März 2011
1. März - Bädele und schwatzen
Haben wie die Murmeltiere geschlafen. Laufen die 50 m bergauf bis zum Bassin mit 40 Grad C. Nach 15 Minuten dann hinunter in das Becken mit 30 C. Ein kleiner Mirador lockt für eine kleine Wanderung, denn dort könnte es Handy-Empfang haben, was auch so ist. Die Tessiner, Nicole und Renato, gehen ins Dorf einkaufen und wir bestellen bei ihnen Fleisch, um am morgigen Asado auch mitmachen zu können. Heute gehen wir mit ihnen und Inge und Gerhard ins kleine Restaurant zum Mittagessen. Bei fröhlichen Gesprächen werden Erfahrungen ausgetauscht. Wir legen alle Strassenkarten der diversen Länder auf den Tisch und Renato zeigt uns die besten Routen und gibt gute Ratschläge für Übernachten, Zollabfertigung und vieles mehr. Dies ist alles für unsere nächste Reise sehr interessant. Am Abend sitzen wieder alle im 30-grädigen Becken und schwatzen angeregt, auch mit den Argentiniern. Nachher noch eine Brandy-Runde als Absacker in unserem MAN.
2. März - Asado und viel Lachen
Schon vor dem Frühstück wieder ein heisses Bad. Sitzen zusammen, erzählen Witze und jeder erzählt lustige Episoden aus seinem Leben. Wir lachen viel. Renato, der Grillmeister beginnt zu feuern, um später das Asado zu grillieren.
Feines Essen, Wein und einen Pisco. Alle sind in aufgeräumter Stimmung. Kaspar stellt fest, dass sein Pressluftschlauch zum Füllen der Reifen einen falschen Anschlussnippel hat. Ja, man sollte eben vor der Abreise alles auf seine Funktionstüchtigkeit prüfen. Beim Einnachten obligates Bad in der Therme. Es weht ein kräftiger Wind vom Berg herunter. Der MAN wird ein wenig durchgeschüttelt. Sitzen noch gemütlich bei Gerhard und Inge im Camper.
3. März - 460 km Reise
Aufbruch. Inge und Gerhard wollen mit uns bis in die Stadt Fiambala fahren. Vor der Stadt ist ein kleiner Fluss, der zur Zeit ca. 70 cm Wasser führt. Wir mit unserem 4 WD fahren ohne Probleme durch den Fluss. Gerhard getraut sich nicht und sie fahren zu den Thermen zurück. In Fiambala kurzer Einkaufsstopp. Auf dem Dorfplatz kaufen wir bei Frauen Brot, Süssigkeiten und Empanadas. Dann geht es auf die 460 km lange Reise bis nach ‚Amaicha del Valle‘. Hier ist das ‚64. Fiesta Nacional de la Pachamana‘ im Gang. Wir müssen die Durchfahrt durchs Dorf erfragen, denn die Hauptstrassen sind blockiert. Der Camping befindet sich genau unter dem neuen Puchaman Museum. Wir marschieren ins Dorf. Die Volksmusik ist sehr laut. Die Argentinier tanzen. Viele Kitsch- und Souvenirstände sowie Strassenrestaurants sind um den Hauptplatz aufgestellt. Essen hier etwas Kleines, aber wie immer sind wir viel zu früh. Hier wird erst um 21 Uhr gegessen. Auf dem Camping gibt’s zur Überraschung wieder seit langen einmal Internetzugang.
4. März - Cafayate
Das Fest dauerte bis zum frühen Morgen. Um 2 Uhr sagt Kaspar: ‚die singed dänn falsch, und so lut, und das gaht no 2 Stund!‘ Wir konnten nur schlecht schlafen, obwohl der Camping 2 km vom Festplatz entfernt liegt. Besuchen das neue, moderne ‚Museo Pachamana‘. Hier wird indianische Kunst sehr schön präsentiert. Nebenan kaufen wir noch Trauben, die frisch ab der Rebe geschnitten werden.
Fahren zur Inka-Ruinenstadt Quilmes. Na ja, schön angeordnete Steinmäuerchen und dazwischen viele grosse Kandelabres-Kakteen. Weiter nach Cafayate, einer Kleinstadt mit Pfiff.
Schöner Platz mit der einzigen 5-schiffigen Kathedrale, schönen Restaurants und Handwerkläden. Na, wer sitzt denn da?! Die Holländerfamilie mit den drei Kindern. Wir haben sie schon in den Cuevas de los Manos und in la Serena getroffen. Dies sind immerhin 2000 km und dies in Chile und Argentinien. Müsste man dies planen, so würde man sich bestimmt verfehlen. Schwatzen und Kaspar macht den Clown mit den Kindern. Diese wollen unbedingt den Camper von innen sehen. Verabreden uns zum Nachtessen auf dem Hauptplatz. Am Hauptplatz steht auch ein Gourmet-Bus. Hier wird unter Anleitung einer Köchin ein Kochkurs durchgeführt, um den Leuten auch mal ein etwas anderes Menu schmackhaft zu machen als immer nur Epanadas. Im Camping flickt Kaspar den MAN. Mit speziell starkem Klebband dichtet er die Luftschläuche der Bremse ab. Ein Bremsluftschlauch wurde durch die Kardanwelle durchgescheuert. Fixiert die Schläuche neu mit einem Zurrband weg von der Kardanwelle. Gut, haben wir ein grosse Rolle von diesem speziellen Klebband an Bord, denn dies klebt und fixiert fast alles. Kurz duschen und dann ab ins Nachtleben.
Wir sitzen mit Laura, Edwin, Toon, Bente und Huub auf dem Hauptplatz in einem Restaurant mit Gitarren live Musik. Gemütlicher und fröhlicher Abend. Kaspar bastelt für die Kinder Papierflugzeuge. Probeflug macht er selber und das Flugzeug landet prompt auf Nachbars Glatze. Der Kandidat hat hundert Punkte!
