumen vom Begräbnis von Néstor Kirchner, dem ehemaligen Präsidenten und Ehemann der jetzigen Präsidentin Argentiniens. In der Kathedrale wohnen wir einem Gottesdienst mit schönem tiefen Gesang bei. Es ist heiss geworden. Essen Tapas und trinken Kaffee. Es darf doch nicht wahr sein: Bigi findet in einem schönen Ledergeschäft eine schöne rote ¾-Jacke. Kaspar schenkt ihr diese zum verflossenen Geburtstag. Stadtplan holen, Postkarten und Einiges für den Kühlschrank kaufen. Todmüde erreichen wir zu Fuss den Camper.
2. Nov. - Stadtrundfahrt im Taxi
Im nahegelegenen Restaurant Morgenkaffee trinken und Homepage ins Internet stellen. Kaspar geht zwischendurch zum Coiffeur. Zusammen mit Heidy und Thomas mieten wir ein Taxi zum ACA (Automobil Club Argentina). Hier wollen die zwei eine Versicherung für ihren Camper in Südamerika abschliessen, was beim ACA nicht möglich ist. Kaspar möchte ein Garmin GPS kaufen und so sucht der Taxifahrer den Laden. Machen eine kleine Stadtrundfahrt. Sehen die riesige Metallblume, die geöffnet einen Durchmesser von 32 m aufweist. Weiter zum Obelisk, wo wir in der Nähe Tickets für eine Tango-Show buchen. Die Show fängt erst um 22.15 Uhr an. Der Taxi-Fahrer bringt uns zu seinem Lieblingsrestaurant ‚Manolo‘ in San Telmo, wo wir richtig zuschlagen. Angeheitert besuchen wir die Markthalle mit Gemüse und Antiquitäten. Kaspar sieht eine Uhr ‚Omega Seemaster‘ in Gold zu einem Schnäppchenpreis, getraut sich aber nicht diese zu kaufen. Nachher zurück zum Camper um auszuruhen, denn wir müssen fit für heute Abend sein. Die Tangoshow ist gut, jedoch richtig touristisch und ein kleines Musical. Um Mitternacht sinken wir müde ins Bett.
3. Nov. - 'La Boca'
Gestern hat es mit dem Aufladen der Homepage nicht geklappt. Daher machen wir einen zweiten Versuch. Taxi zum Teatro Colón, um Tickets für morgen zu erstehen. Leider alles ausverkauft. Werden morgen versuchen, kurz vor der Vorstellung, Tickets auf der Strasse zu kaufen für die Philharmonie Buenos Aires. Weiter nach ‚La Boca‘, dem früheren Italienerviertel mit den farbenfrohen Häusern. Hier wimmelt es von Touristen. Werden immer für alles Mögliche angequatscht, was Bigi gar nicht liebt. Trotzdem schauen wir fasziniert dem bunten Treiben zu. Die alten Häuser sind alles Souvenirläden, Galerien und Restaurants. Ganz anders als wir dies das letzte Mal sahen. Mit dem Bus Nr. 29 fahren wir zurück zum Plaza de Mayo. Eine Fahrt kostet pro Person 1.20 Pesos (30 Rappen). Die Fahrt kann man aber nur mit Kleingeld bezahlen, welches wir gerade vorher als Trinkgeld weggegeben haben. Ein Argentinier schenkt uns 3 Geldstücke.
Im Kaffee Tortoni, gegründet 1858, mit Jugendstileinrichtung, trinken wir gemütlich Kaffee. Ein Besuch hier ist ein MUSS. Holen Bigis Lederjacke ab, bummeln zum alten Hafen und trinken an der Sonne Caipirinha.
4. Nov. - Teatro Colon
Nach dem gestrigen Regen ist es nicht mehr so heiss. Ein Merkmal von Buenos Aires sind die ‚Hundesitter‘, welche bis zu 10 Hunden auf einmal spazieren führen! Die Polizei bittet uns freundlich, aber bestimmt den Parkplatz frei zu geben. Parkieren um und stehen ca. 700 m vom alten Ort entfernt in einer Sackgasse von einem ziemlich verlumpten Argentinier bewacht. Bummeln nach Sal Telmo, dem ältesten Stadtteil von Buenos Aires. Kaspar kauft sich die Omega Uhr, denn eine Solche hatte er zur Konfirmation erhalten, wurde aber später gestohlen. In einem alten Restaurant ruhen wir uns aus und spazieren zurück zum Plaza de Mayo und nach Hause.
Mit dem Taxi fahren wir um 19 Uhr ‚geschniegelt‘ zum Teatro Colon. Es gibt keine Tickets zu ergattern, denn das Konzert wird bestreikt und die Vorstellung fällt buchstäblich ins Wasser. Natürlich sind einige Besucher (4200 Plätze) nicht zufrieden und geben ihren Unmut lautstark kund. Eine Amerikanerin hatte ihr Ticket bereits im März erstanden. Sie nimmt es gelassen.
Zurück durch belebte Strassen und genehmigen uns im Kaffee Tortoni eine kleine Flasche Wein als Schlummertrunk.
5. Nov. - 'San Telmo'
Das Stadtviertel ‚San Telmo‘ hat es uns angetan und wir gehen nochmals dorthin. Auf dem Weg finden wir einen Laden, welcher reflektierende rote und weisse Bänder verkauft. In Argentinien ist es Vorschrift, dass die LKWs seitlich mit weissen und hinten mit roten Reflektierbändern markiert sind. Auch muss hinten ein 90-Signet aufgeklebt werden. Schlecken fleissig Helados (Eiscreme), Kaspar ersteht sich einen weissen Panama-Hut, kaufen Postkarten und schreiben diese. Bigi telefoniert in einem Telefon-Kiosk mit ihrer Mutter.
