Dezember 2010
1. Dez. - Rio Grande bis Tollhuin
Es ist sau kalt: Innentemperatur 17 Grad, Aussentemperatur 3 Grad und starker Wind. Sofort Heizung einschalten, damit wir schön gemütlich Frühstücken können. Fahren durch einsame steppenähnliche Landschaft. Plötzlich tauchen am Horizont Berge auf und die Landschaft verändert sich und wird hüglig. Die ersten vom Wind verkrüppelten und verdorrten Bäume tauchen auf, später ganze Wälder. Überqueren viele Bäche, welche sich durch die Täler schlängeln. In Rio Grande gibt’s Grosseinkauf, da wir für die kurze Strecke (150 km) durch Chile ja keine Frischprodukte mitführen durften. So macht der Einkauf wieder einmal Spass und der Kühlschrank wird voll. Besuchen ausserhalb von der Stadt den grössten Schafscherbetrieb von Argentinien, die Estanzia Maria Bethey. Leider wurden hier nur bis Mitte November Schafe geschoren. Es ist eine reiche Estanzia mit ein paar kleinen Häuschen, Bibliothek, Badehaus, Office sowie einer kleinen Holzkirche. Auch gibt es hier einen 9-Loch Golfplatz. Wohin fliegen die Golfbälle bei diesem extremen Wind wohl?
Fahren noch 100 km weiter nach Süden auf der Route Nr.3. In der kleinen Stadt Tollhuin am Lago Fagnano (100 km lang, 10 km breit) finden wir einen schönen Camping direkt am Wasser. Der See ist vom Wind stark aufgewühlt und die grossen Wellen schlagen ans Ufer. Wieder einmal rüttelt und schüttelt unser Zuhause.
Die Landschaft hat Ähnlichkeit mit den Seen im Engadin. Bekommen Besuch von Franziska und Felix aus dem Aargau, welche ihre Zelte in der Schweiz abgebrochen haben und mit einem Toyota-Landcruiser mit Aufbau unterwegs sind.
2. Dez. - Lago Fagnano
Oh Schreck, in der Nacht hat es tief hinunter geschneit. Der Wind hat etwas nachgelassen. Kaspar holt alle seine warmen Sachen hervor. Bigi skyped. Es ist schon verrückt, wie man mit Skype für wenig Geld aufs Festnetz in die Schweiz telefonieren kann.
Gehen auf eine kleine Wanderung dem See entlang. Sind warm angezogen. Nach etwa 3 km finden wir ein Hotel-Restaurant, wo wir ein Gläschen Rotwein ‚Terro del Fuego‘ zu Gemüte führen. Nachmittags trinken wir zusammen mit dem Franzosenpärchen Kaffee und plaudern. Kaspar kann ihnen einen Tip wegen der defekten Heizung in ihrem VW-Camper geben und diese funktioniert nun wieder. Ein cooles Pärchen: Sie ist Gärtnerin und auch die Mechanikerin auf der Reise, er ist im Musikbusiness tätig, reisen 2 Jahre und haben ihre heiss geliebte kleine schwarze Katze dabei. Diese hat vor ein paar Tagen beim Einbruch in den Camper lediglich einen kleinen Schock erlitten und ist wieder wohlauf. Heute ist noch ein Bus mit einer Schulklasse angereist. Wie Kinder so sind, warm eingepackt spielen sie auf dem Abenteuerplatz des Campings.
3. Dez. - die letzten Kilometer nach Ushuaia
Tanken Wasser und machen dabei Bekanntschaft mit einer in einem 4x4 Toyota alleinreisenden älteren Italienerin. Wir haben sie schon ein paarmal auf der Tour gesehen, aber nie mit ihr gesprochen. Dem Lago Fagnano entlang durch Wälder und über einen kleinen Pass bis ‚al Fin del Mundo‘ (Ende der Welt), Ushuaia. Eine kleine Stadt mit ca. 65‘000 Einwohnern, sehr touristisch mit vielen Outdoor- und Souvenirläden sowie Restaurants. An einem Pier liegen zwei Containerschiffe und es legen hier auch die Antarktis-Kreuzfahrtschiffe an. In einem Reisebüro klären wir die Möglichkeit für eine 11-tägige Schiffsreise in die Antarktis ab. Es hat in den nächsten Tagen zwei Schiffe mit freien Plätzen. Machen eine prov. Reservation. Zur Sicherheit checken wir bei zwei anderen Reisebüros die Preise ab. Alle Preise sind gleich, nichts da mit ‚last minute‘. Nun ist alles klar und wir gehen zum ersten Reisebüro zurück und buchen definitiv. Bigi kauft sich eine warme Kappe sowie ein Stirnband mit Pinguinen.
