Januar 2011

1. Jan. 2011 - Start ins neue Jahr

Stehen nicht allzu früh auf. Ein Chilene, der gleich gegenüber unserem ruhigen Schlafparkplatz wohnt, bietet uns Wasser oder andere Hilfe, wenn nötig an (er ist selber Besitzer eines Campers). Wir bedanken uns und fahren durch Punta Arenas weiter Richtung Süden entlang der Magellanstrasse. Zuerst besuchen wir das ‚Fort Bulnes‘ aus dem Jahre 1843-48. Dies wurde dort errichtet, um den chilenischen Besitzanspruch zu untermauern. Später wurde dieses Fort zurück nach Punta Arenas verlegt. Weiter bis zur Estanzia San Juan. Hier ist das Ende der Strasse und somit der südlichste Festlandunkt von Südamerika – Kilometerstand MAN 70‘265 km. Die Chilenen haben frei und so sind a l l e unterwegs und campieren, grillieren, spielen und schwatzen. Eine richtige Völkerwanderung. Unglaublich, sehr viele Autos auf der Schotterstrasse, die ganze Staublawinen hinter sich herziehen.

Zurück zur ‚Bahia del Hambre‘ (Hungerbucht). Im Jahre 1520 gründeten hier die Spanier die erste Kolonie – die 300 Personen verhungerten hier aber kläglich. Ein kleiner Friedhof ist alles, was davon übrigblieb. Hier ist ein improvisierter Campingplatz und es hat viele Autos und Leute mit Kind und Kegel.

Riesige Asados werden zubereitet, ganze Schafe aufgespiesst und halbe Wälder verbrannt. Dazu wird viel Bier getrunken. Wir kommen mit einigen Chilenen ins Gespräch, bekommen auch ein traditionelles Gebäck. Eine Frau bringt uns ein Gesöff. Sie will unser Auto von innen besichtigen – ob sie wohl eine Wette gemacht haben, ob sie dies darf? Die St. Galler Regina und Thomas mit Hündin Nura sind auch hier. Thomas wirft den Grill an und wir essen eine Regenbogenforelle, kleine Würste sowie Salat und von Regina selbstgebackenes Brot – dies ist unser ‚Hungeressen‘. Das erste Mal seit ca. eineinhalb Monaten sitzen und essen wir wieder einmal draussen – herrlich! Kaspar hat sich prompt das Gesicht verbrannt – morgen wird Sonnencreme eingeschmiert. Kaspar geht’s wieder besser und er ist zu 90% fit.

2. Jan. - wunderbares Campingwetter

Heute ist windstill und schon das Frühstück geniessen wir draussen an der Sonne. Ein wunderbarer Tag, fast wolkenloser Himmel. Bigi und Regina gehen mit der Hündin auf eine Wanderung zum nahgelegenen alten Fort. Kaspar hilft Thomas beim Reinigen des Luftfilters und nimmt auch den Honda-Roller herunter – vor lauter Staub sieht man nicht einmal mehr die Farbe. Mit der Aussendusche wird der Roller einigermassen gereinigt. Der Roller springt sogar auf den ersten Kick an und Kaspar dreht eine kleine Runde zum warmfahren. Auch der Generator wird ausgepackt und gestartet. Alles in bester Ordnung. Kaspar liest an der Sonne, aber es ist schon fast zu heiss. Heute verbrennt sich Kaspar trotz Sonnencreme die Arme und Nacken. Der Roller muss noch aufgepackt werden und der ganze MAN wird kontrolliert. Zum Nachtessen sind die Frauen wieder zurück. Auch heute sind wieder viele Chilenen hierhin gekommen um ihr Asado vorzubereiten (3 – 5 Stunden) und zu essen. Wir kommen wieder mit einigen ins Gespräch und sie geben uns Tips für die Weiterreise. Abends kommen Regina und Thomas wieder zum ‚brändidog‘ Spiel. Nun müssen Regina und Kaspar einmal gegen Thomas und Bigi gewinnen – jedoch ohne Erfolg!

3. Jan. - Richtung argentinische Grenze

Verabschieden uns und fahren nach Punta Arenas. Am Hafenquai können wir das Wi-Fi Internet eines nahen Hotels nutzen und somit wird die Homepage aktualisiert. In der Bucht liegt das riesige, neue Kreuzfahrtschiff ‚Star Princess‘ vor Anker. Die Passagiere werden gerade mit kleinen Booten an Land gebracht, vermutlich für einen Ausflug zur nahen Pinguinekolonie. Wir gehen in den schönen ‚Unimarc‘ um einzukaufen. Auf dem Weg dorthin sieht Kaspar eine doppelte Senke (Speedbreaker) nicht und so versucht der MAN zu fliegen inklusive uns. Alles fliegt von der Ablage auf uns runter und es gibt einen kräftigen Stoss in den Rücken. Nachher stellen wir fest, dass eine Spanngurte beim Roller weggeflogen ist. Aber alles okay, auch alle Gläser in der Küche. Nachher fahren wir noch kurz zur Zollfreien Zone - viel Elektronik zu normalen Preisen, Schnaps, Parfums und vieles mehr.

Ab Richtung Norden in den Park ‚Turis Otway‘ zu den Pinguinen. Hier leben ‚nur‘ 4000 Magellanpinguine, für uns nach der Antarktis natürlich ein nichts. Aber hier sehen wir die Jungen, welche bereits fast so gross sind wie die Eltern, aber noch grau-braun und mit Flaum. Auf der Rückfahrt begegnet uns ein Stinktier-Pärchen. Bei der Abzweigung nach Rio Verde verlassen wir die Hauptstrasse und fahren noch ca. 5 km weit bis zum ausgeschilderten ‚Vogelpark‘. Ein Gaucho kommt und wir fragen ihn, ob wir hier übernachten können.