5. März - Molinos
Heute ist Eröffnung des ‚Museo de la vid y el vino‘ in Cafayate. Wir haben uns die Billettnummern 3+4 ergattert. Hiesige Einwohner können die ersten zwei Wochen gratis ins Museum. Bis jetzt sind die Besucher spärlich. Das Weinmuseum ist hervorragend gestaltet. Der Wein hier ist eine Klasse für sich und günstig! Kaufen am Hauptplatz noch spezielles Gebäck ‚Calchaquitos‘, so ähnlich wie Mandeltörtchen mit diversen Fruchtaromen in den jeweiligen Farben. Weiter Richtung Molinos. Die Schotterpiste ist schlecht und so lässt Kaspar das erste Mal Luft aus den Reifen. Und siehe da, wir können die Piste recht gut befahren und es ist wirklich angenehmer. Kaspar schimpft sich ein ‚Löli‘, dass er dies trotz Wissen bisher nie gemacht hat. Aus Schaden wird man Klug (dreimal gerissene Querstrebe), bisherige Kosten CHF 250. Durch ein bizarres Tal mit verrückten Felsformationen geht es über schmalste Strassen nach Molinos. Unterwegs werden wir von zwei Gauchos um Wasser gebeten und wir geben gerne zwei Flaschen aus unserem Vorrat.
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Schlendern durch die Strassen von Molinos, fotografieren die Kirche von innen und aussen und besuchen ein kleines Museum. Es ist noch zu früh um hier zu übernachten. Also nehmen wir die nächsten 40 km unter die Räder. Es regnet und über die Strasse fliessen Bäche. Also vorsichtigstes Fahren. Für diese Strecke haben wir eineinhalb Stunden gebraucht! Möchten hier vor dem schönen Hotel des ACA übernachten. Aber sie erlauben es uns nicht trotz vieler leerer Parkplätze. Nun stehen wir eben 30 m unterhalb ‚gratis‘ am Strassenrand und hoffen auf eine ruhige Nacht.
6. März - Cuesto del Obispo
Trotz einigermassen ruhiger Nacht hat Bigi schlecht geschlafen. Fahren kurz ins Zentrum, wo wir einen schönen Platz im Kolonialstil vorfinden. In der Kirche findet gerade die Morgenmesse statt.
Alle Sitz- und Stehplätze sind belegt und es kommen immer noch Leute hinzu. Auf geteerter Strasse durch den Nationalpark ‚Los Cardones‘. Auf dieser Hochebene stehen tausende von Kandelaber-Kakteen, welche bis zu 12 m hoch werden. Ein Nationalpark nur für diese Kakteenart ist schon verrückt, daran sieht man, dass Argentinien grosse leere Flächen hat. Über einen Pass 3450 m ins Tal ‚Cuesta del Obispo‘. Auf schmalster Strasse mit vielen Serpentinen und grossem Gefälle geht es durch dicken Nebel – 5 bis 10 m Sichtweite – auf dreckiger Strasse hinunter ins Tal. Immer wieder überqueren Sturzbäche die Strasse und reissen dieselbe weg. Danach ist nur noch die halbe schmale Strasse vorhanden. Eine Baumaschine schaufelt die Strasse frei. Grosser Stau von Bussen, LKW, PW mit und ohne 4x4. Wir brauchen Geduld. Die Fahrt ist ziemlich gefährlich, denn das Gelände fällt steil ins Tal ab und die Strasse schlängelt sich dem Berg und Abgrund entlang. Einmal in einem Einschnitt warten viele PW und Motorräder, weil ein grosser und tiefer Sturzbach über die Strasse fliesst. Wir mit unserem Allrad holpern durch das Bachbett. Plötzlich öffnet sich das schmale Tal und wir befinden uns wenige Kilometer vor Salta. Finden den grossen Campingplatz auf Anhieb. Das Wetter ist trüb. Für Morgen wird uns eine Werkstatt empfohlen, welche sich trotz Feiertag (Karneval) unserem MAN annimmt. Wir sind gespannt. Nach mehrmaligem Ausrichten der Antenne empfangen wir ein Internetsignal. Nun hat Bigi viel zu tun mit Skypen, Email und Homepage. Bigi sagt auf einmal: 'oh, andersch wär eifacher gsi, wänn ich Tag um Tag übertreit het.' Kaspar sagt trocken: 'au Du bisch no lernfähig.'
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7. März - MAN-Reparatur
Wäsche zur Rezeption bringen. Dann fahren wir zu der uns empfohlenen Adresse für die Reparatur des MAN. Finden nach einigem Suchen die Werkstatt, aber niemand ist hier. Warten 30 Minuten und fragen nach. Dabei erfahren wir, dass der Besitzer vielleicht um 2 Uhr oder irgendwann zurück sein wird - südamerikanische Mentalität! Weiter zur Tankstelle um den Dieseltank zu füllen. Fragen nach einem Automechaniker. Das Problem ist, dass wegen dem Karneval bis Mittwoch alles geschlossen ist, was zwar übertrieben ist, denn kleinere Werkstätten und Läden haben offen. Der Tankwart holt einen älteren Mann von genau gegenüber. Es stellt sich heraus, dass er der Mechaniker ist. Man sieht es auch an seinem schmutzigen Übergewand. Kaspar erklärt das Problem und er bittet uns in die Nebenstrasse 50 m neben der Tankstelle. Er und sein Sohn kriechen unter den MAN und innert 30 Minuten ist das Bremsproblem behoben (100 Pesos). Inzwischen suchen wir den Metallurgica (Schweisser) einen Block nebenan. Leider ist er gerade weg gefahren.
Nach der Bremsreparatur sehen wir ihn am Strassenrand wieder, wo er gerade seinen Jeep Jg. 1960 reinigt. Nach kurzem Palaver wird er die Reparatur um 15 Uhr ausführen. Also zurück zum Camping. Da es schlechtes Wetter ist laden wir die zweite Batterie mittels Generator auf.
Pünktlich um 15 Uhr sind wir wieder beim Metallurgica, welcher, man staune, eine Viertelstunde später eintrifft. Um Schweissen zu können muss das Fahrerhaus gekippt werden. Dies gelingt uns dank Unterstützung einiger starker Männerhände. Kaspar hat wohlweisslich die Badehose, schmutziges T-Shirt und Arbeitshandschuhe angezogen. Damit lässt sich nachher der Dreck besser abwaschen. Kaspar demontiert den Kotschutzlappen und den Luftfilter, um möglichst gut an den gebrochenen Träger heranzukommen. Der Metallurgica schweisst alles und verstärkt den Träger mit einem sehr starken Winkeleisen von unten. Nun hoffen wir, dass diesmal alles hält. Den Reifendruck wird Kaspar auf jeden Fall nicht mehr so schnell erhöhen. Am Abend fahren wir mit dem Taxi ins Zentrum von Salta um Walti, Madelaine und Fridolin zum Nachtessen zu treffen. Wir werden ein paar Tage zusammen reisen. Herzlicher Empfang. Spazieren zum Hauptplatz mit der schön beleuchteten Kathedrale. In einem netten Restaurant essen wir ausgezeichnet Lomo. Der Rest als Roastbeef geschnitten reicht locker für das morgige Mittagessen.