Trinken Kaffee und versuchen die argentinischen Pralinés ‚Turista‘. Gar nicht schlecht, die einen sogar fast so gut wie die gefüllten Zwetschen vom Klaus in Bülach. Fahren auf den Campingplatz und treffen ‚viele alten Bekannte‘. Kilometerstand MAN in Ushuaia-Zentrum: 69‘010,3 km.
4. Dez. - Museumstag in Ushuaia
Huch, ist heut aber kalt und es fängt noch an zu schneien. Das Wetter hier wechselt innert 20 Minuten von Schneefall auf Sonnenschein zum Regen, Schnee etc., und dies den ganzen Tag. Besichtigen alle Ushuaia-Museen. Hier gab es bis 1947 ein grosses Gefängnis für argentinische Schwer- und Wiederholungstäter. Diese mussten auch eine kleine Bahn für den Holztransport bauen.
Es war wirklich ein hartes und entbehrungsreiches Leben. Nicht viele Gefangene sind geflüchtet, denn in Chile wurden sie sofort wieder an Argentinien ausgeliefert. Dann Besuchen wir das Museum ‚Fin del Mundo‘, wo wir Einiges über die Geschichte der Stadt erfahren. Es gab einige Schiffsunglücke im Beaglekanal, die sehr gut dargestellt werden. Besuchen noch einen ehemaligen Einkaufsladen aus dem 1907, welcher heute ein kurioses Restaurant ist. Das Handwerkszentrum mit den kleinen Läden ist auch ein Ziel von uns.
Kaspar liest im ‚Das Beste‘ einen argentinischen Witz: Ein hochbetagtes Ehepaar geht in einen Schnellimbiss, wo sich beide einen Hamburger und eine Portion Pommes frites teilen. Ein Lastwagen-Fahrer hat Mitleid mit ihnen und bietet an, der Frau eine eigene Mahlzeit zu spendieren. Nein danke, sagt der Ehemann, wir teilen uns alles. Der Lastwagenfahrer beendet seine Mahlzeit und bietet dann der Frau erneut etwas zu essen an, weil sie noch keinen Bissen angerührt hat. Sie wird noch essen, versichert ihm der Ehemann. Wir teilen uns alles. Und warum essen Sie dann nicht? fragt der Fahrer die Frau. Darauf sie genervt: Weil ich auf die Zähne warte!.
5. Dez. - Nationalpark 'Tierra del Fuego'
Es ist einigermassen schönes Wetter. Fahren die kurvenreiche Strasse bis zum Gletscher Marcial über der Stadt. Marschieren auf der Skipiste dem in Revision befindlichen Sessellift entlang und noch weiter bis zur Schneegrenze. Haben eine grossartige Aussicht auf Ushuaia und den Beaglekanal. Es ist so warm, 17 Grad und windstill, dass wir draussen auf den Campingstühlen an der Sonne etwas essen. Ein Honig-Tirggel erinnert uns an den zweiten Advent. Kurzer Einkauf bei Carrefour, fahren zum Fotohalt auf die kleine gegenüberliegende Halbinsel und weiter in den Nationalpark ‚Tierra del Fuego‘ ans Ende der Route Nr. 3 - 3097 km von Buenos Aires entfernt. Bei der kleinen und südlichsten Eisenbahn stoppen wir kurz. Heute ist diese eine reine Touristenbahn, welche 1994 wieder eröffnet wurde. Hier befindet sich wohl auch der südlichste Golfplatz der Welt sowie der einzige Nationalpark, in welchem man campieren und übernachten darf. Wir lassen uns nicht lange bitten. 4 km vor dem effektiven Ende der Route 3 schlagen wir unser Nest auf.
Zu Fuss geht’s über einen gut ausgebauten Weg zum Endparkplatz. Stehen an einer schönen Lagune ‚Lapateia Bay‘. Zurück beim Camper Stühle raus und Kaspar füllt beim MAN das Kühlwasser auf. Natürlich bringt er den Deckel des Expansionsgefässes nicht auf und so muss er alles ausräumen, um an eine Zange zu gelangen. Bigi macht feine Empanadas.
