Hamburg - Buenos Aires

'Grande Brasile'

GRIMALDI LINE / Gibraltar Flagge

23 Mann Besatzung plus 12 Passagiere

Nettogewicht 26000 BRT
Bruttogewicht 56700 BRT
Motor 7 Zylinder Sulzer/ 22000PS bei 140 Umdrehungen/Minute
Geschwindigkeit 18,5 Knoten (31,5 km/Stunde)
Länge 214 m
Breite 32,25 m
Gesamthöhe ab Meeresspiegel 36.25 m (13. Brückendeck)
Baujahr 2000 Managed by ACL
Bordwährung $ US-Dollar

21.Sept. / 1.Tag auf hoher See

Wir haben uns auf stürmisches Wetter vorbereitet (nehmen daher jeden Tag, gegen Seekrankheit, ein Cinnageron/75mg). Es ist aber recht schönes Wetter.

An Bord herrscht Disziplin, die da lautet:
Punkt 1 : der Kapitän hat immer recht!
Punkt 2 : sollte der Kapitän ausnahmsweise einmal nicht recht haben, so gilt Punkt 1!
Morgenessen 7.30 - 8.00 h
Mittagessen 12.00 - 12.30 h
Nachtessen 18.00 - 19.00 h
Wasser in 1,5 Liter Pet-Flaschen ist gratis, einmal die Woche kann man zollfrei einkaufen (Whisky, Schokolade, Wein etc.), Früchte, Äpfel, Birnen, Bananen, Orangen und manchmal Trauben sind je nach Vorrat, verfügbar und ebenfalls gratis.

Nach dem Frühstück holt der 1.Offizier uns im Essensraum ab. Wir alle machen einen Rundgang über das 12. und 13. Deck. Er instruiert uns über alle Sicherheitsvorschriften, die auf dem Schiff gelten. Er zeigt uns die Handhabung der Schwimmwesten, Alarmbesammlungsort (Aufenthaltsraum der Mannschaft) und unser Rettungsboot. Irgendwann in nächster Zeit soll eine Übung auf See stattfinden.
Nach dieser stressigen Arbeit begeben wir uns auf das „Sonnendeck“ um beim nicht gefüllten Swimming Pool /(ca. 7 m x 2,5 m/ Tiefe 1,6 m) auszuruhen, sünnele, lesen oder auch nur, den vielen, vorbeifahrenden Schiffen zuzuschauen. Der Auspuff des Schiffes speit schwarze, stinkende Russwolken in den Himmel, aber das kleine 4 x 7m grosse Sonnendeck ist ziemlich Wind und Gestank geschützt.
Ein französisches Ehepaar, welches gerade aus Südamerika zurückkehrt kann uns diverse gute Typs geben betr. Campingplätze, Sicherheit, Dieselversorgung, Kreditkarten und Asado.
Nach dem faden Nachtessen entspannen wir uns in unserer ‚Suite‘.

22.Sept. / 2.Tag Tilbury (London)

Weil wir nicht gut schlafen konnten, sind wir bereits um 6.15 h auf Deck und geniessen den Sonnenaufgang. Es wäre eine sehr friedliche Stimmung, wenn nicht der Schiffsauspuff röhren würde.
Überhaupt geht ein ständiges, dumpfes Dröhnen mit leichtem Zittern den ganzen Tag (auch im Hafen) durch das Schiff. Seemöwen umkreisen das Schiff. Es sind ausgezeichnete Flieger und Segler. Kaspar will sie füttern, aber sie kommen nicht in die Nähe. Am Horizont, im Dunst, sehen wir Windräder-Parks, Oelbohrtürme und viele Schiffe, die uns entgegenkommen bzw. uns in gleichem Tempo begleiten. Fahren ganz langsam, da die ‚Grande Brasile‘ auf die Flut wartet, um in Tilbury einlaufen zu können. Tilbury (London) ist ein Tidehafen (Gezeitenhafen) und daher können die Schiffe nur bei Flut in die riesigen Schleusen einfahren. Zwischen Schiffswand und Schleuse hat es höchstens 50 cm Platz.

Es ist allerhöchste Präzision vom Lotsen und den zwei Schleppern angesagt. Unser Container/RoRo-Schiff wird an die Hafenmole manövriert, die hintere riesige Klappe wird heraus geschwenkt und das Ent- und Beladen kann beginnen. Da unsere Campers zuvorderst stehen, müssen wir als erste raus. Der Tilbury Hafen ist mit den neuesten Kranen bestückt. So geht das Entladen sehr schnell und reibungslos von statten. Es sind nur ganz wenige Personen mit dieser Arbeit beschäftigt. Wir alle beobachten fasziniert das rege Treiben. Von so hoch (36,25 m) sieht alles modellhaft aus!
Holen noch zwei Kissen und Feldstecher aus dem MAN. Bigi ist nervös wegen Willy. Die Berichte aus der Schweiz sind beunruhigend.

23.Sept. / 3.Tag The London Eye (Riesenrad)

Zusammen mit Thomas u. Heidy sowie Erhard marschieren wir 2,5 km zum Bahnhof von Tilbury, um für 9.20 £ nach London zu fahren. Eine moderne Vorortsbahn bringt uns in 40 Minuten hinein ins Zentrum. Bummeln zum Tower und der London Bridge. Knipsen wie verrückt Fotos. Vorbei am Kriegsschiff HMS Belfast zu einem alten Dock, welches heute überdeckt zu einem Einkaufszentrum umgebaut wurde. Bigi will um 10.45 h bereits einen Irisch Coffee (fängt gut an), bekommt denselben aber erst um 11 Uhr, da früher kein Alkohol ausgeschenkt werden darf. Wir seriösen Männer begnügen uns mit schlechtem Kaffee. Weiter zum Riesenrad ‚The London Eye‘. Dies ist das neue Wahrzeichen von London, mit herrlichem Blick auf die Themse und das Parlamentsgebäude mit Big Ben. In einem urchigen Pub essen wir Fisch und Chips und trinken Coca Cola. Selbstverständlich besuchen wir auch das teure“ Harrots“ Einkaufszentrum. Zum Glück braucht Bigi wirklich nichts. Es ist bereits später Nachmittag, wir sind müde vom vielen Laufen.

Wir lassen den Tag in einem typischen englischen Pub mit 2 doppelten Whiskys ausklingen. So gestärkt kehren wir zur ‚Grande Brasile‘ zurück.

24.Sept. / 4.Tag London - Todesnachricht Willy

Wollen nochmals nach London, aber jetzt kaufen wir eine Tageskarte in welcher auch die U-Bahn und Busse von London inbegriffen sind. Hier erreicht uns die Todesnachricht von Willy. Wir sind traurig. Besprechen was nun geschehen soll. Bigi telefoniert nach Hause. Wir beschliessen, dass Bigi am Abend nach Hause fliegen soll. In London suchen wir ein Reisebüro auf um zu sehen, wann die Swiss fliegt und ob ein Platz frei sei. Kaspar bleibt, notgedrungen, auf dem Schiff, da er hier wegen des MAN unabkömmlich ist. Versuchen den Tag trotzdem zu geniessen. Zurück auf der ‚Grande Brasile‘ packt Bigi schnell ihre sieben Sachen und Kaspar bringt Bigi zum Bahnhof. Von hier fährt sie zum Flughafen, übernachtet im Novotel und will am nächsten Morgen am Flughafen Heathrow zum Swiss Schalter, um einen Flug nach Zürich zu buchen.