8. März - Regen in Salta
Es hat die ganze Nacht geregnet. Wäsche holen und im Camper auslegen, da diese noch nicht schranktrocken. Mit einem Münchner Motorrad-Ehepaar per Taxi ins Zentrum von Salta. Suchen ein Reisebüro, um unseren Flug in die Schweiz zu buchen. Aber es ist ja immer noch Karneval und fast alles geschlossen. Kaspar findet einen alt ehrwürdigen Coiffeursalon und lässt sich seine Haare schneiden – der letzte Schnitt war in Ushuaia Mitte Dezember. Nun sieht Kaspar wieder zwanzig Jahre jünger aus!
Auf dem Hauptplatz trinken wir einen feinen Espresso. Es regnet in Strömen, darum fahren wir mit dem Taxi zurück zum Camping. Abends dann wieder mit den drei Freunden in den Ausgang.
9. März - Flugticket buchen und weiter
Heute erneuter Anlauf ins Reisebüro. Bei der argentinischen Fluggesellschaft können sie keine andere Airline buchen, und diese hat kein sehr gutes Preisangebot. Fast gegenüber ist das Reisebüro ‚Tastil‘. Hier werden wir schnell und kompetent bedient, und dies zum Glück auf Englisch. Buchen den Heimflug für den 13./14. April von Buenos Aires via Sao Paulo und mit Swiss nach Zürich. Das Retourticket kostet sage und schreibe lediglich 1‘400 US-Dollar pro Person. Leider haben wir den Pass vergessen und so fahren wir mit dem Taxi ins Camping zurück und gleich wieder ins Stadtzentrum. Im Reisebüro erledigen wir die restlichen Formalitäten.
Anschliessend lassen wir uns unsere Schuhe am Strassenrand putzen und auf Hochglanz polieren. Kurzes Mittagessen im MAN und dann Abfahrt Richtung Purmamarca.
Quer durch die belebte Stadt und auf der Nr. 9, einer sehr schmalen Strasse – eigentlich verboten für LKW (nachher wissen wir wieso) – über einen Pass durch dichten Regenurwald nach San Salvator de Jujuy. Abstecher zu den ‚Termas des Reyes‘. Hier übernachten wir und nehmen noch ein warmes Bad im Thermen-Swimmingpool.
10. März - Purmamarca
Nach 50 km kommen wir in Purmamarca an. Hier hat die Natur ein vierfarbiges Felsband freigelegt. Rot und braun in allen Schattierungen, grün, violett und gelb. Finden das Hotel, wo Walti, Madelaine und Fridolin logieren. Fragen, ob wir im Hof übernachten können. Die Antwort lautet halb ja, halb nein. So stehen wir nun direkt vor dem Hoteleingang an der Strasse mit wunderschönem Blick auf das farbige Felsband.
Spazieren ins kleine Dorf und schlendern am Dorfplatz von Stand zu Stand. Der bolivianische Einfluss ist hier bereits sehr stark zu spüren. Bigi kauft kleine lustige Fingerpuppen. Dann eine zweistündige Wanderung um das grossartige Felsenband herum. Zurück auf dem Markt sind alle Stände wegen Siesta zugedeckt. Es fängt ganz leicht an zu regnen, so dass wir zum MAN zurück spazieren. Treffen zwei Motorradfahrer, ein Berner und ein Brasilianer, die eine Tankstelle suchen. Dies gibt es in diesem Ort nicht, sondern erst etwa 40 km weiter. Sie sind sehr knapp an Benzin und wir helfen mit einem 20-Liter Kanister aus. Abends geraten wir am Dorfplatz in eine ‚Touristenfalle‘ und das Nachtessen schmeckt nicht allen.
11. März - Tres Cruces und Humahuaca
Heute heisst es früh aufstehen. Fahren mit Walti in seinem gemieteten 4WD Toyota ca. 200 km zum kleinen, dreckigen Dorf ‚Tres Cruces‘. Walti fotografiert hier im Morgenlicht ein fünffarbiges gewelltes Felsenband. Er hat dies im Google gefunden. Auch Kaspar fotografiert wie verrückt. Aber den kleinen Unterschied zum Berufsfotografen Walti sieht man schon in der Ausrüstung. Seine Bilder kann man nächstes Jahr im Novartis-Kalender bewundern.
Sehr rassige Fahrt zurück nach Humahuaca. Hier erscheint aus der Hauswand des Rathauses um 12 Uhr der heilige Franzisco Solano in Lebensgrösse und segnet die grosse Touristenschar. Viele Touristen applaudieren.
Wir schaffen es gerade noch 3 Minuten vor dem Spektakel. Die Kathedrale ist ebenfalls sehenswert. Man darf im Innern nicht fotografieren, was Kaspar wie üblich übersehen hat. Die Aufsichtsperson ruft in per Kanzelmikrophon zur Ordnung. Stärken uns kurz mit Empanadas bevor wir den Rückweg antreten. Dazwischen noch einige kurze Fotohalts. So viele Fotos hat Kaspar schon lange nicht mehr an einem einzigen Tag geknipst. Wir sind müde, also machen auch wir einmal eine ausgiebige Siesta. Abendessen in einem urchigen mit etwas lauter Livemusik mit Gitarre, Panflöte und Trommel.
12. März - erste Etappe Passo Jama
Verabschieden uns von den Dreien bis morgen. Schlängeln über viele Serpentinen bis auf 3500 m. Dann geht es leicht abwärts bis zum Salzsee ‚Salinas Grande‘.
In der Mitte ist Stop und wir bummeln mit vielen Touristen auf dem Salzsee. Kaspar ist am Anfang sehr vorsichtig, da er meint es sei Schnee und Eis. Kaufen einen geschnitzten Salz-Kaktus. Beim Mittagessen steht auf einmal ein deutsches Ehepaar neben uns, die wir schon einmal auf der Fahrt zum Fitz Roy gesehen haben.