4. Jan. - Parque Nandu

Zusammen mit dem Gaucho können wir den ‚Parque Nandu‘ besichtigen. Eine Hazienda mit kleinem Zoo und Cuanacos, Lamas, Alpacas, afrikanischem und chilenischen Straussen, und sage und schreibe zwei Königspinguine. Der Gaucho erzählt uns, dass die Königspinguine eine Seuche hatten und deshalb nur noch zwei hier leben. Auch einige schöne Enten schwimmen herum und im Käfig gibt es Lobos (Papageienart), welche aber auch frei herum fliegen. In diesem Park kann man sich auf Voranmeldung ein Lamm-Asado braten lassen (12000 Pesos(CHF 24 pro Person alles inklusive). Bezahlen den Eintritt und fragen auch nach Wasser – frisches Grundwasser und wir füllen ca. 10 Min. den Frischwassertank. Fahren etwa 70 km Umweg wieder auf die Hauptstrasse Nr. 9, 50 km nach Süden und dann auf die Nr. 255 Richtung argentinische Grenze. Die chilenische Zollabfertigung dauert nur ein paar Minuten, die Argentinische etwas länger. Wir haben vermutlich eine Lehrtochter erwischt und sie hat Schwierigkeiten im Ausstellen der Papiere für den Roller. Am Schluss klappt es, ausser dass bei Nationalität ‚Argentinien‘ steht. Sie erklärt uns, dass das Computersystem nichts anderes ‚frisst‘ – die Papiere werden ja bei jedem Grenzübertritt neu ausgestellt.

Einige Kilometer nach der Grenze biegen wir links ab zum Kratersee ‚Laguna Azur‘ eines erloschenen Vulkans. Kurzer Spaziergang zum See runter, aber wie immer in Patagonien, sehr starker Wind.

5. Jan. - Warten in Rio Gallegos

Fahren nach Rio Gallegos. Kurzer Einkauf, Wäscherei suchen, Wäsche abgeben und auf sauber zusammengelegte Wäsche ‚warten‘. Verbringen den Nachmittag im Freien und warten auf Kaspars Schwester Brigitt, die morgen um zehn Uhr hier auf dem Flugplatz landet.

6. Jan. - Ankunft von Brigitt

Heute kommt Kaspars Schwester Brigitt für 10 Tage zu uns in die Ferien. Kommen gerade rechtzeitig um sie zu empfangen. Verstauen das Gepäck im MAN und fahren etwas ausserhalb zu einem Picknickplatz. An der Sonne trinken wir Kaffee, schwatzen ausgiebig und Brigitt räumt die Kleider in ihre zwei zugeteilten Boxen ein. Dann weiter Richtung Puerto Natales/Chile. Verpassen prompt die Strasse und landen in Esperanza. Somit ist ein Umweg von 80 km vorprogrammiert. Finden auch die Abzweigung nach Puerto Natales wegen einer Baustelle nicht und suchen länger. Am Schluss klappt es doch noch. Am chilenischen Zoll werden uns die eingefrorenen Pouletbrüstli (in Alufolie versteckt) sowie die eingefrorenen Tomatenstückli (diesmal im blickdichten Tupper) weggenommen und weggeworfen. Auch sagt die Zöllnerin, dass wir zum Glück ‚mitgeführte Lebensmittel‘ deklariert haben! Ansonsten müssten wir eine Busse zahlen. Endlich erreichen wir die kleine lebendige Touristenstadt ‚Puerto Natales‘. Nun heisst es Vorräte für ein paar Tage Nationalpark auffüllen. Das Gemüse (Tomaten, Blumenkohl, Avocados) ‚lässt zu wünschen übrig‘ und vom Salat sprechen wir lieber nicht! Eine Stunde parkieren kostet 40 Pesos (80 Rappen). Dann in die uns empfohlene Pizzeria ‚Messita Grande‘ am Hauptplatz. Jung und alt sitzen an einem langen Tisch. Hier hat es ausgesprochen viele junge Leute, denn dies ist einer der Ausgangpunkte für den Nationalpark. Die Pizzas sind übrigens super gut.

7. Jan. - Nationalpark 'Torres de la Paine'

In der Nacht ist Wind aufgekommen und es regnet ein wenig. Wir kaufen noch ein paar Karten, die wir unbedingt einigen Freunden zum Geburtstag schicken müssen – die Post dauert ja ca. 3 Wochen! Auf Schotterstrasse in den Nationalpark ‚Torres de la Paine‘. Das Wetter bessert sich zusehends. Es ist fast wolkenlos schön und warm. Kaufen die Eintrittstickets für den Park und erkundigen uns betr. Wetter in den nächsten Tagen. Es sollte schön bleiben mit einiger Bewölkung. Fahren mit vielen Fotostopps ans andere Ende des Nationalparks (80 km).

Kaspar möchte am nächsten Tag zu den drei Torres rauf marschieren. 7.5 km vor dem Hotel Las Torres ist dann aber wegen einer Brücke – max. Last 1‘500 kg und 2 m breit – für unseren MAN definitiv Schluss. Von hier aus kann von den drei Torres, leider aber nur zwei ganz und vom Torre del Sur nur ein kleiner Gupf sehen. Die zwei Frauen machen noch eine kleine Abendwanderung. Kaspar bleibt im Camper, denn sein Fersensporn schmerzt wieder.

8. Jan. - Wanderung im Nationalpark

Machen uns bereit für die Wanderung. Überqueren die alte, schmale Hängebrücke und marschieren über Land und die staubige Strasse bis zum Zeltplatz und Hotel Les Torres. Hier wird gepicknickt. Die gleiche Strecke zurück. Fahren zurück zum Wasserfall. Sehr, sehr windiger Marsch zur Aussichtsplattform. Wollten hier eigentlich übernachten, aber es ist uns zu windig. Kaspar hat eine bessere Idee und wir fahren zum Hotel am Lago Peohe runter. Hier gehen wir zum Apéro und die Speisekarte ist so einladend, dass er uns auch gleich zum Essen einlädt. Er hat gute Erinnerungen an dieses Hotel, denn hier war er zusammen mit Walti (Fotograf) und Fridolin im Jahre 2003. Dürfen auf dem Hotelparkplatz übernachten.

