April 2011

1. April - weiter nach Cordoba

Kaspar pumpt die Reifen wieder auf 6,5 Atü. Bereits um 9 Uhr sind wir bei 26 Grad C auf der schnurgeraden Strasse Richtung Cordoba. In ‚Cruz de Eje‘ versuchen wir unsere Gasflasche nachzufüllen. Ist leider nicht möglich - war eine schlechte Empfehlung! Wir füllen nochmals unseren Kühlschrank auf, damit wir auch auf der letzten Etappe nicht hungern müssen. Kaufen für wenig Geld an der Strasse Oliven und eingemachte Peperoni. Dem kleinen Jungen schenken wir eine Banane – er strahlt! Weiter durch ein See- und Feriengebiet nach ‚Cordoba‘. Den ‚Camping Municipal‘ trotz Stadtplan zu finden ist gar nicht einfach. Die Nerven von Kaspar liegen blank, da Bigi ihn durch sehr enge Strassen lotzt. Langes Suchen und Fragen bei der Polizeipatrouille bringt Erfolg. Auf dem Camping sitzen wir vor dem Camper umgeben von 5 lieben, bettelnden und treuherzig schauenden Bastard-Hunden. Einer hat ein spezielles Auge auf Bigi und erwägt, ob dies sein Nachtessen ist. Verfüttern ihnen unser altes Brot, welches sie nur so verschlingen.

2. April - Cordoba

Mit dem Remis-Taxi für 38 Pesos ins Zentrum von Cordoba. Hier leben 3,5 Mio. Einwohner. Auf der Fahrt merken wir, dass wir gestern unnötig eine Stunde herumgekurvt sind, denn die Einfahrtsstrasse war in der Nähe des Parks mit dem Camping. Wir hatten einen Stadtplan mit vers. Ausschnitten, welche nicht zusammen passen. Na ja, so sind wir um eine nervenaufreibende Erfahrung reicher.

Im Stadtzentrum besichtigen wir die etwas düstere Kathedrale und zwei weitere Kirchen von aussen, da geschlossen. Bummeln durch die Einkaufsstrassen. Erstehen einen leichten Karbonkoffer für den Heimflug. Essen etwas und geniessen den Tag. Zurück im Camping lesen und ausruhen. Nicht allzu viele Leute sind im Park. Die, die hier sind machen jedoch einen grossen Lärm. Verschiedene Musikstile aus allen Richtungen und wir dazwischen. Zum Glück ist um 20 Uhr dunkel und die Leute sind verschwunden.

3. April - fahren, fahren

Heute sind 357 km zu bewältigen: Cordoba – San Francisco – Santa Fé – Parana. Wir starten relativ früh und fahren quer durch Cordoba. Zum Glück ist Sonntag und nur wenig Verkehr. Um 10 Uhr sind wir endlich auf der Route 19 Richtung San Francisco. Die Fahrt ist mehr als langweilig. Lange, gerade Strecken, nur bei jedem Dorf vor und nachher eine S-Kurve. Die Speedbreaker hindern einem am Einschlafen. Hier sind riesige Landwirtschaftsflächen. Es wird viel Mais, Soja und Hirse angepflanzt. Die Ernte beginnt gerade. Viele beladene LKWs kreuzen wir auf der engen Strasse. Man muss beim Fahren den Kopf beisammen und die Hände am Steuer halten. Um 17 Uhr sind wir endlich in Parana vor dem Campingplatztor. Das Einfahrt ist zu niedrig und so stehen wir ausserhalb hoch über dem breiten, braunen Fluss Parana. Bigi wäre ja soooo gerne baden gegangen. Nachts entlädt sich ein heftiges Gewitter. Kaspar hatte eine gute Nase und hat die Stühle versorgt.

4. April - Estancia Tama

Kaspar will nicht mehr mit Bigi wetten, denn sie gewinnt fast immer und als Einsatz wünscht sie oft Schweizer Pralinés. Das gefällt Kaspar nicht, denn er muss ja auf ihre Linie achthaben. Fahren auf die Route 12, welche wir prompt Richtung West statt Ost erwischen. Also rechtsumkehrt und die richtige 12 nach Osten suchen. In Crespo, einer reichen Landwirtschaftsstadt halten wir kurz an. In dieser Gegend gibt es riesige Hühnerfarmen mit 30‘000 Hühnern pro Legestall. Jeder Farmer hat mind. 3 – 5 Ställe. Weiter nach Camps. Hier befindet sich die Estanzia Tama von Carlos und Nadine. Werden durch den Geschäftsführer willkommen geheissen und auch gleich zum Nachtessen eingeladen. Die Farm ist ca. 1‘600 Hektaren gross, hat 380 Milchkühe und ca. noch 1000 Jungtiere. In der vollautomatischen Milchmelkanlage können bis zu 40 Kühe miteinander gemolken werden. Je nach Saison geben sie zwischen 6‘000 und 11‘000 Liter Milch pro Tag. Die Milch wird mit Tankwagen zur Käseverarbeitungsfabrik gekarrt. Auf einer anderen Weide grasen noch hunderte von Rindern, die als Beef-Rinder mit ca. 200 kg zur weiteren Mästung verkauft werden. Auf der Farm wird auch Soja, Mais und Weizen angepflanzt. Das Wohnhaus der Verwalterfamilie liegt schön zwischen hohen Bäumen. Auf der Farm arbeiten das ganze Jahr 7 Personen, davon leben 3 in Häusern der Estanzia. Bis zum Abendessen ist im Camper Frühjahrsputz resp. Herbstputz angesagt. Bigi wäscht, Kaspar holt den Staubsauger hervor, Schubladen und Kästen aus- und einräumen und dazwischen reinigen. Die Mücken belästigen uns hier bei dieser schweisstreibenden Arbeit.