25.Sept. / 5.Tag Tilbury - Antwerpen

Um 3.00h verlässt die ‚Grande Brasile‘ Tilbury. Wir müssen die Uhren wieder eine Stunde zurück stellen, dadurch geraten alle, auch ich in grosse Konfusion mit dem Frühstück. Dieses wird nach der neuen Zeit serviert. Unrasiert, nicht geduscht und immer noch müde finde ich mich im Essensraum ein. Unseren Mitreisenden ergeht es gleich!
Es ist Seegang Stärke 4 - 5 (was das auch immer heissen mag), das Schiff schaukelt ein wenig und ich laufe wie besoffen in den Gängen herum. Ich fühle mich wie ein alter Seebär. Um 20.00 h sind wir in der Schleuse von Antwerpen. Auch Antwerpen ist ein Gezeitenhafen, zwischen Ebbe und Flut sind doch 3 - 3,5 m Höhenunterschied! Stehe auf dem Oberdeck und schaue dem Landungs-Spektakel
zu. Es ist kalt und nach einer Stunde im Freien bin ich ganz durchfroren.
Bigi ist gut in Bülach bei ihrer Mutter angekommen. Mir fällt ein Stein vom Herzen.

26.Sept. / 6.Tag Antwerpen Hafen

Antwerpen ist der grösste RoRo-Hafen Europas (Roll in, roll out). Von hier werden die meisten PW, Lastwagen und Baumaschinen mit grossen speziellen RoRo-Schiffen in die ganze Welt versandt.

Auf riesigen Parkplätzen stehen hunderte von Neuwagen und Unmengen von „Schrottautos“ für Afrika zum Verladen bereit. Unsere Camper stehen zu forderst im Schiff und damit im Wege. Also hinaus fahren und an der Seite der ‚Grande Brasile‘ parkieren. Wir diskutieren über die Vor- und Nachteile unserer Wohnmobile. Einige Wohnmobile werden die Südamerika Reise mit ihren Schotterpisten und Wellblechstrassen sicher nicht unbeschädigt überleben. Vor allem der alte VW 28 und die diversen ‚Plastikbomber‘ mit ihren kleinen 70 Liter Dieseltanks werden in Schwierigkeiten geraten!
Morgen wollen alle hinein nach Antwerpen. Ich werde dort belgische Pralinen kaufen ……mmh,mmh!

27.Sept. / 7.Tag Antwerpen

Alle Sieben stehen vor der ‚Grande Brasile‘ und warten sehnsüchtig auf das Taxi, welches uns nach Antwerpen bringen soll. Es kommt und kommt nicht. Nach ¾ Stunden ist es endlich da und wir zwängen uns ins Taxi. Dieses bringt uns ins Zentrum. Ein schöner Platz mit grossen, barocken Bürgerhäusern und einem Fahnen geschmückten Rathaus empfängt uns! Eine von zwei Pferden gezogene, doppelstöckige Kutsche rüttelt uns auf der Sightseeing Tour durch die Altstadt ganz schön durch. Mir gefallen alle belgischen Städte sehr. Antwerpen hat Scharm. Hier werden auch die meisten Diamanten gehandelt und es hat einige teure Läden, in welchen es nur so glitzert und glänzt! Hier kaufe ich mir 500 gr. belgische Pralinen. Finden ein Saturn Elektrogeschäft. Hier will ich für unseren neuen Fotodrucker Fotopapier kaufen. Erhard geht im Einkaufszentrum durch die Diebstahlschleuse und sofort ertönt der Alarm (war auch bei Harrots in London passiert; peinlich). Nun wollen wir es zusammen mit einem Sicherheitsangestellten genau wissen. Erhard zieht die Windjacke aus - Nichts! Den Gürtel – Nichts! Die Uhr – Nichts! Alles raus aus den Hosentaschen - oha, der Alarm ist weg! Mit Geldbeutel in der Hosentasche geht der Alarm wieder los. Alles Geld und Kreditkarten aus dem Geldbeutel und nochmals durch die Schleuse - und siehe da, der Alarm geht von neuem los. Der Sicherheitsangestellte will den Geldbeutel an der Kasse decodieren, was jedoch nicht gelingt. Erhard muss einen neuen Geldbeutel kaufen!
Bigi meldet sich und rapportiert. Sie kann am Donnerstag das Visa für Senegal/Dakar abholen. In Dakar wird sie wieder zu uns auf die ‚Grande Brasile‘ stossen. „Bettmümpfeli“ = belgische Praline!

28.Sept. / 8.Tag Schrottautos für Conakry

Werden telefonisch um 6.30 h geweckt. Wir müssen die Camper in die ‚Grande Brasile‘ hinein fahren.
Die Grossen zuerst, die Kleinen davor. Somit sollten wir in Buenos Aires die Ersten sein, welche
argentinischen Boden betreten. Erhard führt mich in die Geheimnisse des Fitnessraumes ein. Hier stehen diverse Martermaschinen. Ich mache heute meinen ersten Versuch im Leben auf dem Laufband und später auf der Trettmaschine. Bin erstaunt, dass man hier ins Schwitzen gerät. Nach 25 Min. ist genug trainiert und ich brauche dringend eine Dusche. Steige auf das Oberdeck und schaue dem regen Treiben im Hafen zu. Mittels 4 Krallen werden die Container an den diversen Verladestationen befestigt und an die richtige Stelle auf dem Schiff oder im Hafen bugsiert. Dies benötigt viel Geschick durch die Ladearbeiter. Auch müssen die Container immer richtig gestapelt werden, damit sie später wieder gefunden werden können. Wir beobachten dieses Schauspiel lange Zeit. Die Mannschaft verzurrt die Container gegeneinander mit Ketten und Kettenspannern. Der Vorarbeiter kontrolliert ständig. Es wäre nicht gut, wenn die ‚Grande Brasile‘ wegen falschen Ladens kentern würde (ist übrigens vor nicht allzu langer Zeit einmal geschehen).
Container: 20 Fuss (Halb-Container 10 Fuss) lang, 7 Fuss breit, 8 bzw. 9 Fuss hoch. (1 Fuss = 33cm) Rechne !
Nun werden die für Afrika bestimmten ‚Schrottautos‘ mittels Kran auf unser Sonnendeck gehievt (12.Stock). Immer zwei Autos - eines bei welchem der Motor läuft, und eines dessen Batterie zu Ende ist - werden auf die Hebevorrichtung geschoben! Von dort beginnt die luftige Fahrt auf unser Deck.

Am Schluss stehen im Minimum 150 Schrottfahrzeuge, ohne Blinker, verbeult, mit defektem Motor, eingeschlagenen Scheiben und herabhängenden Stossstangen auf unserem, ach so schöööönen Deck ! In Zukunft werden wir des Öfteren über die Zurrbänder fliegen und auf den Oelflächen ausrutschen! Die Fahrer haben offensichtlich Spass an der Arbeit, können sie doch richtig wüten (wie bei den Chilbi-Scootern). Heute war ein interessanter Tag!

29.Sept. / 9.Tag kleines Schiffs-Knowhow

Schiff in Fahrtrichtung:
Rechts = Steuerbord / Beleuchtung grün
Links = Backbord / Beleuchtung rot
Schiffsbeflaggung:
Rote Flagge = brennbare Ladung an Bord
Gelbe Flagge = Immigrationsbehörde angefordert
Gibraltar Flagge = Schiff immatrikuliert in Gibraltar
Grimaldi Flagge = Besitzer
Landesflagge = Staatsflagge
Heute ist der „Schinderlift“ ausgestiegen, d.h. wenn wir etwas beim MAN hohlen möchten müssen wir den beschwerlichen Weg, über 9 Stockwerke zu Fuss, über die Treppe! Dies ist zurzeit unser Fitnesstraining. Wir können jederzeit zu unseren Campern. Haben eine 220V Steckdose gefunden. Wir schliessen unsere Camper an, damit die zweite Batterie geladen wird.
Thomas aus Eglisau ist es langweilig, also repariert er in unseren Kabinen die Haarföhns, Gestelle,
und Schubladen, schleift und malt die Sonnendecktische neu, zieht den Holztischen und Stühlen die Agraffen usw. Am Abend schauen wir uns das Video ‚Pistenkuh.de – Allradfahrtraining‘ an, um etwas über das Allrad fahren zu lernen. Vorausschauend und langsam fahren, Pneudruck immer beachten, Sperren immer im Stand und früh einschalten usw.