Zurück beim MAN klebt Kaspar die reflektierenden Bänder. Es braucht seine Zeit. Am Abend treffen wir Peter und Hedi aus Feldbrunnen, welche uns in ein gutes Restaurant zum Asado einladen. Lassen uns ein riesiges Lombo (350 g Rindsfilet) schmecken. Natürlich hat Kaspar in der Nacht dann Probleme.
6. Nov. - Weiterfahrt nach Lobos
Ab Richtung Lobos, wo wir den Campingplatz mit der Möglichkeit eines Einstellplatzes für den MAN besichtigen wollen. Über die Autobahn Richtung internationaler Flughafen verlassen wir Buenos Aires. Die grossen Strassen sind nicht gratis und kosten uns 11 Pesos. Wie üblich nach einigem Suchen finden wir den Camping an der Laguna di Lobos, am See. Es ist ein Freizeitpark mit kleinem Laden und vielen, vielen Feuerstellen für das Asado der Argentinier. Es herrscht ein buntes Treiben und die Argentinier sonnen sich, spazieren und vor allem essen sie viel und üppig gegrilltes Fleisch und Wurst, schlicht ‚Asado‘. Treffen Max und Heidy aus dem Tessin, welche mit ihrem MAN-Wohnaufbau Schwierigkeiten haben. Derselbe ist gerissen. Die Zwei nehmen es gelassen. Besuchen uns bereits am ersten Tag gegenseitig zum Apéro und Kaffee.
7. Nov. - Sonntagstreiben in Lobos
Noch ist der Campingplatz ruhig. Wir hängen unsere Kleider zum Lüften nach draussen. Schlagartig vor dem Mittagessen werden die 100 Grills angezündet und wir schliessen am Camper schleunigst die Fenster, verräumen die Kleider, denn es soll ja nicht alles nach Feuer und Grill riechen. Zugleich kommt starker Wind auf. Schauen einem Surfer zu, welcher mit seinem kleinen Hund auf dem Brett in atemberaubender Geschwindigkeit über das Wasser flitzt. Der Surfer fliegt mehrere Male ins Wasser, der Hund jedoch bleibt jedes Mal auf dem Brett stehen. In der Zwischenzeit braucht man Nebelschweinwerfer um im Grilldunst den MAN zu finden. Am Abend besuchen uns Heidy und Max auf einen Schwatz. Wir stehen noch kurz unter die Dusche, denn wir sind staubig und grillig.
8. Nov. - weiter nach Tandil
Schlechtes Wetter und saukalt! Reservieren die Einstellhalle für April bis September 2011. Die Halle ist nicht unbedingt das Beste, jedoch so, dass man es für 450 Pesos pro Monat inkl. Elektrisch akzeptieren kann. Bigi fährt seit langem wieder einmal. Sie hat Glück und erwischt die ganze Fahrzeit Regen. Die Landschaft ist flach und sumpfig. Viele Kühe und Rinder weiden. Wasservögel und Störche sieht man viel. Fahren von jetzt an Richtung Süden. Erreichen Tandil und stehen auf dem Campingplatz am Stausee.
9. Nov. – Car Racing Museum Juan Manuel Fangio
Marschieren in die Stadt. Besuchen die schöne Kirche. In Tandil wird Ostern ganz speziell gefeiert. Suchen das älteste Haus (1850) ‚Epoca de Quesos‘. In den russgeschwärzten Räumen befindet sich heute ein schmucker Laden mit Käse, Schokolade, Salami, getrocknetem Fleisch, Früchte und einem Restaurant. Trinken einen grusigen Kaffee und einen mastigen Früchtekuchen (welcher für ein Mittagessen reichen würde). Zurück zum MAN und weiter zum Carrefour, wo wir Wasser, Mineral, Joghurt, Wein und Entrecôte einkaufen. Bigi ist müde und so muss Kaspar wieder einmal fahren. Starker Seitenwind behindert die Fahrt. Beide Hände gehören ans Lenkrad.
In Balcarce kurzer Stopp, um das Automobilmuseum vom 5-fachen Formel 1 Weltmeister Juan Manuel Fangio zu besichtigen. Viele schöne restaurierte Rennwagen und noch viel mehr Silberpokale sind ausgestellt. Nun stehen wir in Miramar am Atlantik auf dem Campingplatz unter hohen Pinien. Es stürmt.
10. Nov. - Monte Hermoso
Bigi fährt 30 km auf einer schlechten Naturstrasse auf die Hauptstrasse Nr.3 zurück. Es rüttelt und schüttelt. Alles ist flach. Vorbei an riesigen Weizenfeldern und Weiten gelangen wir an den Badeort Monte Hermoso. Hier ist nichts los, stehen aber sehr schön am Strand. Marschieren eine obligate Stunde am Meer entlang. Kaspar ist eigentlich erstaunt, dass Bigi kein Bad nehmen will. Es ist ihr zu kalt und es hat zudem sehr hohe Wellen.
11. Nov. - Viedma, Ständerlampe heil abgeliefert
Morgenspaziergang Richtung Stadtzentrum. Fragen nach einen Spital, um Kaspars Quick wieder einmal zu kontrollieren. Nach einigem Suchen finden wir das etwas abgelegene Spital, aber die Laborantin darf ohne ärztl. Genehmigung die Kontrolle des Quick nicht machen. Ein Arzttermin ist jedoch erst ‚manana‘ möglich und somit fahren wir weiter. Wieder auf der Route Nr.3, immer geradeaus nach Süden, via die Industriestadt Bahia Blanca nach Viedma. Beim Mittagshalt verfüttert Bigi als ‚Tierlifründ‘ das alte Brot und auch 2 Rädli Salami einem streunenden Hund. Kaspar staunt nur noch! Später wird zweimal kontrolliert, ob wir keine Früchte oder Fleisch mitführen. Kaspars Salami wandert prompt ins Feuer. Die Früchte haben wir wohlweislich vorher gegessen. Auf der langweiligen Fahrt sehen wir auch grosse Reis- und Zwiebelfelder und als Gegenpol Wüste.