Noch etwas zum Einkauf: der Gruyer mit Löchern schmeckt uns recht gut. Auch muss beim Bezahlen mit der Kreditkarte immer ein Dokument, sprich Pass, gezeigt werden. Da wir diesen nie dabei haben zeigt Kaspar jeweils die SWICA-Krankenkassenkarte. Es funktioniert, denn sie müssen einfach eine Dokumentennummer eintippen, ist ja egal, wenn es die Versichertennummer ist.
6. Dez. - im Nationalpark unterwegs
Schöner, ruhiger Campingplatz. Vom Fenster aus können wir spezielle Gänse und Hasen fotografieren. Soeben wollte ein Raubvogel das kleine Häschen schnappern, jedoch ohne Erfolg. Kurze Fahrt zum Informationszentrum des Parks. Schauen uns eine kleine Ausstellung an, um dann die Wanderung dem See ‚Lago Roca‘ entlang unter die Füsse zu nehmen. Nach einer Stunde haben wir genug. Der Weg wird langsam etwas anstrengend, immer über Steine und Bäume zu klettern. Prompt einen Meter weiter schlipft Kaspar aus und es haut ihn so richtig aufs A…. in den Dreck. Rücken ein wenig verstrecket, aber sonst alles okay.
Zurück nach Ushuaia, wo wir im Reisebüro ‚RUMBO SUR‘ den Voucher für die Antarktisreise und die Mietklamotten abholen. Probieren die warmen Hosen und Jacke sowie die Gummistiefel an. Kaufen uns noch warme Skisocken und gehen zurück zum MAN, um Reisevorbereitungen zu treffen. Heute am Samichlaustag gehen wir ins Restaurant und essen die Spezialität von Ushuaia: King Krabs. Diese gibt’s nur hier und so sind sie dementsprechend teuer.
7. - 17. Dez. sind wir in der Antarktis unterwegs
siehe separater Bericht mit vielen Fotos !
17. Dez. - wieder festen Boden unter den Füssen
In Ushuaia ist ein Fest im Gange. Wir können jedoch nicht ganz herausfinden, weshalb. Es hat irgendetwas zu tun mit dem Jahrestag der Provinz Feuerland und dem Falklandkrieg. Auf der Strasse werden Folkloretänze aufgeführt. Am Abend kommt noch Kaspars Spruch des Tages: ‚Bigi, ich hätte etwas zu verkaufen: meinen Kamm, den brauche ich die nächsten Monate nicht‘. Die folgenden zwei Tage haben wir immer noch das Gefühl von ‚Seegang‘.
18. Dez. - Estanzia Harberton
Bezahlen die Standplatzmiete und die Nacht auf dem Camping. Später bemerken wir, dass jemand versucht hat in den MAN einzubrechen. Aber nur mit einem Schraubenzieher geht das bei einem ‚Bocklet‘ wirklich nicht! Dann fahren wir über Schotterpisten gemütlich zu der ersten Estanzia ‚Harberton‘ auf Tierro del Fuego/Feuerland. Hier geniessen wir selbstgebackenen Rhabarberkuchen, studieren an den Wänden der Geschichte der Estanzia und schauen uns draussen um.
Hier scheint ein mildes Klima zu herrschen, es gedeihen: Erdbeeren, Johannisbeeren, Rhabarber und viele Arten von Blumen. Dann weiter die Route ‚J‘ folgen bis zum wirklichen Ende der Welt, der Estanzia Moat. Zwei Kilometer vor der Estanzia ist Schluss, ein Zaun versperrt den Weg.
Dies ist nun der südlichste Punkt, der in Argentinien und Südamerika per Auto erreicht werden kann. Kilometerstand 69‘261,5! Hier wollen wir jedoch nicht übernachten, denn es liegen viele versägte Bäume am Strassenrand herum, und man weiss ja nie, wann wieder ein Sturm losbricht. Der Letzte ist vor knapp einer Woche hier durch.
Die Strasse ist schmal und die schmalen Stahlbrücken mit löchrigen Holzböden sind abenteuerlich.
Am Beagle Kanal übernachten wir, wo wir schon am Mittag waren. In 200 m Entfernung nisten viele Seevögel und auf der andern Seite des MAN ist eine pittoreske Landschaft mit kleinem Bach und vielen verknorrten Bäumen zu betrachten. Es gibt Spaghetti. Bigi bereitet die Bolognaise vor und hat wie immer grosszügig eingekauft, so dass wir noch dreimal davon essen können – füllen wieder einmal Cannelloni. Die ‚Antarctic Dream‘ fährt um 21.30 Uhr auf dem Beagle Kanal an uns vorbei. Wir denken nur: ‚die Armen, bald kommt die Drake-Passage‘.