30.Sept. / 10.Tag Containerhafen von Le Havre

Der Containerhafen von Le Havre ist moderner als der von Tilbury oder Antwerpen. Hinter der ‚Grande Brasile‘ liegt (für meine Begriffe) ein riesiges Containerschiff, die ‚MSC Vanessa‘ vor Anker. Auf dem vorderen Deck haben 16 Container nebeneinander Platz (auf der ‚Grande Brasil‘ nur 10). Riesige Hebe- und Seitenkräne verladen die Container im Takt von einer bis maximal drei Minuten. Die Spezialschlepper haben Mühe, die Container in dieser kurzen Zeit zu den Kränen zu bringen.
Alle fahren mit dem Taxi nach Le Havre. Der französische Taxifahrer ist ein rauchendes, schmuddeliges aber lustiges Unikum. Im Gespräch (unserem komischen Kauderwelsch Französisch) stellt sich heraus, dass er Sarkozy (Staatspräsident von Frankreich) nicht mag. Dies demonstriert er eindeutig mit den Zeichen des ‚Halsabschneidens‘. Er macht dabei lustige Faxen.
Le Havre war im 2. Weltkrieg vollständig zerstört und wurde lieblos wieder aufgebaut. Da es nicht viel zu sehen gibt geniessen wir im ‚Le Bistrot Parisien‘ für Euro 9..50 ‚Moules mit Frites‘. Ich schreibe Geburtstagskarten.
Habe Kontakt mit Bigi. Wir möchten vom Kapitän wissen, wann die ‚Grande Brasile‘ in Dakar sein wird. Ich bekomme nur eine vage Antwort: ca. 5.Oktober!

1.Okt. / 11.Tag Kaspars Geburtstag

Heute werde ich 64 Jahre alt. Die Mitreisenden warten alle gespannt mit gefüllten Sektgläsern auf mich. Ich aber verschlafe das Frühstück. Es regnet und ist unfreundlich, die Wellen zeigen ihre Schaumkronen (Seegang 4- 5). Packe das einzige Geburtstagsgeschenk von Regula aus: Schweizer Socken mit traurigem Bernhardinerhund, Fertigrösti und ein Gutschein, um ein Fauna/Florabuch zu kaufen. Checke meine E-Mail im Aufenthaltsraum. Es haben doch viele geschrieben. SMS kann ich nicht empfangen, da auf hoher See.
Endlich kann ich Bigi das ungefähre Ankunftsdatum (6.10.) in Dakar mailen, damit sie ihr Flugticket vorbestellen kann. Beim Nachtessen wird dann noch etwas mit gutem, spanischen Wein gefeiert!
Heute ist Beerdigung von Willy. Meine Gedanken sind in Bülach bei Bigi, Schwiegermutter und Röfes Familie.

2.Okt. / 12.Tag Telefonempfang Kanaren

Schweiss strömt mir in die Augen, schwitze ganz fürchterlich beim 30-minütigen Fitnessprogramm.
Sind auf der Höhe der kanarischen Inseln und haben Telefon Verbindung. 19 SMS und 3 Anrufe in Abwesenheit (Combox) sind angekommen. Ich schreibe ein allgemeines SMS für meine Freunde, telefoniere draussen im Regen und starkem Wind mit Bigi, reden aneinander vorbei und so endet das Gespräch in Frustration!
Lasse mir von den Franzosen das ‚Garmin GPS‘ erklären. Sie haben die ganze Strassenkarte von Südamerika gespeichert. Dieses GPS muss ich haben. Werde versuchen dies in Buenos Aires zu kaufen.

3.Okt. / 13.Tag Sicherheitsvorrichtungen

Schlecht geschlafen wegen gestrigem Telefon mit Bigi. Es ist sehr schlechtes Wetter und es windet sehr stark. Mache mich auf die Suche von allen Sicherheitsvorkehrungen auf der ‚Grande Brasile‘. Viele, viele grün/weisse Aufkleber weisen auf die verschiedenen Rettungsgeräte hin. Bildliche Betriebsanleitungen hängen bei den diversen Rettungsgeräten wie Rettungsbarkasse, Rettungsinseln, Schwimmwesten, spezielle wasserdichte Neoprenanzüge, Rettungsringe mit Taschenlampe, Peilsender, Gasmasken gegen Feuer und Chemie, Wiederbelebungsgerät, Feuerlöscher, Feuerlöschschläuche, spezielle Feuer- und Chemieanzüge usw. usw. An Bord und auf Deck sind alle Fluchtwege mit Gelb markiert. Alles wird fotografiert. Versuche ein E-Mail zu schreiben. Bin wirklich nicht geübt darin.
Heute gibt es Spaghetti und Pizza. Anscheinend gibt es jede Woche die gleichen Menüs. Der Koch hat sich stark verbessert und das Essen schmeckt jetzt besser. Ich würze mein Essen speziell mit „XOTIX tropical gourmet“ (Hot Sauce).

4.Okt. / 14.Tag Reisetipps von den Franzosen

Das Meer hat sich beruhigt, die Sonne scheint. Der Swimming Pool wird erst in Dakar gefüllt. Dies wird speziell Bigi freuen. Sie ist auf dem Flug via Portugal nach Dakar und wird um 01.00 h dort eintreffen. Wir sonnen uns und plaudern über dies und das.
Die Franzosen zeigen mir einige schöne Orte in Argentinien, Chile und Bolivien. Auch raten sie mir ab, dort die Salzseen mit unserem schweren MAN zu befahren (das gleiche sagt auch die ‚Pistenkuh.de‘)! In der Nähe des Salzsees ‚Salar de Uyuni‘ liegt die gleichnamige Stadt. Von hier gibt es Dreitagestouren, organisiert durch örtliche Reisebüros für 50 Euro pro Person. Der MAN kann günstig und sicher bei einem Hotel parkiert werden.
In einer Feuerwehrzeitung finde ich ein Bergungskissen, welches durch Pressluft aufgeblasen werden kann. Zu Hause will ich dieses Wunderkissen vielleicht kaufen. Es würde sicher gute Dienste leisten, wenn wir uns einmal eingegraben haben.
Das Einzige, was bei unserem Schiff noch an vergangene Zeiten erinnert, ist die bronzene Schiffsglocke in welcher der Name ‚Grande Brasile‘ und das Baujahr 2000 eingegossen wurde.
Die französischen Passagiere reklamieren beim Koch über das Essen. Die Küchenmannschaft ist darüber frustriet. Wir finden das Essen gar nicht so schlecht. Es haben sich zwei Gruppen gebildet, die Deutschen gegen Franzosen und wir Schweizer wie immer als Vermittler dazwischen. Hier sieht man die Sprachschranke sehr gut!