In Viedma können wir nun die Ständerlampe zum Weitertransport nach Neuquén abladen. Finden die Adresse mit Stadtplan schnell. Die Städte sind immer quadratisch angeordnet. Monica und Eduardo sowie ein Patient der Zahnärztin helfen uns beim abladen. Kaspar wird dabei recht schmutzig.
Verbringen die Nacht neben dem Einfamilienhaus auf einem Bauplatz. Werden zum Nachtessen bei ihnen eingeladen und sie organisieren auch schnell ihre Freunde Lina und Pablo, deren Tochter Marisol gut Englisch spricht. So ist das Kommunizieren etwas einfacher als auf Spanisch. Und schon werden wir von den Freunden für morgen Nachmittag zu einer Speed Boat Fahrt auf dem Rio Negro eingeladen. Nach 24 Stunden gehört jeder zur Familie oder ist Freund, ist herzlich aufgenommen und wird stürmisch verabschiedet.
12. Nove. - Speed Boat Fahrt auf dem Rio Negro
Schon früh bringt uns Monica zur Ärztin, welche Kaspar Blut für den ‚Quick‘ nimmt. Am Abend können wir dann die Blutwerte im Sanatorium abholen. In der Schweiz dauert diese Untersuchung 5 Minuten. Ohne Vitamin B und nur unseren Spanischkenntnissen wäre alles viel, viel komplizierter gewesen. Mit einer kleinen Fähre überqueren wir den Rio Negro um die Kathedrale von Carmen de Patagones zu besichtigen.
Treffen wohl den ‚verrücktestes Australier‘, der mit seiner Frau seit 7 Jahren die Welt bereist. Sie fahren einen selbstgebauten tiefliegenden Strand Buggy, Eigenmarke ‚Strange Rover‘! Das Fahrzeug besitzt keine Heizung und nur Seitenscheiben aus durchsichtigem Plexi-Tuch. Sie waren immerhin im nördlichsten Punkt in Alaska bei minus 26 Grad.
Am Nachmittag unternehmen wir nun die Speed Boat Fahrt auf dem Rio Negro. Das Speed Boat stellt sich als kleines, altes Sportboot heraus, aber es fährt grossartig. Um das Boot zu wassern muss zuerst die Flut kommen. In Viedma (30 km vom Atlantik entfernt) beträgt der Unterschied von Ebbe und Flut immerhin ca. 10 m. Fahren den Fluss hoch, bewundern die Kapriolen eines Seehundes, machen Pause und Kaspar trinkt das erste Mal Mate. Sein Gesichtsausdruck sagt alles, schmeckt ihm nicht besonders. Zum Mate wird Süssgebäck gereicht und geschwatzt. Zurück zum Jachthafen, wo wir uns verabschieden. Sind bereits die besten Freunde geworden und wir werden zum Abschied geknutscht. Inzwischen hat Monica Kaspars Blutwerte abgeholt: alles bestens! Am Abend laden wir Monica und Eduardo ins ein neues, schönes Restaurant am Fluss ein.
13. Nov. - Farm 'Santa Genoveva'
Eduardo hat uns eingeladen, seine kleine Farm, welche seit 1850 in Familienbesitz ist, zu besuchen. Das Stückchen Land ist 10 km lang und 2,5 km breit. Eduardo fährt mit seinem Pick-up und seinem Bordercoly voraus und wir mit Monica hintendrein. Die Farm ist 30 km von Viedma entfernt und nur über schlechte Strasse und am Schluss Feldwege mit vielen geschlossenen Gattern zu erreichen. Der Name der Farm ‚Santa Genovesa‘ und er züchtet Muttertiere. Auf 25 Kühe kommt ein Bulle; welch ein Leben! Besuchen sein Elternhaus, besichtigen die Küche und den Aufenthaltsraum. Nachher auf die Weide zu den Kühen und Bullen.
Die Bullen haben tausende von Fliegen auf dem Rücken und Eduardo behandelt diese mit einer chemischen Flüssigkeit. Die Augen sind entzündet und er sprayt sie mit einer violetten Flüssigkeit ein. Dazu werden die Köpfe der Bullen mit einer speziellen Holzvorrichtung eingeklemmt. Nachher wird die kleine Herde mit den Bullen auf die unendliche Weide zurück getrieben. Ein Gaucho, welcher auf der Farm lebt, ist immer dabei. Leider konnten wir Eduardo nicht als Gaucho auf dem Pferde bewundern. Das Leben hier war wirklich hart!
Nachher begleiten uns die Zwei in den Nationalpark ‚Punta Bermeja‘ an der Küste. Hier sehen wir viele Seelöwen
und die Papageien ‚Loro Barranquero‘, die immer paarweise ausfliegen und in Höhlen von bis zu 3 m Tiefe ihre Nester haben. Verabschieden uns von den Beiden. Über Wellblechstrassen bis zum Ende der Halbinsel zum ‚Punto Antonio Este‘.
Wir sehen eine Strassenevangelisation der ‚Chiesa Evangelica Luz i Restauracion‘. Der Prediger ist froh, dass er ein Traktat verteilen kann, denn es sind keine Leute anwesend. Nun stehen wir im starken Wind am Atlantik.
14. Nov. - Puerto Madryn
Wandern den unendlich weiten Strand entlang. Der Sand ist braun bis dunkelbraun, doch scheint er weiss zu sein. Die Lösung: alles Weisse sind Muscheln. Wir haben dies noch nie gesehen! Sammeln wie verrückt abgeschliffene Muschelplättchen – ergibt an Lederbändern schöne Geschenkhalsketten. Fahren zurück auf die Route Nr. 3, welche sehr gut ausgebaut ist. Tanken in San Antoni Queste wieder voll mit Euro-Diesel. Derselbe ist 20% teurer als der normale Diesel, aber Kaspar gönnt dem MAN den guten Diesel. Südlich von Sierra Grande kommen wir in einen neuen Staat: Chubut.