Eine halbe Stunde später fahren Ruth und Peter mit ihrem MAN neben uns auf den Platz. Die Beiden kennen wir aus der Schweiz. Sie fahren schon seit 3 Jahren in Südamerika und haben uns immer gute Tips gegeben. Grosses Hallo und eine Stunde plaudern. Weiter bis nach Susques, einem verschlafenen, armen Städtchen. Werden hier bei der Tankstelle und Hostal übernachten, um uns an die Höhe zu gewöhnen – sind auf 3700 m. Morgen geht’s über den Passo de Jama (4400 M) und einen weiteren Pass in Chile von sage und schreibe 4825 m. Seit 7 Monaten haben wir das erste Mal im Internet die Zeitung gelesen, denn wir haben vom Erdbeben und Tsunami in Japan gehört, weil auch in Chile eine Tsunamiwarnung verbreitet wurde. Sind schockiert.
13. März - Passo Jama nach Chile
Haben beide nicht sehr gut geschlafen und sind daher schon um 8 Uhr auf der Strasse. Der Pass steigt unaufhörlich an. Die argentinische Zollabfertigung geht schnell. Weiter steigt die Strasse bis auf 4825 m. Auch in dieser Höhe geht es uns beiden gut. Vom höchsten Punkt aus geht die Strasse in fast gerader Linie steil hinunter bis nach San Pedro de Atacama. Die LKWs fahren sehr, sehr langsam und es gibt viele gekieste Notbrems-Ausweichspuren. Die chilenische Zollabfertigung in San Pedro ist etwas konfus. Machen alles verkehrt. Zuerst den Zoll statt die Polizei. Der erste Eindruck von San Pecro de Atacama ist nicht gerade erfreulich. Erst das Stadtzentrum um den Hauptplatz ist schön restauriert und für die vielen Touristen aufgepeppt. Suchen Imbers Hotel und hinterlassen eine Nachricht. Erkundigen uns vor dem Nachtessen für eine Fahrt nach Bolivien zu der Lagune Verde. Dieser Fahrt würde bis über 5000 m gehen, und dies wollen wir Walti nicht antun. Im Stadtzentrum treffen wir die Holländerfamilie mit den 3 Kindern wieder und schwatzen. 4 km ausserhalb gibt es einen Camping, den wir nun ansteuern. Mitten in der Wüste ein Akazienwald mit vielen Assado-Grillplätzen und einem grossen Schwimmbad. Hier holen wir den von Dreck kaum mehr zu erkennenden Roller hinunter. Wie immer springt der Motor sofort an. Nach dem Reinigen des Rollers sind wir beide so schmutzig, dass wir ein Bad im Pool brauchen. Siesta. Müssen etwas vorsichtig mit unserem Wasser umgehen, da es hier kein ‚Agua Potabile‘ (Trinkwasser) gibt. In der kühlen Abendbrise fahren wir mit dem Roller in die Stadt und treffen die Andern im Hotel zum Nachtessen.
14. März - Fotosafari
Am Morgen müssen wir ziemlich lange an der Hauptstrasse warten, da uns Walti nicht findet. San Pedro de Atacama ist etwas kompliziert, da die Stadt unkontrolliert wächst. Im Valle de Lune bezahlen wir Eintritt und bekommen dafür auch noch einen schönen Prospekt. Walti ist begeistert und fotografiert viele Sujets. Auch Kaspar versucht einiges mit seinem Fotoapparat, aber wenn er Waltis Bilder sieht, vergeht im die Lust am Fotografieren. In der Stadt essen wir beim Busbahnhof in einer kleinen Imbissbude Pollo und fahren dann zur Laguna Cejar. Walti flippt aus, der schneebedeckte Vulkan im Hintergrund wird x-mal abgelichtet. Bigi nimmt ein Bad in der Salz-Lagune. Sie kann nicht versinken, dafür ist sie anschliessend gepökelt. Es beisst und juckt überall. Am Abend dann in einem schönen, rustikalen Restaurant mit offenem Feuer Abendessen. Es heisst Abschied nehmen von Walti, Madeleine und Fridolin. Die Drei bleiben noch hier und wir werden morgen weiterziehen.
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15. März - Naturthermen Puritama
Roller aufladen und ein Schwumm im frisch eingefüllten Swimmingpool. Der grosse Campingplatz ist nun leer. In San Pedro treffen wir bei der Durchfahrt Max und Heidi mit dem MAN. Die Beiden haben wir in Lobos auf dem Camping anfangs November kennengelernt. Nach Kaffee und Kuchen verabschieden wir uns. Die Fahrt geht nun Richtung Geysers El Tatio. In Puritama sind schöne Natur-Thermen. Es lockt ein Bad im warmen Wasser. Die Therme mit 8 Naturbecken ist sehr schön in einer Schlucht eingebettet. Herrlich klares Wasser!
Da wir hier nicht übernachten dürfen, beschliessen wir um 17 Uhr noch die 70 km nach El Tatio unter die Räder zu nehmen. Es hat gerade eingenachtet, als wir vor dem Gebäude zum Nationalpark ankommen.
Die Fahrt entlang den hohen Andengipfel war beeindruckend. Bezahlen bereits für morgen früh den Eintritt. Die Geysirs sind nur morgens zwischen 6 und 7 Uhr sehr aktiv. Übernachten hier auf 4300 m und essen ein Fondue. Nachher lesen im Prospekt, dass man auf dieser Höhe nur leichte Kost essen sollte. Na ja, ein Schweizer Fondue ist nicht zu verachten!
16. März - Geysirs El Tatio
Um 6 Uhr werden wir durch die ankommenden Touristenbusse geweckt. Schlaftrunken wälzen wir uns aus den Federn und genehmigen uns einen Schwarztee. Bei Dunkelheit holpern wir zu den Geysirs El Tatio. Bei Sonnenaufgang erwachen die Geysirs zum Leben. 85ig-grädige Dampffontänen schiessen in die Luft.
Hunderte Touristen wie wir bewundern die vielen dampfenden Geysirs schlotternd bei minus 3 Grad. Auch hier gibt es ein Schwimmbecken in welchem wir bei 5 Grad Aussentemperatur das warme Wasser geniessen. Um 10 Uhr ist der ganze Spuck zu Ende und die Touristen kehren heim. Über recht gute Piste fahren wir zügig nach Calama.
Wir möchten die weltweit grösste Kupfer-Tagbaumine besichtigen. Nachdem wir endlich das Reservationsbüro für die Besichtigungstour gefunden haben, sind wir genau 20 Minuten zu spät für die heutige Tour. Werden es auf dem Rückweg noch einmal versuchen. Fahren Richtung Antofagasta am Pazifik. Besichtigen kurz eine alte verfallene Salpeter-Salzstadt. Grusselig, da keine Leute hier. In Baquedano, wo wir übernachten, soll es ein Eisenbahn-Museum geben. Nach einigem Suchen finden wir eine Remise mit alten, vergammelten Dampfloks. Viele Lastwagen mit riesigen Pneus und Maschinen für die Kupfermine fahren hier durch. Nah dann ruhige Nacht!