Beim Nachtessen entwickelt sich ein lebhaftes Gespräch auf Englisch. Na ja, morgens um 1 Uhr sind wir dann in unserem Bett.

5. April - Besichtigungstour mit Beltran

Fahren mit Beltran im 4WD Toyota zu den vers. Arbeitsstationen. Die Soja-Ernte ist voll im Gang. Eine Dreschmaschine wird gerade repariert. Es wir überall geschwatzt und der obligate Mate getrunken. Beltran sucht ein bewachsenes Einfahrtstor für den Lastwagen, der die Frucht in den Silo bringen muss. Kreuz und quer über das flache Land zu den Milchkühen auf die Weide.

Hier ist auch eine riesige Sämaschine im Einsatz. In einem Arbeitsgang pflügt, sät und glättet diese das Land über den Sämlingen. So weit das Auge reicht gehört das Land zur Estanzia Tama. Mittagessen mit Beltran. Am Mittag fährt seine Frau Laura die zwei grösseren Mädchen ca. 50 km zur Schule. In 3 Monaten werden sie dort in ihr neues Haus einziehen. Beltran wird dann einen langen Arbeitsweg haben. Aber alles unter 400 km ist für einen Argentinier ein ‚Nichts‘. Kaspar macht noch am MAN einen kleinen Service und dann Siesta. Werden durch die vielen Fliegen aber massiv gestört. Kurz vor Einnachten holt uns Beltran noch einmal um zu den Erntearbeitern zu fahren. Heute ist auch Zahltag und die Landarbeiter warten sehnsüchtig auf ihren Lohn. Die meisten Argentinier sind stark verschuldet. Sie leben von der Hand ins Maul. Beim Supermercado schreiben sie den ganzen Monat ihre Einkäufe an und haben daher vom Zahltag meistens nicht mehr viel übrig. Der Rest des Geldes geht für Leasing von Fernseher, Motorrad und sonstigem Luxus drauf.

6. April - nach Uruguay

Tanken Frischwasser und verabschieden uns von Beltran, Laura und den 4 süssen Mädchen. Die Kleinste weint, denn sie hat uns ins Herz geschlossen. Nun Richtung Grenze nach Uruguay. Überqueren 20 km nördl. von Concepcion de Uruguay den Fluss nach Paysandu. Der Brückenzoll kostet 85 Pesos. Die Zollabfertigung ist schnell und eh wir uns versehen fahren wir weiter. Ein Zollpapier für den MAN und den Motorroller erhalten wir in Uruguay nicht. Hoffentlich geht dies gut!

Die Landschaft sieht ähnlich wie in Argentinien aus, nur scheint es hier etwas besser aufgeräumt zu sein. Fahren durch grosse, aufgeforstete Waldflächen. Hier sehen wir auch riesige Hirsefelder. Damit könnte man halb Kamerun ernähren! Uruguay und Argentinien haben ein Problem mit einer Cellulosefabrik, welche in Uruguay steht. Von Zeit zu Zeit blockieren in Argentinien die Umweltschützer die drei Zollübergänge Argentinien/Uruguay. Nun stehen wir in ‚Nuevo Berlin‘ am Fluss Uruguay. Wunderschön! Oh Schreck, die vielen Mücken konnten durch die Mückengitter in den Camper eindringen und Kaspar geht wie wild auf Jagd.