Hier ist wieder eine Strassensperre. Die Polizisten fragen nach Früchten, Fleisch etc. - wir werden durch gewunken. Hinter uns wird ein Bus mit Hunden inspiziert. In Puerto Madryn kaufen wir Lebensmittel ein, denn von nun an dürfen wir bis zur chilenischen Grenze Früchte, Fleisch etc. wieder mitführen. Stehen direkt am Meer vor der ‚Peninsula Valdes‘. Man glaubt es kaum, vom Ufer aus in ca. 30 m Entfernung kann man den Walen ‚Ballena Franca Austral‘ bei der Paarung zuschauen. So nah kommt man nicht einmal mit dem Schiff.
15. Nov. - Ruhetag
Vor unserer Haustür tummelt sich ein weisses Weibchen und ein schwarzes Männchen. Die Beiden lassen sich gut fotografieren. Das Weibchen kommt bis ca. 20 m an den Strand. Das Männchen ist ca. 16 m lang und ca. 40 Tonnen schwer. Schauen dem Paarungstanz etwa drei Stunden zu. Heute ist Ruhetag. Bigi wäscht ihre schönen T-Shirt von Hand und Kaspar sucht ein Leck in der Wasserleitung. Die Wasserpumpe schalltet alle 2 Stunden einmal ein. Vermutlich war der Hahn für die Aussendusche nicht richtig geschlossen. Am Mittag kurze Wanderung. Sehr anstrengend, da der Strand aus Kieselsteinen besteht und ein starker Gegenwind bläst. Treffen ein junges Schweizer Pärchen, welches die gleiche Strecke fährt wie wir. Trinken zusammen Kaffee und schwatzen. Fabio ist Schweizermeister im Fallschirmspringen. Haben ziemlich Duselgehabt, Wale zu sehen. Immer wieder halten Touristen an und schauen ohne Erfolg aufs Meer raus!
16. Nov. - Peninsula Valdes
Zahlen Eintritt für den Nationalpark, besichtigen das Informationszentrum und informieren uns über die Gezeiten und weitere Möglichkeiten zum Übernachten ausserhalb des Campingplatzes. Andere Plätze können wir ausschliessen, da sie tatsächlich US$ 250.- dafür kassieren! Fahren auf den Campingplatz Municipal des touristischen Dorfes Puerto Pyramides. Zwischen den Bäumen wird der Wind zwischen den Bäumen richtig verwirbelt und man kann kaum draussen sitzen, obwohl es strahlend blau und warm ist. In diesem Dorf werden viele Wale Watching Touren mit Zodiacbooten oder kleineren Katamaranen angeboten. Wir verzichten darauf, da wir die Wale ja gestern aus der Nähe am Strand gesehen haben (und ausserdem wurde es Bigi ja bei solchen Touren schon zweimal sterbenselend).
Trinken auf einer windgeschützten Terrasse Kaffee und essen argent. süsse Gipfeli ‚Medialunes‘. Schauen den Touristen zu, welche in den farbigen Windumhängen und orangen Seewesten Pinguinen gleichen. Schnüffeln in den wenigen Souvenirläden rum, aber ausser Aufkleber, Plüschwale und -pinguine, warme Pullover, Mützen und Postkarten gibt’s nicht viel.
17. Nov. - Tierwelt
Der Wind hat nachgelassen, dafür ist es bedeckt. Verlassen den Camping früh, um ca. 8 Uhr am äussersten Punkt ‚Punta Norte‘ zu sein, wenn die Flut reinkommt. Ca. 75 km Schotterstrasse und Geschwindigkeitsbeschränkung 60 km. Vielleicht haben wir ja Glück und sehen hier Orcas (vor allem bei Flut zu sehen). Oh schade, die Orcas sind in den Ferien, bestaunen aber die einzige See-Elefanten-Kolonie Südamerikas.
Die faulen Säcke bewegen sich kaum, denn sie sind keine Frühaufsteher und nur ab und zu robbt mal einer ins Wasser. Fahren der Küste entlang zum Punto Cantor und Faro Punto Delegado. Auf der Fahrt sehen wir viele Hasen, Lamas, Schafe, Pferde, Geckos, Mäuse, paar schöne rote Vögel und auch ein Touristenbus.
Am Strand tummeln sich Pinguine, Seelöwen, See-Elefanten und vers. Vögel. Hier ist es sehr einsam, nur ein paar ‚Estanzias‘ (Farmen) sehen wir von weitem. Treffen einen richtigen Gaucho mit Gewehr und einem enthäuteten Schaf hinten auf dem Sattel in Begleitung zweier Hunde. Kaspar getraut sich nicht ein Foto zu machen. Zurück im Camping trinkt Bigi schon den ‚täglichen Mate‘ (Kaspars Kommentar: wäck). Bummeltour durchs Dorf und essen Langoustines. In der Post wollen wir Briefmarken kaufen. Zufällig ausverkauft und wie immer ‚manana‘, was so viel heisst wie eventuell morgen. Da fragt doch Kaspar tatsächlich ‚wann‘? Dies vermutlich auch nur, weil er dies in Englisch und nicht in Spanisch fragen kann.
18. Nov. - Puerto Madryn und Punto Loma
Verlassen Puerto Pyramides Richtung Puerto Madryn. Hier finden wir zufällig eine Lavanderia (Wäscherei). Also ist kurzfristig Waschtag angesagt. In 4 Stunden können wir die Wäsche wieder holen. Bäckerei aufsuchen und Brot kaufen. Die Schinkengipfeli essen wir sogleich. Dann zu einem in der Nähe gelegenen Tankstellenshop mit Wi-Fi, um die Homepage aufzuladen. Telefonieren mit Skype mit Dorly und auch mit Heiri in Bülach. Kurzer Stadtbummel und Post suchen. In Argentinien gibt es keine Briefkästen! Kurz noch ein paar Frischprodukte einkaufen und zurück zum MAN. Die Wäsche ist fertig und schön zusammengelegt.