9. Jan. - Unvorhergesehenes

Fahren zum ‚Lago Grey‘. Plötzlich ein starkes Poltern an der Rückwand der MAN-Fahrerkabine. Kaspar steigt aus, sieht aber nichts. Weiter bis zum Parkplatz am See. Kaspar kippt die Kabine, vergisst aber den Rammschutz zu demontieren. Prompt Farbschaden an der Front – wie nennen wir dies jeweils: Patina. Beim aufgeklappten Führerhaus sehen wir dann die Bescherung: eine Querstrebe, an welche der Luftfilter und ein Teil des Kotflügels montiert sind, ist gebrochen. Hier ist keine Reparatur möglich, da der Träger geschweisst werden muss. Mittels eines Zurrbandes befestigt Kaspar das Ganze provisorisch. Und siehe da, die Notreparatur hält durch. Kurzer windiger Marsch über eine kleine Sandbank zum Mirador Lago Grey. Hier schwimmen kleine Eisberge herum. Danach fahren wir durch den ganzen Park am ‘Paine Grande‘ vorbei und verlassen den Nationalpark. Weiter über eine Hochebene und schon überqueren die chilenisch/argentinische Grenze. Kaspar findet wieder einmal die Bremse nicht und so fahren wir durch bis zu einer Tankstelle, wo wir übernachten. Na ja, hier hat es ja nicht allzu viel Verkehr und so sollte es zurück in der Zivilisation nicht zu laut werden. Abends geniessen wir das stürmische Wetter mit einem Gerber-Fondue.

10. Jan. - Route 40 nach El Calafate

Fahren die Route 40 nach ‚El Calafate‘. Tanken und besorgen uns VIP-Tickets für die Bootstour zu den vers. Gletschern. Suchen und finden eine Werkstatt, welche unsere gebrochenen Strebe schweisst.

Nach zweieinhalb Stunden ist die Reparatur fertig. Wir hoffen, dass dies nun längere Zeit hält. Für die Reparatur bezahlen wir lediglich 400 Pesos (CHF 100). Müssen bis 21 Uhr warten, um die Tickets für die Bootstour beim Reisebüro abzuholen. Die Tickets sind jedoch auch bis 22 Uhr noch nicht da. Bigi fragt einen anderen Touristen, dem die Tickets ins Hotel geliefert werden, ob er unsere auch mitbringt. Dies ist okay. Fahren auf geteerter Strasse (Kaspar staunt, 2003 war dies eine schlechte Schotterpiste) zum Bootssteg ‚Punta Bandera‘. Hier übernachten wir ‚mutterseelenalein‘ auf dem grossen Parkplatz. Nur ein junger Fuchs streicht herum.

11. Jan. - Bootstour im Nationalpark ‚Los Glaciare

Müssen früh aufstehen, denn der Treffpunkt für die Bootstour ist schon um 08.30 Uhr. Uf, hat es nun viele Touristen hier. Doch wir erkennen unseren netten Tourist mit der weissen Jeans wieder und er überreicht uns die Tickets. Langes Anstehen – schön britisch in Einerkolonne – für die Eintrittskarten des Nationalparkes ‚Los Glaciares‘. Wäre viel einfacher und weniger stressig, wenn das Parkticket gleich bei der Bootstour inklusive wäre. Besteigen dann eines der Katamaran-Schiffe (350 Passagiere). Das VIP-Ticket lohnt sich. Die Sessel ganz vorne im oberen Deck sind breit und abgetrennt. Wir werden verwöhnt mit Gratis-Getränken, Gipfeli, Sandwich, Whisky on ice – gefischt aus dem Gletschersee - und zum Schluss noch mit einem Glas Sekt. Kommen mit einem chilenischen Ehepaar ins Gespräch. Brigitt versteht sich ausgezeichnet mit ihnen, derweil wir für sie auch die Fotos machen von den drei Gletschern Upsala, Spegazzini und Perito Moreno. Es wird wie wild fotografiert. Die Schiffe fahren bis 200 m an die Gletscherabbrüche heran. Vom Wetter haben wir alles: Sonne bis heftiger Regen, aber alles in allem hatten wir Glück und wenn wir draussen waren, war es immer trocken. Über eine sehr kurvenreiche Strasse fahren wir nachher noch bis zum Perito Moreno Gletscher. Dieser Gletscher stösst an eine Landzunge und wird hier gestoppt. Kaspar kommt nicht mehr aus dem Staunen raus: alles sehr viel touristischer als vor 8 Jahren, schönes Restaurant, Wege mit Handläufen, gedeckte Aussichtsterrassen und sogar ein Lift. Alles ist rollstuhlgängig und richtig schön gepflegt. Hier hat es nun jedoch zu wenig Parkplätze und ca. 4 km entfernt gibt’s einen grossen Parkplatz, ideal zum übernachten.

12. Jan. - Perito Moreno Gletscher

Leider kein schönes Wetter. Wandern am Lago Argentino entlang, immer mit Blick auf den Gletscher ‚Perito Moreno‘, über viele Treppenstufen bis zur Gletscherzunge. Viele Touristen sind unterwegs. Da es regnet besuchen wir das Restaurant, essen ein staubiges Sandwich und beobachten ausgiebig die Touristen. Brigitte fährt mit dem Shuttle-Bus zum Parkplatz zurück und wir zwei marschieren im Regen zurück. Ein weiteres ‚Muss‘ der Argentinienreise ist abgehackt. Gemütlicher Abend im Camper.

13. Jan. - El Chaltén und der ‚Fitz Roy'

Zwei Stunden zurück über die sehr kurvige Strasse nach El Calafate. Hier kaufen wir bei einem Händler an der Kreuzung Chriesi, die von 1000 km nörlich in Chile kommen. Mmmmh! Weiter die Route 40 und 23 entlang dem Lago Viedma nach El Chaltén. Von hier aus sollte man den berühmten Berg ‚Fitz Roy‘, 3405 m, sehen. Dies ist der argentinische Kultberg, der sich normalerweise in den Wolken versteckt. Informieren uns im Besucherzentrum betr. Wanderungen und Wetter. Man sagt uns auch, dass das ganze Bergmassiv von hier aus am besten zu sehen ist. Man darf hier sogar ‚1 night only‘ auf dem Parkplatz übernachten. Aber bitte kein Abfall oder sonstige Spuren hinterlassen! Steigen in 45 Minuten zum Mirador Los Condores herauf. Wie von Geisterhand verschwinden die Wolken und der mächtige Fitz Roy kommt zum Vorschein. Bis 21 Uhr ist der Himmel wolkenlos und wir zählen uns zu den Glücklichen, die den Berg ohne Wolken sehen. Überhaupt ist das Fotografieren ‚kamikatze‘, denn die Wolken sind in Windeseile wieder da!