17. März - Mano del Desierto
Trotz Strassenlärm konnten wir einigermassen gut schlafen. Nach Antofagasta, einer Stadt mit 290‘000 Einwohnern, sind es 70 km. Suchen und finden die MAN-Garage ‚MACO‘. Besprechen mit einem Angestellten die anstehenden Kleinreparaturen. Verabreden einen Termin für morgen. 70 km südlich Richtung Santiago gibt es eine in der Wüste stehende Skulptur ‚Mano del Desierto‘. Diese Hand steht hier seit 1992 und wurde angefertigt vom Künstler Mario Irarrazaeal. Nun stehen wir etwas ausserhalb von Antofagasta am Strand. Die Brandung ist momentan die einzige Lärmquelle.
18. März - Antofagasta MAN-Werkstatt
Um zwei Uhr laute Bum-Bum-Musik. Können nicht mehr gut schlafen. Kaspar nimmt die Taschenlampe und leuchtet gegen den Verursacher. Es nützt nichts und er will zum Rechten schauen. Bigi verbietet es ihm nach draussen zu gehen. Der Strand wäre ja sooooooo lang, aber das Ar… muss genau hinter uns stehen! Fahrt zu MAN-MACO in die Stadt. Sie brauchen für diese kleinen Reparaturen den ganzen Tag. Natürlich geht gerade jetzt der Waschanlage das Wasser aus. Per Sammeltaxi ins Zentrum von Antofagasta. Suchen die Post um die letzten Briefmarken vor der Heimreise zu kaufen (geht ja mind. 30 Tage bis nach Europa). Im neuen lauten Shopping-Zentrum hat es Wi-Fi und Bigi lädt die Homepage auf und beantwortet die wichtigsten Email.
Dann auf den nahe gelegenen Fischmarkt. Hier kaufen wir Empanadas und einen Becher Fischsalat. Essen nur ein wenig vom Fischsalat und verschenken den Rest einem Strassenhändler, der uns Trauben und Melonen verkauft. Bigi telefoniert noch in einem Telefonshop Dorli. Dies ist wesentlich günstiger (ca. 10 Minuten ein Dollar) als mit dem Handy, wo die Minute CHF 3.70 kostet! Mit Taxi zurück zu MACO.
Hier ist noch nicht viel geschehen. Die hinteren Kotschutzlappen sind zwar montiert, aber sonst nichts. Die Waschanlage funktioniert wieder und so hilft Kaspar beim Waschen ein wenig mit. Nachher wird noch der Luftanschluss für das Pumpen der Reifen montiert. Der Scheinwerfer rechts hat einen Kurzen. Wollen am Montagmittag nochmals hier sein um das Türschloss und den Kurzen zu beheben. Im Stossverkehr fahren wir aus der Stadt bis zur nächsten Bucht ‚Juan Lopez‘. In der Abendstimmung sieht das Dorf nicht gerade einladend aus, eher wie Favelas oder zu Deutsch ‚Bruchbudendorf‘.
19. März - Monument National La Portada
Spazieren an den Strand, wo sich Bigi im Pazifik ein kaltes Bad genehmigt. Kaspar sitzt auf dem Bademeister-Hochsitz und verfolgt das Geschehen am Strand und im Meer. Er findet, dies wäre noch ein Job für ihn. Kurz vor der Hauptstrasse Nr. 1 besuchen wir das ‚Monumental National La Portada‘, ein grosses Felsentor im Meer. Die Aussichtsplattform ist grosszügig angelegt, aber es hat nicht viele Besucher. Weiter nach ‚Mejillones‘, einer kleinen Hafenstadt mit Fischerhafen. Hier gibt es ein grosses thermisches Elektrizitätswerk, welches die Minen im Inland mit Strom versorgt. Stehen an der Strandpromenade und faulenzen.
20. März - zurück nach Juan Lopez
Sind wieder einmal am Samstagnacht in einer Stadt. In 500 m ist ein Restaurant mit sehr lauter Musik bis morgens 04.00 Uhr. Es ist schwierig zu schlafen, aber wir sind ja selber schuld, wir sollten es ja wissen! Kaspar nimmt sein erstes Bad im Pazifik. Beim Frühstück betrachtet er seine Hühnerhaut: ‚Mach ja alles freiwillig, bade im kalte Wasser und suri Grapefruit esse.‘ Hier gefällt es Bigi nicht so gut und wir fahren zurück zur ‚Traumdestination‘ Juan Lopez. Dies ist für Kaspar unverständlich. Zuerst schauen wir uns noch die Insel St. Maria an – ein Reinfall. Nun stehen wir wieder auf unserem Adlerhorst über dem Pazifik in ‚Juan Lopez‘. Aber diesmal nivelliert Kaspar das Fahrzeug mit einem Stein unter dem Hinterrad aus. Was wir heute alles in der Wüste sahen: ToyToy (WC-Häuschen, links und rechts weit und breit sonst nichts), Verkehrstafel ‚Achtung Radar‘, Stoppstrasse, unbewachter Bahnübergang, am Strassenrand liegen überall Resten von Pneus herum, heilige Gebets-Häuschen mit schönen Sitzgelegenheiten, das Denkmal ‚Südlicher Wendekreis des Steinbock‘ 23,5 Breitengrad (morgen beginnt hier der Herbst und in Europa der Frühling), Flugplatz, Militärbaracken mit rostigen Panzern, Reklametafeln, Windhosen und natürlich viel, viel brauner Sand und Gestein, aber keinen einzigen grünen Zweig. Werden von einem Polizisten gestoppt und darauf aufmerksam gemacht, dass wir gleich in ein Velorennen geraten. Kaspar sagt noch: ‚Überhol diese, bevor sie in die Bergsteigung kommen.‘ Aber Bigi ist zu langsam. 50 m vor der Steigung wenden die Velorennfahrer und fahren auf der Ebene wieder zurück. Das ist doch kein Velorennen!