5.Okt. / 15.Tag ‚verhextes Schiff‘ und Seenotübung

Die ‚Grande Brasile‘ ist manchmal wie verhext. Ein Kugelschreiber verschwindet plötzlich und am nächsten Tag ist er wieder hier, und dies schon des Öfteren. Rätsels Lösung: der Kugelschreiber rollt wegen des Seegangs vom Pult auf den Boden, dann weiter unter die Klimaanlage (dort sehe ich ihn ja nicht) und zurück. Plötzlich ist er wieder da! Dann fehlt mir am Morgen das Kontrollheftchen (Blutverdünner). Ich suche und suche, ich bin kurz vor dem „Überschnappen“. Dann kommt mir in den Sinn, dass ich für das Häkchen im Heft einen Kugelschreiber brauche. Habe denselben (siehe oben) wohlweislich in meiner Jacke versteckt. Siehe da, in der Jackentasche ist der Kugelschreiber und das Heftchen!
Am Anschlagbrett ist auf 16.00 h eine Seenotübung für uns angesagt. Wir versammeln uns im Aufenthaltsraum der Mannschaft. Der 1.Offizier teilt jedem sein Rettungsboot zu. Dann auf das 13.Deck, wo wir alle die Schwimmwesten anlegen müssen. Die Vollanzüge werden durch ein Mitglied der Mannschaft vorgeführt. Es herrscht eine lockere Stimmung bei den Passagieren. Dann zeigen sie uns noch unser Rettungsmotorboot. Wir steigen durch eine kleine Türe hinein. In der Mitte der Länge nach sind Sitzplätze mit Sicherheitsgurten angeordnet, hinten etwas erhöht sitzt der jeweilige Offizier.
Von hier aus kann er das Rettungsmotorboot steuern. Der Motor wird gestartet, er springt einwandfrei an. Wasser in Plastikbeuteln und Notrationen für 7 Tage sind auch vorhanden, aber wo ist die Toilette ????? Wir alle sind uns einig, dass wir nicht in Seenot geraten möchten.
Bigi soll gemäss Plan heute kurz nach Mitternacht in Dakar eintreffen. Habe jedoch keine Handyverbindung und so weiss ich nicht, ob es geklappt hat.

5. - 7. Oktober Bigi

Bigi geniesst das Leben im Hotel Le Meridien Président mit Pool, Mangos, frisch gerösteten Erdnüssli und vieles mehr. Die Ankunft der ‚Grande Brasile' in Dakar wird für Mittwoch 7. Oktober 06.00 Uhr erwartet (mit einem Tag Verspätung). Hauptsache, sie verpasst das Schiff nicht!

6.Okt. / 16.Tag Wellengang 8 – 9, Alarmübung Manns

In der Biskaya (zwischen Frankreich und Spanien) haben wir hohen Wellengang mit starkem Gegenwind. Die ‚Grande Brasile‘ fährt dadurch nur mit 11,5 Knoten. Und was bedeutet dies für unsere Reise?! Wieder ein Tag Verspätung!
Es findet eine Feueralarmübung für die Mannschaft statt. Wir möchten dies fotografieren, werden aber vom Kapitän zu unserem Versammlungsort geschickt, um hier auf weitere Anweisungen zu warten. Der 1.Offizier befiehlt uns unter Deck zu bleiben und abzuwarten bis die Übung vorbei ist. Am Nachmittag setze ich mich auf das Deck und fertige drei Zeichnungen vom Schiff an. Thomas hisst am Heck der ‚Grande Brasile‘ eine Schweizer Flagge. Es geht nicht lange, wird diese von der Mannschaft gesichtet und er muss die Flagge sofort entfernen (wegen des internationalen Seerechts).

7.Okt. / 17.Tag Hafen von Dakar - Bigi kommt !

Um 06.00 h läuft die ‚Grande Brasile‘ in den Hafen von Dakar ein. Habe bereits SMS-Kontakt mit Bigi. Sie will um 12.30 h zum Schiff kommen. Es ist heiss und schwül, die ersten Mücken stechen mich. Der Kapitän hat angeordnet, dass alles, aber auch alles abgeschlossen wird. Er hat Angst, dass sich ein blinder Passagier einschleicht. Sollte dies doch geschehen wäre die Rückführung des blinden Passagiers für ‚Grimaldi sehr teuer, ca. 50‘000 Euro. Am Hafen herrscht ein geschäftiges Treiben. Container um Container, neue und alte Autos werden ausgeladen. Neues Ladegut kommt hinzu.
Der Kehricht wird mittels Kran zu Boden gelassen. 4 Afrikaner streiten sich darum, welcher zuerst den Kehricht durchwühlen darf. Der Sieger trägt die Gemüsegitter fort. Etwas weiter entfernt ist ein Kehricht Zwischendepot errichtet, dort verkaufen sie alles noch Brauchbare. Auf der Steuerbordseite lässt die Mannschaft zu Übungszwecken das Rettungsmotorboot zu Wasser. Sie drehen eine Runde und hängen das Rettungsboot wieder an die Seile. Aber oha, die Stahlseile verhaspeln sich und es dauert seine Zeit, bis alles wieder einwandfrei repariert ist, und das Rettungsboot wieder an seinem angestammten Platz hängt. Ich für mich bin ausserordentlich froh, denn das Rettungsboot wäre im Notfall unseres!

Pünktlich erscheint Bigi mit schwerem Gepäck. Ich hole sie unten an der Hafenmole ab. Es ist schön Bigi wieder gesund und munter in die Arme schliessen zu dürfen. Wir schleppen alles zum Lift, aber wegen der Afrikaner ist alles verrammelt und wir müssen alle Vorhängeschlösser und elektronischen Schlösser vorher öffnen. Geschafft! Etwas verspätet, aber trotzdem zufrieden kann ich meine Geburtstagskarten und Geschenke öffnen.
Am Nachmittag unternehmen wir Beide einen kleinen Ausfug auf den Markt von Dakar. Na ja, es ist armselig, schmutzig und staubig, halt Afrika. Bigi ersteht, völlig überteuert, 8 Mangos. Es dauert eine ganze Weile bis das Geschäft mit Euro abgewickelt ist. Niemand weiss den Umwechslungssatz. Bigi ist voll zufrieden mit dem Geschäft: 8 Mangos plus 6 Passionsfrüchte für 5 Euro – soll mir einer mal sagen, wo er dies billiger bekommt!

8.Okt. / 18.Tag Im stickigen Treppenhaus

Es ist furchtbar heiss draussen, in unserer Kabine dagegen, dank Klimaanlage, sehr kühl. Wir beschliessen unsere bequemen Campingstühle aus dem MAN zu holen. Mit dem Lift geht es zum 6. Stock runter. Die Türen jedoch sind mit riesigen Vorhängeschlössern abgeschlossen (siehe gestern/Afrika).

In der Hitze des Gefechtes habe ich den Schlüsselbund mit den 7 Schlüsseln im Zimmer vergessen. Also zurück in den Lift. Oben angekommen kann ich die Haupttüre mit dem Code (E409) nicht öffnen. Es ist stickig und sehr heiss im Treppenhaus. Versuche verzweifelt die Türe zu öffnen. Bigi setzt sich auf den Treppenabsatz und kriegt einen Lachkrampf, ich hingegen finde es nicht lustig. Es ist brütend heiss und wir stellen uns vor, eine halbe Stunde hier ausharren zu müssen. Nach einigen ‚schweisstreibenden‘ Versuchen lasse ich Bigi an die Tür, und siehe da, sie kann diese ohne Mühe öffnen. Ich bin konsterniert und Bigi lacht sich einen ‚Schranz‘ in den Bauch! Für weiteren Spott ist gesorgt. Später habe ich dann heraus gefunden, dass man das Codeschloss zuerst richtig in das Türschloss drücken muss, dann geht es wie von selbst. Für alles gibt es „Tricks“.
Nach dem Mittagessen ist baden im Swimmingpool angesagt. Das Meerwasser ist zwar äusserst dreckig (Russ, Dreck und Oel von den Schrottautos), aber trotzdem eine schöne Abkühlung.Die Aussicht vom Schwimmbadrand aus ist fantastisch: genau am Heck, aus 36 m Höhe, mit Blick auf das schäumende Heckwasser und das tiefblaue Meer. Wir albern etwas herum, lesen und sonnen uns. Der Wind frischt stark auf und so begeben wir uns zu einem kleinen Aperitif in die Kabine.