Quer durch Puerto Madryn zum Punto Loma, wo wir wieder eine Seelöwenkolonie aus nächster Nähe bewundern können. Zurück zum Stadtrand, wo wir auf einer Anhöhe am Strand campieren. Von hieraus schauen wir dem Schauspiel der sich paarenden Wale zu. Zum Nachtessen gibt’s unser beliebtes Campermenu auf argentinisch: kleine Kartoffelwürfel ‚provencal‘ mit Zwiebeln, Zucchetti und Peperoni sowie Beefe Chorizo (Entrecote). Mmmmmh!
19. Nov. - Gaiman
Schauen beim Kaffee noch einmal den vielen Walen zu. Es tummeln sich etwa 12 Paare in der Bucht. Leider sind sie etwas weit weg, sodass Kaspar keine wirklich guten Fotos schiessen kann. Aber dennoch ein gutes Schauspiel. Weiter geht es auf der Route 3 nach Trelew und von dort ein kurzes Stück die Nr. 25 ins Landesinnere nach dem walisischen Dorf ‚Gaiman‘. Dort gibt es typisch englische Teehäuser, wo wir im netten Lokal 'Casa de Te Gales' so richtigen ‚englisch Tea‘ mit div. selbstgebackenen Kuchen geniessen; alles hausgemacht. Der Wirt erzählt uns Einiges über die Region und sagt uns auch, dass die Schweizer Botschafterin Carla del Ponte vor ca. 4 Monaten bei ihm zu Gast war. Durch ‚Gaiman‘ führte auch einmal eine kleine Eisenbahn. Ein Tunneleingang kann man noch heute besichtigen. Zurück nach Trelew und Richtung Meer nach Playa Union. Hier suchen wir ‚Anna‘, eine Freundin unserer Spanischlehrerin Patrizia. Wir haben sie kurz vor unserer Abreise noch in Solothurn getroffen. Sie sagte uns, dass wir sie ganz einfach finden: ‚Anna, die in der Heladeria (Eisdiele) arbeitet.‘ Nach mehrmals fragen checken wir die Email und bekommen auch die Auskunft, dass sich die Heladeria Venezia in Trelew befindet. Da können wir ja noch lange suchen, und es liegt nicht an unseren Spanischkenntnissen. Campen am Strand und schauen den Wellen zu.
20. Nov. - wir finden Anna
Fahren nach Trelew und suchen Anna hier. Nach mehrmals fragen finden wir sogar ihren Arbeitsplatz, die Heladeria Venezia, welche aber verrammelt ist. Letzter Ausweg: Informationsbüro! Hier kann uns eine junge, hübsche Dame weiterhelfen. Sie telefoniert für uns und findet heraus, dass Anna eine neue Handy-Nummer hat! Und siehe da, Anna ist am Draht und ist in Playa Union, wo wir heute früh noch am Strand spazieren waren. Fahren die 25 km wieder zurück und finden Anna genau dort, wo wir gestern gesucht haben. Auch war hier bis vor einem Jahr die Heladeria Venezia unten im Haus! Kaffee trinken, Kuchen essen und plaudern. Stehen im starken Wind und schauen den ca. 20 Wellenreitern zu. Der MAN schaukelt.
Zum Nachtessen laden wir Anna ins Restaurant ‚Cantina Marcelino‘ ein. Essen frisch gefangenen Fisch auf vers. Arten. Vis-a-vis legen die Fischerboote an. Das Essen war hervorragend, aber die argent. Portionen sind für uns viel zu gross! Verabschieden uns und schenken Anna für ihre bevorstehende Hochzeit mit Rolf aus Solothurn am 30. Dezember eine kleine Flasche Prosecco und zwei grosse Lindt-Schoggiherzen.
21. Nov. - Punta Tombo, Magellan Pinguine
Diese Nacht haben wir dank einlullenden Wellen gut geschlafen. Nur kleines Frühstück. Fahren nach Punta Tombo, wo die grösste südamerikanische Kolonie Magellan Pinguine (halbe Million) ihre zwei Eier ausbrüten. Einige Jungtiere sind schon geschlüpft (Faustgross) und werden von den Eltern warm gehalten. Viele Touristen bewegen sich auf den abgesperrten Wegen. Pinguine haben generell Vortritt vor den neugierigen Besuchern. Es ist lustig zuzusehen, wenn sie in Einerkolonne watscheln. Um Futter für den Nachwuchs zu holen schwimmen sie schon einmal bis zu 600 km. Diverse Pinguine tragen Nummern an den Flügeln. So können diese jeder Zeit für Studienzwecke überprüft werden. Ein Pinguin kann bis zu 30 Jahre alt werden.
Weiterfahrt über ca. 150 km Schotterpiste bis nach Camarones.
Ein kleines Fischerdorf mit dem Geburtshaus, heutiges Museum, des ehemaligen argent. Präsidenten Péron. Zum übernachten stehen wir in der Sonne am kleinen Fischereihafen.
Heute haben wir folgende Tiere gesehen: Strausse, ein Wüstenfuchs, Pferde, Schafe (haben gar nicht gewusst, dass diese so schnell rennen können), Mäuse, tausende von Pinguinen, Guanaca (wilde Lamas) und Vögel. Ganz Patagonien ist eingezäunt. Der Lieferant des Drahtes sollte man sein!
Kaspar ist heute in ein grosses Loch gefahren (obwohl überall die Hinweisschilder am Strassenrand stehen). Alles flog durch die Gegend! Er ist ausgestiegen, hat unters Auto geschaut und alles genau inspiziert, ob er angeschlagen hat.