21. März - gute Nerven sind gefragt
Gehen den Tag langsam an. Bigi will unbedingt noch einmal baden. Nehmen den Kühlschrank-Thermometer mit um die Wassertemperatur zu messen. Kaspar behauptet, dass es nicht mehr als 17 Grad sind. Bigi hält den Thermometer so dumm ins Wasser, dass die Flut diesen auf Nimmerwiedersehen wegspült. Nun wissen wir nicht, wie kalt der Pazifik wegen der El Nino-Strömung ist. Sau-kalt auf jeden Fall. Nun zur MAN-Maco und vorher noch Einkauf bei ‚Umarc‘. Kaufen ein Grillpoulet. Auch ein streunender Hund hat Freude an den Resten. Das Türschloss aus Deutschland ist nicht eingetroffen. Wir bezahlen die Rechnung vom letzten Freitag, obwohl das Licht noch nicht funktioniert. Bigi reklamiert und der Chef sagt ‚solo 10 minutos‘. Okay, wir warten und nach einiger Zeit nimmt sich endlich ein Arbeiter Zeit für dieses Problem. Alles dauert über eine Stunde, denn der Arbeiter nimmt das ganze Elektropult auseinander, fabriziert einen Kurzen und muss darum eine neue Sicherung einsetzten. Kaspars Sicherung brennt auch langsam durch und er ruft ziemlich laut in bestem Züridütsch aus. Oh, die verstehen dies! Nun wird endlich die Birne ausgewechselt, was Kaspar von Anfang an vermutete, und claro, alles funktioniert! Kaspars Kommentar zur Werkstatt: ‚Chef und Stellvertreter entlassen!‘ Fahren noch Richtung Calama und stehen bei der Tankstelle in der Wüste zum übernachten. Schauen noch ein wenig dem regen LKW-Verkehr zu.
22. März - Kupfermine Chuquicamata
In Calamat reservieren wir die Tour durch die grösste offene Kupfermine der Welt. 3 x 4 km und 1000m tief. Kurzer Schreck, da Tour ausgebucht sein soll, aber eine Viertelstunde vor Tourbeginn atmete Kaspar auf: wir können mitfahren! Die Teilnahme ist gratis, aber eine Spende für das Kinderhilfswerk wird erwartet. Zuerst schauen wir uns die seit 2008 verlassene Stadt Chuquicamata an. Lernen etwas über die Kupfergewinnung. Seit 1915 wird hier Kupfer gewonnen. Zuerst durch eine amerikanische Bergbaufirma und nach der Verstaatlichung 1971 durch Chile. Das hier gewonnene und verarbeitete Kupfer hat einen Reinheitsgrad von 99,99 Prozent. Der Kupfergehalt im Gestein ist ein Prozent, d. h. 100 kg Gestein gleich 1 Kilo Kupfer. Pro Tag werden 1‘500 Tonnen Kupfer gewonnen und in Platten von 175 kg (130 x 100 cm) gegossen. Riesige Lastwagen, welche auf ihrer Brücke bis zu 425 t Kupfergestein transportieren können, krebsen wie kleine Tiere in der riesigen Grube herum. Ein Laster auf Augenhöhe ist jedoch riesig und ein Reifen hat einen Durchmesser von 4 m und hält ca. 1 Jahr. Das meiste Kupfer wird nach Asien und China exportiert. Aus Sicherheitsgründen müssen auf dem Gelände lange Hosen, lange Ärmel, geschlossene Schuhe und ein roter Helm getragen werden. Kaspar weiss zwar nicht warum, denn nur der blaue Himmel kann uns auf den Kopf fallen. Im modernen Reservationsbüro gibt es sehr sauber Toiletten. Doch der Türrahmen zur Toilette ist lediglich 1,8 m hoch und so schlägt sich Kaspar ganz fürchterlich den Kopf an. Hier wäre der Helm von Nöten!
Nachher fahren wir noch nach San Pedro de Atacama und machen Kassensturz, um nicht zu viel chilenische Pesos zurückwechseln zu müssen.
23. März - Passo Sico
Mit den letzten 1610 Pesos kauft Bigi zwei Mangos. Dies kostet genau 1600 Pesos und Bigi ist grosszügig und schenkt der Gemüsehändlerin die 10 Pesos (2 Rappen). Zollabfertigung hier im Dorf und dann Richtung Passo Sico. Bis Socaire ist asphaltiert, nachher Schotterpiste. Machen einen kurzen Abstecher an die Laguna Miscanti. Hier kostet der Parkeintritt 2500 Pesos pro Person, aber wir haben keinen einzigen Pesos mehr und möchten mit US-Dollar zahlen. Würden etwas mehr geben (11 Dollar), aber die Parkwächterin will einfach nicht. Zum Glück kommt ein chilenischer Reiseführer und kann sie vom Wechselkurs überzeugen und so zahlen wir 12 Dollar. Die zwei Lagunen sind dunkelblau und heben sich von der braunen Umgebung fotogen ab. Parkieren unseren MAN vorwärts auf dem sehr grossen Parkplatz bei der Lagune. Das passt der dort anwesenden Parkwärterin nicht. Auf 3999 m Höhe bittet uns doch tatsächlich die Parkwächterin den MAN um 180 Grad zu wenden. Ausser uns war dort niemand, Amtsschimmel lässt grüssen! An weiteren schönen Salzlagunen entlang noch einmal zum chilenischen Zoll. Hier werden von Hand alle Personen- und Fahrzeugdaten in ein dickes Buch eingetragen. Weiter über eine Hochebene zum argentinischen Zoll. Wir sind die einzigen Reisenden, aber die Abfertigung hier dauert lange. Der Zöllner nimmt es sehr genau. Am Schluss haben wir wieder eine 8-monatige Bewilligung für das Fahrzeug, für uns jedoch nur 3 Monate. Wir dürfen aber ohne Fahrzeug das Land nicht verlassen. Das Problem versuchen wir zu lösen, indem wir nach Uruguay/Montevideo ins Winterquartier ausweichen. Nun den Pass hinunter, aber es geht wieder hinauf auf 4560 m zum Passo Chorillos und erst dann hinunter Richtung Salta. Viele Serpentinen und einigermassen gute Schotterpiste. Verpassen prompt das grosse Eisenbahnviadukt und landen im dreckigen Bergbaudorf San Antonio de los Cobres. Hier parkieren wir auf einem Militärgelände. Fragen einen Offizier, ob wir eine Nacht bleiben dürfen. Wir dürfen. 5 Minuten später kommt ein anderer Offizier mit dem Wachsoldaten und verlangt 100 Pesos. Wir sind so baff, dass wir die 100 Pesos bezahlen. Diese Kaserne ist ja eine richtige ‚Touristenfalle‘. Bigi ärgert sich ein wenig. Sicher wird dieses Geld (CHF 25) für den Kompanieabend gebraucht.