9.Okt. / 19.Tag Conakry, Bewachung Wohnmobile

Nach der Dusche gehen wir zusammen auf Deck. Die vorgelagerten Inseln von Conakry/Guinea sind in Sicht. Ein Fischer in seinem Einbaum treibt an der Grande Brasil vorbei. Der 1.Offizier legt uns ‚dringend‘ nahe, unsere Wohnmobile im Schiff zu bewachen. Dieser Hafen scheint für die Besatzung ein ‚rotes Tuch‘ zu sein. Wir können noch nicht in den Hafen einfahren, weil die Flut erst um 19.00 h einsetzt. Also fährt die ‚Grande Brasile‘ im Kreis. Am Heck und auf jeder Seite steht ein Mann aus der Mannschaft Wache: sie haben Angst vor ‚Piraten‘! Am frühen Abend kommt der Lotse durch einen Seiteneingang an Bord, um die ‚Grande Brasile‘ sicher in den ‚gefährlichen‘ Hafen zu bugsieren. Wir passieren ein grosses Containerschiff, welches auf der ganzen Länge mit Stacheldraht gesichert ist. Die Aggressivität auf der Mole ist handgreiflich zu spüren. Die Zugänge zur Mole werden denn auch mit Containern versperrt, so dass die zahlreichen Zaungäste auf Distanz gehalten werden können.

Die Schwarzen liefern sich auf der Mole einen Zweikampf. Die Streithähne werden durch das Militär und die Polizei unsanft getrennt. Alle Türen sind mit Gittern, Ketten und schweren Vorhängeschlössern gesichert. Das Ausladen beginnt.

Wir organisieren einen Wachdienst. Immer zu Zweit sichern wir unsere Wohnmobile, jeder für 2 Stunden. Mein Wachdienst 02.00 - 4.00 h fällt gerade in die heisse Phase. Die Schrottautos welche im Schiff auf unserem Deck stehen werden an Land gefahren. Die Schwarzen können sich daher etwa 2 Stunden einigermassen frei bewegen. Wir patrouillieren in der stickigen und CO2 geschwängerten Luft um die Camper. Es ist 36 Grad heiss und sehr lärmig. Die Wasserflasche ist rasch leer. Immer wieder hat ein Schrottauto auf unserem Boden eine Panne und die Schwarzen flicken daran herum, aber wir passen auf. Um 04.00 h ist der Spuck zu Ende, die Zugänge wieder mittels Gittertüren und Ketten gesichert. Ich gehe schlafen - mir ist elend.

10.Okt. / 20.Tag Schrottautos von Deck 13

Der Kran der ‚Grande Brasile‘ (es gibt in diesem Hafen keine Krane an Land) wird in Betrieb genommen. Die Schrottautos müssen runter zu den neuen Besitzern. Immer zwei Fahrzeuge werden im 2 - 3 Minuten-Takt unsanft nach unten befördert. Bei dieser Arbeit gehen wiederum viele Stossstangen, Blinker, Scheinwerfer und Seitenscheiben in Brüche. Immer wenn die Hebevorrichtung zurück auf dem 13. Deck ankommt und dann abgesenkt wird, entsteht ein fürchterlicher Lärm. Unsere Suite befindet sich gerade unterhalb. Ein Aufenthalt in der Kabine ist daher nicht möglich, da wir jedes Mal, wenn die Hebevorrichtung auf das Dach aufschlägt, zusammen zucken. Die Aussicht aus unserem Kabinenfenster ist dafür sehr gut, sehen wir doch wie die Fahrzeuge durch die Luft nach unten segeln! Unten wird gerade ein alter Mercedes von den Schwarzen beäugt. Wir schauen zu, wie alles was nicht fest montiert ist, geklaut wird. Die Bodenteppiche kann sich dann der neue stolze Besitzer auf dem Markt teuer zurück kaufen.
Am frühen Nachmittag ist dann Schluss, alle Türen und Tore sind verrammelt. Die Mannschaft kontrolliert peinlich genau ob sich nicht irgendwo ein blinder Passagier eingeschlichen hat.
Das Ausladen hat ein wenig zu lange gedauert, so hat der Kapitän die Flut verpasst und wir liegen noch bis 18.00 h fest. Der Lotse kommt an Bord und ‚schon‘ geht es Richtung Freetown.

11.Okt. / 21.Tag Freetown mit Linda u Bodyguard

Das 12. und 13. Deck ist stark von Oel, Dreck und Scherben verschmutzt. Die Mannschaft reinigt dieselben mit Wasserhochdruck. Freetown ist nur 6 Stunden von Conakry entfernt, aber der Kapitän will auch hier nur bei Tage einlaufen! Ich falle auf dem verschmutzten Deck voll auf die ‚Schnauze‘ und bin von oben bis unten nass und dreckig. Diese Art von Schiffe ist nichts für pingelige Passagiere. Werden zum Kapitän gerufen, der mit dem Immigration-Beauftragten und zehn Schwarzen zusammen sitzt. Wir Beide wollen in Freetown an Land gehen, da wir hier Linda von der EBM kennen. Der Immigration-Beauftragte stellt zwei Bewilligungen à 5 Dollar aus. Doch dann stutzt er etwas, als Bigi ihm die Adresse von Linda zeigt. Er fragt nochmals nach und nun brauchen wir plötzlich keine Bewilligung mehr und auch nichts zu bezahlen. Linda’s Ehemann ist der Arbeitsminister von Sierra Leon und daher ein sehr hohes Tier in der Regierung. Nach dem Mittagessen steht Linda mit Eskorte, Fahrer, Bodyguard und einem hohen Regierungsbeamten und einem weissen Toyota Land Cruiser im Hafen. Der Bodyguard sichert die Umgebung gegen die allzu aufdringlichen Schwarzen. Nach der herzlichen Begrüssung geht die Fahrt quer durch Freetown.

Vor einer verstopften Kreuzung springt der Bodyguard aus dem Wagen und löst das Verkehrsproblem innert kürzester Zeit. Weiter fahren wir zum Ministerium of Work, wo wir Linda’s Ehemann zu einer kurzen Audienz treffen. Das obligate Foto darf natürlich auch nicht fehlen. Nachher will uns Linda den schönen Strand zeigen, doch die Strasse ist hoffnungslos verstopft. Von hinten kommt mit Martinshorn ein Polizeiauto mit zehn Polizisten drauf. Der Polizeiwagen pflügt die Autos von der Strasse und wir folgen ihm dicht dahinter. Achterbahn lässt grüssen! Fotos können wir nur aus dem Toyota schiessen, ausser am Strand, wo wir aussteigen dürfen. Bis spätestens 17.00 h müssen wir zurück auf der ‚Grande Brasile‘ sein, also drängt der Bodyguard auf die Rückkehr. Nach etwas mehr als zwei Stunden sind wir wieder an Bord. Etwas zu trinken gab es nicht und Kaspars Blase war kurz vor dem Platzen.

12.Okt. / 22.Tag Meer, Meer und Himmel

Bigi hat sich eine Hauterkrankung auf der rechten Seite der Nase zugezogen. Eiter quillt aus dem Auge. Also wird Kaspar zum Krankenpfleger und salbt die betroffenen Stellen ein. Fühlen uns doch etwas einsam: Meer, Meer und Himmel, und dies soll 6 – 7 Tage dauern. Kaspar versucht sich mit Tagebuch schreiben am Computer, kritisch beäugt von Bigi. Wir fragen den ersten Offizier, wann wir den Äquator überqueren: voraussichtlich an Bigis Geburtstag, dem 14.Oktober um 04.00 Uhr. Uhren um eine Stunde zurückstellen.