19. Dez. - Ruhetag am Beagle Kanal
Bigi hat Halsweh und misst das Fieber - zum Glück nur 35,9 C. Beschliessen einen Tag hier in der Einsamkeit zu verbringen. Es ist absolut ruhig, nur das Rauschen des Windes hört man ein wenig. Vom Fenster aus können wir kleine, rote Biber im Bach beobachten. Kaspar sitzt einige Zeit am Computer und bearbeitet/sortiert einen Teil der Fotos der Antarktis. Huh, haben wir viele Bilder. Zum Teil sind diese recht gut, einige wenige sind sogar spektakulär geraten.
Am späteren Nachmittag fühlt sich Bigi etwas besser und wir unternehmen eine kleine Wanderung zum Strand. Kaspar will nochmals einige Vögel im Flug fotografieren.
Dann schauen wir uns noch einmal die Stahlbrücke an, über die wir gefahren sind und gestern einen kleinen Film mit dem MAN und der Hauptdarstellerin LKW-Chauffeuse Bigi gedreht haben. Auf dem Rückweg zum MAN sehen wir wie verhofft nochmals die zwei Biber und wir können sie aus direkter Nähe (2 m) fotografieren.
20. Dez. - Puerto Almanza
Unsere neuen Freunde, die Biber, kommen auf Besuch. Einer schwimmt und tauch 4 m vor dem Fenster. Hier geht er auch an Land um Gras zu fressen. Im Pyjama aus dem warmen Camper fotografiert Kaspar. An der Estanzia Harberton zurück bis zum Puerto Almanza. Vom Schiff aus haben wir hier vor gut einer Woche die schön beleuchtete Uferpromenade gesehen und wollen gemütlich irgendwo Kaffeee trinken und Einkaufen.
Das verlassene Fischerdorf, mit der Tag und Nacht beleuchteten Schotterstrasse, liegt ganz genau vis-à-vis Port Williams/Chile. Hier stehen ca. 50 unisolierte Häuser, eher Schuppen und 8 Fischerboote schaukeln auf dem Meer. Leute sieht man keine, nur Hunde rennen bellend und fletschend neben dem MAN her. Hier ist auch eine verlassene Navi-Station mit 4 verrosteten Kanonen, die jedoch mit Blachen abgedeckt sind, also funktionsfähig. Eine Kanone wird gerade mit roter Farbe angestrichen. Ein kleines Fort, aber gegen wen und was? Bigi bäckt nach Mutters Rezept ‚Schoggi Chips‘. Mmmh, fein! Weiter unseren Antarktis-Bericht mit den Fotos für die Homepage schreiben und zusammenstellen.
21. Dez. - Homepage bearbeiten
Bei einigermassen schönem Wetter verlassen wir Puerto Almanza und holpern ein Stück zurück Richtung Harberton. Campieren an einem kleinen Fluss. Konnten sogar für knapp eine Stunde die Campingstühle aus dem MAN holen und sitzen im Windschatten dessen. Schnell wird es uns aber doch zu kalt und wir verziehen uns in den Camper. Arbeiten weiter an der Homepage, vor allem die Fotogalerie gibt viel Arbeit. Bei schönem Wetter kleine Wanderung Richtung Meer. Auf halbem Weg fängt es an zu regnen und sogar ein wenig zu schneien. Kaspar hat wie immer die falsche Kleidung an – keine Windjacke – und wird deshalb nass. Arbeiten noch bis gegen 23.Uhr im Abendlicht an der Homepage, bis die Augen flackern.
22. Dez. - Lago Fagnano
Von hier aus fahren wir wieder Richtung Route 3, dann über den Pass Garibaldi Richtung Tolhuin (Norden). Auf der Passhöhe verkauft ein Argentinier Holzsouvenirs und wir kaufen 3 kleine Pinguine. Den Pass hinunter und auf einer schlechten Erdstrasse an den Lago Fagnano. Am Ende der Strasse, nach 25 km, treffen wir wieder auf Thomas und Regina mit Hund Nura und MAN. Trinken zusammen Kaffee und tauschen Reginas Hefestollen gegen Bigis Schoggi-Chips.