22. Nov. - Sturm in Comodora Rivadavia
Fahren zum Cabo Dos Bahias. Hier ist wieder eine Pinguinkolonie beheimatet. Schauen uns die putzigen Tiere noch einmal an. Über zwei holprige Pisten zu Aussichtspunkten. Über Pisten weiter nach Süden nach Bahia Bustamente. Fragen, ob wir hier übernachten dürfen. Es wird uns nicht gestattet. So fahren wir halt zurück auf die Route Nr. 3 und weiter nach der Ölstadt Comodoro Rivadavia. Es weht ein fürchterlicher Sturm, der MAN schwankt und das Fahren wird echt gefährlich. Die Tankanzeige geht sehr schnell nach unten bei dem starken Gegenwind. Wir brauchen etwa 8 Liter Diesel mehr! Haben gar nicht bemerkt, dass wir auf einer Hochebene fahren. Flach, flacher, am flachsten und so geht’s ziemlich steil runter in die Stadt. Hier wirbelt es den Dreck und Abfall nur so durch die Gegend und die Stadt ist nicht gerade einladend. Laut Reiseführer soll es 12 km weiter in Rada Tilly einen Camping Municipal haben, den wir aufsuchen. Hier stehen wir zwischen den kleinen Bäumen und schaukeln – heftiger als auf dem Schiff!
23. Nov. - riesige Oelfelder
An der Tankstelle lesen wir in der Zeitung, dass der Sturm gestern um 19 Uhr eine Stärke von 128 km hatte – es war genau der Zeitpunkt, als wir in die Stadt rein fuhren! Kaufen ein, tanken und beziehen Pesos aus dem Automaten. Zurück nach Comodora Rivadavia zum Oelmuseum. Genau hier wurde am 13. Dezember 1907 Oel gefunden. Laut Überlieferung haben die Siedler nach Wasser gebohrt und sind in 535 m Tiefe auf Oel gestossen! Heute wird auf mehr als 2000 m Tiefe Oel gefördert.
Auf dem Weg ins Landesinnere nach Sarmiento sehen wir hunderte von Oelpumpen. 30 Prozent des argentinischen Oelverbrauchs werden hier gefördert. Dadurch boomt die Stadt. In Sarmiento wollen wir die versteinerten Wälder besuchen. Beim 'Lago Musters' stehen wir am Wasser und lassen uns wieder einmal vom starken Wind durchschütteln. Schade, es wäre schön und warm, so richtig schöner, lauern Sommerabend und es ist bis 21 Uhr hell. Ohalätz, wir müssen noch um parkieren! Sind 5 m auf der falschen Seite des Drahtzauns und werden höflich, aber bestimmt dazu aufgefordert.
24. Nov. – Bosques Petrificados Sarmiento
Auf Schotterpiste zu den versteinerten Wäldern ‚Bosques Pétrificados Sarmiento‘. Der Park ist wegen starkem Wind bis Mittag geschlossen. Also warten wir vor dem geschlossenen Eingangstor und trinken Kaffee. Ein argentinisches Ehepaar, sie früher aus Hamburg, gesellen sich zu uns. Bieten Kaffee und Schweizer Schoggistängeli an und schwatzen. Werden von Nadine und Carlos nach San Carlos de Bariloche eingeladen. Später kommen noch vier Italiener und wir beschliessen, zu Fuss bis zum effektiven Parkeingang zu gehen. Bei der Information werden wir nicht gerade freundlich aufgenommen, da wir über die Absperrung gestiegen sind. Nach einigem Palaver mit dem Guide müssen wir aber schlussendlich doch nicht zu Fuss zurück zum geschlossenen Tor. Der Spaziergang durch den versteinerten Wald dauert ca. 1 Stunde.
Die Baumstämme liegen kreuz und quer und sind ca. 6 Mio. Jahre alt. Man stelle sich dies vor! Man darf keine versteinerten Holzspäne nach Hause nehmen. Gilt dies auch für Kaspar? Valle del Luna ist der richtige Ausdruck für diese bizarre Fels- und Bergregion. Kommen zurück und bezahlen dem inzwischen eingetroffenen diensthabenden Guide den Eintrittspreis. Dieser erklärt uns einiges über die Entstehung der versteinerten Wälder. Zurück beim Camper verabschieden wir uns von unseren neuen Freunden und versprechen, sie in Bariloche zu besuchen. Da sich Kaspar wieder einmal im Karten lesen vertut, fahren wir fast die gleiche Strecke zurück wie wir gekommen sind und stehen wieder in Rada Tilly am Strand.
25. Nov – ‚Monumento Natural Bosques Pétrificados‘
Bigi absolviert ihren früh morgens Walking und Kaspar geniesst das langsame Erwachen. Gehen noch einmal einkaufen, u.a. bestes Filetstück. 430 gr. kosten 25 Pesos (ca. 6 CHF!). Kommen in einen neuen Staat: Santa Cruz. Obligate Polizeikontrolle, werden aber durch gewunken. Fahren Kilometerweit dem schönen Sandstrand entlang und Bigi juckt das baden – es ist schön warm, aber doch etwas winding und kaltes Wasser. Nach ca. 250 km auf der Route Nr. 3 geht es rechts über Schotterpiste 50 km zum ‚Monumento Natural Bosques Pétrificados‘. Und siehe da, keine Touristen ausser wieder einmal Mireille und Fabio aus Zürich.
Schauen uns die riesigen versteinerten Baumstämme an. Die Bäume wurden ca. 1000 Jahre alt und standen hier vor 15‘000 Jahren. Auch hier gilt: ‚nichts mitnehmen!‘ Kaspar kann euch dann zu Hause kleine Stücke präsentieren. Übrigens haben wir mal so richtig geschwitzt, was ja bisher Seltenheitswert hat. Auf der gleichen Strasse zurück auf die Route 3 bis nach ‚Tres Cerros‘. Dies entpuppt sich als Tankstelle mit kleinem Hotel. Stehen hier und bewundern die kitschige violette Abendstimmung. Heute gab es Stocki, Filet Gulasch Stroganoff und Rüebli und zum krönenden Abschluss einen spanischen Brandy. Leider ist die Flasche nun leer.