13.Okt. / 23.Tag Äquatorüberquerung

Die dreckigen, oelverschmutzten Decks werden mit Hochdruck und Seife geschruppt. Die Offiziere und der Kapitän verlegen einen neuen Laminatboden in ihrem Ess-/Aufenthaltsraum. Bigi geht’s etwas besser, das Salben hat genutzt. Das Meer ist ruhig und flach wie ein Teller. Sind an der frischen Luft und sonnen uns.

Irgendwann um 14.45 h fragt Kaspar die Franzosen, wie weit wir noch bis zum Äquator hätten. Oh Schreck, die ‚Grande Brasile‘ hat den Äquator schon vor einer halben Stunde überfahren. Hatte Kaspar dies doch gedacht, denn um 14.00 Uhr war es recht holprig (ha,ha). Trommeln unsere Mitreisenden zusammen und feiern bei Prosecco, Aquavit und Gillot Normandie Camembert die Überquerung. So, jetzt gehören wir auch dazu. Plaudern und lachen. Bigi geht früh ins Bett. Kaspar bestellt für morgen Abend beim Koch einen Geburtskuchen für Bigi.

14.Okt. / 24.Tag Bigi’s Geburtstag

Bigi hat Geburtstag. Kaspar gratuliert ihr schon um 00.30 h - Bigi nimmt die Glückwünsche nur im Halbschlaf war. Vor dem Frühstück öffnet sie das Geschenk von Regula. Von Kaspar erhält sie nichts, da er ja eh das grösste Geschenk ist. Nach dem Mittagessen können wir mit dem ersten Maschineningenieur den Schiffsmotor ‚Sulzer‘ besuchen: 7 Zylinder, 22‘000 PS Leistung, Durchm. pro Zylinder 0,62 m, Hub 2,2 m. Der Maschinenüberwachungsstand mit seinen vielen elektrischen Anzeigen (ABB), die 4 elektrischen Generatoren für die gesamte Stromversorgung und die riesige ca. 30 m lange Antriebswelle werden besichtigt. Der Sulzer Schiffsmotor läuft mit Schweröl. Der Schweröltank fasst 3‘000 kg, Tagesverbrauch 60 kg; reicht also knapp für 50 Tage – d.h. eine Reise nach Südamerika und zurück. Getankt wird in Antwerpen. Der Maschineningenieur und seine 4 Mann sind stolz auf ihre schweisstreibende und vor allem laute Arbeit. Der Motorraum geht über 3 Decks, welche alle unter der Wasserlinie liegen. Nach diesem kurzen Ausflug in den heissen Schiffsbauch sind alle froh, dass wir uns im Swimmingpool abkühlen können.

Kaspar schaut noch in der Küche vorbei, ob das mit dem Geburtstagskuchen funktioniert und bringt gleich noch die Kerzli in die Küche. Kaspar entkorkt 4 Flaschen guten spanischen Wein und degustiert diesen. Nach dem bekömmlichen Essen bringt die Küchencrew den Schokoladenkuchen mit brennenden Kerzen zu Bigi. Alle gratulieren und Bigi schneidet den Kuchen an. Für Bigi war es ein guter Tag, haben sich doch auch viele gute Freunde über Email gemeldet (SMS-Glückwünsche kamen mit Handyempfang erst am 18. Oktober rein).

15.Okt. / 25.Tag Barbecue

Einmal pro Überfahrt wird für Crew und Passagiere ein Barbecue veranstaltet. Geschäftiges Treiben und schon nach 17.00 h werden die ersten Cocktails hinten bei der Küche ausgeschenkt. Bigi, wie üblich, ist als Erste mit einem Cocktail in der Hand am provisorisch eingerichteten Buffet auf dem Kochherd. Plaudern etwas mit dem Kapitän über Beruf und Privatleben. Die Grills sind angefeuert und jeder muss selber seine Spiesse, Steaks und Würste grillieren. Die Passagiere haben den schönsten Platz an der Reling aufs offene Meer hinaus. Der Sonnenuntergang ist fantastisch und langsam kommen die Sterne und auch der Mond zeigt seine Sichel. Holen noch Süssigkeiten und Schokolade und verteilen an alle. Trinken heute guten Wein (Western Cape Südafrika) aus der Tetrapackung. Eine Stunde nach dem Einschlafen freundet sich Kaspar mit der Toilette an.

16./17.Oktober – 26./27.Tag auf hoher See

Faulenzen, Video anschauen, lesen und dreimal am Tag Highlight: Essenszeit!

18.Okt. / 28.Tag Land in Sicht! Viktoria/Brasilien

Die ‚Grande Brasile‘ liegt wartend vor der Hafeneinfahrt. Vor und nach dem Frühstück finden sich alle auf dem Brückendeck ein. Die Einfahrt in den Hafen ist schön und spektakulär. Eine lange, hohe Brücke überspannt den Meeresarm. Bunte, kleine und schöne grosse Villen ziehen sich die Hänge hoch und dem Meer entlang stehen Hochhäuser. Vom Schiff aus sieht alles sauber und schön aus. Hier braucht der Kapitän einen Lotsen, denn die Hafenbeinfahrt ist sehr, sehr eng. Im Hafen selbst muss die ‚Grande Brasile‘ an Ort gewendet werden.

Endlich am Mittag können wir das Schiff verlassen. Um einen Taxi anzuhalten spazieren wir durch den Hafen zu einer belebten Strasse. Wir haben aber keine Brasilianischen Reals, nur Euro und Dollar. Kaspar quatscht mehrere Polizisten an. Es entspannt sich ein komisches Gebärdengespräch. Wir können nicht Portugiesisch und die Polizisten nicht Ausländisch. Nach einigem Hin und Her haben die Polizisten begriffen und der Eine begibt sich auf die Suche nach zwei Taxis. Der Polizist erklärt den Fahrern, dass wir zur Kathedrale in der Altstadt wollen, jedoch nur Dollar hätten. Die Fahrer sind jeder mit nur 10 Dollar zufrieden und wir steigen ein. Schauen die schlichte Kathedrale von Aussen und Innen an und bummeln durch die von Autos verstopften Strassen zum früheren Gouverneurssitz, heute Museum. Fragen Passanten und Polizisten nach einer Bank, um Geld zu wechseln. Verlieren unsere Mit-Passagiere aus den Augen und ziehen allein weiter los. Bigi hat Lust auf ein Eis und so suchen wir einen Supermarkt auf. Und siehe da, hier steht ein Geldautomat, wo wir Reals beziehen können. Auch haben wir gesehen, dass hier alle mit Kreditkarte bezahlen. Eis kaufen und auf einer Sitzbank geniessen und dem Treiben zuschauen. Auf dem Markt ersteht Bigi zwei kleine metallene Espressotassen. Nach einer Cola machen wir uns in der brütenden Sonne auf den Heimweg. Dieses Mal nehmen wir die Fähre. Dies ist ein Ruderboot, das uns für ein Real pro Person zur ‚Grande Brasile‘ übersetzt. Duschen und wir vertreiben uns den Abend mit Zuschauen beim Verladen. Die ‚Grande Brasile‘ verspätet sich wieder und so verschiebt sich die Abfahrt von 20.00 h auf 08.00 h morgen früh. Das Laden hat 30 Minuten zu lange gedauert und somit haben wir wieder einmal die Flut verpasst!