Wandern etwa 4 km dem See entlang und schauen den Fliegenfischern in ihren speziellen Gummi-Stehbooten zu. Natürlich öffnen wir heute eine gute Flasche roten Argentinier und stossen mit Heiri in Bülach auf seinen Geburtstag an.
23. Dez. - nach Tolhuin zum Camping Hain
Wir fahren nach Tolhuin, wo wir 80 Liter ‚schlechten Diesel‘ (mit hohem Schwefelgehalt) tanken. Treffen nochmals Regina und Thomas mit Hündin Nora. Wir plaudern und sie fahren die ähnliche Route wie wir, und wir werden uns bestimmt nochmals begegnen. Frisches Brot und diverses sonstiges Essen einkaufen und auf den Camping Hain am Lago Fagnano. Bigi lädt die Emails herunter, schreibt Weihnachtsmail und arbeitet an unserer Homepage. Kaspar kontrolliert den MAN: Luftdruck, Ölstand, Kühlwasser (es fehlt ein halber Liter), reinigt die Toilette, alle Fenster und den Luftfilter. Ein Aussenstaukasten war nicht richtig verschlossen, sodass alles sehr sandig und staubig ist. Auch dieser Kasten samt Inhalt wird komplett gereinigt. Whisky trinken, skypen und Triomino spielen.
24. Dez. - Weihnachts Special
Gehen den Weihnachtstag gemächlich an mit einem reichhaltigen Frühstück. Bigi skypt mit ihrer Mutter. Wir freuen uns über die vielen eingegangen Emails. Zum Mittagessen gibt’s einen Piccolo Sekt. Das Wetter wechselt wie wir die Unterhosen. Wir müssen raus aus dem Camper und marschieren im Wind ca. 3 km zu einem netten Restaurant/Hotel. Trinken Kaffee und bestellen für abends das Christmas Special Menu. Zurück zum Camper kämpfen wir gegen den Wind an. Es ist ganz schön kalt. In der Schweiz würden wir alle zu Hause bleiben bei so stürmischem Wind. Hier in Tierra del Fuego kleidet man sich warm und geht fischen, fährt mit dem Quad oder spaziert am See. Die wenigen Leute in den Autos, die uns begegnen, winken freundlich zurück. Damit alle unsere Bekannten eine Postkarte erhalten, schreibt Bigi eine lange, lange, lange Liste.
Das Weihnachtsessen im Hotel Kaiken soll irgendwann zwischen 20.30 und 21.00 Uhr starten. Bigi möchte schon früh dort sein, aber Kaspar will nicht immer der Erste sein und dann lange warten. Also marschieren wir um 20.15 Uhr los und sind Punkt 9 Uhr dort. Ausser einem netten Holländer Ehepaar ist noch niemand anwesend. Die Argentinier, welche nach und nach eintrudeln, sind herausgeputzt. Die Frauen tragen schulterfreie Kleider und stehen auf hohen Schuhabsätzen. Um 21.30 Uhr geht es dann los mit Wein und Häppchen. Um 22.15 Uhr werden alle zu Tisch gebeten. Wir setzen uns an den gleichen Tisch wie Jos und Loes aus Holland. Wir haben ein lustiges und gutes Gespräch. Jos war eine Bibliothekarin in gehobener Anstellung an der Universität in Utrecht und Loes oberster Koordinator für die Utrechter Stadtentwicklung. Sein Budget in 5 Jahren: 200 Mio. Euro! Das 3-Gang-Wahlmenu ist super, dazu trinken wir Wein ‚Fin del Mundo‘ und zum Schluss kommt nochmals ein Dessertbuffet. Um Mitternacht stossen alle Gäste mit Sekt an. Ende des Abends 01.15 Uhr! Danach geht’s zu Fuss 45 Minuten im Mondschein dem See entlang nach Hause – ein schöner Abschluss des Weihnachtsabends. Um 02 Uhr sinken wir kaoh ins Bett.