24. März - Eisenbahnviadukt 'la Polvorilla'
Haben wieder einmal wegen der Höhe - 3730 m – sehr schlecht geschlafen. Schlaftrunken schauen wir um halb neun Uhr auf den Exerzierplatz mit Fahnenmast. Die höheren Offiziere sind angetreten und begrüssen ihren Oberst mit einem gemeinsamen, lauten ‚buon dias, jefe‘. Dann wird die argentinische Flagge gehisst. Kaspars Kommentar: ‚so eine morgendliche Begrüssung wünsche ich mir ab heute auch von dir.‘
Wollen doch noch zum Eisenbahnviadukt ‚la Polvorilla‘. 7 km auf der Passstrasse zurück und nun finden wir den winzigen Wegweiser ‚Viaducto‘, der von der anderen Seite gar nicht zu sehen war! Wir folgen einer sehr schlechten und schmalen Schotterpiste. Es geht durch Schluchten entlang eines Flussbettes und teilweise auch im Flussbett über viele Kurven zum Eisenbahnviadukt auf 4200 m. Kaspar’s Herz ist auf dieser ‚Offraod-Piste‘ vielfach nicht auf dem rechten Fleck, sondern eher in der Hose. Erreichen nach 20 km das Viadukt von unten und klettern einen kleinen Weg zur Aussichtsplattform hoch. Man könnte diesen Ausflug auch mit dem ‚Tren a las nubes‘ (Zug in den Wolken) von Salta aus machen. Beginn um 7 Uhr, Ende um Mitternacht. Also eine langsame und lange Reise. Die gleiche Piste zurück und da passiert das Malheur: an der schmalsten Stelle schürft Kaspar an einem Fels entlang. Die Treppe für den Einstieg wird dadurch stark demoliert. Wir sind jedoch froh, dass wir mit dem Hinterrad nicht in das trockene Bachbett abgerutscht sind. War haarscharf!
Ein Teilstück der Strasse nach Salta ist schön asphaltiert, aber 50 km vor Salta wird die Strasse sehr schmal und ist zum Teil verschüttet. Kreuzen mit andern Lastwagen nicht möglich. Kaspar setzt einmal den MAN über eine längere Strecke dem Abgrund entlang rückwärts. Unterwegs besuchen wir noch ein katholisches Missionarszentrum mit alter Kirche und bolivianischem Bus. In Salta angekommen, viele Geschäfte geschlossen – schon wieder Feiertag.
Suchen sofort den Metallurgica auf. Er lacht, als er uns sieht, begutachtet den Schaden und macht sich sofort zusammen mit einem Freund an die schweisstreibende und dreckige Arbeit. Die ganze Treppe inklusive Kasten wird demontiert, gerichtet und geschweisst. Der Zusammenbau gestaltet sich etwas schwieriger, da Kaspar nicht aufgepasst haben beim Demontieren. Am Schluss, nach 4 Stunden, funktioniert fast alles. Nur beim Starten des MAN geht die Treppe anstatt hinein, hinunter. Kaspar in seinem Dusel hat die Elektrik falsch gepolt. Na ja, es ist schon spät und dunkel. Kaspar wird dann morgen auf dem Camping das Problem beheben. Was sehen da unsere müden Augen: der Camping ist übervoll, Zelt an Zelt, laute Musik und Asado mit viel Rauch vom Grill. Wir erfahren dass dieses Wochenende Rockkonzerte im nahen Stadion stattfinden. Na was soll, sind ‚uf de Stümpe‘.
25. März - Ausruhen in Salta
Haben trotz lauter Musik bis in die frühen Morgenstunden relativ gut geschlafen. Kaspar stürzt sich in die Badehose, nicht um zu baden, sondern um unter den MAN zu kriechen. Er trennt das Kabel der elektrischen Zuleitung und polt alles um. Und siehe da, es funktioniert wieder alles bestens. Beim Umpolen gibt es einige Kurzschlüsse und die speziellen Autosicherungen werden langsam rar. Er erhöht auch wieder den Reifendruck auf 6,5 Atü mit dem nun funktionierenden Luftschlauch. Bigi verweilt sich unterdessen mit Guetzli backen. Fahren mit dem Taxi in die Stadt um Pesos am Automaten zu beziehen, denn die Kasse hat Ebbe wegen der Reparatur. Trinken in einem schönen Strassenkafi etwas. Bigi lädt die Hompage auf. Ein aufdringlicher, junger Schuhputzer überschwatzt sie im fünften Anlauf ihr alten, dreckigen, verlausten Sandalen zu putzen. Am Schluss will er einen total überhöhten Preis, den wir auf einen Viertel herunter handeln. Claro, ein kleines Trinkgeld gibt es trotzdem. Heute Abend ist um 23 Uhr das erste Rockkonzert und somit sollten wir also bis 03 Uhr schlafen können. Gehen ins gleiche Restaurant essen, wo wir mit Imbers vor drei Wochen gut gegessen haben. Auf dem Camping wird durch die Securitas streng kontrolliert und kein Auto kommt herein, welches nicht alles ausgepackt hat. Selbst unser Rucksack wird geöffnet. Alkohol und Drogen sind nicht gestattet. Die Polizei patrouilliert. Die jungen Konzertbesucher wollen jedoch nur laute Musik hören und ihr langes Wochenende geniessen.
26. März - weiter nach Cafayate
Die Nacht erstaunlich gut überstanden. Kommen noch mit dem französischen Zirkusdirektor und seiner Frau ins Gespräch. Sie sind bereits zwei Monte auf dem Camping, aber das was zur Zeit abgeht, haben sie noch nie erlebt. Mehr als 2000 Leute sind auf dem Camping und es gibt 4 Toiletten. 34 km von Salta entfernt haben sie ein 2500 m2 grosses Grundstück gekauft und wollen dort ein kleines Haus bauen. Für uns Europäer ist so ein Kauf sehr günstig. Unser Espressokaffee schmeckt den Beiden vorzüglich und so wird eben etwas länger geschwatzt. Die Ausfahrt aus dem Camping gestaltet sich mit unserem grossen Fahrzeug etwas schwierig. Bigi versucht die hereinströmenden Autos zu stoppen. Erst als Kaspar einige Fahrzeuge bedrängt, öffnet sich für uns die Ausfahrt.