19.Okt. / 29.Tag Dolce far niente

Geniessen die Ausfahrt aus dem schönen Hafen von Viktoria. Spanisch büffeln, Fotos ausdrucken, Tagebuch schreiben, sünnele, plaudern und lesen.

20.Okt. / 30.Tag Sightseeing Rio de Janeiro

Kaspar steht um 00.30 h bereits auf der Brücke, um bei der Hafeneinfahrt in Rio de Janeiro dabei zu sein. Es ist ziemlich kühl. Ist dann endlich der Lotse an Bord, so geht es zügig in den Hafen. Vorbei an Zuckerhut und einem Flugzeugträger, in der Weite grüsst die Jesus Figur Corcovado. Um 03.30 h liegt die ‚Grande Brasile‘ gut vertäut im Hafen. Kaspar geht nochmals ins Bett.
Leider bleiben wir in Rio nur bis abends und alle Passagiere müssen um 16 h wieder auf dem Schiff sein. Die deutschsprachige Gruppe marschiert bereits um 08.30 h zum Hafenausgang. Hierfür bekommen wir farbige Helme aufgesetzt. Ein klappriger Hafenbus bringt uns zu einem weiteren Hafentor. Hier suchen wir ein Taxi. Dieses finden wir nicht und somit mit dem Bus Nr. 127 direkt zum weltberühmten Strand Cococabana. Hier am Strand geniessen wir unseren ersten Caiphirinia (Eis, Limones, Rohrzucker und viel Rum). Die Männer schauen den hübschen Brasilianerinnen hinten drein und die Frauen kaufen bei einem Strassenhändler Parreos.

Zwei Brasilianer mit schönen Taxis möchten uns für 150 Reals (90 Dollar) pro Taxi zum Corcovado, Zuckerhut und zurück zum Hafen fahren. Wir nehmen das Angebot an. Zuerst geht’s bergauf zum Corcovado mit der riesigen Jesus Statue. Die Jesus Statue ist eines der neuen Weltwunder. Viele Besucher sind hier. Der Besuch hat sich gelohnt, denn die Aussicht von hier ist fantastisch.

Höllenfahrt den Berg hinunter zwischen den Fahrzeugen links und rechts vorbei zur Talstation der Luftseilbahn auf den Zuckerhut. Auch hier spektakuläre Rundsicht auf Rio, diverse Strände und die Christus Statue. Zurück mit dem Taxi zur Hafeneinfahrt und mit dem Bus zum Schiff. Dies war ein Highlight!

21.Okt. / 31.Tag Santos

Ca. 60 Schiffe liegen vor dem Hafen von Santos und warten auf Fracht, oder dass sie ihre Fracht löschen können. Auch wir dümpeln bis 14 h hier und warten auf den Lotsen. Endlich nimmt die ‚Grande Brasile‘ Fahrt auf wir shippern zwischen vielen Inseln in den langgezogenen Hafen. Santos ist der Hafen von Sao Paulo und der Grösste von Südamerika. Das Landungsprozedere beginnt. Eine lange Strassenbaumaschine verkeilt sich auf der Rampe, sodass es einiges braucht, um diese wieder in Fahrt zu bringen. Eigentlich könnten wir das Schiff verlassen, aber niemand hat Lust. Also schauen wir wieder einmal aufs Hafengeschehen: viele Autos, Minis, Mercedes und LKW werden ausgeladen und reingefahren werden VW Polo und VW Golf, die hier in Brasilien produziert werden.

Neue Frischprodukt wie Gemüse, Salat, Früchte, Eier und Eiscreme werden an Bord gehievt. Alles Andere wie z. B. Frischfleisch, Wurstwaren, Salami, Fisch, Wasser, Büchsen etc. wird von Italien nach Antwerpen geliefert und dort geladen.

22.Okt. / 32.Tag auf hoher See

Die ‚Grande Brasile‘ verlässt um 5 h den Hafen von Santos. Wir aber bleiben im Bett liegen. Homepage aufladen, Spanisch lernen, Fotos sortieren und faulenzen. Abends hat der Kapitän den Zollfreiladen geöffnet und wir alle kaufen wacker ein. Sitzen nach dem Nachtessen bei 1 – 2 Whiskys in unserer Suite zusammen.

23.Okt. / 33.Tag Besichtigung der Schiffsbrücke

Besuch des ‚Kapitän-Reviers‘. Der 2.Offizier zeigt uns die vielen Instrumente wie Radar, Echolot, Navigationssystem, Telefone, viele Knöpfe, Schalter und Hebel. Die ganze Fahrstrecke des Schiffes wird elektronisch aufgezeichnet, aber alles muss von Hand nachgerechnet und eingezeichnet werden.

Wir erfahren, dass die ‚Grande Brasile‘ zwischen 3‘000 und 4‘000 PKWs aufladen kann. Das Schiff wurde im Jahre 2008 total renoviert. Dabei wurde ein neuer Schiffspropeller einbaut (Durchm. ca. 5 m). Jede Schaufel kann einzeln hydraulisch gedreht werden. Früher musste der Kapitän die Befehle immer in den Maschinenraum geben. Heute kann er auf der Brücke alles selbst regulieren.
Der Rest des Tages vergeht eintönig mit viel Regen. Also Homepage weiter schreiben und viel lesen.

24.Okt. / 34.Tag Montevideo/Uruguay

Der Tag beginnt wie der Gestrige aufgehört hat. Die WC-Spülung funktioniert nicht, also Zange besorgen, das Kastenvierkantschloss öffnen und die Eingeweide der Toilettenspülung studieren. Endlich findet Kaspar den kleinen Schieber, welcher den Ablauf der Sch….. stört. Hebel ziehen und die ganze Sauce läuft ab.
Das Schiff läuft in den Hafen von Montevideo/Uruguay ein. Wie immer schauen alle von hoch oben zu. Montevideo (1,5 Mio. Einwohner) macht einen sauberen, aber auch verlassenen Eindruck. Fast keine Leute und Autos sind auf der Strasse. Aha, es ist Sonntag! Alle unsere Freunde sagten, Montevideo sei eine schöne Stadt. Wir aber sehen nur schmucklose Betonklötze und Wohnhäuser. Hier müssen die Schrott-LKWs ausgeladen werden und unser MAN und Helmut’s MAN stehen im Wege. Daher ist für uns der Ausflug in die Stadt gestrichen.

Nach dem Nachtessen ist es dann endlich soweit. Die Motoren der Schrott-LKWs können natürlich nicht gestartet werden, da Batterien leer sind. Zum Teil werden bis zu zehn grosse Batterien zusammengekoppelt, um einen LKW starten zu können. Funken stieben, einmal geht ein LKW in Flammen auf. Der Feueralarm geht los. Der Brand ist jedoch schnell unter Kontrolle. Erst jetzt sieht Kaspar die Brandgefahr auf diesem Schiff. Diese alten Autos und LKWs verlieren Oel und Benzin/Diesel. Eine Zigarette genügt, wuff……! Endlich können wir um parkieren. Nachher ziehen wir um 21 Uhr mit Helmut noch los um eine kleine Erkundung der Stadt zu machen. Dasselbe Bild wie am Morgen: total verlassene Strassen, nur wenige Leute und Autos sind unterwegs. Alle Häuser sind verrammelt. Nur ein Restaurant hat geöffnet. Lassen den Abend bei einem Fläschchen Wein ausklingen. Auch der Kapitän sitzt mit dem ersten Offizier bei Asado und Bier.