14. Jan. - 'auslüften'

Fahren quer durch das Kaff ‚El Chaltén‘ (laut Reiseführer 370 Einwohner) zum Parkplatz, wo die Wanderwege beginnen. Wanderung zum Mirador nähe Laguna Capri. Hier sehen wir den gigantischen Berg von einer anderen Seite, aber immer zum Teil in Wolken verhüllt. Viele, viele Wanderer sind unterwegs. Die jungen Leute übernachten oben im Wald auf improvisierten Zeltplätzen (oh, sind wir froh, dass wir nicht mehr so jung sind). Die Aussicht vom Mirador ist herrlich, nur der starke Wind stört ein wenig. Auf dem Rückweg sehen wir drei grosse Buntspechte, welche Würmer aus dem Baum schlagen. Nach der vierstündigen Wanderung sind wir ausgelüftet wieder im MAN. Bei der nahen Bäckerei kaufen wir süsse Törtli und geniessen einen wohlverdienten Kaffee. Ein paar Kilometer weiter hinten campieren wir auf einer Waldlichtung. Kaspar salbt wie wild am Fersen herum, denn er hat ziemlich heftige Schmerzen.

15. Jan. - Wasserfall ‚Chorillo del Salto‘

Die ganze Nacht hat es heftig geregnet und auch die Prognose für heute Samstag ist eher schlecht. Also zum Wasserfall ‚Chorillo del Salto‘, der fast vor unserer Haustüre liegt. Das Wetter bessert sich und wir beschliessen doch noch eine Wanderung zu unternehmen. Schöner Bergweg zum Mirador auf dem Weg zum Cerro Torre (3102 m). Nachmittags fahren wir noch zur Bahia del Tunel am Lago Viedma, wo wir mit viel suchen noch einen flachen Parkplatz finden zum übernachten. Wollen nochmals die Ruhe geniessen bevor es morgen wieder in die Zivilisation nach El Calafate geht. Später kommt noch ein Ranger vorbei und bittet uns höflich, an diesem Platz nicht zu übernachten. Also zurück bis kurz vor El Chalten zum Mirador.

16. Jan. - zurück nach El Calafate'

Fahren 215 km zurück nach El Calafate. Tanken, Wasser auffüllen, Vorräte erneuern, Wäsche abgeben und Homepage aufladen, Postkarten schreiben und Kaspar reinigt die Scheiben. Bigi und Brigitte machen noch einen Spaziergang am See (viele Flamingos). Heute sind viele Schweizer Touristen hier. Einige sind hängen geblieben, da in Chile grosser Streik ist (wegen Erhöhung des Oel- und Gaspreises).Sind in etwa drei Tagen an der chilenischen Grenze, werden dann ja sehen. Abschiedsabendessen mit Brigitte – gehen fein aus.

17. Jan. - Routa 40 gegen Norden

Brigitte muss packen, wir holen die Wäsche im Waschsalon und gehen noch Kaffee trinken mit Croissants. Wir fahren gemeinsam zum Flughafen, wo wir zu früh eintreffen. Brigitt checked ein und der Flug hat prompt eine Stunde Verspätung. Essen noch im Camper gemeinsam einen kleinen Lunch, um die Wartezeit zu verkürzen. Danach fahren wir los auf der Routa 40 gegen Norden. Dies war die Hauptroute, die von den Einwanderern den Anden entlang nach Süden genommen wurde.

Heute ist dies die meistbefahrene Strasse, leider noch nicht fertig ausgebaut und nicht mit der A1 Zürich-Bern zu vergleichen. Von den gefahrenen 380 km waren doch immerhin 250 km Schotterpiste. In ‚Tenel Aike‘ übernachten wir im Hof der staatlichen Strassenbaugesellschaft. Im Garten hängen die Sträucher voll mit Johannisbeeren. Ein Gaucho kommt vorbei und sucht den Chef, er will seine abgelaufenen Pneus flicken und pumpen. Doch der Chef kommt einfach nicht. Zwei Motorradfahrer kommen ebenfalls noch mit einem Zelt. Eine junge Katze flattiert Kaspar und sie bekommt altes Brot und ein paar Streicheleinheiten. Um 22 Uhr kommt dann der Chef doch noch. Claro, dürfen wir hier übernachten und er bietet uns auch gutes Quellwasser zum auffüllen an.

18. Jan. - Cueva de las Manos

Mit Schoggistängeli beim Chef bedanken und weiter. In ‚Baja Caracoles‘ gibt’s Espresso und ein feines Glacé – es ist ja Sommer! Es ist ein verlassenes Nest, aber mit der einzigen Tankstelle weit und breit. Obwohl Benzin/Diesel 30% teurer ist als sonst in Argentinien macht sie gute Umsätze. Fahren über schlechte Strassen zu den ‚Cueva de las Manos‘. Diese liegt in einem schönen 200 m tiefen Canyon.

Eigentlich sind es keine Höhlen, sondern windgeschützte Aussparungen. Die Wände sind über und über mit linken Händen in purpur, oker, gelb und weiss bemalt. Diese Wandmalereien stammen aus 9000 – 7500 vor Christi. In späteren Jahrtausenden kamen dann noch Tierzeichnungen von Cuanakos, Straussen und Gekos dazu. Auch sieht man gut die Jagdszenen. Zurück nach ‚Baja Caracoles‘ zum tanken. Kommen mit Anne und Gert aus Holland ins Gespräch. Er hat Geburtstag und so laden wir sie zum Kaffee an der Tankstelle ein. Die Beiden fahren in 7 Wochen mit dem Velo von Bariloche nach Ushuaia. Wir geben ihnen noch einige Ratschläge betr. Route und schlechte Strassenverhältnisse – für uns echt unvorstellbar, hier Velo zu fahren, aber in der Veloszene muss man das anscheinend einmal gefahren sein! Es ist schon eine Tortur mit dem Auto. Verabschieden uns und fahren um 18 Uhr noch die Route 41 bis an die argentinische Grenze.

Super Stimmung in der bizarren Landschaft. Wir haben Glück, denn der Regen fällt vorwiegend ‚um uns herum‘. Die Strasse wird immer schlechter – fahren zwischen 15 und 50 Stundenkilometer - und führt am Schluss noch ganz schmal zur Zollstation ‚Passo R. Roballos‘. Geschafft, wir sind kaoh! Wir dürfen hier hinter dem Schlagbaum übernachten. Bigi belegt eine Pizza und Kaspar schnetzelt Zwiebeln, Karotten und Tomaten, denn es muss alles noch eingekocht werden wegen dem chilenischen Zoll.