26. Nov. - Puerto San Julian
Homepage aufladen, Wasser auffüllen und ab auf die Route Nr. 3 Richtung ‚Puerto San Julian‘. Wir befinden uns auf einer sehr langen Strecke zwischen zwei grossen Städten und kreuzen fast nur LWSs. Übrigens wie beim Töff fahren: jeder grüsst jeden mit Handzeichen. Kurz vor dem Ziel erwischen wir eine kleine Schotterpiste und fahren 35 km der Küste entlang. Auf den ersten Blick macht ‚Puerto San Julian‘ einen guten, sauberen Eindruck. Die überbreite vierspurige Einfahrtstrasse und die Promenade am Meer entlang sind äusserst gut ausgebaut.
Hier steht das Replikat-Schiff ‚Nao Victoria‘ des Entdeckers der Magellanstrasse im Jahr 1520. Mit 4 Schiffen und 240 Mann fuhren die Entdecker ab, heim kam noch dieses Schiff mit lediglich 18 Mann. Hier blieben sie 5 Monate zum Überwintern. Am Palsonntag 1. April 1520 hat hier einer der Schiff-Geistlichen die erste Messe in Südamerika gelesen. Die Stadt erhofft sich zur 500-Jahrfeier im Jahre 2020 den Besuch des Papstes. Im siebzehnten Jahrhundert kam der Seeräuber ‚Sir Francis Drake‘ hier vorbei. Es gab noch einmal eine Meuterei und ein Kapitän wurde aufgehängt. Wir besuchen die ‚Nao Victoria‘. Hier waren heute vielleicht 8 Touristen und für diese gibt es eine Kassiererin und einen Tourguide mit schlechtem Englisch. Die Öffnungszeiten: 8 - 22 Uhr! Das Gleiche gilt für das Touristenbüro in der Hauptallee. Hier haben heute 4 Personen Auskünfte eingeholt. Prospektmaterial gibt es in Hülle und Fülle, überall andere Prospekte und alle auf Hochglanzpapier – jeder Tourist fühlt sich als VIP behandelt! Bummeln die ‚breite Einkaufsstrasse‘ herauf und nun ist der Ort halt nur noch ein ‚Kaff‘. 5000 Einwohner, ein paar Restaurant (die meisten geschlossen), 4 Hotels, 2 Tankstellen, Postbüro, Supermarkt und ein paar kleine Läden. An einer Strassenecke steht ein Afrikaner und bietet seine Ware feil – wie es ihn wohl hierher verschlagen hat und ob das Geschäft ohne Leute funktioniert?! Es gibt keinen Ort ‚zum Käfele‘ bei diesem Sauwind und so kaufen wir in einer Bäckerei wieder einmal ein paar Guetzli. Warten bis es 20.30 Uhr, damit wir zum Nachtessen in das uns empfohlene Restaurant am Meer gehen können. Kings Krabben und Rindsfilet. Heute hat Bigi ihren Mate im Auto versehentlich umgestossen und Kaspars Aufschrei: ‚die Scheissgülle!‘ Das Heu lag nur so herum.
27. Nov. - Toninas Overas (Delphine)
Zuerst zum Bäcker Brot einkaufen, dann zum Correo (Postbüro) Ansichtskarten aufgeben und neue 7-Peso Marken kaufen. Dann zum Exkursionsbüro um nachzufragen, ob nun heute ein Ausflug stattfindet, denn gestern war zu starker Wind. Mit dem Ausflugsboot ‚Pinocho Excursiones‘ zu den Pinguines auf der Insel und den Kormoranen. Diese sehen den Pinguinen sehr ähnlich, können aber gut fliegen. Endlich sehen wir auch schwarz-weisse Delphine ‚Toninas Overas‘. Sie werden nur etwa 1,1 m lang und sind hervorragende Schwimmer und Springer. Sie springen und reiten auf den Wellen unseres Bootes. Nur eines ist nicht gut: man kann sie fast nicht fotografieren. Kaspar hat mit etwas Glück zwei unscharfe Fotos.
Nach dem Tanken fahren wir weiter auf der Route Nr. 3 bis zum Nationalpark ‚Monte Leon‘. Hier gibt es in der Mitte des Parks direkt am Meer einen guten Camping mit ca. 10 Plätzen und den obligaten Grillstellen. Beschliessen hier zu bleiben und sitzen noch etwas in der Sonne bis halb acht Uhr. Herrlich, die Tage sind wieder länger und die Sonne geht zur Zeit um 21.30 Uhr.
Und vielleicht sehen wir ja hier einen Puma. Es soll hier 4 Pumas und 6 Junge geben. Die Warntafel haben wir am Strassenrand gesehen und die Verhaltensregeln gelesen.
28. Nov. - Santa Cruz
Ein sehr starker Wind weht und Kaspar holt seine patriotische Schweizermütze hervor. Bigi will nicht aufstehen für den Morgenspaziergang, sie schaukelt lieber im Bett. Draussen zu sitzen ist unmöglich, also versorgt Kaspar die Campingstühle. Diese standen gut im Windschatten und flogen deshalb heute Nacht nicht weg - eigentlich wollten wir hier einen Relax-Tag an der Sonne einschalten! Hier hat es noch harte Campeure mit kleinen Zelten, die vom Wind flach gedrückt werden. Überhaupt scheint der Wind den Argentiniern nicht viel auszumachen. Sie ziehen sich einfach eine Jacke mehr über. Bigi schreibt am Tagebuch und Kaspar lauscht dem Wind. Fahren bis ans Ende der Nationalparkstrasse und machen einen kurzen Marsch den Klippen und dem Meer entlang. Es ist sau kalt und mega windig. Nachher zum Monte Leon auf einem gut ausgebauten Weg zum Aussichtspunkt. Hier sehen wir wieder einmal Seelöwen. Kormorane gibt es auf der vorgelagerten kleinen Insel zu bestaunen. Bis 1940 wurde der Kot der Kormorane, in einem Jahr immerhin 10‘000 Tonnen, zusammen getragen und als erstklassiges Düngemittel verwendet. Bis 1970 wurde hier an der Tier- und Umwelt massiv gesündigt. Alles wurde ausgebeutet, geschlachtet und abgeknallt. In einem Jahr wurden 7000 Seelöwen getötet. Danach wurde weltweit ein Verbot für die Seelöwenjagd eingeführt! Der Nationalpark Monte Leon ist der grösste maritime Nationalpark Argentiniens. Immerhin 1 Prozent der Küstenlänge. Im Camping Kimiri lassen wir uns eine Pizza schmecken.