7. April - Colonia del Sacramento

Wie immer, wenn wir denken hier eine ‚ruhige Nacht‘ zu haben, ist es anders. Verlassen Nuevo Berlin und fahren die Nr. 21 Richtung Colonia del Sacramento, kurz ’Colonia‘ genannt. In Uruguay finden wir keine Wegweiser, so ist ‚Suchen‘ angesagt. Obwohl LKW-Verbot schickt Bigi Kaspar quer durch ein kleines Städtchen. Uf, die Nerven…….. In Colonia angelangt machen wir uns auf die Suche nach einem Parkplatz zum Überwintern des MAN, d.h. bis zur Rückkehr nach Südamerika. Dies ist gar nicht so einfach. Entweder sind die Parkhäuser zu tief oder alles besetzt. Beim kleinen Buquebus-Parking könnten wir den MAN für US$ 150/Monat stehen lassen. Dies ist mitten in der Stadt, 24 Stunden bewacht, aber nur mit einem Gartenzaun gesichert. Der Parkplatzwärter wittert das Geschäft und nun stehen wir in einem Aussenquartier bei einem Freund im Garten direkt neben dem Einfamilienhaus. Die Einfahrt musste er extra für uns mit der Motorsäge von tiefen Ästen befreien. Wir kommen überein, dass wir ihm US$ 800 für die 6 Monate bezahlen werden. Wir können nur hoffen, dass alles klappt. Fangen an das Reisegepäck zusammen zu suchen.
Kilometerstand am 7.4.2011: 86‘670,5 km. Die ganze Reise inklusive Anfahrt nach Hamburg war 25‘133,9 km, davon in Südamerika 23‘520,4 km.

8. April - Dies und Das

Noch einmal mit dem MAN nach Colonia. In der wirklich schönen Altstadt geben wir zuerst unsere Wäsche zum waschen. Dann Uruguay Pesos beim Geldautomaten beziehen. In einem schönen, alten Restaurant geniessen wir einen schlechten Kaffee mit guten Medialunas. Bummeln durch die Altstadt mit den vielen Restaurants und den Boutiquen. Erkundigen uns beim Ticketschalter vom Buquebus über Abfahrtszeit und Preis des Schnellbootes nach Buenos Aires. Haben keinen Pass dabei und so können wir die Tickets nicht kaufen. Werden später nochmals vorbeifahren. Bestellen einen Taxi für morgen 14.30 Uhr beim MAN. Gönnen uns ein gutes Mittagessen mit einer Flasche Wein in einem schönen sonnigen Restaurant. Trinken nur die halbe Flasche Wein und nehmen die angebrochene Flasche unter den Arm für die Pizza am Abend. Am Strand parkieren wir und suchen ‚unsere sieben Sachen zusammen‘. Abends Wäsche abholen. Diese stinkt wieder einmal fürchterlich nach Parfum. Hier in Uruguay kann man mit allen verschiedenen Währungen bezahlen, sei es auf der Strasse, im Restaurant oder Ticketkauf. Geniessen den letzten Abend im Camper zwischen viel Gepäck.

9. April - fertig für die Heimreise

Die letzten Reisevorbereitungen, reinigen der Toilette etc. werden in Angriff genommen. Um 12 Uhr sind wir bereits fertig und ein wenig nervös. Essen die allerletzten Resten und schlafen im Liegestuhl. Um 14.30 Uhr werden wir durch das Taxi abgeholt und zum Buquebus-Terminal gefahren. Wie auf einem Flughafen müssen wir hier Ein-checken. Die Touristenklasse des Schnellbootes ist ausgebucht. Auf dem Schiff gibt es einen Duty-Free und Bigi kauft Lippenstift und Schönheitscrème. Ob es was nützt?!

Nach einer Stunde sind wir in Buenos Aires und nehmen einen Taxi ins nahe Hotel Claridge. Es soll ein 5-Stern Hotel sein. Kaspar gibt ihm jedoch lediglich 3 Sterne, Bigi 4,5 Sterne. Richtig altes City-Hotel. Bummeln durch die Einkaufsstrasse. Viel Leben. Strassenhändler bieten auf dem Boden ausgebreitet ihre kunstvollen Handarbeiten und zum Teil auch billige chinesische Ware an. In einem der vielen Ledergeschäfte probiert Kaspar diverse Lederjacken. Eine reversible kamelfarbene Ziegenlederjacke hat es ihm angetan. Wenn man bar bezahlt bekommt man etwa 10 Prozent Rabatt. Nachher in einem alten Restaurant ‚La Posada da 1820‘ ein gutes Entrecôte geniessen.

10. April - Sonntagsmarkt in San Telmo

Bigi will im Bidet etwas waschen. Dazu dreht sie den Wasserhahn voll auf. Jupi, ein Springbrunnen und das Badezimmer steht unter Wasser. Bigi bekommt einen Lachkrampf. Beim Frühstück ist es ihr jedoch wieder einmal so richtig schlecht wegen Kopfschmerzen. Kaspar hat Angst, dass sie inmitten des Restaurants auf den Boden liegt oder k……. Zum Glück ist nichts eingetroffen und sie fühlt sich mit der Zeit allmählich wieder wohl. Mit dem Taxi nach San Telmo zum Antiquitäten und Heimwerker Sonntags-Markt. Es herrscht ein grosses Kommen und Gehen. Die Atmosphäre ist entspannt. Wir schauen uns die Auslagen an. Zwei CDs, ein Geschicklichkeitsspiel, diverse Ledertischsets und ein kleiner Rosenquarz wandern in unsere Einkaufstaschen. Sitzen in einem Restaurant, trinken Cola und geniessen den Tag.