19. Jan. - Passo R. Roballos argent./chil. Grenze

Als wir aufstehen scheint doch tatsächlich ein wenig die Sonne. Es stürmt ganz eigenartig. Der Wind bläst zwar immer leicht, aber plötzlich sehr, sehr stark (orkanartig) um abzuflauen und in einer kurzen Windstille endet.

Abfertigen am argentinischen Zoll. Wir verschenken unsere die Äpfel und Kiwis. Weiter zum Chilenischen. Wir sind bereits richtige Profis im Formulare ausfüllen und schauen, dass auch unser Honda-Roller in den Zollpapieren auftaucht. Da der Zöllner in Personal-Union die drei Posten Immigration, Zollabfertigung und sanitarische Kontrolle alleine ausführt, hat er keine Lust, bei uns nach Lebensmitteln zu suchen.Auf der Weiterfahrt sehen wir Kormorane, die grössten Vögel in Südamerika.

Fahren jetzt auf etwas besserer Strasse den Pass hinunter. Die Piste ist sehr schmal und es geht immer wieder steil hinauf und hinunter. Manchmal sieht man nur noch den Himmel um dann in den Abgrund zu schauen. In der Nähe von ‚Puerto Bertrand‘ gibt es einen Wasserfall resp. grosse Stromschnellen des ‚Rio Baker‘. Hier treffen wir zwei Schweizer und drei Deutsche mit Wildwasserkanus. So richtige Freaks. Sie sagen, dass es nichts vergleichbar Geniales in der Schweiz oder ganz Europa gibt. Machen kurze Wanderung zum Wasserfall. Hier kommen zwei Flüsse zusammen, der eine in leuchtendem Hellblau, der andere olivgrün. Nun sind wir auf der Strasse 7, der bekannten ‚Carretrea Austral‘, der fast durchgehenden Nord-Süd-Verbindung in Chile.

In ‚El Maiten‘, genau neben der alten Hängebrücke schlagen wir heute etwas früher unser Nachtlager auf. Bigi liegt an der Sonne und schläft. Die Wellen schlagen ans Ufer. Kurz vor dem Nachtessen klopft es an unserer Tür. Der schon paarmal getroffene Franzose steht da. Wir laden Didier gleich zum Essen ein. Heute gibt’s zwar nur Teigwaren mit Erbsli und Rüebli an Rahmsauce mit Curry und dazu den an der chilenischen Grenze versteckten Rohschinken. Wir plaudern gemütlich, erzählen von der Reise und tauschen Ratschläge. Didier reist schon seit Jahren und ist seit August nun alleine unterwegs. Seine Frau und die 14jährige Tochter mussten wegen der Schule nach Frankreich zurück.

20. Jan. - 'Carretrea Austral'

Fahren nach Puerto Tranquilo. Machen eine Bootstour zu den ‘Capillas de Marmol‘, zu deutsch Marmorkathedralen. Dies sind Felsenhöhlen, welche durch das Wasser und die Wellen gebildet wurden. Mit den kleinen Booten können wir in die Höhlen hinein fahren. Das Wasser ist türkis und man sieht bis auf den Grund. Die Höhlen sind bizarr und das Gestein weist die Farbe von Marmor auf. Die Fahrt zurück zum Hafen gestaltet sich gegen den Wind ziemlich rau. Das kleine Boot schlägt hart auf die Wellen. Wir sind froh, heil und nicht all zu nass zurück zu sein.

In einem kleinen Supermercado resp. Miniatur-Dorfladen kaufen wir ein: Jogurt, Schinken, Käse, zwei Avocados und hausgebackene Fladenbrötli. Eier gibt’s leider keine. Gleich daneben essen wir Empanades und können gleich bei der Herstellung zuschauen. In der kleinen Imbissstube wird das Fleisch gleich im Essraum tranchiert während Leute vom Bus reinkommen.

Weiter auf der ‚Carretrea Austral‘ über schlechteste Pisten und einen Pass von 1100 m und verbrannte Landschaft vom Ausbruch des Vulkan Hutson im Jahre 1991. Die Fahrbahn ist glitschig und so können wir max. 10 – 40 Stundenkilometer fahren. Wir haben eigentlich genug vom ständigen durchgeschüttelt werden, aber was solls! In ‚Cerro Castillo‘ finden wir sogar Eier und einen frischen Salat. Von hier aus ist die Strasse geteert und wir kommen daher schnell in das Dorf ‚El Blanco‘. Besuchen das Mate-Museum, bewundern die alten Fernseher, Radios und Plattenspieler. Übernachten mitten im Dorf neben der kleinen Kapelle ‚Capilla Sagrado Corazon de Jesus‘. Oh Wunder, hier gibt’s – nach ca. 1000 km – wieder einmal Handyempfang.

21. Jan. - Coihaique

Fahren nach Coihaique, einer schmucken Kleinstadt. Kurz vor der Stadtgrenze finden wir eine Gasabfüllstation ‚Lipigas‘, wo sie uns innert 10 Minuten die leere Gasflasche füllen. Parkieren in der Stadt auf dem Grasstreifen zum Trottoir direkt vor einem Autohändler. Kommen mit diesem ins Gespräch und er zeigt uns auf der Landkarte einige schöne Punkte, die man sehen sollte. In einem netten Kaffehaus lädt Bigi die Homepage auf und beantworte Emails. Gehen durch den Handwerkermarkt und noch in den Supermarkt zum Einkaufen. Müssen feststellen, dass uns ein wenig Zivilisation wieder einmal gut tut. Die Vegetation hat sich seit gestern stark verändert. Wald, Viehwirtschaft und etwas Gemüseanbau wird hier betrieben. Die Landschaft ähnelt dem Emmental mit weit gestreuten Bauernhäusern. Alles wirkt ärmlich, aber nicht arm. Fahren weiter auf der ‚Carretrea Austral‘ bis kurz vor Villa Amengual. Stehen am Fluss auf einer Aussichtsplattform.

Es schifft waagrecht. Vor lauter Regen und starkem Wind sieht man nur noch den Fluss. Unsere Dachlucke über dem Bett ist nicht mehr dicht. Kaspar versucht den Schaden zu beheben, aber die Lucke öffnen bei diesem Regen ist unmöglich! Müssen unsere Bettdecke mit Plastik abdecken und Hängen einen Plastiksack als Hängematte für das tropfende Wasser an der Decke auf. Na ja, gibt Schlimmeres! Bigi klagt über Muskelkater in den Oberarmen, denn sie wurde stark gefordert mit 40 km löchriger Schotterpiste.