25. Dez. - Weihanchten in Argentinien
Schlafen heute etwas länger. Besichtigen die Modelleisenbahn des Campingplatzbesitzers. Mit einfachsten Mittel, aber ganz gut gebaut. Wir laden ihn zum Kaffee ein und Kaspar schenkt ihm einen kleinen Modellcamper, Bigi eine Miniatur-Schweizerflagge. Er hat riesig Freude – dies ist Weihnachten! Sofort integriert er Beides in die Anlage und kommt mit einem Foto zurück. Bigi möchte wieder einmal draussen sitzen und Kaspar holt einen Campingstuhl heraus, stellt diesen in den Windschatten. Kaspar verzichtet grosszügig. Verschiedene Mal geht Bigi mit einem Buch und gut eingemummelt nach draussen, bleibt jedoch nie sehr lange, denn es ist einfach zu kalt mit dem starken Wind. Hören Weihnachts-CD und sypen eine Stunde mit Bigis Familie. Das Neuste aus Familie und Politik wird durchgenommen. Zu Abend essen wir das gute MAN-Camper-Fondue. Heisses Fondue mit geschwellten Kartoffeln, Ananas und Äpfel und dazu einen guten Dole Blanche. Auch spielen wir heute wieder Triomino. Hier hat Kaspar eine kleine Chance gegen Bigi zu gewinnen
26. Dez. - Lago Blanco
Heute wollen wir weiter in den chilenischen Teil Feuerlands. In Rio Grande kurzer Tank- und Einkaufsstopp. Wollen noch ein Missionsmuseum (1878), das auf der Landkarte eingetragen ist besichtigen. Aber wie des Öfteren, geschlossen und nicht viel zu besichtigen. In San Sebastian passieren wir den Zoll. Erstaunlich viele Leute warten auf die Zollabfertigung. Diese ist sowohl auf argentinischer wie auch auf chilenischer Seite schnell und sehr freundlich. Der chilenische Zöllner inspiziert Kühlschrank und ein paar kleine Schränke. Er will die deklarierten ‚manzanos‘ sehen – oh, wir wussten doch, dass Früchte nicht erlaubt sind und haben keine Äpfel – wir haben Butter im Kühlfach, ‚mantequilla‘! Auch haben wir noch wenig Rauchschinken in der Originalverpackung, da wir gelesen haben, dass dies erlaubt ist. Der Zöllner schliesst beide Augen und erklärt uns, dass wir das nächste Mal keine Frühstückskörner und Rauchschinken mitführen dürfen. Kurz nach der Grenze holt dann Bigi den Käse wieder aus dem Gefrierfach.
Nun auf chilenischer Seite der Grenze entlang wieder ca. 100 km nach Süden zum Lago Blanco. Auf den letzten 14 km wird es sehr, sehr eng. Aussenspiegel einklappen. An einer nassen, lehmigen, glitschigen Stelle setzt Bigi den MAN hinten in den Graben. Aus Angst hat sie auf der leicht abfallenden Strasse zum Anhalten die Bremse betätigt, womit der Hinterteil ausgebrochen ist. Mit Hilfe des 4x4 behebt Kaspar die Situation. Eigentlich möchten wir umkehren, dies ist jedoch unmöglich, da zu schmal und keine Ausweichstellen. Also fahren wir bis zum bitteren Ende an den Lago Blanco. Hier gibt es nur See und eine kleine Fischerstation. Der MAN ist sehr dreckig bis zu den Fenstern rauf. Das rechte, hintere Hecklicht ist zertrümmert, ansonsten alles in Ordnung. Kaspar hat Ersatz im Dachgepäck. Jetzt gibt’s dann Empanadas.
Sind keine 10 Minuten hier, da kommt doch der Schweizer MAN mit Regina, Thomas und der Hündin aus dem Wald angefahren. Würde man dies planen, unmöglich. Sie sind unseren Spuren gefolgt und auch ein wenig gerutscht. Diese Strasse ist auch wieder einmal das Ende der Welt. Später gehen wir noch rüber zum plaudern.
27. Dez. - Cameron
Es wird spät und auf dem dunkle Heimweg, ca. 50 m, sehen wir Sterne. Zwei Minuten im Camper und schon beginnt es fürchterlich zu regnen. Die ganze Nacht schüttelt und rüttelt es. Fahren zurück und bei der gestrigen Schlitteltour suchen und finden wir das zerbrochene Rücklicht. Werden es bei Gelegenheit zusammen leimen. Aber es sollte nicht soooo kalt und windig sein. Richtung ‚Cameron‘. Auf halbem Weg steht verlassen ein Goldschürf Bagger aus dem Jahre 1907 -1910. Der Goldrausch war kurz und nicht kostendeckend. Cameron, Ansammlung Häuser mit Strassenbeleuchtung, liegt in einer Senke, recht gut geschützt vom Wind. Wollen noch etwas weiter gegen Süden, aber nach 10 km schlechter Strasse beschliessen wir zurück zu fahren. Jetzt stehen wir auf einer Anhöhe über dem Meer ‚Bahia Inutil‘ (unnütze Bucht, denn die Segelschiffe auf der Suche nach der Passage in den pazifischen Ozean mussten alle Buchten abfahren). Bigi kann Kaspar doch noch zu einem kurzen Spaziergang bei starkem Wind in der Pampas überreden. Kaspar holt zum Abendessen eine gute Flasche Franzosen ‚St. Emillion‘ aus dem Keller. Leider mit wenig Zapfen – aber was soll es, den Wein kann man hier in der Pampas nirgendwo retournieren. Die Sonne scheint ab und zu durch das Fenster.