Verabschieden uns vom Platzwart und fahren auf die Route Nr. 3 50 km zurück in die Kleinstadt Santa Cruz. Am Eingang der Stadt ist eine Polizeikontrolle und Bigi muss den Führerschein zeigen. Santa Cruz hat schmucke, breite Strassen und schöne, neue Häuschen. Hier ist ein Fussballspiel unter den Junioren im Gange. Die Zuschauer sitzen wegen dem Staub, welcher durch den Wind aufgewirbelt wird, in den Autos und schauen dem Spiel zu. Die armen Spieler, welche gegen den Wind spielen müssen sind zu bedauern. Zum Glück gibt es eine Halbzeit und die Seite wird fairerweise gewechselt.
Hier gibt’s ein Museum der Pioniere, welches wir anschauen. Bigi möchte zurück in die Zeit um 1900 versetzt werden. Susanna, die Museumsdame erklärt uns alles auf Spanisch und Kaspar fragt nur immer: ‚verstahsch du was sie seit?‘
Campen an der Quaimauer von Santa Cruz. Inzwischen ist es 24 Grad warm geworden. Bigi hat eine Überraschung für Kaspar: zum ersten Advent zaubert sie Honig-Tirrgel vom Migros hervor.
29. Nov. - Rio Gallegos
Die harte Bigi macht in der Morgenkälte ihren Morgenspaziergang und Kaspar macht an der Wärme das Frühstück. Dann Richtung Rio Gallegos. Auf ca. 100 km gerader Strasse begegnen uns 53 Autos/LKWs, 3 Motorräder und zwei Mann in ihren Trax, welche die Strassenränder in Ordnung stellen. Zudem haben uns 5 Fahrzeuge überholt. Das Fahren ist eintönig: alles geradeaus, aber man muss gut aufpassen, weil der Wind einem immer aus der Fahrspur drücken will. In Rio Gallegos angekommen kleiner Einkauf bei Carrefour – wir dürfen keine Frischprodukte, Gemüse, Früchte und Fleisch mit nach Chile einführen – also kaufen wir nur Wasser, Mineral, Wein und den uns vor ein paar Tagen vom Produzenten empfohlenen 4-jährigen argentinischen Whisky mit den drei Bullen auf der Etikette. Anschliessend rekognoszieren wir die Stadt. Finden an der Flussmündung eine ruhige Strasse zum Übernachten. Von hieraus fahren wir zu einer Ford-LKW-Garage um unser vorderes Abblendlicht zu reparieren. Es dauert etwa 1,5 Stunden, da der Fordhändler die spezielle H4-Birne zuerst besorgen muss. Rechnung ca. 72 Peso (CHF 18.-).
Stellen unsern Camper an den Übernachtungsplatz und gehen die 5 Blocks zu Fuss in die Stadt. Argentinische Städte sind immer quadratisch aufgebaut und wenn man nach etwas fragt, so wird immer in Anzahl Quadros (Strassenkreuzungen) erklärt. Besichtigen kurz die kleine Kathedrale (Holzkirchlein) und Bigi schaut sich die Auslage in den Läden an. Hier hat man wieder einmal das Gefühl von Zivilisation! Welch ein Wunder, es ist fast windstill. Die argentinische Jugend vergnügt sich an der Chilbi. Nun sitzen wir an der Wärme und geniessen im Camper das gute Abendessen aller noch vorhandenen Frischprodukte wie Rohschinken, Käse, Entrecote und Tomaten.
30. Nov. - durch Chile nach Feuerland
Wunderschöner Morgen und wieder fast windstill. Marschieren in die Stadt für Kaffee und Gipfeli. Auf die Route Nr. 3 Richtung chilenische Grenze. Treffen unterwegs das Franzosenpärchen mit der Katze. In Monte Aymond durch die argentinische Zollkontrolle und ein paar Kilometer weiter dann die chilenische. Das Prozedere auf beiden Seiten ist sehr einfach und die Beamten sind sehr höflich und hilfsbereit. Wir haben frische Eier bei uns, welche bei den Chilenen nicht erwünscht sind. 6 Eier werden hart gekocht und die andern 6 Eier essen wir als Rührei. Kaspar bringt den Abfall (Eierschalen) dem chilenischen Zöllner und nun winkt er uns durch. Einige Kilometer ist noch gute Betonstrasse, dann aber kommt 110 km Wellblech Schotterpiste. Es hoppert und schäppert nur so. Soeben haben wir mit der Fähre den Magellankanal überquert. Die Landschaft ist eintönig, ohne einen Strauch. Hinter uns wird eine riesige Staubfahne aufgewirbelt. Wir fahren ca. 60 km pro Stunde und wir müssen aufpassen, dass wir nicht in den Graben fahren. Hier weiden Schafe, einige Pferde und Kühe, sehen einen Fuchs und einen Biber, sonst menschenleer. Bei der Wiedereinreise in den argentinischen Staat Tierra del Fuego (Feuerland) geht alles reibungslos. Hier an der Grenze übernachten wir.







































