22. Jan. – Thermes del Ventisquero in Puyuhuapi

Es hat die ganze Nacht richtig happig gestürmt – unser Bett wurde dank den Vorkehrungen zum Glück nicht nass. Nach dem Frühstück öffnet Kaspar die Dachlucke und versucht sie mit speziellem Klebeband abzudichten. Beim nächsten Unwetter werden wir sehen, ob sie nun dicht ist. Bigi fährt auf schön ausgebauter Strasse, aber bereits nach 2 km ist Schluss. Wie nennen wir dies doch: ‚sie hat den Schissigriff gezogen!‘ Die Piste wird sehr eng, ist glitschig und führt über einen Pass mit vielen Kurven. Am Wegrand riesiger Farn, Mamutblätter ähnlich Rhabarber (den innersten Teil des Stiels könnte man essen), grosse hohe Bäume, so richtig Urwald. Zum Glück begegnen uns nur wenige Fahrzeug und die Velofahrer tun uns leid. Bigi ist gestresst. Höchste Konzentration, sie darf keine Fahrfehler machen und die Rüttelei geht einem mit der Zeit stark auf die Nerven. Kaspar klatscht Beifall, wenn Bigi alle Schlaglöcher erwischt!

Halten bei der Abzweigung zum Nationalpark Queulat, wo die hängenden Gletscher sind. Hier steht ein Bus, in welchem wir ein Sandwich mit frischem Brot direkt aus dem Ofen essen. Fahren zwei Kilometer zum Eingang des Nationalparks. Der Ranger sagt uns, dass heute der Gletscher leider nicht zu sehen ist. Hier gibt es pro Jahr ca. 15 Tage Sonnenschein und es fällt 4000 mm Regen! Also zurück auf die Hauptstrasse und weiter bis 10 km vor Puyuhuapi.

Hier sind die ‚Thermes del Ventisquero‘, 35-40 C heisse Thermalbecken direkt am Fjord. Geniessen das warme Wasser, haben aber am Abend trotz wenig Sonne einen richtigen Sonnenbrand. Im Süden von Südamerika hat es ja ein riesiges Ozonloch und die Sonne scheint ungefiltert. Also man sollte wirklich die Sonnencreme nicht vergessen. In Puyuhuapi stehen wir zusammen mit dem deutschen Ehepaar Helge und Ulla am Strand und kommen ins Gespräch. Wir haben sie vor einiger Zeit schon mal getroffen. Gehen zusammen lokalen Fisch essen.

23. Jan. - Gauchofest in Futaleufu

Auf dem Weg Richtung argentinische Grenze kommen wir an der Käserei ‚Quesos La Junta‘ vorbei, ähnlich einer Alpkäserei. Kaufen zwei Sorten Käse, einen milden und den pikanten mit Peperoni. Finden einen schönen Platz oberhalb des Flusses zum picknicken und Siesta. Weiter über nicht allzu schlecht Schotterpisten bis Santa Luzia, wo wir nach rechts Richtung Futaleufu abbiegen. Es könnte eine Fahrt ins Roseggtal sein, dem Fluss entlang, beiderseits hohe Berge und hinten im Tal schneebedeckte Gipfel – aber alles 70 km lang und man denkt kaum, dass es noch eine Ortschaft gibt. Hier ist für heute Ende. Ulla und Helge sind bereits hier. Hier im Ort ist ein Gauchofest im Gange. Grosse Tribüne mit einer Arena. Die Gauchos sind in Sonntagstracht und sitzen stolz auf ihren Pferden. Die chilenische Flagge wird gehisst und alle, ausser wir vier Gringos, singen die Nationalhymne. Das schönste Pferd wird prämiert. Auch wurde gestern die Dorfschönheit erkoren, denn ein Mädchen läuft mit Schärpe und billigem Kitsch-Diadem im Haar herum. Der Wettkampf beginnt. Immer zwei Gauchos treiben ein ca. achtmonatiges Kalb durch die Arena. Sie müssen das Kalb an einer mit Tücher bezeichneten Stelle stoppen und dagegen drücken. Dies gibt Punkte, meistens null. Nicht alle Zuschauer sind mit dem Schiedsrichter einverstanden.

Nach einigen Durchgängen haben wir Hunger und nehmen ein Asado. Heute war richtig heiss – 31 Grad! Gemütlicher Abend am See, schwatzen und trinken Whisky.

24. Jan. – Esquel / Besuch bei Pedro und Noemi

Kurz nach dem Dorf Zollabfertigung. In Chile sehr schnell, in Argentinien stauen sich die Reisenden. Kommen mit Chilenen, welche in Deutschland leben ins Gespräch. Ihnen gefällt vor allem unser MAN. Der argentinische Beamte spricht sehr gut Deutsch und bietet uns nach der Abfertigung Frischwasser an. Weiter nach Esquel, wo wir die MASA-Missionare Pedro und Noemi besuchen. Kommen unangemeldet, werden aber trotzdem herzlich bewirtet. Sie zeigen uns ihre neue, grosse Kapelle im Rohbau. Die Baptistengemeinde hier zählt 70 Mitglieder, der neue ‚Templo‘ hat 350 Sitzplätze. Noemi zeigt uns eine Powerpointpräsentation über ihre Missionsarbeit hier. Schenken ihnen unsere zwei nagelneuen MAN-Winterjacken und einige Dollars für den Bau. Wir können uns bei der heutigen Hitze nicht vorstellen, dass vor einer Woche 5 Grad war und die Heizung lief. Verabschieden uns, fahren noch ins Zentrum um Diesel zu tanken und Früchte/Gemüse zu kaufen. Fahren in den 50 km entfernten Nationalpark ‚Los Alerces‘. Zahlen 50 Pesos pro Person für den Eintritt. Beim Besucherzentrum informieren wir uns über die Wanderungen. In der Hostelleria Futalautquen kaufen wir Tickets für eine Bootstour übermorgen zu den ‚Alerza Milenario‘, den riesigen, tausendjährigen Bäumen. Stehen auf dem netten Gratis-Camping Las Rocas.

25. Jan. - gemütlicher Sommertag

Besteigen einen Mirador mit einer guten Aussicht auf den Lago Futalaufquen. Auf dem Weg zum Lago Verde nehmen wir einen Autostöppler, einen argentinischen Studenten mit. Spazieren zum See und geniessen das Mittagesen. Fahren dann zurück zum Camping ‚Rio Arrayanes‘, wo wir es uns bis Donnerstag gemütlich machen werden. Bigi nimmt ein kurzes Bad im Fluss – 15 C – brrrh!