Auf dem Rückweg zum Hotel sehen wir, dass das Regierungsgebäude ‚Casa Rosada‘ für die Bevölkerung geöffnet ist. Haben Glück und können uns gleich einer englischsprachigen Tour anschliessen.

Erfahren Einiges über die turbulente Geschichte von Argentinien. Nachher kurzer Ausflug im Hotel zum Swimmingpool.

11. April - El Teatro Colon

Nach dem Frühstück bummeln wir durch die Einkaufsstrassen zum Obelisk und weiter zum neu renovierten ‚Teatro Colon‘. Buchen eine englische Führung durch das Theater. Dieses neu renovierte gewaltige 3000 Personen fassende Opernhaus ist pompös mit Marmor, Gold, schönen Tapeten und Vorhängen ausgekleidet. Baubeginn ca. 1860, Bauende 1910. Dieses Opernhaus ist das Grösste von Südamerika. Hier sieht man deutlich den vergangenen Reichtum von Argentinien.

Zurück zum Hotel-Swimmingpool. Am Abend noch einmal ins ‚Kaffee Tortoni‘, das klassische schöne Jugendstil Restaurant. Hier geniessen wir einen kleinen Imbiss. Nachher kauft Kaspar endlich die doppelseitige kamelfarbene Ziegenlederjacke.

Um 21 Uhr holt uns der Shuttle-Bus zur reservierten Tango-Show ab. Im Theatro ‚el viejo Almacen‘ wird seit 1969 Tango getanzt. Die Tango-Show und die Musik sind hervorragend! Die schwitzenden Tangotänzer geben alles. Die Musikanten und Sänger bringen uns die Tangostadt Buenos Aires noch näher.

12. April - 'La Boca'

Mit dem Taxi nach ‚La Boca‘. Schlendern zwischen den farbigen Häusern durch und kaufen bei einem Künstler zwei touristische Originale. Eines über das Tangohaus ‚el viejo Almacen‘ und das andere ‚ein Tango-Tänzerpaar‘.

Der Künstler macht uns eine spezielle Signatur hinten auf die Bilder. Unsere Vornamen integriert er in eine Zeichnung. Zurück mit dem Bus Nr. 29 bis zum Casa Rosada‘. Noch einmal Geld aus dem Geldautomaten beziehen und nachher relaxen am Hotel Swimmingpool. Am Abend isst jeder von uns ein 330 g schweres Lomo. Mmmmh, fein! Wir sind im Restaurant ‚La Posado de 1820‘ bereits Stammgäste und bekommen beim Bezahlen je eine Flut Prosecco.

13. April - Buenos Aires - Sao Paulo - Zürich

Verstauen noch die letzten Souvenirs im Reisgepäck und würgen den Reisverschluss der Reisetaschen mit Erfolg zu! Haben ja fast alles im Camper gelassen, aber das Gepäck ist doch happig schwer! Mit dem Taxi zum nationalen Flughafen. Ein-Checken und mit der Aerolinas Argentina nach Sao Paulo/Brasilien. Hier haben wir leider einen etwas langen Aufenthalt von 5 Stunden. Werden von dem deutschen Ehepaar angesprochen, welches wir auf dem Passo Jama getroffen haben. Schwatzen zusammen bis ihr Flug geht. Dabei müssen wir feststellen, dass wir für unseren MAN bei der Einreise nach Uruguay keine Zollpapiere ausgestellt bekommen haben. Na ja, werden dann sehen, was dies bei der Ausreise nach Argentinien für Umtriebe geben wird. Der Flug in die Schweiz mit der Swiss ist gut. Der Airbus ist jedoch sehr eng bestuhlt und der Lärm der Triebwerke geht einem nach 11 Stunden so richtig auf die Nerven.

14. April - endlich zu Hause angekommen

Regula holt uns am Flughafen ab und bringt uns zu Bigis Mutter nach Bülach. Freudiges Wiedersehen und Kaspar geniesst so richtig den Schweizer Wurstsalat. Plaudern zwei Stunden und dann bringt uns Regula zum Bahnhof. Um halb fünf Uhr sind wir dann endlich in unserer Wohnung. Viel, viel Post wartet auf uns. Die schweren Reisetaschen auspacken und früh ins Bett.

Hiermit verabschieden wir uns von unseren Leser bis im Oktober 2011, wenn wir zur nächsten Südamerika-Reise starten werden.