28. Dez. - Porvenir
Wir fragen uns, wie die Leute hier autofahren lernen? Alle Stunde ein Fahrzeug, keine Stoppstrasse, keine Ampeln, Vortrittsrecht und vieles mehr. Möchten einem solchen Autofahrer nicht in Buenos Aires begegnen. Fahren rund um die ‚Bahia Inutil‘ Richtung Porvenir. Unterwegs kommt uns eine grosse Herde Schafe entgegen.
Voraus, in der Mitte und am Schluss ‚Gauchos‘ mit ihren Pferden und Hunden. Kaspar kann die Szene gut filmen. Hier im Süden haben Gauchos meist ein Perret auf dem Kopf und sind mit zwei oder drei Pferden sowie drei bis sechs Hunden unterwegs. Hinten am Sattel ist alles festgeschnallt, was fürs Übernachten gebraucht wird.
In Porvenir, kleines Nest mit 5000 Einwohnern, wollen wir wieder Frischprodukte einkaufen. Auf dem Trottoir sehen wir einen Harass Äpfel, und siehe da, ein Gemüse- und Früchtehändler: ein kleines Zimmer mit allerlei nicht gerade schönem Obst und Gemüse und Eier. Der Verkäufer erzählt uns, dass er erst vor 5 Tagen seinen ‚Laden‘ eröffnete. Vermutlich hat er heute mit uns ‚das Geschäft des Tages‘ gemacht. In der Bäckerei gibt’s zu unserer Freude Apfelstrudel. Am Bancomat beziehen wir chilenische Pesos und stellen bei dieser Gelegenheit fest, dass Kaspars Kreditkarte gebrochen ist. Per Email bestellen wir eine neue bei unserem Bankberater in Solothurn und hoffen, dass Brigitte die neue Kreditkarte dann im Januar mitbringt. Stehen beim Leuchtturm an der Hafeneinfahrt in 5 km Entfernung zu Porvenir. Morgen um 14 Uhr soll die Fähre über die Magellanstrasse nach Punta Arenas fahren. Haben reserviert, d.h. in einem kleinen Kiosk hat der Agent unseren Namen in ein kleines Heft geschrieben.
29. Dez. - Überfahrt nach Punta Arenas
Bigi sagt: ‚Ich chum mir vor, wie wänn mir de Winterschlaf mached.‘ Wir sind viel drinnen und bei diesem stürmischen Wind nur selten draussen. Marschieren zwei Stunden der Magellanstrasse am Meer entlang. Kaspars rechter Fuss schmerzt seit längerer Zeit und das Gehen bereitet ihm zeitweise Mühe.
Fahren zum Hafen, denn die Tickets für die Fähre können ab 13.00 Uhr gekauft werden. Essen die ersten chilenischen Empanadas – schmecken nicht so gut wie die Argentinischen – und schon kommt der andere Schweizer MAN mit Thomas und Regula angefahren. Kaufen die Überfahrtstickets zu erstaunlich günstigem Preis – müssen später noch nachzahlen. Die ruhige Überfahrt dauert zweieinhalb Stunden. In Puntas Arenas angekommen müssen wir zuerst unseren Vorrat an Frischprodukten auffüllen – mmmmh, ein frischer Apfel. Überhaupt ist es ein äusserst schöner Supermarkt, viel schöner als in Argentinien. Gleich nebenan gibt es bei der Tankstelle angegliedert eine Auto-Wäscherei, die auch LKWs reinigt. Also nichts wie los, denn der MAN hat eine Wäsche dringend nötig.