26. Jan. - Alerces Milenario

Unser Kühlschrank braucht zu viel Energie und vereist. Also abtauen! Alle Esswaren auf den Tisch. Mit Föhn und Spachtel den Kühlschrank vom Eis befreien. Da passiert das Missgeschick: beim Öffnen des Gefrierfaches bricht das eine Scharnier. Trotz Schnellkleber gelingt es nicht, das Scharnier zu reparieren. Kaspar behilft sich nach langem kniffeln mit Klettverschlüssen. Durch diese Panne kommen wir doch tatsächlich in Stress, denn wir müssen um 12 Uhr beim Anlegesteg des Ausflugschiffes sein. Rucksack packen und dann speeden wir wie wild los dem Fluss entlang durch den Wald. Nach 500 m fragen wir uns, wer von uns Beiden den Kühlschrank eingeschaltet hat. Oh Schreck, keiner! Bigi rennt zurück – nicht schlecht, gilt als Fitness. Es ist heiss, die 4 km ziehen sich in die Länge, aber wir sind schlussendlich zu früh dort. Mit einem kleinen, alten klapprigen Ausflugschiff fahren wir den Lago Menendez hinauf. Hoch oben sehen wir den ‚Glacier Torrecillas‘ über den Abgrund ragend.

Dann weiter in den Seitenarm ‚Brazo Norte‘, wo die bis zu 3500 Jahre alten Bäume ‚Alerces Milenario‘ stehen. Auf unserem Rundgang sehen wir zahlreiche. Der älteste ‚Alerzal‘ ist 2,2 m dick und 58 m hoch, d.h. ca. 2600 Jahre alt. Diese Bäume wachsen pro Jahr im Durchmesser nur ein Millimeter. Auch gibt es dieselben nur hier in Argentinien und Chile. Die Wurzeln reichen bis zu 30 m tief.

Daneben stehen auch ebenfalls riesige Bäume, die nicht so alt werden. Trotzdem sind sie beeindruckend. Es gibt auch viel Bambus und zwei Arten von Lianen. Leider haben wir die Ausführungen der spanisch-sprechenden Reiseleiterin nur bruchstückhaft verstanden. Auf der Rückfahrt wird von Hobbyfischern eine rote Seenot-Leuchtrakete abgefeuert. Unser Schiff nimmt sofort Kurs darauf. Die Touristenfischer mit dem Schlauchboot haben Probleme mit dem Aussenbordmotor. Über Funk holt der Kapitän Hilfe für die Gestrandeten. Dieselben haben riesiges Glück, kommen doch erst morgen wieder zwei Ausflugsschiffe hier vorbei. Zu Fuss, aber diesmal langsam zum Camping zurück.

27. Jan. - El Bolson

Bigi hat schlecht geschlafen und ist mit starkem Kopfweh aufgewacht. Sie schläft nochmals zwei Stunden weiter und Kaspar bereitet den MAN zur Weiterfahrt vor. Die hintere Strebe ist bereits wieder gebrochen. Bigi geht’s unterdessen besser und wir unternehmen eine kleine Wanderung am Fluss. Die Heiss-Wetterperiode ist für den Moment zu Ende, es nieselt und ist grad mal 12 C! Weiter auf der Schotterstrasse Richtung Bariloche. Nehmen eine Autostopperin (franz. Studentin) mit. Sie ist so froh über die Fahrgelegenheit, denn inzwischen regnet es heftig, ist kühl und sie trägt Sommerkleidung. Kurze Pause in Cholila. Diese Stadt wurde berühmt durch die 5 Bankräuber, welche hier mit dem geraubten Geld sesshaft werden wollten. Aber schon bald schon machten sie wieder Banküberfälle. Etwa im Jahre 1910 verliert sich ihre Spur und was man weiss, ist Legende. Man weiss nicht, ob sie erschossen wurden oder als ehrbare Bürger in Süd- oder Nordamerika lebten.

In der nächsten Stadt ‚El Bolson‘, einer kleinen Hippie-Stadt ist heute Handarbeitsmarkt. Die Stadt wird von Alt- und Neu-Hippies bevölkert und wirkt alternativ. Kaspar fühlt sich in die 70-iger Jahre zurückversetzt. Kaufen Kleinigkeiten, wie Käse, Kirschen und ein Holztraktor. Auf dem Übernachtungsplatz steigt Kaspar nochmals auf das Dach und dichtet die Nieten ab. Er hofft damit den Wassereinbruch endgültig zu stoppen. Bigi friert und liegt im Bett derweil Kaspar eine Kinderbadeschlappe auseinanderschneidet für seinen Fersensporn – Tipp von Käte aus Afrika/Hamburg.

28. Jan. - San Carlos de Bariloche

Kurze Fahrt nach San Carlos de Bariloche, dem St. Moritz von Argentinien und Schokolade-Stadt. Auf den schönen Strassen fahren die Argentinier wie verrückt und zweimal wurde es für uns leicht brenzlig. In Bariloche angekommen fragen wir nach einer Werkstatt, die uns die gebrochenen Strebe neu schweisst und verstärkt. Finden auf Beschreibung die ‚Mettalurgica‘. Vater und Sohn werden nach dem Mittagessen und Siesta die Arbeit sofort ausführen. Wir marschieren in die Stadt, besuchen die Kathedrale und bei den vielen, appetitlichen Schokoladeläden läuft uns das Wasser im Munde zusammen. Müssen am Bankomat noch Bargeld beziehen. Kaspar sagt: ‚isch scho schön, wänn eifach es Bündeli Geld use chunnt und mer nümme dafür muess schafe‘. Um 17 Uhr sind wir wieder bei der Werkstatt und zu unserem grossen Erstaunen ist die Reparatur bereits abgeschlossen. Die Strebe wurde fachmännisch verstärkt. Nun hoffen wir, dass es ein für alle Mal hält. Die Reparatur kostet inklusiv Trinkgeld 500 Pesos (125 CHF).

Dann dem Lago Huapi entlang zur Colonia Suiza. Aber plötzlich ist Schluss: Brücke mit max. 4 Tonnen! Suchen einen Campingplatz, finden die auf der Karte eingetragenen jedoch nicht und es wird immer später. So übernachten wir eben auf dem grossen Parkplatz bei den Touristenschiffen. Sind gespannt, ob wir hier weggewiesen werden. Bigi ist etwas enttäuscht, dass der gemütliche Grillabend am See ‚ins Wasser fällt‘.