Nun fahren wir Richtung Cafayate. Besuchen unterwegs die Teufelsschlucht und das Amphitheater im Fels. Kaufen zwei Indio Tonflöten für Suters und freuen uns auf ihr erstes Duett. In Cafayate direkt auf den Camping, welchen wir von unserem letzten Besuch anfangs Monat kennen. Den Rest des Tages verbringen wir mit lesen im Liegestuhl. Nach dem Risotto con funghi spazieren wir ins Zentrum um wieder einmal Geld zu beziehen. Kaufen Süssigkeiten, die im ganzen Land gegessenen ‚Alfajores‘ und STUTZ-Wein.
27. März - Tafi del Valle
Kurze Fahrt über einen kleinen Pass ins grüne ‚Tafi del Valle‘. Der Pesos rollt seit gestern: kaufen überall Souvenirs. Nun stehen wir am Stausee in ‚el Mollar‘ und geniessen die Ruhe des Sonntagnachmittags. Leider ist es kalt und windig und später am Abend auch stark bewölkt.
28. März - 600 km fahren
Zum Frühstück gibt’s Spiegeleier mit Bratspeck – man glaubt es kaum, dies schmeckt uns besser als ein Stück Schweizer Schoggi. In Argentinien findet man keinen Speck und in Chile haben wir dies nur dreimal eingekauft. Durch eine Schlucht verlassen wir bei trübem Wetter das Tafi de Valle. Fahren über Rioja in den Nationalpark Ischigualasto, Valle de Luna. Hier waren wir am 19. Februar schon einmal, aber der Park war wegen ‚Hochwasser‘ geschlossen. Die Strecke ist langweilig. Gerade Strecken bis 35 km ohne eine Kurve. Die 600 km waren happig bei einer max. Geschwindigkeit von 85 km/h. Unterwegs sehen wir Gauchos, die mit einer leeren Wasserflasche winken. Dies kennen wir: stoppen und geben Ihnen zwei Flaschen Wasser. Im Valle de Luna treffen wir ein junges Zürcher Pärchen und schwatzen ein wenig.
29. März – Parque Ischigualasto – Valle de Luna
Heute ist Valle de Luna angesagt, Name auf indianisch: ‘Ischigualasto’. Um 9 Uhr geht’s los. Etwas 10 Fahrzeuge fahren im Konvoi ins Valle de Luna und besichtigen die schönen, skurrilen Felsformationen. Boole-Kugeln, farbiges Tal, U-Boot etc. Auf dem Rückweg dürfen wir frei fahren und fotografieren. Und prompt hat ein alter Jeep eines Argentiniers – Bigi sagte noch: sieh mal der schöne, gelbe Jeep – einen Achsbruch. Ein Vorbeikommen an diesem Havaristen ist nicht zu denken. Kaspar will nicht den MAN aus dem Sand schaufeln. Also auf der engen Strasse wenden und auf der gleichen Strasse zurück. Zum Glück ist es eine Rundtour, sonst würden wir heute noch dort stehen. Beim Parkeingang essen wir etwas Kleines, denn heute gas es nur ein knappes Frühstück und inzwischen ist schon 2 Uhr. Fahren die 80 km bis zum Nationalpark Talampaya.
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30. März - Nationalpark Talampaya
Buchen die grosse Bustour, bei welcher man auch ‚auf dem Dach‘ mitfahren kann. Die Fahrt klimatisiert geht zuerst 20 km zum Canyon Talampaya. Die roten Sandsteinfelsen sind bis zu 150 m hoch. Da es in letzter Zeit viel geregnet hat, sieht man viele Blumen und die Sträucher und Bäume sind grün. Durch dieses Canyon zogen vor tausenden Jahren auch Ureinwohner durch und hinterliessen ihre Spuren in Form von Felszeichnungen. In der Hälfte der Tour wird ein Apéro mit Chips, Oliven und Nüssli serviert. Dazu wird Orangenjus und Rot- und Weisswein ausgeschenkt. Die Fahrt geht weiter der gotischen Kathedrale entlang bis zu einer stehenden Felsformation, welche Mönch heisst. Auf der Tour lernen wir einen Argentinier kennen, welcher von seinem Weingut Wein in die Schweiz importiert und mit einer Schweizerin verlobt ist. Er scheint aus reichem Haus zu sein. Auf jeden Fall tanzt er geschäftlich auf vielen Hochzeiten. Er verspricht uns zwölf Flaschen Wein gratis in der Schweiz. Wir werden sicher darauf zurück kommen. Den Rest des Tages verbringen wir mit lesen und schlafen. Ein heftiger Wind weht, aber trotzdem ist es heiss.
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31. März - Chilecito
Die ‚Questa de Mirande‘ entpuppt sich als kleiner, aber enger Pass von 2020 m Höhe. Die Fahrt geht durch grüne Berglandschaft. Ein kurzes Stück die Route 40 Richtung Norden nach Chilecito. Hier besuchen wir die Wein-Cooperativa ‚La Riojana‘. Besichtigen die riesige Halle mit den Weintanks. Die Traubenernte ist in vollem Gange. Viele Lastwagen, beladen mit Trauben, warten bis sie dieselben abliefern können. Degustieren diverse Weine welche hervorragend sind. Kaufen je drei Flaschen Weiss- und Rotwein für unseren fahrenden Weinkeller. Somit ist dieser aufgefüllt für die nächste Reise. Es gibt hier auch eine Materialseilbahn von 34 km Länge. Da bei der Mine kein Wasser vorhanden war, musste alles goldhaltige Gestein ins Tal gefahren werden. Heute ist alles ausser Betrieb, aber man kann die Bahn aus dem Jahre 1903 besichtigen (Höhenunterschied von 3300 m) – wir müssen bei 35 Grad C 15 Minuten den Berg herauf steigen, uf schwitz! Über schnurgerade asphaltierte Strasse geht es Richtung Cordoba. Es ist eine langweilige und heisse Fahrt. Nun stehen wir in Chamical an der Strasse und haben wahrscheinlich die lauteste Ecke des Städtchen erwischt. Parkieren noch um hinter die Tankstelle an der Hauptstrasse. Wir werden ja schlafen oder hören!



















































