Der MAN wird sehr gründlich gereinigt (eine Stunde) und unten und seitlich vom dicken, betonartigen Schmutz befreit. Dies für nur 15‘000 chil. Pesos (ca. CHF 30)! Das gibt ein tüchtiges Trinkgeld. Jetzt sieht er wieder schön aus. Einige Kratzer sind jedoch auf der Kabine zu sehen. Fahren noch zum Mirador etwas über der Stadt gelegen, wo wir neben der Strasse auf dem Trottoir übernachten. Heute gibt’s seit langem wieder einmal frischen Salat – Lolosalat mit Wurzeln eingekauft, wenn das nicht frisch ist!
30. Dez. - Punta Arenas
Gehen an bellenden Hunden vorbei die Treppe hinunter ins Stadtzentrum. Treffen Regina und Thomas wieder. Beim Touristenbüro Stadtplan besorgen und auf in die ‚Chocollata Bäriswil‘, einer netten kleinen Cafeteria. Bigi kauft Pralinés ein und spricht mit der Verkäuferin. Diese fragt, ob wir uns doch bitte ins Gästebuch eintragen, denn der Chef habe bestimmt Freude am mitgebrachten Zeitungsartikel – in der NZZ war letztes Jahr ein Bericht dieser südlichsten Schokoladefabrik. Lernen die Besitzerin/Fabrikantin mit Schweizer Wurzeln (Fribourg/Tavers) und ihren Ehemann kennen, plaudern. Sie sind hoch erfreut über den Zeitungsartikel.
Sie erlauben uns sogar einen Blick in die Produktion – zwei kleine Zimmer – haben uns die Fabrik etwas grösser vorgestellt, aber das Endprodukt ist sehr gut! Wir erhalten sogar eine kleine Schachtel Schokolade, mmmh!
Danach marschieren wir zum Nationaldenkmal, dem alten städtischen Friedhof. Hier befinden sich prunkvolle vor Geld strotzende Familiengräber. Heute wird man nur noch in Nischen beerdigt. Viele Plastikblumen und kleine Geschenke in und auf den Gräbern. Thomas und Regina verlassen uns, denn sie haben noch ein gedrängtes Programm (Frontscheibenreparatur und Seitenkasten öffnen lassen, der durchs Holpern verklemmt ist und wo sich die wichtigen Dinge wie Grill und Angel befinden). Kaufen im Park auf dem Handwerkermarkt noch Pinguin und Alpacca-Schal. Nun sind wir wieder zu Hause mit schönem Blick über die Stadt.
31. Dez. - Silvester in Punta Arenas
Kaspar hat Bauchkrämpfe und leichtes Fieber. Der Fuss tut ihm auch noch weh – kurz, eine Revision wäre fällig! Ausser Kaspar möchten alle, den etwas lauten Standplatz, mit bellenden Hunden aber schöner Aussicht, wechseln. Finden ganz nahe auch einen Mirador und beschliessen dorthin zu fahren. Wir machen ein Nickerchen. Am Nachmittag zu Fuss ins Stadtzentrum für Internet und letzte Einkäufe. Wi-Fi im ‚Chocolatta‘ funktioniert aber leider nicht. Heute Abend gibt’s Poulet vom Grill. Thomas und Regina werden dies machen. Wir sind gespannt, ob es funktioniert wegen des saumässig starken Windes. Es hat funktioniert, das grillierte Poulet ist hervorragend. Zusammen mit Reis, Blumenkohl und Wein ein richtiges Festessen. Bis kurz vor Zwölf spielen wir das Hundespiel ‚brändidog‘ (spielt man alleine und doch im Team). Natürlich gehört Bigi wieder einmal zu den Siegern und Kaspar verliert. Um Zwölf stossen alle mit Sekt an. Ein paar Chilenen sind ebenfalls auf den Mirador gekommen, um das Mitternachts-Feuerwerk zu bewundern. Aber ausser ein paar roten Leuchtraketen, welche in den patagonischen Himmel steigen, ist nichts los – wir sind ein wenig enttäuscht, denn das war der Grund weshalb wir in der Stadt blieben! Kaspar holt eine ‚Himmelslaterne‘ (Heissluftballon) aus dem MAN. Wir entfalten ihn, zünden das Paraffin an und lassen ihn trotz starkem Wind steigen. Können dem Heissluftballon mit den Augen fünf Minuten folgen! Auch die Chilenen haben unsere Aktivität bemerkt und befolgen dies sogar mit Feldstecher. Um Ein Uhr sinken wir zufrieden in unser warmes Nest.
Alles Gute für's 2011 - Happy NEW YEAR

























