29. Jan. zu Besuch bei Nadin und Carlos

Spaziergang zur kleinen, aber geschlossenen Kapelle oberhalb der Bucht. Schöne Rundsicht über See und das mondäne Hotel mit Golfplatz. Einige Händler legen hier Waren für die Touristen aus. Ebenfalls wartet ein schöner Bernhardinerhund mit Schweizerfässchen am Hals auf Fotoshooting. Sehen eine Tafel ‚Camping Musical‘ und so wandern wir zum Eingang. Leider ist dies kein öffentlicher Ort, sonder hier werden junge Musikstudenten von bekannten Professoren in Wochenkursen weitergebildet. Die Studenten geben am Schluss jeweils ein Konzert, welches wir gestern Abend leider verpasst haben. Zurück beim MAN kommt gerade Carlos (siehe auch Tagebuch 24. Nov. 2010 in Sarmiento), der unseren Anruf auf dem Beantworter hatte. Herzliche Begrüssung. Fahren mit ihm in die Wäscherei, um Wäsche abzugeben. Mit ihm als Lotse finden wir auch ihr Haus in der Colonia Suiza. Die Zufahrt zum ‚kleinen‘ Landhaus ist haarsträubend. Das Haus ist von der Strasse ca. 400 m zurückversetzt am Hang mit Hausmeister- und Gemüsegewächshaus. Auch laufen glückliche Hühner, ein stolzer prächtiger Hahn (dem gerade die Pfanne angedroht wird) und Gänse herum. Das Grundstück ist 60 Hektaren gross und Carlos und Nadine kennen die hinteren Grenzsteine auf dem Berg nicht. Für Schweizer schlicht unvorstellbar. Hier herrscht nur Natur, Natur und nochmals Natur. Kleiner Marsch in die Colonia Suiza. 1910 siedelten sich hier einige Schweizer an, heute ist es ein Ort für Rucksacktouristen und es gibt einen kleinen Handwerkermarkt. Das Schweizerkreuz wird auf Schokolade, Bier und beim Essen gut vermarktet. Jetzt erst erfahren wir, dass die Beiden sehr stark bei der Stiftung ‚Camping Musical‘ engagiert sind. Holen die Wäsche und besuchen das ‚Camping Musical‘. Wunderschön am See gelegen mit einem schönen Konzertsaal (ca. 150 Pers.) mit allen Annehmlichkeiten einer Ausbildungsstätte.

Am Abend gibt es reichlich den argentinischen ‚3 Bullen Whisky‘, den buchstäblich Hauseigenen. Wir holen aus dem MAN-Vorratskeller ein Fondue und verbringen einen gemütlichen Abend mit guten Gesprächen. Wir erzählen ihnen, dass wir einen Bericht im Tages-Anzeiger gelesen haben mit einem Foto über Fütterung der argentinischen Rinder. Diese haben auf Magenhöhe ein Loch mit Deckel, der geöffnet werden kann und das Futter wie Rohrpost direkt in den Magen reingestopft werden kann. Carlos schaut etwas skeptisch, aber anscheinend gab es diesen Versuch wegen CO-Ausstoss der Kühe. Nadin erklärt uns im Gegenzug, wie die Schweizer skifahren lernen. Sie fahren die Kellertreppe runter und die besten Skifahrer sind diejenigen, welche zu Hause auf der Wendeltreppe geübt haben. Um Mitternacht torkeln wir unter dem klaren Sternenhimmel mit Taschenlampe zum MAN.

30. Jan. - Sonntags Asado

Am Morgen arbeiten wir intensiv an der Homepage, denn die letzten 10 Tage fehlen noch. Bigi sitzt am Computer und stöhnt. Kaspar sagt nur: ‚was häsch dänn früehner gmacht, nur da sitze und umeluege?!‘ Nadin und Carlos haben Freunde zum Sonntags Asado eingeladen. Einer ist ein bekannter argentinischer Landschafts- und Stillebenmaler; seine Bilder kosten ca. 30'000 US Dollar. Leider ist das Wetter kühl und windig und das Essen muss im Haus stattfinden. Alle wollen unbedingt unser Fahrzeug ganz genau inspizieren. Abends ist ein Konzert in der Kathedrale angesagt, was sich aber als Messe mit etwas Musik entpuppt.

31. Jan. - Kaspars Quicktest

Kaspar sollte wieder einmal den Quick (Blutgerinnung) bestimmen. Carlos fährt uns netterweise in die Stadt Bariloche (ca. 25 km) zu seinem 80-jährigen Arztfreund, den er gestern schnell per Telefon informiert hat. Vormittags arbeitet er im Hospital. Es hat sehr viele Leute in den Gängen und wir werden von Carlos an allen vorbei in den ersten Stock geschleust, direkt ins Untersuchungszimmer seines Freundes. In der Schweiz nennt wir das Vitamin B. Carlos sagt: ‚ein Freund ist besser als Füsse‘. Der Arzt schaut sich die Sache kurz an und verschreibt das Labor. Wir plaudern noch ein wenig in Spanisch, Deutsch, Französisch und Englisch, bezahlen die 80 Pesos und spazieren einen Häuserblock weiter zum Labor. Im Labor arbeitet ein anderer Freund von Carlos, der Kaspar das Blut nimmt. Um 17 Uhr können wir das Resultat abholen. Zurück beim MAN geniesst Bigi ein wenig die Sonne, Kaspar putzt Scheiben und verklebt mit dem starken Klebeband die defekten Hecklichter. Gehen am Abend noch mit dem argentinischen Zistig-Wanderclub Pizza essen. Zuvor noch ‚schnell‘ in die Stadt, um die Quickwerte abzuholen. Der Wert ist etwas hoch, so dass Kaspar die Dosis des einzunehmenden Medikamentes etwas reduzieren wird. Im Pizza-Restaurant treffen nach und nach die diversen Frauen ein. Fast alles ausgewanderte Deutsche, die hier ihr Glück (Geld) gemacht haben. Guter Abend mit vielen interessanten Gesprächen. Am Schluss gibt’s bei Carlos noch einen Absacker. Claro, den hauseigenen ‚3 Bullen Whisky‘.