25.Okt. / 35.Tag Rio de la Plata

Die Toilette wird repariert. Wir haben Waschtag. Um 11 Uhr wird die ‚Grande Brasile‘ von der Mole gestossen und dann in Richtung Hafenausfahrt gedreht. Hinaus aufs offene Meer. Im Jahre 1940 gab es hier eine Seeschlacht zwischen England und Deutschland. Die ‚Graf Spee‘ wurde dabei beschädigt und musste in Montevideo Schutz suchen, um die Reparatur auszuführen. In dieser Zeit zog England ein grosses Aufgebot an Schlachtschiffen, Zerstörern und Kreuzern zusammen. Der Kapitän der ‚Graf Spee‘ erkannte die Unmöglichkeit, durch die englische Flotte aufs offene Meer zu kommen, und versenkte sein Schiff 8 Meilen ausserhalb von Montevideo selbst.
Ganz langsam mit einem Lotsen an Bord schiffen wir den ‚Rio de la Plata‘ hinauf gefolgt von vier Schiffen. Kreuzen sehr eng entgegenkommende Schiffe. Die Gewässer hier sind sehr flach. In der Ferne sehen wir Backboard (links) die Silhouette von La Pata. Am späten Nachmittag geniessen wir Zwei Chitteriosalami, Brot und Portwein (heute schon wieder Uhr eine Stunde zurückstellen – d.h. nun sind wir 5 Stunden zurück von Schweizer Zeit).

26.Okt. / 36.Tag den Rio Parana rauf nach Zarate

Ein schöner Morgen. Im Dunst taucht Buenos Aires auf. Wie an einer Perlenkette ziehen die Schiffe von und nach Zarate. Zarate ist ein Flusshafen am ‚Rio Parana‘ gelegen, etwa 100 km von Buenos Aires entfernt.

Am Ufer des ‚Rio Parana‘ bewundern wir kleinste und grössere Häuser auf Stelzen. Alles ist topfeben und wildüberwuchert grün. Der Kapitän informiert uns, dass morgen ein Feiertag ist: weltweit, alle 10 Jahre?! Wir rätseln!

Der Hafen von Zarate ist klein, aber hier stehen ca. 100‘000 PWs und ein paar hundert LKWs zum Versand Landesinnere bereit. 100‘000 mal durchschn. 25‘000 CHF - man rechne!

27.Okt. / 37.Tag Tag der Volkszählung

Es ist wahr: heute läuft wirklich nichts! Um 7 Uhr morgens stehen wir mit Jacken auf Deck (9 Grad!). Der ‚Rio Parana‘ dampft, sieht schön aus. Lernen Spanisch, etwa unsere 7. Lektion – ihr seht, auf dem Frachtschiff kommt keine Langeweile auf! Homepage schreiben, Fotos auf dem Computer sortieren, lesen, sünnele, plaudern und selbstverständlich dreimal am Tag Essen. Der Swimmingpool ist leider nicht gefüllt. Wir würden auch nicht baden, denn das Flusswasser ist braun und sieht unappetitlich aus. Die Mannschaft arbeitet an dem grossen ‚Liebherr‘-Kran. Einer der Seeleute schwebt in schwindelerregender Höhe zu Oberst auf dem Kran.

28.Okt. / 38.Tag Sightseeing Zarate

Um 10 Uhr mit zwei Taxis nach Zarate. Zuerst zum ‚Mercado‘, was sich als ‚Carrefour‘ entpuppt. Hier spielen wir Kaspars Lieblings-Spiel: Gestell schleichen (Umrunden jedes Gestelles, anschauen der Waren und Preise). Kaufen 2 Flaschen von Bigis Familien-Wein ‚Suter‘. Dann weiter zu einem Restaurant, wo wir unser erstes argentinisches Asado mit Empanadas, Salat und Pommes Frites essen. Riesiges Stück Rindfleisch mit eher viel Fett. Die Fettreste verfüttern wir den Hunden im Hafen. Suchen die Post auf, um Briefmarken zu kaufen. Nummer ziehen und warten auf ‚bessere Zeiten‘. Endlich sind wir an der Reihe und möchten 10 Briefmarken kaufen. Die Schalterbeamtin ist überfordert und holt Hilfe beim Chef. Zu guter Letzt erhalten wir dann doch noch unsere Briefmarken. Zurück zum Schiff. Ein Taxi kostet für fünf Stunden inkl. Trinkgeld 280 Pesos (ca. 90 CHF).
Nach dem Nachtessen kommt der 1.Offizier in den Esssaal; wir sollen unsere Wohnmobile von Deck6 auf Deck3 hinunter fahren, damit wir in Buenos Aires Poolposition haben und sogleich losfahren können.

29.Okt. / 39.Tag letztes Mal ‚Leinen los‘

Ein trüber Tag, es regnet. Gerade richtig um Homepage fertigzustellen. Nach dem Mittagessen bricht doch noch Hektik aus. Müssen dem 2.Offizier Kopien der Pässe sowie Fahrzeugpapiere abgeben. Er scannt dann dies alles ein und schickt dies via Email zum Zoll in Buenos Aires. Heute ist ja Freitag: dann Samstag, Sonntag und Montag 1. November (Allerheiligen) – ist ja alles geschlossen! Wäre schon noch irrwitzig, wenn wir im Hafen von Buenos Aires noch 3 Tage festsitzen würden! Feiern mit unseren Mitreisenden mit Chlöpfmoscht, Salami, Dosenfleischkäse, Käse und Crackers das letze Mal ‚Leinen los‘ in Zarate. Um 16.45 Uhr fahren wir dann endlich, nach langem warten, doch noch los Richtung Buenos Aires, wo wir morgen früh 02.00 Uhr eintrefen sollen, oder auch nicht!

30.Okt./40.Tag Sturmwinde im 'Rio de la Plata'

Kaspar bestellt Spaghetti Bolognese für den Abschiedslunch! Nun stehen wir jedoch in Warteposition im Meeresarm ‚Rio de la Plata‘ 30 Meilen vor Buenos Aires. Starker Wind (30 Knoten) behindert die Einfahrt. Dadurch verlängert sich unsere Reise bis morgen oder übermorgen. Alle Passagiere nehmen es gelassen und machen Witze nach dem Motto ‚können auch gerade mit dem Schiff wieder nach Europa fahren, haben Südamerika ja gesehen‘. Nach dem Mittagessen holen wir unser Pyjama und Zahnbürste wieder unten im Camper, was wir in ‚harter Arbeit‘ auf Anweisung des Kapitäns bereits vor dem Frühstück verstaut haben. Abends Kinoabend, d.h. wir zeigen Fotos von unserer Schweizerreise.

31.Okt./41.Tag warten

Soeben hat der Kapitän mitgeteilt, dass an eine Einfahrt in den Hafen nicht gedacht werden kann. Unsere Schiffsreise wird langsam aber sicher lange und die Nerven einiger Passagier liegen blank. Die ‚Grande Brasile‘ liegt vor Anker. Der Sturm ist seit 7 Jahren der Stärkste! Können noch ganz nach vorne im Schiff, wo wir die gossen Winden, Ketten, Seile, Anker etc. für die Landung bestaunen. Die Kettenglieder für den Anker sind 15 cm dick. Grosse Luken geben die Rundsicht frei.

Auf dem Container-Deck öffnen sich komplett neue Sichtweiten auf die Brücke und die grossen Krane. Das Zwischendeck, wo die Neuwagen dicht an dicht stehen, hat eine Stehhöhe von 1,65 cm, also kein guter Arbeitsplatz für Kaspar.

1.Nov. - Ankunft in Buenos Aires

Um 06.00 Uhr schnell unter die Dusche, denn wir können schon die Hafenmauer sehen! Noch kurzes Morgenessen und um 09.00 Uhr fahren wir mit unserem Wohnmobil aus dem Schiff auf südamerikanischen Boden!

Hamburg - Bunenos Aires